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Der siebente Mann

Max Brand: Der siebente Mann - Kapitel 30
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDer siebente Mann
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
printrun
translatorHellmuth Wetzel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180215
projectid281479f7
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Neunundzwanzigstes Kapitel.
Billy, der Schreiber

Wenn Sheriff Pete Glass nichts weiter gewesen wäre als der gewöhnliche Sheriff, wie man ihn in den Bergen oben kennt, zäh im Sattel und ein sicherer Schütze, aber sonst nichts, wäre sein Werk mit ihm zugleich gestorben. Aber Glass hatte ein Gehirn, das mindestens so rührig war wie seine Hände, und deshalb überlebte ihn sein Werk wenigstens für eine gewisse Zeit. Er hatte fünfzehn erprobte Kämpfer zusammengebracht, und als sie, gefolgt von so ziemlich der gesamten Einwohnerschaft von Rickett, die Tür zur Amtsstube des Sheriffs eingeschlagen und seine Leiche gefunden hatten, hatten sie alle zusammen nur einen einzigen Gedanken, sich aufs Pferd zu werfen und dem Mörder nachzujagen, der eben jetzt hinter einer rasch kleiner werdenden Staubwolke die Straße hinunter verschwand. Er ritt in beinahe genau östlicher Richtung, und es erhob sich der Ruf: »Er steuert nach den Morgan-Bergen. Ihm nach, Boys!« So stürzten sie hinunter, sprangen in die Sättel, fünfzehn erprobte Männer auf fünfzehn ausgesuchten Pferden, und donnerten die Straße hinab. Was an des Sheriffs Werk Muskel und Körper war, zog aus, um ihn zu rächen. Das Hirn aber blieb in Rickett. Wer war das Hirn? Das war Billy, der alte Schreiber. Niemand schenkte Billy besondere Beachtung. Das war immer so gewesen. Im Sattel taugte er nichts, und mit dem Revolver in der Hand war er nur eine komische Figur. Der einzige Platz, an dem er achtunggebietend wirkte, war hinter seiner Schreibmaschine. Jetzt saß er neben des Sheriffs Leiche, blickte in das tote Antlitz und suchte zu begreifen, was das alles bedeutete. Von allem Anbeginn an war er Petes Helfer und Vertrauter gewesen. Von Anfang an war es der erste Satz seiner Glaubensartikel gewesen, daß der kleine, staubige Mann unbesieglich sei. Nun saß er da, und seine matten Augen, die von dreißig Jahren unablässiger Schreibarbeit geschwächt waren, wanderten über die Galerie dahingegangener Banditen, die ihn von der Wand herab anstarrte. Er beugte sich vor und packte die schlaffe Hand des Toten, als wolle er einem Gestürzten wieder aufhelfen, aber die Finger, die er faßte, wurden bereits kalt. Da erst wußte Billy, daß über den Sheriff der Tod gekommen war. Pete Glass hatte einmal existiert; er existierte nicht mehr.

Das nächste, was ihm einfiel, war, daß etwas geschehen mußte. Was es war, war er unfähig zu sagen, denn dies war des Sheriffs Amtsstube, ein Raum, in dem Billy gewohnt war, nicht zu denken, sondern Befehle entgegenzunehmen. Er schlich in seinen eigenen engen Verschlag zurück und hockte sich hinter die Schreibmaschine. Mit einemmal klärte sich sein Hirn. Gedanken tauchten auf und schlossen sich zu Einfällen, zu Bildern und schließlich zu Plänen zusammen.

Tot oder lebend mußte der Mörder erwischt werden. Fünfzehn Mann waren ausgeritten, um zu vollbringen, was getan werden mußte. Als sie davonbrausten, hatte es ausgesehen, als könne ihnen nichts widerstehen. Gewiß, es gab kein lebendes Geschöpf, Mensch oder Tier, das sich ihnen ungestraft in den Weg stellen konnte, das wußte Billy wohl. Trotzdem aber erinnerte er sich eines Ausspruchs, den der Sheriff im Munde führte und auf den er hartnäckig immer wieder zurückkam: »'s gibt kein Pferd und keinen Reiter, die fähig sind, den Pfeifenden Dan einzuholen. Versucht hat man es schon oft, und zustande gebracht hat's keiner. Ich habe Dan's Geschichte studiert, und ich kann nur sagen, nie hat's einer zustande gebracht. Wenn man Dan einholen will, müssen die Reiter sich ablösen, wie man's macht, wenn man auf wilde Pferde jagt.« Billy rieb sich den kahlen Schädel und grübelte und grübelte.

In den langen Jahren, in denen er mit offiziellen Berichten und Dokumenten zu tun, in denen er so vieles zu registrieren und zu ordnen gehabt hatte, war methodische Ordnung auch im Denken ihm zur Gewohnheit geworden. Und so begann Billy auch jetzt damit, daß er zum Anfang zurückkehrte. Dan Barry war auf der Flucht. Mit einer Sicherheit von neunundneunzig Prozent war anzunehmen, daß er der so gut wie völlig unzugänglichen Gebirgsregion zustrebte, in der der Sheriff schon einmal nach Mat Henshaws Tod und Barrys nächtlicher Flucht aus seinem Haus seine Spur verloren hatte. Und auch nach dem berüchtigten Blutbad in Alder hatte er sich dorthin zurückgezogen. So konnte eigentlich kein Zweifel sein, daß er dasselbe sichere Asyl auch diesmal aufsuchen werde.

Gewiß, auf den ersten Blick schien das ganz unwahrscheinlich, denn die Morgan-Berge, auf die der Flüchtige jetzt zustrebte, lagen ziemlich genau östlich, während die Gegend, aus der Barry gekommen sein mußte, und wohin er wieder zurückkehren würde, irgendwo im Nordwesten lag. Es war ein Ritt von guten vierzig Meilen bis dorthin, und um so seltsamer schien es, daß er in genau entgegengesetzter Richtung steuerte. Deshalb schloß Billy die Augen, lehnte sich im Stuhl zurück und versuchte sich ein Bild der ganzen Gegend zu machen.

Fünf Meilen östlich von Rickett zogen sich die Morgan-Berge hin. Es waren eigentlich keine wirklichen Berge, sondern ein Wirrwarr durch zahlreiche Einschnitte und Schluchten zerrissener Geländefalten, in denen ein Jäger leicht das Wild, das er verfolgte, aus den Augen verlor. Das Wild, das er verfolgte – das war ein Gedanke, der Billy weiterhalf. Dan Barry hatte natürlich gewußt, daß man ihn rasch und energisch verfolgen würde. Er hatte die Richtung nach den Morgan-Bergen eingeschlagen, um das Aufgebot über die eigentliche Richtung seiner Flucht zu täuschen. Trotz der beispiellosen Schnelligkeit, über die Satan verfügte – der Sheriff hatte es am eigenen Leibe erfahren müssen – war anzunehmen, daß der Flüchtling absichtlich in Sichtweite des Aufgebots blieb, bis er tief in die Wildnis der Morgan-Berge eingedrungen war. Dann aber machte er höchstwahrscheinlich einen scharfen Haken und schlug die Richtung ein, in der er eigentlich zu fliehen beabsichtigte.

Als Billy in seinen Folgerungen so weit gekommen war, klatschte er zufrieden in die Hände. Er zitterte vor Erregung, und nur mit Schwierigkeit gelang es ihm, seine Pfeife zu stopfen. Als sie endlich in Gang war, lehnte er sich wieder zurück und prüfte die Landkarte, die vor seinem geistigen Auge aufgeschlagen war.

Ungefähr so weit westlich von Rickett, wie die Morgan-Hügel im Osten, verliefen die Wago-Berge, eine niedrige, sanft an- und abschwellende Gebirgskette, die einem Mann zu Pferd kaum irgendwelche Hindernisse bot. Auf seinem Ritt nach Westen konnte Barry sie in raschem Tempo passieren, nur mußte er in einer Entfernung von etwa fünfzehn oder zwanzig Meilen von Rickett auf ein Hindernis stoßen, dessen Überwindung gewaltige Schwierigkeiten bot, nämlich den Asperfluß, der, zu dieser Jahreszeit, seine vom tauenden Schnee der Berge geschwollenen Wasser in reißendem Strom dahinführte. Es wäre eine ganz ungewöhnliche Leistung gewesen, zu Pferde schwimmend über einen solchen Strom zu setzen, und es gab nur zwei Plätze, wo der Asper auf einer Furt zu überschreiten war. Rund fünfzig Meilen nördlich und ein wenig östlich von Rickett verbreiterte sich der Asper plötzlich. Sein Bett wurde breit und flach. Seine Wasser teilten sich auf eine Strecke von mehreren Meilen in eine ganze Anzahl verschiedener Kanäle, die weiter unten sich wieder zu demselben reißenden Strom vereinigten. Da war die Furt, auf die Dan Barry wahrscheinlich zustrebte. Dort oben lag Caswell City.

Es gab indessen noch eine andere Stelle, an der der Asper passierbar war. Beinah genau westlich von Rickett, etwa fünfzehn Meilen weit weg, mündete der Tucker-Bach in den Asper. Kurz oberhalb des Zusammenflusses konnte man mit Leichtigkeit sowohl den Tucker-Bach wie den Asper überschreiten. Es stimmte freilich, daß Barry, um nach dem Tucker-Bach zu kommen, in einem Bogen durch die Morgan-Berge zurückreiten und wieder gefährlich nahe an Rickett vorbeikommen mußte, aber Billy war überzeugt, daß das der Plan des Mörders war. Obwohl die Furt bei Caswell City sicherer zu erreichen war, lag sie für ihn, der nach Westen wollte, beinahe einen Tagesritt abseits vom Wege. Außerdem hatte der Sheriff oftmals gesagt: »Barry läßt's gern drauf ankommen!«

Und Billy hätte seinen Kopf dafür verwettet, daß der Flüchtling, sobald er aus den Morgan-Bergen wieder herauskam, geradeswegs die Richtung nach dem Tucker-Bach einschlagen würde.

Im Haus klappten Türen, Hunderte von Stiefeln scharrten und trampelten; verworrene Stimmen lärmten draußen im Korridor, strömten durch die Tür und hallten ihm schließlich aus unmittelbarer Nähe in die Ohren. Er sah überrascht auf. Die erste Welle der Bevölkerung Ricketts war längst verebbt, sie war hinausgebraust, um an der Verfolgung tätig oder als Zuschauer teilzunehmen, jetzt strömte als der Rest die zweite Welle herein, die Greise, die Frauen – und Kinder mit erstaunt aufgerissenen Augen. Trotz des Lärms, den ihre Füße und Stimmen verursachten, schienen sie bemüht, sachte zu gehen und möglichst leise zu sprechen. Sie drängten sich um Billys Schreibtisch und bestürmten ihn gestikulierend mit tausend Fragen. Aber er starrte sie nur verständnislos an. Er sah sie alle nur verschwommen und wie im Traum. Sein Bewußtsein war weit weg von Rickett, in zähem Ringen mit der Lösung des großen Problems beschäftigt.

»Der arme alte Billy, er ist noch ganz verdattert«, meinte eine Frau. »Laß ihn in Ruhe, Bud. Sieh mal, da drin!«

Die lärmende Flut starrender Gesichter teilte sich und strömte um Billys Tisch herum, hinein in die innere Amtsstube. Billy empfand dumpf, daß dies sich nicht gehörte, daß niemand das Recht hatte, sich in des Sheriffs stille Amtsstube einzudrängen, – das brachte ihn beinahe zum Bewußtsein der Gegenwart zurück. Noch ehe er aber ganz erwacht war, trug ihn eine neue Welle des Nachdenkens weit, weit fort von Rickett und seiner neugierigen Bevölkerung.

Wenn man den Fall im allgemeinen betrachtete, war alles eigentlich ziemlich einfach. Barry mußte bestrebt sein, nach Westen auszubrechen, und im Westen gab es nur zwei Tore, die in die Freiheit führten. Die nahe Furt am Zusammenfluß des Asper und des Tucker-Bachs, oder die zweite, hoch im Norden bei Caswell City.

Fand Barry den Weg nach dem Tucker-Bach gesperrt, so schlug er gewiß die Richtung nordwärts ein. Wenn er dann in der Nähe von Caswell City auf eine Übermacht stieß, die ihn zwang umzukehren, so stand es außer Frage, daß er das ganze diesseitige Ufer des Asper südwärts abritt, in der unwahrscheinlichen Hoffnung, auf diesem Weg eine noch unbesetzte Furt zu finden. Fand er auf diesem Ritt nach Süden wieder den Übergang am Tucker-Bach gesperrt, dann war alle Hoffnung für ihn verloren und sein Pferd von einem langen Ritt erschöpft.

Es war ein sehr geschickt erdachter Plan. Jetzt, wo er einmal vorlag, erschien er auch ganz einfach. Aber um ihn zur Durchführung zu bringen, war es notwendig, daß man den Mörder während des ganzen Ritts hart jagte und ihn nicht ein einziges Mal aus den Augen verlor. Mit einem Wort, die Jäger mußten sich ablösen. Hätte es in Ricketts Umgebung so ausgesehen wie überall sonst in den Bergen, dann wäre dieses Vorhaben ganz undurchführbar gewesen, aber das Gelände um Rickett herum war anders beschaffen.

Zwischen den Morgan-Bergen im Osten und den Wagobergen im Westen von Rickett dehnten sich Strecken guten Ackerbodens, und dort war eine ganze Reihe von Ortschaften entstanden. Ritt man in nördlicher Richtung von Rickett weg, so kam man nach St. Vincent, Wago und Caswell City. In südlicher Richtung, den Asper hinunter, stieß man auf Ganton und Wilsonville, und eine kleine Strecke oberhalb der Einmündung des Tucker-Bachs in den Asper lag Bly Falls. Auf viele, viele Meilen im Umkreis gab es keinen Fleck, wo so viel menschliche Siedlungen derart nahe beieinander lagen. Und außerdem bestand die Möglichkeit, von Rickett aus sich mit allen diesen Orten in Verbindung zu setzen. In einem wilden Anfall geschäftlichen Unternehmungsgeistes war einmal ein Telephonnetz eingerichtet worden, an das sämtliche Ortschaften der Gruppe angeschlossen waren.

Billy streckte mit einer mechanischen Bewegung die Hand aus und schob eine offen stehende Schublade seines Registrierschrankes zu, als sei die Angelegenheit damit erledigt, als habe er die Einzelheiten des Planes wohlgeordnet da drinnen. Jeder Punkt war jetzt klargestellt und in den Zusammenhang eingeordnet. Es galt ganz einfach, Barry eine Strecke entlangzuhetzen, der etwa knapp hundert Meilen lang war und die Gestalt eines unregelmäßig geformten U's besaß. St. Vincent bildete die Spitze des östlichen Schenkels. Die Männer von St. Vincent mußten alarmiert werden und dem Banditen den Weg nach dem Tucker-Bach sperren, und wenn er dann nordöstlich ausbog und nach Caswell City strebte, mußten sie für das Aufgebot, das hinter ihm herritt, fünfzehn frische Pferde besorgen, die besten Pferde, die in so kurzer Zeit zu beschaffen waren. Wenn dann die Jagd nordwärts ging, mußte Wago Befehl erhalten, seinerseits fünfzehn frische Pferde bereitzuhalten. Damit jagte man Barry nordwärts, so rasch sein Pferd zu laufen vermochte. Dann war es Caswell Citys Sache, ihm seinerseits sein Kontingent von Männern und Pferden entgegenzuschicken und ihn von der Furt zurückzutreiben. Zu dieser Zeit mußte Barrys Pferd – wenn es nicht bessere Lungen hatte, als ein Pferd überhaupt haben konnte – bereits so erschöpft sein, daß es bei jedem Schritt taumelte. Die Reiter von Caswell City auf ihren frischen Pferden konnten ihn einholen, ehe er fünf Meilen geritten war. Aber selbst wenn dies nicht gelang, lag auf dem Weg des Flüchtlings das Städtchen Ganton und hielt seine Männer und Pferde bereit. Vielleicht konnten sie sich dem Desperado einfach entgegenwerfen und ihn niederschießen, wenn er das Flußufer herunterkam. Schlimmstenfalls konnte Ganton frische Pferde stellen, und die fünfzehn Verfolger hetzten ihr Wild südwärts, den Fluß entlang, was Zaum und Zügel hergab. Wenn ein Wunder wollte, daß Barrys Rappe auch dieses Rennen überstand, lag Wilsonville am Weg, wo die Verfolger neue Pferde finden konnten.

Zu guter Letzt waren noch die Männer von Bly Falls da. Rechtzeitig alarmiert, konnte Bly Falls ein Aufgebot auf die Beine stellen, das hinreichte, um einem Dutzend Dan Barrys den Weg zu verlegen. Wenn er so weit gekommen war, mußte er kehrtmachen. Das Aufgebot, das ihm folgte, faßte ihn dann von hinten, und es blieb dem Mörder nichts mehr übrig, als einen ruhmlosen Tod zwischen zwei Feuern zu sterben.

Alles hing indessen davon ab, ob der erste Schritt gelang, ob es den Männern von St. Vincent möglich war, Barry von seinem westlichen Kurs weg und nordwärts in die Richtung von Caswell City zu treiben. Glückte es, dann war Barrys Schicksal besiegelt.

Alle Umstände begünstigten Billys Plan. Es war immer noch Vormittag. Man konnte auf acht Stunden helles Tageslicht rechnen, die es erlaubten, auf dem ganzen Weg den Flüchtenden im Auge zu behalten. Zweitens war ein großer Teil der Gegend von den hohen Stacheldrahtzäunen der Farmen durchzogen, und Barry mußte entweder diese Hindernisse im Sprung nehmen oder haltmachen, um die Drähte zu durchschneiden.

Da wurde Billy, der Schreiber, aus seinen Gedanken geweckt. Aus der Amtsstube drang mißtönendes Gelächter. Sie lachten! Da drinnen – im Heiligtum – wo noch eben jetzt der Sheriff in seinem Blute lag! Funken tanzten vor Billys Augen. In seinem Hirn dröhnte es. Er sprang auf und stürzte an die Tür.

»Ihr heulenden Schakale«, brüllte er. »Schert euch 'raus! Ich will Ruhe haben! Schert euch raus, oder bei Gott ...«

Nicht so sehr seine Worte oder die Furcht vor dem, was er ihnen androhte, sondern lediglich die Tatsache, daß Billy, der Schreiber, der harmlose, ewig lächelnde alte Billy, plötzlich von brüllender Wut gepackt war, jagte ihnen einen lähmenden Schreck ein, als ob der ganze Bau von einem Erdbeben geschüttelt würde. Sie drückten sich ängstlich an ihm vorbei, hinaus. Es wurde endlich wieder still im Zimmer. Billy nahm den Hörer vom Telephon.

»Pete Glass ist tot«, sagte er einen Augenblick später zu dem Besitzer des einzigen Ladens in St. Vincent. »Barry ist heute morgen hierhergekommen und hat ihn niedergeschossen. Die Jungens haben ihn ostwärts in die Morgan-Berge getrieben. Johnny, nun spitz' mal die Ohren und halt den Mund. Du hast 'ne halbe Stunde Zeit, um jeden einzelnen Mann in eurem Nest auf die Beine zu bringen. Johnny, alles hängt davon ab, daß ihr Barry den Weg verlegt. Und halte fünfzehn Pferde bereit, die besten, die in St. Vincent aufzutreiben sind, so daß die Jungens vom Aufgebot bloß die Sättel zu wechseln brauchen. Johnny, wenn wir Barry zwingen können, nach Norden auszuweichen, dann ist er so gut wie tot. Und ich werd' sehen, daß ein Anteil an der Belohnung für Euch abfällt. Hört Ihr mich?«

Aber vom anderen Ende der Leitung antwortete ihm nur ein gellender Kriegsruf.

Billy legte den Hörer auf. Einen Augenblick später sprach er bereits mit Wago.

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