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Der Wandsbecker Bote

Matthias Claudius: Der Wandsbecker Bote - Kapitel 109
Quellenangabe
typebook
booktitleDer Wandsbecker Bote
authorMatthias Claudius
year1975
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31830-5
titleDer Wandsbecker Bote
pages27
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1775
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Serenata
im Walde zu singen

Solo
        Wenn hier nur kahler Boden wär,
    Wo itzt die Bäume stehn,
Das wäre doch, bei meiner Ehr!
    Ihr Herr'n nicht halb so schön.

Denn wäre um uns her kein Baum,
    Und über uns kein Zweig,
Denn wäre hier ein kahler Raum,
    Und ich marschierte gleich.

So bin ich wie ein Fisch im Meer,
    Und bleibe gerne hier.
Vivant die Bäume um uns her!
    Der Zweig hier über mir!


a due voci
Und zählen kann ein Mensch sie nicht,
    Sind ihrer gar zu viel;
Und jeder macht es grün und dicht,
    Und jeder macht es kühl.

a tre voci
Und jeder steht so stolz und kühn,
    Und streckt sich hoch hinan,
Dünkt sich, die Stelle sei für ihn,
    Und tut sehr wohl daran.

Recitativo
Es pflegen wohl die reichen Leut
    Auch Wald zu machen gern;

Fugato
Da pflanzen denn, die Läng' und Breit,
    Die klug- und weisen Herr'n
In eine lange Reihe hin
    Gar künstlich Baum und Strauch;
Und meinen denn in ihrem Sinn,
    Sie hätten's wirklich auch.

Recitativo
Noch kommt ihr Gärtner Lobesan,
    Den sie zu ha'n geruhn,
Und schneidet mit der Schere dran,
    Wie Schneidermeister tun.

Tutti
Jedoch ihr Wald ist Schneiderscherz,
    Trägt nur der Schere Spur,
Und nicht das große volle Herz
    Von Mutterlieb Natur!

Tuttissimi
Und nicht das große volle Herz
    Von Mutterlieb Natur!
Ist purer puter Schneiderscherz,
    Trägt nur der Schere Spur.

Choral
Hoch sitzt im Sofa der Baron,
    Der Schweizer an der Tür,
Die Fürsten sitzen auf dem Thron,
    Und wir, wir sitzen hier.

Auf bloßer Erde, feucht und kalt!
    Und wir, wir sitzen hier,
Und freun uns über diesen Wald,
    Und danken Gott dafür.

Mundart
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