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Der weiße Wolf

Max Brand: Der weiße Wolf - Kapitel 23
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDer weiße Wolf
publisherTh. Knaur Nachf. Verlag
yearo.J.
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22. Kapitel

»Was ist das da im Süden? Auf den Dunkeld-Bergen?« fragte Tucker Crosden seine Tochter. Er stand an der Hintertür seiner Hütte und spähte angestrengt nach Süden hinüber. »Sind das Wolken, der dunkle Streif da hinten?«

»Nein«, antwortete Molly Crosden. »Das ist kein Wolkenstreifen. Bloß ...«

»Bloß was?«

»Oh, nichts.«

Er trank den letzten Schluck Kaffee und stieß den Blechbecher auf den Tisch, daß es klirrte.

»Komm mal her!« knurrte er.

Sie war am andern Ende des Zimmers. Sie gehorchte und blieb vor ihm stehen. Halb verdrossen, halb erschrocken blickte sie ihm ins Gesicht. Er stützte seinen plumpen Ellbogen auf den Tisch und richtete den Zeigefinger wie einen Revolver ihr ins Gesicht.

»Laß das verdammte Starren«, sagte er.

»Ich weiß nicht, was du meinst, Dad«, sagte sie.

»Du weißt nicht? Und ich sag' dir, du weißt ganz gut. Und ich sag' dir, laß es bleiben! So hat deine Mutter mich angeglotzt, wenn sie sich's in den Kopf gesetzt hatte, ich will sie schlagen. Und ich laß' mir's nicht von dir gefallen! Wenn ich mir's hab' gefallen lassen von meiner Frau, brauch' ich's nicht zu dulden von meinem Kind. Und ich werd's nicht dulden! Hast du mich verstanden?«

»Ich hab' verstanden«, sagte Molly so deutlich wie sie konnte.

»Und wenn ich schon für 'nen Mörder gehalten werde –?« knurrte er. »Muß ich's jedesmal von neuem in deinem Gesicht lesen, wenn du mich anschaust? Hab' ich's nötig, daß ich das immer in deinem Gesicht sehen muß? Soll mich der Teufel holen, hab' ich's nötig, daß du mich alleweil anglotzt, als ob du mich schon in der Hölle siehst?«

Er hatte sich in Wut geredet. Jetzt ließ er die Faust auf den schweren Tisch niederdröhnen, daß die plumpen Beine des Möbels polternd über den Boden rutschten.

»Wer hat mich denn dazu gebracht, außer euch Weibervolk? Wer hat mich denn dazu gebracht, außer dir selbst? He?«

»Ich?« rief Molly.

»Jawohl, du – du oder deine Mutter –, das ist allemal dasselbe. Ihr habt mir den Totschlag auf den Hals gehetzt. Du und deine Mutter mit euerm Geschrei – die Nachbarn habt ihr alarmiert und behauptet, ich wär' dabei, euch zu ermorden ...«

»Dad, ich schwör' dir, daß ich niemals ...«

Seine riesige Hand fiel auf ihre Schulter. Er zog sie zu sich hin.

»Nimm du keine Lügen in den Mund, Molly. Ich wünsch' dir nichts als lauter Gutes. Soweit bist du 'ne ganz verläßliche Tochter. Du nimmst dich meiner an, Molly, und ich hab' dich gern, aber lieber möcht' ich dich tot sehn, als daß ich's erlebe, wie du 'ne Lüge in den Mund nimmst.«

Sie rang verzweifelt die Hände.

»Aber ich werd' doch nicht lügen, Dad«, schrie sie in Angst. »Ich will versuchen, dir die ganze Wahrheit zu sagen, wenn du mich bloß läßt.«

»Na also. Ich laß' dich ja jetzt.«

»Wie ich Ma und Tante Abbey kreischen hörte, damals in der Nacht, bin ich aufgestanden und hab' mich angezogen und wie ich in die Küche komm', seh' ich ...«

»Red nicht davon. Ich seh' rot vor den Augen, wenn ich's höre. Ich will nichts mehr davon hören! Aber jetzt heraus mit der Sprache. Warum hast du nach den Dunkeld-Bergen 'rübergestarrt wie 'n sterbendes Kalb? Na, wird's?«

»Weil Mr. Gannaway dort hinüber ist, wie er nach Süden zog.«

Crosden, in all seiner Größe, sackte plötzlich in seinem Stuhl zusammen.

»Es ist also nicht deine Ma, nach der du dich sehnst, daß du dich so einsam fühlst? Gannaway ist es?«

»Hab' ich denn gesagt, daß ich mich einsam fühl'?«

Seine Wut war verraucht und nur eine gewisse melancholische, wehleidige Stimmung blieb zurück.

»Gesagt hast du nichts, aber ich hab' dir's angesehn. Bild' dir nur nicht ein, Molly, daß ich blind bin. Ich hab' Augen im Kopf, und ich kann sehn, daß du dich hier oben bei mir nicht 'n bißchen glücklich fühlst. Nicht 'n bißchen!«

»Ich fühl' mich schon glücklich«, sagte das Kind. »Manche Zeit fühl' ich mich ganz und gar glücklich.«

»Wann denn? Wann denn? Wenn ich weg bin?«

»Nein, nein!«

»Ich bin wohl nicht 'ne Sorte Gesellschaft, in der sich meine Tochter glücklich fühlt?«

»Doch, Dad, und ich hab' dich rasend gern.«

»Weswegen denn? Weil ich mit dir spiele? Weil ich dir Geschichten erzähl', wie du sie gern hörst?«

»Weil du mein Daddy bist. Braucht's da 'nen andern Grund?«

Er lachte. Es klang wie ein Ächzen.

»Hast du nicht gesagt, du willst mir die Wahrheit erzählen? Dann 'raus damit! Gannaway ist ein feiner Mann! Gannaway, der hat sich hingesetzt und dir Geschichten erzählt von den Bergen und vom Sturm und von was weiß ich noch für Zeug? Erzähl' ich dir Geschichten? War's nicht Gannaway, der daran gedacht hat, dir das Gestell zu 'ner Puppe zurechtzuschnitzeln – und verdammt schlecht hat er's zuwege gebracht –, aber soll mich der Teufel holen, wenn Tucker Crosden je soviel Verstand gehabt hat, dran zu denken, daß er dir 'ne Puppe schnitzen könnte, Molly. Nein, weiß der Teufel, 's ist mir nie in den Kopf gekommen! Just, weil ich nicht die Sorte Mensch bin wie Gannaway – nicht so gut und so großmütig und so warmherzig. Ja, ja, Molly, ich versteh' schon, warum dir das Leben hier wie 'ne Hölle ist und warum du nach den Bergen Ausschau hältst, ob vielleicht Gannaway zurückkommt.«

Sie hielt es nicht länger aus. Plötzlich stürzten die Tränen aus ihren Augen und sie warf sich schluchzend auf ihr Lager. Der Schatten ihres Vaters fiel auf sie. Seine Stimme war wie ein melancholisches Donnern fern in den Bergen.

»'s fällt mir nicht ein, Molly, daß ich's dir zum Vorwurf mach'. Ich bin nicht die Sorte Mensch, an denen die Kinder 'nen Narren gefressen haben.«

Sie griff blindlings nach seinem Rock und klammerte sich daran fest:

»Dad, glaub's doch, daß ich dich rasend gern hab'!«

»'s gibt nur eine Kreatur, die mich wirklich gern gehabt hat, so richtig – das war der King! Ich sag' dir, Molly, wie ich ihn in den Armen gehalten hab', wie er am Sterben war – und grausig war der arme Köter zugerichtet – grausig – und die Kiefer waren ihm schon verkrampft und die Augen waren glasig und was er noch hatt' an Kraft, das wendete er dran, daß er nicht laut herausheult' vor Schmerzen ... Aber, wie er meine Stimme hörte und meine Hand spürte, ich sag' dir, Molly, da hat er glattweg alle Schmerzen vergessen. Er hob den Kopf und leckte mir die Hand – und dann sinkt sein Kopf mir an die Brust und da ist er gestorben. Der hat mich gern gehabt, und wenn ich an ihn denk', dann seh' ich, daß in den Menschen keine Liebe ist und auch nicht in den Hunden, von denen ich sonst weiß – und deshalb sag' ich dir, mach mir keine Lügen vor und sag bloß heraus, was wahr ist! Laß nur, 's kann sein, 's war alles andere wert, daß man einmal 'nen Hund gekannt hat, wie der King einer war. Und außerdem, wer weiß, ob er nicht doch mal zu mir zurückkommt?«

Mollys Tränen hörten zu fließen auf. Der Schrecken packte ihr Herz mit eisigen Krallen. Gewöhnlich geschah es nur gegen Ende des Tages, wenn er müde und verstimmt war, daß sein alter Wahn seiner Herr wurde. Aber nun glitt er rasch tiefer und tiefer.

Jawohl, nun stand er über sie gebeugt und brüllte sie an: »Was hält ihn denn fern, außer dir, Molly? Was hält ihn denn fern, außer dir? Genau so, wie früher deine Mutter – Gott verzeih' mir! Was red' ich da?«

Ein Strahl der Vernunft schien plötzlich tageshell in das Chaos seines Innern zu fallen. Er stürzte durch die offene Tür hinaus in den Schnee und machte sich dann schwerfälligen Ganges auf den Weg, um seine Fallen abzugehen. Was er gesagt, was er getan hatte, verschwand rasch in den treibenden Schatten seines umwölkten Gehirns. Der nackten, brutalen Wahrheit ins Gesicht zu sehen, blieb ihm erspart.

Kaum stand er bei seinen Fallen, als sie seine Aufmerksamkeit schon ganz und gar allein beanspruchten. Sie lagen in einer langen Linie, vom Ende des Pekan-Sees, am Silber-See vorbei, bis fast an den Pistolen-See. Von einem Ende zum andern war es ein Marsch von rund zwölf Meilen, eine lange Linie, die sich vom Berg zum Fluß und zum Seeufer hinunterschlängelte und wieder hinauf zu den Bergen, über Waldwiesen und Sümpfe und tief durchs dunkelste Dickicht. Er hatte vielerlei Fallen ausgelegt, denn er stellte den verschiedensten Tieren nach. Wiesel, Marder, Otter, Stinktier, Wolf und Fuchs waren ihm gleich willkommen. Der Fang jedes dieser Tiere hatte seine eigenen Kniffe und erforderte einen besondern Köder.

Am oberen Ufer des Pekan-Sees hatte er eine Reihe Nerzfallen ausgelegt. Sie lagen dicht am Wasserrand, wo die letzten kleinen Wellen sie noch fast erreichten. Das blutdürstige kleine Raubtier pflegt an solchen Stellen den Moschusratten aufzulauern, obwohl es auch geringere Beute nicht verschmäht, mag sie nun Pelz oder Federn tragen. Tucker Crosden fand die Fallen leer. Aber ehe er weiter wandelte, machte er halt, um sie mit frischer Witterung zu versehen.

Zwölf Meilen durch die Wälder, durch tiefen Schnee oder auf schlüpfrigem, vereistem Grund sind für einen gewöhnlichen Menschen allein ein Tagewerk. Für den mächtig ausholenden Schritt des Riesen bedeuteten sie nichts. Er konnte die ganze Strecke zurücklegen, alle Fallen nachsehen und die Opfer an Ort und Stelle abhäuten und doch wieder zu Hause sein, kurz nachdem die frühe Winterdämmerung begonnen hatte. Gewiß waren diese furchtbaren Märsche auf dem unebenen Boden dazu angetan, selbst Tucker Crosden an den Rand der Erschöpfung zu bringen. Aber er war froh, wenn er abends todmüde zurückkam. Es befreite ihn von dem entsetzlichen Grübeln und Sinnieren und das Gespenst des toten King schien sich dann tiefer in das Reich der Träume zurückzuziehen. Arbeit bis zur Erschöpfung und bleierner Schlaf war das einzige, was er noch vom Leben beanspruchte. So lief er jeden Tag zwölf Meilen weit über Berg und Tal, durch die Wälder, am Fluß und die Gestade der Seen entlang, bis er den Pistolen-See erreicht hatte. Dort machte er kehrt und wanderte über die höhergelegenen Berge, weiter südlich, wieder heim. Dort war der Schnee in der Regel weniger tief, und diese Hälfte des Weges wurde deshalb gewöhnlich auch rascher zurückgelegt. Die lange Linie der Fallen in einer Gegend, wo er keine Mitbewerber hatte, brachte ihm selbst in diesem bösen Winter eine reiche Ernte an Pelzwerk ein.

Trotzdem trug er es nicht leicht, daß eine Falle in der Nähe des Silber-Sees beraubt worden war. Die Falle war zugeschnappt, aber in ihren Kiefern steckte nur noch eine einzige kleine Pfote. Der Knochen war über der Falle durchgebissen. Der Boden ringsherum war reichlich mit Blut bespritzt und kleine Fetzen edlen dunklen Pelzwerks lagen überall herum. Die langen Haare zeigten silberne Spitzen, wie wenn Rauhfrost daran sich niedergeschlagen hätte. Ein Silberfuchs war in der Falle gewesen, die Beute, von der jeder Fallensteller träumt! Wer der Mörder war, zeigte eine breite, aber nur leicht in den Boden eingedrückte Spur, die Spur eines Luchses.

Tucker Crosden machte die Falle wieder fangbereit und setzte, Flüche vor sich hinmurmelnd, seinen Weg fort. Noch keine Meile hatte er zurückgelegt, als er seine Rache fand. Wieder kreuzten die charakteristischen, von der Behaarung der Pfoten halb verwischten Spuren des Luchses seinen Weg. Warum hatte sich der Narr nicht schlafen gelegt, wenn er einen ganzen Fuchs im Leibe hatte? Nein, er war weiter herumgestrichen und jetzt sollte er seine Belohnung finden. In der Schlucht eines kleinen Baches, dessen Ufer mit dicken Eiskrusten behängt waren, saß der Würger zusammengeduckt und seine gelben Augen funkelten tückisch durch den trüben Wintertag. Crosden legte an, schoß das Tier nieder und zog ihm hastig das Fell ab. Seine riesige Körperkraft befähigte ihn, beinah' mit einem einzigen Ruck dem toten Tier das Fell herunterzureißen. Den blutigen Kadaver schleuderte er tief ins Dickicht. Dann setzte er unermüdlich seinen Marsch fort.

Der Luchs, ein Rotfuchs und ein Marder bildeten seine Beute auf dem Hinweg. Wenn man den Luchs mit acht Dollar berechnete, den Marder mit zwölf und den Fuchs mit sieben, so war die Arbeit dieses halben Tages bereits nicht unersprießlich gewesen. Und Geld bedeutete Tucker Crosden viel. Bei seinem Fleiß und seiner Geduld hätte er längst eine hübsche runde Summe, ein kleines Vermögen zusammengebracht, wenn er nicht unglücklicherweise unfähig gewesen wäre, darauf zu verzichten, alle Überschüsse für seine Hundezucht auszugeben. Jetzt war er viele Jahre lang hundearm. Trotzdem aber hing er noch immer am Geld und an all dem, was es seiner Familie und ihm spenden konnte. Seine Laune hatte sich gebessert, als er sich nun dem Ende seines Kontrollganges näherte.

Schon stand er im Begriff umzukehren und den Heimweg anzutreten, als ein Laut an sein Ohr drang, der dem fernen Klang eines Büchsenschusses glich. Das heißt, sein Trommelfell verspürte eine geringe Erschütterung und dann war es ihm, als könne er das unmerkliche Singen vibrierenden Stahls in der Ferne vernehmen. Sein Fuß stockte. Er horchte angespannt. Es gab viele Gründe, aus denen es ihm unerwünscht war, wenn wandernde Jäger oder Fallensteller in sein Tal gerieten.

Jetzt hörte er das Geräusch von neuem und diesmal wiederholte es sich in regelmäßigen Abständen. Jetzt vermochte er es auch zu deuten. Es war schlimmer, als er erwartet hatte. In den Wäldern, die das Tal der Sieben Schwestern bedeckten, war ein Holzfäller am Werk!

Er fing an zu laufen. Seine weitausgreifenden Schritte brachten ihn rasch vorwärts, und durch den Wald brechend, erblickte er zu gleicher Zeit in der Ferne die schimmernden Wasser des Ronney-Sees und in seiner allernächsten Nähe einen riesigen Hund mit krausem, zotteligem, mausgrauem Fell. Den Hund hatte er doch schon einmal gesehen!

Er setzte seinen Weg mit größerer Vorsicht fort. Die eisige Luft um ihn her vibrierte von dem eifrigen Duett zweier singender Äxte. Und nur einen Augenblick später mußte Tucker Crosden feststellen, daß das Allerschlimmste Wahrheit geworden war. Er stand am Rand einer kleinen, natürlichen Lichtung – ein Bach war in der Nähe, der Trinkwasser zu liefern versprach – und ein Halbkreis niedriger Höhen versprach Schutz vor dem Toben des Gebirgswindes. Im Mittelpunkt dieses freien Platzes hatten Dan und Tom Luftos die Fundamente einer kleinen Blockhütte gelegt und waren jetzt dabei, die Bäume für den Bau zu fällen. Ringsherum war der Boden mit welken Blättern, umgestürzten Stämmen und abgehackten Ästen dicht bedeckt. Ein Blick genügte, um Tucker Crosden zu zeigen, daß die beiden eine Axt geschickt zu führen wußten und harte Arbeit nicht scheuten.

Soviel mußte auch er zugeben, trotzdem der Zorn auf die plötzlich aufgetauchten Konkurrenten in ihm wallte.

Ein Mörder kann einem Nachbar keinen guten Blick gönnen, dachte er bei sich.

Er verließ den Wald und ging zu den beiden hinüber. Sie zeigten ihm unverhohlen, daß sie von seinem Kommen nicht entzückt waren. Tom Loftus griff nach seiner Flinte, die er in bequemer Reichweite abgelegt hatte. Dan begnügte sich, einen Revolver herauszuziehen und vor sich hinzupfeifen. Es war ein Signal, auf das hin eilig zwei Wolfshunde und der Hund mit dem sonderbaren Kopf, Grampus, auftauchten.

»Freundliche Nachbarn seid ihr! Was?« sagte der Riese, der sich auf sein eigenes Gewehr lehnte und sie unverwandt und prüfend anstarrte.

»Wir sind so freundlich, wie sich's für die Gelegenheit schickt«, sagte Tom Loftus. »Sag du ihm Bescheid, Dan.«

»'s ist nicht viel, was ich zu sagen hab'«, sagte Dan Loftus. »Wüßte nicht, was ich zu sagen hab', als daß wir hier uns das Plätzchen ausgesucht haben, um uns 'ne Hütte zusammenzuschlagen, und ich denk', daß wir hier bleiben werden. Wir haben ein Bündel Fallen mit und gedenken sie auszulegen. Wir haben just keinen besonderen Gusto, jemand lästig zu fallen – aber es ist gewiß, daß wir keinen Wert drauf legen, wenn einer uns in die Quere kommt. Habt Ihr verstanden, Großer?«

»Und mächtig nachbarlich war's«, nickte der Riese. »Hattet just nicht mehr als fünfhunderttausend Quadratmeilen zur Verfügung, wo ihr Bande euch 'ne Hütte bauen konntet und eure Fallen legen. Just das Tal hier mußtet ihr euch aussuchen!«

»Sag ihm Bescheid, Dan«, sagte Tom Loftus.

»Ich sag' Euch just das eine, Partner«, sagte Dan und packte sein Gewehr fester. »Ich und mein Bruder, wir kalkulieren, daß Ihr 'ne faule Nummer seid – und 'n Halunke, der was Übles auf dem Kerbholz hat, vielleicht noch obendrein. Aber wir woll'n mit Euch keinen Händel haben und wir haben nicht die Absicht, Euch in die Quere zu kommen. Wir verlangen nichts weiter, als daß Ihr die Pfoten 'von laßt! Ihr großmächtiger Tölpel! Wir haben uns just hier hingepflanzt, nicht um Euch Euren Kram zu verderben – im übrigen geben wir nicht 'nen verdammten Pfifferling auf Euern Kram – sondern weil wir die Fährte des lahmen Wolfs und des weißen Wolfs bis hier herauf verfolgt haben. – Es sind just Stücker zweihundertundfünfzig Meilen vom Unterland herauf bis hier ins Tal der Sieben-Schwestern. Und es ist just sein Fell, worauf wir aus sind, und alle unsere Fallen sind Wolfsfallen. Und damit Punktum!«

Tucker Crosdens düstere Stirn glättete sich ein wenig. Leute, die einen Wolf zweihundertfünfzig Meilen weit nachspürten, bloß um das bißchen Kopfgeld zu verdienen, gehörten im großen und ganzen nicht zu dem Schlag derer, die sich als Denunzianten hergaben. Daß sie ihn beschimpft hatten, machte ihm nichts aus. Er hatte ihnen einmal schon die Gastfreundschaft verweigert und hatte Schlimmeres verdient. So begnügte er sich damit, zu sagen:

»Haltet euch an eurer Stelle, ihr beiden, und es wird euch nichts von mir geschehen. Aber wenn eure Hunde da mit meinen Fallen Unfug treiben, werd' ich ihnen den Hals umdrehn. Und wenn ihr beide mir bei meinen Fallen in die Quere kommt oder euch zuviel bei meinem Haus zu schaffen macht, komm' ich euch holen. Merkt euch das! Ich red' nicht, um mich sprechen zu hören. Ich mein's verdammt ernst. Und das überlegt euch gut!«

Und damit machte er kehrt, um die Nachprüfung seiner Fallen zu beenden.

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