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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 151
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Paul Erdmanns Fest

Mein Vetter und ich waren auf Reisen die Welt und ihre Berge und Gewässer zu sehen, und ich rekommandiere einem jeden Menschen so 'ne Reise; es kommen gar liebliche Berge und Gewässer mit vor. Gleich den dritten Tag in der Morgendämmerung trafen wir auf einen Fleck, der schier nicht schöner sein kann. Mein Vetter ließ halten und wir sahen überall hin.

»Da drüben am See«, sagte mein Vetter zu mir, »soll Euer Haus stehen; dort oben am Berge Freund ** seins, und hier wo wir stehen will ich wohnen. – – – Aber, was ist Euch, Vetter, Ihr werdet ja so heroisch aussehen?«

»- Ich bin willens, von dieser Gegend Besitz zu nehmen.«

»Dacht ich's doch, daß so etwas im Werk wäre! – Wie macht Ihr denn das?«

»Wie's gemacht wird. Ich zieh meinen Hirschfänger heraus, und haue in alle vier Winde, und rufe überlaut, daß ich hiemit Besitz nehme; und denn gehöret die ganze Gegend meine mit allem was darin ist. So haben es ja die Europäer in andern Weltgegenden gemacht, und es ist reüssiert.«

»Wohl wahr, Vetter; aber die Umstände waren doch verschieden. Dazu reisen wir; so könnt Ihr ja doch nicht dableiben.«

»Nun, so laßt uns denn reisen.«

»Aber bei der Gelegenheit wollen wirs miteinander absprechen, was wir denn eigentlich für eine Reise machen wollen. Was meint Ihr?«

»Ich meine, wir machen le grand tour.«

»Was nennt Ihr le grand tour?«

»Immer vorwärts so wie der Wagen dasteht, bis wir herum kommen auf denselben Fleck; und denn zu Hause.«

»Der Vorschlag ist so übel nicht, auch in der Theorie ganz richtig; in der Praxis hat er denn freilich seine Schwierigkeiten, wie das wohl so zu sein pflegt. – Aber seht, da geht die Sonne auf!«

»Seht doch! – Vetter, sie ist nun alle Tage aufgegangen solang ich lebe; und doch, wenn ich sie des Abends sehe untergehen, kann ich immer nicht glauben, daß sie den andern Morgen wieder aufgehen werde.«

»Wie sie da nun wieder hervorkommt! – lieber Vetter!« –

»Aber schau, es wallt und bewegt sich so in ihr; was ist das?«

»Sie haut nun in alle vier Winde, und nimmt von dieser Halbfläche der Erdkugel Besitz! – Und das, Vetter, ist dir doch ein rechter Besitznehmer! Er bringt, und nimmt nicht!«

»Doch sitzt auf; in ein paar Stunden sollt Ihr wieder was Schönes sehen, freilich keine Sonne wieder, denn die haben wir nur Einmal in der Welt, aber doch was Schönes.«

Nach einigen Stunden befanden wir uns vor einer etwas hohen Gegend; und als wir hinaufkamen, da lag rundum vor uns die große offene blaue See. Wer die See gesehen hat, der weiß was das für ein Anblick ist. Wasser scheint lebendiger fürs Auge als das feste Land, es bringt dem Menschen soviel Gutes und ist für ihn so unentbehrlich; obs daher kommt, daß ein so großer Vorrat davon sich so sonderlich ansieht, aber wahr ist es, der Anblick der offenen See ist sonderlich.

»Nun, Vetter, was sagt Ihr zu dem Früh-Stück?«

»Ist zuviel zum Frühstück, und man hat den ganzen Tag genug daran.«

»Auch so gut. Freilich hat man den ganzen Tag genug daran, und die Nacht dazu. Hat's Euch wohl eher von der See geträumt?«

»Einmal; und da hatte sie der liebe Gott so in der hohlen Hand mit allen Inseln und Schiffen und sah darauf, und die Schiffer merkten es nicht.«

»Gut geträumt, Vetter. Nun, seht noch einmal hin, und denn wollen wir auch weiter reisen. Indes vorwärts, seht Ihr, gehts nicht weiter, und wir müssen wohl linksum machen.«

Wir machten also linksum und fuhren nun 'n drei bis vier Wochen immer so vor uns hin, die Kreuz und die Quere, wo uns der Weg hinführte; und ich muß sagen, die Welt ist sehr groß und immer anders und anders.

Man kann denken, daß wir auf dieser Fahrt manchen angenehmen Tag gehabt haben. Ich darf mich aber nicht weitläufig einlassen und muß machen, daß ich an den Tag komme, von dem ich hier eigentlich Nachricht geben will. Dieser Tag nun, oder vielmehr der Vor-Tag fing sich eben nicht zum besten an. Wir waren kaum eine Meile vom Nachtquartier in einem großen langen Dorfe, da fiel der Fuhrmann unter die Pferde, und gleich war 'n Bein ab. Der arme Kerl dauerte uns; und wir nahmen einen andern und fuhren weiter.

Gegen Abend brachte uns der Weg in ein Dörflein, das ungemein freundlich aussah, und der Schwager hielt an und ließ uns sehr lange warten. Endlich kam er.

»Warum denn aber so sehr lange, Schwager?«

»Ja meine Herren, das ist von wegen des Jubilei. Hier im Dorfe ist morgen ein Jubilei, und das hab ich erst alles verkundschaften müssen. Die Frau Postmeistrin will das wissen.«

»Ah so! – das ist ein anders.«

»Aber«, sagte mein Vetter zu mir, »ich denke, wir verkundschaften das Jubilei auch näher, ehe wir weiterfahren«; und damit stiegen wir ab und hinein ins Haus, und erfuhren denn, daß ein Bauer im Dorfe, Paul Erdmann genannt, sein Erbe fünfzig Jahr bewohnt habe, und morgen sein Jubiläum feiern wolle.

»Könnt Ihr bis morgen Abend hierbleiben, Schwager?«

»Nä.«

»Nun so reitet wieder zu Hause; wir bleiben hier.«

»Das dependiert von den Herren, aber ich muß Sie erst auf die nächste Station fahren. Dahin lautet mein Stundenzettel.«

»Narre, wir bezahlen Euch bis dahin. Ihr hört doch, daß wir hier bleiben wollen.«

Darauf ließ er sich aber nicht ein und blieb dabei, daß er laut seines Stundenzettels uns auf der nächsten Station abliefern müßte. Ich wollte also schon wieder einsteigen, weil es mir doch auch halb und halb vorkam, daß der Schwager nicht ganz Unrecht habe; mein Vetter aber, der sich bei solchen intrikaten Fällen besser zu nehmen und herauszufinden weiß, schrieb dem Schwager einen Schein: »daß wir wirklich in dem Wagen gewesen, daß wir aber auf dem Wege ausgestiegen und deswegen auf der Station nicht mehr darin wären«, und damit war der Schwager zufrieden und fuhr weiter, und wir blieben da.

In der Wirtsstube saßen drei reisende Handwerksbursche, und fünf oder sechs Bauern. Die Handwerksbursche machtens wie ich, sie erzählten von ihren Reisen. Als es gebrechen wollte, fingen wir an die Bauern von dem Jubiläo zu fragen, und sie erzählten uns ein langes und ein breites von ihrem Nachbar Paul Erdmann; und sagten bei der Gelegenheit, alle aus einem Munde, ausnehmend Gutes von ihrem Edelmann, und das alles so treu und herzlich, daß man sie und ihren Nachbar und ihren Edelmann unbesehends lieb gewann.

Wir gingen darauf noch heraus ins Dorf bis an den Edelhof, der vorne daran liegt, und sahen uns um. Auf dem Rückwege sprachen wir bei dem Paul Erdmann vor, und fragten ihn: ob wir nur morgen mit auf seinen Ehrentag kommen dürften. Er sagte kurz zur Antwort: wir würden willkommen sein, gab sich aber weiter mit uns nicht ab, denn er hatte zu tun.

Die Nacht ging bald hin, und den folgenden Morgen machten wir uns bei guter Zeit wieder zum Paul, der uns schon im Feierkleide und weißem Halstuch auf der großen Diele entgegenkam. Er war nun viel gesprächiger als gestern, fragte uns wer wir wären und wohin wir wollten; erzählte uns: von seinem Vieh und Acker und wie ihn Gott gesegnet habe; von seiner seligen Frau; von seiner Freude über diesen Tag; und von seinem gottesfürchtigen Edelmann und was der durch seine Vorkehrungen und sonderlich durch sein eignes Exempel für gute und fromme Gesinnungen bei jung und alt ausbreite, und daß er heute selbst kommen und mit ihm und uns allen essen werde u.s.w.

Paul hatte seine Kühe und Pferde und alle sein Vieh den Morgen in Stall bringen lassen, daß sie heute auch traktiert würden; denn«, sagte er, »sie habens mit verdienen helfen, und das Vieh hat keine Freude als essen und trinken.«

Um neun Uhr schickte der Edelmann einen Bedienten: »es sei unvermutet großer Besuch gekommen, und Paul werde nicht übelnehmen wenn er sie alle mitbringe; weil er aber seine Gäste nicht alle kenne, so bitte er sich aus, daß er für sie dürfe zurichten und seinen Tisch dicht neben Paul seinen setzen lassen; er wisse wohl, daß Paul und Kompanie seine Kost und Gerichte verschmähten, er bitte aber, daß sie doch mit ihm trinken möchten.«

»Sag Er seinem Herrn wieder: was mit Ihm komme das komme mit Ihm! Es werde uns eine große Gnade und Ehre sein und ich lasse mich untertänig bedanken.« Und damit ging der Bediente.

Gegen zehn kamen die Nachbarn, immer Mann und Frau zusammen, einer nach dem andere an; und Paul empfing jedweden mit einem Handschlag, und hieß sie niedersetzen. Einige brachten auch einen Sohn oder Töchter mit, zum Teil wohl schöne Mädchen, und alle so ehrbar und züchtig daß es eine Freude war sie anzusehen.

Die Bauern sahen alle nach der Reihe bieder und gut aus, doch stachen besonders zwei hervor, Peter Unke und Hans Westen. Unke ist ein Mann von etwa fünfzig Jahren und sieht bräunlich und wie 'n General aus; Westen ist jung und hat ein milchweißes und gar gutmütiges Gesicht; er hatte den Herbst vorher Hochzeit gehalten, und seine Frau, die mit ihm kam und die Liese heißt, war hochschwanger. Zuletzt kam auch noch ein steinalter Mann, mit Namen Jost; seine Augen waren ihm schon dunkel worden, und er konnte kaum alleine stehen. Paul wollte ihn durchaus haben, weil er der älteste im Dorfe ist; und so ließ Jost sich durch zwei Knechte herfahren, und setzte sich oben gegen den Feuerherd, denn es friert ihn immer so.

Als nun die Gäste alle beisammen waren, trat Paul hin, tat seine Mütze ab und sagte:

»Nun willkommen, ihr lieben Nachbarn! Willkommen, und Dank, daß ihr mir meinen Ehrentag mit wollet feiern helfen!

Es sind heute fünfzig Jahr, als ich dies Erbe sehr wüste und verfallen antrat. Ich habe mit Gott angefangen und ihn oft hinterm Pflug um seinen Segen gebeten – und er hat mich gesegnet! Da steht mein Vieh und wiederkäut und wiehert, und in allen den fünfzig Jahren hat mir nie nichts gemangelt. Ich bin nicht wert solcher Barmherzigkeit, das weiß ich – und ich möchte mich in mein Heu verkriechen. Aber Gott ist gnädig und verlangt nur von uns, daß wir seine Güte erkennen; und da hab ich euch heute hergebeten, ihr lieben Nachbarn! daß ihrs mir helfet tun. Helft mir denn heute Gott danken, ihr lieben Nachbarn! und laßt uns hier miteinander fröhlich sein, ihr lieben Nachbarn! Amen!«

Die lieben Nachbarn standen alle, andächtig wie in der Kirche, um den alten Paul und drückten ihm die Hand und sagten ihm was Liebes, so Mannsen als Weibsen; sonderlich stand die Liese Westen mit ihrem runden Leib und weinte ihre hellen Tränen.

Peter Unke. »Paul, Ihr habt ehrlich gesprochen. Wir wollen auch Gott gerne für Euch danken; aber seht, ein jeder von uns hat genug vor seiner Türe zu fegen.«

Anton Schmidt. »Jawohl, Unke! Ihr nehmt mir das Wort aus dem Munde. Ich habe heute früh noch meine Wintersaat angesehen; sie schlägt mir schon wieder übern Kopf zusammen, und ich habe erst voriges Jahr das neunte Korn gedroschen.«

Marcus Körner. »Und mir hat Gott gesternabend Zwillinge gegeben, 'n Paar liebe Jungens, die schlagen mir übern Kopf zusammen.«

Liese Westen. »Und mir meinen Hans.«

Jost. »Und uns allen unsern gnädigen Herrn.«

Peter Unke. »Eben der lag mir vor sonderlich im Sinne; denn für den allein können wir Gott nicht genug danken.«

Albrecht Kühnert. »Paul, was würde doch Eure selige Sophie sagen, wenn sie uns so heute hier sehen sollte! Aber die ist bei Gott dem Herrn.«

Paul Erdmann. »Ja, wills Gott! ist sie bei Gott dem Herrn, und da mag sie auch bleiben. Sonst bin ich den Morgen in meinem Herzen schon 'n paarmal auf 'm Sprung gewesen, sie heute bei mir zu wünschen. Ich hätte sie gerne hier, das weiß Gott, und die alte Hausmutter würde auch einen guten Tag haben.«

Peter Unke. »Laßt sie, Paul; sie hat so einen bessern.«

Und so ging das unter den Leuten fort. Mein Vetter und ich waren wie vom Himmel gefallen, denn solche Bauern waren uns noch nicht vorgekommen. »Wir sind am rechten Ort abgestiegen«, sagte mein Vetter. »Aber denkt, was der Edelmann für ein wahrhaftiger Wohltäter ist! Und was er selbst für'n Leben haben muß!« Ich hatte das schon gedacht, und mir brannte die Stelle unter den Füßen, bis ich ihn gesehen hätte.

Um Mittag kam er mit seinen Gästen, und alle Bauern gingen heraus vor Pauls Hofe ihm entgegen, und führten ihn herein. Zu beiden Seiten auf dem Hofe standen eine Partie Knechte und strichen die Sicheln, und Paul stand in der Mitten.

Paul Erdmann. »Das ist unsre Feldmusik, gnädiger Herr! Sie müssen so vorlieb nehmen.«

Herr v. Hochheim. »Guten Morgen lieber Paul, und viel Glück! Ihr seht ja heute recht jung aus.«

Paul. »Ist keine Kunst für Ihre Bauern, gnädiger Herr; Sie lassen uns nicht alt werden.«

Herr v. Hochheim. »Hier kommen wir ein ganzes Haus voll zu Euch.«

Paul. »Je mehr, je besser; immer herein.«

Paul bewillkommte sie nun alle nach seiner Art, und sie wünschten ihm Glück zu seinem Jubiläo; und so ging der Zug herein ins Haus.

Es mochten etwa zehn bis zwölf Personen sein, alle eines wirklich feinen und adligen Ansehens. Sie waren schon 'n Weilchen im Hause gewesen, da kam noch ein großer dicker Herr nach und hatte eine alte dürre Frau am Arm.

Ich hatte mich bloß über den Herrn v. Hochheim und über die Leute die mit ihm kamen gefreut, und mich weiter um nichts bekümmert; mein Vetter aber hatte gleich alles befragt, und wußte mir zu sagen, daß der ältliche Mann ein Herr v. Strahlen, die runde freundliche Dame eine verwitwete Frau v. Mecheln und das schöne Fräulein ihre Schwester Louise, daß ferner die und die ein Herr v. Holborn und seine Gemahlin wären u.s.w. Endlich daß der große dicke Herr, der allein nachkam, ein junger Herr v. Saalbader sei, neulich von Reisen zu Hause gekommen und der einzige Sohn seiner Mutter eben der kleinen alten dürren Frau die er am Arm hatte; »und«, setzte mein Vetter hinzu, »diese zwei gehören nicht zu den übrigen, oder ich hänge alle Physiognomik am Nagel. Gebt Ihr acht, Vetter.«

Der alte Jost saß noch gegen den Feuerherd, und rauchte eine Pfeife Tabak.

Herr v. Hochheim. »Schmeckt Euch der Tabak noch, Jost? – Was macht Ihr, wie ist Euch?«

Jost. »Müde, gnädiger Herr, ach so müde! Ich warte alle Tage, stopfe eine Pfeife nach der andern und denke bei jeder es soll die letzte sein, und der liebe Gott macht immer noch nicht Ende.«

Herr v. Hochheim. »Geduld, Jost, es wird Ende werden.«

Jost. »Ich hin am besten in meinem Lehnstuhl hinterm Ofen, aber ich sollte und mußte herkommen.«

Herr v. Hochheim. »Freilich! Ihr seid unser Großpapa, und unser Großpapa muß ja bei uns sein solange er noch da ist.«

Ich hatte als die Gesellschaft kam mich schon mit vor dem Herrn v. Hochheim gebückt, und am meisten nach ihm gezielt; aber das genügte mir doch nicht, ich wollte es noch vor ihm allein und absonderlich tun. Ich ging also zu ihm und bückte mich recht herzlich, und auch meinem Vetter glückte dasmal der Bückling über alle Maßen wohl. Herr v. Hochheim fragte uns: wer wir wären, und wir sagten ihm unsern Namen.

Wenn man 'n Buch herausgegeben hat, ist man fast in gleichem Fall mit einem der in Steckbriefen nach Rock und Weste beschrieben wird; das Inkognito ist mißlich. So gings auch hier, und der Herr v. Hochheim kannte uns; doch wars mir dasmal nicht leid. Er wunderte sich nicht wenig uns auf Pauls Jubiläo zu finden, und wollte uns dem alten Paul und der übrigen Gesellschaft präsentieren.

Frau v. Mecheln. »Halt! Halt! die Frau v. Holborn soll erst ihre Kunst zeigen. Sie will allen Menschen ansehen, was sie für ein Metier haben. Frau v. Holborn! Frau v. Holborn! Kommen Sie doch einmal her. Was sind diese beiden Leute?«

Frau v. Holborn. »- Ein paar Musiker.«

Herr v. Saalbader. »O que non, Madame; Vous Vous trompez étrangement. Ce n'est pas l'air de musicien. Mais, je vous dirai. Voyez, je m'y connois, voyez –.«

Frau v. Holborn. »Nun was sind sie denn?«

Herr v. Saalbader. »L'un: tailleur, et l'autre: apothicaire.«

Frau v. Mecheln. »Bravo! getroffen.«

Herr v. Hochheim wollte, daß wir mit an seinem Tisch essen sollten, und bat den alten Paul: »uns ihm zu überlassen« wie er sich gnädig ausdrückte. Paul wollte auch gleich ja; wir aber konnten ihm unmöglich abtrünnig werden, und sagten zu dem Herrn v. Hochheim, daß wir es uns für eine Ehre schätzten mit seinen Bauern zu essen, und das war die Wahrheit.

Indes ward aufgetragen, und beide Gesellschaften setzten sich zu Tische. Herr v. Hochheim hatte den Tag die Hälfte seiner Bedienten zur Aufwartung der Bauern beordert, und sein Kammerdiener mußte hinter Pauls Stuhl stehen.

Herr v. Hochheim (zu den Bauern). »Ihr Leute, die Gesellschaft erlaubt euch, eure Hüte aufzusetzen. Und noch eins: wir können uns nicht bequem übersehen; wählt ihr also an eurem Tisch einen Sprecher, an den man sich wende wenn wir etwas miteinander haben. Ich will hier euer Sprecher sein.«

Paul fing nun an, aus einer großen Kumme Reisbrei aufzuschüsseln und herumgeben zu lassen, und unterdes wählten die andern einmütig den Peter Unke zum Sprecher, der auch darauf vom alten Paul bestätigt und verkündigt ward.

Westen (zu Unke). »Seht da, Unke, eine von unsern Schüsseln auf dem andern Tisch neben dem gnädigen Herrn!«

Unke. »Gnädiger Herr, es ist da eine Schüssel mit Reisbrei über die Grenze gekommen. Vergeben Sie, wir wollen sie gleich wieder abholen lassen.«

Herr v. Hochheim.»Nicht doch, Unke; die Frau v. Mecheln hat darum gebeten.«

Paul Erdmann. »O Frau v. Mecheln, das ist –, das –.«

Unke. »Laßts Paul! wenn sie unsre Kost mag. Umsonst hat die gnädige Frau so rote Backen nicht.«

Herr v. Saalbader. »Monsieur l'orateur parle Phébus. Ma foi, c'est une pièce à figurer.«

Unke (zu mir). »Das galt mich, ob ich's gleich nicht verstehe. Kann Er französisch?«

Asmus. »Ja, Herr Sprecher, so etwas.«

Unke. »So setz Er sich her zu mir und ich mache Ihn hiemit zu meinem Agenten für die französischen Angelegenheiten.«

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