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Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha - Zweites Buch

Miguel de Cervantes Saavedra: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha - Zweites Buch - Kapitel 53
Quellenangabe
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titleDer sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha - Zweites Buch
authorMiguel de Cervantes Saavedra
year2000
publisherWinkler
addressDüsseldorf
isbn3-538-06531-4
translatorLudwig Braunfels
created20030228
senderreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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52. Kapitel

Wo das Abenteuer mit der zweiten Kammerfrau Schmerzenreich oder Vielbedrängt berichtet wird, welche sonst auch den Namen Doña Rodríguez führt

Sidi Hamét erzählt: Sobald Don Quijote von seinen Schrammen im Gesicht wieder geheilt war, schien ihm das Leben, das er in diesem Schlosse führte, völlig unverträglich mit dem Ritterorden, zu dem er sich bekenne. Er beschloß daher, sich von dem herzoglichen Paar Urlaub zu erbitten, um nach der Stadt Zaragoza abzureisen, deren Festspiele schon herannahten, wo er den Harnisch zu erringen dachte, der bei diesen Festlichkeiten dem Sieger zuteil wird. Als er nun eines Tages mit Herzog und Herzogin zu Tisch saß und gerade im Begriff war, sein Vorhaben ins Werk zu setzen und den Urlaub zu erbitten, siehe, da traten unversehens zur Tür des großen Saals zwei Frauen herein, von Kopf zu Füßen in Trauer gehüllt; eine derselben näherte sich dem Ritter, warf sich, so lang sie war, auf den Boden vor ihm und preßte den Mund auf Don Quijotes Füße und stieß so klägliche, so tiefe, so schmerzliche Seufzer aus, daß alle, die sie hörten und anschauten, wie ganz verwirrt dastanden. Wiewohl der Herzog und die Herzogin dachten, es sei dies nur ein Possen, den ihre Diener dem Ritter spielen wollten, so blieben sie doch in Zweifel und Spannung, als sie sahen, mit welcher Leidenschaftlichkeit die Frau stöhnte und weinte, bis endlich Don Quijote voll Mitleids sie vom Boden emporhob und sie hieß, sich zu enthüllen und den Schleier von dem tränenreichen Antlitze abzunehmen. Sie tat es und ließ die Anwesenden sehen, was sie nimmer erwartet hätten, denn sie entschleierte das Gesicht der Doña Rodríguez, der Kammerfrau vom Hause; und die andre in Trauer war ihre Tochter, das von dem Sohne des reichen Bauern betrogene Mägdlein.

Alle, die sie kannten, verwunderten sich höchlich und der Herzog und die Herzogin mehr als alle; denn sie hielten sie zwar für dumm und albern, aber doch nicht so sehr, daß sie sich bis zu förmlichen Narrenstreichen versteigen sollte. Endlich sprach Doña Rodríguez, zu den Herrschaften gewendet: »Geruhen Eure Exzellenzen zu gestatten, daß ich mit dem Ritter hier mich ein weniges bespreche; denn also ist's unerläßlich, um mich glücklich aus einer Verwicklung zu ziehen, in welche mich die Frechheit eines nichtswürdigen Buben gebracht hat.«

Der Herzog gewährte ihr die Erlaubnis, mit dem Señor Don Quijote zu besprechen, soviel sie nur Lust habe.

Sie richtete nun ihre Rede und ihre Blicke auf Don Quijote und sprach: »Etliche Tage ist es her, tapferer Ritter, seit ich Euch von dem Unrecht und Treubruch berichtet habe, so ein schlechter Bauer gegen mein sehr teures und hochgeliebtes Töchterlein verübt; es ist die Unglückselige, so hier gegenwärtig ist; Ihr nun habt mir verheißen, Euch ihrer anzunehmen und das Unrecht wieder zurechtzubringen, so man ihr angetan. Jetzt aber ist mir zu Ohren gekommen, daß Ihr dieses Schloß verlassen wollt, um auf glückliche Abenteuer auszugehen, welche Gott Euch bescheren wolle. So bitte ich Euch denn, ehe Ihr auf ferne Pfade hinauszieht, daß Ihr selbiges Ungetüm von einem Bauern zum Kampfe fordert und ihn dazu zwingt, daß er meine Tochter ehelicht und so das Eheversprechen einlöst, das er ihr gegeben hat, bevor und ehe er sich mit ihr erlustete. Denn zu glauben, der Herzog, mein Herr, werde mir zu meinem Recht verhelfen, hieße Birnen vom Ulmenbaum brechen wollen, eben aus dem Grunde und Anlaß, den ich Euer Gnaden in aller Heimlichkeit dargelegt. Und hiermit bitte ich zu Gott, daß er Euch Gesundheit zur Genüge verleihe, wir aber seines Schutzes nimmer verlustig gehen mögen.«

Auf diese Worte entgegnete Don Quijote mit würdigem Ernst und Selbstgefühl: »Treffliche Kammerdame, mindert Eure Tränen, oder besser gesagt, trocknet sie und spart Eure Seufzer; ich nehme es auf mich, Eurer Tochter zu helfen. Zwar wäre es besser für sie gewesen, wenn sie sich nicht so leicht und rasch dem Glauben an verliebter Jünglinge Versprechungen hingegeben hätte, denn diese werden schneller hingesagt als erfüllt. Sonach werde ich, mit Erlaubnis des Herzogs, meines Herrn, sofort auf die Suche nach diesem ruchlosen Jüngling ausziehen und werde ihn finden und werde ihn zum Kampfe fordern und werde ihn erschlagen, sofern und sobald er Winkelzüge macht und der Erfüllung seines gegebenen Wortes ausweichen will. Ist ja doch der fürnehmste Zweck meines Berufs, die Demütigen zu schonen und die Hochmütigen zu strafen; ich meine, den von Elend Bedrängten beizuspringen und die Bedränger zu vernichten.«

»Es ist nicht nötig«, entgegnete der Herzog, »daß Euer Gnaden sich die Mühe auferlege, den Bauern zu suchen, über den diese wackere Kammerfrau Klage führt; auch braucht Ihr von mir keine Erlaubnis, ihn herauszufordern, vielmehr sehe ich ihn als bereits gefordert an und mache mich dafür verbindlich, daß diese Forderung zu seiner Kenntnis kommt und er sie annimmt und, um sich zu verantworten, hierher zu diesem Schlosse kommt, allwo ich beiden freies und sicheres Feld zum Kampf gewähren werde, unter Beobachtung aller bei solchen Fällen üblichen Regeln, wobei ich auch jedem gleiches Recht wahren werde; wie das zu wahren all jene Fürsten verpflichtet sind, welche denen freies Kampffeld gewähren, die innerhalb der Grenzen ihres herrschaftlichen Gebietes sich schlagen.«

»Unter dieser Zusicherung also und mit freundwilligem Urlaub Eurer Hoheit«, versetzte Don Quijote, »erkläre ich, daß ich mich für diesmal meines Adelsstands entäußere, mich zum niedren Stand des Übeltäters herablasse und selbigem Stand mich anbequeme, mich zu seinesgleichen mache und ihn in den Stand setze, mit mir zu kämpfen. Und so, ob er auch abwesend, fordere ich ihn und heische ihn zur Verantwortung darum, daß er übel daran getan, diese arme Person, so eine Jungfrau war und jetzo durch sein Verschulden nicht mehr ist, zu betrügen, und daß er die Zusage, ihr rechtmäßiger Ehegemahl zu werden, halten oder durch meine Hand sterben muß.«

Und sogleich zog er einen Handschuh aus und warf ihn mitten in den Saal; der Herzog hob ihn auf und erklärte, wie schon gesagt, nehme er die besagte Forderung im Namen seines Untertans an; er bestimme den sechsten Tag nach dem heutigen für den Kampf und als Kampfplatz den großen Hof des Schlosses, als Waffen die gewöhnlichen der Ritter, Speer und Schild und Harnisch mit Panzerringen, nebst allen andern Bewaffnungsstücken, die sonder Trug noch Falsch, ohne Hinterlist oder Zaubermittel, von den Kampfrichtern untersucht und richtig befunden würden.

»Jedoch vor allen Dingen«, fuhr der Herzog fort, »müssen diese brave Kammerfrau und diese nicht brave Maid ihre Sache ganz in die Hände des Señor Don Quijote legen; andernfalls läßt sich nichts tun, noch kann diese Forderung zu gebührender Ausführung gelangen.«

»Gewiß lege ich es in seine Hände«, erwiderte die Kammerfrau.

»Ich auch«, fügte die Tochter hinzu, ganz in Tränen zerfließend, voller Beschämung und in gar übler Verfassung.

Nachdem nun diese Bestimmungen getroffen worden und der Herzog sich ausgedacht hatte, was zu tun sei, gingen die beiden im Trauergewand von dannen, und die Herzogin ordnete an, sie sollten fernerhin nicht als ihre Dienerinnen behandelt werden, sondern als abenteuernde Damen, die zu ihrem Schlosse gekommen seien, um ihr Recht zu suchen. Es wurde ihnen also ein besonderes Zimmer angewiesen, und sie wurden wie Fremde bedient, zu nicht geringem Erstaunen der übrigen Dienerinnen, die nicht wußten, was es mit der Einfältigkeit und Dreistigkeit der Doña Rodríguez und ihrer trotz dem fahrenden Ritter so übel fahrenden Tochter für ein Ende nehmen sollte.

Wie man so weit war, um das Fest in noch höherem Maße zu erheitern und dem Mahl ein fröhliches Ende zu bereiten, trat der Edelknabe zum Saal herein, der die Briefe und Geschenke an Teresa Pansa, die Frau des Statthalters Sancho Pansa, überbracht hatte. Über seine Ankunft waren Herzog und Herzogin hochvergnügt, da sie begierig waren zu erfahren, was ihm auf seiner Reise begegnet sei; aber als sie ihn danach fragten, antwortete er, er könne dies nicht so öffentlich und auch nicht mit wenigen Worten sagen; Ihre Exzellenzen möchten sich gedulden, bis er sie allein sprechen könne, einstweilen aber möchten sie sich mit diesen Briefen unterhalten. Darauf holte er zwei Briefe hervor und überreichte sie zu Händen der Herzogin. Der eine trug die Aufschrift: »Brief an meine gnädige Frau, die Herzogin N. N., wohnhaft wo weiß ich nicht«, und der andre: »An meinen Mann Sancho Pansa, Statthalter der Insul Baratária, welchem Gott mehr glückliche Jahre schenke als mir.«

Der Herzogin ließ es keine Ruhe, bis sie ihren Brief lesen konnte; sie öffnete ihn, und nachdem sie ihn für sich durchgegangen und gefunden, daß er sich zum Vorlesen vor dem Herzog und den Umstehenden eigne, trug sie ihn laut vor. Er lautete folgendermaßen:

Brief von Teresa Pansa an die Herzogin

Viel Vergnügen hat mir, o Herrin, der Brief gemacht, den Euer Hoheit mir geschrieben; ich hatte wirklich groß Verlangen danach. Die Korallenschnur ist sehr schön, und der Jagdanzug meines Mannes steht nicht hinter ihr zurück. Daß Euer Hoheit meinen Gatten Sancho zum Statthalter gemacht hat, darüber ist das ganze Dorf sehr vergnügt, wiewohl es kein Mensch glaubt, vor allem der Pfarrer und Meister Nikolas der Barbier und Sansón Carrasco der Baccalaur nicht; aber ich gebe keinen Deut darum; wenn es so ist – und es ist wirklich so –, da mag jeder sagen, was er Lust hat. Freilich, ohne die Korallen und den Anzug täte ich es auch nicht glauben, denn hier im Dorf hält jeder meinen Mann für einen einfältigen Tropf, und nachdem er eben erst eines Gutsherrn Statthalter über eine Herde Ziegen gewesen, können sie sich nicht denken, zu was für einer anderen Statthalterschaft er gut sein soll. Gott gebe ihm seinen Segen und leite seine Schritte so, wie er es für seine Kinder nötig hält.

Ich, liebe Frau Herzens-Herzogin, bin mit Verlaub von Euer Gnaden entschlossen, mir das gute Glück zunutze zu machen; ich will in die Residenz gehen und mich da in einer Kutsche ausstrecken, damit den tausend Neidhammeln, die ich schon habe, die Augen aus dem Kopf springen. Daher bitte ich Euer Exzellenz, meinem Mann zu befehlen, er soll mir ein wenig Geld schicken; es muß aber was Rechtes sein, denn in der Residenz sind die Ausgaben groß; das Brot kostet einen Real und Fleisch das Pfund dreißig Maravedis, daß es ein wahrer Jammer ist. Will er aber, daß ich nicht hingehe, so soll er mich beizeiten in Kenntnis setzen, denn es kribbelt mir schon in den Füßen vor lauter Lust, mich auf den Weg zu machen. Auch sagen mir meine Freundinnen und Nachbarinnen, wenn ich und meine Tochter in Pracht und Prunk in der Residenz herumsteigen, da muß am Ende mein Mann durch mich bekannt werden, mehr als ich durch ihn, dieweil notwendigerweise viele Leute fragen werden: Wer sind die Damen in dieser Kutsche? Und da wird einer von meiner Dienerschaft antworten: die Frau und die Tochter von Sancho Pansa, dem Statthalter der Insul Baratária. Und auf die Art wird Sancho bekannt, ich aber geehrt werden, und – was dein Herze gelüstet, geh nach Rom, da findest du's.

Es tut mir leid, sosehr mir was leid tun kann, daß es dies Jahr in unserm Dorf keine Eicheln gegeben hat; trotzdem schicke ich Euer Hoheit fast ein halb Viertel, die bin ich selbst in den Wald gegangen aufzulesen und auszulesen, habe sie aber nicht größer gefunden. Ich wünschte gern, sie wären wie Straußeneier.

Euer Oberherrlichkeit wollen nicht vergessen, mir zu schreiben, ich will schon auf die Antwort bedacht sein und Euch über mein Wohlbefinden berichten und über alles, was aus unsrem Dorf zu berichten ist, allwo ich beständig zu Gott bitte, Euer Hoheit in Obhut zu nehmen und meiner nicht zu vergessen.

Es empfiehlt sich diejenige, die mehr Lust hat, Euer Herrlichkeit zu sehen, als brieflich zu begrüßen:
Eure Dienerin Teresa Pansa

Groß war das Vergnügen, das die Hörer alle über Teresa Pansas Brief empfanden, vor allen der Herzog und die Herzogin. Die letztere bat Don Quijote um seine Ansicht darüber, ob man wohl auch den für den Statthalter gekommenen Brief öffnen dürfe, der nach ihrer Meinung ganz vortrefflich sein müsse. Don Quijote erwiderte, er wolle ihn öffnen, um ihnen Vergnügen zu machen; er tat also und fand, daß der Brief folgendermaßen lautete:

Brief von Teresa Pansa an ihren Ehemann Sancho Pansa

Ich habe deinen Brief erhalten, herzlieber Sancho, und ich versichere und schwör dir's als eine katholische Christin, daß nicht zwei Finger breit dran fehlten, so wär ich vor Vergnügen verrückt geworden. Siehst du, lieber Freund, als ich zu hören bekam, daß du Statthalter bist, meinte ich vor lauter Seligkeit tot hinzufallen; du weißt, was man sagt, plötzliche Freude bringt die Leute ebenso um wie großer Schmerz. Deine Tochter Sanchica ließ vor lauter Vergnügen das Wasser unter sich gehen, ohne es zu merken. Den Anzug, den du mir geschickt hast, hatte ich vor Augen, und die Korallen, die mir die gnädige Frau Herzogin schickte, hatte ich um den Hals und die Briefe in Händen, und den Überbringer derselben hatte ich da vor mir stehen, und bei alledem glaubte und dachte ich, es sei alles nur ein Traum, was ich sah und mit Händen griff; denn wer konnte denken, daß ein Ziegenhirt es so weit bringen sollte, ein Statthalter über Insuln zu werden? Du weißt ja, lieber Freund, meine Mutter hat gesagt: Wer lang lebt, erlebt viel. Ich sage das, weil ich noch mehr zu erleben gedenke, wenn ich noch mehr Jahre lebe, denn es läßt mir keine Ruhe, bis ich dich als Pächter oder Steuereinnehmer sehe. Das sind Stellen, wobei einen freilich der Teufel holt, wenn man sie zu schlechten Zwecken benutzt, wobei man aber zuletzt doch immer Geld hat und mit Geld umgeht.

Meine gnädige Frau Herzogin wird dir sagen, daß ich den Wunsch habe, nach der Residenz zu kommen; überlege dir das und sage mir, was du haben willst; ich will bestrebt sein, dir dort Ehre zu machen, weil ich in der Kutsche fahren will.

Der Pfarrer, der Barbier, der Baccalaur, ja auch der Küster können nicht glauben, daß du Statthalter bist, und sagen, alles sei Betrug oder Zauberergeschichten, wie es alle die Geschichten deines Dienstherrn Don Quijote sind; und Sansón sagt, er will hingehen und dich aufsuchen und dir die Statthalterschaft aus dem Kopf und dem Don Quijote die Narretei aus dem Hirn treiben. Ich aber tue weiter nichts als sie auslachen und meine Schnur ansehen und überlegen, wie ich aus deinem Anzug einen für unsre Tochter zurechtmachen kann.

Ich habe meiner gnädigen Frau Herzogin Eicheln geschickt, ich wollte, sie wären von Gold gewesen. Schicke du mir Perlenschnüre, wenn man sie auf deiner Insul trägt.

Das Neueste aus unserm Dorf ist, daß die Berrueca ihre Tochter mit einem Maler verheiratet hat, der nichts kann; der ist hierhergekommen, um zu malen, was eben vorkäme. Der Gemeinderat hat ihn beauftragt, das Wappen Seiner Majestät über die Tür des Rathauses zu malen; er verlangte zwei Taler, und man hat sie ihm im voraus gegeben; er hat acht Tage daran gearbeitet, und als sie herum waren, hatte er nichts gemalt und sagte, er könne es nicht über sich gewinnen, soviel geringfügigen Plunder zu malen; er hat das Geld zurückgegeben, und trotzdem, auf den Grund seiner Tüchtigkeit als Handwerksmann, hat er sich verheiratet. Freilich hat er den Pinsel beiseite gelegt und die Hacke zur Hand genommen und geht aufs Feld als ein recht braver Kerl. Der Sohn von Pedro de Lobo hat die niederen Weihen genommen und die Tonsur dazu, in der Absicht, geistlich zu werden; das hat Minguilla erfahren, die Enkelin von Mingo Silvato, und hat eine Klage gegen ihn angestellt, weil er ihr die Ehe versprochen hat. Böse Zungen wollen wissen, sie sei von ihm in andern Umständen, er aber leugnet es Stein und Bein. Heuer gibt es keine Oliven, auch findet sich kein Tropfen Essig im ganzen Dorf. Eine Kompanie Soldaten ist hier durchgekommen, sie haben auf ihrem Marsch drei Mädchen aus unserm Dorf mitgenommen. Ich will dir nicht sagen, wer sie sind; vielleicht, daß sie wiederkommen, und da wird's auch nicht an Männern fehlen, die sie heiraten mit den guten oder bösen Flecken auf ihrem Ruf.

Sanchica klöppelt jetzt Spitzen von Leinenzwirn, verdient täglich ihre acht Maravedis über die Kosten und legt sie in eine Sparbüchse als Beisteuer für ihre Ausstattung; aber jetzt, wo sie eines Statthalters Tochter ist, wirst du ihr schon die Mitgift stellen, ohne daß sie dafür arbeitet.

Der Brunnen auf dem Markt ist versiegt. Der Blitz hat in den Galgen geschlagen, aber es liegt mir den Kuckuck dran.

Ich erwarte auf Gegenwärtiges Antwort und Bescheid über meine Reise nach der Residenz. Und hiermit bitte ich Gott, dir längeres Leben als mir zu gewähren oder ein ebenso langes, denn ich möchte dich nicht ohne mich in dieser Welt zurücklassen.
Deine Frau Teresa Pansa

Die Briefe wurden hoch gefeiert und belacht, gepriesen und bewundert, und um das letzte Siegel auf die Freude zu drücken, kam auch noch der Eilbote, der den Brief Sanchos an Don Quijote überbrachte. Dieser Brief wurde ebenfalls öffentlich verlesen und erweckte Zweifel an der Einfältigkeit des Statthalters.

Die Herzogin zog sich zurück, um von dem Edelknaben zu hören, was in Sanchos Dorf vorgegangen; er berichtete es ihr ganz ausführlich, ohne den geringsten Umstand unerwähnt zu lassen; er überreichte ihr die Eicheln und dazu einen Käse, den ihm Teresa mitgegeben, weil er noch besser sei als der Käse von Tronchon. Die Herzogin empfing alles mit dem größten Vergnügen, und dabei wollen wir sie lassen, um zu erzählen, welch ein Ende die Statthalterschaft des großen Sancho Pansa genommen, der die Blume und der Spiegel war aller insulanischen Statthalter.

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