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Der Wanderer

Leopold Sacher-Masoch: Der Wanderer - Kapitel 1
Quellenangabe
typenovelette
booktitleDer Wanderer
authorLeopold von Sacher-Masoch
year1985
publisherBouvier Verlag
addressBpnn
isbn3-416-01896-6
titleDer Wanderer
pages7-18
created20010522
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Leopold von Sacher-Masoch

Der Wanderer

Novelle

»Gott allein weiß, wie lange diese
Pilgerschaft noch dauern wird.«
Iwan Turgenjew

Bedächtig, die Flinten auf der Schulter, schritten wir, der alte Heger und ich, durch den Urwald, welcher in schweren, dunklen Massen am Fuße unseres Gebirges lagert, und seine Riesenglieder weithin in die Ebene streckt. Der Abend ließ das scheinbar unbegrenzte Gebiet schwarzen jungfräulichen Nadelholzes noch finsterer und schweigender als sonst erscheinen; weithin war keine Stimme eines Lebenden, kein Laut, kein Rauschen eines Wipfels zu vernehmen, und weithin kein Licht außer von Zeit zu Zeit ein blasses mattgoldenes Netz, das die scheidende Sonne über Moos und Kräuter gespannt hatte.

Der Himmel, wolkenlos, blaßblau wurde nur in einzelnen Stücken zwischen den unbeweglichen, ehrwürdigen Fichtenhäuptern sichtbar. Ein schwerer Geruch feuchter Fäulniß schwebte in den riesigen Nadeln und Halmen, nicht einmal unter unsern Füßen knisterte es. Wir gingen auf einem weichen nachgiebigen Teppich. Manchmal erblickte man eines jener verwitterten grün überzogenen Felsstücke, wie sie an dem Abhange der Karpathen tief in die Wälder und sogar bis in die getreidegelbe Fläche hinab zerstreut sind; stumme Zeugen jener halbvergessenen Zeit, wo ein großes Meer seine Fluthen gegen die zackigen Ufer unseres Gebirges trieb, und als sollte es uns an jene feierlich monotonen Schöpfungstage mahnen, erhob sich plötzlich ein starker Wind, und jagte seine unsichtbaren Wellen brausend durch die schweren Wipfel, die zitternden grünen Nadeln, die tausend und tausend Gräser und Kräuter, welche sich demüthig vor ihm neigten.

Der alte Heger blieb stehen, strich sich das weiße Haar zusammen, das die wilde strömende Luft verwirrt hatte, und lächelte. Ueber uns im blauen Aether schwebte ein Adler.

Der Alte legte die Hand über die Augen, zog die schweren Brauen zusammen und blickte auf ihn.

»Wollen Sie ihn schießen?« sprach er gedehnt.

»Wie wäre es möglich,« entgegnete ich.

»Der Sturm treibt ihn herab,« murmelte der Alte, ohne seine Stellung zu verändern. Wirklich wuchs der schwarze, geflügelte Punkt über uns von Sekunde zu Sekunde, schon sah ich sein Gefieder glänzen. Wir näherten uns einer Lichtung, welche von düsteren Fichten umsäumt war, zwischen denen einzelne weiße Birken, wie Gerippe eines anatomischen Museums standen, und hie und da rothe Vogelbeeren glühten.

Der Adler kreiste ruhig über uns.

»Nun schießen Sie.«

»Schieße du, Alter.«

Der Heger schloß die Augen halb, zwinkerte eine Weile, nahm dann seine rostige Büchse von der Schulter und spannte den Hahn.

»Soll ich in Wahrheit?«

»Gewiß! ich treffe ihn ohnehin nicht.«

»Nun in Gottes Namen.«

Der Alte legte die Büchse ruhig an die Backe, es blitzte aufwärts, die Waldung gab den Schuß grollend zurück.

Der Vogel schlug die Flügel zusammen und schien einen Augenblick noch von der Luft emporgetragen, dann stürzte er wie ein Stein zur Erde.

Wir eilten hin.

»Kain! Kain!« scholl es uns plötzlich aus dem Dickicht entgegen, ehern, gewaltig wie die Stimme des Herrn, als er im Paradiese zu den ersten Menschen sprach, oder zu dem Verfluchten, der das Blut seines Bruders vergossen hatte.

Und die Zweige theilten sich.

Vor uns war eine Erscheinung von übermenschlicher Wildheit und Seltsamkeit.

Ein Mann stand im Gebüsche hoch aufgerichtet, ein Greis von riesigem Gliederbau, barhaupt, mit wallendem weißen Haupthaar und strömendem weißen Barte und weißen Brauen, und großen, drohenden, finsteren Augen, welche er gleich einem Rächer, einem Richter auf uns haften ließ. Sein härenes Gewand war vielfach geflickt und zerrissen, von seiner Schulter hing eine Kürbisflasche, er stützte sich auf einen Pilgerstab und winkte traurig mit dem Haupte. Dann trat er heraus, hob den todten Adler auf, dessen warmes Blut über seine Finger rieselte, und betrachtete ihn schweigend.

Der Heger bekreuzte sich.

»Es ist ein WandererDie »Wanderer« bilden die eigenthümlichste und phantastischste aller altgläubigen Sekten der russischen Kirche und gehören dem priesterlichen Typus derselben an. Ihrer Anschauung nach ist die gesammte sittliche Weltordnung aufgelöst, der Teufel in die Herrschaft über die Welt eingesetzt und jede Betheiligung am Staats- oder Kirchenwesen reiner Teufelsdienst, dem die Frommen sich durch Flucht und ruhelose Wanderung entziehen müssen. Selbst die Annahme eines Passes ist schwere Sünde, denn sie wird als Anerkennung des Reichs dieser Welt angesehen. Der Wanderer hat kein Weib, kein Eigenthum, er erkennt weder den Staat noch die Kirche an, er vergießt kein Blut und leistet daher keinen Kriegsdienst, er arbeitet nicht. Die Gerechten dürfen nirgend eine Heimath haben, die Flucht vor der Welt ist ihr Beruf, das einzige Mittel zur Rettung der Seele. Denen, die noch nicht die Kraft haben, mit dem Reich des Bösen vollständig zu brechen, wird »um ihrer Schwachheit willen« gestattet, zeitweise einen bürgerlichen Beruf zu treiben und festen Wohnsitz zu nehmen; aber sie müssen heimliche Kammern herrichten, in denen die Wanderer jeder Zeit Unterkunft und Asyl finden. Beim Herannahen der Todesstunde ist dagegen jeder Gerechte verpflichtet, sich auf das freie Feld oder in den Wald tragen zu lassen, damit er als »auf der Flucht« gestorben angesehen werden könne. Diese Sekte steht bei dem niederen Volke in hohem Ansehen; die unheimliche Gestalt des Wanderers, der sich dem Mönchsstande zuzählt, die Ehe als Todsünde verwirft und bloß ein freies »Zusammenleben der Geschlechter« gestattet, ist eine echt nationale Figur der großen slavischen Welt des Ostens, die in den Dörfern und Städten des weiten Reichs häufig genug auftaucht und auf Jeden, der sie einmal gesehen, durch ihre Wildheit einen unauslöschlichen Eindruck macht.«, flüsterte er mit gehemmtem Athem, »ein Heiliger.«

Hierauf hing er leise seine Flinte um und verschwand zwischen den braunen hundertjährigen Bäumen.

Mein Fuß wurzelte gegen meinen Willen an der Erde, und ebenso beinahe nothgedrungen mußte ich den unheimlichen Greis betrachten.

Ich hatte oft genug von der seltsamen Sekte gehört, zu welcher er sich zählte und die bei unserem Volke in so großem ehrwürdigen Ansehen steht. Nun konnte ich meine Neugierde befriedigen.

»Was hast du jetzt davon, Kain!« sprach der Wanderer nach einer Weile zu mir gewendet, »ist deine Mordlust befriedigt, bist du satt vom Blute deines Bruders!«

»Ist der Adler nicht ein Räuber?« erwiederte ich rasch, »mordet er nicht die kleineren und schwächeren seines Geschlechts, ist es nicht vielmehr ein gutes Werk ihn zu tödten?«

»Ja er ist ein Mörder,« seufzte der absonderliche Alte, »er vergießt Blut wie Alle, die leben, aber müssen wir es deshalb auch? Ich thue es nicht du aber – ja – ja – du bist auch von dem Geschlechte Kains, ich kenne dich, du hast das Zeichen.«

»Und du,« sprach ich betreten, »wer bist denn du?«

»Ein Wanderer.«

»Was ist das?«

»Das ist Einer, der auf der Flucht ist vor dem Leben.«

»Seltsam!«

»Seltsam, aber es ist die Wahrheit,« murmelte der Greis, legte den todten Adler sanft zur Erde und sah mich theilnehmend an, und jetzt waren seine Augen auf einmal unendlich sanft und wohlthuend.

»Geh in dich,« fuhr er mit zitternder, mahnender Stimme fort, »sage dich los von dem Vermächtniß Kains, erkenne die Wahrheit, lerne entsagen, lerne das Leben verachten und den Tod lieben.«

»Wie soll ich der Wahrheit nachfolgen, wenn ich sie nicht kenne. Belehre mich.«

»Ich bin kein Heiliger,« erwiederte er«,wie sollte ich dich die Wahrheit lehren, aber ich will dir sagen, was ich weiß.«

Er ging einige Schritte gegen einen faulenden Baumstamm, der auf der Waldblöße lag, und ließ sich auf demselben nieder und ich setzte mich unweit von ihm auf einen moosigen Stein; er stützte das ehrwürdige Haupt in beide Hände und blickte vor sich, und ich ließ die Arme in meinen Schooß sinken und machte mich bereit ihn zu hören.

»Auch ich bin ein Sohn Kains,« begann er, »ein Enkel Jener, die von dem Baume des Lebens gegessen, und muß es abbüßen und wandern – wandern bis ich frei werde vom Leben. Auch ich habe gelebt und mich meines Daseins thöricht gefreut, und es mit lächerlichen Flittern umgeben, auch ich! Ich habe alles mein genannt, was ein Mensch mit seiner stets unbefriedigten Sehnsucht erfassen mag, und habe erfahren, was im Grunde daran ist. Ich habe geliebt und bin verlacht worden, und mit Füßen getreten, als ich mit ganzem Herzen liebte, und bin angebetet worden, als ich mit Anderer Empfindungen, mit Fremder Glück frevelhaft spielte, angebetet wie ein Gott! Ich habe es erfahren, daß die Seele, die ich mit der meinen verschwistert glaubte, der Leib, den meine Liebe heilig hielt, wie eine Waare in dem abscheulichsten Handel verkauft wurden. Ich habe mein angetrautes Weib, die Mutter meiner Kinder, in den Armen eines Fremden gesehen. Ich war der Sklave des Weibes und Herr des Weibes, und war wie König Salomo, der viele Weiber liebte. Ich bin im Ueberflusse aufgewachsen und hatte keine Kenntniß von der Noth und dem Elend der Menschen, aber über Nacht schwand der Reichthum unseres Hauses, und als ich meinen Vater begraben sollte, war kaum das Geld da für seinen Sarg. Ich habe Jahre gekämpft um das Dasein, habe die Sorge, den Kummer kennen gelernt, und den Hunger und schlaflose Nächte und Angst und Krankheit. Ich habe mit meinen Brüdern um Besitz und Vortheil gerungen, habe betrogen und bin betrogen worden, habe geraubt und bin beraubt worden, habe Anderen das Leben genommen und war selbst dem Tode nahe, Alles um dieses teuflische Gold und Eigenthum, und ich habe den Staat, dessen Bürger ich war, leidenschaftlich geliebt, und das Volk, dessen Sprache ich spreche, und habe Amt und Würde bekleidet und zur Fahne meines Landes geschworen, bin mit zorniger Begeisterung in den Krieg gezogen, und habe Andere gehaßt und verfolgt und getödtet, nur weil sie eine andere Sprache redeten, und habe für meine Liebe nur Schande geerntet, und für meine Begeisterung Spott und Verachtung.

»Ich habe es auch verstanden, gleich den Kindern Kains, auf Kosten Anderer von dem Schweiße meiner Brüder zu leben, welche ich zu meinen Knechten, meinem Werkzeug erniedrigte, und habe mich nicht bedacht, mit fremdem Blute meine Genüsse und Belustigungen zu bezahlen. Aber ich habe auch mehr als einmal das Joch getragen, die Peitsche gefühlt, für Andere mich gemüht, und habe unermüdlich nach Gewinn gestrebt, und rastlos gearbeitet vom Morgen bis zum Abend, und im angstvollen Traume der Nacht noch meine Zahlen summirt, und bei Tag und Nacht, im Glück und im Unglück, Noth und Ueberfluß habe ich stets nur Eines gefürchtet – den Tod. Ich habe vor ihm gezittert; bei dem Gedanken, von diesem geliebten Dasein zu scheiden, Thränen vergossen; bei dem Gedanken der Vernichtung, mich und die ganze Schöpfung verflucht. O! ich habe entsetzliche Angst gelitten und entsetzliche Qualen, so lange ich noch etwas hoffte.

»Aber es kam die Erkenntniß über mich. Ich sah den Krieg der Lebendigen – ich sah das Menschenleben, wie es ist – und sah die Welt, wie sie ist.«

Der Alte nickte mit dem weißen Haupte vor sich hin und versank in Nachdenken. »Und welche Erkenntniß ist dir geworden?« sprach ich nach einer Pause.

»Die erste große Erkenntniß,« fuhr er fort, »ist die, daß ihr armen thörichten Menschen in dem Wahne lebt, Gott habe diese Welt in seiner Weisheit, Güte und Allmacht so gut als möglich erschaffen und eine sittliche Ordnung in diese Welt gesetzt, und Jener, der böse ist und böse handelt, störe diese Ordnung und diese gute Welt und verfalle der zeitlichen und ewigen Gerechtigkeit. Ein trauriger verhängnisvoller Irrthum! Die Wahrheit ist, daß diese Welt schlecht und mangelhaft und das Dasein eine Art Buße ist, eine schmerzliche Prüfung, eine traurige Pilgerschaft, und alles was da lebt, lebt vom Tode, von der Plünderung des Anderen!«

»Der Mensch ist also nach deiner Einsicht auch nur eine Bestie?«

»Allerdings! die vernünftigste, blutgierigste und grausamste der Bestien. Keine andere ist so erfinderisch ihre Brüder zu berauben, zu knechten, und so ist, wohin du blicken magst, im Menschengeschlechte wie in der Natur der Kampf um das Dasein, das Leben auf Kosten Anderer, Mord, Raub, Diebstahl, Betrug, Sklaverei. Der Mann der Sklave des Weibes, die Eltern ihrer Kinder, der Arme des Reichen, der Bürger seines Staates. Alles Mühen, alle Angst ist nur um dieses Dasein, das keinen anderen Zweck hat, als sich selbst. Leben! Leben! will ein Jeder, nur sein Leben weiter fristen und dies unselige Dasein auf Andere fortpflanzen. Und die zweite große Erkenntniß – aber du wirst mich nicht verstehen, Kain!«

»Vielleicht doch.«

Der Greis sah mich mitleidig an.

»Die zweite Wahrheit ist,« sprach er mit sanftem Ernst fort, »daß der Genuß nichts Wirkliches ist, nichts an sich, nur eine Erlösung von nagendem Bedürfniß, von dem Leiden, das dieses schafft, und doch jagt ein Jeder nach Genuß und Glück, und schließlich fristet er doch nur das Leben, er mag im Reichthum oder Armuth seine Tage beschließen. Aber glaube mir, nicht in der Entbehrung liegt unser Elend, nur in dieser immer wachen Hoffnung auf ein Glück, das nie kommt, nie kommen kann! Und was ist dieses Glück, das immer nah und greifbar, und doch ewig fern und unerreichbar uns vorschwebt von der Wiege bis zum Grabe? Antworte mir, wenn du kannst.«

Ich schüttelte den Kopf und fand keine Antwort.

»Was ist das Glück,« fuhr der Alte fort, »ich habe es gesucht beim Weibe, im Eigenthum, in meinem Volke, überall wo nur Athem und Leben weht – und sah mich überall betrogen und genarrt.

»Ja das Glück? vielleicht ist es der Friede, den wir hier vergebens suchen, wo es nur Kampf gibt, und seine Erfüllung der Tod, den wir so sehr fürchten. Das Glück! wer hat es nicht vor Allem in der Liebe gesucht, und wer hat nicht in ihr die bittersten Täuschungen erfahren? Wer war nicht in dem Wahne befangen, die Befriedigung dieser übermenschlichen Sehnsucht, die ihn erfüllt, der Besitz des geliebten Weibes müsse ihm vollkommenes Genügen, namenlose Seligkeit bringen, und wer hat nicht zuletzt trübselig über seine eingebildeten Freuden gelacht? Es ist eine beschämende Erkenntniß für uns, daß die Natur diese Sehnsucht in uns gelegt, nur um uns zu ihrem blinden, willigen Werkzeug zu machen, denn was fragt sie um uns? Sie will unser Geschlecht fortpflanzen! wir können zu Grunde gehen, wenn wir nur ihre Absicht erfüllt, für die Unsterblichkeit unserer Gattung gesorgt haben, und sie hat das Weib mit so viel Reiz ausgestattet, nur damit es uns zu sich zwingen, uns sein Joch aufladen und uns sagen kann: arbeite für mich und meine Kinder.

»Die Liebe ist der Krieg der Geschlechter, in dem sie darum ringen, eines das andere zu unterwerfen, zu seinem Sklaven, seinem Lastthier zu machen, denn Mann und Weib sind Feinde von Natur, wie alle Lebendigen, für kurze Zeit durch die Begier, den Trieb sich fortzupflanzen, in süßer Wollust gleichsam zu einem einzigen Wesen vereinigt, um dann in noch ärgerer Feindschaft zu entbrennen, und noch heftiger und noch rücksichtsloser um die Herrschaft zu streiten. Hast du je größeren Haß gesehen, als zwischen Menschen, welche einst die Liebe verband? Hast du irgendwo mehr Grausamkeit und weniger Erbarmen gefunden als zwischen Mann und Weib?

»Ihr Verblendeten! Ihr aberwitzigen Thoren. Ihr habt einen ewigen Bund gestiftet zwischen Mann und Weib, als wäret ihr im Stande, die Natur zu verändern, nach euren Gedanken und Einbildungen, zu der Pflanze zu sagen: blühe, aber verblühe nie und trage keine Frucht.«

Der alte Wanderer lächelte, aber in diesem sonnigen Lächeln lag weder Bosheit noch Geringschätzung, noch Spott, nichts als die heitere Klarheit der Erkenntniß.

»Ich habe auch den Fluch kennen gelernt,« sprach er weiter, »der im Eigenthum, in jeder Art von Besitz liegt. Durch Raub und Mord, durch Diebstahl und Betrug entstanden, fordert er zu demselben heraus, und zeugt Haß und Streit, Raub und Mord, Diebstahl und Betrug weiter fort ohne Ende! Als stände nicht das Korn auf dem Felde, als wäre nicht die Frucht auf dem Baume, die Milch der Thiere für Jedermann. Aber in den Kindern Kains ist eine dämonische Gier nach dem Eigenthum, eine Grausamkeit, Alles an sich zu reißen, und wäre es auch nur, damit Andere es nicht erlangen können. Und nicht genug, daß der Einzelne durch Gewalt oder List für sich allein von dem Besitz ergreift, wovon Hunderte, ja oft Tausende leben könnten, es ist als wollte sich Jeder für die Ewigkeit da einrichten, sich und seine Brut, und so vererbt er es noch auf seine Kinder, seine Enkel, die ihren Unrath auf seidene Polster leeren, während die Kinder dessen, der nichts hat, erbärmlich verderben. Der Eine sucht zu erringen, der Andere, was er hat, festzuhalten. Der Besitzlose führt Krieg gegen den Besitzenden, ein Ringen ohne Ende, der Eine steigt, der Andere fällt und beginnt von Neuem emporzuklimmen. Und nie ein Ausgleich, eine Gerechtigkeit, täglich wird Joseph von seinen Brüdern verkauft, täglich vergießt Kain das Blut seiner Brüder, das gegen ihn zum Himmel schreit.«

Der Greis streckte die Hände wie abwehrend in erhabener Empörung von sich.

»Aber der Einzelne ist zu schwach Krieg zu führen gegen die Zahl seiner Brüder,« fuhr er fort, »so haben sich die Kinder Kains vereint zu Plünderung und Mord, in Gemeinden, Völkern und Staaten. Wohl wird da die Selbstsucht des Einzelnen in Vielem beschränkt, seine Raub- und Mordlust eingedämmt, aber dieselben Gesetzbücher, welche gegen neue Verbrechen schützen sollten, verleihen zu gleicher Zeit erst den Verbrechern früherer Geschlechter und Zeiten Weihe und Kraft. Auch wird im Staate nicht der Selbstsucht allein Zwang angethan. Es wird uns – je nach den Zwecken, welche die Regierenden verfolgen – ein fremder Glaube, eine fremde Sprache, eine fremde Ueberzeugung aufgedrungen, oder doch die unsere bedrängt und verkümmert; wir werden Absichten dienstbar gemacht, die wir verabscheuen, und in unserem Streben gehemmt; unser Schweiß, ja unser Blut wird gemünzt zu Geld, um die Launen Jener zu bezahlen, welche den Staat lenken, diese Launen mögen Pracht und Ueppigkeit, Jagd und Weiber, Soldaten, Wissenschaften, oder schöne Künste heißen. Nichts ist heilig, Verträge aller Art werden geschlossen und gebrochen ohne Vernunft, ohne Scham. Wie oft wurde schon die Zukunft eines ganzen Volkes der fürstlichen Verlockung eines Augenblicks geopfert! Spione schleichen sich in die Familien und lösen alle Bande des Gemüthes, der Sittlichkeit, die Frau verkauft den Mann, der Sohn den Vater, der Freund den Freund, das Recht wird gefälscht, die Bildung des Volkes, das einzige Mittel eines allgemeinen Umschwunges, mit einem schnöden Almosen abgefertigt, und so das Wissen, die Erkenntniß in enge Kreise gebannt. Jene, die das Volk mit Wort und Feder vertreten, werden verfolgt, mit Ketten beladen, ausgerottet oder bestochen und zu Aposteln der Lüge gemacht. Jene aber, die ihm dienen, suchen unter dem Deckmantel des Staats nur ihren Vortheil, und bestehlen ihn sogar, den sie ihren Gott nennen, und hat zuletzt das Volk seine Knechtschaft, seine Schande, seine Verdummung mit dem Bankerott bezahlt, und macht es verzweifelt aus den Werkzeugen des Friedens Waffen gegen seine Unterdrücker, so entfesselt der Aufstand – mag Sieg oder Niederlage sein Ende sein – nur die Leidenschaften, die Bestialität der Massen, und beantwortet Blut mit Blut, Plünderung mit Plünderung. Was uns als Liebe zum Volke, ja dem Vaterlande so hoch gepriesen wird, ist es etwas anderes als Selbstsucht?

»Die Völker, die Staaten sind große Menschen, und gleich den kleinen beutelustig und blutgierig. Freilich – wer kein Leben schädigen will – kann ja nicht leben. Die Natur hat uns Alle angewiesen vom Tode Anderer zu leben, sobald aber nur das Recht auf Ausnützung niederer Organismen durch die Nothwendigkeit, den Trieb der Selbsterhaltung gegeben ist, darf nicht allein der Mensch das Thier in den Pflug spannen oder tödten, sondern auch der Stärkere den Schwächeren, der Begabtere den minder Begabten, die stärkere weiße Race die Farbigen, das fähigere, gebildetere, oder durch günstige Fügungen mehr entwickelte Volk das weniger entwickelte.

»So ist es auch in der That.

»Was innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft mit Kerker oder Schaffot bestraft wird, das thut ein Volk, ein Staat dem anderen, ohne daß man darin ein Verbrechen oder eine Verworfenheit sieht, sie morden sich im Großen um Land und Besitz, und ein Volk sucht das andere zu übervortheilen, zu unterwerfen, zu knechten, auszunutzen oder auszurotten, wie ein Mensch den anderen.

»Was ist der Krieg – in den nicht selten, durch lügnerische Vorspiegelungen und eine betrogene Begeisterung verfährt, die Besten eines Volkes ziehen – als der Kampf um das Dasein im Großen, Länderraub und Völkermord, begleitet von der Sklaverei des Fahnendienstes, Spionage, Verrath, Brandlegung, Nothzucht, Plünderung gefolgt von Seuchen und von Hungersnoth!

»Wirkt hier nicht in Millionen jener unselige Trieb fort, der in dem Einzelnen unablässig rege das ganze Menschendasein unterwühlt?«

Der Alte schwieg einige Zeit.

»Das große Geheimniß des Daseins,« sprach er dann mit feierlicher Ruhe, »soll ich dir es offenbaren?«

»Nenne es mir.«

»Das Geheimniß ist, ein Jeder will leben durch Andere, durch Raub und Mord, und soll leben durch sich selbst, durch seine Arbeit. Die Arbeit allein befreit uns von allem Elende. So lange Jeder darnach strebt, Andere für sich arbeiten zu lassen, mühlos die Früchte fremder Anstrengung zu genießen, so lange ein Theil der Menschheit Sklaverei und Noth dulden muß, damit der Andere im Ueberflusse schwelgt, so lange gibt es keinen Frieden auf Erden.

»Die Arbeit ist unser Tribut an das Dasein: wer leben und genießen will, muß arbeiten. Und in der Arbeit und in dem Streben liegt überhaupt alles das, was uns vom Glück gegönnt ist. Nur im männlichen, muthigen Kampfe um das Dasein kann man es überwinden, Jener, der nicht arbeitet, und sich dessen freut, ist doch zuletzt der Betrogene, denn über ihn kommt jene nagende Unzufriedenheit, welche gerade in den Palästen der Vornehmen und Reichen am meisten zu Hause ist, jener tiefe Ekel am Leben, dem die qualvollste Todesangst beigesellt ist.

»Ja! der Tod ist es, welcher alle Unzufriedenen, alle Unglücklichen, und sogar die meisten von denen, welche die Richtigkeit des Daseins erkannt haben, in dasselbe zurückschreckt – der Tod mit seinen bösen folternden Genossen, dem Zweifel und der Furcht.

»Kaum einer erinnert sich, will sich der Zeit, der unendlichen erinnern, da er noch nicht war. Jeder zittert vor jener zweiten Unendlichkeit, in der er nicht mehr sein soll. Warum das fürchten, was wir einst waren, und so lange waren, einen Zustand, mit dem wir uns so vertraut gemacht haben, während unser jetziger uns nur durch seine Kürze ängstiget, durch tausend grausame Räthsel quält.

»Ueberall ist der Tod um uns, er mag uns im Augenblicke der Geburt, oder später, plötzlich, gewaltsam oder nach langer Pein und Krankheit, oder in einem allgemeinen großen Sterben treffen, und doch denkt und müht sich jeder unausgesetzt, ihm auszuweichen, sein Dasein zu verlängern, das früher oder später genau so erbärmlich, ja lächerlich enden muß.

»Wie wenige begreifen, daß der Tod es ist, der uns allein vollkommene Erlösung, Freiheit, Frieden bringt, wie wenige haben den Muth, vom Leben bedrängt, ihn freiwillig und heiter aufzusuchen. Besser freilich ist nie geboren zu werden, und wenn man schon geboren wurde, den Traum ruhig, mit lächelnder Verachtung seiner schimmernden, lügnerischen Bilder auszuträumen, um für immer im Schooße der Natur unterzutauchen.«

Der Alte legte die braunen, verwitterten Hände über das von tiefen, traurigen Runzeln bedeckte Gesicht, und schien selbst zu träumen.

»Du hast mir gesagt, was dir im Leben an Erkenntniß geworden,« sprach ich hierauf zu ihm, »willst du mir nicht auch von den ewigen Wahrheiten sprechen, welche du daraus abgeleitet hast, von der Lehre, der du nachfolgst?«

»Ich sah die Wahrheit,« rief der Greis, »und sah, daß das Glück nur in der Erkenntniß liegt und sah, daß es besser ist, dies Geschlecht Kains stirbt aus, ich sah, daß dem Mann besser ist zu darben, als zu arbeiten, und sprach: ich will nicht mehr das Blut meiner Brüder vergießen und sie nicht mehr berauben, und ich verließ mein Haus und mein Weib, und ergriff den Wanderstab. Der SatanDer Satan, dessen Namen unser Volk nur äußerst selten ausspricht, hat bei uns nichts mit dem cynischen deutschen Teufel gemein, sondern erscheint als eine reine und großartige Personifikation des bösen (sinnlichen) Prinzips, als der Nachfolger des »schwarzen Gottes«, in dessen Gegensatze zu dem »weißen Gotte« die heidnischen Slaven die Welt auffaßten. hat die Herrschaft über die Welt, und so ist es eine Sünde an der Kirche, oder dem Gottesdienste, oder an dem Staate theilzunehmen. Und auch die Ehe ist eine Todsünde.

»Und diese sechs: die Liebe, das Eigenthum, der Staat, der Krieg, die Arbeit und der Tod sind das Vermächtniß Kains, der seinen Bruder schlug und seines Bruders Blut schrie gegen Himmel, und der Herr sprach zu Kain: »Du sollst verflucht sein auf der Erde, und unstät und flüchtig.«

»Der Gerechte verlangt nichts von diesem fluchwürdigen Vermächtniß, nichts von den Söhnen, den Töchtern Kains. Der Gerechte hat keine Heimath, er ist auf der Flucht von der Welt, den Menschen, er muß wandern, wandern, wandern.

»Wie lange,« fragte ich. Ich erschrak vor meiner eigenen Stimme.

»Wie lange? wer weiß das! erwiederte der Greis. Und wenn ihm sein Freund naht, der Tod, dann muß er ihn heiter erwarten, unter freiem Himmel, im Felde oder im Walde, damit er sterbe, wie er gelebt auf der Flucht.

»Mir war es heute Abend, als sei er an meiner Seite – ernst, freundlich und tröstlich, aber er ist mir vorübergegangen, so will ich meinen Stab ergreifen, und ihm nachfolgen, und ich werde ihn finden.«

Der Wanderer erhob sich und ergriff seinen Stab.

»Dem Leben entfliehen ist das Eine,« sprach er, und eine allerbarmende Güte glänzte in seinen Augen, »– den Tod wünschen und suchen das Zweite.« Und er hob den Stock und wanderte weiter. In Kurzem hatte ihn das Dickicht verschlungen.

Ich blieb allein in tiefer Waldeinsamkeit, und es ward Nacht um mich.

Vor mir lag ein faulender Baumstamm. Sein morsches Holz begann zu leuchten, und eine ganze unruhige und thätige Welt von Pflanzen, Moosen und Insekten wurde auf ihm sichtbar.

Ich versank in mich. Die Bilder des Tages rauschten an mir vorbei wie Wellen, Blasen, die das Wasser wirft und wieder verschlingt; ich sah sie ohne Sorge, ohne Angst, aber auch ohne Freude.

Ich begann die Schöpfung zu begreifen, ich sah wie Tod und Leben nicht so sehr Feinde als freundliche Genossen sind, nicht Gegensätze, die sich aufheben, als vielmehr eines aus dem andern fließend Wandlungen des Daseins. Ich fühlte mich losgelöst von der Welt, der Tod erschien mir nicht mehr schrecklich, ja minder schrecklich als das Leben. Und jemehr ich in mir gleichsam untergehe, um so mehr wird Alles um mich her lebendig und gesprächig und greift in meine Seele.

Bäume, Stauden, Halme, ja Stein und Erde strecken ihre Arme nach mir aus.

»Du willst uns entfliehen, Thor? vergebens, du kannst es nicht. Du bist wie wir und wir sind wie du. Dein Pulsschlag schlägt nur im Pulsschlag der Natur. Du mußt entstehen, wachsen und vergehen wie wir, leben, sterben und im Tode neues Leben geben, das ist dein Loos Sonnenkind, wehre dich nicht dagegen, es hilft dir nichts.«

Ein tiefes, feierliches Rauschen ging durch den Wald, über mir brannten die ewigen Flammen erhaben und ruhig.

Und mir war als stände ich der finsteren, schweigenden, ewig schaffenden und verschlingenden Göttin gegenüber und sie begann zu mir zu reden:

»Du willst dich mir gegenüberstellen als ein Wesen für sich, trauriger Thor! Ueberhebt sich die Welle vom Mondlicht beglänzt, weil sie einen Augenblick lebhafter schimmert? Eine Welle ist wie die andere. Alle kommen von mir und kehren zu mir zurück. Lerne bescheiden sein im Kreise deiner Brüder, geduldig und demüthig. Wenn dein Tag dir länger scheint als jener der Eintagsfliege, in mir, die keinen Anfang hat und kein Ende, ist er doch nur ein Augenblick.

»Sohn Kains! du mußt leben! du mußt tödten, du mußt tödten um zu leben, und tödten, wenn du nicht leben willst, denn nur der Selbstmord kann dich befreien.

»Lerne also dich fügen meinen strengen Gesetzen. Sträube dich nicht zu rauben, zu morden wie alle meine Kinder. Begreife, daß du ein Sklave bist, ein Thier, das im Joche gehen muß; daß du dein Brod essen mußt im Schweiße deines Angesichts. Ueberwinde diese kindische Furcht vor dem Tode, diese Schauer, die dich bei meinem Anblick fassen.

»Ich bin deine Mutter, ewig, unendlich, unveränderlich, wie du selbst durch den Raum begränzt, der Zeit hingegeben bist, sterblich, wandelbar.

»Ich bin die Wahrheit, ich bin das Leben. Ich weiß nichts von deiner Angst und dein Tod oder dein Leben sind mir gleichgültig. Nenne mich deßhalb nicht grausam, weil ich dich, das was du für dein wahres Wesen hältst, dein Leben dem Zufall preisgegeben, wie jenes deiner Brüder. Du – wie sie alle, ihr kommt von mir und kehrt zu mir zurück, früher oder später.

»Weßhalb sollte ich es hindern, oder Euch davor schützen, oder um Euch trauern. Ihr seid ich und ich bin in Euch, das, um was Ihr zittert, ist nur ein flüchtiger Schatten, den ich werfe. Euer wahres Wesen kann nicht vergehen durch den Tod, sowie es nicht entstanden ist bei Eurer Geburt.

»Sieh deinen Brüdern zu, wie sie sich im Herbste einpuppen, wie sie nur bekümmert sind, ihre Eier sicher zu betten, ohne Sorge um sich selbst und alle ruhig sterben gehen, um im Frühling zu neuem Leben aufzuwachen.

»Sieh im Wassertropfen, im Mittagsglanz der Sonne täglich eine neue Welt entstehen und im Abendrothe untergehen.

»Wachst du selbst nicht täglich nach kurzem Tode zu neuem Leben auf und zitterst vor dem letzten Schlafe!

»Ich sehe gleichgültig Herbst für Herbst die Blätter fallen, Kriege, Seuchen, jedes große Sterben meiner Kinder, denn ein jedes lebt fort in neuen Wesen, und so bin ich im Tod lebendig, im Vergehen ewig und unsterblich.

»Begreife mich und du wirst mich nicht mehr fürchten, mich nicht mehr anklagen, mich deine Mutter.

»Du wirst vor dem Leben fliehen zu mir in meinen Schooß, aus dem du aufgetaucht bist zu kurzer Qual, du wirst wieder kehren in die Unendlichkeit, die vor dir war und nach dir sein wird, während dein Dasein die Zeit begrenzt und verschlingt.«

So sprach es zu mir.

Dann war wieder nichts als ein tiefes, trauriges Schweigen um mich. Die Natur zog sich gleichsam mitleidig in sich selbst zurück und überließ mich den Gedanken, von denen sie mich nicht befreien konnte.

Ich sah, wie heilige Lügen uns geblendet haben, wie wir die Erben Kains nicht zu ihren Herren eingesetzt, sondern im Gegentheil ihre Sklaven sind, welche sie zu ihren unenträthselten Zwecken braucht, und denen sie diese Angst zu leben und sich fortzupflanzen eingeimpft hat, um ihrer schweren Dienste, ihrer schweren Frohnen, ihrer hoffnungslosen Knechtschaft gewiß zu sein.

Mich faßte ein namenloser Schauer, mich von ihr loszureißen, ihr zu entrinnen. Ich raffte mich auf und suchte das Freie zu gewinnen. Wie Fledermäuse schwirrten mir Gedanken, Befürchtungen und Zweifel schattenhaft und lautlos um das Haupt. So ereilte ich die Ebene, die friedlich in sanfter Beleuchtung des klaren Nachthimmels und seiner unzähligen Lichter da lag. In der Ferne sah ich mein Dorf, die freundlich schimmernden Fenster meines Hauses. Tiefe Ruhe kam über mich und in mir brannte feierlich still eine heilige Sehnsucht nach Erkenntniß und Wahrheit, und wie ich den wohlbekannten Pfad zwischen Wiesen und Feldern einschlug, da stand auf einmal ein großer Stern am Himmel, groß und klar, und es war mir als gehe er vor mir, wie einst vor den drei Königen, die das Licht der Welt suchten.