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Der Übergang

Jakob Julius David: Der Übergang - Kapitel 16
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typefiction
authorJakob Julius David
titleDer Übergang
publisherVolk und Welt
seriesRomanzeitung
year1968
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Viertes Kapitel

Adam Mayers Ausgang

Am äußersten Saume der Großstadt steht das Tanzlokal. Am Hügelabhang.

Dahinter dehnt sich freies Feld, zu schlechten Zeiten oftmals der Unterschlupf der Stammgäste. Denn hier ist ein beständiger und sehr merklicher Wandel der Vermögensverhältnisse; oftmals selbst über Nacht.

Zu anderen Malen ist es der Schauplatz wüster Szenen, die eine gnädige Nacht verhüllt. Schande und Verbrechen haben hier in öden Baracken, die man einmal zu irgendeinem Zweck errichtet und abzubrechen vergessen, die gemeinsame Schlummerstatt. Hilferufe manch einer, die man zuerst hierher gezerrt, bis sie sich später freiwillig da einfand, verhallen ungehört, ehe sie die nächsten, zerstreuten Häuser erreichen. Die Sicherheitswache scheut diesen Posten als gefährlich. Denn das Messer arbeitet flinker und sicherer als der Säbel.

Hierher zog es den Adam und die Marie.

Er legte sein Seitengewehr vorschriftsmäßig ab, und sie betraten den Tanzraum, der schon sehr gefüllt war.

Die Musik, von der Art, daß sie einem »am Geigendarm die Seele aus dem Leibe zieht«, schrillte durch eine schwüle und stickige Luft. Denn man tanzte, die Zigarre schief im Mundwinkel. Der süßliche Geruch schlechten Zigarettentabaks schlug durch, beklemmte, reizte zu einem unablässigen Hüsteln.

An den Wänden keinerlei Schmuck, wenn man nicht schlechte Ölfarbendrucke in blinden Goldrahmen oder gar großgedruckte Verordnungen mit sehr klaren Vorschriften, bestimmt, Zucht und Ordnung in dieser Gesellschaft zu erhalten, dafür gelten lassen wollte; da und dort ein Spiegel, damit die Mädchen einen Blick hineintun könnten. Der Boden voll von Zigarettenresten und Tabakstummeln.

Dienstmädchen, die schon so lange ohne Stellung waren, daß es wirklich kaum lohnte, sich erst wieder eine zu suchen, wo man es doch vor den ewigen Sekkaturen der Gnädigen nirgends aushalten konnte. Und endlich – es ging auch so. Verhungert war noch keine, und man genoß mindestens sein Leben, solange man jung und hübsch war. Was hernach kam? Wen ging's was an, und wozu sich darüber Gedanken machen?

Die Burschen hatten freche Gesichter. Alle sahen, trotz ihrer Verlebtheit, jünger aus, als sie waren. Sehr viele waren von Blatternarben entstellt, »als hätte der Teufel auf ihnen Erbsen gedroschen«. Alle trugen sie Spitznamen, die häßlich ans Rotwelsch anklangen und gern auf irgendein Gebrechen deuteten. Und sie waren sämtlich heiser vom vielen Biertrinken und dem häufigen Nächtigen im Freien.

Tanzen aber konnten sie allesamt meisterlich. Es war Schwung und Leidenschaft in jeder Bewegung, wie sich's gar nicht erlernen läßt. Ein Reizmittel, unwiderstehlich, das jeden Nerv in ihnen aufpeitschte, war die Musik und der freche, triviale Rhythmus, mit dem hier jede Weise heruntergehudelt und zum Gassenhauer verzerrt wurde. Denn jedes Tempo ist diesen hastigen Füßen immer noch zu langsam.

Man ließ sich zu essen und zu trinken geben. Das Beste, was dieses Haus vermochte. Der Adam knauserte nicht. Nur keinen rechten Hunger hatte er. Desto gieriger trank er in sich hinein und blickte mit heißen Augen in dieses Gewühl, um das die Leidenschaften dampften, ohne die fahlen Wangen der Männer röten zu können.

Hier war er König. Hier galt er immer noch. Er drückte den Arm der Marie so heftig, daß es ihr beinahe wehe tat, und neigte sich immer näher zu ihr. Sie lächelte dazu; breit, frech, ihrer selbst und ihrer Sache sicher.

Er war den Abend sehr wortkarg. Manchmal sprudelte es aus ihm; unsinnig, eben nur Worte wie aus dem hohlen Faß. Die Marie täuschte er damit nicht, und sie wußte nur nicht, was sich in der kurzen Weile mit ihm begeben haben könne, die man einander nicht gesehen. Hernach versank er wieder in sein dumpfes Stillschweigen, daß ihn befiel, ohne daß er es abschütteln konnte. Und eine innere Glut, stark, daß er besorgte, man müsse ihren Loderschein merken, stieg ihm bis an die Ohren.

Er war anders als sonst. So schwer aufzumuntern war er. Und so voll geheimer Boshaftigkeiten. Das sah die Marie wohl, und sie wurde ärgerlich. Denn man war nicht hierhergekommen, um sich auszulangweilen oder damit man einander anschmachte. Sie stieß ihn fordernd an. Er schrak auf und stierte bösartig nach ihr.

Zu den beiden gesellte sich der Pepi. Er war aufgetaucht, ganz plötzlich, und nahm an ihrem Tische Platz, als stünde ihm das Recht unbestritten zu, legte sich vor, bediente sich sehr ungescheut und schwatzte erschrecklich viel und wie eine Elster durcheinander. Hatte ihn wer bestellt? Der Adam mußt' es denken. In ihm selber aber war immer noch ein lähmender Stumpfsinn. Alle seine Schlagfertigkeit schien von ihm gewichen. Er lachte zu den Witzen des Genossen, grölend, ohne zu wissen worüber, an den unpassendsten Stellen, ohne daß ihm eine Entgegnung einfiel. Was der nur zusammengagazte! Und wie gierig ihm das Mädel horchte! Nur ein großer Haß gegen den Schmarotzer, der sich's da wieder auf seine Kosten gut geschehen ließ und sich dabei nicht einmal entblödete, unter seinen Augen mit seinem Mädel zu scharmieren, war in ihm und suchte unbeholfen nach einem Anlaß, deutlich zu werden. Aber es war heut über dem, was immer er unternahm, wie ein Druck, der immer ärger wurde.

Er blickte, eine Ablenkung suchend, in das Gewühl. Das schob sich schwindelig und verwirrend durcheinander. Alle möglichen Haarfarben leuchteten; auch Grauhaarige suchten hier noch ihre Lust und wurden begehrt. Manche tanzten gar im Kopftüchel, und einer anderen brandrote Flechten flammten frech und fordernd vor.

Der harte Akzent der Tschechin; das Lispeln der Polin; echt wienerische Gurgellaute durcheinander. Johlen und Kreischen aus Brüsten, welche die Lust zu sprengen drohte. Dröhnendes Lachen und gurrendes Kichern; schweres, beabsichtigtes Stampfen auf den Boden, daß die Stube zu zittern schien; ein tierisch-wilder Juchzer, der die schwüle und schwälende Luft zerriß. Paare, die verschwinden; Neue, die in den Reigen treten, der sich ununterbrochen – endlos, immer wiegend und taumelig dahinzieht. Er merkte gar nicht, daß die Marie von seiner Seite verschwunden war. Über ein Weilchen kam sie, schnell atmend, wieder. Pepi geleitete sie sehr ritterlich zu ihrem Platz. Adam fuhr auf: »Schmarotzer! Willst leicht da auch schmarotzen?«

Die Marie maulte. »Du tust ja nix dergleichen!« Er beruhigte sich und trank.

Es war aber ein böser Tropfen in seinem Glase. Er empörte das ohnedies hitzige Blut des Adam. Ohnedies war er in einer Stimmung, die er an sich noch nicht kannte: im höchsten Grade schreckhaft und wieder argwöhnisch; erfüllt von einem Wunsch nach übermäßiger Lustbarkeit und in sich dumpf und irgendwohin horchend. Er hatte das Gefühl, die Beine würden ihn nicht tragen. »Ja – die drei Stöck!« murmelte er und sah um sich, ganz erschrocken, ob ihn nicht vielleicht einer gehört habe. Wenn schon! Wer wußte denn, was ihm in diesen Worten lag?

»Tanzen wir eins!« Er erhob sich schwerfällig. Aber alle seine Müdigkeit und Beklommenheit war verflogen, da er antrat. Ja, das konnt' er wie keiner! Wie er die Marie nun zierlich und ritterlich nur mit einer Hand führte, deren Leitung dennoch unwiderstehlich war, sie nun wieder mit beiden Armen an sich riß und sie in – immer schnellerem, ja schamlosem Rhythmus schwenkte, sich zu ihr neigte, daß der heiße und fliegende Odem ihres Mundes ihm über die Schläfen hauchte, und wie er sich dann wieder abkehrte von ihr – da kam ihm keiner unter diesen behenden und verwogenen Gesellen gleich.

Er wußte das wohl und berauschte sich daran. Zu immer kühneren Figuren. Er konnte gar nicht müde werden. Es war eine Freude, ihm zuzusehen. Die Marie, die doch etwas aushielt, spürte, wie ihr die Knie zu zittern begannen, wie ihr Herz schlug, daß sie schier keinen Atem mehr bekam. »Auslassen!« ganz schwach. Er entließ sie mit einem triumphierenden Blick und einem gellen Aufschrei der Lust, nahm sich die Rothaarige und raste mit ihr weiter, unbändig, rastlos wie ein rechter losgelassener Teufel. Kam er aber an der Marie vorüber, dann neigte er sich immer wieder zu ihr: »Hast genug, Mariedel?« und verschlang sie mit begehrlichen Blicken.

Endlich hatte auch er genug. Mitten im Tanz blieb er stehen, sank auf seinen Stuhl, füllte sich seinen Stutzen und leerte ihn mit einem Zuge.

»Noch ein' Wein! Aber einen bessern möcht' ich!« befahl er.

Eine unendliche Hellhörigkeit war in ihm. Durch all den Trubel meinte er jedes Wispern zu vernehmen und deuten zu können; jedes Summen und Sausen der Gasflammen. Und wider Willen mußte er auf alles horchen. Als wäre jeder Laut wichtig und enthielte irgendeinen geheimen Bezug auf ihn, den er sich nicht entgehen lassen dürfe.

Die Marie hatte sich verschnauft. Sie tanzte mit dem Pepi. Ja, das Verreckerl hielt nicht viel aus, dachte der Adam hämisch, da sie ein anderer nahm. Mit einer immer gleichen, unauslöschlichen Begierde folgte er ihrer Gestalt durch alle Verschlingungen des Tanzes und dennoch wieder mit einem tiefen Mißtrauen. Denn sie war schlecht, in die Seele hinein schlecht war sie ja doch.

Halt, so paßten sie zusammen, mußte er sich denken. Und es schüttelte ihn dabei wie aus einem starken Widerwillen, gegen den man nichts vermag.

»Jetzt ist's genug«, befahl er hart. »Da schmeißt dich nieder und trinkst.«

Sie gehorchte unwillig genug: »Nachher könntest aber auch ein wengerl unterhaltlicher sein.«

»'s ist mir net danach«, knurrte er mürrisch.

»Dann laß mir meinen Spaß.«

»Na!« Das kam sehr hart und stockisch. »Da bleibst und trinkst eins mit mir. Nachher wird pünktlich gegangen.«

»Es verlangt sich mir aber no gar net.«

»Aber mir will sich's!« Und sein Blick war so, daß selbst sie etwas wie Scham und Furcht in sich erwachen fühlte. Und die kannte auch den Ton und sie wußte: klang er einmal an, so war Widerstand gefährlich.

Der Pepi kam wieder. Er drängelte sich an die Marie und wollte sich einschenken. Adam zog mit einem bösen Fluch die Flasche weg.

»Was hast d' denn heut' nur wieder, Adam?«

»Gefressen hab' ich dich. Schleich' dich! Aber schleunig.«

»Du bist heut' net schlecht grob«, maulte die Marie und lächelte ein Lächeln nach dem Pepi, von dem der Adam fühlte, es könnte ihn den letzten Rest seiner Besonnenheit und einem anderen das Leben kosten. Aber er hielt noch an sich, empfand aber freilich dabei, wie alle Stränge seiner Selbstbeherrschung krachten und zu reißen drohten.

»Ja. Du bist heut' net schlecht grob«, echote der Pepi, der mutiger ward, weil er sich in so mächtigem Schutz sah. »Wegen ein'm Tröpferl Wein!«

»Beehrst halt wem andern!« Adam erhob sich mit bedrohlich funkelndem Auge. »Gegangen wird. Wirtshaus! Zahlen.«

»Gehst wirklich schon, Adamerl?« schmeichelte die Marie.

»Ich hab's gesagt, und ich mein's. Die Gesellschaft stiert mir's.« Er sagte die Zeche an, die ziemlich ins Geld ging. »Garderobe für die Fräulein!« und er warf noch eine Krone hin.

»Bleibst vielleicht noch ein wengerl? Mir zulieb?«

»Na. Net einen Augenblick mehr.«

»Und warum denn, Adamerl?«

»Weil ich's satt und gefressen hab'. Alles. Verstehst? Han?«

Der Pepi half dem Fräulein Marie in ihre Jacke. Was der Bursche sich heut überhaupt und besonders dabei für Vertraulichkeiten herausnahm! Er fingerte ihr doch ordentlich am Halse, und sie schloß die Augen wie eine Katze, die man strählt. Dem Adam kam's wie ein Koller: »Das Madel laßt aus, du Wurstel.«

Die Marie begütigte: »Wenn du net hilfst? Und er hat überdem net einmal was Unrechtes tan.«

»Das a no? Und gar vor meiner am End'? Geh'!« Und der Adam lachte grimmig.

»Ich weiß net, wie du heut bist«, meinte der Pepi gekränkt. »Immer willst wem an. Da könnt' man rein auf Gedanken kommen.«

»War' dir gar nützlich, kämst einmal auf so was. Aber behalt' sie nachher für dich, hörst? Ich bin net neugierig. Und ich bin halt so, wie ich bin. Allo marsch.«

»Just net. Ich bleib' just da«, entschied die Marie, nun ernstlich gekränkt, und setzte sich trutzig nieder. »So 'rumschaffen lass' ich net mit mir. Dahier bin ich kein Dienstbot'. Ich find' schon noch Gesellschaft.«

»Gehst mit? Ob'st d' mitgehst?« Der Adam zischte förmlich und riß die Marie heftig am Arm.

»Ob'st d' loslassen wirst? Du zerreißt mir mei' Jacken.« Sie knöpfte sie langsam wieder auf und sah gereizt und herausfordernd nach ihm.

»Wenn die Fräulein Marie aber dableiben will?« mengte sich der Pepi ritterlich und seine Zeit witternd ein. Adam fuhr ihn an: »Maul halten. Oder du fängst eine.«

Man merkte schon, was sich da entspann. Man war neugierig geworden. Sitzende erhoben sich und warfen spitze Reden darein mit jener Freude am Schüren fremden Haders, die allgemein menschlich ist. Ein Kreis bildete sich um sie. »Gleich werden s' raffen«, krähte ein dünnes Stimmchen, noch atemlos vom Tanz und in der Erwartung eines neuen Vergnügens. Der Reigen ging weiter, ließ die häßliche Luft erzittern. Der Pepi fühlte sich durch die Zuschauerschaft befeuert, verpflichtet, die allgemeine Erwartung in seine Schneidigkeit zu rechtfertigen. Viel konnte ihm doch nicht geschehen. Und so sah er dem anderen so fest ins Auge, als er's vor aller Scheu nur irgend konnte. »Red' net so frech daher«, entgegnete er, »oder ich drück' dir eine an.«

Adam zuckte hochmütig die Achseln. »Abfahren sag' ich, Wurstel!«

Pepi wurde immer mutiger, als der andere nicht gleich zu Tätlichkeiten überging. Und eine Unterredung, die nun schon lange Jahre hinter ihnen lag, fiel ihm ein. Damals hatte er sich von einem Mädel wegschrecken lassen, das ihm gut gefiel, nur weil es sein Kamerad wollte; aber eben damals hatte doch auch der Adam gesagt, er hätte eigentlich keinen Mut, und er glaube, wenn ihm einer dreist entgegenträte, so würde er sich an den nicht trauen. War nicht vielleicht der Augenblick gekommen, ihm manche Demütigung, geschluckt im Laufe der Jahre, heimzuzahlen? Ihm vor seiner Geliebten zu zeigen, daß man sich vor ihm und seinem Maul nicht fürchte? »Selber abfahren, Fallot ...«

Ein Aufschrei. Sinnlos stürzte der Adam vorwärts. Er schlug wie ein Wütender: »Zweimal in einem Tag Fallot? Dös ist zuviel. Hin mußt werden. Hin und auf der Stell', Hundling, elendiger!«

Der Pepi suchte sich des Rasenden zu erwehren. Er wich, feige Tücke im Auge, das lauerte und lauerte. Und plötzlich – er wußte später nicht mehr, wie er sein Schnappmesser in die Hand bekommen und es geöffnet habe – blinkte etwas, stieß vorwärts. An etwas Hartem kam's an – bog sich, ging so glatt und mühelos weiter, drang tief in etwas. Der Adam stand still. Seine rechte Faust öffnete sich; die gespreizten Finger griffen in die Luft. Er bog sich nach rückwärts, ächzend, furchtbar ächzend: »Mir haben s' was tan«, stöhnte er, roten Schaum vorm Mund. »Was tan haben s' mir. Ham möcht' ich. Ham.« Und er stürzte nieder.

Das war mit einer unbegreiflichen Schnelle geschehen. Noch ehe einer der Polizeivertrauten seinen Adler aufstecken und einschreiten konnte. »Patrull ...« Ein Schreckensruf. Die Tänzer zerstoben. Die Musik schrillte ab. Paare, die ganz versunken im süßen Taumel nichts gemerkt hatten, sahen sich verdutzt um.

Neben dem Adam hatte sich die Marie niedergeworfen. Sein Blut strömte vor, unhemmbar, ihr übers Kleid. Sie achtete nicht darauf. »Stirb mir net, Adamerl, mein Adamerl«, jammerte sie in einem traurigen Diskant. Den Pepi hielten zwei Agenten mit eisernem Griff. Er dachte nicht an Widerstand. Er winselte nur, eintönig, jämmerlich.

Der Arzt beugte sich über den Liegenden. »Stich ins Herz! Der Tod muß augenblicklich eingetreten sein.«

»Wer weiß seine Leute?«

»Ich«, stöhnte die Marie und erhob sich sehr mühselig und ganz in Tränen. »Ham möcht' er, hat er noch auf die letzt' gesagt.«

Man hob ihn auf und trug ihn von dannen. Aus der Ferne, verschüchtert, sahen die anderen, scheu aus der Dunkelheit auftauchend, dem Zuge nach, der den letzten Adam Mayer aus der Adam-Mayer-Gasse entführte. Niemand gab ihm das Geleit, nur gefesselt der Freund, der ihn niedergestochen, nur die Dirne, um die er sein Leben vor der Zeit vertan.

Dann erloschen die Lichter. Der Tanz war zu Ende.

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