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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 180
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Fünfter Brief

Sein Reich ist nicht von dieser Welt! – Darum haßten ihn die Juden und verfolgten und töteten ihn...

Laß uns nicht verdammen. Andres!

Es ist himmelschreiend was sie getan haben, und davon ist nicht die Rede.

Aber unser Herr Christus gibt keinem das Recht den ersten Stein aufzuheben, als der rein ist. Und wer ist rein? –

Wir sollen nicht lieb haben die Welt und was in der Welt ist; wir sollen unser eigen Leben hassen und verlieren, und es soll geistlich bei uns gerichtet sein. –

Nicht verdammen, Andres!

Es ist sehr recht und wahr von Dir geschrieben, Andres, daß man ihn so innig lieben, und so mit ganzem Herzen an ihm hangen kann, weil er so durchaus und über alles gut ist, auch ist das sehr recht und wahr, daß einen die Menschengestalt an ihm so wunderbar freuet. Aber, daß Du so gerne im gelobten Lande sein möchtest –

Es dünkt einen freilich so, Andres, als wäre von den Wegen die er gewandelt, von den Bergen darauf er mit seinen Jüngern gesessen ist, noch der Segen nicht wieder genommen; als werde man auf dem Ölberge noch Spuren seines Nachtlagers, auf dem Tabor noch Strahlen seiner Verklärung finden; als stehe, wo er die Stadt ansahe und über sie weinte, wo er niederkniete und betete, wo er das heilige Abendmahl einsetzte, wo er gekreuziget und gestorben ist, noch immer ein Kreis Engel und gelüste in das Geheimnis hineinzuschauen und bewache den Ort; kurz als sei er uns im gelobten Lande näher. Wir wissen aber, daß er einmal auf Erden erschienen ist sichtbar, damit alle Menschen wüßten, daß er sei und wes sie sich zu ihm zu versehen haben; und daß er unsichtbar allenthalben ist. Und wo er ist, Andres, ist das gelobte Land.

Wie gesagt, solche Empfindungen, so lieblich und lobenswert, sie sind, können zu weit führen, und sie sind nicht die Sache.

Uns und unserm verderbten Willen aufrichtig entsagen und seinen Willen tun, das ist die Sache; und es ist in keinem andern Heil.

Gott sei mit Dir, mein lieber Andres, und besuche mich bald.

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