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James Fenimore Cooper: Der Spion - Kapitel 19
Quellenangabe
type
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Spion
publisherVerlag von S. G. Liesching
seriesJ. F. Cooper's Amerikanische Romane
volumeSechster Band
year1841
translatorC. Kolb
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20120307
projectid6b480bc9
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Siebenzehntes Kapitel.

's gibt Menschen, deren wandelbare Züge
Ausdrücken jede zarte Herzensregung,
Die Lieben, Hoffen, Mitleid wiederstrahlen,
Wie Bilder einer blanken Spiegelfläche.
Doch kalte Klugheit weiß der Seele Farben
Mit einer Außenseite zu umgeben,
Die argen Trug mit ihrem Schleier deckt.

Duo.

 

Der Officier, dessen Händen Dunwoodie den Krämer anvertraut hatte, übertrug das Geschäft der Bewachung dem Sergeanten der Hauptwache. Capitän Whartons Geschenk hatte dem jungen Lieutenant ziemlich zugesetzt, und eine gewisse tanzende Bewegung, welche alle Gegenstände vor seinen Augen annahmen, mahnte ihn an die Nothwendigkeit, der Natur durch Schlaf wieder aufzuhelfen. Nachdem er den Unterofficier ermahnt hatte, keine Vorsicht, die für die Bewachung eines solchen Gefangenen räthlich erscheinen mochte, außer Acht zu lassen, hüllte sich der junge Mann in seinen Mantel, legte sich in der Nähe des Feuers nieder und fand bald die Ruhe, deren er bedurfte. An der Hinterwand des Gebäudes zog sich ein rohgezimmerter Schuppen hin, welcher an dem einen Ende einen kleinen Verschlag hatte, wo man die wenigen nöthigen Hausgeräthe aufzubewahren pflegte. In Folge der Gesetzlosigkeit der Zeit waren jedoch alle Gegenstände von einigem Werthe daraus verschwunden, und Betty Flanagan hatte gleich nach ihrer Ankunft diesen Ort erspäht und zu Aufbewahrung ihrer beweglichen Habe, wie auch zu ihrem eigenen Schlafgemach ausersehen. Zugleich waren die Ergänzungswaffen und das Gepäck des Corps darin niedergelegt und diese vereinigten Schätze der Aufsicht einer Schildwache anvertraut, welche vor der Scheune als Schutzposten der Nachhut des Hauptquartiers Parade machte. Ein zweiter Soldat, der in der Nähe des Hauses zur Bedeckung der Officierspferde aufgestellt war, hatte das Gemach von der Seite im Auge, und da dieses keine Fenster und außer der Thüre keinen weiteren Ausgang hatte, so hielt es der bedächtige Wachtmeister für den geeignetsten Ort, wo er seinen Gefangenen bis zum Augenblick seines Todesganges versorgen konnte. Sergeant Hollister hatte sich durch mehrere Gründe zu dieser Wahl bestimmen lassen. Der eine war die Abwesenheit der Wäscherin, welche vor dem Küchenfeuer lag und von einem Angriff des Corps gegen den Feind träumte, wobei ihr das Geräusch ihrer Nase als die Angriffsfanfare der Virginier vorkommen mochte. Ein anderer Grund lag in der eigentümlichen Ansicht, welche der Veteran von Leben und Tod hegte, und die ihn bei dem Corps in den Geruch einer musterhaften Frömmigkeit und Heiligkeit gebracht hatte. Der Sergeant hatte mehr als ein halbes Jahrhundert gelebt und die Hälfte dieser Zeit in den Waffen zugebracht. Die beständige Wiederkehr plötzlicher Todesfälle vor seinen Augen hatte einen Eindruck auf ihn gemacht, welcher von den gewöhnlichen Folgen solcher Begebnisse für die Sittlichkeit sehr verschieden war, und man kannte ihn nicht nur als den charakterfestesten, sondern auch als den zuverlässigsten Soldaten in seinem Zuge, weßhalb ihn auch Capitän Lawton in Anerkennung seines Werthes zu seiner Ordonnanz ernannt hatte.

Der Wachtmeister führte Birch schweigend zu der Thüre seines Gefängnisses und öffnete dieselbe mit der einen Hand, indem er mit einer Laterne, welche er in der andern hielt, dem Krämer in seinen Gewahrsam vorleuchtete. Dann setzte er sich auf ein Faß, welches etwas von Betty's Lieblingsgetränke enthielt, und winkte seinem Gefangenen, sich auf einem zweiten gleichfalls nieder zu lassen. Die Laterne wurde auf den Boden gestellt, und nach einem festen Blicke in das Gesicht des Hausirers bemerkte der Sergeant:

»Ihr seht mir aus, als ob Ihr dem Tod wie ein Mann entgegengehen wolltet, und ich habe Euch an diesen Ort gebracht, damit ihr ungestört und in Ruhe Eure Gedanken sammeln könnt.«

»Es ist ein schrecklicher Platz, um sich für den letzten Gang vorzubereiten,« sagte Harvey und sah sich mit erstorbenen Blicken in seinem kleinen Gefängnisse um.

»Ei, was das anbelangt,« erwiederte der Veteran, »so kann dies nicht besonders in Betracht kommen, wenn ein Mensch das wichtige Geschäft vor sich hat, über seine Gedanken die letzte Heerschau zu halten, damit sie geeignet seyn mögen, die Musterung einer anderen Welt zu passiren. Ich habe hier ein Büchlein; ich mache mir's immer zur Pflicht, ein wenig darin zu lesen, ehe es in ein Treffen geht, und ich habe gefunden, daß es einem in der Stunde der Noth große Stärkung verleiht.« So sprechend zog er eine Bibel aus der Tasche und reichte sie dem Krämer hin. Birch nahm das Buch mit großer Verehrung, aber das zerstreute Wesen des Gefangenen und sein rollendes Auge erregte in dem Sergeanten Vermuthung, daß die Angst über die Gefühle des Hausirers die Oberhand gewinnen werde, und er versuchte es daher, sein Amt als Tröster noch weiter zu versehen.

»Wenn Euch noch etwas schwer auf dem Herzen liegt, so ist's jetzt die beste Zeit, es los zu werden. Wenn Ihr Jemand Unrecht gethan habt, so nehmt das Wort eines ehrlichen Dragoners – ich will Euch hülfreich die Hand bieten, es wieder gut zu machen.«

»Es gibt wenige, die nicht etwas drückt,« sagte der Hausirer, indem er das stiere Auge auf seinen Gefährten heftete.

»Wahr – die Sünde liegt in der Natur des Menschen – aber es kömmt bisweilen vor, daß der Mensch Handlungen begeht, welche ihm zu andern Zeiten großen Kummer machen. Es kann im Grunde doch Keiner wünschen, mit dem Bewußtseyn einer schweren Schuld in die Ewigkeit zu gehen.«

Harvey hatte die ganze Zeit über den Ort untersucht, wo er die Nacht zubringen sollte, und nichts entdeckt, was ihm als Mittel zur Flucht dienen konnte. Da aber das Gefühl der Hoffnung die Brust des Menschen am allerspätesten verläßt, so achtete der Hausirer wieder mehr auf den Dragoner und heftete so spähende Blicke auf dessen sonnverbrannte Züge, daß Sergeant Hollister vor der Wildheit des Ausdrucks, welcher sich in dem Gesichte des Gefangenen aussprach, die Augen niederschlug.

»Man hat mich gelehrt, die Bürde meiner Sünden zu den Füßen meines Erlösers niederzulegen,« erwiederte der Hausirer.

»Hm, ja – alles das ist gut genug,« versetzte der Andere; »aber man muß sie auch gut zu machen suchen, so lange sich eine Gelegenheit dazu bietet. Seit dem Beginn des Krieges hat es stürmische Zeiten im Lande gegeben, und viele sind ihres rechtmäßigen Eigenthums beraubt worden. Ich finde es oft schwer, sogar meine gesetzliche Kriegesbeute vor meinem Gewissen zu verantworten.«

»Diese Hände,« sagte der Krämer, indem er seine mageren, knöchernen Finger ausstreckte, »haben jahrelang mit Mühsal gekämpft, aber sich nie an fremdem Gute vergriffen.«

»Es ist gut, wenn dem also ist,« sagte der ehrliche Krieger, »und ohne Zweifel gereicht Euch das zu einer großen Beruhigung. Es gibt drei große Sünden, und wenn der Mensch diese von seinem Gewissen fern hält, so mag er wohl, unter Gottes Gnade, hoffen, die Musterung mit den Heiligen im Himmel zu passiren: diese Sünden sind Diebstahl, Mord und Desertion.«

»Gott sey Dank!« sagte Birch mit Wärme, »ich habe noch keinem meiner Mitmenschen das Leben genommen.«

»Einen Menschen im rechtmäßigen Kampfe tödten ist nichts weiter, als Pflichterfüllung. Ist die Sache, für welche man kämpft, unrecht, so fällt, wie Ihr wißt, die Schuld auf die Nation, und der Einzelne hat dann seinen Theil hienieden mit dem ganzen übrigen Reste des Volkes zu büßen; aber ein mit kaltem Blut geübter Mord ist ein Verbrechen, das in den Augen Gottes dem Verlassen seiner Fahne am nächsten steht.«

»Ich war nie Soldat und konnte daher nie desertiren,« sagte der Hausirer und ließ den Kopf melancholisch auf die Hand sinken.

»Ja, aber Desertiren ist etwas mehr, als von seiner Fahne weglaufen, obschon dieses unstreitig die schwerste Unterabtheilung davon ist. Es gehört auch zum Desertiren, wenn man sein Vaterland in der Stunde der Noth verläßt.«

Birch bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und sein ganzer Körper bebte. Der Sergeant verwandte kein Auge von ihm: bald aber gewannen bessere Gefühle über seinen Widerwillen die Oberhand und er fuhr mit mehr Milde fort:

»Aber auch diese Sünde kann, wie ich glaube, Vergebung finden, wenn man sie aufrichtig bereut; und es kann im Grunde wenig ausmachen, wann oder wo ein Mensch stirbt, wenn er nur wie ein Mann und wie ein Christ stirbt. Um aber dies zu können, empfehle ich Euch, Eure Gebete zu sprechen und ein wenig zu ruhen. Es ist keine Hoffnung zur Begnadigung vorhanden, denn Obrist Singleton hat den gemessensten Befehl ergehen lassen, Euch aus der Welt zu schaffen, wo man Euch immer aufgreife. Nein – nein – nichts kann Euch retten.«

»Ihr habt Recht,« rief Birch. »Es ist nun zu spät – das einzige Rettungsmittel habe ich selbst zernichtet. Aber Er wird wenigstens meinem Andenken Gerechtigkeit widerfahren lassen.«

»Was für ein Rettungsmittel,« fragte der Sergeant, dessen Neugierde durch die Worte des Krämers erregt worden war.

»Es ist nichts,« versetzte der Hausirer, indem er wieder in seine natürliche Weise zurückfiel und das Haupt sinken ließ, um die ernsten Blicke seines Gefährten zu vermeiden.

»Und wer ist der Er?«

»Niemand,« fügte Harvey bei, als fürchte er zu viel zu sagen.

»Nichts und Niemand kann Euch in dem gegenwärtigen Augenblick wenig helfen,« sagte der Sergeant und stand auf, um sich zu entfernen. »Legt Euch auf das Bett der Mistreß Flanagan und versucht es, ein wenig zu schlafen. Ich will Euch morgen bei Zeit wecken, und wünsche vom Grunde meines Herzens, Euch einen Dienst leisten zu können, denn es gefällt mir nicht besonders, einen Menschen wie einen Hund aufhängen zu sehen.«

»Daun könntet Ihr mich von diesem schmählichen Tode retten,« sagte Birch und faßte, hastig aufspringend, den Dragoner am Arme – »Und ach, was wollte ich nicht geben, um Euch zu belohnen!«

»Wie könnte ich das?« fragte der Sergeant, indem er den Gefangenen mit Ueberraschung anblickte.

»Seht,« sagte der Hausirer und zog einige Guineen aus der Tasche, »dieß ist eine Kleinigkeit gegen das, was ich Euch zu geben gedenke, wenn Ihr mir zur Flucht verhelft.«

»Und wenn Ihr der Mann wäret, dessen Bild aus dieses Gold geprägt ist, nimmermehr würde ich auf einen solchen verbrecherischen Vorschlag hören,« sagte der Reiter und warf die Geldstücke mit Verachtung auf den Boden. »Geh – geh – armer Wicht, und mache deinen Frieden mit Gott, denn Er allein ist es, der Dir noch helfen kann.«

Der Sergeant nahm die Laterne auf und verließ mit der Geberde des Unwillens den Krämer, welcher nun Zeit hatte, Betrachtungen über sein nahes schreckliches Schicksal anzustellen. Birch sank verzweifelnd aus Betty's Lager, indeß sein Hüter den Schildwachen die geeigneten Befehle zur sicheren Verwahrung des Gefangenen gab.

Hollister schloß die Einschärfungen, welche er dem Soldaten vor dem Schuppen ertheilte, mit den Worten:

»Du haftest mit dem Kopfe dafür, daß er Dir nicht entspringt. Bis morgen darf Niemand bei ihm ein- oder ausgehen.«

»Aber,« sagte der Reiter, »mein Befehl lautet, die Waschfrau hinein oder heraus zu lassen, so oft es ihr gefällt.«

»Nun, diese kannst Du passiren lassen, aber nimm dich in Acht, daß der verschmitzte Krämer nicht in den Falten ihres Weiberrocks herausschlüpft.« Er ging dann weiter und gab jeder der Schildwachen in der Nähe dieses Ortes die gleichen Befehle.

Eine Weile nach der Entfernung des Sergeanten herrschte in dem einsamen Gefängniß des Hausirers die tiefste Stille, bis der Dragoner an der Thüre laute Athemzüge vernahm, welche bald in das Schnarchen eines in tiefem Schlafe liegenden Menschen übergingen. Der Mann ging aus seinem Posten auf und ab und machte seine Betrachtungen über diese Gleichgültigkeit gegen das Leben, welche der Natur ihre gewohnte Ruhe sogar an der Schwelle des Grabes gestatten konnte. Harvey Birchs Name war jedoch bei dem Corps zu lange ein Gegenstand des Abscheu's gewesen, als daß sich den Gefühlen der Schildwache auch nur ein Gedanke von Mitleid beigemischt hätte. Ungeachtet der Rücksicht und Freundlichkeit, welche der Sergeant an den Tag gelegt hatte, war unter der ganzen Mannschaft kein Zweiter des gleichen Ranges, welcher ein ähnliches Wohlwollen gegen den Gefangenen bewiesen haben würde, oder der nicht, wie der Veteran, die Bestechung zurückgewiesen hätte, wenn es auch vielleicht aus minder ehrenwerthen Gründen geschehen wäre. Es lag eine Art von Unmuth und Neid in den Gefühlen des Mannes, welcher die Thüre des Gefängnisses bewachte, weil er sah, daß der Gefangene sich eines Schlafes erfreute, dessen er selbst beraubt war, und daß er eine so ärgerliche Gleichgültigkeit gegen die Todesstrafe bewies, welche wegen vielfachen Verraths an der Sache der Freiheit und des Vaterlandes durch die militärische Strenge über ihn verhängt war. Mehr als einmal fühlte er sich versucht, die Ruhe des Krämers durch Schmähreden und Vorwürfe zu stören, aber die Kriegszucht, unter welcher er stand und wohl auch ein dunkles Schamgefühl über die Rohheit einer solchen Handlung, hielten ihn von diesem Vorhaben zurück.

Seine Betrachtungen wurden jedoch bald durch die Erscheinung der Waschfrau unterbrochen, welche wankend aus der Küchenthüre kam und Flüche gegen, die Bedienten der Officiere brummte, deren Neckereien ihren Schlaf bei dem Feuer gestört hatten. Die Schildwache verstand von ihren Verwünschungen genug, um den Fall zu begreifen, aber alle seine Bemühungen, mit dem erbosten Weibe ein Gespräch anzuknüpfen, waren fruchtlos; und so ließ er sie in das Gemach eintreten, ohne ihr von dem bereits darin befindlichen Bewohner Nachricht zu ertheilen. Man hörte ihren schweren Körper auf das Bette fallen, dann trat für einige Zeit Stille ein, die aber bald durch das erneuerte Athmen des Hausirers unterbrochen wurde, und wenige Minuten später schnarchte Harvey wieder so laut, als ob gar keine Unterbrechung stattgefunden hätte. Jetzt kam die Ablösung, und die abziehende Schildwache, welcher die Todesverachtung des Krämers in die Nase gestochen hatte, rief, nach Mittheilung der erhaltenen Befehle, dem Nachfolger zu:

»Du kannst dich durch Tanzen warm erhalten, John; der Krämerspion hat seine Fidel gestimmt, wie Du selbst hören kannst, und es wird nicht lange dauern, so fängt Betty auch an, eins aufzustreichen.«

Der Spaß erregte allgemeines Gelächter bei der Runde, welche nun weiter zog, um ihrem Dienste nachzukommen. In diesem Augenblick öffnete sich die Thüre des Gefängnisses und Betty erschien wieder und humpelte gegen ihr früheres Quartier zu.

»Halt!« sagte die Schildwache und erwischte sie bei den Kleidern. »Wißt Ihr gewiß, daß der Spion nicht in Eurer Tasche steckt?«

»Könnt Ihr den Schuft nicht in meiner Kammer schnarchen hören, Ihr schmutziger Lumpenhund,« sprudelte Betty und zitterte vor Wuth am ganzen Leibe; »ist es so weit gekommen, daß man einer ehrsamen Frauensperson ein Mannsbild in die Schlafkammer legt, Ihr Galgenstrick?«

»Pah! meint Ihr den Burschen, der morgen gehängt werden soll? Seht, er schläft ja bereits. Morgen wird er wohl noch ein längeres Schläfchen machen.«

»Hände weg, Ihr Schelm!« rief die Waschfrau und ließ eine kleine Flasche zurück, welche ihr der Reiter glücklich abgerungen hatte. »Aber ich will zu Capitän Jack gehen und ihn fragen, ob es in der Ordnung ist, mir so einen Galgenvogel von Spion in die Kammer zu legen – ja und sogar auf mein ehrsames Wittfrauenbett, Ihr Dieb, Ihr!«

»Schweigt, alte Jesabel,« sagte der Soldat lachend und nahm die Bouteille vom Mund, um Athem zu holen, »sonst werdet Ihr den Ehrenmann aufwecken – oder wollt Ihr einem Menschen nicht einmal den letzten Schlaf gönnen?«

»Ich will den Capitän Jack aufwecken, Ihr heilloser Spitzbube, und ihn herbringen, daß er sieht, wie man mit mir umgeht. Ihr sollt mir alle den Schabernack büßen, den ihr einer ehrsamen Wittwe angethan habt.«

Mit diesen Worten, welche aber nichts weiter, als ein Gelächter der Schildwache erzielten, stolperte Betty um das ganze Ende des Gebäudes und schlug den nächsten Weg nach den Quartieren ihres Lieblings, des Capitäns John Lawton ein, um bei ihm Beistand zu suchen. Aber weder der Officier noch das Weib ließ sich die Nacht über blicken und es ereignete sich nichts mehr, was die Ruhe des Krämers stören konnte, der zur großen Verwunderung der nach und nach aufziehenden Posten durch sein Schnarchen zeigte, welch geringen Einfluß der Gedanke an den Galgen auf seinen. Schlaf zu üben im Stande sey.

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