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James Fenimore Cooper: Der Spion - Kapitel 33
Quellenangabe
type
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Spion
publisherVerlag von S. G. Liesching
seriesJ. F. Cooper's Amerikanische Romane
volumeSechster Band
year1841
translatorC. Kolb
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20120307
projectid6b480bc9
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Einunddreißigstes Kapitel.

Fort, blöde Scheu!
Du, heil'ge Unschuld, hilf mir offen reden:
Ich bin Eu'r Weib, wenn Ihr mich haben wollt.«

Der Sturm.

 

Franciska erfuhr von Miß Peyton, daß Dunwoodie noch nicht zurückgekehrt sey, daß er aber in der Absicht, Heinrich von den Belästigungen des vermeintlichen Fanatikers zu befreien, einen sehr achtbaren Geistlichen ihrer eigenen Konfession, den er am Flusse getroffen, ersucht habe, hieher zu reiten und seine Dienste anzubieten. Dieser war bereits angelangt und hatte die halbe Stunde seiner Anwesenheit in einer theilnehmenden und viele Bildung verrathenden Unterhaltung mit der Jungfrau zugebracht, ohne daß jedoch dabei von ihren häuslichen Bekümmernissen die Rede gewesen wäre.

Alls Miß Peyton's ungeduldige Fragen über den Erfolg ihres romanhaften Ausfluges konnte Franciska nichts weiter erwiedern, als daß sie sich darüber zum Schweigen verpflichtet hätte, weßhalb sie auch ihrer liebevollen Verwandten die gleiche Vorsicht anempfahl. Sie sagte das mit einem so lieblichen Lächeln, daß die Tante daraus entnehmen konnte, es sey alles so, wie es seyn sollte, und sich dabei beruhigte. Letztere nöthigte nun aber ihre Nichte, auf diese ermüdende Nachtwanderung einige Erfrischungen zu sich zu nehmen, als der Anruf eines Reiters, welcher an der Thüre hielt, die Rückkehr des Majors Dunwoodie ankündigte. Der von Mason an ihn abgeschickte Eilbote hatte ihn an der Fähre, wo er ungeduldig Harper's Rückkehr erwartete, aufgesunden, und nun war er eilends, von tausend widerstreitenden Besorgnissen gequält, nach dem Orte zurückgekehrt, wo sein Freund gefangen gewesen. Franciska's Herz klopfte, als sie ihn näher kommen hörte. Es fehlte noch eine Stunde bis zu dem Ende der kürzesten Frist, welche der Hausirer als nothwendig bezeichnet hatte, die Flucht glücklich durchzuführen. Harper hatte zwar seinen Einfluß und seine Geneigtheit zur Hülfe zugestanden, aber auch er hatte ein großes Gewicht darauf gelegt, daß die Virginier diese Stunde noch zurückgehalten würden. Sie hatte daher nicht Zeit, sich bis zu Dunwoodie's Eintritt in's Zimmer zu sammeln, und Miß Peyton zog sich mit der instinctartigen Bereitwilligkeit des Weibes durch eine andere Thüre zurück.

Das Gesicht des Majors glühte und sein ganzes Benehmen trug den Ausdruck des Verdrusses und der gekränkten Erwartung.

»Es war unklug, Franciska,« rief er, indem er sich auf einen Stuhl warf; »nein, es war lieblos, in demselben Augenblick zu fliehen, wo ich ihm seine Befreiung zugesichert hatte! Ich möchte fast glauben, daß es Euch Freude macht, unsere Gefühle mit unserer Pflicht in Widerstreit zu bringen.«

»Wohl möglich, daß in unsern und Ihren Pflichten ein Widerstreit liegt,« entgegnete das Mädchen, indem sie sich ihm näherte und ihre zarte Gestalt an die Wand lehnte, »aber gewiß nicht in unsern Gefühlen, Peyton. Gewiß, Sie können sich über Heinrichs Entkommen nur freuen!«

»Es war keine Gefahr mehr zu befürchten. Er hatte Harper's Verbrechen, und das Wort dieses Mannes darf nie beanstandet werben. O Franciska, Franciska! Wenn Sie diesen Mann kennten, so würben Sie nie ein Mißtrauen in seine Versicherung gesetzt und mir diese unselige Verlegenheit erspart haben!«

»Welche Verlegenheit?« fragte Franciska, die zwar seinen innern Kampf innig bemitleidete, aber doch jede Gelegenheit ergriff, um die Unterredung zu verlängern.

»Welche Verlegenheit? Bin ich nicht genöthigt, die Nacht durch im Sattel zuzubringen, um Ihren Bruder wieder aufzufangen, da ich doch hoffte, mein Haupt mit dem beseligenden Bewußtseyn, zu seiner Rettung beigetragen zu haben, auf's Kissen legen zu können? Man zwingt mich ja, ein Feind zu scheinen, obgleich ich mit Freuden meinen letzten Tropfen Blutes vergießen würde, wenn ich Euch damit einen Dienst leisten könnte. Ich wiederhole es, Franciska – es war ein übereiltes, ein liebloses Beginnen – ein trauriger, recht trauriger Mißgriff!«

Franciska neigte sich zu ihm und ergriff furchtsam seine Rechte, indeß sie ihm sanft mit der anderen Hand die Locken aus der gebräunten Stirne strich.

»Warum denn aber überhaupt gehen, lieber Peyton?«, fragte sie. »Sie haben schon viel für das Vaterland gethan; es kann nicht ein solches Opfer von Ihren Händen fordern.«

»Franciska! Miß Wharton!« rief der Jüngling aufspringend und im Zimmer auf und ab gehend, indeß ihm, ob dieser Kränkung seines Pflichtgefühls, die braune Wange glühte und das Auge leuchtete; »nicht das Vaterland – meine Ehre fordert dieses Opfer. Ist er nicht aus dem Gewahrsam meines eigenen Corps entflohen? Schon um deßwillen hätte er mir diesen Schlag ersparen sollen. Aber wenn die Augen der Virginier sich auch durch List und Betrug blenden lassen, so sind doch ihre Pferde rasch und ihre Säbel scharf. Ha, wir wollen noch, ehe die Sonne heraufkommt, sehen, ob es Einer wagen darf, zu sagen, daß die Schönheit der Schwester die schirmende Hülle des Bruders gewesen sey! Ja, ja, es käme mir eben jetzt recht« – fuhr er mit bitterm Lachen fort – »wenn sich irgend ein Schuft unterstünde, mir einen solchen Verrath zur Last zu legen.«

»Peyton, lieber Peyton, sagte Franciska, vor dem wilden Ausdrucke seines Auges zurückbebend, – »Sie machen mir das Blut erstarren – könnten Sie meinen Bruder dem Henker überliefern?«

»Würde ich nicht gerne für ihn sterben?« rief Dunwoodie und wandte sich mit mehr Milde zu dem Mädchen. »Sie wissen, wie gerne ich es thun würde. Aber Heinrichs Schritt wirft einen grausamen Verdacht auf mich. Was wird Washington von mir denken, wenn er erfährt, daß Sie meine Verlobte sind?«

»Wenn dieses das Einzige ist, was Sie veranlaßt, so hart gegen meinen Bruder aufzutreten,« erwiederte Franciska mit einem leichten Beben der Stimme, »so lassen Sie es ihn nie erfahren.«

»Und das soll ein Trost seyn, Franciska?«

»Nicht doch, lieber Dunwoodie, ich wollte Ihnen nicht weh thun. Aber sind wir wohl in Washingtons Augen wirklich so wichtig, als Sie anzunehmen scheinen?«

»Ich denke, daß mein Name dem Obergeneral nicht ganz unbekannt ist,« sagte der Major mit einigem Stolze; »und auch Sie sind nicht so unbeachtet geblieben, als Sie Ihre Bescheidenheit glauben machen will. Ich glaube Ihnen, Franciska, wenn Sie mir sagen, daß Sie mich bemitleiden, und es ist meine Pflicht, mich solcher Gefühle würdig zu erhalten. Doch ich verliere die kostbaren Augenblicke. Wir müssen diese Nacht noch durch die Berge kommen, um Morgen bei Zeit unserem Dienste Ehre machen: zu können. Mason wartet bereits auf den Befehl zum Aufsitzen. –

Franciska, ich verlasse Sie mit schwerem Herzen. Haben Sie Mitleid mit mir, und tragen Sie keine Sorge wegen Ihres Bruders. Er muß zwar wieder mein Gefangener werden, aber jedes Haar seines Hauptes ist heilig.«

»Halten Sie, Dunwoodie – ich beschwöre Sie;« rief Franciska nach Athem haschend, als sie bemerkte, daß der Weiser der Uhr noch weit bis zu der ersehnten Stunde hatte, – »ehe Sie an dieses traurige Geschäft gehen, lesen Sie noch ein Billet, welches Heinrich für Sie zurückgelassen hat, ohne Zweifel, weil er an den Freund seiner Jugend zu schreiben dachte.«

»Franciska, ich entschuldige Ihre Gefühle; aber es wird eine Zeit kommen, wo Sie mir werden Gerechtigkeit widerfahren lassen.«

»Die Zeit ist vorhanden,« antwortete sie, und reichte ihm, unfähig, länger einen Unwillen zur Schau zu tragen, den sie nicht fühlte, die Hand.

»Woher haben Sie dieses Schreiben?« rief der Jüngling, während seine Augen den Inhalt desselben überflogen. »Armer Heinrich, Du bist in der That mein Freund! Wenn irgend einer mein Glück wünscht, so bist Du es.«

»Es ist so, es ist so,« entgegnete Franciska hastig; »er wünscht Ihnen alles Glück. Glauben Sie, was er sagt; jedes seiner Worte ist wahr.«

»Ich glaube ihm, holdes Wesen, und er verweist mich an Ihre Bestätigung. Könnte ich mich nur Ihrer Liebe eben so versichert halten!«

»Sie können es, Peyton,« sagte Franciska mit einem Blicke vertrauender Unschuld auf ihren Verehrer.

»Dann lesen Sie selbst und geben Sie Ihren Worten Kraft,« fiel Dunwoodie ein, indem er ihr das Billet hinbot.

Franciska nahm es verwundert an und las die folgenden Worte:

»Das Leben ist zu kostbar, als daß ich es einer unsichern Zukunft anvertrauen möchte. Ich verlasse Dich, Peyton, ohne daß irgend jemand als Cäsar, welchen ich Deiner Gnade empfehle, von meiner Flucht wüßte. Aber ein Kummer lastet auf mir, der mich zu Boden drückt. Blicke auf meinen alten gebrechlichen Vater. Man wird ihm das vermeintliche Verbrechen seines Sohnes nachtragen. Blicke auf meine hülflosen Schwestern, die ich ohne Beschützer zurücklassen muß. Beweise mir, daß Du uns Alle liebst. Laß Dir durch den Geistlichen, den Du mitbringen wirst, noch in dieser Nacht Franciska antrauen und werde dadurch zu gleicher Zeit Bruder, Sohn und Gatte.«

Das Papier entfiel Franciska's Händen. Sie versuchte die Augen zu Dunwoodie aufzuschlagen, aber sie senkten sich wieder beschämt zur Erde.

»Bin ich dieses Vertrauens würdig? Wollen Sie mich diese Nacht hinaussenden, um einem Bruder zu begegnen, oder soll ich, als der Officier des Congresses fort, der einen Officier Englands aufsucht?«

»Und würden Sie Ihre Pflicht weniger thun, wenn ich Ihr Weib wäre? Was könnte dadurch in Heinrichs Lage geändert werden?^.

»Ich wiederhole es Ihnen, Heinrich hat nichts zu fürchten. Harper's Wort ist ihm Bürge dafür. Aber ich will der Welt einen Bräutigam zeigen,« – fuhr der Jüngling vielleicht mit einiger Selbsttäuschung fort – »der sich auch der Pflicht zu unterziehen weiß, den Bruder seiner Braut gefangen zu nehmen.«

»Wird die Welt das aber auch begreifen?« sagte Franciska mit einer gedankenvollen Miene, welche tausend Hoffnungen in der Brust des Geliebten rege werden ließ. Die Versuchung war in der That stark, denn es schien wirklich kein anderer Ausweg vorhanden zu seyn, um Dunwoodie bis zu dem Ablauf der verhängnißvollen Stunde zurück zu halten. Die Worte Harper's, welcher ihr vor Kurzem noch selbst zugestanden hatte, daß er öffentlich wenig für Heinrich thun könne, und daß Alles davon abhänge, Zeit zu gewinnen, blieben tief ihrem Gedächtnisse eingegraben. Vielleicht kam auch hierzu noch der flüchtige Gedanke der Möglichkeit einer ewigen Trennung von ihrem Geliebten, wenn es ihm gelingen sollte, ihren Bruder einzuholen, wo dann der Tod desselben unvermeidlich schien. Es ist jederzeit schwer, die Gefühle des Menschen zu ergründen, um so schwerer, wenn sie sich mit der Schnelle und der Lebhaftigkeit des Blitzes folgen, wie dieses so leicht bei dem empfindungsvollen Herzen des Weibes der Fall ist.

»Warum zögern Sie, theure Franciska?« rief Dunwoodie, in die Betrachtung des Wechsels ihrer Züge versunken; »wenige Minuten können mir das Recht geben, Sie als Gatte zu schützen.«

Franciska schwindelte. Sie blickte ängstlich nach der Uhr, und der Zeiger schien zu zögern, recht in der Absicht, sie zu foltern.

»Sprich, Franciska,« flüsterte Dunwoodie, »soll ich meine gute Base zum Beistand herbeirufen? Entschließe Dich, denn die Zeit drängt.«

Sie versuchte, zu antworten, konnte aber nur einige unverständliche Worte hervorbringen, welche ihr Liebhaber dem althergebrachten Brauche zufolge zu seinen Gunsten deutete. Er wandte sich und flog nach der Thüre, als auf einmal das Mädchen wieder ihrer Stimme mächtig, wurde:

»Bleiben Sie, Dunwoodie; ich kann diesen feierlichen Bund nicht schließen, so lange noch eine Heimlichkeit auf meinem Gewissen liegt. Ich habe Heinrich gesehen, seit er von hier entwich, und es ist für ihn äußerst wichtig, Zeit zu gewinnen. Sie kennen jetzt die Folgen einer Zögerung, und wenn Sie mit diesem Bewußtseyn meine Hand nicht zurückweisen wollen, so reiche ich sie Ihnen freiwillig.«

»Sie zurückweisen?« rief der entzückte Jüngling; »ich nehme sie an, als die beseligendste Gabe des Himmels. Es ist noch Zeit genug für uns Alle vorhanden. In zwei Stunden bin ich durch die Berge, und morgen Mittag werde ich mit Heinrichs Begnadigung von Washington zurückkehren. Dein Bruder wird unsere Hochzeit mitfeiern.«

»Dann erwarten Sie mich hier in zehn Minuten,« sagte Franciska, welcher mit diesem Bekenntniß ein schwerer Stein vom Herzen gewälzt war, da sie jetzt zuversichtlich ihren Bruder als gerettet betrachten durfte. »Wenn ich zurückkehre, bin ich bereit, die Gelübde abzulegen, welche mich für immer an Sie ketten sollen.«

Dunwoodie drückte das Mädchen an seine Brust, und eilte hinweg, um dem Priester seine Wünsche kund zu thun.

Miß Peyton vernahm die Mittheilung ihrer Nichte mit dem größten Erstaunen und einigem Mißbehagen. Es verstieß ja gegen alle Ordnung, gegen allen Anstand, wenn man eine Ehe so übereilt und mit so wenigen Zeremonien abschloß. Aber Franciska erklärte ihr mit bescheidener Festigkeit, daß ihr Entschluß gefaßt sey; auch habe sie schon lange die Einwilligung ihrer Verwandten, und die Vollziehung der Handlung sey seit Monaten einzig ihrer Willkühr anheim gegeben gewesen; es sey daher ihre Absicht, ihre an Dunwoodie gegebene Einwilligung zu erfüllen, ohne sich auf weitere Erörterungen einzulassen, die Birch oder Heinrich, oder vielleicht beide einer Gefahr aussetzen würden. Da die Tante an Widerspruch nicht gewöhnt und ihrer Verwandten aufrichtig zugethan war, so wurden ihre seichten Einwürfe durch die Festigkeit der Nichte bald niedergeschlagen. Herr Wharton war zu sehr ein Anhänger der Lehre vom leidenden Gehorsam und von der Ergebung, um der Bitte eines Mannes von Dunwoodie's Einfluß in der Rebellen-Armee zu widerstehen, und das Mädchen kehrte von ihrem Vater und Miß Peyton begleitet mit dem Ablaufe der von ihr festgesetzten Zeit in das Zimmer zurück. Dunwoodie und der Geistliche waren bereits da. Franciska legte schweigend und ohne Ziererei den Trauring ihrer Mutter in die Hand des Priesters, und nach einer kleinen Weile, während welcher Herr Wharton und Miß Peyton sich einigermaaßen für die heilige Handlung vorbereitet hatten, gestattete letztere, daß zum Vollzug der Zeremonie geschritten wurde.

Franciska hatte die Uhr unmittelbar vor den Augen, und warf manchen ängstlichen Blick auf den Zeiger. Bald aber fesselte die feierliche Rede des Priesters ihre ganze Aufmerksamkeit, und ihr Geist ward von den inhaltschweren Gelübden, welche sie abzulegen hatte, hingenommen. Der Trauungsact war bald vorüber, und als der Geistliche mit der Einsegnungsformel schloß, zeigte die Uhr Neun. Dies war die Zeit, welche Harper als nöthig bezeichnet hatte, und Franciska war es, als ob auf einmal eine Centnerlast ihrer Brust entnommen würde.

Dunwoodie schloß sie in seine Arme, machte der guten Tante immer wieder auf's Neue sein Compliment und schüttelte wiederholt Herrn Wharton und dem Geistlichen die Hand. Inmitten dieses Gefühls von Seligkeit ließ sich ein Pochen an der Thüre vernehmen. Sie wurde geöffnet und Mason zeigte sich in derselben.

»Wir sind im Sattel,« sagte der Lieutenant, »und wenn Sie nichts dagegen haben, will ich vorausreiten. Da Sie so gut beritten sind, können Sie uns mit Muße einholen.«

»Ja, ja, Camerad – lassen Sie aufbrechen,« rief Dunwoodie, dem dieser Vorwand, noch ein wenig zu bleiben, äußerst gelegen kam. »Ich werde Sie beim ersten Rastorte erreichen.«

Der Lieutenant entfernte sich, um den Befehl in Vollzug zu setzen. Wharton und der Geistliche folgten ihm.

»Nun, Peyton,« sagte Franciska, »Du gehst jetzt in der That fort, um einen Bruder aufzusuchen, und ich bin überzeugt, daß ich nicht nöthig habe, Dir Sorge für ihn anzuempfehlen, wenn Du ihn unglücklicherweise finden solltest.«

»Sage glücklicher Weise,« rief der junge Mann, »denn ich habe mir vorgenommen, daß er noch auf meiner Hochzeit tanzen soll. Könnte ich ihn nur für unsere Sache gewinnen, denn es ist die Sache seines Vaterlandes! Ich würde weit freudiger fechten, Franciska, wenn mir Dein Bruder zur Seite stünde.«

»O, sprich nicht davon! Du weckst schreckliche Gedanken in meiner Seele.«

»Ich will nicht mehr davon sprechen,« versetzte der Neuvermählte; »aber ich muß Dich jetzt verlassen. Je früher ich gehe, Franciska, desto früher werde ich wieder zurückkehren.«

Man hörte jetzt den Huftritt eines Pferdes sich dem Hause nähern, und Dunwoodie verabschiedete sich eben von seiner Gattin und ihrer Tante, als seine Ordonnanz einen Officier in's Zimmer führte.

Dieser trug die Uniform eines Adjutanten, und der Major erkannte in ihm sogleich einen Officier von Washington's Generalstab.

»Major Dunwoodie,« sagte er nach einer Verbeugung gegen die Damen, »der Obergeneral hat mich beauftragt, Ihnen dieses Schreiben zu überbringen.«

Nachdem er sich, seiner Botschaft entledigt, verabschiedete er sich unmittelbar wieder, unter dem Vorwande des Dienstes.

»Das gibt in der That der ganzen Angelegenheit eine unerwartete Wendung,« rief der Major; »aber ich sehe klar in der Sache, Harper hat meinen Brief erhalten, und wir fühlen bereits seinen Einfluß.«

»Sind es Neuigkeiten, die auf Heinrich Bezug haben?« fragte Franciska hastig, indem sie an seine Seite eilte.

»Hört, und Ihr sollt selbst urtheilen.«

»Sir,

Nach Empfang des Gegenwärtigen werden Sie Ihre Schwadron zusammenziehen, um der Truppenabtheilung, welche der Feind zur Bedeckung seiner Fouragirer ausgesendet hat, morgen früh um zehn Uhr auf den Höhen von Croton zu begegnen, wo Sie ein Regiment Fußvolk zu Ihrer Unterstützung antreffen. Die Flucht des englischen Spions ist mir gemeldet worden, aber seine Wiederergreifung ist nur unwichtig in Vergleichung mit dem Dienste, welchen ich Ihnen jetzt übertrage. Sie werden daher diejenigen Ihrer Leute, welche ihm nachsetzen, zurückrufen und sich Mühe geben, den Feind ehestens zu schlagen.

Ihr gehorsamer Diener
Geo. Whashington.«

»Gott sey Dank!« rief Dunwoodie, – »meine Hände bleiben also rein von Heinrichs Wiederverhaftung. Ich kann nun mit Ehre an meine Pflicht gehen.«

»Aber auch mit Klugheit, lieber Peyton,« sagte Franciska mit einem Gesichte, blaß wie der Tod; »erinnere Dich, Dunwoodie, daß Du neue Ansprüche an Dein Leben zurücklassest.«

Der Jüngling weilte mit Entzücken auf ihren blassen, aber lieblichen Zügen, und rief, indem er sie an's Herz drückte:

»Ich werde es thun – um Deinetwillen, liebliche Unschuld.« Franciska schluchzte eine Weile an seiner Brust, riß sich dann los und entfernte sich.

Miß Peyton folgte ihrer Nichte, da sie es für nöthig hielt, derselben noch, ehe sie sich für diese Nacht trennten, die geeigneten Ermahnungen über die ehelichen Pflichten zu geben, die zwar bescheiden hingenommen, keineswegs aber gehörig begriffen wurden. Wir bedauern, daß die Geschichte uns diese köstliche Abhandlung nicht überliefert hat; trotz unserer Nachforschungen konnten wir übrigens nichts Weiteres auffinden, als daß sie in reichlichem Maaße die Färbung trug, welche die Sage den »Regeln, die Kinder eines Wittwers zu erziehen,« verleiht. Verlassen wir jedoch die Damen der Wharton'schen Familie, um zu dem Capitän Wharton und zu Harvey Birch zurückzukehren.

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