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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 65
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Steht Homer z. Ex. unterm Spruch des Aristoteles & Compagnie?

Steht er drunter, oder steht er nicht drunter?

Hab' mal eine schreckliche Geschicht gelesen, von Romeo, Julia und einem Doktor Benvoglio; wird dem geneigten Leser wohl auch bekannt sein. Die Frage da kommt mir gleich so lustig vor, ob wenn's jemand eingefallen wär, als eben die Schauer und das Geschrei der Lieb und Verzweiflung verstummten und die unglückliche Schwärmerin hin war, an die Tür des Begräbnisses anzupochen und den Doktor zu fragen, ob die Jungfer Julia ihre Rolle mit Ausdruck und nach den Regeln der Kunst gemacht hab. Benvoglio hätte, denk ich, wohl was anders zu tun gehabt, als sich auf die Frage einzulassen. Ich wenigstens, wenn ich Benvoglio gewesen wär, ich hätte dem Kerl die Tür vor der Nase zugeschlagen, wäre zurück ans tote Mädchen gangen. hätte sie wieder angesehen! und noch einmal bitterlich geweint. Staub unterm Fuße muß, dünkt mich, dem Mann, dem's warm ums Herz ist, der in Ernst nützen will und den Zeug dazu hat, 'n Bündel Kunstrichter, 'n Jahrgang Zeitungsschreiber sein, die Weisheit plappern. Wenn aber die Geschichte von Romeo und Julia nachgespielt würde; wenn aber in einem gewissen Planeten das Publikum eine Schöne wäre. die nur unterhalten sein will, und die Schriftsteller Schmetterlinge, die um ihr Lächeln buhlen, und durch gelehrte und bürgerliche Wendung sich einander einen freundlichen Blick zu veranstalten oder wegzuschnappen suchen da ist denn freilich die Sach' anders, und man muß immer Zuckerbrot und Bonbons in der Tasche haben.

Mundart

Ein gewisser Graf von Grunn soll neulich auf der Insel Jos das Grab Homers entdeckt haben. Der Dichter saß im Grabe, fiel aber bald zusammen als Luft hineinkam. Eine Grabschrift auf dem Grabe war nicht mehr leserlich, ist aber vermutlich die gewesen, die Herodot anführt, und die erst lange nach dem Tode Homers auf sein Grab getan ward, wie das von jeher so Mode gewesen, daß man mit der Achtung, die großen Männern gebührt, um ein paar hundert Jahre nachgekommen ist. Die Mutter des Homer soll, nach dem Pausanias, der zu seiner Zeit ein berühmter Gelehrter und Geographus gewesen, Clymene geheißen haben, wiewohl andre sie Chryteis nennen, und auch auf der Insel Jos begraben sein. Der Graf von Grunn hat viel nach ihrem Grabe gesucht, hats aber nicht finden können; auch die Marmora Arondeliana in England sagen von ihrem Namen und Grabe nichts, und man wird also sich über beides wohl zufrieden geben müssen.

Wollen denn auch lieber die Lebendigen studieren, und die Physiognomik des edlen liebenswürdigen Lavaters.

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