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Gutenberg > Pedro Calderón de la Barca >

Der Verborgne und die Verkappte

Pedro Calderón de la Barca: Der Verborgne und die Verkappte - Kapitel 3
Quellenangabe
typedrama
booktitleCalderons ausgewählte Werke Bd. III
authorPedro Calderón de la Barca
translatorJohann Diederich Gries
firstpub1817
yearca. 1905
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart
titleDer Verborgne und die Verkappte
pages219-328
created20050613
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Zweiter Aufzug.

Szene, wie am Schlusse des ersten Aufzugs.

Don Cesar und Mosquito kommen durch die Küchenthüre in das Kabinet.

Mosquito. Dies ist sicherlich das Haus,
Das Extremaduras weiser
Carrizales sich erbaute,
Von der Eifersucht geleitet.
Denn hier gibt's nicht Thüre, Fenster,
Luke, Loch, aus welchem leichtlich
Ein Mosquito könnt' entschlüpfen.
Ich kann's sagen!

Don Cesar.                 Wär' ein feiner
Kopf bemüht, den wunderbarsten
Zufall zu erfinden: scheint es
Möglich, daß er wunderbarer
Könnt' erdichten ein Ereignis,
Als sich hier begab? Wem wird
Dies als Wahrheit wohl erscheinen?
Celia ruft mich in ihr Haus.
Nun erfährt sie, fast im gleichen
Augenblick, ihr Bruder kommt.
Den Verschlag dort läßt sie heimlich
Zubereiten. Felix muß
Vor mir in Madrid erscheinen,
Und ich muß mich hier verstecken.
Während ich nun hier verweile,
Wird das Haus ganz umgekehrt;
Ich bleib' hier und finde keinen
Einz'gen Weg, um zu entfliehn.
Das sind Sachen, ohne Zweifel,
Die weit mehr Geduld verlangen,
Als die meine.

Mosquito.               Dies ist freilich
Noch das Schlimmste nicht.

Don Cesar.                                 Was sonst,
Wenn nicht dies?

Mosquito.                   Wir haben beide
Nichts zu essen; denn das bißchen
Hammelfleisch, das man in Eile
Auf dem Herd vergaß, das halbe
Brot aus jenem Schrank sind leider
Schon verzehrt. Zur Uebergabe
Zwingt der Hunger uns, dieweilen
In dem Platz nicht auf zwei Stunden
Lebensmittel mehr uns bleiben.

Don Cesar. Hätt' ich noch den Kapital
Aus der Zeit, da ich zuweilen,
In Abwesenheit des Bruders,
Celien besuchte! Leider
Gab ich ihn zurück am Tage
Meines Abgangs. Aber freilich,
Welcher menschliche Verstand
Konnt' auf solches sich bereiten?

Mosquito. Schon entdeckt die Morgendämmrung
Sich im schwachen Widerscheine
Frühen Lichts. – Und was, am Ende,
Denkest du zu thun?

Don Cesar.                     Ein einz'ges
Mittel bietet sich mir dar.

Mosquito. Und das ist?

Don Cesar.                   Ich will's dir zeigen:
In dem untern Stock des Hauses
Wohnt (aus Celiens Munde weiß ich's)
Ein Geschäftsmann aus der Fremde;
Ihm denk' ich mich mitzuteilen.
Denn weit wen'ger liegt daran,
Daß noch einer dies Geheimnis
Kennt, als daß man mich ermorde;
Was Don Felix ohne Zweifel
Beim Verändern seiner Wohnung
Führt im Plan.

Mosquito.               Auf welche Weise
Rufen wir ihn her?

Don Cesar.                   Wir pochen
Auf der Treppe.

Mosquito.                 Doch wahrscheinlich
Glaubt man bei dem ersten Pochen,
Daß sich Dieb' im Hause zeigen,
Und schlägt uns mit Knüppeln tot,
Ohn' uns anzuhören.

Don Cesar.                     Weiter
Find' ich nichts zu thun, als dies.
Ich will gehn.

(Indem er in das Kabinett gehen will, wird an die äußere Thür gepocht.)

Don Cesar.           Was soll das heißen?

Mosquito. Ei, der Fremde von da unten
Pocht nun eher, wie es scheinet,
Als wir selbst. Was gilt die Wette,
Daß er gleiche Not erleidet
Und, auch eben eingesperrt,
Thut, was wir zu thun vermeinten?

(Man pocht wieder.)

Don Cesar. Nein, man pocht an jene Thür.

Mosquito (ruft). Wer da?

Don Cesar.                     Narr, was machst du? Schweige!

Mosquito. Sagen will ich dem, der anpocht,
Daß der Schlüssel fehlt, und eilen
Soll er, ihn zu holen.

Don Cesar.                       Warte!
Antwort wäre jetzt nicht weislich.

Mosquito. Aber laß durchs Schlüsselloch
Mich zum mindsten sehn einstweilen,
Wer es ist, der pocht.

Don Cesar.                       Sieh zu!

Mosquito (sieht durchs Schlüsselloch).
Das sind schöne Teufeleien!
Ach, mein Gott!

Don Cesar.               Wer ist's, Mosquito?

Mosquito. Die Gerichte sind es leider,
Die da klopfen.

Don Cesar.               Die Gerichte?

Mosquito. Wahrlich, Herr.

Don Cesar (sieht durchs Schlüsselloch). Sie sind's, kein Zweifel!
Kann ein Kavalier sich rächen
Auf so niederträcht'ge Weise?

Mosquito. Celia, Herr, hat dich verkauft.

Don Cesar. Celia? Nein, ich kann's nicht meinen;
Nimmer!

Mosquito.       Ich wohl; sie ist fort.

(Man arbeitet am Schloß.)

Don Cesar. Wird nicht da am Schloß gemeißelt?

Mosquito. Ja, ich kenne dieses Klopfen;
Denn es ist dasselbe Zeichen,
Das man beim Beginn des Schauspiels
In den Logen gibt zuweilen.

Don Cesar. Was ist jetzt zu thun?

Mosquito.                                     Das beste
Scheint, zum Tod uns zu bereiten.

Don Cesar. Andres kann es sein; am besten,
Wir verbergen uns. Doch sei es
Nicht wie gestern, da wir Lärm
Hörten und nichts wußten weiter.

(Sie gehen in den Verschlag.)

Die Saalthür wird geöffnet. Ottavio, ein Gerichtsschreiber und mehrere Gerichtsdiener treten auf.

Ottavio. Was bedarf's, die Thür zu sprengen?
Hab' ich doch die Schlüssel bei mir,
Um zu öffnen! Sagt, ihr Herrn,
Was soll dieser Lärmen heißen?
Denn ich wohn' im untern Stocke,
Und auf dieses Klopfen eilt' ich
Schnell herbei, um nachzusehn.

Ein Gerichtsdiener. Nun, wir suchen hier derweilen
Einen Kavalier, Don Felix
De Acuña, der im Streite
Einen tot schlug diese Nacht.

Ottavio (beiseite). Hier ist Täuschung nötig. – (Laut.) Heißt er
Felix de Acuña?

Gerichtsdiener.         Ja.

Ottavio. Vor sechs Wochen schon ist einer,
Der so heißt, hier ausgezogen,
Und die Schlüssel hab' ich bei mir,
Um die Wohnung zu vermieten
Aus Ermächtigung des Eigners.
Drum ist alles ausgeräumt.

Gerichtsdiener. Doch zu spät!

Schreiber.                                 Und was nun weiter?

Gerichtsdiener. Nun, man nimmt's zu Protokoll.

Otañez tritt auf.

Otañez (zu Ottavio). Herr, Don Diego kommt, mein Meister,
Um zu fragen, wie's mit jenen
Briefen steht.

Ottavio.               Ihr Ungescheiter!
Seht Ihr nicht, daß ich mit diesen
Herrn hier spreche? Heißt ihn weilen
Im Comptoir; ich werde gleich
Zu ihm kommen. (Otañez geht.)

Gerichtsdiener.         Hier ist weiter
Nichts zu machen. – Nun, mein Herr,
Gott befohlen!

Schreiber.               Wenn wir eil'ger
Diese Nacht gewesen wären,
Hätt' er nicht vielleicht beizeiten
Sich gesichert.

Gerichtsdiener.     Diese Nacht
Konnten wir, trotz allem Fleiße,
Nicht erfahren, wo er wohnt.

(Der Schreiber und die Gerichtsdiener gehen ab.)

Don Diego und Otañez treten auf.

Don Diego. Herr Ottavio, etwas zeitig
Komm' ich her, um Euch zu fragen,
Ob die Post, die gestern einging
Aus Italien, den Dispens
Mitgebracht, den ich erheische,
Um mein Kind mit meinem Vetter
Zu vermählen; denn sehr eifrig
Wünsch' ich, dieses zu beenden.
Und indem ich unten weilte,
Sah ich Diener des Gerichtes
Von Euch gehn. Deshalb verzeihet,
Daß ich frag', ob ich vielleicht
Einen Dienst Euch könnte leisten.

Ottavio. Nun, was den Dispens betrifft,
Kann ich Botenlohn erheischen;
Er ist glücklich angekommen.

Don Diego. Laßt Euch meinen Dank bezeigen!

Ottavio. Das, mit den Gerichten, war,
Daß ein Kavalier, in Eile
Sich und seine Habe sichernd,
Auszog; und aus Ehreneifer
Wollt' er nicht, daß seine Schwester
Hier allein im Hause bleibe;
Und ich sagte, daß sie nicht
Mehr hier wohnen.

Don Diego.                   Dies Ereignis,
Das Ihr mir berichtet, ruft
Ins Gedächtnis mir den eignen
Gram zurück. Ich leid' entsetzlich,
Wenn ich mich des jammerreichen
Todes meines Sohns erinnre,
Und daß er, der ihn entleibte,
Auch durch Flucht sich mir entzog.
Denn wohl hätt' ich ihn . . .

Ottavio.                                     Und keine
Nachricht hörtet Ihr von ihm?

Don Diego. Nimmer; eingeschluckt, so scheint es,
Hat der Boden ihn. – Doch laßt mich!
Sprechen wir hievon nicht weiter.

(Er sieht mit Aufmerksamkeit im Saal umher.)

Ottavio. Ich sprach nur, weil Ihr gesprochen.
Gehn wir! – Doch weshalb so eifrig
Ueberschaut Ihr diese Wohnung?

Don Diego. Mir fällt ein, daß ich mit einer
Klappe kann zwei Fliegen schlagen,
Wie's im Sprichwort pflegt zu heißen.
Denn da der Dispens gekommen,
Dacht' ich meinen Eidam freilich
Zu mir in mein Haus zu nehmen;
Doch in jenem fehlt es leider
Sehr an Raum, und seit vier Wochen
Sucht' ich ein Quartier. Nun scheint mir
Dieses hier durch seine Lage
Und Umgebung wohl geeignet.

Ottavio. Trefflich, wenn es Euch gefällt;
Ich bin sehr dabei beteiligt.

Don Diego. Hat die Wohnung viel Gelaß
Außer diesem Saal?

Ottavio.                           Ich weiß nicht.
Wohn' ich gleich schon lang im Hause,
Kam ich doch nur dieses einz'ge
Mal bis jetzt herauf.

(Sie gehen zur einen Saalthür hinaus und kommen zur andern wieder herein.)

Don Diego.                     Die Wohnung
Hier gefällt mir, und am meisten
Deshalb, weil sie zwei Quartiere
Von verschiedner Art vereinigt.
Dieses soll Don Juan bewohnen
Bis zur Hochzeit; dann hier einziehn
Will ich selbst, und jenes andre,
Größre, soll den Kindern bleiben.
Wie viel kostet es?

Ottavio.                         Zweitausend
Stück Realen.

Otañez.                 Teuer scheint es,
Denn die Häuser sind jetzt wohlfeil.

Don Diego. Saget mir, wer ist der Eigner?
Daß ich gleich mit ihm die Sache
Richtig mache.

Ottavio.                   Als den Eigner
Nehmt mich selber; denn der Hausherr
Ist mein Freund und auf der Reise
Nach Granada jetzt. Ich habe
Vollmacht, sein Geschäft zu treiben;
Also braucht Ihr nur mit mir
Zu verhandeln.

Don Diego.             Ohne weitres
Will ich dies Quartier behalten,
Denn mit Euch will ich nicht feilschen.
Gebt die Schlüssel meinen Leuten,
Die ich herschick' ohne Weilen,
Um die Zimmer auszumöbeln.

Ottavio. Besser ist's, seid Ihr so eilig,
Daß Ihr selbst sie mit Euch nehmt.
Ich muß über Land, und keiner
Bleibt zurück in meiner Wohnung.
Laßt uns denn hinuntersteigen,
Daß ich den Dispens Euch gebe
Und die Schlüssel.

Don Diego.                   Unbeschreiblich
Freut die Wohnung mich.

Ottavio.                                   Ihr glaubt nicht,
Wie mich Eure Freud' erheitert.

Don Diego. Achtet mich als Euern Diener
Und Lisarden, die so reizend
Wie ein Engel ist, als Euer.

(Alle gehen ab. Die Thür wird von außen verschlossen.)

Don Cesar und Mosquito kommen aus dem Verschlage.

Don Cesar. Hast du dies gehört?

Mosquito.                                     Nur ein'ges.

Don Cesar. Immer Zufall noch auf Zufall
Und Ereignis auf Ereignis,
Um mein Unglück zu verketten,
Um mein Mißgeschick zu steigern!
Einen Mann erstach Don Felix,
Deshalb zog er aus so eilig;
Und Don Diego, der hieher kommt,
Um sich den Dispens zu seiner
Tochter Heirat mit dem Vetter
Abzuholen (mich zerfleischet
Eifersucht!), er sucht hier oben
Den Ottavio, findet reizend
Dies Quartier und nimmt sogleich
Auch die Schlüssel ohne weitres.
Und damit, zum Unglücksgipfel,
Mir selbst nicht das Mittel bleibe,
Unten anzupochen, geht
Alles aus dem Haus. – O heil'ger
Himmel! wann wird endlich nur
Meiner Plagen Ziel erscheinen?

Mosquito. Daß man in den Mietvertrag
Möbeln und Gerät mit einschließt,
Sehn wir hier zu Lande täglich;
Doch das ist ganz neue Weise,
Daß ein Mann, der Zimmer mietet,
Einen Herrn und Diener einschließt.
Aber gut! Bei allen diesen
Leidensfällen ist doch ein'ges
Tröstlich auch.

Don Cesar.             Was?

Mosquito.                         Daß Ottavio
Nichts erfuhr von der geheimen
Treppe; daß vermietet ward
In Abwesenheit des Eigners.
Denn schloß dieser selbst die Miete,
Sicher, daß die Trepp' ihm einfiel;
Und dann fänd' uns hier Don Diego
Eingetreppt, ohn' allen Zweifel.

Don Cesar. Wirklich, für den wunderbaren
Fall, der sich mit uns ereignet,
Stehn die Sachen – wie sich alles
Jetzo fügt – noch nicht verzweifelt;
Und der Mut in meiner Brust
Soll so leichten Schwierigkeiten
Nimmermehr sich unterwerfen.

(Er zieht den Dolch und sucht mit diesem das Schloß der Saalthür abzubrechen.)

Mosquito. Ei, was machst du da?

Don Cesar.                                   Abreißen
Will ich mit dem Dolch das Schloß
Und aus diesem Haus' entweichen,
Ehe mir mein Feind den Weg
Ganz verschließt. Gefahr ist freilich,
Daß man auf der ersten Gasse
Mich ergreift; doch lebend bleiben
Will ich nicht, wenn mit Lisarden
Sich Don Juan vermählt (o Leiden!),
Will nicht Zeuge sein des Unglücks,
Das doch meinen Tod entscheidet.

Mosquito. Du hast recht, wir wollen fort,
Sollt' auch diese Thür in kleine
Stücke gehn.

Don Cesar.         Nicht warten will ich
Auf mehr Unglück.
    (Geräusch von außen an der Thür.)
                              Doch, was zeigt sich
Dort? Man will von außen öffnen.

Mosquito. Zum Verschlag in größter Eile!

Don Cesar. Nötig ist es, wär's Don Diego.

Mosquito. Ach, er liebt uns unbeschreiblich,
Weil er unterm Schloß uns hält.

Don Cesar. Eben kommt er recht unzeitig!

Mosquito. Da er alles eilig thut,
Muß ich denken wohl, er sei es.

(Beide gehen in den Verschlag.)

Beatriz und Otañez treten auf.

Beatriz. Dieses ist die Wohnung?

Otañez.                                         Ja.

Beatriz. Kreuz gemacht, und nun ins Haus
Mit dem rechten Fuß voraus. (Sie sieht sich um.)
Uebel liegt die Thüre da;
Und die Treppe – großer Schade! –
Geht krumm um und ganz verdreht.
Und der Balken Zahl – ei seht!
Eins, zwei, drei – ist nicht gerade.
Geh, Otañez, sage nun
Unserm Herrn, falls er nicht eben
Schon das Geld vorausgegeben,
Würd' er wohl sehr übel thun,
Wenn er dringend nicht begehre,
Daß man ändre diese Thüre,
Besser dort die Treppe führe
Und der Balken Zahl vermehre.

Otañez. Nun, daß Gott dir gnädig sei
Mit dem Uebel, mit dem Schaden,
Mit dem Krummen, mit dem Graden,
Mit den Balken, eins, zwei, drei!
Rechten Fuß voraus, die Nase
Hinter Trepp' und Thür – mit Gunst,
Lerntest du die schöne Kunst
Von der Dueña, deiner Base?

Beatriz. Freilich; denkt Ihr, es sei Scherz?
Solche Dinge, wie ich sage,
Lehrte sie mich alle Tage;
Denn sie war ein Gottesherz.

Otañez. Ja, das sieht man deutlich nun
An dem schönen Christentume,
Das sie beibracht' ihrer Muhme. –
Doch du hast hier nichts zu thun,
Beatriz, als dies Quartier
Wohl zu kehren und zu fegen,
Nicht, die Balken zu erwägen.
Einen Hausgeist hab' ich hier,
Der mir alles wieder sagt.

Beatriz. Ist ein Hausgeist hier im Haus,
Und Ihr habt ihn . . .

Otañez.                           Nur heraus!

Beatriz. Ist's ein Teufel, der Euch plagt.

Otañez. Ihr verfluchte Schwätzerin,
Schon in Eurer Kindheit Jahren
Wohl in Hexerei erfahren,
Hexe bis ins Alter hin!
Wenn Ihr sprechet, sprecht gemach.

Beatriz. Ihr, Don Geckos würd'ger Sippe,
Knochenbeinernes Gerippe!
Ihr beschmutzter Almanach!
Der Ihr aus der Pluderhose
Kaum hervorragt mit dem Kopf,
Euer eigner Kammertopf
Und Eu'r eigner Virtuose!
Magrer als die ältste Mähre,
Koffer nur von Holz und Fell!
Totengräbers Altgesell
Und lebend'ges Miserere!
Inhalt sämtlicher Gebrechen,
Ew'gen Hustens Leibgedinge
Und dreihundert andre Dinge –
Wie denn soll man mit Euch sprechen?

Otañez. Danket Gott, Ihr Maul voll Lügen,
Denn die Kutsche fährt vors Haus,
Und das Fräulein steigt heraus.
Sonst – ich schleppt' Euch mit Vergnügen
Vors Inquisitionsgericht.

Lisarda tritt auf, mit zurückgeschlagenem Schleier.

Lisarda. Wie mein Vater doch so eilt!
Einziehn will er unverweilt;
Und nun macht er mir zur Pflicht,
Daß ich in der größten Hast
Kommen soll, besehn, befehlen,
Was für Möbeln auszuwählen.

Otañez. Ei, es kommt ein schöner Gast l

Beatriz (zu Lisarden). Das ist klug von meinem Herrn,
Daß er dazu dich verpflichtet;
Denn was sie nicht eingerichtet,
Billigt eine Frau nicht gern.
Hätt' ich etwa hier gewagt,
Irgend was zu thun – ich wette,
Was ich auch gethan, es hätte
Nichts von allem dir behagt.

Lisarda. Gar nicht übel scheint die Wohnung.

Otañez. Dieses Zimmer, hört' ich, bliebe
Für Don Juan, bis seiner Liebe
Wird die glücklichste Belohnung.

Beatriz. Geht, Otañez, um zu sehn,
Daß vom Wagen man die Sachen
Ablädt.

Otañez.       Das ist wohl zu machen,
Sehen ist ja leicht geschehn. (ab.)

Lisarda (auf das Kabinett zeigend).
Dorthin schafft mir nichts; ich glaube,
Dieses wird mein Putzgemach.
Vom Gepäcke bringt sonach
Nichts hinein.

Beatriz.                 Nimm vor dem Staube.
Dort dich nur in acht!

Lisarda (seufzend).             O wehe!

Beatriz. Meinen Glückwunsch dir zu geben
Dacht' ich, und nun hör' ich eben
Solchen Seufzer?

Lisarda.                       Ja; ich sehe,
Vor wie großem Leid ich stehe.

Beatriz. Wer ist schuld daran? O sprich!

Lisarda. Ach, Don Juan!

Don Juan tritt auf.

Don Juan.                       Beglückt bin ich,
Daß ich kam zur guten Stunde!
Hört' ich nicht aus deinem Munde
Meinen Namen?

Lisarda.                     Sicherlich!
Doch, statt Glück, kann's Unglück sein,
Daß ich dacht' an Euch, Don Juan.

Don Juan. Nein, stets ist es Glück . . .

Lisarda (beiseite).                                 O Wahn!

Don Juan. Fällt mein Name nur dir ein,
Wär' es auch – es hat den Schein –
Weil du tadeln mich gemußt.
Dennoch schafft's mir hohe Lust;
Denn die Uhr, im raschen Gange,
Stets gehorcht sie mit dem Klange
Ja dem Triebwerk in der Brust.

Lisarda. Wohl; doch manchmal irrt der Gang,
Und das Triebwerk in der Uhr
Zeigt auf diese Stunde nur,
Aber jene gibt der Klang.

Don Juan. Gegen mich so harten Zwang?
Muhme! Herrin!

Lisarda.                     Kein Behagen
Find' ich, mich mit Euch zu plagen;
Doch mit Beatrizen hier
Sprach ich eben jetzt, und ihr
Will ich nun das weitre sagen. –
Beatriz, der Herr Don Juan
Glaubt vermutlich, wer der Ehe
Schon so nahe sei, den gehe
Höflichkeit nichts weiter an.
Um die Achtung ist's gethan,
Um die Sorgfalt, das Verlangen,
Das er sonst gezeigt; entgangen
Ist ihm dieser sichre Schluß,
Daß der wenig lieben muß,
Der nicht liebt mit etwas Bangen.
Gestern fuhr ich auf das Land,
Doch Don Juan nahm ich nicht wahr;
Ich geriet dort in Gefahr,
Die ein andrer abgewandt.
Hab' ich jenem, dessen Hand
Mich errettet, Dank zu zollen,
Darf ich wohl mit diesem grollen,
Der so schmählich mich vergißt;
Weil nicht diesem grausam ist,
Wer dem andern danken wollen.
Endlich war ich heim gekommen;
Doch den ganzen Abend, traun!
Ließ Don Juan sich nimmer schaun.
Was das heißt, weiß ich vollkommen;
Und es macht mich nur beklommen
(Eifersüchtig nicht, fürwahr!),
Daß, noch eh die Hochzeit war,
Sich Don Juan so stark verwandelt,
Und daß er mich jetzt behandelt
Wie sein Weib schon ganz und gar.

Don Juan. Sicher, du vergäbest mir,
Wüßtest du, was mir geschah.
Gute Zeugen – wahrlich, ja! –
Sind vielleicht die Wände hier.
Sagen sie den Anlaß dir!
Sagen sie . . .

Lisarda.                 Wenn ich die Klagen
Beatrizen vorgetragen,
Gebt Ihr Antwort?

Don Juan.                     Keine Fehde!
Beatrizen galt die Rede,
Und ihr will ich's weiter sagen. –
(Zu Beatriz.) Zu der Muhme wollt' ich gehen
Gestern abend, als ich da
Don Alonsos Mörder sah;
Und ich eilt', ihm nachzuspähen,
Um zu strafen sein Vergehen.
Den Don Felix, welcher hier
Wohnte, nahm ich gleich mit mir.
Dort nun, wo wir den verruchten
Mörder, den Don Cesar, suchten,
Fiel ich, blind vor Rachbegier,
Einen andern Fremden an.
Eiligst kam die Polizei,
Wollte wissen, wer es sei,
Und (erschrick nur nicht) ein Mann
Ward erlegt; wir hörten dann,
Daß man Felix' Namen nannte;
Da er sah, daß man ihn kannte,
Blieb die Flucht ihm einz'ge Wahl.
Ehr' und Dankbarkeit befahl,
Ihm, der sich für mich verwandte,
Von der Seite nicht zu gehn,
Bis ich Felix und die Seinen
Konnte ganz gesichert meinen.
Hierauf sucht' ich zu erspähn,
Ob Erwähnung sei geschehn
Auch von mir; doch ich erfuhr,
Niemand sei mir auf der Spur.
Damit glaubt' ich mich geborgen,
Und nicht hielten andre Sorgen
Mich entfernt, als diese nur.

Beatriz. Ich, die Richterin geblieben,
Will das Urteil nun verleihn;
Und ich will, daß die Partein,
Da sie beid' einander lieben,
Die Versöhnung nicht verschieben.

Don Juan (zu Lisarden). Willig biet' ich meine Hände;
Mache nun dem Zorn ein Ende!

Lisarda. Wohl geschieht's, wie ich vermute;
Denn mir käm' es nicht zu gute,
Wenn ich schuldiger Euch fände.

Don Juan. Ist dein Groll nun hingefahren,
So erlaub', als Schmerzensold
Für dies Leid . . .

Lisarda.                       Das heißt, Ihr wollt
Nochmals zornig mich gewahren. (ab.)

Don Juan. Mag's die Zofe denn verwahren. –
(Er ruft.) He, Castaño! Aufzuheben
Gib's der Beatriz. (ab.)

Castaño tritt auf.

Beatriz.                       Durch Geben
Wird mein Herz sogleich gefangen;
Ich empfang', um zu empfangen,
Wird es gleich nicht mir gegeben. –
Nichts im Haus' ist noch in Ordnung.
In dies Zimmer, das die Herrin
Sich zu ihrem Putzgemache
Oder zum Schmollwinkel wählte,
Hieher schaffe nur, Castaño
(Doch mit Vorsicht), die Geschenke,
Die du meinem Fräulein bringst.

Castaño. Tausend Sachen, auserlesen!
Wart', ich hole sie herein;
Draußen stehen schon die Träger.

Beatriz. Holen laß uns einen Tisch,
Um sie besser aufzustellen.

(Sie holen einen Tisch und setzen ihn in das Kabinett, gerade vor die heimliche Thür. Dann bringt Castaño eine Menge Schachteln und Kästchen herein und stellt sie auf den Tisch.)

Castaño. Süßigkeit aus Portugal
Bring' ich.

Beatriz.           Doppelt süß zu nennen;
Süß als Süßigkeit, und süß,
Weil sie Portugal gesendet.

Castaño. Schokolade von Guaxaca
Bring' ich hier. Dann kommen ferner
Hauben, Bänder, feine Strümpfe,
Handschuh', Duftwerk, Räucherkerzchen,
Arbeitsbeutel und Pantoffeln
Und Geldbörsen.

Beatriz.                     Das riecht herrlich!

Castaño. All dies Duftwerk, Beatriz,
Ist den Frauen unentbehrlich,
Damit sie nicht übel duften
Und zumal die eignen.

Beatriz.                               Frevler!

Castaño. Das war das; nun kommen noch
Die vortrefflichsten Juwelen
In dem Kästchen hier – wahrhaftig,
Wohl ein Schatz- und Gnadenkästchen!

Beatriz. Alles schön! Allein hier fehlt
Noch ein Stück.

Castaño.                   Und was?

Beatriz.                                     Bedenke!
Ein gewisses hübsches Kleid,
Bei dem frohen Hochzeitfeste
Mir zum Ueberfluß geschenkt.

Castaño. Guter Ausdruck, den du wähltest!
Denn was für ein Kleid – sag' an! –
Ist nicht Ueberfluß am Ende?
Doch ich bracht' es nicht hieher,
Denn gar viel steht dem im Wege.

Beatriz. Was denn? Sprich!

Castaño.                               Man sagte mir,
Daß du einem jetzt entfernten
Bengel, der mit Schwert und Stachel
Doppelt ein Mosquito wäre,
Warst (zwar nicht als violierte
Violante Navarretes)
Warst das Knopfloch seiner Knöpfe
Und die Oese seiner Nesteln.
Dies Gerücht, das ich vernommen,
Hat nicht wenig mich geärgert;
Und nicht billig scheint es mir,
Daß Castaño so gefällig
Dich begleite, wenn der andre
Dich entkleidet.

Beatriz.                     Saubres Märchen!
Und gibst du mir denn das Kleid?

Castaño. Nein, doch ich soll's übergeben.
Das heißt, par bricole die Kugeln
Treffen, die genüber stehen.

Beatriz. Wär's auch, doch hast du nicht recht;
Denn Mosquito ward am Ende
Als ein Spielball nur gebraucht,
In Ermangelung des Bessern.
Und, die Wahrheit zu gestehn,
Kostest du mich mehr der Thränen
In nur einer einz'gen Stunde,
Als in dreißig Monden jener.
Nur aus Mitleid liebt' ich ihn,
Bis ich etwas andres fände;
Denn er ist ein armer Schelm.

Castaño. Fast erweichst du mich ein wenig.
    (Er holt das Kleid und gibt es ihr.)
Beatriz, da ist das Kleid,
Fix und fertig, und daneben
Auch der Schleier.

Beatriz.                         Hier ein Küßchen!

(Sie umarmt ihn.)

Castaño. Liebst du mich allein, mein Leben?

Beatriz. Das ist eben nicht gebräuchlich;
Gnug, ich liebe dich von Herzen.
Und da du mit deinem Herrn
Hier im Hause wohnst – bedenke,
Gibt es manchmal: Gib und nimm!
Wird's auch: Sag' und höre! geben.
Doch jetzt lebe wohl; abschließen
Muß ich dieses Zimmer endlich,
Damit niemand, wer es sei,
Eingang oder Ausgang nehme.

Castaño. Lebe wohl! (ab.)

Beatriz.                     Das Kleid bleibt hier
Mit dem andern. – (Sie legt das Kleid auf den Tisch.)
                              Wenn die Herrin,
Der man dient, doch alle Monat
Ein bis zweimal sich vermählte!

(Sie geht und verschließt die Thür von außen.)

Mosquito öffnet die heimliche Thür ein wenig.

Mosquito. Ha, bei Gott! ich muß hinaus.

Don Cesar (ihn zurückhaltend).
Wohin willst du? Laß dich hemmen!

Mosquito. Hörten wir, daß man die Thür
Jenes Zimmers eben sperrte,
Daß man Süßigkeiten daließ,
Wie verlangst du, mich zu hemmen?
Ja, und wären's Bitterkeiten,
Trefflich sollten sie mir schmecken.

Don Cesar. Keinen Lärm!

(Mosquito reißt sich los, öffnet hastig die Thür und stößt den Tisch mit den Sachen um.)

Mosquito.                           Wie kann ich's hindern,
Wenn der dumme Tisch mir wehrte,
Diese Thür zu öffnen? – Himmel!
Einen Kasten find ich; wären's
Doch die Süßigkeiten!
    (Er nimmt einen Kasten und öffnet ihn.)
                                    Handschuh
Sind's, hol' sie der Henker!
Alles werf' ich durcheinander.

Don Cesar. Mensch, was machst du?

Mosquito.                                           Lärm.

Don Cesar.                                                   Verderben
Willst du mich?

Mosquito.                 Nur essen will ich;
Iß du auch. (Er ißt von den Süßigkeiten.)

Don Cesar.       Dich töten werd' ich;
Denn für mich ist alles Gift,
Alles, was ich hier entdecke.

Mosquito. Ob man stirbt an Gift, an Hunger:
Stirb, wie dir es paßt am besten.

Don Cesar. Machen wirst du, daß ich alles
Umwerf', einschlag' und verbrenne
Mit dem Feuer meiner Brust,
Oder tränk' und überschwemme
Mit den Thränen meiner Augen.

Mosquito. Wenn du gnug doch Feuer hättest,
Wenn du gnug doch Wasser weintest,
Um die Schokolad' ein wenig
Zu bereiten! Ach, mein Jesus!

Don Cesar. Hören mußt' ich Liebsgeschwätze
Von Don Juan und von Lisarden!
Ihr geschmeidiges Verschmähen,
Seine faden Liebkosungen,
Hören mußt' ich das? Ich sterbe!

Mosquito. O was das betrifft, ich auch
Hörte deutlich ja soeben
Den kastanienbraunen Friesen
Und die Rappenstute lästern,
Hier, an dieser Liebeskrippe.
Doch sie reden, was sie reden,
Daß sie mich aus Mitleid liebte,
Und von arm und reichen Schelmen!
Ich will essen, was er brachte.
Denn am besten dadurch rächt sich
Eifersucht, daß sie was einbringt;
Und es schmeckt gar schön und trefflich,
Was ein andrer zahlt.

Don Cesar.                       In Wahrheit,
Mir scheint dieses jetzt das Beste,
Daß ich warte, bis es nachtet,
Und den Ausweg dann, verwegen
Oder tollkühn sei's, mir bahne.

Mosquito. Wenn nur deine Freund' und Vettern,
Sich auf alles vorbereitend,
Unten auf der Gasse ständen;
Ja, dann wär's ein sichres Mittel.

Don Cesar. Aber du, Mosquito, dächt' ich,
Da dich niemand kennt, du könntest
Wohl entschlüpfen ungefährdet,
Weil anjetzt in diesem Hause
So viel Leute hin- und hergehn.

Mosquito. Um mir einen Trunk zu schaffen,
Gibt es nichts, was ich nicht thäte.

Don Cesar. Du mußt fort; ich will dir sagen,
Wem du sollst dies alles melden.

Mosquito. Gerne thät' ich's; doch ich fürchte . . .

Don Cesar. Was denn? Wenn sie auch dich sehen!

Mosquito. Daß ein Mönch mir, wie dem König,
Messe liest in der Kapelle. –
Doch ich will was für dich thun;
Und da fällt mir ein soeben,
Daß ich kann verkleidet fortgehn,
Ohne daß man mich erkenne.
Dieses Kleid der Beatriz
Soll mir dienen. Hilf ein wenig
Mir beim Anziehn.

Don Cesar.                   Still! Man öffnet.

Mosquito. Was für Leid uns auch begegne,
Essen haben wir und Kleidung;
Mag nun, was da will, geschehen!

Er rafft das Kleid und einige von den Schachteln zusammen; beide gehen in den Verschlag.)

Lisarda und Beatriz treten auf.

Beatriz. Nein, gewiß, so allerliebste,
Saubre Schächtelchen und Kästchen
Sah ich noch im Leben niemals.

Lisarda. Alles will ich sehn; nicht denken
Soll Don Juan, daß ich's verachte.
    (Sie treten in das Kabinett.)
Aber welchen Wirrwarr seh' ich?

Beatriz. Ohne Zweifel treibt die Dame
Kobold hier im Haus' ihr Wesen.
Nein, hier halt' ich mich nicht auf!

Lisarda. Wer kam hier herein und stellte
Diese Wirtschaft an?

Beatriz.                             Gar niemand
Konnte hier herein; ich selber
Trug ja stets den Schlüssel bei mir.

Lisarda. Nun, so bist du schuld und setztest
So die Sachen hin, daß alles
Fallen mußte ganz notwendig.

Beatriz. Wie konnt' ich . . .

Lisarda.                               Wem fiel' es ein,
Deshalb bloß hier einzubrechen?

Beatriz. Ach, nicht deshalb bloß! O Himmel,
Welch ein schreckliches Begebnis!
Himmel!

Lisarda.         Nun, was fehlt denn noch?

Beatriz. Ach, mein ungetragner Schlender!

Lisarda. Welch ein Schlender?

Beatriz (weinend).                     Den Don Juan
Mir geschenkt.

Don Diego und Otañez treten auf.

Don Diego.             Was für ein Lärmen?

Beatriz. Auch der Schleier!

Lisarda (zu Don Diego).         Beatriz
Setzte hieher die Geschenke,
Die Don Juan gesandt; und nun
Liegt hier alles, wie Ihr sehet,
Und ihr fehlt auch noch ein Kleid.

Beatriz. Ach, mein ungetragner Schlender!

Otañez. Ja, und doch schon abgetragen.
Sicher würd' er dir nicht fehlen,
Hätte dieses Haus nur einen
Balken mehr.

Don Diego.           Dergleichen Fälle
Pflegen oft sich zu ereignen,
Wenn man sein Quartier verändert. –
Nehmt dies alles hier zusammen;
Und du, meine Tochter, gehe
Auf dein Zimmer; denn so lange
Noch Don Juan als Unvermählter
Hier im Hause wohnt, darf er
Eben dich am mindsten sehen.

Lisarda. Pünktlich will ich dir gehorchen;
Und damit Don Juan nicht später
Noch in meine Wohnung komme,
Will ich früh mich niederlegen.
Beatriz, entkleide mich!

Beatriz. Der, der mich entkleidet, besser,
Glaub' ich, könnt' er's thun, als ich.

Lisarda. Weine nicht! Dem abzuhelfen
Ist ja leicht. – (Beiseite.) Und sagt' ich auch,
Früh woll' ich mich niederlegen,
Thu' ich's nicht, eh ich gesehn,
Wann Don Juan nach Hause kehrte.
(Laut.) Leuchte, Beatriz.

Beatriz.                                 O Himmel!
Ach, mein ungetragner Schlender!
Das ist doch ein großes Unglück!

(Lisarda und Beatriz gehen ab.)

Otañez. So viel Volk ist hier gewesen,
Daß man sich nicht wundern dürfte,
Fehlt' auch mehr.

Don Diego.                 Otañez, stehen
In Bereitschaft schon die Zimmer
Für Don Juan?

Otañez.                 Und ganz vortrefflich
Eingerichtet.

Don Diego.         Sehet zu,
Ob noch etwas fehlt, und setzet
Lichter für ihn hin, denn schon
Wird es Nacht. – (Otañez geht.)
                            Wie heiter wäre
Dieser Freudentag für mich,
Wenn mein armer Sohn ihn sähe!
Himmel! könnt' ich nur zum mindsten
Mich an seinem Mörder rächen!
Doch mir wollte mein Geschick
So viel Glück nicht zugestehen,
Daß ich könnte . . .

Celia tritt auf, verschleiert.

Celia.                             Kavalier!
Wenn, den Frauen Schutz zu geben,
Ist die erbliche Verpflichtung
Aller, die erzeugt von edlem
Blute sind – denn anerzeugt
Ward der Edelmut mit jenem –
O so schützt ein armes Weib,
Das ihr trauriges Verhängnis
Jetzt zu Euern Füßen bringt,
Und, ich hoff' es, nicht vergebens.
Wißt, ein Mann, den zum Gebieter
Meiner Ehre des Gesetzes
Grausamkeit gemacht, verordnend,
Daß die Unschuld für des Frevlers
Missethat die Straf' erdulde –
Dieser Mann verfolgt mich, wehe!
Nur mein Unerkanntsein sichert
Ihm die Ehr' und mir das Leben.
Wehrt ihm, weil Ihr Ritter seid,
Wehrt ihm, hier hereinzutreten;
Denn sonst würd' ich . . .

Don Diego.                             Schweigt, Señora;
Denn, um Frauen beizustehen,
Braucht ein echter Edelmann
Keine Gründe zu vernehmen,
Weil der eine schon genügt,
Daß sie leidend sind. Ich gehe,
Ihn zu hemmen, und will suchen,
Seinen Argwohn abzulenken.
Und vermag ich's nicht mit Worten,
So vermag ich's mit dem Schwerte;
Denn mein Herz ist ein Vulkan,
Innen Glut, wenn außen Schnee ist. –
Wartet hier, doch gehet nicht
Weg von diesem Ort; denn neben
Diesem Saal wohnt meine Tochter,
Und ich wünscht' ihr zu verhehlen,
Daß anjetzt in unsrer Welt
Dinge solcher Art geschehen. (ab.)

(Es ist indessen dunkel geworden.)

Celia. Nun, bis jetzt ist diese Kühnheit
Trefflich mir gelungen. Gebe
Mir die Liebe Glück, wenn Glück
Je der Liebe dient zum Helfer!
Suchen will ich den Verschlag,
Der die Treppe birgt.

(Sie nähert sich dem Kabinett.)

Don Cesar und Mosquito kommen aus dem Verschlage, letzterer in Frauenkleidung und verschleiert.

Don Cesar.                       Am besten
Kannst du jetzt hinaus; denn schon
Wird es dunkel, und die Kerzen
Hat man noch nicht angezündet,
Also wird dich niemand sehen.
Bis du aus dem Hause bist,
Will ich, kühn auf alle Fälle
Mich bereitend, hier verziehn,
Wenn du etwa wieder kämest.

Mosquito. Gott mag mich geleiten, Amen!

Don Cesar. Dies nur mußt du nicht vergessen:
Wenn du mit bewehrten Freunden
Unten auf der Gasse stehest,
Dann muß ein Pistolenschuß
Mir sogleich das Zeichen geben,
Um hinauszugehn.

Mosquito.                     Hinausgehn
Muß jetzt ich, das ist notwendig.

(Er nähert sich dem Orte, wo Celia steht.)

Celia (für sich). Welch ein Mensch kommt auf mich zu?

Mosquito (für sich). Welch ein Mensch kommt mir entgegen?

Celia. Rufen darf ich Cesarn nicht,
Ehe der sich nicht entfernte.

(Sie weichen einander aus.)

Mosquito. Nein, er sieht mich nicht, denn nichts
Sagt er mir.

Celia.                 O möcht' er gehen!

Mosquito. Möcht' ich doch die Thüre finden!

Indem er sich der Saalthür nähert, tritt Don Diego herein.

Don Diego (zu Mosquito, den er für Celia hält).
Kommt, Señora; ungefährdet
Könnt Ihr gehn, denn auf der Gasse
Ist jetzt niemand Euch im Wege.

Mosquito (beiseite). Man erzeigt mir große Güte!

Don Diego. Hier vorm Haus' und vor den nächsten
Häusern ist jetzt alles sicher.

Mosquito (beiseite). Mich erfreut, dies zu vernehmen.
Wenn es Engel gibt mit grauen
Haaren, so ist dies mein Engel.

Don Diego. Kommt und folgt mir ohne Furcht;
Denn ich werde mit Euch gehen,
Bis so weit Ihr wollt.

Mosquito (beiseite).           Sehr gütig!
Wenn des tollen Kleides wegen,
Das aufs halbe Bein mir reicht,
Solch ein Glücksfall mir begegnet,
Will ich schwören, nimmermehr
Andre Kleidung anzulegen.
Großen Dank den mitleidsvollen
Edelmüt'gen drei Poeten,
Die die Schriften abgefaßt
»Von der Weiber Privilegien«.

Don Diego (beiseite). Ach, die arme Frau! Sie wagt
Nicht einmal, mit mir zu sprechen.

(Er reicht Mosquito die Hand und führt ihn ab.)

Celia. Fort sind jene, die hier sprachen;
Doch kein Wort konnt' ich verstehen. –
Da ich die Gelegenheit
Dieses Hauses so gut kenne,
Such' ich schnell nun den Verschlag.
    (Sie pocht an die heimliche Thür.)
Cesar!

Don Cesar (der sich indes in einem Winkel des Kabinetts verborgen gehalten).
            Wie, Mosquito? Kehrest
Du zurück?

Celia.                 Ich bin nicht der,
Den du meinst, Don Cesar.

Don Cesar (den Degen ziehend). Wer denn?

Celia. Halt! Erschrick nur nicht; ich bin
Celia.

Don Cesar. Celia?

Celia.                     Ja; wer eben,
Wenn nicht Celia, könnte solche
Liebesthorheiten begehen? –
Gestern ließ ich dich verschlossen
Hier zurück; es war notwendig,
Denn mich zwang des Schicksals Tücke.
Heute sandt' ich in der ersten
Frühzeit Ines her, um dir
Diesen Kapital zu geben,
Damit du hinausgehn könnest
Und in Sicherheit dich stellen;
Doch sie fand hier die Gerichte.
Als sie später wiederkehrte,
War dies Haus an deinen schlimmsten
Feind vermietet in so wen'ger,
Kurzer Zeit; doch wann gebrauchten
Längre Zeit die Unglücksfälle?
Ines wagte nicht den Eingang.
Ich, in solcher Not dich sehend,
Und obwohl in einem Hause,
Wo man mich bewacht mit Strenge,
Wußte dennoch zu entkommen;
Einerlei, wie es geschehen.
Gnug, ich fand in meiner Klugheit
Mittel, daß Don Diego selber
Bis hieher mich führen mußte.
Bleiben darf ich hier nicht länger.
Nimm den Schlüssel, (sie gibt ihm einen Schlüssel)
                                  und sobald
Du Gelegenheit entdeckest,
Geh hinaus. Leb' wohl, Don Cesar!
Wenn Don Diego wieder käme,
Und er fände mich nicht dort,
Könnt' ihm leicht Verdacht entstehen.

Don Cesar. Halt, vernimm . . .

Celia.                                       Es ist nicht möglich!
Jetzt vor allem, da ich sehe,
Man bringt Licht. Verschließ die Thür,
Daß man hier dich nicht entdecke.
Mir verschlägt's nicht, weil Don Diego
Selbst vorhin mich hier versperrte;
Und daß ich ins Kabinett
Mich verfügte, wird hinlänglich
Durch die Furcht entschuldigt.

Don Cesar.                                     Celia,
O wie viel dankt dir mein Leben!
Setze Liebe mich instand,
Solche Dienste zu vergelten!

(Er geht in den Verschlag.)

Don Diego, Don Juan und Otañez treten auf; letzterer trägt Lichter.

Don Diego. Kurz, die gute Dame ließ
Mich nicht weiter mit sich gehen,
Als bis an die erste Gasse.

Don Juan. Welch ein sonderbar Begebnis!

Celia (beiseite). Bis Don Diego nicht allein ist,
Wag' ich nicht, ihn anzureden.

(Sie zieht sich zurück.)

Don Diego (zu Otañez). Traget dieses Licht ins Zimmer
Des Don Juan, da solch ein edler,
Würd'ger Gast an diesem Tage
Mein geringes Haus beehret.

Don Juan. Herr, das Glück ist ganz für mich.

Don Diego. Ich will in mein Zimmer gehen. (ab.)

Celia (im Hintergrunde). Wie ist's möglich, daß Don Diego,
Ohne mehr an mich zu denken,
In sein Zimmer sich begibt?
Da er jetzo, wiederkehrend,
Mich nicht fand, wo er mich ließ,
Glaubt' er sicher, daß ich eher
Fortging, ohn' auf ihn zu warten.

Don Juan. Ich will früh mich niederlegen,
Daß Lisarda nicht von neuem
Sich beschweren mag.

Celia (wie oben).                   Entdeckte
Mich Don Juan, so bleibt kein Mittel,
Als ihm alles zu erzählen.
Denn es ist schon spät; man möchte
Mich zu Haus vermissen.

Castaño tritt auf.

Castaño (zu Don Juan).             Eben
Kommt ein Herr, um dich zu suchen.

Don Juan. Noch so spät? So führ' ihn näher.

Castaño (die Thür öffnend).
Tretet ein!

Don Felix tritt auf.

Don Felix (zu Don Juan). Ich muß Euch ohne
Zeugen sehn.

Celia (wie oben).   Mein Bruder? Wehe!

Don Juan. Geht, ihr beiden; und das Licht
Laßt auf jenem Tische stehen.

(Otañez und Castaño gehen ab.)

Celia (wie oben). Schreckliche Verlegenheit!
Wagen darf ich nicht, zu gehen,
Noch zu bleiben. Bis mein Bruder
Geht, muß ich mich hier verbergen.

(Sie schleicht in das Kabinett.)

Don Juan. Jetzt sind wir allein. Was habt Ihr?
Redet!

Don Felix.   Wenn ich's könnte, thät' ich's.

Don Juan. Ihr seid sehr in Leidenschaft.
Kommt mit mir herein in jenes
Kabinett und setzt Euch nieder.

Celia (im Kabinett). Wehe, wenn er hier mich fände!

Don Felix. Dazu hab' ich jetzt nicht Zeit.
Hört mich; kurz sei meine Rede:

Don Juan, bin ich Euch teuer,
Gibt dieses Haus ein Zeugnis, daß ich Euer
Von Herzen bin; denn hier (ich bin beklommen!)
Kamt Ihr zu mir, muß ich zu Euch jetzt kommen,
Weil schon ein einz'ger Tag genügt' uns beiden,
Nicht nur das Haus zu tauschen, auch die Leiden:
So höret mich, obwohl ich sehr mich schäme,
Daß ich so pünktlich Euch in Anspruch nehme
Zur Zahlung einer Schuld, die Euch verpflichtet.

Don Juan. Ich bin bereit zu allem. Schnell! Berichtet,
Was Ihr begehrt.

Don Felix.                 Ein Werk des Edelmutes,
Wert Eures hohen Sinns und Eures Blutes.

Don Juan. Was ist es? Sprecht!

Don Felix.                                 Habt Ihr, so wie Ihr wolltet
Bereits Nachforschung angestellt und solltet
Ihr von Don Cesar, jenem Frevler, wissen,
Der mörderisch den Vetter Euch entrissen;
Habt Ihr gespäht, gelangtet Ihr zum Zwecke
Und wißt, wo in Madrid er sich verstecke;
Seid Ihr entschlossen, Euch gerächt zu sehen . . .

Don Juan. Nur weiter! sprecht!

Don Felix.                                   So laßt mich mit Euch gehen.

Don Juan. Wohl dacht' ich, diese Bitte,
Don Felix, Euch zu thun.

Don Felix.                               Zu diesem Schritte
Bin ich gezwungen; denn, in solchen Nöten,
Ist's wicht'ger mir, als Euch, Cesarn zu töten.

Don Juan. Was hat sich denn begeben
Mit ihm seit gestern, das Euch zwingt, jetzt eben
Bloß deshalb auszugehn?

Don Felix.                                 Ich würd' Euch sagen,
Was dies veranlaßt, dürft' ich es nur wagen.
Ein Edelmann (ich komme von Verstande!)
Bekennt spät oder niemals seine Schande.

Don Juan. Wie? Schande, Felix?

Don Felix.                                     Ja!

Don Juan.                                           Hab' ich zu hoffen,
Daß Ihr mein Freund noch seid, so redet offen!

Don Felix. Es sei! will Ehre gleich die Zunge lähmen.

Don Juan. Sprecht! Nur Eu'r andres Selbst wird Euch vernehmen.

Don Felix. Ich hab' (o Himmel! wie nur soll ich's sagen?),
Ach! eine Schwester hab' ich, kühn, verschlagen,
Leichtsinnig, falsch, verwegen,
Die meiner Ehre feindlich steht entgegen.
Ich hab's gesagt: und, ach! der hart Geplagte
Hat nur den einz'gen Trost, daß er's Euch sagte.
Sie zwang mich, von den Heeren
Italiens so geschwind zurückzukehren;
Sie hält mich hier in Bangen,
Als Bruder von des Gatten Sorg' umfangen.
Verwünscht, ein solch Verwandtschaftsband zu tragen,
So arm an Lust, so überreich an Plagen!
Sonst können Eifersücht'ge doch bisweilen
Der Sorgen Qual durch Liebkosungen heilen;
Allein ein Bruder hat nichts liebzukosen
Und findet nur die Dornen, ohne Rosen. –
Kurz, gestern ließ ich Celia mit mir gehen
Nach einem Haus' (Ihr selber habt's gesehen);
Heut ist sie ausgegangen, die Verruchte,
Als ob sie eine Freundin nur besuchte,
Und da nach ein'gen Stunden
Man nach ihr schickt, wird sie dort nicht gefunden.
Die Freundin sprach, befangen,
Sie sei von ihr verkleidet weggegangen,
Indem sie vorgewandt, sie wolle gehen,
Um mich in meinem Zufluchtsort zu sehen,
Und unbegleitet gehn zu diesem Zwecke,
Damit man nicht, sie sehend, mich entdecke. –
Wie kann denn gegen Cesar dies entscheiden,
Sagt Ihr? Ach! Er ist Ursach meiner Leiden!
Als ich ganz friedlich lebt' im Kriegsgebrause,
Schrieb mir der Herr von meinem Zufluchtshause,
Daß Cesar (bittre Plagen!)
Jüngst Euern Vetter im Duell erschlagen,
Bloß ihrenthalb; und haben wir vernommen,
Daß gestern (Gott!) Don Cesar angekommen
Und Celia heut verschwunden,
So ist wohl der Zusammenhang gefunden.
Und wenn es Euch nun wichtig ist, zu rächen
Des Mordes schwer Verbrechen,
Mir, die erlittne Schande:
So spürt ihm nach mit Fleiß, forscht mit Verstande.
Verwandte hat er, Freunde; zwischen allen
Ihn suchen müssen wir, und er muß fallen. –
Doch jetzt, da Ihr Erkenntnis
Von meiner Schande habt durch dies Geständnis,
Laßt mich entfliehn; denn nur mit Scham und Grauen
Kann ich in solcher Schmach mich selber schauen.

(Er will gehen.)

Don Juan. Nein, nein! Ich lass' Euch nicht von meiner Seite;
Notwendig ist es, daß ich Euch begleite. –
(Er ruft.) Holla! Schließt ab geschwinde,
Daß, bis ich komme, niemand Eingang finde.

(Beide gehen ab; die Thür wird von außen verschlossen.)

Celia kommt aus dem Kabinett.

Celia. Gibt es, Himmel, größre Plagen,
Gibt es, Himmel, ärgre Foltern,
Als die mir zur Schmach vereinten,
Als die mir zur Pein verschwornen?
Was nur soll ich thun?

Lisarda und Beatriz, in Nachtkleidung, kommen durch die zweite Saalthür herein.

Lisarda.                             Was sagst du,
Beatriz?

Beatriz.         Was du vernommen.

Lisarda. Daß Don Juan, jetzt, bei so später
Nacht, noch aus dem Hause fortgeht?

Beatriz. Fräulein, ja!

Celia (die jene noch nicht sieht). Was ist zu zweifeln?
Suchen muß ich, diesem tollen
Wirrwarr zu . . . Weh mir! (Sie erblickt die beiden.)

Lisarda (erblickt Celien).           Ha, siehe!

Beatriz. Wie? Was macht dich so erschrocken?

Lisarda (geht auf Celien zu).
Wer bist du?

Celia.                   Ein Weib.

Lisarda.                               Wer ist es,
Den du suchst?

Celia.                       Ein Mann.

Lisarda.                                     Vom Kopfe
Mit dem Schleier!

Celia.                           Nein!

Beatriz (schreiend).               Ha, diese
Ist es sicher . . .

Lisarda.                   Nur nicht solchen
Lärm!

Beatriz.     Die mir den Schlender stahl.

(Celia entwischt durch die zweite Saalthür.)

Lisarda. Fliehend hat sie sich verborgen.

(Sie will Celien folgen.)

Beatriz. Gehe nicht hinaus, ruf erst
Leute!

Lisarda.     Eifersucht erprobtest
Du wohl nie? Nimm dieses Licht!
Eifersucht kennt kein Besorgnis.

(Beatriz nimmt das Licht; beide gehen Celien nach. Das Theater bleibt dunkel.)

Don Cesar kommt aus dem Verschlage.

Don Cesar. Alles ist jetzt still im Hause;
Nirgends ist Geräusch. Entkommen
Kann ich jetzt mit diesem Schlüssel
Und will gehn, um alles vor'ge
Drangsal Celiens zu vergüten. –
Füße, jetzt so unbeholfen?
Denket doch, daß Unglücksfälle
Stets mit Diebesschritten kommen. –
Ha, hier ist die Thür! Lebt wohl,
Ihr unseligen, verworrnen
Mißgeschicke! Ach, Lisarda,
Freu' dich deiner Liebeswonnen!
Doch nicht seh'n will ich's.

Indem er die erste Saalthür öffnen will, tritt Don Juan herein.

Don Juan.                                   Wer da?

Don Cesar (beiseite).
Weh!

Don Juan. Wer ist's?

Don Cesar.               Ein Mann.

Don Juan.                                   Um solche
Zeit, ein Mann im Haus?

Don Cesar.                             Und einer,
Der, der ganzen Welt zum Trotze,
Unerkannt und ungehindert
Fortzugehn sich fest entschlossen.

Don Juan. Glücken könnt' es, wär's nicht ich,
Der dich hindern wird am Fortgehn.

Celia kommt durch die zweite Saalthür wieder herein; Lisarda verfolgt sie, ein Licht tragend.

Lisarda. Sehen muß ich dein Gesicht!

Celia. Nie, trotz allem deinem Zorne.

Lisarda und Don Cesar.
Wie wirst du's verhindern?

Celia und Don Juan.                   So!

(Celia bläst das Licht aus; Don Juan zieht den Degen und ficht mit Don Cesar.)

Beatriz (hinter der Szene). Schwertgeklirr wird hier vernommen!

Don Cesar (für sich). In Bewegung kommt das Haus.
Schnell zurück zu meinem vor'gen
Zufluchtsort!

(Er sucht das Kabinett.)

Lisarda.               Bringt Lichter her!

Celia (für sich). Mir auch soll die Zuflucht frommen;
Dort verberg' ich mich.

(Sie nähert sich dem Kabinett.)

Don Juan.                           Mein Fuß
Wagt nicht, Frevler, dir zu folgen,
Um die Thür nicht zu verlassen.

(Er stellt sich vor die erste Saalthür.)

Lisarda. Nimmer sollst du hier entkommen;
Wache halt' ich an der Thür.

(Sie stellt sich vor die zweite Saalthür.)

Don Juan. Licht!

Lisarda.               Hat niemand mich vernommen?

Don Cesar (trifft auf Celia).
Wer da?

Celia.           Cesar!

Don Cesar.             Celia, komm!
Im Verschlag bist du geborgen.

(Don Cesar und Celia gehen in den Verschlag.)

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