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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 121
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Täglich zu singen

          Ich danke Gott, und freue mich
    Wie 's Kind zur Weihnachtsgabe,
Daß ich bin, bin! Und daß ich dich,
    Schön menschlich Antlitz! habe;

Daß ich die Sonne, Berg und Meer,
    Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
    Und lieben Monde gehen,

Und daß mir denn zumute ist,
    Als wenn wir Kinder kamen,
Und sahen, was der heil'ge Christ
    Bescheret hatte, Amen!

Ich danke Gott mit Saitenspiel,
    Daß ich kein König worden;
Ich wär geschmeichelt worden viel,
    Und wär vielleicht verdorben.

Auch bet ich ihn von Herzen an,
    Daß ich auf dieser Erde
Nicht bin ein großer reicher Mann,
    Und auch wohl keiner werde.

Denn Ehr und Reichtum treibt und bläht,
    Hat mancherlei Gefahren,
Und vielen hat's das Herz verdreht,
    Die weiland wacker waren.

Und all das Geld und all das Gut
    Gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
    Kann's aber doch nicht machen.

Und die sind doch, bei Ja und Nein!
    Ein rechter Lohn und Segen!
Drum will ich mich nicht groß kastei'n
    Des vielen Geldes wegen.

Gott gebe mir nur jeden Tag,
    Soviel ich darf zum Leben.
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
    Wie sollt ers mir nicht geben!

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