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Der Spruchbauer

Josef Baierlein: Der Spruchbauer - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer Spruchbauer
authorJosef Baierlein
yearca. 1910
firstpub1907
publisherJosef Habbel
addressRegensburg
titleDer Spruchbauer
pages215
created20141211
sendergerd.bouillon@t-online.de
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4.

Zur Zeit der Grummeternte schickte der Wiesenbauer wieder einmal zu Stephan, er möchte am andern Tag beim Hereinbringen des Futters mithelfen; er hätte dasselbe gerne unter Dach und Fach, weil das Wetter nicht mehr fest scheine.

»Ich wollte,« sagte Stephan zu seiner Mutter, welche ihm die Botschaft ausrichtete, »der Wiesenbauer tät' sich noch einen Dienstboten einstellen. Ich bin doch sein Knecht nicht, daß er mich alle Fingerlang zu einer anderen Arbeit für ihn begehrt!«

»Bist Du auf einmal so ung'fällig worden?« fragte die Bäuerin, indem sie ihn mit einer Art Sorge betrachtete. »Der Nachbar wird halt glauben, seine Einladung tät' Dir eine Freud' machen; denn ganz sicher hilft die Lene mit beim Heurechen.«

»Das glaub' ich schon selber, und auch das weiß ich im voraus, daß sie dabei wieder ein anderes neues Kopftüchl aufhaben wird, und einen anderen neuen Rock am Leib und eine blumichte 18 Schürze drüber. Leicht hat sie auch wieder knarzende Lederschuh' an'zogen, wie neulich beim Holzabladen.«

Der unverhohlene Spott, mit dem ihr Sohn das Arbeitsgewand des Mädchens beschrieb, bekümmerte die Frau. Das war kein gutes Zeichen für des Wiesenbauern Tochter. »Merkst denn nicht,« sagte sie, »daß die Lene allemal wenn Du dabei bist, sich nur dessentwegen so sauber macht, weil sie Dir g'fallen möcht'?«

»Wenn sie das wollt', müßt' sie sich wohl anders benehmen.«

»Wie meinst denn das, Stephan?«

»Ich mein' halt, daß ich's nicht leiden kann, wenn ein Frauenzimmer ungattiger ist als das gröbste Mannsbild. Mit ihrem Vieh und auch mit den Leuten springt die Lene um, daß ich mich für sie schämen tu'. Kaum macht ein Gaul oder ein Zugochs einen falschen Tritt, sagt sie nicht etwa Hüst oder Hott, – nein, sie schlagt gleich mit dem Geißelstecken auf das arme Tier ein und flucht dazu und sackermentiert, ärger wie ein b'soff'ner Wagenschmierbrenner. Soll mir so 'was g'fallen? Und wenn sie nur mit dem lieben Vieh allein so barbarisch umgeh'n tät'! Aber den Dienstboten geht's auch nicht besser bei ihr. Da muß der Wiesenbauer kürzlich eine neue Kleinmagd 'dungen 19 haben; wenigstens ist mir das Mädel früher nicht vor Augen 'kommen – –«

»Eine neue Kleinmagd?« fragte die Bäuerin dazwischen, »jetzt außer der Dienstzeit? Davon weiß ich gar nichts. Wie schaut sie denn aus?«

»Ach, sie ist ein schmächtig's, schmal's, blutjunges Ding, – kaum achtzehn oder neunzehn Jahr' alt. Man sieht ihr's an, daß sie noch nicht viel Bauernarbeit 'tan hat; denn sie stellt sich noch ein bißl tappig an und ihre Händ' sind auch so klein und weiß. Im übrigen aber ist sie ein hübsches G'schöpf mit dicken braunen Zöpfen und guten Augen.«

»Nun,« sagte sie schier verwundert, »Du hast Dir ja die Kreszenz fast g'nauer ang'schaut, als so ein fremdes Leut es wert ist.«

»Richtig, Kreszenz heißt sie. So hat die Lene sie immer gerufen. Du weißt also doch 'was von ihr, Mutter?«

»Nicht viel; nur daß der Wiesenbauer sie nicht als Magd aufgedungen hat.«

»Als was denn sonst?«

»Sein Weib hat das Mädel nur aus Gnad' und Barmherzigkeit ins Haus g'nommen, weil sie die Firmpatin ist davon. Der Kreszenz ihre Eltern sind nämlich Schullehrersleut' g'wesen in Elsenfeld, zwölf Stunden von hier, und die Mutter war schon vor ein paar 20 Jahrln wegg'storben. Drum hat das Mädel ihrigem Vater haushalten müssen, bis er nächst auch die Augen zu'druckt hat. Und weil also die Kreszenz kein Unterstand g'habt hätt', dessentwegen ist sie zu ihrer Patin, der Wiesenbäuerin, 'gangen, und die hat s' aufg'nommen, – aber nicht als Magd, sondern aus lauter gutem Willen. Denn das Mädel, sagt die Wiesenbäuerin, ist so dumm, begreift alle Arbeit so schwer, und verdient kaum eine ung'schmalzene Wassersuppen; an einen Lohn, wie man ihn einer Magd bezahlt, wär' da gar nicht z'denken.«

»So, so,« machte der Spruchbauer nachdenklich. »Na, weißt, Mutter, seine Wassersuppen muß dasselbige Firmkind schon recht sauer verdienen. Denn, damit ich meine vorige Red' nicht vergeß': – wie die Lene mit deriger Kreszenz umspringt, das ist nicht zu sagen. Ich tät' mich Sünden fürchten, wenn ich einer offenkundigen Zuchthäuslerin solchene Schimpfnamen anhängen wollt', wie sie der armen Dingin alle Täg' zwanzigmal an den Kopf schmeißt. Daß sie das junge Mädel nicht mit dem Geißelstecken prügelt wie das liebe Vieh, – 's andere alles! Aber ob es nicht schon Schläg' 'kriegt hat, etwa wenn ich nicht dabei war, das weiß ich nicht. Nach dem, wie ich die Lene jetzt kennen g'lernt hab', wär' auch das möglich.«

21 »Ich glaub', Stephan, Du bist in deriger Sachen ein bißl z'streng,« wandte die Bäuerin ein, welche die künftige Schwiegertochter gerne entschuldiget hätte. »Eine tüchtige Frau muß allzeit fest hinter den Leuten her, und drum schadet's gar nichts, wenn die Lene ein wengl rösch mit ihnen umgeht. Sie hat halt einen solchenen Hamur.«

»Für den bedank' ich mich, Mutter! Ein Lot Mitleid ist mehr wert als eine Schubkarrenladung Grobheit. Und ich will Dir nur ganz aufrichtig g'stehen: die Röschen von der Lene g'fallt mir gar nicht.«

Damit wollte er die Stube verlassen, in welcher dieses Gespräch stattfand, als ein Pochen an der Tür laut wurde. – 22

 


 

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