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Der Wilde Freiger

Roland Betsch: Der Wilde Freiger - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Wilde Freiger
authorRoland Betsch
year1919
firstpub1919
publisherUllstein & Co
addressBerlin
titleDer Wilde Freiger
pages252
created20151207
sendergerd.bouillon@t-online.de
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3.

Am Signalmast wurde die Nummer 13 hochgezogen, Jagdflugzeug-Zweisitzer der Hans Welker-Flugzeugwerke. Fünfdecker mit doppelter Höhensteuerung, Flächenverwindung und verstellbarer hinterer Flügelzelle. Motor 260 PS Goero-Umlauf, 18 Zylinder, überkomprimierter Schnelläufer. Untersetzt 1,8:1. Gewicht mit Motor und Betriebsstoffen 385 Kilogramm. Führer: Hans Welker. Beobachter: Scanzoni.

»Welker, mach', daß du in deine Maschine kommst!«

Graf Scanzoni setzte die Brille über die Lederkappe.

Der Fünfdecker war schon zum Start gerollt. Welkers erster Monteur überprüfte noch einmal rasch den Motor und spritzte Benzin durch die Auslaßventile in die Zylinder.

Hans Welker zog die gelbe Lederjacke an, nahm Kappe und Brille und ging über den Rasen zur Maschine. Gleichgültig und mit einer offenkundigen Geringschätzung stach sein Blick über das wogende Publikum, das Ferngläser und Photographenapparate auf ihn gerichtet hatte. Das Charakteristische seiner spitzen Bewegungen offenbarte sich in solchen Augenblicken in den verstiegensten Formen. Der hängende Kopf, das Zuckende, Gezwungene in den Beinen und sein stereotypes, lautloses Lachen.

»Halt! Halt! Menschenskind, Sie verderben mir ja den ganzen Zeitungsrummel.« Kurt Seeberger kam mit einem Herrn in gebügeltem Sportanzug und hellgelben Ledergamaschen hinter Hans Welker her. »Los! Los! He, Welker, zum Donner, nehmen Sie doch eenen Momang die Zündung fort!«

40 Welker drehte sich um. Sein Blick schweifte über die Zuschauermenge. Da sah er seinen Bruder schon. Aus den Tausenden heraus, wie ein hypnotischer Fixpunkt heftete er sich auf die Netzhaut. Warum kam er nicht ins Zelt? Warum drückte er sich da beim Publikum herum? Wie ein Taschendieb!

»Doktor Held vom Berliner Abendblatt!« stellte Seeberger vor. »Bitte, öffnen Sie die Schleusen Ihrer Journalistenfragen!«

Seeberger machte eine Verbeugung wie ein Zirkusdirektor. Doktor Held zog ein Notizbuch aus der Tasche und leckte am Bleistift. Mit einem grünseidenen Taschentuch wischte er sich die Stirn.

»So lassen Sie mich nur bißchen verschnaufen! Das ist ja das reine Wurstschnappen hier.«

Da kamen schon wieder zwei angerannt. Mit Kasten und Kisten. Einer verlor seinen Hut. Er ließ ihn liegen.

»Gestatten, Filznagel! Operateur der Deutschen Mars-Film-Kompanie. Wenn ich Sie vielleicht für eine Sekunde belästigen . . .«

Da drehte er auch schon an der Kurbel, verzog das Gesicht wie ein Kapuzineräffchen und stampfte schnaufend und kurbelnd hinter Hans Welker her, als dieser sich plötzlich umdrehte und zu seiner Maschine eilte. Das Faktotum schleppte wie ein Packesel die beiden Kisten hinterher.

»Homespun, befriedigen Sie die Neugierigen!«

Hans Welker stieg in die Maschine und sein Monteur schnallte ihn fest. Zwei Herren von der Platzkommission brachten die plombierten, auf den Barometerstand reduzierten Barographen.

»Sind die Herren schon gewogen?«

»Alles in Ordnung!« rief Scanzoni. »Hansen, wo ist die Liste?«

»Holla, Scanzoni!«

»Ja!«

»In dreihundert werden die Barographen eingeschaltet. Aufpassen! Ich fliege erst zwei Platzrunden.«

41 Hans Welker schaute sich um. Wo war sein Bruder? Was war das für eine verdammte Spiegelfechterei!

Für einen kurzen Augenblick hatte er ein unsicheres Gefühl. Ein lähmender Zweifel schlich sich in seine Gedanken.

Seeberger lief wie ein Tierbändiger um den Fünfdecker und zog den Reporter am Rockärmel mit. Auf der Tribüne setzte die Militärkapelle ein. Torgauer in Blechbesetzung.

»Ich kann Ihnen mit dem besten Gewissen versichern, daß dies die modernste Maschine ist, die zurzeit in Deutschland startbereit ist! Sehen Sie hier . . .«

»Aber die Zeiten, was hat sie zu Hause für Zeiten gemacht?« ereiferte sich Doktor Held.

Ein gelbhäutiger Jüngling in roter Bedientenlivree schlich sich zu Hans Welker und reichte ihm eine Ansichtskarte hinauf. »Die gnädige Frau, Baronin von Armin, läßt um eine Unterschrift bitten!«

»Mach', daß du fortkommst!« brüllte Seeberger, »roter Affenschädel! Schauen Sie sich bitte den Motor an, Herr Doktor, er ist für große Höhen wie geboren. Als ich damals mit einem armseligen 70pferdigen Anzani meine wackelige Taube auf 1200 hetzte, war das eine Leistung, über die eine ganze Welt die Köpfe schüttelte . . . Machen Sie jetzt bloß, daß Sie mit Ihrem dämlichen Kurbelkasten nach Hause starten, sonst fliegt Ihnen ein Benzintank an die Karosserie. Vorsicht!«

»Frei?«

»Frei!«

Mit einem Satz sprang Seeberger zur Seite. Der nervöse Kinooperateur Filznagel von der Deutschen Mars-Film-Kompanie samt Drehorgel und Faktotum lag am Boden. Hans Welker hatte an der Anlaßkurbel gedreht. Rauschend sprang der 18-Zylinder an, Welker öffnete voll, und der Propellerwind wehte den Unglücksraben wie ein Papierblatt über den Haufen.

»Aufpassen hinten! Gehen Sie doch zum Donnerwetter . . .«

42 Hans Welker lag im Start. Mit dreißig Metern Anlauf zog er die Maschine über die Erde. In rasender Fahrt schwebte er über den Platz. Er drückte leicht und sammelte noch mehr Fahrt. Rasch erholte sich der Motor, da riß er die Maschine mit einem Male wie einen Fahrstuhl hoch. Ausrufe des Entzückens kamen aus dem Publikum. Das war weiter nichts als ein Akrobatentrick, den man mit jeder guten Maschine ausführen konnte.

Aber es machte Eindruck, war Reklame.

»Na?« sprach Seeberger mit einem vielsagenden Lächeln zu dem Berichterstatter, »schreiben Sie das mal gleich in Ihr Notizbuch! Was sagen Sie?«

Hans Welker warf den Fünfdecker in eine scharfe Rechtskurve. Wie ein Pfeil rauschte er quer über den Platz. Am Ende des Geländes war er fünfhundert Meter hoch. Er ging in eine eckige Linkskurve mit voller Verwindung und hartem Seitensteuer. Mitten in der Kurve drückte er auf den Kurzschlußknopf. Das ohrenbetäubende Motorgeräusch verstummte. Eine unheimliche Stille.

Mit wunderbarer Eleganz drehte er die Maschine über den linken Flügel, drückte rasch das Steuer vor und stieß wie ein Habicht senkrecht zur Erde. In etwa hundert Metern fing er ab und kam geradewegs auf die große Zuschauertribüne zu.

Atemlose Spannung. Er kam näher.

Was ist denn passiert? Er kommt ja mitten in die Tribüne gebraust. Einige Rufe des Entsetzens wurden laut.

Flüchtende, Stoßende, Drängende.

Da gab Hans Welker Gas und zog die Maschine kurz vor der Tribüne hoch.

Aus tausend Kehlen kamen gepreßte Laute.

Es währte einige Sekunden, da löste sich die Spannung.

Ein orkanartiger Beifall dröhnte über den Flugplatz. Bis hinauf zu Hans Welker, der es durch das Donnern des 18-Zylinders hörte.

Noch einmal drückte er mit Vollgas die Maschine, zog sie in einem Schwung hoch und vollführte hintereinander 43 zwei elegante, schulgerechte Loopings. Einige Minuten später war er verschwunden.

Was Hans Welker hier vorführte, war keine besondere Leistung. Jeder gute Flieger flog ihm die gleichen Kurven nach. Das Verblüffende war lediglich der waghalsige Schwung und die faszinierende Eleganz, mit der er flog. Alle Formen hatten etwas beklemmend Kühnes, Akrobatenhaftes und waren meisterhaft weich bis ins kleinste abgefühlt. Das Harmonische seiner Bewegungen und das Entschlußkräftige seiner Steuerhandhabung gaben ihm eine unbedingte Ueberlegenheit. Hans Welker war einem Vogel ziemlich ebenbürtig. Das Gefühl für die Lage der Maschine war bei ihm in solch hohem Grade entwickelt und ausgeprägt, daß er mit Bewußtsein keine Steuerbewegungen mehr ausführte. Er flog mit einem Unterbewußtsein, ohne auch nur einen Augenblick zu überlegen. Die Maschine war seinem Individualempfinden einverleibt, so daß jedes theoretische Schlußfolgern bei ihm überflüssig war, weil das Nervenzentrum die gesamten, in jedem einzelnen Augenblick nötigen Steuerbewegungen von selbst und ohne Zuhilfenahme blitzartiger Ueberlegungen ausführte.

»Was meinen Sie? Kann er fliegen?« Seeberger warf sich in die Brust, als sei er der geistige Urheber der ganzen Flugkunst.

»Wissen Sie, der ist als Flieger auf die Welt gekommen.«

»Ungeheuer! Ganz phänomenal!« Doktor Held kritzelte ins Notizbuch. Dann zündete er eine dicke Zigarre mit Bauchbinde an und stieß mehrere gedankenschwere Wolken kopfschüttelnd durch die Nase.

»Das ist noch gar nichts, kann ich Ihnen sagen. Gar nichts! Kinderei! Aber da sollen Sie ihn sehen, wenn er Laune hat. Da fliegt er zwischen Brückenpfeilern durch, unter Telegraphenleitungen, landet auf Marktplätzen und flachen Dächern, streift mit den Rädern das Wasser vom See und setzt zum Schluß die Kiste glatt in seinen Fabrikhof. Man muß geradezu lachen, wenn man 44 an einen Pégoud denkt, der eine Welt auf den Kopf stellte mit seinen einfältig-harmlosen Loopings, die heutzutage jeder Flugschüler mit dem ersten Examen macht.«

Ein neuer Jagdtyp einer Johannisthaler Firma rollte zum Start.

Doktor Held empfahl sich. »Sie gestatten doch, daß ich nachher nochmals vorspreche?«

»Aber selbstverständlich,« schnarrte Seeberger und zog die Mütze in die Stirn. »Was ist denn das für eine Jammerkiste da drüben? Ojeh! Achtzylinder-Stand. Von der ist nichts zu fürchten. Na, dann auf Wiedersehen!«

Seeberger stand breitbeinig da und betrachtete seine Stiefelspitzen. Ein verschmitztes Lachen glitt über sein eingedrücktes Gesicht. »Alles Pose,« sprach er und räusperte sich, »alles Komödie!«

Er zog eine kleine Klappkamera aus der Tasche und photographierte unbemerkt das Flugzeug, bei dem eben die Barographen befestigt wurden.

»Ist nicht nötig,« rief jemand von hinten. Es war der Monteur Hansen. »Ich habe sie schon alle auf der Platte; die ganzen einundzwanzig Kisten, die hier herumflatschen.«

»Sehen Sie mal zu,« flüsterte Seeberger, »daß wir auch die Flügelprofile bekommen.«

»Alles in Schwung!« lächelte Hansen und rieb sich das Stoppelkinn.

»Ich habe, offengestanden, ein bißchen Bammel vor der Hessenmaschine. Dieser Paul Welker fängt an, mir fürchterlich zu werden.«

»Er hat 'ne verflucht gute Zeit geschafft.«

»Wir hätten dem Brüderlein ein wenig harmlosen Rheinsand ins Oel praktizieren sollen.«

»Ist nicht nötig. Herr Welker wird den Film schon schmeißen.«

»Wo steht denn eigentlich die Paul Welkersche . . . eh, die Hessenmaschine?« Ihm fiel ein, daß es hier vielleicht für ihn noch etwas zu tun gab.

45 »Nischt mehr zu machen, Herr Seeberger! Ist schon abgerollt!«

Seeberger zuckte die Achseln. Das war schade. – – –

Paul Welker stand unter den Zuschauern, als sein Bruder startete. Er sah den alten Zauber zum so-und-so-vielsten Male. Immer die gleiche Reklamearbeit. Aber immer wieder zog sie. Billiges Publikum! Nach der ersten Kurve beobachtete er die Maschine im Steigen. Sein krankhafter Ehrgeiz wurde wach in ihm und trieb ihm das Blut zum Herzen. Im Umkreis vernahm er Stimmen der Anerkennung und lebhafte Bravorufe. Ach, was wollte dieses Volk! Verständnis für ein Häuflein Akrobatik, aber sonst nichts.

Mit starrem Gesicht schaute er der Maschine seines Bruders nach. Diesmal würde er ihn nicht schlagen. Mit unsäglicher Mühe war seine Maschine berechnet. Durchdachte und durchgrübelte Nächte. Systematisches Aufbauen auf bewährten Mustern und mühevolle Vervollkommnung erprobter, amerikanischer Flügelprofile. Das mußte doch einen Erfolg zeitigen. Das konnte doch von der Autodidaktenarbeit seines Bruders, von dessen raffiniert ausspionierten Maschinen nicht in den Dreck geworfen werden.

Paul Welker schob sich durch die Menge und ging langsam zu den Zelten. Wie ein Kranker schlich er über den Rasen, und ein vergrabener Glanz kam aus den beschatteten Augen. Mechanisch zählte er die Schritte bis zu einem in die Erde geschlagenen, weißgestrichenen Markierungspflock. Wenn die Schrittzahl gerade ist, dachte er bei sich, dann gewinne ich. Ist sie ungerade, dann schlägt er mich.

Gleichgültig zählte er. Es war ein psychopathischer Aberglaube, aus den einfachsten Dingen herausgebildet, deren zwiefache Möglichkeiten er auf sich bezog, und daraus er sein Glück oder Unglück herleitete. Er zählte Telegraphenstangen, Pflastersteine, setzte gewisse Zeiträume für den Verlauf irgendeines Ereignisses fest und schloß daraus mit einem inneren Zwang auf sein eigenes Leben.

46 Nun war er bei dem Pflock. Es war ungerade. Ein leichtes Zucken huschte über seine Augenlider.

In selbstquälerischer Unruhe ging er weiter. – –

Hans Welker regulierte den Motor. Genau, Zahn für Zahn gab er Gas und fühlte am Höhensteuer. Gleichgültig, etwas schief auf die Seite geneigt und den Kopf eingezogen, saß er in dem schmalen Ledersitz und schaute nach Barograph und Tourenzähler. Die Zunge hatte er gerollt und wulstartig vor die Zähne geschoben. Für ihn gab es keine Berechnung, er fühlte die Maschinenlage durch sämtliche Nerven, wußte genau, wann er Gefahr lief, zu überziehen, und horchte wie ein alter erfahrener Arzt auf den Pulsschlag des Motors. Scanzoni schrieb nach der Stoppuhr genau die Zeiten auf. Bis jetzt war die Kurve ausgezeichnet. 3000 in 4¾, 5000 in 7 Minuten. Die Luft war ruhig und böenrein. Ein grauer Nebelstreif zog am Horizont über das dunkle Blau des Himmels. Scanzoni verglich seine Stoppuhrzeiten mit dem Goerz-Barograph. Sie stimmten genau überein.

In 5500 nahmen sie die Sauerstofflaschen.

Höher und höher in das uferlose Blau. Die Erde blieb zurück wie ein Schatten, etwas körperlich Gedachtes. Hans Welker vergaß die Erde. Unbeweglich saß er, und es schien, als wollte er in die Sonne steigen. Große Höhen zaubern Schatten. Führen lebende Gestalten vor, die aber nur Truggebilde sind.

Vor sich, wie auf blauer Leinwand sah Hans Welker seines Bruders versteinertes Gesicht. Sah die schwarzen Augen, die wie zwei halbversunkene Sterne glühten.

Ich habe noch vor keinem Menschen Furcht gehabt, dachte er, sollte mein Bruder mich das Gruseln lehren? Wäre es nicht das beste, wenn er bei mir wäre? Wenn wir zusammen arbeiteten? Sein kluger Kopf könnte mir viel nützen. Es ist aber doch selbstverständlich, daß er sich mir unterordnet. Ja, zum Donnerwetter, ich muß doch der Herr bleiben. Der ganze Schwindel gehört doch mir.

47 In 9000 schlich das Höhenfieber über Hans Welker.

Gaukelnd, lähmend, wie ein dicker Nebel, der sich auf die Lungen legt. Er konnte keine Höhen mehr vertragen.

Was stand da immer sein Bruder vor ihm?

Diese unbewegliche Fratze!

Ein Gedanke durchfuhr ihn.

Ich glaube, er ist zu allem fähig. Zu allem! Ich will ihm nochmals den Vorschlag machen. Er soll bei mir eintreten. Eine selbständige Stellung will ich ihm geben, daß er zufrieden ist. Daß er weiter philosophieren kann. . . . Sind wir denn immer noch nicht oben . . . Zehntausend sind vorgeschrieben. . . . ach, steht mir doch bei . . . ich schlage ihn, ganz sicher, ich fühle es jetzt schon, aber . . . aber nimmt das denn immer noch kein Ende?

Angestrengt schaute er nach dem Barographen. Neuntausendsiebenhundertundfünfzig. Also zweihundertfünfzig Meter noch.

Ein Pappenstiel. Aber in dieser Höhe eine Qual.

Hans Welker wollte sich umdrehen, um nach Scanzoni zu sehen. Es ging nicht, sein Körper war durch die dünne Lust wie gelähmt. Er war kaum imstande, das Seitensteuer zu betätigen. Der innere Ueberdruck preßte ihm das Blut in den Kopf.

Da flog sein Bruder neben ihm. Wo kam der her? Jetzt, aus dieser Einsamkeit.

Das erste Lachen, ha! ha! Das erste Lachen in seines Bruders teuflischem Gesicht.

Er stieg ja, sein Bruder. Stieg ihm vor der Nase weg.

»Halt! Haaa . . lt!!« Hans Welker preßte es aus der trockenen Kehle. Sein Bruder war fort. Das All hatte ihn verschlungen.

Er sah nur eines. Den Barographen. Er schrieb, ach wie langsam schrieb dieser Barograph.

Mit ungeheurer Willenskraft raffte Hans Welker sich zusammen. Wo waren denn mit einem Male die Wolken her? Nun waren sie wieder fort.

48 Da waren doch eben weiße Ballenwolken!

Das Höhenfieber hatte ihn gepackt wie eine Schlange.

Wieder setzte das Gaukelspiel ein, und Paul Welker flog an seiner Seite. Gleichmäßig stiegen sie. Genau in der gleichen Höhe. Nur nicht erlahmen, dachte Hans und arbeitete mit allen Nerven. Jetzt geht es aufs Ganze! Kam er nicht höher? Blieb der da neben ihm nicht zurück? Nein!

Doch, jetzt! Kaum merklich blieb er unter ihm. Es geht aufs Ganze! Sei kein Schwächling!

Ein triumphierendes Lachen stieg in Hans Welkers Gesicht. Die Nase verbog sich, und unter der Brille legte sich die Stirn in Falten.

Von hinten stieß ihn jemand in den Rücken.

Er schrak hoch.

Da zeigte der Barograph zehntausend Meter.

Langsam und kaum merklich legte Hans Welker die Maschine in den Gleitflug. – –

Die Flugplatzkommission nahm die drei Barographen aus der Maschine und stellte die Höhenleistung des Hans Welkerschen Jagdtyps fest.

Einige Minuten später stieg das Ergebnis am Signalmast hoch.

Nummer 13: 10 000 – 27½. Hans Welker hatte seinen Bruder um 15 Sekunden geschlagen. – –

Ein Zeitungsjunge lief über den Platz.

»Abendblätter! Berliner und Frankfurter! Sportewelt! Neueste Nummer L'Aërophile!«

»Heda!« rief Graf Scanzoni, »L'Aërophile!«

In dieser Nummer stand die fabelhafte Höhenleistung des französischen Avion de chasse B 22 mit Le Rhône-Maurice. 49

 

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