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Der Ueberkater Band I

Johann Richard zur Megede: Der Ueberkater Band I - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorJohann Richard zur Megede
titleDer Ueberkater Band I
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
volumeBand 1
printrunFünfzehnte bis siebzehnte Auflage
year1918
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060526
modified20150128
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Erster Band


Fräulein Elisabeth von Skal

in dankbarem Gedenken

der Verfasser


Erster Teil

Erstes Kapitel

Ich weiß, daß ich sogenannte berühmte Kollegen habe: Murr, Hiddigeigei – Deutsche. Es mögen sogar weitläufige Vettern von mir sein. Die Fürsten dieser Erde nennen sich ja auch ohne Unterschied cher frère, cher cousin. Sie tun recht daran. Denn die Großen jeder Gattung und aller Zeiten eint eine tief innerliche Seelengemeinschaft, und die geistige Einsamkeit trennt sie von dem gemeinen Volk. – Ich verleugne euch also nicht, chers cousins allemands!

Ich habe die Aufzeichnungen des einen, die Lieder des andern gelesen. Sehr humorvoll, sehr tief empfunden! Ich war auch sofort heimisch in dem fremden, harten Idiom. Ich konstatierte mit Genugtuung, daß eminente Gefühle, eminente Gedanken unter dem Katzengeschlecht in jenem Volapük niedergelegt sind, das nur die Auserwählten verstehen. Ich habe mit Hiddigeigei gesungen, mit Murr philosophiert. Aber innerlich sind diese Vettern doch nicht frei, sie bleiben Deutsche. Hiddigeigei halte ich für einen poetischen Wolkenkuckucksheimer aus dem Neckartal, und Murr ist zuzeiten ein ganz engherziger Berliner Lokalpatriot. Und das Schlimmste – sie haben einen Herrn, sie sind treu und schämen sich dessen nicht . . . Was sind das für Katzen? – Unser Geschlecht ist das bedeutendste, zielbewußteste, eigenartigste . . . Wann waren Könige, Staatsmänner treu? Wann bestand eine wirklich vornehme Ehe anders als auf dem Papier?

– Solche Gefühle sollten meine guten Vettern der Plebs überlassen, der Bande, die Mäuse aus Hunger fängt und nicht zum Vergnügen . . . Einige Lieder sind gewiß echt! Zum Beispiel über die Liebe philosophiert Hiddigeigei entzückend, und Murr, wenn er in einer Sturmnacht zum Kampf auf die Dächer steigt, hat jenes dämonisch grüne Augenglitzern, das furchtbare Wunden weissagt. Dennoch – jenseits der gleißenden Schneemauern des Monte Valdo, dessen Glanz mir die Augen beizt, lebt ein andres Geschlecht. Der Himmel kann dort nicht so blau sein, die Sonne nicht so prickeln. Es sind törichte Gefühlskatzen mit wilden Instinkten, weiter nichts . . .

Ich habe lange gezögert mit diesen Aufzeichnungen, und sie sind doch sicher so nötig! – Ja, es gehört einmal unter euch wahllose Gefühlsphantasten eine Macchiavelli-Natur, ein kühler Staatsmann, ein scharfer Menschenkenner, meine hochseligen Herren Vettern . . .

Ich bin Italiener, Diplomat, Hotelkater.

Geboren bin ich natürlich auf klassischem Boden – in Rom unter dem Dach des Palazzo Farnese: Der edelste Sproß aus heißer Liebe und weiser Politik. Ich sollte gewissermaßen in meiner Person den Geist Frankreichs und die Schönheit Italiens vermählen. Mein Vater war Römer, ein wilder, schöner, hochfahrender Nobile. Meine Mutter Vollblutpariserin aus dem legitimistischen Uradel des Quartier St. Germain, pikant, geistreich, mit den anmutigsten Formen, der wohllautendsten Stimme. Ein hoher Beamter der Botschaft hatte diese Vermählung inszeniert – ein diplomatischer Schachzug, der überaus glückte. In dem Wäscheschrank dieses hohen Beamten wurde ich geboren. Von meinem Vater weiß ich nur aus den Erzählungen meiner Mutter. Er war eine Herrennatur von leidenschaftlicher Frauenliebe, aber nur vorübergehender Gattentreue. Meine Geschwister starben früh, und keines natürlichen Todes. Ich erinnere mich dunkel der gemeinen, heimtückischen Faust – einer Faust, von der auch später die Rede sein wird –, die unsre Familie ausrotten zu wollen schien. Es waren Erwägungen intimster Natur, wie ich jetzt begreife, denn ein spanischer Prätendentenstreit unter uns Brüdern hätte leicht die schwersten europäischen Verwicklungen nach sich ziehen können. –

Bei Katzen gibt es keine engherzige Nationalität. Wir optieren.

Als mir meine Mutter zum ersten Male von der schwindelnden Höhe des Botschaftshotels die Ewige Stadt zeigte mit einem blinzelnden Seitenblick auf den Quirinal und auf den Vatikan, begriff ich sofort, was sie damit ausdrücken wollte. Da das republikanische Frankreich seine großen legitimistischen Söhne zu verbannen beliebt, blieb mir nur noch die Wahl zwischen den langen schwarzen Priesterröcken Seiner Heiligkeit und den funkelnden Bajonetten des nationalistischen Königtums. Ich überlegte lange – und wählte keines von beiden. Das war sehr weise von mir. Diplomaten größten Stils sind keine Pfaffenknechte, aber noch weniger gehorsame Diener des Advokatenkonvents auf dem Monte Citorio . . . Für sie heißt es, zwischen beiden lavieren. Vom Vatikan habe ich später gehört, daß das alte Riesengebäude unheimlich viel dicke und geradezu gefährliche Ratten beherbergt, und vom Quirinal weiß ich, daß in dem weitläufigen Schloß die Mäuse besonders hungrig pfeifen – Ich war eben zu Höherem geboren.

Einige Zeit verblieb ich noch in der Botschaft, scheinbar ohne eine bestimmte diplomatische Mission, obgleich ich behaupten kann, daß kein lebendes Wesen über die Geheimnisse des berühmten Palazzos vom Dach bis zum Keller genauer orientiert war als ich. Wenn es mir beliebt hätte, die Archive zu durchstöbern, Dokumente zu entwenden – Kinderspiel! Ich will die Eisenstangen sehen, zwischen denen mein schlanker Körper nicht geschmeidig hindurchgleitet, oder den Botschaftssekretär, dem ich nicht unbemerkt überall nachzuschleichen vermöchte! . . . Aber ich stehle niemals – Nicht, daß mich die Moral daran hinderte! Es gibt nach Macchiavelli und Talleyrand, meinen menschlichen chers cousins, keine Diplomatenmoral, und Bismarcks sogenannte geniale Ehrlichkeit war nur eine vorübergehende Verfehlung. Sie wird nie Schule machen und höchstens seinen Nachfolger zu Plumpheiten verleiten. Aber ich hasse platte Gemeinheiten! Ich möchte niemals hinabsteigen zu den berufsmäßigen Mausefängern oder gar den Tölpeln von Hunden, die vor jedem Fleischerladen wie gebannt stehen bleiben. Wenn ich meine köstliche Sahne zierlich ausgeschleckt habe und danach noch etwas Bratenappetit verspüre, gehe ich direkt zum Botschaftskoch und gebe ihm in sanft verführerischen Tönen zu verstehen, daß ich ein auserlesenes Stück wünsche – zur Kritik natürlich, und weil ich die Diners Sr. Exzellenz des bevollmächtigten Ministers höflich, aber streng überwachen muß. Ich verschlinge darum nie einen Knochen, ich lecke ihn fein säuberlich ab, und der Küchenchef hat die richtige Ueberzeugung, daß ein Kater von Welt gourmet, nie aber gourmand sein kann. Die Deutschen, die Hunde so sehr lieben, verwechseln diese beiden Begriffe noch immer.

Dort im Palazzo Farnese gewöhnte ich mir die tadellosen Diplomatenallüren an: das lautlose Auftreten, das seidenweiche Gleiten, das abgetönte Attaché-Miau, das alles wünscht, aber zu nichts verpflichtet. Ich hätte Sr. Exzellenz ein brillanter Geheimsekretär sein können, und Ihre Exzellenz sagten bei meinem Anblick stets bewundernd: »Q'uil est beau! qu'il est sage! qu'il est bien élevé!« Ich quittierte stets über diese Elogen vermittelst eines unendlich melodischen Schnurrens, wie ich ja überhaupt die Damen als tadelloser Kavalier, und die Priester als überzeugter Katholik äußerst zuvorkommend behandle, denn die kapriziös weichen Hände der ersteren und die zielbewußten Taubenblicke der letzteren sind mir sympathisch, und beider Einfluß in der höchsten, der persönlichen Politik darf niemals unterschätzt werden. Jedoch dauert meine Anhänglichkeit nie länger als der angenehme Nachgeschmack der Schmeichelei oder des Leckerbissens, den ich gerade anzunehmen geruht habe.

Zuweilen sehne ich mich nach dieser ersten Jugendzeit zurück, obgleich es auch widerwärtige Dienstboten gab, die meinen intimen Schlafzimmervisiten mit einem muffigen Besen entgegentraten, – und schlecht erzogene Attachés mit gemein kläffenden Foxterriers, offenbar unfähige Diplomaten, die mit Bismarck und dem Reichshund kokettieren wollten. Zum Diplomaten gehört nun einmal die Katze in irgendeiner Gestalt . . . Aber plötzlich wandte sich das Blatt. Jener hohe Beamte, der meine Eltern zusammengekuppelt hatte und eben beschäftigt war, meiner untröstlichen Mutter einen zweiten Gatten zuzuführen, lockte mich eines Tages vom Dachfirst, wo ich gerade andächtig dem Frühlingsgesang einiger Zugvögel lauschte, mit allerlei süßlichen Komplimenten, deren zudringlicher Beflissenheit ich berufsmäßig nicht traute. Aber er hielt in der Hand einen jungen Sperling, dessen Banditengezwitscher mich magisch anzog. Den Vogel bekam ich allerdings nicht, aber ich selbst wurde in einen fremdartigen Käfig gesteckt, den ich später als heugepolsterten Bastkorb erkannte. Ich war wohl an alle diplomatischen Winkelzüge, aber nicht an so grobe Treulosigkeiten gewöhnt, und erst im letzten Augenblicke versetzte ich darum einen sanften Biß jener heimtückischen Hand, die meine Brüder gemeuchelt hatte und die sich jetzt wie zum Abschied liebkosend nach mir ins Gefängnis streckte. Von da ab weiß ich nur, daß es auf einmal sehr dunkel wurde und daß später ein furchtbares Rütteln anfing. Ich war empört, auf jeden weiteren Schurkenstreich gefaßt, aber ich erkannte sofort, daß Toben sinnlos sei. Ich hielt ohne wilde Klage einen Tag und eine Nacht in dem schaurigen Verlies aus. Nur wenn meinem Korbe ein plumper Schritt nahte, erging ich mich in den sanftesten Miaus, einem wahren Sirenengesange. Einige Male lachten darauf grobe Menschenstimmen, ein andres Mal bohrte sich ein Finger durchs Geflecht. Ich benahm mich wie die Sanftmut selbst. Aber als sich mein Käfig endlich öffnete, sprang ich dem ersten besten dieser vermeintlichen Verräter an die Kehle. Ich glaubte sicher, einer diplomatischen Intrige zum Opfer gefallen zu sein, und das Schicksal der eisernen Maske stand mir vor Augen. Ich hatte mich geirrt . . .

Es ist der Unterschied zwischen großen und kleinen Geistern, daß die kleinen ihre Fehler nicht einmal sich selbst eingestehen, während die großen dies sogar aller Welt offen kundtun. – Ich hatte in der Tat einen Fehler begangen: Der Mann, an dem ich vor Wut fauchend mich festkrallte, war ein mächtiger Mann, der Besitzer des Hotels, und wahrscheinlich in der Lage, mich mit Hilfe seiner Leute sofort in dem See zu ertränken, dessen duftigblaue Kristallflut keine hundert Schritt von unserm Kampfplatz recht unangenehm einladend herüberleuchtete. Es war also kein Diplomatenkniff gewesen, dem ich zum Opfer fiel – ich war einfach für schnödes Geld verkauft worden. Verkauft – und wahrscheinlich sehr teuer! Erst drückte mich diese häßliche Tatsache wirklich nieder, und es bedurfte einer exzellenten Fischpastete und mehrerer Sahnentöpfe, um mir wenigstens körperlich das Gleichgewicht wiederzugeben nach einem Fasten zu so unpassender Zeit, daß es mich fast an den Segnungen unsrer alleinseligmachenden Kirche irre machte. Bald merkte ich, daß auch die Gemütsdepression nicht unbedingt vonnöten . . . Ein staatsmännischer Geist muß klug mit den Zeitläuften rechnen, ohne dabei irgendwie seine Persönlichkeit aufzugeben. Man kauft und verkauft nun einmal Katzen – und diese menschliche Gewohnheit ist eigentlich für mich sehr schmeichelhaft. Man bezahlt doch nur Schönheit und Geist, und bloß beides zusammen mit so ungeheuerlichen Summen, wie sie ohne Frage nur für mich angelegt worden sind.

Damals gab ich mir auch zum erstenmal die Mühe, meinen äußeren Kater zu studieren. Ich bin in der Tat ein Olympier: schlank, samtweich, mit dem sanft buschigen Schweif eines Angoraahnen, der sich nur in den anmutigsten Schwingungen ergeht. Jedoch das wunderbarste sind die Augen – blaue, weiche, unvergeßliche Augen . . . Haben Sie schon je, mein lieber Murr, einen Kater mit Vergißmeinnichtaugen gesehen? Ich bezweifle es. Ueber die Nase geht der breite Kavalierschmiß, die Tiefe meiner Liebe, die Größe meines Hasses zu zeigen. Ich empfing den Hieb von einem äußerst jähzornigen Gentleman, der mir ein allerliebstes Kammerkätzchen abspenstig machen wollte. Es war meine erste amour, und ich entwickelte dabei einen Liebeswahnsinn, den ich jetzt belächle. Ueber die Katzenfrauen denke ich liberal wie der verstorbene Vittorio Emanuele, doch in bezug auf die Ehe beobachte ich die unbedingte Zurückhaltung eines päpstlichen Kardinalsekretärs. Man soll wohl Simson sein, aber man darf sich von einer Delila niemals die Schnurrhaare abschmeicheln lassen . . . Wenn nun dieser unvergleichliche Mephisto zuzeiten über die Blumenrabatten des Hotelparks steigt, so mag wohl dem menschlichen Beobachter bei meiner Gottähnlichkeit bange werden – mir nicht.

So bin ich also Hotelkater geworden, eine Stellung, die alle Mausefänger ersehnen, die aber nur von zünftigen Diplomaten ausgefüllt werden kann. Es gehört neben der untadeligen Geburt, den Aristokratenallüren jene kluge Mäßigung dazu, die alles weiß, aber nichts mit Namen nennt. Ein Hotelkater muß sich mit gleicher Grazie an den parfümierten Seidenrock einer Prinzessin schmiegen, wie den plumpen Nagelstiefel eines Brillenprofessors umschnurren. Auch der unbedeutendste Gast darf mich streicheln, bevorzugte Persönlichkeiten dürfen mich sogar auf den Schoß nehmen, aber ich gleite sofort mit einem kühlen Miau zur Erde, wenn die Liebkosung zudringlich wird. Ich bin darum aller Welt öffentlicher Liebling, aber niemandes unbedingter Freund. Ich würde mich zum Beispiel ganz gewiß doch weniger leicht von dem Wirt, dem Oberkellner, dem Koch und allen jenen guten Leuten, die mich mit Recht verehren, trennen, als von einem englischen Griesgram oder den alten nervösen Tanten, die sich an meinem Samtfell ihren staubigen Lodenrock zu verderben fürchten. Ich werde die törichte Schwäche der einen und die Brutalität der andern gleichmäßig belächeln und zu meinen Zwecken benutzen. So delektiert sich mein Geist immer, und meine Seele belastet sich niemals unnötig. In Wahrheit bin ich in meiner weißen Mäßigung vollkommen frei. – Das ist eben der Sohn der Botschaftskatze. Wie würde sich meine kluge französische Mutter freuen! . . . Doch gibt's auch Zeiten, wo das heiße italienische Blut meines schönen Vaters leidenschaftlich wallt.

Ich heiße hier schlechtweg Carlo wie ein Prinz von Geblüt, heimlich füge ich hinzu: Macchiavelli, der Staatsmann. Innerlich stehe ich dem großen Florentiner doch wohl am nächsten.

Wir haben jetzt Anfang Februar – und die Saison sollte beginnen. Unser Hotel ist natürlich das erste in einer kleinen, dumpfigen, entzückend winkligen Stadt mit ganz auserlesenen Straßengerüchen. Wir liegen an einer blauen Bucht des Gardasees, dessen Wasser vielleicht besser täte, weniger naß zu sein. Sonst ist der See riesengroß, und ich blinzle mir vergebens die Augen aus, um ihn in seiner ganzen Breite zu überblicken. Ringsum Hügel, Berge, Schneegipfel. Wer ein Deutscher und treu ist und eine grandiose Natur liebt, wird bei jeder Beleuchtung und jedem Wetter auf seine Kosten kommen. Mir genügt der Sonnenschein des Hotelgartens; die Froschjagd auf den geschorenen Wiesen und zwischen den immergrünen Bosketts hindurch ist ein so reizender Sport, der meine Anmut in bestem Licht zeigt. Auch ist nichts behaglicher, als in der Mittagsglut auf der Kaimauer zu träumen. Ich schlummere, phantasiere, schaue und habe zur Zugzeit den Vogellaut wirklich gern – lieber allerdings noch das warme Blut der freundlichen Sänger selbst. Wenn der Dampfer bei uns anlegt, geruhe ich entweder in scheinbarer Apathie im Grase zu blinzeln, oder ich gehe auch wohl den Gästen höflich entgegen. Es freut mich doch immer wieder das menschliche Verständnis für Katzenschönheit.

Bei Regen oder Wind hüte ich das Haus. Natürlich ist es auch kein großes Haus. Die Riesenhotels der Weltstädte sind im Grunde nur auflackierte Karawansereien ohne Traditionen, ohne Eigenart, jeder Gast im besten Falle so viel wert wie die Zimmernummer an dem geschmacklosen Riesenbrett, wo die unzähligen Schlüssel hängen. Da gibt es allerdings von Zeit zu Zeit einen wirklichen Prinzen, einen echten Nabob, einen wüsten russischen Fürsten – und namenlose Zugvögel, Gäste einer Nacht, die ängstlich kommen, heimlich gehen und hinterher mit dem Morgenkaffee im Empirespeisesaal fürchterlich prahlen. Die eigentliche Stammkundschaft aber sind unanständige Parvenüs, die zwar Fürstengemächer nur naserümpfend wählen, aber nachher heimlich auf die Teppiche spucken – oder dunkle Abenteurerexistenzen mit Monokeln und Brillantnadeln, die vom Glückspiel in abscheulichen Spelunken lange recht behaglich leben und später ohne Aufsehen an die Luft gesetzt werden müssen, weil sie außer der Zimmerrechnung auch noch die fünfzig vom Portier nach und nach gepumpten Franks nicht bezahlen können. Wenn ein wirklich distinguierter Herr exzellent essen, exklusiv plaudern will, wählt er klüglich das kleine Hotel, den kleinen Salon, weil er weder Lust hat, die Niete in einer Riesenkollekte noch die protzige Gewinnummer in einer Privatlotterie darzustellen . . . Auch darf ein Hotel nicht aufdringlich aussehen, wie zum Beispiel die Kurhäuser in den Weltbädern, die gleich ein halbes Dutzend Landesstandarten hissen. Das sieht zu gewollt aus, verletzt den guten Ton. Ein Hotel von Distinktion sollte womöglich immer in einem Garten liegen, tief drin, – nahe genug, um noch gesehen zu werden, und doch weit genug, um nicht anzulocken; Gesindel erscheint ja trotzdem in Ueberfülle.

Unser Hotel hat einen ganz kleinen, einfachen Speisesaal mit dem Blick auf den Garda, ein dämmriges Vestibül, gemütliche Zimmer und so viel Treppen und Korridore, daß seine maßvolle Größe nur intim wirkt. Zurzeit sind wir etwas verwaist. Eine Stangen-Gesellschaft reiste gerade ab – ein toller Mischmasch von alten bildungswütigen Kanzleiräten, reichgewordenen Fleischern, schutzlosen Jungfrauen und so weiter, welch letztere – die Jungfrauen nämlich – nachts ungefährdet durch die berüchtigte Friedrichsstraße wandeln könnten und aus jedem Harem sofort höflich hinauskomplimentiert würden. Die guten Leute rackerten sich zu Fuß und zu Wagen maßlos ab, und ich hatte die lächelnde Ueberzeugung, daß die ewig wechselnden Figuren eines Kaleidoskops in meiner Seele bedeutend schärfer haften würden, als in diesen Geistern das Bild der sogenannten schönen Gegenden. Der geschäftige Reisekurier rannte mich beinah um. Pöbel! Sonst haben wir Tagestouristen, die sich erst die Brille umständlich aufsetzen, um die lächerlich kleine Rechnung zu studieren und denen der Hausdiener stets wehmütig enttäuscht von der Landungsbrücke nachsieht. So was zählt für mein Gefühl nicht.

Auf längere Zeit scheint sich nur ein einziger Herr hier eingerichtet zu haben. Deutscher, brünett, sehnig, verbrannt wie ein Mohr und weder hübsch noch häßlich, aber mit ein Paar großen, grauen, klugen Augen, die selbst über unsern unvergleichlichen Garda mit einer gewissen Geringschätzung zu gleiten scheinen. Er hält was auf sich und erscheint auch zu seiner einsamen Mahlzeit immer im dinner-Jackett. Er heißt Robert Rin und wird von unserm Oberkellner höflich M. de Rin (französisch gesprochen) tituliert. Ich wußte nicht, was ihm diese Standeserhöhung eintrug, denn er bewohnt ein mäßiges Zimmer und trinkt nur Landwein – aber Oberkellner haben oft richtige Instinkte. Der Mann ist Mitte Dreißig und kraxelt viel in den Bergen herum. Er ist wohl Reisender, Naturwissenschaftler oder etwas ähnliches. Anvertraut hat er mir's nicht; denn er trägt eine äußerste Reserve und Schweigsamkeit zur Schau, und ich traue seinem energischen Munde zu, daß er kurz befehlen kann und daß ihm schleunigst gehorcht wird. Doch er bekommt täglich Korrekturen zugeschickt, in denen unnötig viel von Kamelen und Pflanzen die Rede ist, und zwischen die er mit einem Bleistift ziemlich undeutlich hineinkritzelt. Vielleicht will er sich auch von einer großen Expedition erholen und nebenbei die äußerst seltene Flora unsrer Riviera di Gargnano studieren. Ich habe mich ihm gewissermaßen attachiert, weil er der einzige wirkliche Herr hier ist und mich nicht mit wahllosen Schmeicheleien langweilt. Seit einigen Tagen regnet es wie auf Stiefkinder, und auch einem philosophischen Staatsmann möchte das Leben grau erscheinen.

Wir beide sitzen jetzt häufig zusammen im Konversationszimmer. Er schreibt, und ich strecke mich harmlos blinzelnd auf demselben Tisch. Er beginnt gleichfalls eine Art Tagebuch, und das vielleicht aus denselben Motiven wie ich. Der Originalität halber flechte ich von seinen Aufzeichnungen hier ein. Uebrigens sind und bleiben auch kluge Menschen Phantasten.


Ich habe meine Korrekturen glücklich beendet. »Die Sahara und ihre Pflanzenzonen« wird in die Welt gehen, aber schwerlich den Erfolg ernten, den mein junger Verleger erhofft. Vielleicht ist's meine Schuld, denn der dürre Titel dürfte nie ein großes Publikum finden, und der Autorname »Robert Rin« ist nicht aufregend. Natürlich hätte es besser geklungen: »Die große Wüste, Karawanenritte durch die Sahara« von Robert Grafen zu Rhyn. Aber erstens war ich niemals selbständiger Führer einer Expedition, sondern nur ihr wissenschaftlicher Begleiter, und zweitens möchte ich meinen Namen nicht als Reklameschild benutzen. Ich bin keineswegs reich und habe nur die Prätensionen jedes anständigen, ernsten Menschen. Mein Vater schon, der, aus mir unbekannten Gründen, in die Schweiz auswanderte, nahm die ältere Schreibweise: »Rin« wieder an und hatte selbst kein Interesse, in einem republikanischen Lande mit einem deutschen Grafentitel zu paradieren. Ich schreibe mich Robert Rin wie er schlechtweg, und wenn ich einmal nach den Grafen zu Rhyn gefragt wurde, habe ich immer gewissenhaft erklärt, daß ich meines Wissens der einzig lebende Graf zu Rhyn sei. Es mag eine unbewußte Eitelkeit in diesem gewöhnlichen Verschweigen liegen – aber dann ist diese Eitelkeit älter als ich, und ich habe sie nur von meinem Vater überkommen.

Ich sollte mich allmählich an die Winterflora dieser Riviera oder des Monte Baldo machen, aber es regnet, regnet . . . Die langjährige schlechte Gewohnheit, ein Reisetagebuch zu führen, verleitet mich dazu, diese müßigen Stunden mit Plaudereien über mich und für mich auszufüllen. Der Garda ist mein ältester südlicher Bekannter, und ich habe ihn immer von allen oberitalienischen Seen am meisten geliebt.

Alter, blauer Garda, du benimmst dich deinem alten Freunde gegenüber infam! Sollte deine Wiedersehensfreude wirklich so triefend naß, so frostig kühl sein? – Das letztemal vor sechs Jahren lächeltest du wenigstens matt, und eine frische Brise kraute deine stahlgrauen Wasser, als die kleine, prustende Bergbahn sich bis zur Höhe von Nago durchfauchte und du in einem ganz heimlichen Sonnenblinken für einen Moment den Mann wiedererkanntest, dem du als jungem Studenten so tief und schön zugelächelt hast . . . Ja, das waren andre Zeiten! . . . Es ist so lange her, daß es beinahe schon nicht mehr wahr ist – sechzehn Jahre. Auf dem Brenner lag der Tannenwald noch im Schnee begraben, und dicke Eiszapfen wuchsen aus dem grauen gesträubten Schnurrbart des Tiroler Streckenwärters. Es war ein Bummelzug, und der Eiswind blies uns fast von der Paßhöhe. Aber schon hinter Gossensaß begann der Süden silberflutend über die Schneewächten zu rinnen, bei Bozen versuchte die Sonne vorzeitig den Magdalener Wein zu kochen, und in Rovereto stach mir der heiße Glanz der Firngipfel in die Augen. – Und erst als ich in Mori in die klapprige italienische Diligence stieg mit dem Rucksack, dem Plaid, der fiebernden Erwartung des Südens! – Ich vergesse es nie – und wie jung ich noch war! . . . Ach, wenn doch noch einmal dieses Kinderentzücken wiederkäme, dieser Jugendglaube, diese Torenhoffnung, die eine fast mönchisch strenge Erziehung nicht vernichtet, nur gestärkt hatte! . . . Und wie sich der Wagen durch die Berge wand, das braune, starre, rissige Felsgestein so wundervoll grell leuchtend – wie Loppio auftauchte, inmitten enger, stummer Riesenwände der kleine, kühle, melancholisch grüne See. Und wie weiterhin der Monte Baldo seine Trümmerfelder ausschüttete, diesen gewaltigen Moränensturz, der in zahllosen verwitterten, unmöglichen Gigantenbrocken das wilde Hochtal übersäte – eine grandiose Wüstenei, die mich umstarrte, erschreckte, mir das Bild der Urgewalten, des Todes erkältend widerspiegelte. Und darüber die Baldowand heiß, weiß, flimmernd, mir das siegende Leben zu zeigen, die Kräfte des Werdens, die Sonne . . . Damals kam mir der Gedanke, Naturwissenschaften zu studieren, der Knabenwunsch, wissend in jene Tiefen des großen Gebärens, Sterbens zu schauen, das auch später uns immer reizt, lockt und um so unnahbarer sich verschließt, je leidenschaftlicher unser Verlangen zu seinen Mysterien hinabsteigen möchte . . . Es war die himmelstürmende Jugend, der unbewußte Drang der inneren Kräfte – allmählich wandelte sich der Geologe dann zum Pflanzengeographen. – Es war damals doch ein feierlicher Moment, ein ehrfürchtiges Erschauern, das ich noch in der Erinnerung spüre! . . . Dann kam Nago, das schwarze, schmutzige, verfallene Banditennest, über dessen Vignenmauern mich die erste schwermütige Zypresse und der erste goldige, fruchtschwere Orangenbaum zugleich grüßten. – Es war auch ein Wunder: der Grabwächter dicht bei den Aepfeln der Hesperiden. Ich war gerade Student geworden und suchte hier dem geheimnisvollen Pfade zu folgen, der Tod und Leben so unmittelbar verbindet – heute gebe ich mich mit so unfruchtbaren Dingen nicht mehr ab, – da rief plötzlich ein zerlumpter italienischer Arbeiter neben mir: »Ecco, Signore, la Garda« . . . Da sah ich dich zum erstenmal von Angesicht zu Angesicht: blauer, tiefer, ernster See – ganz unten die glückselig leuchtende Azurflut zwischen schroffen, stummen, grauen Alpenketten gebettet. Da lief die Ponalestraße wie eine Schlange die Steilküste entlang, da dräute der scharfzackige Riesenhang des Monte Giumella, da schob sich wie ein Kap der starre Fels von Tremosine weit in die Flut! – Und darüber hinaus leuchtete, glänzte, blitzte aus dunstiger Bläue der Süden, das Licht. Es war wirklich ein Wunder! Und ich eilte, auf den Dampfer zu kommen: ich hatte das Gefühl, als wenn ich den Inseln der Seligen entgegenführe.

Und neulich? – Die Felsmauern türmten sich ebenso starr und gewaltig wie einst, aber der See zeigte das trübe, grünölige Grau, die Kielwelle zuckte schmutzig weiß am Gestein empor. Kein Licht, kein Leben – nur der wie Nebel niederrieselnde Regen. Limone mit seinen sonderbaren Schutzhütten für die Zitronen, kahl, frostig, – Malcesine und sein Venezianer Kastell nur düster. Als wir wieder nach dem Westufer hinüberdampften, kreuzte eine große Segelbarke, das braunrote, geflickte Segel trübselig, der Kurs schwer . . . Das ist doch keine Südenfahrt! Und als endlich hinter Tremosine der breite üppige Vegetationsgürtel der Riviera auftauchte – auf sanft ansteigendem Vorland die grauernsten Olivenwälder, die Limonenterrassen, die wuchernde Agave am Fels –, da erkannte ich in der ekelweichen Regenluft, die auf das reiche, alte Gartenland drückte, in dem schläfrigen Dunst, der um die Küstenberge wallte, so daß nur die gigantische Ungestalt des Monte Castello tot, wie ein Riesensarg, durch diese Tagesdämmerung starrte – das Land nicht mehr wieder, das mir einst als der Inbegriff von südlicher Kraft und sonniger Gestaltenfülle erschienen war . . . Maderno, dessen weite, sanfte Bucht sonst wie ein Traum blaut, Gardone, das eine riesige Hotelpension hinter hohen, frohen Palmengängen versteckt, Salò, dessen bröckelnde, bunte, sorglose Armut sich so malerisch in dem schmalen, blauen, tiefen Golf spiegelt: sie alle haben sich zum Norden bekehrt, zu schwermütigem Sinnieren, zu farblosem Schweigen.

Ich ging sofort auf mein Zimmer und fühlte keine Versuchung, noch einmal auf den See zurückzuschauen, dessen mächtig weites Becken im Regen und Dunst mit dem Himmel verschwimmt . . . Ich kenne die halbe Welt ungefähr – ich habe Gewaltigeres gesehen an Bergen, Reicheres an Vegetation, vielfältigere Formen, sattere Farben, in einem intensiveren Licht, als es jemals der alte Garda auch bei bester Laune zu spenden vermag –, aber es war doch nun einmal der erste, unbefangene Eindruck des Südens, den ich hier empfing und nicht vergaß. Wo Rins fühlen, sind sie treu. Du solltest deine wirklichen Freunde freundlicher empfangen, lieber See, und dein mißmutiges Gesicht wahlloseren Bewunderern zeigen. Ich hoffe, du bekehrst dich beizeiten. Es könnte sonst dir mit mir so gehen, wie mit meinem Vater, der die drei Orte Rovereto-Riva-Salò, die mir in so köstlicher Erinnerung sind, einstmals liebte und dann mit einer mir unverständlichen Konsequenz haßte. Er mochte überhaupt Erinnerungen nicht . . .

Es ist heute der Todestag meines Vaters. Sein Wahlspruch hieß: »Nicht die Toten sind zu beklagen, sondern die Lebenden« . . . Aber wenn du auch Erinnerungen verachtetest bei Lebzeiten, mein Vater, – an deinem Sterbetag will ich doch erst recht des hohen Prinzips gedenken, in dem du mich erzogen und außerhalb der Durchschnittsreihe gestellt hast: ›Gib niemand Rechenschaft als dir selbst!‹ – Dem Kinde war das hohler Klang, dem Knaben dunkle Weisheit, dem Manne Erleuchtung. Denn wer sich gewöhnt hat, unbedingt Rechenschaft zu geben sich selbst, der kann auch Gott und den Menschen Rechenschaft geben zu jeder Stunde.


Allmählich beginnt sich das Hotel zu füllen. – Ein großer Satiriker, der ausgesprochen säuft, ein kleiner Komödiant, der nur den Namen mit einer großen Nichte gemein hat. Der Satiriker ist ein Charakterkopf: aufgeschwemmtes Gesicht, Wippnase, mit einem halb eingekniffenen Auge, das sicherlich sehr scharfe Porträts aufnimmt. Sonst ist ihm wohl auf dieser Welt alles Wurst, ausgenommen seine Frau. Frau und Fusel – manchem geht's nun einmal nicht ohne beides. Der Komödiant ist älterer Elegant, hübsch, der flachste Spaßmacher und der geborenste Picknickarrangeur. Er stellt sich aller Welt vor und spricht mit allen, und alle sagen ehrfürchtig: »Ah, der Onkel von der berühmten . . .« Auch ein Ruhm! . . . Also der große Mann säuft, der Komödiant trällert. Nächstens könnten auch weniger berühmte Leute kommen. Vorläufig ist mir noch der hiesige Hotelkater der interessanteste Genoß. Ein wirklicher, weißer Prachtkerl mit ganz blauen, kühlen Augen und auf seine Art sicher äußerst hochmütig und exklusiv. Wie ja auch sonst die Erfahrung zeigt, daß Edeltiere und Prachtpflanzen sich gern absondern. Jedenfalls ist es ein Kater von tadellosen Manieren, der sich ganz selbstverständlich auf meinen Schreibtisch pflanzt und von dem ich die instinktive Ueberzeugung habe, daß er nie das Tintenfaß umwerfen oder mein Papier beschmutzen würde. Etwas Größenwahn hat er . . . Ob er am Ende lesen kann? – Von der kindlichen Ansicht, daß Tiere nur Instinkt haben, ist heutzutage doch jeder Gebildete frei.

Es regnet nicht mehr. Der feuchtgrüne Lorbeer im Garten schüttelt sich. An den schwarzen Edeltannen zittert der kristallene Tropfen. Aber kein Licht, kein Leben! Die Berge hüllen sich in schweren Dampf. Der See ist matt, grämlich, ohne Laut, ohne Farbe. Wo sonst der breite Buckel des Monte Baldo samtweiß das Wasserblau [be]grenzt – ein träge wallender Nebelvorhang. Das lang hingestreckte, duftig geheimnisvolle Feeneiland der Isola Lecchi, anzuschauen wie ein dunkles stummes Riff – eine wirkliche Toteninsel. Und dazu bimmeln die ganze Riviera lang die Kirchenglocken, italienische Glocken mit den eigentümlich hastenden Operettenmelodien. Ich absolviere gewissenhaft täglich die bodenlose Seepromenade nach Gardone. Die Wolken kriechen längs der Uferberge, die Olivenhänge in mürrischem Grau, die Zypressen kohlschwarz; die schönen Parkgärten am Ufer träumen von Sonne und Frühling. In Bozen soll's noch schlimmer sein. Das ist der Hoteltrost.

Dabei kommen immer neue Gäste. Ich könnte fast alle entbehren. Da ist die übliche Rivierawitwe mit den Perlenboutons im Haar und dem Falkenblick für unverheiratete Männer. Einer von uns wird daran glauben müssen – hoffentlich nicht ich. Sie besitzt ein so energisches Kinn wie die Herzogin Hadwig und hat ihren ersten Gatten wahrscheinlich rasch totgepflegt, damit die zweite, die vierzigjährige Jugendblüte nicht ungenützt verstreiche. Ich gönne die sehr respektable Dame meinem neuen Nachbarn, einem österreichischen Pensionär, der mit dem steinernen Gast eine verzweifelte Aehnlichkeit hat. Vielleicht ehelicht sie auch der Maler mit den Storchbeinen und dem Dorschkopf. Die Genialität sitzt ihm wahrscheinlich in den Ledergamaschen und die Höflichkeit nicht auf der Zunge. Aber man täuscht sich. Ich beneide ihn um sein tadelloses Italienisch und die Ungeniertheit, mit der er sich auf jeder Chaiselongue lümmelt . . . Am unheimlichsten ist mir ein preußischer Major, der immer unruhig auf und ab wandert. Er hat die Schießinstruktion für die Artillerie mit auf die Reise genommen. Hätte er sie zu Hause gelassen, wäre seinen Nerven das jedenfalls dienlicher gewesen. Es bilden sich die bekannten Sympathiekreise. Die Neulinge scharen sich voll Ehrfurcht um den Komödianten, die alten Bäderkenner sondieren erst. Ich lebe in einer Todesangst, daß die energische Witwe nächstens singt, und daß ich zuhören muß. Ich spreche kaum mit jemand. Es ist eine Gesellschaft, die gleich persönlich wird und einen ausfragt. Vielleicht guckt auch auf einmal der Graf 'raus, der leidenschaftlich gern mit jedem übelriechenden Negerhäuptling Blutsbrüderschaft macht, aber in Europa auf keinen Fall unter seinem Stande verkehren möchte. – Es sind aber auch in der Tat wenig interessante Leute hier. Selbst der große Satiriker guckt für einen anständigen Menschen viel zu tief ins Marsalaglas. – Wirtlich sympathisch ist mir nur die Frau des preußischen Majors, eine sehr junge, sehr feine Frau mit einem hübschen Kinde, die beide höflich gegen jedermann sind. Es ist das die gute, deutsche Erziehung. Ich weiß nicht, warum mir die Frau leid tut. Er hat mir in den wolkigen Augen so was unheimlich Unstetes, und sie sieht ihn immer ängstlich an. Der Mann ist wohl kränker, als er aussieht – und die wirklich barmherzige Schwester schläft bei guten Frauen ja nie . . . Am Ende ist diese junge Frau das Genre, das ich am meisten liebe, weil es uns, wenn wir alt geworden, die Heimat, die Ruhe, den Frieden bedeutet. Bei gutem Wetter – was braucht man da ein Heim? Aber bei schlechtem . . . Ja, Robert Rin, wir sind vierunddreißig Jahre, und es wird uns doch erst ein wenig spanisch vorkommen, wenn wir zehn Jahre später unbedingt zum alten Eisen gerechnet werden!

Aber ich schreibe ja Unsinn. Ich bin doch ein verständiger Mensch, der sich nicht nach etwas sehnen soll, das nicht zu seinem Berufe paßt. Wem eine Frau gehört, der gehört nicht mehr sich selbst. Und ich habe mich selbst sehr nötig! Mein Beruf war freie Wahl, und er verlangt mich ganz. Er hat mir andre Wege gewiesen als andern, er hat mir aber auch andre Freuden gegeben als andern. Mir wird's im Alter auch mal die Hausdame tun . . . Im übrigen, Rins sollen nicht heiraten.

Und wie der Teufel immer geschäftig ist, hat er uns gleich heute zwei Ehepaare beschert: das Geld und die Liebe . . . Geldheiraten sind ja die Vernunftheiraten par excellence. Aber wie fabelhaft teuer sich auch einer verkauft, er verkauft sich doch lächerlich billig. Auf das Glück warten, bis nichts mehr vorhanden? – Denn dann beginnt doch erst das Eheglück solcher Leute. Aber für diese Weisheit ist selbst die Wissenschaft nicht kühl genug.

Das nennt sich nun Hochzeitsreise, Flitterwochen! – Er ist Oesterreicher, Offizier, mit der geölten Strizzifrisur, dem hübschen Kadettengesicht! Der Wiener Schick, die Kellnergrazie – Mädchen fürs Herz findet so einer übergenug . . . Und dagegen sie, weder jung, noch hübsch, noch liebenswürdig. Und dennoch – Sie essen à part. Gleich nach den Früchten brennt er sich die Virginia an, verbarrikadiert sich hinter der »Neuen Freien Presse«. – Sie liest auch, aber wie eine Frau liest, die einem Manne gegenübersitzt – zerstreut, nervös. Er dagegen ist die satte Ruhe selbst. Zuweilen sieht sie auf, fragt etwas, leise, schüchtern, sie kennt ihn schon. Und er antwortet auch – achselzuckend, kurz zwischen den Zähnen durch, mit schlecht verhehlter Abneigung. Wenn man das Geld sicher hat, braucht man ja keine Gefühle mehr zu heucheln . . . Dann schweigen sie wieder. Ihr ist das Zeitungsblatt auf den Tisch gesunken. Sie weiß alles – und hofft doch noch alles. Da tut mir die Frau furchtbar leid. Die fahlen Augen haben den Charme des Leidens, der Resignation . . . Nach fünf Minuten fragt sie wieder. Dasselbe suchende Lächeln, dieselbe geärgerte Antwort. Um halb zehn gehen sie: gelangweilt er, öde sie, eigentlich schon uralte Menschen auf der Hochzeitsreise. Was Takt hat, sieht ihnen nicht auffällig nach. Und erst an der Tür erinnert er durch den chevaleresken Schwung, mit dem er ihr den Vortritt läßt, an die fade, wertlose Höflichkeit des Friseursalons. Er mag sein, wer er will, er mag heißen, wie er will – ein gemeiner Kerl bleibt er doch. Vor allem diese Kavalierbewegung an der Tür – solche Form ist nicht gute Gewohnheit, nur schlechte Kulisse. Und wenn ich irgend etwas auf der Welt hasse, so ist es die Kulisse, das unwürdige Theater der Herzensroheit. Ich mag nun ein besonders parteiischer Mensch sein oder ein besonders übelwollender Beobachter, aber bei einem solchen Anblick wie heute schäme ich mich immer meines Geschlechts. Das wollen Männer sein und sind nicht einmal Schurken. Ich danke für die Ehre!

Die Liebe auf der andern Seite präsentiert sich freilich ganz anders. Sie haben wohl auch die allerersten Freuden hinter sich. Er wird norddeutscher Dozent sein und trinkt gern echtes Bier. Aber sie ist reizend – jung, frisch, hübsch, mit den schelmisch neugierigen Augen der Hochzeitsreise. Sie lacht viel und zeigt dabei die weißen Zähne. Sie sieht sich ungeniert um. Es ist die grüne Wissenschaft der jungen Ehe, das Hochgefühl des vollen Besitzes . . . Und wie nett sich die beiden unterhalten! – Sie essen auch à part, und ich sitze ihnen gerade gegenüber. Er ist sicher Germanist oder so etwas. Sie sprechen immer viel und lebhaft über Literatur, die sogenannten Größen – aber halblaut, nur für sich. Sie urteilt frei von der Leber weg, sie urteilt so köstlich jung! Natürlich interessiert sie von uns am meisten der Satiriker. Sie studiert das fettige Trinkergesicht, die humoristisch eingekniffenen Augen. Dann beugt sie sich zu ihrem Manne und tuschelt und lacht. Und er hebt beschwichtigend die Hand: »St . . st . .« Der große Mann darf nicht erzürnt werden. Was sie sagte, war ganz sicher eine unvorsichtige Bosheit! – Den großen Mann würde es aber nicht anfechten. Der ist Alkoholphilosoph, und er trinkt seinen Rum am Garda so unentwegt wie in Berlin. Neben ihm hat sich die Rivierawitwe eingeschmuggelt. Nachdem sie der Reihe nach uns Unverheiratete interviewt und keine Gegenliebe gefunden hatte, will sie jetzt wenigstens einen Gedankensplitter für ihr Poesiealbum herausschlagen . . . Das junge Ehepaar empfiehlt sich selten vor elf. Dazu sind ihr Table d'hote-Säle viel zu interessant – und weiß Gott, ob die Kinder noch jemals eine Italienreise gestatten werden. Darin sind junge Frauen oft kluge Realisten. Und wenn sie dann zum Abschied die flüchtige Verbeugung nach unserm Eßtisch machen – er, der forsche, etwas korpulente Herr mit der martialischen Quart und dem besänftigenden Professorenkneifer, etwas eckig; sie, die schlanke Gestalt in dem grauen Reisekleid, etwas schnippisch und doch sicher die beste Frau, der beste Kamerad zugleich – dann sehen wir Männer ihnen neidisch nach und denken: nun kommt die Nacht, die schönere Hälfte des Tages.

Mich packt dann urplötzlich die blasse Angst vor dem rheumatischen Alter, der mürrischen Einsamkeit. Ich sollte wirklich auch eilen, unter die Haube zu kommen . . . Hinterher muß ich mich belächeln. Frauen sind doch nur Surrogat, sie füllen niemals die Tiefen des Lebens ganz aus. Und eine Geliebte – eine, die man wirklich lieb hat? – Das ist eine kostspielige Neigung erstens. Auf meinen kleinen Reisen hielte sie mich nur ab; auf größeren Expeditionen könnte sie mich doch nicht begleiten. Und dann würde ich auch Treue von ihr verlangen, eine unverhältnismäßige Treue, die ich ihr in jahrelanger Abwesenheit doch nicht halten könnte trotz aller Wissenschaft, und die sie mir unentwegt halten soll in der Langeweile, der Einsamkeit, der Armut vielleicht . . . Und dann komme ich am Ende gar nicht mehr zurück – es sind verlorene Tage. Das sündige Leben hat doch schließlich auch sein Recht! Aber schade ist's, daß ich mich niemals ernstlich engagierte. Es war immer längst beendet, noch ehe es eigentlich begann. Ich habe schöne und häßliche, immer etwas brutale Erinnerungen aus aller Herren Ländern – aber kaum eine flache, prickelnde, angenehme, wie sie der preußische Leutnant zu Dutzenden hat . . . Jede wilde Gans lebt in treuester Ehe, selbst der leichtsinnige Spatz baut mit an seinem Nest, den Pflanzen ist die Blüte der Honigmond – alles Lebende paart sich, fühlt sich erst komplett durch die Liebe – und der Mensch, das zwergenhafte Titanengeschlecht, sollte das Recht haben, einseitiger zu sein als die allgewaltige Natur selbst? Alte Kapbüffel sondern sich allerdings beizeiten ab, aber sie sind auch die ungemütlichen Gesellen danach . . . Also Kapbüffel, lieber Robert – ich gratuliere!

Aber es geht wirklich kaum anders.

Die beiden Ehepaare sind wieder abgedampft. Das »Geld« mit einem kostbaren Riesenbukett, die »Liebe« mit einem selbstgepflückten, noch tropfenden Myrtenzweig. Jetzt fangen dafür die Klageweiber beiderlei Geschlechts in unserm Hotel zu jammern an. Der preußische Major starrt in seine Schießinstruktion, der steinerne Gast schlürft mit einem wahren Mephistolächeln seinen Morgenkaffee. Die Witwe mit den Perlenboutons und dem Poesiealbum packt wütend ihre Koffer – sie braucht wirklich Sonne und Liebe, und mit vierzig Jahren ist jeder Tag unwiederbringlich. Der große Satiriker hat sich noch nicht geäußert, ihm ist das trübe Kneipenwetter gerade so recht. Der Komödiant trällert weiter. Ich aber habe mich nachträglich geärgert, wegen so einem bißchen Regen und Dunst dem alten Garda schon böse geworden zu sein. Das ist das Zeichen einer mangelhaften Erziehung, einer bedenklichen Geistesleere, wenn man zum Wohlbefinden immerfort den Widerschein von Licht und Farbe braucht. Ich habe in Afrika und Asien jahrelang Geduld üben müssen – in Europa sollte ich sie schon während zweier Wochen verlieren? Und wie die Natur die Vernunft, die Geduld selbst ist, so leiht sie auch nur ruhiger Ergebung ein williges Ohr.


Noch ist der Himmel grau und tief, aber schon wallen die Nebelschleier zurück, der braune Fuß des Monte Baldo drüben schaut durch – dürr, freudlos noch, die ansteigenden italienischen Ortschaften inmitten ihrer kahlen Kastanienwälder, verschnittenen Weingärten, wie die winzigen Lehmkegel einer Biberkolonie. Rechts drüben wird das Doppelkap von Manerba sichtbar – die riesigen Totenmasken von Kaiser Friedrich, dem alten Goethe. Und hinter der verschwimmenden Halbinsel Sirmione reckt sich geisterhaft der schlanke Turm von San Martino. Und ganz nah, ganz dunkel steigt jetzt die Isola Lecchi vor uns auf. Das ist allerdings kein gutes Wetterzeichen. – Ich halte es darum auch lieber mit unsrer Küste, wo die Wolken hochgezogen sind – die stumpf-grünen Olivenwälder wie aufatmend, der schöne Lorbeerweg auf halber Höhe sattgrün, feucht schimmernd; über Toscolano entwölkt dicht neben dem schroff-schwarzen Gruftfelsen des Monte Castello der König unsrer Berge, der rissige Pizzoccolo, seine überhängende Schneespitze. Auf den Bergen muß über Nacht frischer Schnee gefallen sein. Das Weiß schaut so weich flaumig, und auch tiefer hinein in die Alpen zeigen die Zacken eine neue Nachtmütze.

Trotzdem – ich habe eben mein Herbarium mit den wenigen hier gesammelten Pflanzen durchblättert – und wenn sie der Wissenschaft auch noch so viel wert wären, mir sind sie doch tote Pflanzen. Das Herz im Frühling sehnt sich nun einmal nach lebendigen Blütenformen . . . Erst muß ein Gewitter die lauernden Wolken davonjagen, ein scharfer Wind die widerlich weiche Schwindsuchtsluft hier reinigen. Ich muß erst den ganzen Monte Baldo-Buckel schneeweiß und eisklar leuchten sehen! Poeten mögen meinetwegen von der Lenzfee träumen, die aus Sonnenaugen lächelt, den tiefblauen Mantel über den ganzen See nachschleifend, die Firngipfel der Hermelinbesatz, und das Ganze besät mit glitzernden Brillanten, leuchtenden Saphiren. – Die nüchterne Wissenschaft wird wohl mal wieder recht behalten, aber die Lenzfee der Poeten braucht darum noch kein unebenes Frauenzimmer zu sein.

Morgen wird eine ganz vornehme Gesellschaft erwartet. Der Oberkellner flüsterte es mir geheimnisvoll beim Bratenservieren zu, während mir der Pikkolo die Sauce über den Arm goß.


Sie sind gekommen. Nach dem Koffergepolter auf den Treppen unbedingt Fürstlichkeiten; nach den hochgeröteten Stubenmädchengesichtern wenigstens anspruchsvolle Weltdamen. Ich sah sie noch nicht, und sie kümmerten mich auch nicht. Ich saß während der Zeit im Konversationszimmer und schrieb; die Glastür zum Eßsalon war angelehnt. Mein weißer Carlo mit den Vergißmeinnichtaugen, den ich nächstens für einen Ueberkater zu halten beginne, liegt unbeweglich auf meinem Schreibtisch und blinzelt und sieht zu, und ich glaube wahrhaftig, daß er mein Tagebuch auswendig lernt. Er ist ganz entschieden unter seinesgleichen der staatsmännische Philosoph. In Italien wird ja die Katze verhätschelt und der Hund mißhandelt, darum sind die ersteren hier gebildeter und bei uns die letzteren. Ich hielt meinen Ueberkater anfänglich für feige, doch er bewies mir das Gegenteil. – Einmal, an dem historischen Tage, wo ich schrieb und wo die Fürstlichkeiten kamen, war es mir, als wenn ein Mensch durch die Glastüre hineinguckte. Gleich darauf schnupperte etwas – ein leises Kß! Und plötzlich tanzt mit einem rasenden Gekläff der blutdürstigste Terrier um meinen Schreibtisch, und das in so rennmäßigen Sprüngen, daß entweder der Kater oder mein Tagebuch nächstens ernstlich gefährdet ist. Mein Ueberkater erhebt sich ohne Eile, macht den berühmten Buckel, schlägt mit dem Schweif – ein Augenblick des ruhigen Ueberlegens –, und wie eben der Terrier atemlos von einem mißglückten Versuche zurückfällt, sitzt er ihm auch schon auf dem Rücken. Und ein Gefauche, ein Gewinsel, Gebelfer! Innerlich war ich auf seiten meines Freundes, der doch angegriffen war und auch jetzt nicht mal nach den Augen hackte . . . Da wieder ein Glasklirren – ein heiserer Ton – ein wahrer Hindernissprung: und zur Abwechslung sitzt diesmal der zweite Terrierkollege meinem Kater an der Kehle. Ich liebe ungleiche Kämpfe nicht. Ich erwische glücklich meinen Freund beim Schopf, wobei ich eine Katzenkralle und einen Hundezahn gleichzeitig voller Freundschaft in meiner Hand fühle. – Die beiden Köter bereiten sich jetzt zu einer Attacke auf mich vor, so daß ich nachher den einen mit einem gediegenen Fußtritt wieder durch die Glastür befördern mußte, während der andre sich kampfbereit zurückzog. Mein Kater hatte sich derweilen an meiner Schulter festgekrallt und miaute wütend. Es muß eine äußerst komische Situation gewesen sein . . . Und da erscheint denn zum ganzen Glück noch eine junge, hübsche Dame und sagt hochmütig: »Das sind meine Hunde!«

Ich erwidere präzis: »Gewiß. Aber warum hetzen Sie sie denn auf fremde Katzen?«

»Ach Katzen!« Darauf dreht sie sich mit einem Achselzucken um, und ich höre sie nebenan provokant ihre schlechterzogenen Terriers bedauern und liebkosen. – Wenn sie zu jener fabelhaft vornehmen Gesellschaft gehört, so habe ich da von vornherein verspielt. Ich denke, ich werde es noch ertragen können . . . Aber das Mädel hat ein wunderhübsches Organ – selbst bei dem heimtückischen »Kß«, was fraglos von ihr herrührte. Ich liebe schöne Stimmen sehr. Und diese Stimme hat wirklich Metall.

Während ich dies auf meinem Zimmer schreibe, diesmal ohne Kater, beginnt's über dem See zu wetterleuchten. Das Goetheprofil starrte einen Augenblick in einem wunderbar bläulichen Leichenlichte. Doch die Donner rollen sehr vorsichtig, sehr ferne. Vielleicht kommt der Frühling, vielleicht auch nicht.

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