Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Matthias Claudius >

Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 175
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
Schließen

Navigation:

Verflucht sei der Acker um deinetwillen etc.
Moses I. c. 3, v. 17. 18. 19.

Man mag das Paradies und seine vier Ströme und seinen Baum des Lebens und des Erkenntnisses etc. so oder so auslegen, und die wahre Erklärung mag sein welche sie will; so ist und bleibt der Inhalt klar und außer allem Zweifel:

Der Mensch war glücklich!

Und er machte sich elend!... In dem »Verflucht sei der Acker um deinetwillen etc.« wird ihm sein Urteil gesprochen.

Es ist sehr hart; und wie ungern muß Gott es ausgesprochen haben!

Als Absalom sich empörte, verhüllte David sein Antlitz und ging barfuß, und der ungeratene Sohn war ihm immer noch lieb und am Herzen gewachsen. Man kann es nicht ohne Rührung lesen, als seine Truppen gegen Absaloms Partei aus Mahanaim ausrückten, wie er da am Tor sitzt und sie ausmarschieren sieht, und sein letztes Wort an die Hauptleute ist: »Fahret mir säuberlich mit dem Knaben Absalom«; und als Joab nicht säuberlich mit dem Knaben fuhr, wie David da traurig wird und auf dem Saal im Tor hin und her geht und jammert: »Mein Sohn Absalom, mein Sohn, mein Sohn Absalom, wollte Gott ich müßte für dich sterben! O Absalom mein Sohn, mein Sohn!«

Und das war nur ein Vater unter den Menschen, die doch arg sind; was denn der Allbarmherzige Vater, der den Menschen vor allen andern Geschöpfen so hoch geehret und so herrlich ausgestattet hatte! und nun zu ihm sprechen muß: Verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich drauf nähren dein lebelang, Dorn und Disteln soll er dir tragen, und sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zur Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zur Erden werden.«

Die Worte sind schrecklich, und ein jedes ist 'n Schwert das einem durch die Seele dringet. Und sonderlich wenn man ansieht, wie sie an uns in Erfüllung gegangen sind und noch täglich in und um uns in Erfüllung gehen.

Wir waren unsterblich, waren ewig glücklich und selig; lebten in einem schönen Garten, zwischen Strömen die den Garten wässerten, unter Bäumen die lustig anzusehen waren und die immer voll Früchte für uns hingen... und unser lieber Vater und Schöpfer ging selbst in dem Garten und wir konnten seine Stimme hören. – Und hier: Auf dem verfluchten Acker, zwischen Dorn und Disteln, uns nähren mit Kummer und im Schweiß des Angesichts! Wie bitter sau'r muß sichs mancher nicht werden lassen und früh und spat schaffen, daß er für sich und die Seinen das bißchen Brot habe! Und wenn ers hat, was hat er denn? – Wir kommen mit Angst und Geschrei in die Welt, und fahren mit Herzeleid wieder in die Grube... und unsern lieben Schöpfer und Vater hören und sehen wir nicht! gehen trostlos und verlassen, in Frost und Hitze, in Regen und Schnee, in Schmerz und Krankheit, sind wahnsinnig und unsinnig, können nicht schlafen, müssen gehen und husten Tag und Nacht und Eiter und Blut speien.

Mahomet gibt in seinem Koran, wenn zwei sich über Religionslehren zanken, den klugen Rat, daß sie beide ihr Weib und ihre Kinder rufen und zusammen ein Gebet zu Gott tun sollen. So wärs auch bei diesen Worten wohl das Natürlichste, daß nicht allein die strittigen Ausleger, sondern alle Menschen und Nachkommen Adams ihre Weiber und ihre Kinder riefen und hinträten und sich zusammen satt weinten.

 << Kapitel 174  Kapitel 176 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.