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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 164
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Ein Lied
hinterm Ofen zu singen

                  Der Winter ist ein rechter Mann,
    Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,
    Und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er's;
    Er krankt und kränkelt nimmer,
Weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs,
    Und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an,
    Und läßt's vorher nicht wärmen;
Und spottet über Fluß im Zahn
    Und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
    Weiß er sich nichts zu machen,
Haßt warmen Drang und warmen Klang
    Und alle warme Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
    Wenn's Holz im Ofen knittert,
Und um den Ofen Knecht und Herr
    Die Hände reibt und zittert;

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
    Und Teich' und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
    Denn will er sich tot lachen. –

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
    Beim Nordpol an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
    Im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort bald hier,
    Gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
    Und sehn ihn an und frieren.

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