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Der siebente Mann

Max Brand: Der siebente Mann - Kapitel 23
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDer siebente Mann
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
printrun
translatorHellmuth Wetzel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180215
projectid281479f7
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Der fünfte Mann

Captain Lorrimers Kneipe war hell erleuchtet, aber Vic hörte, als er in eiligem Lauf herankam, von drinnen nicht das geringste Geräusch. Seine erhitzte Einbildung zeigte ihm schon die fürchterlichsten Bilder. Er sah den großen Schankraum leer und still, und in der Mitte auf dem Boden ausgestreckt die Leichen der drei Männer, wie sie die Hand des Rächers einen nach dem anderen erreicht hatte. Jeder Tropfen Blut wich aus seinem Gesicht. Totenbleich und mit der Miene eines Verzweifelten stieß er die Tür auf und stürzte hinein. Alles war ruhig. Der Raum war leer, aber in einer Ecke saß etwa ein halbes Dutzend Gäste, darunter Ronicky und die beiden anderen. Ja, Sliver Waldron hatte gerade die Stuhllehne in der Hand und war wohl eben erst dabei, sich niederzulassen. Wahrscheinlich hatten die drei gerade die Kneipe betreten. Vielleicht war Barry schon hier gewesen, ehe sie kamen. Vielleicht jagte er jetzt in der Ortschaft herum und suchte sie anderswo. Genau so gut möglich war es freilich, daß er in einer dunklen Ecke zusammengeduckt auf den günstigen Augenblick zum Angriff lauerte.

Vics Hand fiel auf Sliver Waldrons Schulter, packte sie mit verzweifelter Kraft und rüttelte sie.

»Was ist denn los, in Dreiteufelsnamen«, knurrte der in vielen Kriegszügen erprobte Kämpe.

Er hatte keine besondere Vorliebe für Vic Gregg seit dem Tag, wo das Aufgebot ihm in den Bergen nachgejagt war. Dasselbe traf auch auf Ronicky und Gus Reeve zu, die wie auf Kommando von ihren Stühlen hochgeschossen waren.

»Kommt mit, Boys,« sagte Vic, »und macht rasch!«

Sie stellten keine Fragen. Sie stritten nicht lange mit ihm herum, sondern folgten ihm ohne viel Federlesens. Der Ausdruck seines Gesichts war beredt genug und verriet ihnen, daß irgend etwas in der Luft lag. Er führte sie hinaus, hinter den Pferdeschuppen.

»Wir sind doch allein?« fragte er.

»Kein Mensch ist zu sehen.«

»Seht euch lieber nochmal um.«

Sie spähten in der Dunkelheit umher. Ein trüber Mond stand am Himmel und machte die Dunkelheit eher noch tiefer.

»Kameraden«, sagte Vic. »Kann sein, wir sind wirklich noch allein, aber lange werden wir's nicht mehr sein. Werft euch auf eure Gäule und reitet wie der Teufel. Barry ist in Alder.«

»Vic, Ihr seid betrunken.«

»Wenn ich's euch sag'! Er ist gesehen worden!«

Sliver Waldron knurrte: »Der Donner!« sagte er. »Könnt Ihr mir nicht den Weg zu ihm zeigen? Ich hätte mit dem Burschen ein Wörtchen unter vier Augen zu reden.«

»Euch den Weg zeigen?« wiederholte Vic Gregg. »Sliver, habt Ihr's so eilig, die Gänseblümchen zu düngen?«

»Hör' mal, Kleiner,« antwortete Sliver, der älter war als Vic, und legte ihm die Hand auf die Schulter, »Ihr habt mit Barry zusammengesteckt. Ihr habt in seinem Haus gelebt. Gehört Ihr vielleicht auch zu den Leuten, die herumlaufen und uns weismachen wollen, Dan Barry sei ein Gespenst, das keine Kugel verwunden kann? Ich will dir was sagen, Sonny, die Leute haben viel zuviel über ihn geredet. Sie haben schon vergessen, daß er auch nur Fleisch und Blut ist. Aber ich denk', ich werde ihnen diese unbedeutende Tatsache wieder ins Gedächtnis zurückbringen.«

Vic Gregg stöhnte. Bei jedem Wort warf er furchtsame Blicke über die Schulter. Sogar die Schatten, die das schwache Mondlicht auf den Boden zeichnete, beunruhigten ihn. Seine Stimme sank zum Flüstern herab. Er rang nach Luft.

»Sliver – Ronicky – fragt mich nicht, wieso ich's weiß, aber glaubt mir um Gottes willen, wenn ich euch sage, daß Dan Barry niemals von der Hand eines Menschen sterben wird. Und ich sag' euch noch eines – der kann im Dunkeln sehen.«

Gus Reeve stieß einen leisen Fluch aus, Ronicky machte eine rasche Kopfbewegung. Vic sah, daß seine letzten Worte Eindruck gemacht hatten. Sliver Waldron änderte sein Benehmen.

»Schon gut, Vic. Du kannst dich jetzt wieder nach Alder hineintrollen, oder komm mit uns, Vic. Wir verduften von hier.«

»Das ist das klügste, was du je getan hast, Sliver.«

»Der Ansicht bin ich auch«, schnaufte Gus Reeve.

»Adjö«, flüsterte Vic Gregg und verschwand im Laufschritt im Dunkeln.

Die drei anderen sattelten, ohne eine Silbe zu verlieren, ihre Pferde und schlugen den Weg ein, der talabwärts aus Alder hinausführte.

Selbst das Knirschen des Sandes unter den Hufen, das gelegentliche Knarren des Sattelleders schien sie zu erschrecken. Alle paar Schritte drehte sich einer von ihnen im Sattel um und spähte nach rückwärts, einmal Gus Reeve, das andere Mal Ronicky Joe. Sliver Waldron aber, der zwischen ihnen ritt, wandte kein einziges Mal den Kopf.

Kaum lag die Ortschaft in ihrem Rücken, als hinter ihnen hastiger Hufschlag ertönte. Ein Reiter schoß aus dem Dunkel in das matte, neblige Mondlicht des Tales hinaus. Er ritt tief über den Sattelknopf gebeugt.

»Wer ist das?«

»Vic Gregg«, knurrte Gus Reeve. »Tummel dich ein bißchen, Sliver. Du siehst, wie eilig er's hat.«

Aber Sliver Waldron zog die Zügel an. Sein Pferd fiel in Schritt.

»Wenn man dich hört, Ronicky, könnt' man denken, Dan Barry hätt' dir wirklich Furcht eingejagt.«

Ronicky Joe rückte sich im Sattel zurecht und suchte bei dem ungewissen Licht in Sliver Waldrons Gesicht zu lesen, ob es ihm Scherz oder Ernst war. Aber Sliver schien vollständig ernst zu sein.

»Man könnt' ja beinah denken,« fuhr Sliver fort, »daß wir drei tatsächlich dabei sind, Fersengeld vor Barry zu geben, anstatt ihm eine Falle zu stellen.«

Gus Reeve stieß eine Art Grunzen aus. Ronicky dagegen starrte nur den Anführer fassungslos an.

»Natürlich,« sagte Sliver, »wie Vic redete, da ist mir auch 'ne Gänsehaut über den Rücken gekrochen. Wie war's bei dir, Ronicky?«

»Und ob! Geschüttelt hat's mich!« seufzte Ronicky. »Wie ich Vic zuhörte, war mir's ordentlich, als sähe ich den Teufel wieder zu Pferd heranbrausen, wie damals in der Nacht, wo er aus seinem Blockhaus ausgebrochen ist. Sliver, ich will dir was sagen – ich schneide nicht auf –, ich hatte ihn damals sorgfältig aufs Korn genommen. Direkt unmöglich war's, daß der Schuß danebenging, und doch, wie ich losgedrückt hatte, ritt er weiter, als wäre nichts gewesen. Es war genau so, wie wenn man auf einen Schatten lospfefferte.«

»Gewiß,« nickte Sliver, »schießen im Dunkeln ist immer 'ne unsichere Sache.«

Ronicky wischte sich den Schweiß von der Stirn.

»Ich hab' Vic lieber weggeschickt, eh' er anfing hysterisch zu werden,« fuhr Sliver Waldron gelassen fort, »aber wenn er zurückkommt – na, Jungens, 's wird ein großer Jux sein zu sehen, was Vic für ein Gesicht macht, wenn er morgen nach Alder hineingegondelt kommt und plötzlich Dan Barry erblickt – vielleicht als Leiche, vielleicht in Handschellen. Was?«

Die beiden anderen schwiegen. Sliver bekam keine Antwort, aber seine Worte schienen ihr Interesse geweckt zu haben. Sie hatten darüber sogar ihre Angst vergessen. Sie drängten ihre Pferde dichter an Sliver heran und beugten sich vor.

»Versteht mich recht,« fuhr Sliver fort, »ich sag' nicht, daß Barry nicht weiß, wie man mit einer Pistole umgeht, aber was er getan hat, ist nicht so großartig. Die Leute haben es bloß ausgeschmückt. Überlegt euch doch mal, wenn Barry ein solcher Menschenfresser ist, warum sucht er sich gerade die Zeit aus, wo der Sheriff nicht da ist, um nach Alder zu kommen?«

»Weiß Gott!« rief Ronicky aus. »Daran hab' ich noch gar nicht gedacht.«

»Gewiß! Das hast du nicht!« kicherte Sliver. »Das Jüngelchen bildet sich ein, mit dir und Gus und mir hätte er leichtes Spiel. Er bildet sich ein, wir würden es ebenso machen wie Vic – uns schleunigst in den Wald verdrücken. Dann will er 'rumgehen und sich aufblasen und erzählen, wie er uns, vier Mann hoch, aus Alder vertrieben hat. 's wäre eine große Freude für uns, heimzukommen und solche Geschichten über uns erzählen zu hören, was?«

Die beiden anderen antworteten mit einer Salve saftiger Flüche.

»Wir werden uns diesen Schwindler schon kaufen, Sliver«, schlug Ronicky vor. »Wir werden den Geist einfangen und sauber verschnüren und ihn in Alder für Geld sehen lassen.«

»Jawoll, das werden wir«, nickte Sliver. »Habt ihr schon 'ne Vorstellung, wie man's anpackt?«

»Wir lauern ihm hier in den Büschen auf. Ich denk', er wird die ganze Nacht in Alder herumstöbern und uns suchen. Wenn's dann Morgen wird, wird er die Ortschaft verlassen. Ich denke, er wird hier entlanggeritten kommen. Dort unten, wo das Tal enger ist, werden wir zu seinem Empfang bereitstehen. Man sagt immer, sein Gaul und sein Hund könnten einem ebensoviel zu schaffen machen, wie zwei richtiggehende Männer. Na, dann steht die Partie gleich, drei gegen drei, was?«

»Ronicky,« knurrte Sliver, »ich hab' immer gesagt, daß du 'nen hellen Kopf hast. Wir werden den Herrn zu fassen kriegen und ihn ein wenig zähmen. Er wird mit 'nem Strick um den Hals nach Alder zurückkommen.«

Gus Reeve stieß einen Triumphschrei aus und schwang den Hut.

So erreichten die drei schließlich eine Stelle, wo die dicht bewachsenen Bergwände eng zusammenrückten. Sie versteckten ihre Pferde in einer Bodensenkung nahe dem südlichen Abhang und kehrten auf den Weg zurück, um ihren Hinterhalt zu beziehen. Es führte kein anderer Weg durch die Schlucht, als der eine schmale Pfad. Die drei verbargen sich im Dickicht und warteten.

Sie hatten ihren Plan sorgfältig vorbereitet. Jedem fiel seine besondere Aufgabe zu. Gus Reeve, der besonders geschickt mit dem Lasso war, sollte warten, bis Satan dicht an ihm vorbeigaloppierte, und mit seiner Schlinge den Rappen zu Fall bringen. Im selben Augenblick sollte Ronicky Joe den Wolfshund niederschießen. Sliver Waldron dagegen wollte, wenn Dan Barry sich noch im Staube wälzte, seinen Revolver auf ihn ausleeren, falls er beim Sturz nicht unter das Pferd zu liegen kam und sie die Möglichkeit hatten, ihn lebend gefangen zu nehmen.

Als alle Einzelheiten des Planes geregelt waren, begann das Mondlicht zu verblassen. Der Schimmer der Morgenröte stieg herauf. Schon wurden ringsherum die Berge sichtbar. Kette um Kette stieg in den Morgenhimmel. Hier und da leuchtete zwischen den Gipfeln ein scharf ausgezacktes Schneefeld. Die tief eingerissenen Schluchten und Klüfte dazwischen ertranken in blauen und purpurnen Tönen. Keine Wolke stand am Himmel, nicht der leiseste Nebelhauch trübte die Sicht. Die dünne, eisige Morgenluft trug den Blick in die Weite wie ein scharfes Fernrohr. Auf den Berglehnen oben konnte man schon jeden einzelnen Baum unterscheiden, als unten noch die letzten Schatten der Nacht lagerten. Und dann ergoß sich das blendende Licht auch über den Boden des Tals. Überall glitzerte das taufeuchte Laub, als sei es aus Halbedelsteinen gemacht.

Jetzt tauchte Dan Barry in der Ferne auf. Er ritt rasch den sich windenden Pfad entlang. Satans seidiges Fell funkelte im Morgenlicht. Ein schwarzer Schatten glitt voraus.

»Schau ihn dir an!« knurrte Sliver Waldron. »Der verdammte Wolf ist besser als der beste Späher. Siehst du, wie er um das Hügelchen herumschnüffelt? Da, jetzt spürt er hinter den Büschen herum. Das schwarze Teufelsbiest!«

»Gleich haben wir sie,« flüsterte Waldron, »ruhig Blut, Jungens. Gus, mach' deinen Lasso fertig.«

Gus legte die Schlinge zurecht und stellte sich in Positur, aber der Wolf schien die Bewegung gesehen oder gehört zu haben. Er machte plötzlich halt, die Schnauze hoch in der Luft. Hinter ihm hielt der Reiter sein Pferd an. Alle drei warteten.

»Er schnuppert nach dem Wind,« gluckste Waldron, »aber der Wind steht uns grad' im Gesicht.«

Es war nur eine schwache Brise, aber sie wehte gerade auf den Hinterhalt der drei zu. Außerdem war der scharfe Geruch der Salbeibüsche, in denen sie versteckt lagen, um diese Tageszeit besonders scharf. Er genügte vollkommen, um die Witterung eines Menschen selbst für eine so feine Nase wie die Black Barts unkenntlich zu machen. Das riesige Tier, das größer war als irgendein Hund, den die drei je in ihrem Leben erblickt hatten, blieb noch ein oder zwei Sekunden stehen und schnupperte in die Luft, dann setzte es sich wieder in Trab. Der Rappe folgte.

»Mein Gott!« flüsterte Sliver Gus ins Ohr, »sieh zu, daß dem Gaul nichts zustößt, wenn du ihn in der Schlinge hast. Sieh ihn dir mal an, wie das Tier läuft! Wie Wasser!«

Der Reiter kam jetzt rascher heran. Als ahne er, daß Gefahr drohe, rief er dem Pferd etwas zu. Satan streckte sich zum Galopp. Der Luftzug drückte Dans Hutkrempe in die Höhe. Sie rasten heran. Schon war der Wolfshund an dem Hinterhalt vorbeigeschossen, jetzt kam der Reiter. Gus Reeve sprang hinter seinem Busch in die Höhe. Wie eine züngelnde Schlange schwirrte der Lasso aus seiner Hand. Satans Vorderhufe traten in die Schlinge. Gus warf sich mit seinem ganzen Gewicht nach rückwärts. Die Schlinge zog sich zusammen. Satan überschlug sich, daß sein Reiter in hohem Bogen aus dem Sattel flog.

Er rollte noch im Staub, als Sliver Waldron bereits auf den Füßen stand und, einen Revolver in jeder Faust, dem hilflos sich überschlagenden Körper Schuß auf Schuß nachsandte. Gus Reeve rannte, das lose Ende des Lassos in der Hand, auf Satan zu. Er wollte eine Schlinge um einen der Hinterfüße werfen, um sich seiner Beute zu vergewissern. Ronicky Joe war mit einem wilden Schrei aufgesprungen und feuerte wie besessen auf Black Bart. Der erwies sich als ein schlechtes Ziel. Kaum pfiff der Lasso durch die Luft, als er bereits kehrtgemacht hatte. Er galoppierte zum Kampfplatz zurück. Vielleicht trug das dazu bei, daß Ronicky so schlecht zielte. Wilde Tiere pflegen in der Regel nicht umzukehren und auf ihre Angreifer loszugehen. Er hatte erwartet, auf sichere Entfernung einem fliehenden Ziel nachzufeuern. Statt dessen raste das schwarze Ungetüm in drohendem Schweigen auf ihn zu. Wieder und wieder knallte sein Revolver. Umsonst. Black Bart lief in blitzgleichen Zickzacklinien, wie ein Stürmer auf dem Fußballfeld. Noch ein Schuß – gefehlt! Der letzte – gefehlt. Black Bart setzte zum Sprung an. Joe versuchte mit emporgehaltenem Arm sein Gesicht zu schützen. Aber Black Bart griff den stärksten Bullen an der Spitze seiner Herde an und besiegte ihn. Was bedeutete ihm da ein schwacher Menschenarm? Sein Kopf schoß vor, der deckende Arm flog ohne weiteres zur Seite und seine Zähne schlugen sich in Ronickys Kehle. Ein wilder Verzweiflungsschrei erstickte gurgelnd. Die beiden taumelten zusammen in den Staub. Der Revolver fiel zu Boden. Noch einen Augenblick zappelte Ronicky, in verzweifelter Gegenwehr sich windend, mit Armen und Beinen, dann gruben sich Barts mörderische Zähne tiefer in seine Gurgel. Sie schnitten ihm den Lebensfaden ab. Aber Bart ließ noch nicht los. Sein furchtbares Gebiß packte den schlaffen, leblosen Körper und schüttelte ihn wie eine tote Maus. Seine funkelnden Augen suchten inzwischen nach seinem gestürzten Herrn.

So war der dritte Mann um Grey Mollys willen gestorben.

Das Ganze hatte kaum eine Sekunde gedauert. Noch rollte Dan, sich überschlagend, im Staub, als ein Revolver in seiner Hand aufblitzte. Er hatte, noch im Sturz, abgedrückt. Ein Feuerstrahl. Sliver Waldron taumelte plötzlich wie ein Betrunkener, warf die Arme in die Luft, als versuche er zu signalisieren, und klatschte dann, mit dem Gesicht nach unten, in den Staub.

Der vierte Mann hatte für Grey Mollys Leben bezahlt.

Gus Reeve indessen war es nicht bestimmt, von einer Kugel zu sterben. Black Bart hatte den leblosen Körper seines Opfers fallen lassen und war dabei, sich auf den dritten Gegner zu werfen. Black Barts Herr kniete auf dem Weg und hob seinen Revolver zum letzten Schuß. Aber Gus Reeve war für alles, was um ihn her vorging, blind. Er sah nur den Rappen – im ganzen Land gab es kein Stück Pferdefleisch, das diesem gleichkam. Er lockerte den gespannten Lasso, um eine zweite Schlinge um Satans Hinterfüße zu legen. Das wurde sein Verhängnis. Kaum ließ der Zug des Riemens nach, als Satan auf den Füßen stand. Er wirbelte herum. Zwei eisenbewehrte Hufe zerschmetterten Gus Reeves Brustkasten wie eine Eierschale. Der Stoß schnellte ihn in einem Bogen durch die Luft, aber noch ehe er in den Staub rollte, war die letzte Spur von Leben aus seinem Körper geflohen.

Der fünfte Mann war um Grey Mollys willen gestorben.

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