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Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha - Erstes Buch

Miguel de Cervantes Saavedra: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha - Erstes Buch - Kapitel 51
Quellenangabe
pfad/cervante/quijote1/quijote1.xml
typefiction
titleDer sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha - Erstes Buch
authorMiguel de Cervantes Saavedra
year2000
publisherWinkler
addressDüsseldorf
isbn3-538-06531-4
translatorLudwig Braunfels
created20030228
senderreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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50. Kapitel

Von dem scharfsinnigen Meinungsstreit zwischen Don Quijote und dem Domherrn, nebst andern Begebnissen

»Das ist nicht übel«, entgegnete Don Quijote, »die Bücher, die mit königlicher Erlaubnis und mit Genehmigung der Zensurbehörden gedruckt sind und mit allgemeinem Beifall gelesen und gefeiert werden von groß und klein, von hoch und niedrig, von den Gelehrten und den Ungelehrten, von den Leuten aus dem Volk und den Edelleuten, kurz, von jeder Art Personen, wes Standes und Berufs sie auch seien, diese Bücher sollten Lüge sein? Zumal da sie doch so sehr das Gepräge der Wahrheit an sich tragen, indem sie uns jedesmal den Vater, die Mutter, das Vaterland, die Verwandten, das Alter, den Ort und die Taten des fraglichen Ritters oder der fraglichen Ritter Punkt für Punkt und Tag für Tag angeben. Nein, würdiger Herr, schweiget, sprecht keine solche Lästerung aus und glaubt mir, ich rate Euch, was Ihr als verständiger Mann in der Sache tun müsset. Oder aber, lest sie doch nur, und Ihr werdet sehen, welchen Genuß Ihr von diesen Büchern empfangt. Oder sagt mir doch einmal: gibt's ein größer Vergnügen, als zum Beispiel zu sehen, wie hier gleich vor unsern Augen ein großer See von siedendem und Blasen auftreibendem Pech erscheint und wie darin zahlreiche Schlangen, Nattern, Eidechsen und viele andre Arten wilder, entsetzlicher Tiere umherschwimmen und sich in die Kreuz und Quer bewegen und wie mitten aus dem See eine jammervolle Stimme empordringt und spricht: ›Du, Ritter, wer du auch seiest, der du diesen fürchterlichen See beschauest, wenn du das Heil erringen willst, das unter diesen schwarzen Wassern verborgen liegt, bewähre die Tapferkeit deines heldenstarken Busens und wirf dich mitten in das schwarze, flammende Naß dieses Sees hinein; denn so du solches nicht tust, bist du nimmer würdig, die erhabenen Wunder zu erschauen, die da enthalten und beschlossen sind in den sieben Burgen der sieben Feen, welche unter dieser Finsternis liegen.‹ Und wie der Ritter, da er die fürchterliche Stimme kaum noch recht vernommen, auf der Stelle, ohne weiter zu überlegen, in welche Gefahr er sich begibt, ja, ohne sich des Gewichtes seiner starken Rüstung zu entledigen, sich Gott und seiner Gebieterin befiehlt und sich mitten in den kochenden See hineinstürzt; und wie er, ehe er sich's versieht und ehe er noch weiß, wohin er geraten mag, sich auf blühenden Gefilden findet, mit denen die des Elysiums sich in keiner Hinsicht vergleichen können. Da, deucht es ihn, ist der Himmel klarer und scheint die Sonne mit höherem, ungekanntem Glanze; da bietet sich seinen Augen ein lieblicher Hain von so frischgrünen, dichtbelaubten Bäumen, daß ihr Grün den Blick ergötzt, während die Ohren sich laben an dem süßen, nicht durch Kunst erlernten Gesang der kleinen, zahllosen bunten Vöglein, die durch das verschlungene Gezweig beständig hin und her fliegen. Dort wieder ersieht er ein Bächlein, dessen frische Wasser flüssige Kristalle scheinen und über feinen Sand und weiße Steinchen hineilen, die wie Goldstaub und reine Perlen anzuschauen sind. Anderwärts erblickt er einen kunstreichen Springbrunnen, dessen Schale aus buntem Jaspis und glattem Marmor besteht; dann einen andern, in phantastischem Stil angelegt, wo die kleinen Muschelschalen mit den gewundenen weißen und gelben Schneckenhäusern wie zufällig und doch geordnet hingelegt sind und daruntergemischte Stücke glänzenden Kristalls und künstlich nachgemachten Smaragds ein Werk von großer Mannigfaltigkeit darstellen, so daß die Kunst, indem sie die Natur nachahmt, diese hier zu übertreffen scheint. Dort alsdann zeigt sich ihm unversehens eine starke Feste oder prächtige Königsburg, deren Mauern von gediegenem Golde, deren Zinnen von Demanten, deren Tore von Hyazinthen sind; und zudem ist sie von so wunderbarem Bau, daß, obschon ihre Bestandteile nichts Geringeres sind als Demanten, Karfunkel, Rubine, Perlen, Gold und Smaragde, die Arbeit an dem ganzen Werke von noch höherem Wert ist.

Und hat er dies alles gesehen, was gibt's noch Herrlicheres zu sehen, als zu sehen, wie aus der Pforte der Königsburg eine reichliche Anzahl junger Fräulein hervortritt, alle in so reizenden, prachtvollen Roben, daß ich wahrlich, wenn ich sie nunmehr so schildern wollte wie die Rittergeschichten, nimmer damit zu Ende kommen würde; und zu sehen, wie alsogleich die Dame, die als die fürnehmste unter allen aussah, den verwegenen Ritter, der sich in den kochenden See gestürzt, an der Hand nimmt und ihn, ohne ein Wort zu reden, in die herrliche Königsburg oder Feste hineingeleitet und ihn splitternackt, wie er aus der Mutter Schoß kam, entkleiden und in lauem Wasser baden, ihm sodann mit duftenden Salben den ganzen Körper salben und ihn mit einem Hemd vom feinsten Zindel bekleiden läßt, das ganz und gar voll Wohlgeruches und lieblich durchduftet ist; und wie dann ein anderes Fräulein kommt und ihm über die Schultern einen Mantel wirft, der mindestens, ja zum mindesten, wie die Berichte lauten, eine ganze Stadt wert ist, ja noch mehr.

Was ist sodann Schöneres zu sehen, als wenn uns berichtet wird, wie er nach alledem in einen andern Saal geleitet wird, wo er die Tische in so wundervoller Anordnung gedeckt findet, daß er voll Staunens außer sich gerät? Was Schöneres, als zu sehen, wie ihm über die Hände Wasser gegossen wird, das aus lauter Ambra und duftigen Blumen gewonnen ist? Was Herrlicheres, als zu sehen, wie man ihn auf einem Sessel von Elfenbein niedersitzen heißt? Wie ihn alle die Fräulein in wundersamem Schweigen bedienen? Was Prächtigeres als eine solche Mannigfaltigkeit von Gerichten, alle so schmackhaft bereitet, daß die lüsterne Begier nicht weiß, nach welchem sie zuerst die Hand ausstrecken soll? Und wie herrlich, dann den Gesängen zu lauschen, die da ertönen, während er tafelt, ohne daß er weiß, wer sie singt noch wo sie erklingen? Und wenn das Mahl beendet und die Tafel aufgehoben ist, wie da der Ritter sich auf seinen Sessel zurücklehnt und, während er sich die Zähne stochert, wie es jetzt Sitte ist, wie da unversehens zur Tür des Saales eine andre Jungfrau hereintritt, weit schöner als jegliche von den ersten; und wie sie sich dem Ritter zur Seite niederläßt und ihm sofort berichtet, welch eine Burg dieses ist und daß sie in selbiger verzaubert weilen muß, nebst viel anderem, was den Ritter in Staunen versetzt und die Leser seiner Geschichte mit Bewunderung erfüllt. Ich will mich nicht weiter hierüber verbreiten; aber man kann schon aus dem Gesagten schließen, daß jedes beliebige Stück, das man von jeder beliebigen Rittergeschichte liest, bei jedem beliebigen Leser Vergnügen und Verwunderung hervorbringen muß.

Und Euer Gnaden möge mir folgen und, wie ich schon vorher bemerkt, diese Bücher lesen; und Ihr werdet sehen, wie sie Euch den Trübsinn, der Euch etwa drückt, verbannen und die Stimmung bessern, wenn Ihr Euch etwa in einer schlechten befinden solltet. Von mir wenigstens muß ich sagen, seit ich ein fahrender Ritter bin, seitdem bin ich tapfer, freigebig, gesittet, großmütig, höflich, kühn, sanft, geduldig, ertrage leicht Mühsale, Gefangenschaft, Verzauberung, und obschon ich erst vor kurzem mich als verrückt in einem Käfig eingesperrt sah, so hoffe ich doch durch die Kraft meines Armes, wenn der Himmel mir beisteht und das Glück mir nicht feindlich ist, mich binnen weniger Tage zum König eines Reiches erhoben zu sehen, wo ich die Dankbarkeit und Freigebigkeit zeigen kann, die meine Brust in sich faßt. Denn wahrlich, Señor, der Arme ist unfähig, die Tugend der Freigebigkeit gegen irgendwen zu zeigen, wenn er sie auch im höchsten Grade besitzt; und die Dankbarkeit, die nur aus frommen Wünschen besteht, ist etwas Totes, gerade wie der Glaube ohne Werke tot ist. Darum wünschte ich, daß das Glück mir baldigst eine Gelegenheit böte, mich zum Kaiser zu machen, um meine Gesinnung durch Wohltaten an meinen Freunden zu bewähren, insbesondere an dem armen Teufel von Sancho, meinem Schildknappen, der der beste Mensch von der Welt ist; ich möchte ihm gern eine Grafschaft schenken, die ich ihm schon seit langen Tagen versprochen habe; nur fürchte ich, er möchte nicht die Fähigkeit besitzen, seine Grafschaft zu regieren.«

Diese letzten Worte hörte Sancho, und gleich sprach er zu seinem Herrn: »Señor Don Quijote, sorgt Ihr nur dafür, daß Ihr mir jene Grafschaft verschafft, die von Euch ebenso ernstlich verheißen als von mir erhofft ist; ich hingegen verheiße Euch, mir soll es an Fähigkeiten nicht fehlen, sie zu regieren. Und wenn es mir auch daran fehlen sollte, so hab ich gehört, es gibt Leute in der Welt, welche die Herrschaften der großen Herren in Pacht nehmen und ihnen soundso viel jährlich abgeben, sie hingegen sorgen für die Regierung, und der Herr sitzt und streckt die Beine aus und genießt seine Rente, ohne sich um sonst was zu kümmern. Und so will ich's auch machen, und ich will mich nicht um das geringste weiter kümmern, sondern gleich alles aus den Händen geben, und will mir meine Rente schmecken lassen wie ein Prinz, und den Leuten mag es bekommen, wie es will.«

»Dies, Freund Sancho«, sagte der Domherr, »kann gelten, soweit es das Verzehren der Rente betrifft, aber was die Verwaltung der Rechtspflege angeht, die muß der Besitzer der Herrschaft selbst verstehen, und dazu gehören Fähigkeit und tüchtiger Mutterwitz und besonders der redliche Wille, das Richtige zu tun. Denn wo dieser im Anfang fehlt, wird auch Mitte und Ende stets fehlgehen; und Gott pflegt ebenso der redlichen Absicht des Einfältigen hilfreich zu sein, als die böse Absicht des Klugen zu vereiteln.«

»Ich verstehe nichts von derlei Gelahrtheiten«, entgegnete Sancho Pansa. »Ich weiß nur, so geschwind ich die Grafschaft bekommen würde, so geschwind würde ich sie zu regieren verstehen; denn ich habe soviel Verstand im Leibe wie jeder andre und soviel Leib wie nur der Allerbeleibteste, und ich würde ebensosehr in meiner Herrschaft der König sein wie jedweder in seiner. Und wenn ich das wäre, so würde ich tun, was ich wollte; und wenn ich täte, was ich wollte, so würde ich tun, wozu ich Lust habe; und wenn ich täte, wozu ich Lust habe, wäre ich zufrieden; und wenn einer zufrieden ist, hat er nichts mehr zu wünschen; und wenn einer nichts mehr zu wünschen hat, so ist die Sache abgemacht. Also nur her mit der Herrschaft; und damit Gott befohlen und auf Wiedersehen, wie ein Blinder zum andern sagte.«

»Diese Gelahrtheiten, wie du gesagt, sind nicht so übel, Sancho«, sprach der Domherr; »aber bei alledem bleibt über die Sache mit den Grafschaften noch viel zu sagen.«

Darauf versetzte Don Quijote: »Ich wüßte nicht, daß noch etwas zu sagen bliebe. Ich richte mich lediglich nach zahlreichen und mannigfachen Beispielen, die ich in diesem Betreff hier anführen könnte, von Rittern meines Berufs, welche, um den getreuen und ausgezeichneten Dienstleistungen ihrer Schildknappen gerecht zu werden, ihnen ganz besondere Gnaden erwiesen und sie zu unabhängigen Herren von Städten und Insuln machten, und manchen gab es, dessen Verdienste so hohen Grad erreichten, daß er sich überhob und vermaß, den Königsthron zu besteigen. Aber wozu verwende ich hierauf soviel Zeit, da mir ein so glänzendes Beispiel der große und nie genugsam gepriesene Amadís von Gallien bietet, der seinen Schildknappen zum Grafen der Festlandinsul machte? Und so kann auch ich ohne Gewissensbedenken meinen Sancho Pansa zum Grafen machen, der einer der besten Schildknappen ist, die je ein fahrender Ritter gehabt hat.«

Der Domherr war höchlich verwundert über diese systematischen Narreteien – wenn in Narreteien ein System sein kann –, welche Don Quijote vorgebracht, und über die Art, wie er das Abenteuer des Ritters vom See geschildert, über den Eindruck, den die vorsätzlichen Lügen der Bücher, die er gelesen, auf ihn hervorgebracht hatten, und endlich erstaunte ihn auch die Einfalt Sanchos, der sich so heiß nach der von seinem Herrn verheißenen Grafschaft sehnte.

Unterdessen kehrten die Diener des Domherrn aus der Schenke zurück, von wo sie das Saumtier mit dem Mundvorrat geholt hatten. Ein Teppich und das grüne Gras der Wiese dienten als Tisch; man setzte sich unter schattigen Bäumen nieder und speiste daselbst, damit der Ochsenkärrner nicht um die günstige Gelegenheit käme, die ihm, wie gesagt, dieser Ort darbot.

Während sie so tafelten, vernahmen sie plötzlich ein starkes Rauschen von Zweigen und das Klingen einer Schelle, welches aus Dornbüschen und dichtem Gesträuch, das sich ringsher fand, erklang, und im nämlichen Augenblick sahen sie aus dem Dickicht eine schöne Ziege hervorspringen, deren ganzes Fell schwarz, weiß und grau gesprenkelt war; hinter ihr her kam ein Ziegenhirt, rief ihr nach und sprach ihr schmeichelnd zu, wie die Hirten pflegen, damit sie stehenbliebe oder zur Herde zurückliefe. Die flüchtige Ziege lief in ihrer Furcht und Ängstlichkeit zu den Leuten hin, als ob sie Schutz bei ihnen suchte, und blieb da stehen. Der Ziegenhirt kam herbei, faßte sie an den Hörnern und redete mit ihr, gerade als besäße sie Verstand und Einsicht: »Ha, du Landstreicherin, Wildfang, Scheckchen, Scheckchen! Wo hüpfst du denn all die Zeit herum? Was für Wölfe haben dich fortgeschreckt, mein Töchterlein? Willst du mir nicht sagen, was das bedeuten soll, du Allerschönste? Aber was kann es bedeuten, als daß du ein Weibchen bist und keine Ruhe halten kannst? Das ist eben deine Natur, der Kuckuck soll sie holen, und es ist die Natur aller Weiber, und du tust es ihnen nach. Komm mit heim, komm mit heim, Liebchen; bist du auch nicht so vergnügt in deiner Hürde, so bist du doch besser geborgen darin oder bei deinen Gefährtinnen; und wenn du, die du sie hüten und leiten sollst, so ohne Führung bist und auf Abwegen wandelst, wohin soll's dann mit ihnen kommen?«

Das Gerede des Ziegenhirten machte allen Zuhörern großes Vergnügen, insbesondere dem Domherrn, der zu ihm sagte: »Ich bitte Euch um alles, guter Freund, beruhigt Euch ein wenig und eilt nicht so arg, die Ziege zu ihrer Herde zurückzubringen; denn da sie, wie Ihr sagt, ein Weibchen ist, so muß sie ihrem angebornen Triebe folgen, ob Ihr Euch auch noch so sehr mühet, es zu verwehren. Nehmt diesen Bissen und trinkt einmal, damit werdet Ihr Euren Zorn kühlen, und derweil kann die Ziege sich ausruhen.«

Dies sagen und ihm auf der Spitze des Messers die Lenden von einem kalten gebratenen Kaninchen darreichen war alles das Werk eines Augenblicks. Der Ziegenhirt nahm es und dankte dafür, trank und ward ruhig und sprach alsbald: »Ich möchte nicht, daß Euer Gnaden mich für einen einfältigen Menschen halte, weil ich mit dem Tier so ganz nach der Vernunft gesprochen; denn allerdings sind die Worte, die ich der Ziege sagte, etwas absonderlich. Ich bin ein Bauer, aber nicht so bäurisch, daß ich nicht wüßte, wie man mit dem Menschen und dem Vieh umgehen muß.«

»Das glaube ich ganz gern«, sagte der Pfarrer; »denn ich weiß schon aus Erfahrung, daß die Wälder Leute von Bildung auf erziehen und die Schäferhütten manchem Philosophen Wohnung bieten.«

»Wenigstens, Señor, beherbergen sie Leute«, entgegnete der Hirt, »die durch Schaden klug geworden sind; und damit Ihr die Wahrheit dieses Satzes glaubet und sie mit den Händen greifet, so werde ich, obwohl ich mich damit ungebeten selber einlade, so werde ich, wenn es Euch nicht langweilt und Ihr mir eine kleine Weile aufmerksames Gehör schenken wollt, Euch eine wahre Geschichte erzählen, die die Behauptung dieses Herrn« – auf den Pfarrer deutend – »und die meinige bestätigen wird.«

Hierauf entgegnete Don Quijote: »Sintemal ich ersehe, daß dieser Kasus ich weiß nicht was für einen Anstrich von einem Ritterschafts-Abenteuer hat, so werde ich für mein Teil Euch sehr gerne anhören, guter Freund, und desgleichen werden alle diese Herren tun, da sie so überaus verständig sind und gerne vernehmen von absonderlichen Neuigkeiten, so die Sinne spannen, ergötzen und behaglich unterhalten, wie meines Bedünkens Eure Erzählung ohne Zweifel tun wird. So machet denn einen Beginn, Freund, wir werden Euch alle zuhören.«

»Ich tue nicht mit«, sprach Sancho; »mit der Pastete hier gehe ich dort an den Bach und will mich da auf drei Tage anfüllen. Denn ich habe meinen Herrn Don Quijote sagen hören, fahrenden Ritters Schildknappe muß essen, bis er nicht mehr kann, sobald er in den Fall kommt; dieweil er oftmals in den Fall kommt, daß er zufällig in einen dicht verschlungenen Wald hineingerät, aus dem er sechs Tage nicht wieder herauskommt, und wenn da der Mensch nicht sattgegessen oder mit einem wohlgespickten Schnappsack versehen ist, so kann er drin steckenbleiben und, wie ihm oftmalen geschieht, zur Mumie zusammenhutzeln.«

»Du hast das beste Teil erwählt, Sancho«, sprach Don Quijote; »geh du, wohin dir's paßt, und iß, was der Magen faßt. Ich habe schon mein Genügen, es erübrigt mir nur noch, dem Geiste seine Erquickung zu gewähren, und die gewähre ich ihm, wenn ich die Erzählung dieses Biedermanns anhöre.«

»Wir alle werden unsere Geister daran erquicken«, sprach der Domherr; und sofort bat er den Ziegenhirten, mit der versprochenen Erzählung zu beginnen. Der Hirt gab der Ziege, die er an den Hörnern hielt, zwei Schläge mit der flachen Hand auf den Rücken und sagte zu ihr: »Leg dich neben mich hin, Scheckchen, wir haben noch genug Zeit, zu unserem Pferch heimzukehren.«

Die Ziege schien ihn zu verstehn; denn als ihr Herr sich setzte, streckte sie sich ganz ruhig neben ihm nieder und sah ihm ins Gesicht, als ob sie zu verstehen gäbe, daß sie auf die Worte des Hirten ernstlich aufmerken wolle. Und dieser begann seine Geschichte folgendermaßen.

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