Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Josef Baierlein >

Der Spruchbauer

Josef Baierlein: Der Spruchbauer - Kapitel 14
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDer Spruchbauer
authorJosef Baierlein
yearca. 1910
firstpub1907
publisherJosef Habbel
addressRegensburg
titleDer Spruchbauer
pages215
created20141211
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

13.

Kreszenz hatte die Rede des Spruchbauern, welche er wider seine Gewohnheit nicht in lässigem, sondern in eindringlichem Tone an sie richtete, nur zum Teile erfaßt. Daß die Gerüchte von einer baldigen Verheiratung mit Lene nur leerer Wind waren, mußte sie nach seiner feierlichen Versicherung freilich glauben; aber daß er ihr mit seinen letzten leidenschaftlichen Worten eine Liebeserklärung gemacht, daß sie die Bedeutung hätten, sie solle statt Lene als Bäuerin in seinem Hof hausen, auch wenn letztere vor Neid und Eifersucht verginge, das war ihr nicht klar geworden. Die Worte waren unverstanden vor ihrem Ohr vorbeigerauscht, weil sie zu bescheiden war, um einen tieferen Sinn darin zu suchen.

Dem Umstand, daß Kreszenz dadurch dem jungen Mann gegenüber unbefangen blieb, hatte er es zu verdanken, daß das Gespräch wieder in ruhigere Bahnen einlenkte. So fuhr er denn nach einer kleinen Pause fort:

73 »Um auf das z'ruckz'kommen, was ich vorhin g'sagt hab, so versteh' ich halt, daß die Wiesenbäuerin Dich meinethalben fort'packt hat – –«

»Ach, wer weiß?« suchte das Mädchen abzuwehren.

»G'wiß ist es so, – weil die Lene an ihrer Muttern so lange 'bohrt hat, bis die auf ihren Willen ein'gangen ist.«

Kreszenz seufzte. Sie konnte ja nicht widersprechen, da sie selbst überzeugt war, daß er mit seiner Vermutung das Richtige traf.

»Damit hat die Wiesenbäuerin ein großes Unrecht an Dir begangen.«

»Sie war doch die Frau und einer solchenen steht's zu, fremde Leute fortz'schicken zu jeder Zeit, wann sie will. Als Dienstmagd bin ich ja nicht ein'dungen g'wesen.«

»Ein Unrecht war's; dabei bleib' ich,« beharrte er bei seinem Ausspruch, »und das leid' ich nicht.«

»Um Gottes willen!« fuhr sie auf, »Herr – Herr Niedermaier! Sie werden mich doch nicht z'rückbringen und die Wiesenbäuerin zwingen wollen, daß s' mich wieder aufnimmt? Nein, nein. Lieber will ich in d' weite Welt 'neinwandern bis dorthin, wo mich kein Mensch mehr kennt, – lieber will ich sterben, als daß ich unter der Lene ihren Augen noch einmal ums Gnadenbrot bitten tät'.«

74 »Arm's Hascherl!« sagte er tief ergriffen, »wie arg muß Dir die Kreuzspinne mitg'spielt haben! Das merk' ich je länger je besser! Und Du bist so lieb und gut, daß kein einzig's böses Wörtl über Deine Lippen kommt über dem Wiesenbauern all seine Weiberbagaschi. Ja, wein' doch nicht so! Die Leut' sind's nicht wert, daß ihretwegen Deine Augerln rot werden. Und hab' auch keine Angst nicht, daß ich Dich wieder z'ruckbringen will in denen ihre Marterhöhl'. Das kommt mir auf tausend Meilen nicht in den Sinn. – Aber gut machen will ich das Unrecht, das D' meinetwegen erlitten hast, doch. Das ist meine Pflicht und Schuldigkeit. Drum, Kreszenz, sag ich Dir ein für allemal: ich lass' Dich nicht fortwandern, ich lass' Dich nicht 'naus in die weite Welt, sondern Du gehst wieder z'ruck mit mir in's Dorf, und das gleich auf der Stell'!«

»Wie – wie meinen S' das, Herr Niedermaier?« fragte die Waise, vor etwas, das sie kaum zu hoffen wagte, freudig errötend. »Sie wollen mich wieder mitnehmen nach Schattendorf? Zu wem denn?«

»Zu wem anders, als zu mir und meiner Muttern?« antwortete er. »In uns'rem Haus sollst eine neue Heimat finden, – wenn's Gottes Willen ist, für alle Zeiten.«

75 »O himmlisches Vaterl!« rief Kreszenz mit gefalteten Händen, während ein Freudenschimmer ihr liebliches Antlitz noch mehr verschönte, »was für ein Glück schickst Du mir zu! Jetzt, wo ich schon' glaubt hab, ich find' heunt nacht kein Platzl zum Schlafen, soll ich wieder ein Unterkommen erhalten für immer! Aber, Herr,« wandte sie mit einem Male zaghaft ein, »ich glaub', ich darf Ihren guten Willen nicht annehmen. Leicht tät' ich ihn mißbrauchen.«

»Wo willst 'naus mit deriger Red'?«

»Ich mein' halt so: Die Lene und meine Firmpatin haben ja ihre Fehler g'habt und ihre Untugenden. Das will ich nicht abstreiten. Aber wenn ich g'schimpft worden bin von ihnen und wenn s' mir vorg'schmissen haben, daß ich keine Bauernarbeit kann, das war keine Lug. Und was wird alsdann Ihre Frau Mutter sagen, wenn S' ihr eine Magd heimbringen, die s' zuerst anlernen muß, ehvor sie s' zu 'was gebrauchen kann?«

»Lass' das meine Sorge sein! Du aber hast Dich vor meiner Muttern nicht im g'ringsten z'fürchten. Denn sie ist eine seelengute Frau, und wenn ich ihr verzähl', wie schlecht Dir's ergangen ist im Wiesenbauernhof, alsdann ist s' imstand und flennt mit Dir um d' Wett'. Die Hauptsach' für Dich b'steht darin, daß D' willig bist und ihr keinen Widerpart hältst.«

76 »Ach Du lieb's Herrgottl!« beteuerte das Mädchen, »wie gern will ich alles tun, was sie mir befiehlt! Die Händ' leg' ich ihr unter die Füß', wenn sie's begehrt. Ich hab' ja meiner Firmpatin auch g'horcht in allen Dingen; aber recht hab' ich ihr niemals nichts machen können, weil d' Lene den ganzen Tag g'hetzt und g'schürt hat gegen mich.«

»Denk' jetzt nimmer z'ruck an die z'widere Person und ihr Spitzmausg'sicht! So oft ich heunt an die Lene erinnert werd', wird mir allemal übel.« Und er spuckte aus. Das Gläschen Wacholder schien merkwürdig lange nachzuwirken.

»Einmal muß ich doch noch von ihr reden,« sagte sie leise.

»Warum?«

»Ich denk' mir halt in meinem Sinn, ob's nicht 'leicht eine Feindschaft absetzt zwischen Ihrigem und dem Wiesenbauernhaus, wenn die Lene erfahrt, daß Sie mich aufg'nommen haben.«

»Ich wollt' schwören drauf, daß s' uns spinnefeind wird. Aber was schadt's? Mir liegt nichts dran, und sollten's sie oder ihrige Leut' gar z'arg treiben, dann laß' ich halt noch ein Sprüchl 'naufmalen auf mein Haus. Du aber, Kreszenz, Du brauchst Dich gleich gar nicht z'kümmern um ihre 77 Feindschaft. Im Spruchbauernhof bist sicher vor jeglicher boshaften Anfechtung.«

»Nun alsdann, Herr Niedermaier,« sagte sie in froher Aufwallung, »betracht' ich halt Ihr Anerbieten wie eine Stimm' vom Himmel, durch die mir unser Herrgott seinen Willen offenbart. Leicht hat er seine b'sonderen Absichten mit mir. Drum nimm' ich Ihr Verlangen, daß ich mit Ihnen als Magd nach Schattendorf z'ruckgehen soll, mit Herzensdank an und bitt' nur noch: Haben S' ein bißl Nachsicht mit mir, wenn ich mich etwa bei einer Verrichtung recht tappig anstellen sollt'. Nach und nach werd' ich mich schon besser d'reinschicken; denn an Willigkeit fehlt's mir g'wiß nicht. Und legen S' auch bei Ihrer Muttern ein gut's Wörtl ein für mich, damit sie mir nur in der ersten Zeit solchene Arbeiten zuweist, die ich schon versehen kann.«

Da fuhr dem jungen Mann plötzlich ein Gedanke durch den Kopf.

»Grad' fallt mir 'was ein!« erwiderte er lebhaft. »Kreszenz, Du kannst doch im Haus mithelfen? Kannst Zimmer kehren, Möbel abstauben, Stubenböden fegen und reinhalten, Fenster putzen und alles das Zeug?«

»Freilich, dazu bin ich ja von Jugend auf ang'halten worden, und nach meiner Mutter Tod hab' ich dem Vater drei Jahr lang ganz alleinig 78 den Haushalt b'sorgt. Was es dazu braucht, kann ich alles; nur keine Bauernarbeit hab' ich noch nicht g'lernt.«

»Na, Mädel, dann komm nur! Mein Mutterl nimmt Dich mit offenen Armen auf. Denn die braucht notwendig eine Hilf' für die Zimmer von den Eisenbahnern, die in meinem Haus ihr Bureau aufschlagen. Und g'rad heunt wollen s' bei mir einziehen.« – – 79

 


 

 << Kapitel 13  Kapitel 15 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.