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Der unbekannte Gott. Erster Band

Laurids Bruun: Der unbekannte Gott. Erster Band - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorLaurids Bruun
titleDer unbekannte Gott. Erster Band
publisherGyldendalsch'er Verlag
printrun15.-19. Tausend
year1923
translatorJulia Koppel
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorbruce.welch@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20080313
modified20180423
projectid5ce94f70
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Gamâl klopfte ein Zeichen gegen die Tür, die gleich darauf geöffnet wurde. Einen Augenblick später standen sie in einem halbdunklen, gewölbten Raum von derselben Art und Größe wie das Café, das sie eben verlassen hatten.

Rings herum an den Wänden saßen auf niedrigen Diwanen Männer in wollenen Mänteln, die wie Schlafröcke lose über der Brust zusammengerafft waren. Auf einer Erhöhung geradevor erhob sich ein Mann mit einem langen Bart und einer persischen Mütze; ohne die Arme zu bewegen, die schlaff über die Knie herabhingen, beugte er den Kopf zum Gruß vor Gamâl, der die Hand auf Türkenart von Brust zu Stirn führte.

Gamâl sagte einige Worte und zeigte auf seine Gäste. Die dunklen Augen in den weißen Gesichtern hefteten sich einen kurzen Augenblick auf Ralph und Helen, dann glitten sie in ihre eigene Welt zurück.

Junge Diener, in helleren Wollmänteln als die der sitzenden, glitten lautlos zwischen ihnen ein und aus, brachten Wasserpfeifen, legten Glut auf den Tabak und steckten den Sitzenden, die kaum die Lippen bewegten, die Pfeifenspitze in den Mund. Sie brachten Kaffeetassen, und während ein Diener das dickfließende Getränk eingoß, nahm ein anderer etwas Pulver aus einer silbernen Schale, die er bei sich trug, tat es in den Kaffee und rührte ihn mit einem silbernen Pfriemen um. Sie gingen von Wasserpfeife zu Wasserpfeife; aus einer Schale nahmen sie mit den Fingern einen braunen Teig, kneteten ihn zu einer Pille, steckten diese auf den silbernen Pfriemen und taten sie in die Tabaksglut. Ein brenzliger Geruch entstand, wenn der Rauchende einatmete, die Augen starr auf die Glut geheftet, mit, einem Ausdruck, als ob er eine heilige Handlung verrichte.

Als Ralph und Helen ihre Augen an das Halbdunkel in dem kahlen Raum gewöhnt hatten, sahen sie, daß einige der Derwische ihren Diwan verließen. Einer kniete auf der Erde nieder, ein anderer lehnte sich zurück, die Beine unterm Mantel hochgezogen, den Blick starr auf die Decke geheftet, während die Lippen sich lautlos bewegten.

Plötzlich erklang unterdrücktes Schluchzen. Einer von den Derwischen weinte; seine Schultern bebten und die Augäpfel bewegten sich in ihren Höhlen mit dem Ausdruck tiefster Verzweiflung.

Ein anderer lachte, daß es in ihm gluckste, während seine Augen in höchster Seligkeit zur Decke starrten.

»Keiner von all diesen hat heute Nahrung zu sich genommen,« flüsterte Gamâl, setzte sich auf den Diwan gleich neben dem Eingang und bedeutete Ralph und Helen, neben ihm Platz zu nehmen.

»Wer ist das, der dort auf der Erhöhung sitzt?« flüsterte Ralph.

»Das ist der Murshid, der Oberste.«

Gamâl zeigte auf den Schluchzenden, der den Kopf von der linken Schulter zur Brust hinabwarf, wie Helen es in der Moschee gesehen hatte.

»Der Geist ist über ihm. Er ist ein Ilhamiyah, ein von Gott Besessener. Bald wird Gott aus seinem Mund reden.«

Ralph warf Gamâl einen forschenden Blick zu, aber es war weder Lächeln noch Spott auf dem Gesicht des Scheiks zu lesen.

Der, der vor Lachen gluckste, kreuzte jetzt die Hände über der Brust und begann auch mit dem Kopf hin und her zu wackeln.

Der Schluchzende zog die Beine hoch; wie ein Krampf ging es durch seinen magern Körper, und plötzlich ertönte ein klagendes »Allah« aus seinem verzerrten Munde. Es sah aus, als ob er den Laut aus seiner linken Schulter hervorzog und gegen sein Herz sandte. Er wiederholte es wieder und wieder, lauter und lauter, bald von der linken bald von der rechten Schulter.

Er krümmte sich zusammen, bis sein Mund die Beine berührte, und jetzt war es, als ob er den Allahruf aus seinen Knien herausholte, mit dem Kopf hochhob und in seiner Kehle verwahrte, bis er sich zusammenkrümmte, daß seine Lippen fast die Herzgegend berührten und den Ruf mit einem langgezogenen »– lah« in sein Herz hineinströmen ließ.

Unablässig wiederholte er diese Bewegung und diesen Ruf, schneller und schneller, bis der Schweiß auf seiner Stirn perlte und sein Körper in höchster Verzückung bebte.

Der, der gelacht hatte, begann jetzt auch zu rufen.

Mit geschlossenen Augen beugte er den Mund zur Nabelgegend herab und hob dann langsam den Kopf zur linken Schulter, indem er ein klagendes »La« ausstieß. Darauf legte er den Kopf so tief in den Nacken, daß die Kehle über das Kinn herausragte und ein gurgelndes »Iláha« seine gestrammten Halsmuskeln erzittern ließ. Dann richtete er den Kopf wieder auf und warf ihn mit einem halberstickten, schluchzenden »Illá'lláhu« zum Herzen herab.

Es war ein qualvoller Anblick. Helen wurde beinah übel, sie griff nach Ralphs Hand.

»Was bedeutet das?« flüsterte er.

»Lá-Illáha-Illállahu heißt: ›Es gibt keinen Gott außer Gott‹ . – Sehen Sie, wie er sich die heiligen Worte aus dem Körper zieht und in seinem Herzen sammelt. Denn die ganze Weisheit Gottes sitzt im Menschenherzen, und jede Anbetung, die ihren Weg zum Herzen findet, findet auch ihren Weg zu Gott!«

Ein Dritter lag zusammengerollt auf der Erde, einen endlosen Redefluß von unverständlichen Worten herplappernd, während er sich tief atmend langsam aufrichtete. Die Stimme wurde lauter und lauter, und endete schließlich mit einem Fistelton, während der Kopf ganz hintenüber lag und die Augen bei der großen Anspannung ganz aus ihren Höhlen traten. Einen Augenblick schwieg er. Dann begann das Herrappeln von neuem, während er unter langsamem Ausatmen Kopf und Oberkörper in die zusammengerollte Stellung zurückbewegte, die er zuerst eingenommen hatte, und die Stimme hohl, tief und stöhnend wurde, während des ganzen Redeflusses tasteten seine Finger krampfhaft über die großen braunen Fruchtkerne seines mächtigen Rosenkranzes.

»Er sagt Allahs neunundneunzig Namen her,« erklärte Gamâl. »Es gab einmal einen Derwisch in Peschavár, der brachte es so weit, daß er den Atem drei Stunden lang anhalten konnte; er war ein sehr heiliger Mann.«

Wieder warf Ralph Gamâl einen forschenden Blick zu. Aber es war kein Schatten von Ironie in dem leberfleckigen Gesicht zu sehen.

»Er erreichte Marifah, die völlige Erkenntnis Gottes.«

»Was ist die erste Stufe?« fragte Helen.

»Das ist ein Talib – ›der Gott-suchende‹.«

Ralph betrachtete Helen; sie lehnte den Kopf gegen die Wand und schloß die Augen.

»Die nächste Stufe auf der Leiter der Erkenntnis ist ein Murid – der sich unter das Gesetz beugt. Und die dritte Stufe ist ein Salik, das bedeutet ›der Reisende‹.«

»Der Reisende?« fragte Ralph, während Helen wieder die Augen öffnete und Gamâl ansah.

»Das Leben ist eine Reise, und ein Reisender ist, wer richtig zu leben versucht. Sehen Sie, alle diese nähern sich Gott. Der dort ist noch auf Nasut, der Stufe des Gesetzes; der Schluchzende aber hat Malakut erreicht, er ist auf der Stufe der Reinheit und gleicht bereits den Engeln.

Der Murshid, der bis jetzt stumm dagesessen und seinen Blick vom einen zum anderen Derwisch gesandt hatte, faltete jetzt die Hände flach über der Brust, hob den Kopf, schloß die Augen und begann zu beten mit einer klagenden Stimme, deren tiefer Ernst Ralph wider Willen zu Herzen ging.

Gamâl hatte die Beine unter sich gekreuzt und unwillkürlich dieselbe Stellung eingenommen wie der Oberste, seine Augen lagen auf dem langen, unbeweglichen, weißen Gesicht, während er für Ralph und Helen die Worte übersetzte, die der Oberste rief:

»Er ist der Erste – Er ist der letzte – Er ist der Offenbarende – und Er ist der Verborgene – Er kennt alle Dinge!«

»Er ist mit dir, wo du auch weilst!«

»Er ist dir näher als deine Halsader!«

»Wohin du dich auch wendest, dort ist Sein Angesicht!«

»Er umfaßt alle Dinge!«

»Alles auf Erden wird vergehen, Sein Angesicht aber wird ewiglich in Hoheit und Ehre erstrahlen!«

Jedesmal, wenn er zu einem neuen Satz anhub, ging ein Leben durch die Verzückten, als spielte seine Stimme auf den von Ekstase verzerrten Körpern und reizte sie zu immer neuer Anspannung. Obgleich alle durcheinander schrien, klang die Stimme des Obersten doch tief und feierlich durch den Wirrwarr. Kaum war er fertig, so begann er von neuem, immer lauter, bis er aus vollen Lungen schrie.

Plötzlich sprang er in die Höhe, wobei der helle Wahnsinn ihm aus den starren Augen leuchtete, wie durch eine unsichtbare Feder mit ihm verbunden, sprangen alle Derwische gleichzeitig auf. Der Schluchzende tastete sich zu dem Lachenden hin und legte seine Hand auf dessen Schulter; der Lachende legte die Hand auf seinen Nachbarn, und so immer weiter, bis alle – Ralph zählte einundzwanzig – in einer einzigen ununterbrochenen Kette hin und her wogten. Jetzt näherten sich die Flügelmänner einander, von einer unsichtbaren Macht getrieben, legten sich die Hände auf die Schultern, und als die Kette geschlossen war, rasten sie, wie von Stoßwinden getrieben, von der einen Seite des Saales zur anderen, indem sie wie aus einem Munde riefen:

»Er lebt – wahrlich Er lebt!«

Sie drehten die Köpfe in alle vier Himmelsrichtungen und schleuderten die Rufe heraus, bis ihre Brust von aller Kraft entleert war.

Da löste sich die Kette; die Derwische schlugen sich auf Stirn und Herz, sie seufzten, weinten, wimmerten mit hängenden Köpfen und taumelten durcheinander, in äußerster Ermattung. Dann fielen sie um, der eine nach dem anderen, und lagen wie Leichen auf dem Fußboden.

Helen hatte sich erhoben. Sie war totenblaß und ihre Augen waren weit aufgerissen vor Entsetzen. Sie hatte Herzklopfen und Schwindelgefühle.

Ralph sah es und faßte sie um die Taille. Auch ihm war die Brust so zusammengeschnürt, daß er kaum atmen konnte. Ihm war, als müsse er lachen oder weinen, tanzen oder springen. Mit einer gewaltsamen Kraftanspannung aber wurde er Herr dieser Anwandlung und wandte sich ab. Da sah er Abbas mit selig trunkenen Augen dastehen und wahnwitzig mit den Armen schwenken. Er packte ihn heftig bei der Schulter, rüttelte ihn zur Besinnung, puffte ihn vor sich her zur Tür und eilte hinter Gamâl her, indem er Helen bei der Hand hielt.

Als sie wieder in der mondhellen, totenstillen Straße standen, erzählte Ralph Gamâl, was er empfunden, während Helen, die sich noch nicht erholt hatte, gegen Ralphs Arm lehnte; Ralph sprach seine Verwunderung über die Macht der Suggestion aus, die ihn überwältigt hatte.

»Das war nicht Suggestion allein,« sagte Gamâl und lächelte.

»Was denn?«

»Ein beginnender Rausch. Der Raum war von Hachiis-Rauch angefüllt.« Als Ralph ihn erstaunt ansah, fügte er hinzu:

»Haben Sie nicht den Diener mit der silbernen Schale gesehen? Das Pulver, das er in den Kaffee tat, war Hachiis; und die Pillen, die er knetete und in den glühenden Tabak legte, waren auch Hachiis. Seien Sie Ihres guten Mittagessens froh; hätten Sie gefastet wie die Derwische, dann würden Sie jetzt auch im Rausch liegen.«

 

Weder Ralph noch Helen ließen sich am nächsten Tage vorm Frühstück blicken. Sie hatten sich verschlafen und erwachten mit schwerem Kopf und schmerzenden Augen.

Gamâl kam ihnen in der Halle auf dem Weg zum Lunch entgegen und lächelte über ihr übernächtiges Ausssehen. Er wollte mit der Mekkabahn nach Haïfa fahren und war ins Hotel gekommen, um ihnen Lebewohl zu sagen.

Sie drückten ihm die Hand und dankten ihm für das Erlebnis, das er ihnen verschafft hatte.

»Es wäre schön, wenn Sie die Reise mit uns gemeinsam unter den Anhängern Mohammeds, denen noch keine irdische Macht Zügel anzulegen vermocht hat, machen könnten!« sagte Ralph.

Gamâl sah ihn aufmerksam an und antwortete nach kurzem Zögern:

»Das kann ich leider nicht; da Sie und Fräulein Herz sich aber so lebhaft für die religiösen Phänomene des Islams interessieren, werde ich Ihnen die Adresse eines Freundes in Kairo geben, eines jungen Scheiks an der El-Azhar-Moschee. Er ist Lehrer der Senussijen – das sind die fanatischsten Feinde der Christenheit und der weißen Kultur, – er wird Ihnen während Ihres Aufenthalt in Aegypten von großem Nutzen sein können. Grüßen Sie ihn von mir und sagen Sie ihm, daß ich das, was er für Sie und Fräulein Herz tut, als für mich getan betrachten werde.«

Er riß ein Blatt aus seinem Taschenbuch und schrieb eine Adresse darauf, samt einigen Schriftzeichen, die Ralph nicht zu deuten vermochte.

Sie dankten ihm noch einmal, begleiteten ihn durch die Halle und gingen dann in den Speisesaal, um zu frühstücken.

Sie sprachen nichts; beide dachten an den gestrigen Tag. Indem Ralph zurücktrat, um Helen zuerst durch die Tür gehen zu lassen, sah sie zu ihm auf. In ihren großen, tiefen Augen war ein fragender Blick, den er nicht zu deuten vermochte; ohne recht zu wissen, was er tat, streichelte er ihre Hand.

Sie zog sie hastig zurück, hob den Kopf und ging vor ihm in den Speisesaal.

 

Ralph und Helen waren seit einer Woche in Jerusalem.

Sie hatten alles gesehen, was die Reisebücher vorschreiben. Sie hatten alle vierzehn Stationen der Via dolorosa durchwandert und die Andacht mitgemacht. Sie hatten die Kirche des heiligen Grabes gründlich besichtigt und am längsten in Helenas Kapelle geweilt, wo das Kreuz gefunden sein soll. Sie waren auf dem Oelberg und in Josaphats Tal gewesen; sie hatten die uralten Gräber gesehen; sie waren in dem alten Judenviertel auf unebenen Steinstufen, unter Wölbungen und durch Torbogen, die alle ihre Geschichte hatten, herumgestiegen.

Jetzt standen sie vor der Mauer von tausendjährigen Quadersteinen, die seit Jahrhunderten das auserwählte Volk Gottes von dem Allerheiligsten ihrer Väter getrennt hat, dem Ort, wo Abraham Isaak opfern sollte, dem Platz auf Morias Berg, wo Salomon seinen Tempel aus Gold und Elfenbein errichtete.

Obgleich es Freitag nachmittag war, befanden sich nur zwei Juden vor der Klagemauer; der eine war ein alter Kaufmann mit grauen Korkzieherlocken, die ihm von den Ohren bis auf den schmutzigen Pelzkragen hingen – derselbe Typ, den sie so oft im Judenviertel gesehen hatten; der andere war ein junger, moderner Jude mit hervorstehenden, schwarzen Augen in einem blassen Gesicht, ein Tourist wie sie.

In seiner Heimatstadt in Europa gehörte er sicher zu denen, die Rasse und Glauben verleugnen, wenn persönlicher Vorteil es mit sich bringt; denn er wendete und drehte sich verlegen vor der Mauer und versuchte sich das Aussehen eines zufälligen Reisenden zu geben; Ralph aber las in seinen Augen, daß er ergriffen war. Wären keine Zuschauer aus Europa dagewesen, würde er vielleicht die nasse Mauer geküßt und laut geklagt, ja, vielleicht geweint haben.

Es hatte den ganzen Tag leicht geregnet. Die Luft war rauh und kalt und die Wege aufgeweicht.

Der alte Jude mit den Korkzieherlocken und der junge schickten sich zum Gehen an.

Ralph und Helen standen noch eine Weile und sprachen darüber, was diese Mauer für Millionen von Mitmenschen bedeutet. Dann wandten auch sie sich zum Gehen, als im selben Augenblick ein hochgewachsener Mann in einem langen, dunklen Talar, der viel zu weit für seinen knochendürren Körper war, auf sie zukam. Er trug seinen schmalen Kopf hochaufgerichtet, die linke Seite des Gesichts aber war lahm und welk. Das linke Augenlid war fast geschlossen, der linke Mundwinkel krampfhaft verzogen; es sah aus, als ob er mit dem einen Mundwinkel lache und mit dem anderen weine. Der lange Spitzbart hing in grauen unordentlichen Strähnen herab. Unter dem Talar sah man das offene, schmutzige Hemd; auf der nackten Brust kam ein Büschel struppiger, grauer Haare zum Vorschein. Die Aermel waren sehr weit und die mageren Hände über dem Gürtel aufeinandergelegt, die rechte Hand auf der Linken.

Als er Ralphs und Helens ansichtig wurde, verzog sein Mund sich voller Hohn, und das gesunde Auge drückte solchen Haß aus, daß Helen Ralph erstaunt anblickte, als ob sie ihn fragen wolle, wo sie diesem Mann schon begegnet wären und was sie ihm denn Böses getan hätten.

Der Führer sah es und flüsterte:

»Das ist der verrückte Rabbi.«

Während der Mann an die Mauer trat, um zu beten, erzählte der Führer:

»Er ist sehr gelehrt, spricht Englisch, Französisch und Deutsch. Er war irgendwo in Deutschland Rabbiner, bekam aber seinen Abschied, weil er einst an einem Osterfest öffentlich gepredigt hatte, daß Christus der Sohn einer Dirne, namens Miriam, und eines römischen Soldaten Pandhera, und ein ganz gewöhnlicher Betrüger gewesen sei, der in seiner frühesten Jugend in Aegypten gewesen und Zauberkunst gelernt hatte. Es ist eine uralte jüdische Sage; so etwas aber sagt man doch nicht öffentlich! – Darauf reiste er nach Palästina und ließ sich in der heiligen Stadt Safed am Tiberias-See nieder, um den Messias zu erwarten, denn aus Zeichen der Zeit und den Sternen will er lesen können, daß der Messias der Juden bald kommen wird. In Safed bestieg er jeden Morgen den Berg, der der Stadt gegenüberliegt, und spähte in den Wolken nach Elias aus; denn es ist geweissagt worden, daß der Prophet sich auf Safeds Berg offenbaren und den Gläubigen verkünden wird, wann der Messias sich mit seinen Heerscharen Jerusalem nähert. Er wollte der erste sein, der die frohe Botschaft empfängt. – Kaum aber war er ein Jahr dort, als er auf Betreiben des deutschen Konsuls ausgewiesen wurde, weil er die jüdischen Armen, die aus Rußland und Polen und vielen anderen Ländern nach der heiligen Stadt geströmt sind, seit der Zionismus so viel Ausbreitung in Europa gefunden hat, aufhetzte. Er hetzte sie nicht nur gegen die türkische Obrigkeit auf, sondern auch gegen christliche Europäer und Reisende, die keine Juden sind. Es glückte ihm, einen deutschen Archäologen, der seiner Wissenschaft halber in die Stadt gekommen war, für Cherem zu erklären, das heißt bei den Juden in den Bann zu tun, so daß keiner mit ihm sprechen, niemand ihm Lebensmittel verkaufen, keiner ihm den Weg zeigen durfte. Der Konsul verklagte den verrückten Rabbi, und obgleich er unter den armen Juden als ein sehr heiliger Mann galt, mußte er doch fort. – Hier in Jerusalem, wo er seitdem wohnt, verbringt er seine Zeit damit, in Straßen und Läden herumzustreifen, um seine Glaubensgenossen zu veranlassen, Andersgläubige als Cherem zu behandeln; da aber nur die Allerärmsten ihn ernst nehmen, und weil hier alle miteinander handeln, die Juden mit den Christen, die Christen mit den Juden, darf er frei umhergehen. Die Obrigkeit drückt ein Auge zu, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden; denn er hat seinen Ruf als heiliger Mann bewahrt, wenn auch keiner seinem Rat zu folgen wagt. – Er kommt jeden Tag zur Klagemauer, um für den kommenden Messias zu beten.«

Der verrückte Rabbi war mitten im Schmutz niedergekniet, legte die Hände flach gegen die Mauer und stützte seine schiefe Stirn gegen den nassen Stein. Zuerst betete er murmelnd mit geschlossenen Augen. Dann drehte er den Kopf von links nach rechts, ohne seine Stirn von der Mauer zu heben; jedesmal aber, wenn sein Auge den Platz streifte, wo Ralph und Helen standen, sah man an dem blitzenden Zorn in seinem gesunden Auge, daß seine Gedanken mehr bei ihnen als beim Gebet weilten.

Ralph fragte, was er hersage.

»Etwas aus dem Talmud!« flüsterte der Führer und zog sich zurück, als fürchte er, daß die Sache nicht friedlich ausgehen würde.

Der verrückte Rabbi verstand, was Ralph gefragt hatte, plötzlich erhob er seine Stimme, und jetzt sprach er nicht mehr Hebräisch, sondern ein klares und deutliches Englisch, mit eigenartig harten Kehllauten.

Er sprach von der Schlechtigkeit der Menschen und vom Ende aller Zeiten. Er sprach von Sodoms Untergang, und sagte das ganze Kapitel aus dem ersten Buch Moses her. »Jahve, laß deinen Zorn über die Menschen rasen!« rief er, »es gibt noch nicht genug Elend in der Welt, weil die Menschen sich noch nicht gehorsam deinem Gesetz gebeugt haben.«

Er sprach von den Posaunen vor den Toren Jerichos. Er rief Elias' Namen und hob sein Auge zum Himmel. Er sprach vom Todesengel, der in dieser Stunde unsichtbar in der verseuchten Stadt von Haus zu Haus gehe und das Zeichen des Verderbens mit unsichtbarem Blut auf die Tore der Christen zeichne.

Seine Backen bekamen rote Flecke, sein Gesicht zitterte vor Erregung. Immer höher hob er die Stimme, die Halsmuskeln bebten von der Anstrengung.

Er breitete die Arme über die Mauer, die Finger krallten sich gegen den Stein. Dann vergaß er die Fremden und sprach wieder hebräisch.

Die Pupille glitt unter das Lid, nur das Weiße des Auges war noch sichtbar; und der Mund verzog sich, selbst die linke Seite bewegte sich ganz schwach. Die Stimme wurde gurgelnd und unverständlich, und die Kehle arbeitete krampfhaft. Schließlich trat ihm Schaum auf die Lippen, er brach zusammen, der Kopf sank ihm auf die Brust, und die Arme glitten langsam an der nassen Mauer entlang in seinen Schoß.

Helen fühlte tiefes Mitleid mit dem Wahnsinnigen.

»Helfen Sie ihm doch,« sagte sie zum Führer, der sich voller Ungeduld den Arm kratzte.

Er blickte erstaunt von ihr zu dem verrückten Rabbi, der zusammengesunken mit geschlossenen Augen dalag.

»Ihm helfen? – Der hat keine Hilfe nötig. In kurzer Zeit ist er ebenso lebendig und boshaft wie vorher.«

War der Mann krank? Ralph berührte seine Schulter. Im selben Augenblick öffnete der Rabbi die Augen und richtete seinen Kopf mit einem Ruck auf, indem er wild in Ralphs helle Augen starrte, als erwache er aus einem fernen, leidenschaftlichen Traum. Dann kehrte ihm die Besinnung wieder. Er zog seine Schulter zurück, um sich von Ralphs Hand zu befreien, damit sie ihn nicht besudeln solle. Er erhob sich, raffte seinen Talar mit einer Bewegung wie ein König zusammen und legte die Hände wieder auf dem Gürtel übereinander. Darauf wandte er sich hochaufgerichtet an Ralph, und indem er seinen Blick von ihm zu Helen schweifen ließ, und von ihr zum Führer, der mit seinen indolenten, braunen Augen zusah, als ob er sagen wolle: »Wir haben genug von dieser Komödie!« – fragte er auf englisch:

»Was wollen Sie hier?«

Ralph erwiderte seinen Blick und fragte lächelnd:

»Was wollen Sie hier?«

Diese Frage verblüffte den Rabbi: Seine Backen bekamen rote Flecke; mit solch tief empfundenem Selbstbewußtsein, daß er fast Ehrfurcht erweckte, trat er auf Ralph zu und sagte:

»Ich bin der Auserwählte, der Jahve sehen und sterben soll!«

Obgleich ihm der Wahnsinn aus dem Auge leuchtete, lag eine so tiefsinnige und schmerzliche Hoheit auf seiner schmalen, schiefen Stirn, die sich einem unabwendbaren Schicksal stolz darbot, daß Helen den Kopf ganz ergriffen beugte und Ralph erstaunt schwieg.

Wieder wechselte der Ausdruck im Gesicht des Wahnsinnigen. Als ob er die Hoheit auf die Dauer nicht tragen könne, senkte er den Kopf, und die Hände lösten sich vom Gürtel. Ein höhnisches und pfiffiges Lächeln im rechten Mundwinkel entblößte spitze, schimmernde Zahnstummel.

»Sie sind Amerikaner,« sagte er und streckte Ralph seine mageren Arme entgegen, als wolle er ihn von sich fernhalten und gleichzeitig an sich ziehen. »Und die Frau dort –«

Sein Blick bohrte sich in den Helens, während sein Gehirn arbeitete, um das Geschaute zu deuten – »was mag sie nur suchen?«

Sein Gesicht wurde plötzlich traurig. Er beugte den Kopf und sah von der Seite mit einem vorwurfsvollen Blick zu ihr auf:

»Was nützt euch das Suchen – ihr, die ihr dem Galiläer gefolgt seid? – Wißt ihr denn nicht, daß er ein Aufständiger gegen Jahve war, ein Sohn von Belijaal, ja, von Beelzebub selber. Ich sage euch, er war ein Abtrünniger vom Anfang aller Zeiten. Erst kam er im Balg der Schlange zur Welt und verdarb das Gemüt der Menschen, so daß das Geschlecht an der Wurzel böse wurde. Dann kam er zum zweitenmal und nahm die Gestalt des Sündenbockes an, – sagte er nicht: Seht, ich bin das Lamm, das alle Erdenschuld auf sich genommen hat? – Wißt ihr nicht, daß er Azazel, der Fürst der Wüste war? – Azazel war es, der die Gestalt des Galiläers annahm, vom Berg in der Wüste herabkam und erzählte, daß Satan ihn mit allen Herrlichkeiten des Lebens gelockt habe, – Azazel war es, der Gott verhöhnte, indem er sich Gottes Opferlamm nannte und das auserwählte Volk Gottes zu sich in die Wüste lockte. Und sieh, es glückte ihm! – Seit jener Zeit wandert ihr, Volk des Galiläers, mit dem Tode im Herzen.«

Er beugte sich zu Ralph und flüsterte:

»Das Ende der Zeiten ist nah. Es gibt Zeichen in der Nacht und Zeichen am Tage. Die Blinden sehen sie – und ich, der ich des Herrn Werkzeug bin, habe die Sehkraft der Blinden bekommen.«

»Was sind es für Zeichen?« fragte Ralph.

Der Rabbi maß ihn von Kopf bis Fuß mit unsagbarer Verachtung.

»Wer bist du, daß du so zu fragen dich vermißt? – Die Zeichen sind für Gottes auserwähltes Volk und nicht für die, auf denen sein Zorn ruht.«

Wieder veränderte sich der Ausdruck seines Gesichts. Er sah Helen an, und ein Schimmer von Zärtlichkeit leuchtete in seinem Auge auf.

»Sehnst du dich, Weib? – Nach wem sehnst du dich? – Nach dem Messias, so höre –!«

Er legte den Kopf auf die Seite und horchte nach oben.

»Kannst du das Getöse der Heerscharen hören? – Kannst du sehen, wie es dort oben, wo der Himmel sich halb öffnet, glänzt? – Merkst du den feinen Tau?«

Er breitete seine Hände mit nach oben gekehrten Handflächen aus, während ein seliges Lächeln die haßerfüllten Falten um seinen Mund glättete. Entzückt betrachtete er die Feuchtigkeit, die der feine Staubregen über seine Hände breitete. Er führte sie zum Munde und küßte sie.

»Noch eine kleine Frist, dann kommt er in seiner Herrlichkeit, der Fürst des Lichts – dort von jenem Berg herab, – und das Flammenschwert des Engels wird überm Tal leuchten – und die Erde wird sich zu ihm emporheben – und alles, was Leben ist, wird leben – und alles, was tot ist, wird noch einmal sterben. Dann rollt der Donner der Vergeltung über die Erde – Schuld trifft sich mit Schuld und fragt: ›Wo kommst du her?‹ – Der Fürst der Dunkelheit aber legt seine Hand auf das Herz, das die Schuld zeugte.«

Sein Auge traf Ralphs, und der Ingrimm um seinen Mund kehrte zurück.

»Und du glaubst, daß du dem Zorn entgehen kannst? – Cherem sollst du sein vor Gott, jetzt und bis in alle Ewigkeit!«

Er griff sich mit beiden Händen an den Kopf, als versuche er Ordnung in seine verwirrten Gedanken zu bringen.

»Nach Zeichen hast du gefragt? – Blick dich um in der Welt! Wer herrscht dort? – Wer gebietet über Krieg und Frieden? – Wer sitzt auf goldenen Thronen? – Vielleicht der Galiläer und sein Volk? – Ha, ha, ha – nein, wir, die Auserwählten des Herrn.«

Er beugte sich zu Ralph und flüsterte mit einem geheimnisvollen Lächeln:

»Weißt du, wie wir gesiegt haben? – Durch Auflösen und durch Sammeln. – Gab es je im Volk des Galiläers Zwiespalt, ohne daß wir dahinter standen? – Gab es je Kampf gegen Könige, Aufruhr gegen Gesetz und den Geist des Gesetzes, ohne daß wir die, die den Zwiespalt säten, vorwärts stießen? – Recht des Individuums – Recht des Menschen – diese fruchtbaren Worte sind von uns erfunden worden. Ihr, das Volk des Galiläers, habt über Körper und Wohlfahrt, über Formen und Worte geherrscht – über all das, was hohl ist. Wir aber herrschten über den Geist der Worte, wir entstellten und verdrehten in unseren Zeitungen. Wer hat die Sonde geformt, die tief geht und in der Tiefe sondiert? – Unser jüdischer Geist, wir sahen Reiche erstehen und Reiche vergehen. Wer herrscht über sie alle? – Der Gedanke der Zeit. Wer aber formt den Gedanken der Zeit, den kalten, zersplitternden Gedanken, mit der Geduld der Ewigkeit? – Das taten wir, das auserwählte Volk des Herrn – die Verfolgten, die Gegeißelten, die Verspotteten! – Wir waren die Ausgespienen, und wir kehrten auf die Lippen derer zurück, die uns ausgespien hatten. Wir waren die Tropfen, die den Stein höhlten, wir waren das Salz der Erde. Aus den lichtscheuen Gassen im Dunkel des Ghetto kamen wir wie Würmer hervorgekrochen, – wir bohrten uns vorwärts, wir fraßen uns durch – wir nährten uns von dem Streit des Galiläervolkes und lebten von seinem Abfall. Wir hatten unsere geheimen Gänge auf der ganzen abtrünnigen Welt. – Wer hat das Reich des Geldes gegründet – die großen vereinigten Reiche des goldenen Kalbes, die über Fürsten und Völker herrschen und sich weder um Rasse, noch um Stand kümmern? – Das taten wir! Wir untergruben Throne und setzten das goldene Kalb statt der Könige darauf. – Und wie haben wir das alles erreicht? – Indem wir nach außen hin auflösten und nach innen sammelten. Wir zersplitterten die anderen und sammelten uns selbst. Wir waren ein Körper und ein Geist. Wir zeugten Gold, und das Gold zeugte uns Kinder, und die Kinder zeugten uns wieder Gold. Wahrlich, der Geist des Herrn war mit uns. Er machte uns zu einem Schwert in seiner Hand – und sehet, jetzt hat er durch sein auserwähltes Volk gesiegt! – Die Zeit der Galiläer ist vorbei: Der falsche Messias ist entschleiert! – Jetzt fällt das Urteil wie Tau vom Himmel.«

Der Talar hatte sich geöffnet und fiel in langen Falten an ihm herab. Er hatte die Hände zur Klagemauer ausgebreitet, die ihn vom Allerheiligsten trennte; und sein Auge war hingerissen darauf gerichtet, als höre er dahinter das erste ferne Brausen der himmlischen Posaunen.

Er erwachte wieder zur Wirklichkeit, raffte den Talar zusammen, wandte sich an Ralph und Helen und sagte feierlich:

»Machet kehrt und gehet den Weg zurück! – Der Gott der Juden ist nicht nur gerecht, er ist auch ein barmherziger Gott.«

Dann neigte er den Kopf wie ein König und schritt in seinem schmutzigen Talar über die nassen Steine an ihnen vorbei.

 

Es war Abend. Ralph und Helen gelangten durch das Tor von Damaskus zu dem breiten Weg, der längs der Stadtmauer zu Abdul-Hamids Tor führt. Sie hatten von ihrer merkwürdigen Begegnung mit dem verrückten Rabbi gesprochen. Jetzt gingen sie schweigend nebeneinander her.

»Erinnern Sie sich noch,« begann Helen nach einer Weile, »was Schehanna von dem alten Parsenpriester erzählte?«

Ralph sah sie fragend an.

»Er predigte ihnen von dem Ende der Zeiten.«

»Ja.«

»Erinnern Sie sich des Natiks der Drusen, des Buckligen, der Abbas verfolgte – auch er sprach davon. – Und nun hier in Damaskus die Gerüchte von dem Mahdi, der in Aegypten erstanden sein soll – ein Mahdi ist ja ein Messias-Prophet, nicht wahr?«

»Ja, so etwas Aehnliches.«

»Und nun heute dieser verrückte Rabbi, der in Gedanken an den Erlöser lebt, der kommen soll!«

»Der Messias der Juden ist kein Erlöser in unserem Sinne. Soviel ich weiß, ist er ein irdischer König, der sein Volk sammeln und ihnen ein tausendjähriges Reich schaffen soll!«

Helen ging weiter, ohne etwas zu antworten. Nach einer Weile sagte sie:

»Was mag das nur zu bedeuten haben? – Glauben Sie, daß es Zufall ist, oder daß es einen tieferen Zusammenhang hat?«

Sie sah zu Ralph auf; ihr Blick gab den letzten Worten einen geheimnisvollen Sinn.

Ralph hatte auch schon nachgedacht. Er überlegte eine Weile, bevor er antwortete:

»Ich denke mir, daß es eine Zeitströmung ist, das Gefühl von etwas Neuem, das das Alte verdrängen will. Die Orientalen, die die Religion und Politik miteinander vermengen, glauben nun gleich, daß Gott sich rühre und das Ende der Zeiten nahe sei. – Und wie steht es denn um uns kultivierte Menschen? – Kämpfen wir nicht auch gegen unsichtbare Fesseln, die uns hindern, dorthin zu gelangen, wohin wir müssen?«

»Wohin müssen wir denn?«

»Ja, wenn wir das wüßten, dann wären die Ketten gewiß schon gesprengt, und wir wären am Ziel. – Ist in Ihnen, Fräulein Helen, und in mir nicht auch etwas Neues, was zum Durchbruch drängt? – Sind wir noch dieselben wie vor einem halben Monat – und wo werden wir im nächsten sein? Verändern wir uns selbst, – oder offenbart die Welt ihre Verwandlung durch uns? – Es ist, wie Sie an jenem Abend auf dem Dampfer im Marmarameer sagten: In dem Alten können wir nicht mehr leben, und das Neue haben wir noch nicht erreicht.«

Sie antwortete nicht, horchte nur auf die Wärme in seiner Stimme, und dachte, was sich wohl dahinter verberge.

»Menschen wollen immer von neuem anfangen,« sagte er nach einer Pause, »aber um anzufangen, muß man einen festen Ausgangspunkt haben. Und der fehlt uns.«

»Die Derwische haben einen,« sagte Helen, »darum ist ihre Macht über die Gemüter so groß.«

»Ja, hier im Osten weiß man mehr vom Leben als wir. Die Erde können wir Europäer nach unserem Willen formen, aber unsere eigene Seele zu formen, dazu sind wir nicht imstande. Ich habe nie geahnt, wie wenig Wert unser Wissen hat.«

Helen sah zu ihm auf und sagte:

»Ich habe mal gelesen, daß man glauben muß, um wissen zu können.«

Er blickte vor sich hin und dachte über ihre Worte nach.

»Das verstehe ich nicht,« sagte er kurz.

»Doch,« sie wurde eifrig und trat unwillkürlich näher an ihn heran, »glauben bedeutet ja gerade einen festen Ausgangspunkt haben. Und wie kann man etwas wissen, wenn man nicht einen Mittelpunkt hat, um den man sein Wissen sammelt. Ist nicht alles, was wir wissen, im Grunde Glaube? Glaube an Hypothesen?«

»Ja – und an Systeme. Aber man kann eine Lebensanschauung nicht aufbauen, wie man ein System zusammenschweißt – oder eine Brücke baut. Man kann nur aus dem bauen, was ist, nicht aus dem, was kommen soll. Kein System kann für die Zukunft gutsagen, es kann nur Meilensteine auf dem Wege, den das Leben bisher gegangen ist, errichten, nicht auf dem, der vor uns liegt, Leben ist eine Bewegung, deren Richtung und Stärke wir nicht kennen und deren Inhalt sich nicht im voraus greifen läßt, ebensowenig wie man im voraus die Möglichkeiten der Phantasie umfassen kann. Lebensanschauung ist Anschauung von etwas, was ewig im Fluß ist, darum kann sie nicht fest sein; eine feste Anschauung aber brauchen wir, um vorwärtszukommen. Mit anderen Worten: die Aufgabe ist unlösbar, und es ist nutzlos, darüber zu grübeln.«

Sein Gesicht strammte sich und er blickte sich um, als wollte er sagen: »Wir wollen von was anderem reden.«

»Nein,« sagte Helen stark, »Sie haben unrecht, wir müssen wissen, wie es sich mit dem Leben und unserer Seele und der Welt, der wir angehören, verhält.«

»So was sagt man,« er zuckte skeptisch die Achseln, »in der Praxis aber drängt sich das gar nicht auf; man lebt ja sehr gut auch so. Die wenigsten finden es der Mühe wert, ihre freie Zeit zum Nachdenken über ihre Seele zu benutzen, wir fechten uns durchs Leben, von der einen handgreiflichen Herausforderung zur anderen, wir plätschern in der Oberfläche der vorhandenen Anschauungen, die wir abwechselnd aus Sympathie oder aus Berechnung wählen. Eine bestimmte Anschauung, der wir nicht entgehen können und die sich uns mit Macht aufdrängt, wie bei den Menschen des Ostens, deren Leben noch nicht von den Segnungen der Kultur getrübt worden ist, gibt es bei uns nicht.«

»Darum kommen wir auch nicht weiter als bis zur Oberfläche, wir schwimmen obenauf, aber wir dringen nicht auf den Grund, wir lassen unsere Handlungen von Zufälligkeiten bestimmen, anstatt durch unsere Persönlichkeit die Verhältnisse zu schaffen, unter denen wir leben.«

»Um auf eigene Rechnung leben zu können, muß man eine selbständige Wertschätzung des Lebens besitzen. Und wer hat das?«

»Das ist ja gerade der Fehler. Darum meine ich auch, daß nichts wichtiger ist, als zur Klarheit über uns selbst zu kommen. Und das kann man nicht, solange man nicht einen festen Punkt hat, von dem man ausgeht. – Darum haben Sie unrecht, wenn Sie sagen, daß es keinen Zweck hat, darüber zu grübeln.«

»Entschuldigen Sie, das ist Frauenlogik!« sagte er und lächelte.

Sie aber ließ sich nicht stören. Etwas, was lange unklar in ihr gelegen hatte, begann sich plötzlich, während sie es zu Worten formte, zu klären.

»Man kann die Werte des Lebens nicht erkennen; wenn man keinen festen Ausgangspunkt hat. Man wird dann nur die Beute zufälliger Einwirkungen, deren Tragweite man selbst nicht ahnt und die einen Gott weiß wohin führen, besonders wenn man, wie die meisten modernen Menschen, den Instinkt, das unmittelbare Gefühl für das Rechte verloren hat. Nicht nur, daß unser Wille ziellos ist, sondern wir sind nicht mal imstande, ein Gefühl zu nähren, wir können weder lieben noch hassen, unsere Erkenntnis ist schwankend und haltlos, wenn wir alt werden und die intime Berührung mit dem Leben verlieren, die unsere Sinne uns vermitteln, solange wir jung sind und die uns eine gewisse Grundlage geben – wenn wir nur noch durch uns selbst etwas sein sollen, auf das Resultat unseres Lebens gestützt – ja, dann wird nichts als eine trostlose Leere in uns sein. Ich begreife nicht, wie Menschen froh und sorglos leben können. Früher hatte man die Religion in irgendeiner Form; aber heute, wo alle Autorität untergraben ist, wo Kritik vor Glauben kommt, – ja, wer bestimmt da die Werte und zeigt uns, woran wir uns halten können?«

»Die öffentliche Meinung!« sagte Ralph mit heimlicher Ironie.

»Ach, die öffentliche Meinung!« – Jedes Land und jeder Stand hat eine andere.«

»Stimmt. Darum sind die Menschen auch der Ausdruck für den Kreis, in dem sie leben. Für einige bedeutet der Wert des Lebens ein angesehener Name, für andere Luxus und Wohlleben. Für die große Menge geht alles in dem einen gemeinsamen Ziel unter: Geld, – der Generalnenner, mit dem alle Werte der menschlichen Gesellschaft gemessen werden.«

»Alles, was Wert hat, kann also ökonomisch bemessen werden?«

»Ja, und dort liegt der Mangel, wir haben letzten Endes keinen anderen Maßstab als das Geld, wir fragen nicht nach dem Wert der Dinge an sich, sondern nach ihrem Kurs. Sogar Liebe und Haß, ja, Familiengefühl und Freundschaft – alles hat seinen Kurs. Und auf diese Weise ist die Kultur uns eine Bürde statt einer Stütze geworden, sie hat unser ursprüngliches, menschliches Urteil verdorben. Das wird einem erst richtig klar, wenn man den Vergleich mit dem Osten zieht. Gamâl hat recht, wenn er sagt: Ist es denn so sicher, daß eure Kultur die überlegene ist?«

»Was sollen wir denn tun?«

»Wir müssen zu dem Ursprung der Dinge zurück. Ich denke mir, daß es so gehen wird, wie es oft in der Geschichte gegangen ist. Die Kultur verfault von innen heraus, bis sie schließlich unter dem Druck anderer Rassen gesprengt wird. Dann kommen die Gelben oder die Schwarzen und erneuern das Menschenleben.«

»Glauben Sie wirklich?« Sie sah ihn entsetzt an.

»Ja, warum nicht? – Der Zusammenbruch einer Kultur, die sich nicht mehr selbst tragen kann, ist eine Notwendigkeit – und als Notwendigkeit eine Erlösung. Bedenken sie: jede Entwicklung geht durch Tod. Nichts kann geboren werden, ohne daß etwas stirbt; jede Sache hat ihre zwei Seiten.«

»Ich sehe nicht ein, warum unsere Kultur so gering ist. Stehen unsere Staaten nicht auf einer höheren Stufe als alle früheren und als die aller anderen Rassen?«

»Was sehen Sie denn eigentlich als die ideale Kultur an?«

»Die, die der Individualität den freiesten Spielraum und an allen Lebensgütern gleichen Anteil gewährt, die die Bürden gleichmäßig verteilt und Schmerzen verringert, – das wäre meiner Ansicht nach eine ideale Kultur.«

»Und Sie finden, daß die europäisch-amerikanische Kultur diese Ideale hochhält?«

»Besser als eine andere. – Was hat man in alten Zeiten – was hat man in anderen Weltteilen für die Schwachen und Leidenden getan? – Bedenken Sie unsere ganze soziale Fürsorge! – Bedenken Sie die Eugenic-Bewegung! – Bedenken Sie, daß wir im Begriff stehen, Leiden vorzubeugen, Schwäche zu hindern überhaupt ins Leben zu treten, – Sorgen und Leiden durch den Weg der Auserwählung zu verhüten, damit die Rasse edler und stärker wird. Sind das nicht Zeugen einer hohen und makellosen Kultur?«

»Die Eugenic-Bewegung? – Pah, die ist nichts weiter als ein Beweis für eine erdgebundene und kurzsichtige Lebensanschauung. Oder glauben Sie vielleicht, daß Schmerz und Kummer blinde Zufälligkeiten sind, von einer lieblosen Vorsehung wie ein Hagelschauer auf die Welt herabgesandt? Das können Sie, die Sie die entscheidende Bedeutung des Seelenlebens zu betonen pflegen, doch nicht glauben. – Wer weiß, ob die Morgenländer mit ihrem Glauben an die Reinigung der Seele durch die Seelenwanderung nicht recht haben? Wer kann wissen, was das Wichtigste in unserem Wesen ist? – Und wer nichts weiß, sollte vorsichtiger sein, bevor er Eingriffe macht. Ist das Leben nicht ein Kampf ums Dasein? Also nicht nur ein Kampf der Körper, sondern auch der Seelen, wenn wir die Form derselben auch nicht kennen? – Vielleicht ist der Kampf der Seelen mehr an Gesetze gebunden als der körperliche. – Ja, wir sind noch weit zurück. Auf unsere Zeit, auf unsere Zivilisation passen die Worte der Bibel besser als auf sonst eine: ›Wir machen uns Kummer und Sorgen über mancherlei Dinge, ja, über alles zwischen Himmel und Erde, – und vergessen darüber das einzig Notwendige‹. Ist es nicht bezeichnend genug, daß weder Sie noch ich die einfache Frage beantworten können, die entschieden werden müßte, bevor wir etwas anderes beginnen: Was ist das Wesentliche und was ist das Wertvolle? – Wir kämpfen auf Tod und Leben für eine Menge Bedürfnisse, ohne uns klargemacht zu haben, ob sie überhaupt des Kampfes wert sind. Und hierin sind uns die Morgenländer – das hab ich bereits erfaßt – weit voraus. Sie haben die Hohlheit dessen, woran wir uns mit aller Macht klammern, eingesehen. Darum lassen sie das einzig Notwendige auch nie aus dem Auge. – Wenn wir sogenannten Kulturvölker darüber klar werden könnten, was in Wahrheit wertvoll und in Wahrheit wesentlich ist, dann wäre die Kulturaufgabe leichter zu lösen. – Eine Lebensanschauung ist wie ein Licht, das sich in einer Linse bricht, und diese Linse ist die menschliche Individualität. Verschiedene Linsen geben verschiedene Bilder. Das Gesamtbild aber ist der Ausdruck für das allgemein Menschliche, für das, was wir Kultur nennen. Die Eugenic-Bewegung, das neueste Produkt unserer Kultur, ist darum begrenzt, weil es nur diejenigen Linsen anerkennt, die Bilder ergeben, die zu dem Gesamtbild passen. Und sie ist feige, weil ihr der moralische Mut fehlt, die Konsequenz ihres Standpunktes zu ziehen und die irreführenden Linsen zu vernichten; statt dessen will man vorbeugen, daß sie überhaupt entstehen. Wir hochkultivierten Abendländer wollen das Erdenleben zu einem Klub machen, wo die Mitglieder durch Würfel abstimmen, ob man neue zulassen will oder nicht. Für Morgenländer aber ist das Leben wie es ist – ein Gefäß mit zahllosen kleinen Löchern, durch die das Leben unaufhörlich ein- und aussickert; wenn es an einer Stelle herausgedrängt ist, taucht es an einer anderen wieder auf. Wir Abendländer aber stellen eine Wache am Eingang auf und fordern Kontrollbillette.«

Helen dachte über seine Worte nach, und ein plötzlicher Mißmut überfiel sie. Sie sah ihn mit solch inniger Sehnsucht in ihren großen grauen Augen an, daß er tief gerührt wurde.

»Was sollen wir denn nur tun, um das Wesentliche herauszufinden?«

»Wir müssen alles Ueberflüssige, was wir Kulturmenschen mit uns herumschleppen und was die Vorurteile gezeugt hat, die unser Leben beschweren, aus unserem Herzen herauskehren; denn solange wir diesen toten Stoff mit uns herumtragen, sind wir nicht imstande, ursprünglich zu denken oder zu fühlen. Sprießt ein neuer Gedanke oder ein neues Gefühl hervor, gleich wird es von dem überschattet, was vor ihm war; es ist nirgends ein Platz frei. Das Neue wird gezwungen sich anzupassen, darf sich nicht seiner eigenen Natur nach entfalten. Es gibt keine großen Persönlichkeiten mehr. Die Vergangenheit der Menschheit, so wie sie in jedem einzelnen Kulturhirn aufgespeichert ist, erstickt das Eigenartige im Keim. Wenn der Mensch mit freigemachtem Gehirn und frischen Augen der Natur gegenübergestellt würde, wie Robinson auf seiner Insel, dann käme der neue Mensch von selbst, dann käme die neue Religion, die alle um das Wesentliche sammeln kann, dann kehrten die ursprünglichen Einschätzungen von Glück und Unglück, von Gut und Böse wieder. Dann bekämen wir die Weisheit des Kindes zurück, die darin besteht, das Wesentliche zu fühlen und darin zu leben. – Sehen Sie mal, wie weit sind wir mit all unserem Wissen in dem zurückgeblieben, was uns am nächsten liegt! Verstehen wir die Kunst zu leben? – Haben wir einen Leitfaden, in der Kunst zu siegen? – Alles das ist dem ureigensten Empfinden des Individuums überlassen; da wir aber die Instinkte verloren haben, sind wir in dem, was uns näher liegen müßte als irgendeine angelernte Kunst, am weitesten zurückgeblieben. Wir haben Staatswissenschaften und Rechtslehre, Hygiene und Ethik, aber eine Lehre vom Individuum, ein Handbuch der praktischen Lebensweisheit haben wir nicht, wie man seine Eigenart am besten entwickeln, wie man im persönlichen Leben mit möglichst wenig Kosten siegen kann, darin sind die Völker des Ostens uns weit voraus; wir haben diese Weisheit vergessen oder keine Zeit dafür gehabt; wir hatten so viel mit der Welt um uns herum zu tun, daß wir die Welt in uns selbst vernachlässigten. Wir, die wir von allem Möglichen Bescheid wissen, sind nicht einmal imstande zu sagen, was Glück und was Sieg ist. Fragen wie diese: wie besiegen wir Schmerzen? Wie sparen und vermehren wir unsere Seelenkräfte? – können wir ebensowenig beantworten wie wir feststellen können, was gut und wahr und schön ist. Nicht nur Schehanna und ihre Parsen, auch der arme Natik und der heulende Derwisch, den wir neulich sahen, wissen besser über diese ersten und wichtigsten Dinge Bescheid, als sowohl Sie wie ich. Es kann mit wenigen Worten gesagt werden, was wir nicht wissen, und was doch das Wichtigste für uns zu wissen wäre: Wie können wir ganze, freie und glückliche Menschen werden? – Wenn unsere Sinne uns gestatteten, die ganze Natur zu überschauen, statt nur einen kleinen Bruchteil derselben, dann würden wir gleichzeitig Ursache und Wirkung, die Vergangenheit in der Gegenwart und die Zukunft als Resultat der wirkenden Kräfte der Gegenwart erkennen können. Wir würden jede isolierte Handlung als ein Produkt des Zusammenwirkens aller Kräfte durch alle Zeiten erkennen und wissen, was Natur, was Leben und Tod ist – was aus dem anscheinend sinnlos Geborenen und sinnlos Getöteten wird – warum Tölpel leben und regieren dürfen, während Genies frühzeitig sterben. Dann werden wir erkennen, was Liebe und Verpflanzung, was menschlicher Fortschritt – und was Persönlichkeit ist.«

Ralph hatte noch nie so viel und so eingehend zu ihr gesprochen. Er war selbst erstaunt über seine lange Rede und blickte mit einem verlegenen Lächeln fort.

Helen sah von der Seite zu ihm auf. Sie hatte ihn nicht ganz verstanden. Er ging von Voraussetzungen aus, die ihr Leben nicht enthielt. Es waren die Gesichtspunkte eines Mannes; aber obgleich sie nicht alles verstand, so fühlte sie doch, daß das, was in diesen Tagen in seiner Seele vorging, mit dem, was sich in ihr rührte, eng verwandt war. Und sie fragte sich selbst: Welche Bedeutung wird er für mich bekommen? Im selben Augenblick tauchte ihr eine andere Frage auf, die ihr noch wichtiger erschien: Was werde ich ihm sein können? Ihr Herz schlug stärker; unwillkürlich ging sie schneller, so daß sie ihm um einige Schritte voraus kam. Er begriff, daß sie sich von ihm entfernte, weil sie im Grunde ihres Herzens fürchtete, daß er ihr bereits zu nahe gekommen sei.

Er fragte sich selbst erstaunt: Wie ist es möglich, daß ich hier gehe und philosophiere, – ich, der ich mich sonst nie mit Dingen beschäftige, die nicht von Beobachtung und Erfahrung kontrolliert werden können?

– Und hatte er ihr eigentlich nicht von ganz anderen Sachen sprechen wollen?

Er erinnerte sich seiner Gefühle für sie auf dem Dampfer, als sie ihm ihre Lebensgeschichte erzählt hatte. Damals hatte er Mitleid mit ihrer einsamen, verlassenen Jugend gefühlt. Jetzt war es anders geworden. Nicht mehr der Gedanke, ihr zu helfen, wärmte ihm das Herz, sondern der Gedanke, sie zu besitzen.

Sie schien zu merken, was er in diesem Augenblick, fühlte, denn ein leises Beben ging durch ihre Schultern – jenes Zittern, wie bei einem plötzlichen Kälteschauer, das er bereits früher an ihr beobachtet hatte.

Ihm ahnte, was es bedeutete. Unwillkürlich streckte er die Hand nach ihr aus und flüsterte »Helen«. Er sah, daß sie es gehört hatte; aber sie drehte sich nicht um, und er wagte es nicht zu wiederholen.

* * *

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