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Der wilde Jackson

Max Brand: Der wilde Jackson - Kapitel 20
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDer wilde Jackson
publisherVerlag Von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
translatorFranz Eckstein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180215
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Neunzehntes Kapitel

Nachdem Jackson das Dorf hinter sich hatte, ließ er seinen Grauen in einen ausgreifenden Galopp fallen und hielt erst wieder an, als er eine einsam stehende Pappelgruppe am Rand eines kleinen Baches erreicht hatte.

Auf sein Pfeifen kam sofort der rothaarige Pete aus dem dichten Unterholz heraus und sah ihn blinzelnd an.

»Wo sind die anderen Jungens?« fragte Jackson.

»Die schlafen«, erwiderte Pete, »mir lassen leider meine Nerven keine Ruhe, ich müßte mal wieder ein Literchen Schnaps haben, um sie in Ordnung zu bringen.«

»Mein Sohn, wenn die Sache klappt, die ich vorhabe, kriegst du so viel Geld, daß du dir den Schnaps faßweise kaufen kannst. Habt ihr denn sonst alles, was ihr braucht?«

»Das schon«, meinte Pete, »das schlimme ist nur, daß man sich nicht frei bewegen kann.«

»Nanu, seit wann hast du denn so bürgerliche Anwandlungen?« fragte Jackson erstaunt. »Gerade, daß der Kommissar mit seinem Aufgebot hinter uns her ist, macht doch die Sache erst amüsant – das ist wie das Salz zum Ei, oder magst du vielleicht Eier ohne Salz essen?«

Pete, offenbar nicht ganz überzeugt, grinste.

»Na, schön«, sagte er schließlich, »ich habe Vertrauen zu dir, weil ich dich kenne. Gibt's was Neues?«

»Ja – ich glaube, daß ich das betreffende junge Mädchen wiedergefunden habe.«

»Na also! Hier in der Nähe?«

»Nicht weit jedenfalls, im Haus eines gewissen Tucker, drüben an der Straße nach Dole. Vielleicht irre ich mich, meine Schlußfolgerung ist etwas kühn, aber ich habe das Gefühl, daß sie stimmt.«

»Du hast ja meistens recht«, erwiderte Pete, »ich hätte allerdings nicht gedacht, daß dir's diesmal so schnell glücken würde. Wenn sie aber hier ist, wird der Kommissar auch nicht weit sein, was?«

»Sicherlich aber jetzt noch«, entgegnete Jackson überzeugt, »denn sie wird ihm kaum auf die Nase gebunden haben, wohin sie sich wenden will.«

»Dann reiten wir also wohl mit dir zusammen los?«

»Vorläufig laß die Jungens sich mal ausschlafen«, erwiderte Jackson, »dann kommt ihr mir nach, aber vermeidet die Hauptstraße, es führen, wie ich gesehen habe, Viehpfade über die Hügel da. Wenn's dunkel ist, treffen wir uns am Dorfeingang,«

»Höre mal«, sagte Pete vorsichtig, sich verlegen hinter dem Ohr kratzend, »im allgemeinen hast du ja meistens recht, aber was soll es eigentlich für einen Zweck haben, hinter einem Mädel her zu schnüffeln, das nichts von dir wissen will? Wär' es nicht auch für dich besser, wenn du uns drei nähmst und ein Ding drehtest, bei dem wirklich was zu erben ist?«

Jackson hatte ihn geduldig angehört.

»Das mußt du mir schon überlassen, Pete«, sagte er, »oder willst du besser bezahlt werden?«

»Wieso denn?« fuhr Pete ganz gekränkt auf. »Davon kann doch gar keine Rede sein, zumal wir den ganzen, lieben, langen Tag nichts weiter zu tun haben als nur aufzupassen, daß wir nicht mal ein Stück Blei in die Rippen bekommen.«

Jackson lächelte.

»Na also, dann tu immer brav, was ich dir sage, und denke daran, daß zum Schluß eine Extravergütung auf euch drei wartet, wie ihr sie euch nicht träumen laßt.«

Damit machte er kehrt und jagte im Galopp die Straße, die er gekommen war, wieder zurück, dann bog er ab und erreichte die nach Dole führende Chaussee, an der er bald Henry Tuckers Ranchhaus vor sich liegen sah.

Im Gegensatz zu den meisten Farmern hatte Tucker nicht alle Bäume in der Umgebung seines Wohnhauses wahllos gefällt, um bequem Brennholz zu haben, sondern sie stehenlassen, so daß sie jetzt angenehmen Schatten spendeten. Der alte Herr schien überhaupt so etwas wie Kultur zu haben, denn sein Haus war frisch gestrichen; weiß und blau abgesetzt, schimmerte es freundlich und einladend durch das Grün.

Jackson ritt durch das Gattertor, das sich durch ein angebrachtes Gewicht selbsttätig schloß, band sein Pferd an einem Pfahl fest und ging dann den kiesbestreuten Pfad, längs dem hochgebundene Tomatenbüsche angepflanzt waren, auf das Haus zu.

Auf der schattigen Veranda saß ein großer, hagerer Mann mit sonnverbranntem Gesicht, harten Zügen und grauen, mitleidlosen Augen – gekleidet wie ein Farmer, die Hosen in die schweren, plumpen Stiefel gesteckt. Er blickte von der Zeitung, in der er gelesen hatte, auf, sah Jackson prüfend an und fragte dann:

»Was führt Sie her?«

»Die Essenszeit«, erwiderte Jackson liebenswürdig.

Der Farmer richtete sich ein wenig in seinem Stuhl auf und zeigte nach dem Hof, wo neben einem mächtigen Holzhaufen Sägebock, Sägen und verschiedene Äxte zu sehen waren.

»Hier ist keine Garküche«, sagte er, »wer etwas zu essen haben will, muß dafür arbeiten.«

»Ich will mir gewiß meine Mahlzeit verdienen«, erwiderte Jackson, »für eine derartige Arbeit aber sind meine Hände zu zart, Herr Tucker.«

»Woher wissen Sie denn, wie ich heiße?«

»Einen Mann wie Sie kennt hier doch jeder Mensch!«

Tucker schien jedoch für Schmeicheleien nicht sonderlich empfänglich zu sein, denn er erklärte barsch:

»Entweder hacken Sie Holz, oder Sie müssen hungrig bleiben!«

Damit nahm er die Zeitung knisternd wieder auf und vertiefte sich mit zusammengezogenen Brauen in seine Lektüre.

»Aber verehrter Herr Tucker«, wandte Jackson schmelzend ein, »jeder kann doch nicht jede Arbeit leisten – meine Spezialität zum Beispiel sind Kartenkunststücke.«

Er holte ein Kartenspiel aus der Tasche und ließ die Blätter schnalzend durch die Finger gleiten, worauf Tucker verächtlich grinsend, aber doch sichtlich interessiert aufschaute und fragte:

»Sie sind wohl so eine Art Bauernfänger – was?«

»Das weniger, nur ein bescheidener Taschenspieler.«

»Na, dann zeigen Sie mal Ihre Kunst! Was würd' ich denn für ein Blatt bekommen, wenn wir jetzt zusammen Poker spielten?«

Jackson warf die Karten hoch in die Luft, fing blindlings fünf davon auf und reichte sie Tucker, der erstaunt feststellte, daß er vier Asse, das höchste Blatt beim Pokerspiel, in der Hand hielt.

»Das ist ja allerhand«, sagte er, »mit solchen Tricks könnten Sie doch ein Vermögen gewinnen – wie kommt's denn da, daß Sie auf der Landstraße liegen und betteln müssen?«

Jackson zuckte die Achseln.

»Ja, wissen Sie, das ist im Westen so 'ne Sache«, sagte er, »wenn ich mir hier zweimal hintereinander vier Asse geben würde, zögen die Jungens sicher blank.«

»Na, und haben Sie nicht selbst auch einen Revolver?«

»Nur, weil er zum Kostüm gehört«, erwiderte Jackson lächelnd, »aber bei mir ist er mehr Attrappe.«

Er hatte inzwischen die Karten wieder aufgelesen und fing an, mit ihnen zu jonglieren – sechs, acht, zwölf wirbelten gleichzeitig durch die Luft und kehrten immer wieder mit tödlicher Sicherheit in seine Hände zurück.

»Sie müssen ja Jahre gebraucht haben, um das zu lernen«, meinte Tucker.

»Jahre? Mein ganzes Leben hab' ich darauf verwendet.«

»In derselben Zeit hätten Sie mit weniger Mühe auch etwas Nahrhafteres lernen können.«

»Ganz brotlos sind meine Künste doch nicht«, erwiderte Jackson mit gewinnendem Lächeln, »ich bin überzeugt, daß sie mir heute zum Beispiel eine Mahlzeit im Hause Tucker einbringen werden.«

Tucker verzog das Gesicht zu einem Grinsen, sagte dann aber mürrisch:

»Die Essenszeit ist vorüber.«

»Irgend etwas Kaltes wird schon noch in der Speisekammer zu finden sein«, meinte Jackson zuversichtlich.

Jetzt lachte Tucker laut auf.

»Na, schön«, sagte er, »dann gehen Sie mal da ums Haus herum, klopfen Sie an die Küchentür und sagen Sie meiner Wirtschafterin, sie soll Ihnen was zu essen geben. So, und nun lassen Sie mich gefälligst meine Zeitung in Ruhe weiterlesen.«

»Herzlichsten Dank, Herr Tucker!« sagte Jackson und empfahl sich.

An der Küchentüre angelangt, klopfte er jedoch noch nicht sofort, denn das Herz schlug ihm bis in den Hals, als ob er stundenlang bergauf gelaufen sei. Endlich beruhigte es sich ein wenig – er klopfte.

»Wer ist da?« fragte Marys wohlbekannte Stimme.

»Ein armer Reisender bittet um etwas zu essen.«

Er hatte vor Aufregung ganz heiser gesprochen, so daß sie ihn nicht erkannte.

»Da müssen Sie erst Herrn Tucker fragen, der sitzt draußen auf der Veranda«, erwiderte sie.

»Mit dem hab' ich schon gesprochen, und er hat mich ja hierhergeschickt.«

Jetzt mußte seine Stimme sie wohl stutzig gemacht haben, denn die Türe flog auf, und leichenblaß, mit weitaufgerissenen Augen, stand sie vor ihm.

»Jesse«, fragte sie ganz entsetzt, »warum bist du hierhergekommen?«

»Weil ich Hunger habe, mein Liebling«, antwortete er.

Sie ließ ihn eintreten und schloß hinter ihm die Türe. Allmählich kam wieder Farbe in ihr Gesicht, aber sie sagte vorläufig noch kein Wort, sondern ging sofort eifrig daran, ihm etwas zu essen zurechtzumachen. Aus der Speisekammer holte sie einen gekochten Schinken, schärfte ein langes Schlächtermesser, ehe sie große, dünne Scheiben davon abschnitt, und schlug drei Eier in eine Bratpfanne; während das Kaffeewasser kochte, brachte sie Butter und Weißbrot herbei, stellte schließlich alles auf den rasch gedeckten Küchentisch und blieb, nachdem er auf ihre einladende Handbewegung dort Platz genommen hatte, die Hände auf die Lehne eines Stuhles gestützt, ihm gegenüber stehen.

»Setz dich doch auch«, sagte Jackson.

»Nein, danke«, erwiderte sie, »ich kann besser denken, wenn ich stehe.«

»Du mußt nicht glauben, daß ich gekommen bin, um dich zu quälen, Mary«, sagte er leise.

Sie sah ihn kühl-forschend an, wie es neuerdings ihre Art geworden, er konnte ihrem Blick nicht standhalten, sondern beugte sich über sein Essen, obwohl sein Appetit merklich geringer geworden war.

»Nun, wie ist dir's ergangen?« fragte sie schließlich.

»Ganz gut«, antwortete er, »Arnold hat die Sache aber trotzdem noch nicht aufgegeben.«

Ein flüchtiges Lächeln huschte bei diesen Worten über sein Gesicht.

»Ja, es ist eine schlimme Zeit für den armen Tex Arnold«, meinte sie, »aber dir scheint die Geschichte ja wenigstens Freude zu machen.«

»Mir macht nichts mehr Freude, seit du von mir weg bist.«

»Ach, rede doch nicht, dann bist du nicht aufrichtig gegen dich selbst«, erwiderte Mary.

Er sah sie erstaunt an und wurde dunkelrot, wie ein kleiner Schuljunge kam er sich vor.

»Schön«, sagte er, »ich will zugeben, daß mir die Aufregung nach der langen Ruhe einmal ganz gut tut.«

»Also um mit dem Feuer zu spielen, bist du hergekommen? Weil du weißt, daß man dich da suchen wird, wo ich bin?«

»Nein«, entgegnete er, »weil ich dich sehen mußte.«

»Warum?«

Die Brutalität dieser Frage warf ihn fast um.

»Muß ich das wirklich näher erklären?«

Ihr Gesicht blieb starr und unberührt, während sie antwortete:

»Wenn du wirklich noch etwas für mich übrig hast, warum ängstigst du mich dann immer wieder?«

»Wieso ängstige ich dich?«

»Solange ich dich in Gefahr weiß, kann ich natürlich auch nicht zur Ruhe kommen!«

»Verzeih mir, Mary«, sagte Jackson ergriffen. »Es ist nicht meine Absicht, dich wie ein Narr in der Welt herumzujagen, ich wollte nur eine Frage an dich stellen, eine letzte, entscheidende Frage.«

»Gut, dann stelle sie!«

»Bist du mit mir für immer fertig?«

»Ja!« antwortete sie ohne Zögern.

Er schob seinen Teller zurück.

»Siehst du, das glaub' ich dir nicht, Mary!«

»Warum nicht?«

»Du bist keine Frau, die einen Mann liebt – und geliebt hast du mich! – und dann ihre Liebe mit einer Handbewegung auslöscht, als ob nichts gewesen wäre.«

»Leicht ist's mir ja auch nicht geworden«, wandte sie ein, »das hab' ich nie behauptet.«

»Wenn du ehrlich bist, Mary, mußt du zugeben, daß du doch noch etwas für mich empfindest.«

»Erlaß mir hierauf die Antwort«, sagte sie leise, »es hat keinen Sinn, darüber zu reden.«

Sie nahm den Tabak und das Papier, das er gedankenlos aus der Tasche geholt und auf den Tisch gelegt hatte, drehte ihm eine Zigarette und reichte sie ihm.

»Du siehst nicht gut aus, Mary«, sagte er, während er sie anzündete, »du bist ganz eingefallen im Gesicht und hast tiefe Schatten unter den Augen – fehlt dir etwas?«

»Ich kann nicht schlafen; solange ich hier bin, hab' ich noch keine Nacht Ruhe gehabt.«

»Warum nicht?«

»Tuckers wegen.«

»Wieso?« fuhr Jackson auf. »Belästigt er dich?«

Mary schüttelte müde lächelnd den Kopf.

»Bist du noch immer der alte Hitzkopf?« fragte sie. »Nein, nein, Tucker ist ein Ehrenmann, sehr gut und sehr rücksichtsvoll zu mir, aber unendlich unglücklich ist er, und die ganze Nacht wandelt er ruhelos durchs Haus, weil ihn sein Gram nicht schlafen läßt.«

»Gram – worüber?«

»Weil sein Sohn auf Abwege geraten ist und sich einer Räuber- und Mörderbande angeschlossen hat.«

»Davon hab' ich gehört«, sagte Jackson, »aber daran soll ja der Alte selbst schuld sein.«

Mary schüttelte den Kopf.

»Nein, daran ist ganz jemand anders schuld.«

»So? Und wer wäre das?«

»Du!«

Jackson sprang auf.

»Ich? Aber ich habe ja den Bengel nie im Leben zu Gesicht bekommen!«

»Nein, aber er hat von dir gehört, hat alles verschlungen, was die Zeitungen über dich brachten, Wahres und Erlogenes, hat in dir einen Helden gesehen, dem er nacheifern wollte, hat von einem Leben voller Freiheit und wilder Abenteuer gefaselt und ist dann hingegangen, um es dir gleichzutun.«

Eine Weile schwieg Jackson betroffen, dann sagte er langsam:

»Wenn das stimmt, bin ich allerdings nicht schuldlos daran, und es ist meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Sache wieder in Ordnung zu bringen.«

»Wie wolltest du das?« fragte sie erstaunt.

»Indem ich verhindere, daß der Junge unter die Räder kommt.«

»Aber er ist es ja schon, ich habe dir doch gesagt, daß er Mitglied der Hayman-Bande geworden ist.«

»Jedenfalls ist er noch nicht so lange dabei, daß er bereits ein Verbrechen begangen hat, sonst hätte man davon gehört, und bevor es soweit kommt, werd' ich ihn aufsuchen und zurückbringen.«

»Aber Jesse«, sagte sie, »du weißt doch selbst, daß von Hayman niemand zurückkommt, daß höchstens der Tod –«

»Überlaß mir das, Mary«, unterbrach er sie ungeduldig, »endlich seh' ich eine Möglichkeit, den Weg zu dir zurückzufinden.«

»Den Weg zu mir?« fragte sie stirnrunzelnd.

»Jawohl, den Weg zu dir«, wiederholte er sehr bestimmt, »und zwar dadurch, daß ich den jungen Tucker in sein Vaterhaus zurückbringe, ohne besudelte Hände und ohne Flecken auf seiner Ehre.«

»Wenn du Fred Tucker wirklich zurückbringen würdest«, erwiderte Mary, »dann würde die Bande ihn spätestens innerhalb von vierundzwanzig Stunden ermorden, derartige Fälle sind auch schon dagewesen – wer einmal den Weg durch die Weiden gemacht hat, ist für immer verloren.«

»Was für einen Weg durch die Weiden?« fragte Jackson.

»Das ist ein Flußbett, zu beiden Seiten von Weidenbäumen bestanden, das aber nur zweimal im Jahr Wasser führt, hoch oben im nördlichen Kempton-Gebirge. Jeder, der darin hoch genug hinaufreitet, trifft bestimmt, Sommer und Winter, auf einen von der Hayman-Bande – entweder bringen sie ihn dann um oder sie nehmen ihn als Genossen auf, aber zurück kommt keiner.«

Er nickte.

»Ich mache dir einen Vorschlag, Mary: soll alles wieder zwischen uns sein, wie es gewesen ist, wenn ich Fred Tucker zurückbringe?«

»Einen solchen Handel wagst du mir vorzuschlagen?«

Entsetzt sah er sie an.

»Nein, nein«, sagte er hastig, »du hast recht, das wäre deiner nicht würdig und meiner auch nicht, denn wenn das Zeitungsgeschwätz über mich dem jungen Tucker den Kopf verdreht hat, muß ich natürlich bedingungslos versuchen, ihn ihm wieder zurechtzusetzen. Leb wohl, Mary, ich mache mich sofort auf den Weg durch die Weiden.«

Zögernd streckte er ihr die Rechte hin, sie nahm sie in beide Hände.

»Jesse«, sagte sie feierlich, »ich fühl's, daß wir uns nicht wiedersehen werden, und trotzdem wage ich es nicht, dich zu bitten, von deinem Versuch abzustehen; denn jetzt, nachdem du weißt, was Fred Tucker auf die schiefe Bahn gebracht hat, würdest du doch keinen Frieden mehr finden – Gott segne und schütze dich!«

»Leb wohl, Mary«, wiederholte er, »und sag mir nur das eine noch: find' ich dich hier wieder, wenn ich zurückkomme?«

»Wo sollt' ich denn hinfliehen?« sagte sie lächelnd. »Selbst wenn ich Flügel nähme, würdest du mir ja doch folgen und mich finden!«

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