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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Der Tragödie zweiter Teil

Johann Wolfgang von Goethe: Der Tragödie zweiter Teil - Kapitel 14
Quellenangabe
typetragedy
booktitleFaust II
titleDer Tragödie zweiter Teil
authorGoethe
senderOxford Text Archive
correctorhille@abc.de
copyright1995 abc.de Internet-Dienste(HTML-Text)
firstpub1833
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Ein Andrer
Ich schaffe gleich dem Liebchen Kett' und Ringe.

Kämmerer
Von nun an trink' ich doppelt beßre Flasche.

Ein Andrer
Die Würfel jucken mich schon in der Tasche.

Bannerherr
Mein Schloß und Feld, ich mach' es schuldenfrei.

Ein Andrer
Es ist ein Schatz, den leg' ich Schätzen bei.

Kaiser
Ich hoffte Lust und Mut zu neuen Taten;
Doch wer euch kennt, der wird euch leicht erraten.
Ich merk' es wohl: bei aller Schätze Flor,
Wie ihr gewesen, bleibt ihr nach wie vor.

Narr
Ihr spendet Gnaden, gönnt auch mir davon!

Kaiser
Und lebst du wieder, du vertrinkst sie schon.

Narr
Die Zauberblätter! ich versteh's nicht recht.

Kaiser
Das glaub' ich wohl, denn du gebrauchst sie schlecht.

Narr
Da fallen andere; weiß nicht, was ich tu'.

Kaiser
Nimm sie nur hin, sie fielen dir ja zu.

Narr
Fünftausend Kronen wären mir zu Handen!

Mephistopheles
Zweibeiniger Schlauch, bist wieder auferstanden?

Narr
Geschieht mir oft, doch nicht so gut als jetzt.

Mephistopheles
Du freust dich so, daß dich's in Schweiß versetzt.

Narr
Da seht nur her, ist das wohl Geldes wert?

Mephistopheles
Du hast dafür, was Schlund und Bauch begehrt.

Narr
Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh?

Mephistopheles
Versteht sich! Biete nur, das fehlt dir nie.

Narr
Und Schloß, mit Wald und Jagd und Fischbach? –

Mephistopheles
Traun!
Ich möchte dich gestrengen Herrn wohl schaun!

Narr
Heut abend wieg' ich mich im Grundbesitz! –

Mephistopheles
Wer zweifelt noch an unsres Narren Witz!

Finstere Galerie

Mephistopheles
Was ziehst du mich in diese düstern Gänge?
Ist nicht da drinnen Lust genug,
Im dichten, bunten Hofgedränge
Gelegenheit zu Spaß und Trug?

Faust
Sag mir das nicht, du hast's in alten Tagen
Längst an den Sohlen abgetragen;
Doch jetzt dein Hin- und Widergehn
Ist nur, um mir nicht Wort zu stehn.
Ich aber bin gequält zu tun:
Der Marschalk und der Kämmrer treibt mich nun.
Der Kaiser will, es muß sogleich geschehn,
Will Helena und Paris vor sich sehn;
Das Musterbild der Männer so der Frauen
In deutlichen Gestalten will er schauen.
Geschwind ans Werk! ich darf mein Wort nicht brechen.

Mephistopheles
Unsinnig war's, leichtsinnig zu versprechen.

Faust
Du hast, Geselle, nicht bedacht,
Wohin uns deine Künste führen;
Erst haben wir ihn reich gemacht,
Nun sollen wir ihn amüsieren.

Mephistopheles
Du wähnst, es füge sich sogleich;
Hier stehen wir vor steilern Stufen,
Greifst in ein fremdestes Bereich,
Machst frevelhaft am Ende neue Schulden,
Denkst Helenen so leicht hervorzurufen
Wie das Papiergespenst der Gulden. –
Mit Hexen-Fexen, mit Gespenst-Gespinsten,
Kielkröpfigen Zwergen steh' ich gleich zu Diensten;
Doch Teufels-Liebchen, wenn auch nicht zu schelten,
Sie können nicht für Heroinen gelten.

Faust
Da haben wir den alten Leierton!
Bei dir gerät man stets ins Ungewisse.
Der Vater bist du aller Hindernisse,
Für jedes Mittel willst du neuen Lohn.
Mit wenig Murmeln, weiß ich, ist's getan;
Wie man sich umschaut, bringst du sie zur Stelle.

Mephistopheles
Das Heidenvolk geht mich nichts an,
Es haust in seiner eignen Hölle;
Doch gibt's ein Mittel. –

Faust
Sprich, und ohne Säumnis!

Mephistopheles
Ungern entdeck' ich höheres Geheimnis.
Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit,
Um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit;
Von ihnen sprechen ist Verlegenheit.
Die Mütter sind es! –

Faust
Mütter! –

Mephistopheles
Schaudert's dich?

Faust
Die Mütter! Mütter! – 's klingt so wunderlich!

Mephistopheles
Das ist es auch. Göttinnen, ungekannt
Euch Sterblichen, von uns nicht gern genannt.
Nach ihrer Wohnung magst ins Tiefste schürfen;
Du selbst bist schuld, daß ihrer wir bedürfen.

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