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Der Vater und die Söhne

Felix Dahn: Der Vater und die Söhne - Kapitel 11
Quellenangabe
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typefiction
authorFelix Dahn
titleDer Vater und die Söhne
publisherBreitkopf & Härtel
seriesGesammelte Werke. Erzählende und poetische Schriften
volumeZweite Serie: Band 5
correctorreuters@abc.de
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X.

Hermenigild war es gelungen, durch Hilfe der zahlreichen Glaubensgenossen, welche nur die Furcht vor Leovigild abhielt, sich dem Flüchtling offen anzuschließen, auf schmalen, allein den Umwohnern bekannten Steigen über die Carpetanischen Berge nach Alea, dann nach Merida und von hier über das Marianische Gebirge nach Sevilla zu entkommen, das er von Leander in besten Verteidigungsstand gesetzt fand. Der Metropolitan übergab ihm nun die weitere Führung, nachdem er ihm in der Kathedrale feierlich die Krone des Gotenreiches auf das Haupt gesetzt hatte: – das anfängliche Sträuben des frommen Gläubigen – der ganze Eifer des Neubekehrten hatte ihn ergriffen – war bald überwunden worden durch den Hinweis auf die Pflicht, die heilige Kirche vor der Verfolgung des – für abgesetzt erklärten – Ketzerkönigs zu schützen: das verlange schon der Dank für die mirakelhafte Befreiung! Der neue König der Goten führte den in der katholischen Taufe ihm beigelegten Namen »Johannes« und prägte eifrig Münzen auf diesen Namen. Leander aber erklärte nun, er müsse fort, so lang der Bätis und die See noch nicht durch die Schiffe Leovigilds gesperrt seien. Es gelte, neue Truppen aus Byzanz herbeizurufen: denn die bisher gelandeten reichten offenbar nicht aus, die Goten zu bezwingen. Schweren Herzens sah der junge König dem Eilschiff nach, das seinen gewaltigen Metropolitan entführte: er war seine einzige Stütze gewesen: in sich selbst fand er keinen Halt, seit ihm die kühne Tochter Brunichildens fehlte. Und näher und näher drang das Verderben gegen ihn heran.

Der alte Held hatte die vereinten Byzantiner und die empörten Hispanier in Schlachten und Gefechten geschlagen, Merida erstürmt und zog nun in Eilmärschen gegen den Bätis und Sevilla. Wenige Tage nach Leanders Flucht sperrten Leovigilds Trieren die Stadt im Süden von der Flußmündung ab, während gleich darauf er selbst sein Landheer im Norden und Osten die alten, noch von den Römern angelegten Befestigungen, zumal aber im Westen bei Italica eng umklammern ließ. Ausfälle der Belagerten wurden blutig zurückgeschlagen. Garding und Gardila hielten scharfe Wacht. Gleichwohl war die hier versammelte Streitkraft zu schwach, die ausgezeichnet stark befestigte Römerstadt mit Sturm zu nehmen. Das Beste leistete bei der Verteidigung nicht der wenig kriegerische Königsohn, sondern Basilius, der tapfere und vielerfahrene Feldherr der Byzantiner. Er war die Seele des Widerstands: allgegenwärtig schien er an jedem bedrohten Punkt, mit aufopferndem Eifer setzte er sich Tag und Nacht den Geschossen der Belagerer aus, mehr als einmal ward er getroffen. Hermenigild fühlte sich nicht nur von Dankbarkeit, von herzlicher Neigung zu dem Manne hingezogen, der die beste Stütze seiner Sache war. Als er wieder einmal den Blutenden seines Dankes versicherte, erwiderte der Grieche: »Dank? ich tue meine Pflicht, drum ist mir wohl im Herzen. Und dich mit deiner sanften Seele hab' ich lieb gewonnen.«

Ungeduldig ertrug der ungestüme Greis draußen vor den Toren die Verzögerung. Groß war daher die Freude, als die ersten Reiter Rekareds in das Lager sprengten mit der frohen Meldung eines Doppelsiegs über die Basken und über die Sueven – König Miro sei gefallen – und seines baldigen Eintreffens im Lager. Ungeduldig ritt der Vater dem Sohn entgegen. Von weitem schon begrüßten sich mit freudigem Wiehern die beiden Hengste: waren sie doch auch Vater und Sohn. Aber zur Rechten neben dem Rappen des Sohnes sah Leovigild einen zierlichen weißen Zelter traben: »Er hat sie!« lachte der Alte in den Bart und spornte sein Pferd. Am Ausgang eines Pinienwäldchens trafen sie zusammen. Alsbald sprangen beide ab und umarmten sich, dann hob Rekared eine schlanke Gestalt von dem Zelter und schlug ihren Schleier zurück: »Hier ist sie, die Perle des Suevenreichs.« –

»Willkommen, Töchterchen beim Vater.« Und er schloß sie in die Arme.

Ihre Augen strahlten »Vater? Ach ich hab' ihn kaum gekannt. Er starb so früh.« – »Ihm hätte der Königstab der Sueven gebührt,« nickte Leovigild. Aber sein Vetter Miro wünschte ihm den Tod, der Tod kam und Miro ward König.« – »Mich schickte er nach Toledo in die Ferne, in eine Art Gefängnis unter dem Vorwand des Klosters.« – »Aber geheim, zumal geheim vor mir, damit ich dich nicht als Geisel für seine oft gebrochene Vertragstreue behielte. Doch ich erkundete alles, auch von dieses Helden eifrigen Klosterbesuchen. Hatte ich doch meine Freude daran. – Zuletzt hat dem Argen die Äbtissin was gesteckt und schleunig holte er das Vögelein zurück. Ich aber wußte, nächstens schlägt er doch wieder los: dann mag der Bräutigam sich die Geliebte holen. Wie fiel der König?« – »Auf der letzten Schanze von Astorga: – von meinem Speer. Hier ist sein Schwert. Das Volk der Sueven huldigt seinem König.«

»Du hast sie dir verdient: – nimm die Befreite.« Und er legte sie an Rekareds Brust. – »Dank, Vater! Aber du weißt: sie ist katholisch.« – »Und ich bleib' es,« sprach das Mädchen fest. Einen Augenblick holte der König tief Atem: »Das setzt bösen Streit mit meiner Königin, Aber bleib' es. Es ist vielleicht wohlgetan, den allzustraff gespannten Bogen ...« – »O, König Leovigild!« rief Rekared feurig, »Das ist ein weiser Gedanke, ja ein rettender für dieses Reich. Halt ihn fest.« – »Das werd' ich. – Aber Töchterchen, mach' mir ihn nicht auch katholisch – wie die andere den anderen. Nun kommt in das Lager: jetzt machen wir ein Ende mit König Johannes.«

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