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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 3
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Erklärung der Kupfer und Zeichen

Das erste Kupfer ist Freund Hain. Ihm dedizier ich mein Buch, und Er soll als Schutzheiliger und Hausgott vorn an der Haustüre des Buchs stehen.

Dedikation

Ich habe die Ehr Ihren Herrn Bruder zu kennen, und er ist mein guter Freund und Gönner. Hätt' auch wohl noch andre Adresse an Sie; ich denk' aber, man geht am besten grade zu. Sie sind nicht für Adressen, und pflegen ja nicht viele Komplimente zu machen.

's soll Leute geben, heißen starke Geister, die sich in ihrem Leben den Hain nichts anfechten lassen, und hinter seinem Rücken wohl gar über ihn und seine dünnen Beine spotten. Bin nicht starker Geist; 's läuft mir, die Wahrheit zu sagen, jedesmal kalt über'n Rücken wenn ich Sie ansehe. Und doch will ich glauben, daß Sie 'n guter Mann sind wenn man Sie genug kennt; und doch ist's mir als hätt' ich eine Art Heimweh und Mut zu Dir, Du alter Ruprecht Pförtner! daß Du auch einmal kommen wirst, meinen Schmachtriemen aufzulösen, und mich auf bess're Zeiten sicher an Ort und Stelle zur Ruhe hinzulegen.

Ich hab da 'n Büchel geschrieben, und bring's Ihnen her. Sind Gedichte und Prosa. Weiß nicht, ob Sie 'n Liebhaber von Gedichten sind; sollt's aber kaum denken, da Sie überhaupt keinen Spaß verstehen, und die Zeiten vorbei sein sollen wo Gedichte mehr waren. Einiges im Büchel soll Ihnen, hoff' ich, nicht ganz mißfallen; das meiste ist Einfassung und kleines Spielewerk: machen Sie 'mit was Sie wollen.

Die Hand, lieber Hain! und wenn Ihr 'nmal kommt, fallt mir und meinen Freunden nicht hart.
 

Die Alten soll'n ihn anders gebildet haben; als 'n Jäger im Mantel der Nacht, und die Griechen: als 'n »Jüngling der in ruhiger Stellung mit gesenktem trüben Blicke die Fackel des Lebens neben dem Leichname auslöscht«. Ist'n schönes Bild, und erinnert einen so tröstlich an Hain seine Familie und namentlich an seinen Bruder; wenn man sich da so den Tag über müde und matt gelaufen hat und kommt nun den Abend endlich so weit daß man's Licht auslöschen will – hat man doch nun die Nacht vor sich wo man ausruhen kann! und wenn's denn gar den andern Morgen Feiertag ist!! 's ist das wirklich ein gutes Bild vom Hain; bin aber doch lieber beim Knochenmann geblieben. So steht er in unsrer Kirch', und so hab' ich 'n mir immer von klein auf vorgestellt daß er auf'm Kirchhof über die Gräber hinschreite, wenn eins von uns Kindern 's Abends zusammenschauern tat, und die Mutter denn sagte: der Tod sei übers Grab gangen. Er ist auch so, dünkt mich, recht schön, und wenn man ihn lange ansieht, wird er zuletzt ganz freundlich aussehen.

Das zweite Kupfer S. 20 stellt vor: einen Raben; einige sagen gar, 's sei nur eine Krähe.

Das dritte S. 104 ist der Präsident Lars. Ich weiß nicht mehr davon zu sagen, und das Werk mag seinen Meister loben.

Auf dem vierten Kupfer, p. ultima, steh ich, und gieße Öl auf einen Stein. Was das bedeuten soll? – 's liegt ein Mann unter dem Stein, dem ich viel zu danken habe und nichts habe vergelten können. Da steh ich nun so dahier und salbe seinen Grabstein mit Öl, und – 's soll nichts bedeuten.

Die Buch steht allemal vor'm Titel irgendeines Buchs, und soll so viel zu verstehen geben, als daß ich meine einfältige Meinung dazu tun will.

Der Mundart unter einem Stück will sagen, daß das Stück in meiner Mundart sei. In den Stücken ohne Stern hab ich mich mehr nach meinem Vetter gerichtet, und von diesen Stücken pfleg ich auch wohl vel quasi zu sagen, daß mein Vetter sie gemacht habe. Könnt' auch sagen, daß mein Vetter sich in diesen Stücken nach niemand und in denen mit dem Mundart nach mir und meinem Botenstab gefügt habe; ist alles eins. Ob nun wohl also der Mundart mein Zeichen ist, so muß doch niemand daraus denken, als ob ich 'n Ritterband und 'n Stern hätte. Ich habe keinen Stern. Die Sterne und hohen Ehrentitel sind beim Verdienst, was der Wetterhahn beim Winde. Wer einen großen Titel und Stern hat, der muß auch 'n groß Verdienst haben, darnach richten sich die Potentaten beim Geben, und das sieht man auch an den meisten Herren die hohe Titel und Sterne haben; à propos, hab wohl eher 'n Stern auf einer Brust gesehn, und in dem Gesicht darüber Harmpfoten und Verdruß, und da hab ich denn so bei mir selbst gedacht, daß es wohl nicht immer Fried und Freude sei was so 'n Stern auf einer Brust manchmal so hoch hebt, und daß Titel und Sterne wohl nicht innerlich müssen glücklich machen können. Das Seinige treu tun, pflegte meine Mutter zu sagen, ist 'n Stern der auf der bloßen Brust sitzt, die andern sitzen nur am Latz.

Schließlich noch ein Wort mit meinen Herren Subskribenten. Erstens hoff' ich, daß Sie mit Druck und Papier zufrieden sein werden. Zweitens: Ich hab' Ihnen zwischen 15 und 20 Bogen versprochen, und liefre Ihnen nur 15 und einen halben; dafür aber liefre ich auch 9 Kupfer mehr als ich versprochen habe, und ich denke, daß sie dabei nicht verloren haben. Drittens: da ich als »Asmus pro tempore Bote in Wandsbeck« nicht im Staatskalender stehe, und es mit den Briefen unter dieser Adresse Irrungen gibt, so ersuche ich die gütigen Herren, die sich mit Subskriptionsammlen bemühet haben, ihre Briefe an meinen Vetter »Matthias Claudius Homme de lettres« zu adressieren.

»So will ich nun hiemit das Buch beschließen, und hätte ich's lieblich gemacht, das wollte ich gern. Ist es aber zu gering: so habe ich doch getan, soviel ich vermocht. Denn alle Zeit Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig, sondern zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken das ist lustig: also ist's auch lustig so man mancherlei lieset. Das sei das Ende.«

Asmus

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