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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 57
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Brief von Pythagoras
an Fürst Hiero von Syracusa

NB. Dieser Brief ist vor c. zweitausend Jahren geschrieben. Kenner der feinen und großen Welt werden bald merken, woran es dem Verfasser des Briefes gefehlt hat, und daß ein Philosoph unseres Jahrhunderts ganz anders würde geschrieben haben. Pythagoras aber schrieb wie folget, an Se. Hoheit den Fürst Hiero von Syracusa, der ihn zu sich eingeladen hatte:

»Sire,

Ich führe ein sehr einförmiges und ruhiges Leben; das Leben, das Du führst, ist weder das eine noch das andre. Ein mäßiger und frugaler Mann kann der sizilianischen Leckerbissen entbehren. Wohin Pythagoras auch komme, findet er genug zur Leibesnahrung und –notdurft, und der Überfluß eines Dynasten ist lästig und unbequem für jemand, der sich auf so etwas nicht versteht. Die Genügsamkeit ist ein groß Ding und steht fest; sie hat keine Neider und Verfolger, und deswegen scheint sie uns auch den Göttern am ähnlichsten zu machen. Dazu erwirbt man sich gesunde Konstitution nicht durch Liebepflegen, noch durch viel Essen und Trinken, wohl aber durch Mangel, der die Menschen zur Tugend treibt. Die mancherlei und ausschweifenden Wollüste aber treiben die Seele schwacher Menschen wie an Stricken, am allermeisten die Art Wollüste, denen Ew. Mt. ergeben ist. Und, weil Du freiwillig ihr Knecht sein willst, ist Dir nicht zu helfen, denn Vernunft gilt bei Dir nicht viel mehr als gar nichts. Lade also den Pythagoras nicht ein, mit Dir zu leben. Der Arzt legt sich nicht gerne zum Kranken ins Krankenbette.«

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