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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 127
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Der Mann im Lehnstuhl

      Saß einst in einem Lehnstuhl still
    Ein viel gelehrter Mann,
Und um ihn trieben Knaben Spiel
    Und sahn ihn gar nicht an.

Sie spielten aber Steckenpferd,
    Und ritten hin und her:
Hopp, hopp! und peitschten unerhört,
    Und trieben 's Wesen sehr.

Der Alte dacht' in seinem Sinn:
    »Die Knaben machen's kraus;
Muß sehen lassen wer ich bin.«
    Und damit kramt' er aus;

Und machte ein gestreng Gesicht,
    Und sagte weise Lehr.
Sie spielten fort, als ob da nicht
    Mann, Lehr, noch Lehnstuhl wär.

Da kam die Laus und überlief
    Die Lung' und Leber ihm.
Er sprang vom Lehnstuhl auf, und rief
    Und schalt mit Ungestüm:

»Mit dem verwünschten Steckenpferd!
    Was doch die Unart tut!
Still da! ihr Jungens, still, und hört!
    Denn meine Lehr ist gut.«

Kann sein, sprach einer, weiß es nit,
    Geht aber uns nicht an.
Da ist ein Pferd, komm reite mit;
    Denn bist du unser Mann.

Mundart
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