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Der schöne Valentin

Helene Böhlau: Der schöne Valentin - Kapitel 1
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authorHelene Böhlau
titleDer schöne Valentin
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In einem vom Verkehre abgelegenen Platze des winkeligen Städtchens lag ein altes, wunderliches Häusergehocke. Vor Zeiten war dieser Platz ein Teich gewesen, und die erwähnten Häuser lagen auf einer Art Damm, der einst dem Wasser Schranken gesetzt hatte und sich jetzt über das Niveau der Straße einige Fuß erhob. Sie hatten es sich auf dem fest ummauerten Unterbau recht bequem gemacht und waren ansehnlich alt geworden. Zur großen Annehmlichkeit war der Damm breiter als die auf ihm angesessenen Gebäude, so daß die Leutchen in den erhöhten Häusern über den Häuptern der Vorübergehenden auf- und niederwandeln und vor den Türen sitzen konnten. Eine schmale, steinerne Treppe führte von da aus erst zur eigentlichen Straße hinab. Der Volksmund hatte vor Jahrhunderten diese eigentümliche Baulichkeit »das Kannerückchen« getauft, und von Kind auf Kindeskind hatte sich die Benennung fortgeerbt. Der Platz, an dem das Kannerückchen lag, war von ärmlichen Wohnungen umgeben und mit einer Eichenpflanzung, die nicht im besten Gedeihen stand, bedacht worden. Ein einziger Baum hatte sich vor den anderen kräftig entwickelt und machte durch sein gesundes Verbreiten und sein schönes Emporstreben die Armseligkeit seiner Genossen noch augenscheinlicher. Seine jungen, kräftigen Triebe glänzten noch purpurn in der Sonne, wenn die Blätter der übrigen schon fahl und lebensmüde an den Zweigen hingen, und im Winter stand der Baum in dichtes, braunes Laub eingemummt, und mochte der Sturm noch so hart um die alten Giebel und Wipfel toben, der Baum überließ ihm nicht ein Blättchen, hielt alle fest, auch wenn das tolle Wetter zwischen seinen Zweigen herumwirtschaftete, daß sich ihm der braune Pelz aufsträubte. Um die armen Genossen sah es auch da übler aus; die reckten die dürftigen Äste kahl gen Himmel, und auf dem Boden wirbelte ihr Hab und Gut im Winde.

Auf diesem alten Platze trieben die Schuljungen, die sich aus Gassen und Gäßchen hier zusammenfanden, ihr Wesen, und an feuchten, geheimnisvollen Herbstabenden klang dort ihr schrilles, langgezogenes Schreien so eigen, wie es nur an Herbstabenden klingen kann, wenn die Töne in der bewegten, neblig dämmerigen Luft verschwimmen und, wieder auftauchend, von neuen, helleren überklungen werden. An solchen wunderlichen Abenden, wenn aus den Fenstern schon die Lichter glänzten, jagten sich die Jungen unter den Eichen. Auf dem vertrauten Kannerückchen hockten sie auf den Schwellen und sahen, vom Rennen ermüdet, in die Dämmerung. Von den nahen Feldern her zog um diese Jahreszeit der kräftige Geruch der Kartoffelfeuer über die Stadt hin und weckte in den Herzen der Buben verlangende Gefühle. In den Häusern aber auf dem Kannerückchen, da saßen die braven Leute behaglich in ihren Stuben und waren schon nahe daran, sich die Zipfelmütze über die Ohren zu ziehen.

Unter den alten, windschiefen Dächern wohnten friedliche, gute Leute in bester Nachbarschaft. Sie kannten sich alle schon seit langen Jahren, waren wohllöbliche Angesessene des Städtchens und ehrbare Bürger. Jeder von ihnen konnte dem andern einen guten Abend und guten Morgen bieten, ohne sich etwas zu vergeben.

Zwei kleine Läden, die des Abends umständlich mit eisenbeschlagenem Bretterwerk und Stangen unter Verschluß gebracht wurden, gereichten dem Kannerückchen zu gutem Ansehen. Ein Uhrenhandel wurde in dem einen Laden betrieben, und den andern hatte ein Instrumentenmacher seit langer Zeit inne und schien sich darin wohlzubefinden. Das ganze windige Musikervolk aus der Umgegend, aus Dörfern und Städtchen, mußte bei ihm seinen Bedarf an allerlei Musikinstrumenten holen. Er war der einzige seiner Art in weitem Umkreis und war gut daran, da seine Kunden die Sache nicht so genau nahmen und eine Geige, wenn sie nur recht kratzte, für ein nützliches Ding erklärten, in dem Falle nämlich, daß es damit etwas zu verdienen gab.

Oben im Häuschen des Instrumentenmachers wohnten zwei alte Jungfern, Jette und Rosina Degele, die sich ehrbar als Schneiderinnen durchhalfen und ein paar respektable Personen waren, auf welche die Bewohner des Kannerückchens mit Achtung und einem gewissen Stolz blickten, denn das Schicksal hatte das Dasein der beiden mit einem in den alten Häusern ungewohnten Luxus ausgestattet. Verschiedenerlei war es, was sie vor den andern auszeichnete. Zum ersten lagen ihnen gesellige Pflichten ob, denen sie mit Würde und Eifer nachzukommen suchten. Jährlich ein-, zweimal hatten sie eine Pastorin und deren Base, die beide mit ihnen in Bekanntschaft standen, bei sich zum Nachmittagskaffee zu Gaste. An solchen Tagen ging es bei den Jungfern hoch her, und sie hatten ihre Freude an dem Überflusse, wenn sie, nachdem die Gäste den Rücken gewandt hatten, in dem nach allerhand Süßigkeiten duftendem Stübchen vor den noch reichlich gefüllten Kuchenschüsseln saßen. Was die beiden Degeles aber in den Augen der übrigen mit einer Art Nimbus umgab, war, daß Rosina ein altes, verstimmtes Klavierchen besaß, an dem der Instrumentenmacher schon oft sein Glück versucht hatte und auf dem das gute Weib Feierabends manch rührende Stücke abspielte, seit Jahren immer dieselben, mit derselben Liebe und Weihe. Wenn dann an warmen Abenden die hellen, schwirrenden, harfenartigen Töne durch das offene Fenster auf den Platz hinausklangen, da hatten die Nachbarn ihre Freude daran, und die Töne, welche Rosina dem Klavier entlockte, mochten vielleicht mancher armen Seele wohlgetan haben, in welcher Frühlingsahnung aus Sorge und Arbeitslast hervorbrechen wollte und nur auf eine Bewegung wartete, die ihr das schwer verwahrte Tor öffnen möchte. Und an der Schwester hatte Rosina jederzeit eine stille und andächtige Zuhörerin.

Ein altes Ehepaar verhalf ferner dem sonderbaren Kannerückchen zu einem Schmucke; die alten Leute hatten den kleinen Platz vor ihrer Türe, sie wohnten am Ende des Kannerückchens, zum Gärtchen umgewandelt und pflegten dies mit großer Liebe. Ihrer Mühe, die sie sich um die Ecke gaben, half die Südsonne nach, so, daß vom ersten Frühjahr bis in die Fröste hinein der kleine Fleck in Blüte stand und den Leuten den Wechsel der Jahreszeiten schön verkündete. Kamen im März die Aurikeln hervor und wurden von der Handvoll gelber Krokus die schützenden Tannenzweige fortgenommen, so war wohl keiner auf dem Kannerückchen, der nicht seine Bemerkung jahraus, jahrein darüber gemacht hätte. Diejenige aber, die das Gedeihen des Gartens am regelmäßigsten und eifrigsten beobachtete, war eine alte Trödelfrau. Die wohnte mit ihrem Kram in einem der Hinterhäuser in unbeschreiblicher Umgebung von tausend Lumpen und Dingen, die in anscheinend rätselhafter Unordnung aufgehäuft lagen.

Diese alte Frau trug Winter und Sommer eine braune Pelzmütze. Niemand hatte sie je ohne diese gesehen; aber man wußte, daß sie dieselbe wegen einer Neigung zu Kopfreißen trug.

Die Alte hieß Machlett; sie war trotz eines scheinbar mürrischen Wesens eine ganz vertrauenerweckende Persönlichkeit und hatte ihre guten Seiten. Jedenfalls war ihr Interesse für den kleinen, fremden Garten ein unverfängliches; in ihm sprach sich vielleicht bei ihr die zusammengefaßte menschliche Sehnsucht nach Unerreichbarem, Tiefgewünschtem aus. Sie stand oft versunken vor dem Holzgitter und schaute in die Blumenpracht hinein, und kam dann einer vorüber, der auch seine Freude an dem blühenden Eckchen hatte, so fühlte sie sich veranlaßt, die Vorzüge des Gartens an das rechte Licht zu bringen. Sie hatte da eine Auswahl verschiedentlicher Bezeichnungen, um den Fremden die Schönheit ihres Idols recht einleuchten zu lassen. »Ein hübsches Eckchen!« oder »schöne Pflänzchen!« oder »so was lobt man sich!« Sie hatte ihre bestimmten Ausdrücke. »Ein Paradiesgärtchen!« – das sagte sie, wenn sie bei Feiertagslaune war, mit ihrer trockenen, rauhen Stimme, so daß der, an den sie sich mit ihrer Bemerkung wandte, meinte, sie brumme ihn an, und seines Weges ging, ohne ihrer groß zu achten. Die Alte war von den Nachbarskindern ihres Aussehens wegen ziemlich gefürchtet, aber mit Neugierde beobachtet. Sie schlichen ihr gerne nach und sahen ihr zu, wenn sie in ihrem Hofe die alten erhandelten Sachen lüftete und sortierte.

Nun habe ich so manchen Einwohner der Häuser genannt, aber den Helden der Geschichte nicht. Und außerdem noch manche nicht, von denen sich allerlei sagen ließe, die sich aber äußerlich stille verhielten, sich von der Zeit mitschleppen ließen, ohne viel Wesens daraus zu machen, die ihre Arbeit taten und sich einigermaßen allnächtlich davon erholten: die sich vielleicht sonntags besonders sorgfältig wuschen und reine Wäsche anzogen – vielleicht. Unser Held also war der Sohn des Instrumentenmachers, hieß Valentin und hauste mit seinem Vater in dem kleinen Laden, der zu gleicher Zeit als Werkstatt und Wohnraum diente und sich ziemlich tief in das Haus hineinzog, ein dämmeriger Aufenthalt, der nur am Fenster, an dem die Geigen hingen, ein sonnenhelles Plätzchen hatte. Da stand des Meisters Arbeitstisch, und wenn die Sonne zu ihnen hereinschien, warf sie die schwarzen, gestreckten Schatten der Geigen auf die vom Alter fahle Diele.

Valentin war der einzige Sohn. Die Mutter hatte frühe wegsterben müssen; von ihr hatte er eine für ihn überflüssige, große Schönheit ererbt. Er war schön vom Kopf bis zur Zehe, schön in seinen Bewegungen, ein Meisterstück der Natur. Bei weitem übertraf er das, was man so gang und gäbe einen schönen Knaben nennt, zu welchem Ausspruch der Anblick roter Wangen, heller Augen und krausen Haares gar leicht verleitet. Über des Instrumentenmachers Sohn schien Schönheit ausgegossen zu sein. Sie hatte ihre Heimat in ihm aufgeschlagen und bekräftigte ihr Dasein in seiner Erscheinung. Seine Schönheit war nicht lachend und heiter, war nicht das, was man reizend nennt, nicht einschmeichelnd, sondern ernst und unverständlich für viele. Der Knabe hatte etwas Unnahbares in Blick und Bewegung, und es schien, als sei das Schicksal der Vereinsamung auch ihm auf die Stirne geprägt, wie es jedem vor den anderen ausgezeichneten Menschen mit einer königlichen Gabe zugleich überkommen muß. Die Nachbarsleute sahen den jungen Valentin täglich von seiner frühesten Kindheit an unter sich; aber daß einer an dem schönen Geschöpfe seine Freude gehabt hätte? – Gott bewahre. Sie bemerkten ihn kaum; trotzdem aber, wenn sie mit ihm in Berührung kamen, empfanden sie etwas wie Verlegenheit, wie Unentschlossenheit. Eine Art ärgerlichen Gefühls beschlich sie, wenn sie in seine ernsten, wunderbaren Augen blickten, die wie aus einer anderen Welt zu ihnen aufschauten. Und wirklich war es wohl nur die körperliche Schönheit, die einen Zauberkreis um ihn zog, sonst unterschied er sich von den Knaben seines Alters nicht besonders. In keiner Weise war er begabt, auch nicht einmal das, was man geschickt nennt. Was er betrieb, betrieb er lässig, ohne Feuer und Liebe zur Sache. Er hatte keinen Freund unter den Knaben, und wenn er sich unter sie mischte, fühlte er sich nur geduldet und hatte die Art unbeschäftigter, unangeleiteter Kinder, überall im Wege zu stehen. Saß er auf der Türschwelle und schaute, weil er nichts zu unternehmen wußte, auf seine Füße, so hinderte er sicher jemanden am Ein- und Ausgehen, bekam einen Stoß, ein unfreundliches Wort und wußte nicht wie. – Lief Jungfer Jette Degele, im Gefühle ihrer unklar gestalteten Lebensstellung, bei halber Dämmerung mit dem Wassereimer zur Treppe hinab, Kopf und Schultern in ihr altes Umschlagetuch gehüllt, das sie bei solcher Verrichtung zu tragen pflegte, in dem unsicheren Gefühl, auf diese Weise symbolisch die eigene Bedienung vorzustellen, rannte sie sicher an Valentin an, der auf der Treppe hockte oder gelangweilt am Geländer lehnte, – kurz, er war immer das, woran sie stieß, was sie in ihrer Eile unliebsam aufhielt, so daß sie mit der Zeit in den heftigsten Widerwillen gegen den Knaben versetzt wurde. Es sind oft kleine Zufälligkeiten, die uns lieblos gegen eine Person werden lassen. Doch stehen diese Zufälligkeiten mit den Eigenschaften der beiden sich nicht Wohlwollenden in enger Verbindung.

Valentins Vater war ein ruhiger, gesetzter Mann von schwacher Gesundheit, der dumpf hin sein Geschäft betrieb und sich damit zufrieden gab, daß die Waren, welche er lieferte, einigermaßen zusammen hielten. Vater und Sohn saßen sich des Abends gewöhnlich stumm gegenüber, nachdem sie ihr Abendessen mit gutem Appetit eingenommen hatten. Der Alle bastelte nach der Arbeitszeit dann noch etwas Unbestimmbares an seinem Werktische, trug in sein Buch ein und führte mit dem Sohne hin und wieder gleichgültige, alltägliche Gespräche. Er war ein zufriedener, trockener Mensch, der zu seinem Sohne eine ruhige, kaum bemerkbare Liebe hegte.

Außer seiner Schönheit aber hatte der Knabe dennoch eine eigentümliche Gabe auf den Lebensweg mitbekommen. Doch mochte es fraglich sein, ob dies zweite Geschenk ihm zum Glücke dienen würde; denn es schien auch überflüssiger Art. Valentin hatte ein phantastisches, zu Träumen leicht geneigtes Hirn.

Wenn ihn abends das Zusammensitzen mit dem Vater langweilte, schlich er sich sachte hinaus, setzte sich auf den äußersten Rand des Kannerückchens, ließ die Beine herabbaumeln und sah in den Himmel. Seine alte Katze, die sich zu ihm hingezogen fühlte, fand sich bei ihm ein und ließ sich schmeicheln. Die Nachbarskinder jagten zu seinen Füßen und blieben von ihm unbeachtet; sie hieben sich in die derben Gesichter und gingen gegenseitig miteinander um, als wären sie unzerbrechlich, lagen im erdigen Sande und wurden nicht lehmfarbener, als sie von Natur schon waren. Im seltensten Falle neckten die Buben den einsamen Träumer, und einmal nur war es geschehen, daß ein verschmitzter Geselle unten an der Mauer hinschlich und den Tiefversunkenen an den am Rande des Kannerückchens herabhängenden Beinen heruntergezogen hatte. Der aber war gründlich betrogen und blieb nicht unbestraft. Valentin wurde durch das rohe Vergreifen an seiner sanften Person von einer zitternden Wut befallen und walkte den Frechling durch, daß es eine Art hatte. Der mochte es sich so nicht haben träumen lassen und sprach von da an mit einem gewissen Respekt von Valentin. Als Schüler hatte Valentin wenig Glück; wie eine schwere Last lag die tägliche Unfreiheit der Schule auf ihm. Die Arbeiten, die er zu liefern hatte, entstanden bei ihm in einem traumähnlichen, verworrenen Zustande.

Niemand kümmerte sich um ihn; der Vater entrichtete das Schulgeld und hatte damit seiner Ansicht nach die Pflichten, die ihm die Bildung seines Sohnes auferlegte, vollkommen erfüllt. Erbarmte ihn ja einmal das unglückliche, dumpfe Hinbrüten des Knaben, dem eine Rechenaufgabe wesenlos im Kopfe spukte, so raffte er sich wohl auf, um dem armen Tropfe beizustehen, schüttelte aber gar bald nur den Kopf über die unnötige Anhäufung unklarer Begriffe, die in das Hirn der neuen Menschheit gezwängt würden, und dem guten Valentin war wenig damit geholfen.

Das Erwachen am Morgen mit dem Gefühle, unentrinnbar zur Schule zu müssen, erfüllte seine ersten bewußten Augenblicke mit Sorge und Schwere. Nur in den Ferien und Sonnabend nachmittags war sein seelisches Wesen unverkrüppelt. Da entfaltete sich sein Empfinden und erfüllte ihn freudig; seine äußere Schönheit wurde von einer zum Leben erwachenden Seele verklärt. Er fühlte sich wohl, tief wohl, und die stillste Stunde wurde ihm zum beglückenden Zeitraum, die einfachste Unternehmung zu einem wünschenswerten Ereignis. Zu solchen Zeiten bargen die gerümpelhaften Häuser auf dem Kannerückchen ein Geschöpf, das in seiner einfachen Vollkommenheit dem armen, elenden, von Häßlichkeit, Krankheit und Überklugheit heimgesuchten Menschengeschlechte wie ein Bild aus glücklicheren Zeiten erscheinen konnte, aus Zeiten, die Gestalten und Seelen rein und schön hervorbrachten. Die armen Häuser umschlossen dann eine Offenbarung der Natur, die den Verständnisvollen mit Trauer über seine eigene und der Masse Krüppelhaftigkeit erfüllen mußte. So einfach und schön Valentins Körper sich gebildet hatte, so war er auch von manchen schönen Kräften belebt, von einer unbewußten Güte, einem tiefen Zug zum Unnennbaren, Unbekannten und einem grenzenlosen Verlangen nach Freiheit.

Eine gute Freundin, die es wohl mit ihm meinte, hatte er an der alten Machlett: derselben, die auch dem schönen Blumengärtchen von Herzen zugetan war. Bei der verbrachte er manche Stunde. Sie erlaubte ihm, in ihren Sachen zu kramen, so viel er wollte und schwatzte gerne mit ihm.

Von allen aus der Nachbarschaft war die Alte diejenige Person, deren Wesen sich mit dem des Knaben verbinden konnte und die Einfluß auf ihn hatte. Dieser Einfluß beschränkte sich darauf, daß sie durch Erzählen und eine eigenartige Auffassung der Dinge Valentins Phantasie erregte. Die Frau Machlett hatte eine poetische Art zu denken und zu sehen, und das war es, was den schönen, nach Heimatluft seiner jungen Seele dürstenden Knaben an die alte Frau fesselte.

Sie war im Grunde ein elendes Geschöpf, das um sein bißchen Lebensunterhalt unverhältnismäßig kämpfen mußte. Wie es aber schien, achtete sie ihr Dasein als etwas Wertvolles, das zu verlängern und zu unterhalten man sich keine Mühe verdrießen lassen dürfe, war dazu immer gutes Mutes und hatte ihre Freude daran, wenn sie recht solid satt geworden war. Sie wohnte in einem Stübchen, das zum Hofe hinausging; das war gehörig mit altem Gerümpel ausstaffiert. Kein Stück paßte zum andern, und nur daß alles zu einem gewissen, einheitlichen Stadium der Abnutzung gekommen war, gab den Dingen eine verwandtschaftliche Beziehung untereinander. – Sie hatte allerlei merkwürdige Bilder, die an den Wänden hingen, in den Jahren zusammengekauft. Darunter befand sich auch ein eingeräuchertes Ölgemälde, welches einen gepuderten und bezopften Kavalier vorstellte, der vor Zeiten die Verpflichtung in sich gespürt haben mochte, sich malen zu lassen, um mit seiner werten Person einen bestechenden, erfreulichen Eindruck lebenden und kommenden Geschlechtern zu machen. Jetzt hing dieser Herr, von allen Verbindungen, die ihn einst umgeben hatten, längst abgesondert, in dem Stübchen der Trödelfrau. Ein anderes Bild, welches sie sich nicht selbst erworben, sondern von ihrem Sohne, der in Bayern auf einem Dorfe das Schusterhandwerk betrieb, vor Jahren geschickt bekommen, hatte seinen Platz über dem steifbeinigen, schmalen Sofachen, das, einigen vergoldeten Leisten und Linien nach, einst bessere Tage gesehen haben mochte. Es war ein einfach grob kolorierter Holzschnitt, den die Alte nicht allzu sorgfältig in einem nicht dazu passenden, ovalen, schnörkelhaften Rahmen untergebracht hatte. Dieser Holzschnitt stellte in unklarer Umgebung, die dem Künstler offenbar Schwierigkeiten gemacht haben mußte und etwa einer Bretterbude ohne Dach glich, den Heiland am Kreuze mit den beiden Schächern ihm zur Seite dar. Diese Gruppe nahm ohne jede perspektivische Stellung die obere Hälfte des Bildes ein, und die untere war durch ein unglaubliches Übereinander von Schultern und Köpfen ausgefüllt. Im Hintergrunde sah man feste, dunkelblaue Berge.

Valentin wurde von der kindlich unvollkommenen Weise, ein Ereignis darzustellen, angezogen; besonders als die Machlett ihm sagte, woher das Bild stamme und was es vorstelle, schien es ihm das bedeutendste Stück der für ihn anziehenden Einrichtung der Alten.

Sie erzählte ihm, daß ihr Sohn in einem bayerischen Dorfe lebe. Er sei dorthin verschlagen worden. Es gehe ihm aber gut. Der Sohn habe ihr, wie schon gesagt, das Bild einst geschickt und dazu geschrieben, daß in einem Nachbardorfe im Gebirge die Bauersleute des Herrn Jesu Leidensgeschichte aufgeführt hätten auf einer Bühne, wie sie der Maler auf dem Bilde, so gut es ginge, abgezeichnet. Der Sohn hatte nicht genug beschreiben können, wie gar rührend und schön sie das Leiden des Herrn darstellten. Und der, der den Herrn und Heiland habe spielen dürfen und den sie an das Kreuz gehängt hätten, sei ihm wohl bekannt, da er eine Zeitlang bei ihm in Arbeit gestanden.

»Den Namen hat der Sohn unter das Kreuz geschrieben«, sagte die Alte, als sie die Bedeutung des Bildes dem Knaben einst erklärte, und zeigte Valentin ein grobes, unleserliches Gekritzel, welches Valentin nie hatte entziffern können. »Die vielen Köpfe«, hatte der Schuster geschrieben, »die unten auf dem Bilde zu sehen sind, bedeuten die Bauersleute, welche dem heiligen Schauspiele mit zugeschaut haben.«

Das Bild habe er am Abend, als alles zu Ende gewesen sei, in einem kleinen Kram gekauft, und derjenige, der den Heiland vorgestellt, wäre sogar mit ihm gegangen und hätte das Bild, welches ihn selbst am Kreuze hängend darstellt, ausgesucht.

Die Machlett erzählte dies mit einer gewissen Feierlichkeit, die auf den Knaben ihre Wirkung nicht verfehlte. Es machte ihm einen wunderbaren Eindruck, daß ein Mensch den Heiland dargestellt, und daß man ihn auch dafür angesehen habe, und er wurde nicht müde, die alte Machlett zu fragen: wie das möglich sein könne; ob er auch in Wirklichkeit eine Dornenkrone getragen, und ob er Jünger gehabt habe; was er geredet und wie alles gewesen sei; auch wie er am Kreuze sich halten konnte. Die alte Machlett schien ihm, seit er erfahren, daß ihr Sohn mit diesem wunderbaren Menschen, der den Gekreuzigten vor so vielen Leuten vorgestellt, so nahe bekannt war, eine Zeitlang mit einer Art Weihe umgeben. Es war ihm, als hätte sie nähere Verbindung mit dem Allerhöchsten als andere Menschen. Und der Eindruck, den das Bild und die Erläuterungen der Frau Machlett auf ihn machten, war ein tieferer, als man wohl annehmen mochte. Das Bild blieb, so oft er es von da an wieder betrachtete, bedeutungsvoll für ihn.

Wollte man von dem Platze aus zu den Stadtteilen gelangen, die sich über die Stadtmauer hin ausgedehnt hatten, so mußte man durch ein von einem altersgrauen Turm gekröntes Tor gehen. Diesen Weg machte Valentin mit der Machlett öfters.

Eines Tages, als die Dämmerung schon sanft hereingebrochen war, gingen die beiden wieder einträchtiglich nebeneinander der Stadt zu. Vor ihnen lag das alte Johannistor im Abendschein. Der Himmel leuchtete grünlichblau und strömte ein mattes Licht aus, und der alte Turm hob sich dunkel von dem hellen Hintergrunde ab. Er hatte ein spitzes, aus großen Quadern gemauertes Dach, auf dem ein Strauch fest eingenistet war. In den Lücken und Rissen des Mauerwerks hatten es sich aller Art Vögel wohnlich gemacht und umflatterten geschäftig das Gemäuer. An der Seite des Turmes, auf den die beiden zugingen, war ein kleiner, aus rohen, breiten Steinen gefügter Altan angebracht.

»Seid Ihr einmal da oben gewesen, Frau Machlett?« fragte Valentin.

»Da kann kein Mensch mehr hinauf«, erwiderte die Alte. »Die Treppe ist zusammengefallen, oder sie haben sie abgebrochen.«

»Aber was ist jetzt dort oben?« fragte er.

»Ratten«, sagte sie trocken.

»Was hatten sie denn früher in dem Turme? Wohnte vielleicht jemand dort oben?«

»Ganz früher haben sie ein Gefängnis darin gehabt, und auf dem kleinen Altane mußten die, die nicht gutgetan hatten, in Sonne und Regen vor aller Augen stehen; die Frauen und Mädchen. Das waren harte Zeiten, damals; meine Großmutter selig hat es noch mit angesehen. Von einer, die Apollonia Berg hieß, wußte sie eine traurige Geschichte, die wir dummen Mädels oft von ihr hören mußten. Du lieber Gott! – Die Zeit vergeht!« In Gedanken vertieft, schüttelte die Alte den Kopf.

Valentins Gemüt erregte sich bei den Andeutungen der alten Machlett schon, und vor seinen Augen begann sich ein geheimnisvolles Leben um den Turm zu bewegen.

»Du kennst doch das Haus in der Brüdergasse«, fuhr seine gute Freundin fort, »in dem wir früher wohnten? Das hat schon den Eltern der Großmutter gehört, und wir Geschwister mußten es bei der Erbteilung verkaufen. – Es ist das Eckhaus in der Brüdergasse, links. Da weiß ich noch, wie die Großmutter an einem Winterabende – wir saßen alle um den Tisch, auf dem das Talglicht brannte – uns ihre Geschichte von der Apollonia zum ersten Male erzählt hat und weiß noch, wie sie aufstand, an das Fenster trat und hinaus in den Mondschein sah, der hell auf das gegenüberliegende Haus schien; wie sie nach dem Haus zeigte und sagte: ›Da, wo jetzt die Müllern wohnt, das Fenster, das gerade zu uns hersieht, das ist das Fenster, an dem die Apollonia saß.‹ Wir sahen damals alle scheu danach hin, der Mond glitzerte silbern auf jenen Scheiben, und uns war es beklommen zumute. – Die Großmutter hatte uns erzählt, wie sie als Kind mit der Apollonia gespielt und wie sie abends miteinander auf einem Bänkchen vor der Türe gesessen hätten, und daß sie oft, weil es damals so gar streng nicht gewesen war, um die Schulstunde entwischt seien und auf der Fähre, die an der Stelle, wo jetzt die Brücke ist, hin und wieder ging, für einen Pfennig übergefahren wären. Das Apollönchen habe sich täglich allerlei ausgesonnen, was die Großmutter getreulich mit ihr zusammen dann ausgeführt.

Sie konnte uns nicht genug beschreiben, was für ein besonderes Mädchen ihre Freundin gewesen sei. Sie soll braune Augen und schönes, blondes Haar gehabt haben, womit sie sich ihren Gefährtinnen gegenüber rühmte. – Daß sie eine Seltenheit sei, hat sie ihnen immer erzählt und hat ihnen im Spaß gesagt, sie sollten sich nur im Städtchen umsehen, so etwas Rares wie sie fänden sie nicht noch einmal: nur noch der gelbe Spitzhund am Johannistore habe solche Augen und Haare. –

Dann, sagte die Großmutter: ein Lachen, wie die Apollonia an sich gehabt habe, wäre ihr zeitlebens nicht wieder vorgekommen: manchmal, wenn sie an das Mädchen dächte, sei es ihr, als hörte sie es noch. – Aus irgendeinem Grunde, ich glaube, bei den Eltern der Großmutter wurde gebaut, da schlief die Großmutter bei den Nachbarsleuten mit in der Kammer ihrer guten Freundin. Da hat sie ihr beim Schlafengehen einmal etwas erzählt: es war eine dumme Schulgeschichte, die sie miteinander erlebt hatten: wie ein Mädchen, das wegen ihrer Sanftmut und ihrer Unentschlossenheit bekannt war und deswegen von den andern gehänselt wurde, den Entschluß faßte, etwas Außerordentliches zu tun. Und was tat sie? – Sie warf dem Lehrer mit großer Ruhe und Ernsthaftigkeit eine tüchtige Semmel mitten in der Stunde an die Nase und stemmte sich nach der Tat heulend mit beiden Armen auf den Schultisch. – Weißt du, so machen es die Mädels«, wandte sich die Machlett noch insbesondere an Valentin. »Darüber hat die Apollonia in der Erinnerung so gelacht, daß sie sich in ihrem Hemdchen, wie sie oben ins Bett steigen wollte, auf die Kammerschwelle gesetzt habe, die Arme um die Knie geschlungen und gelacht habe, als wollte sie nicht wieder aufhören. – Die Großmutter sagte, sie hätte ihr Lebtag den Anblick nicht vergessen können, so schön sei das Mädchen da gewesen und so voller Leben, wie ihr nie wieder eine vorgekommen. – Solche Geschichten hörten wir von der Apollonia gar zu gerne, und sie bewegten uns sehr, und vor jeder einzelnen, je unschuldiger sie war, grauste es uns später ganz eigen, denn das Mädchen hat ein böses Schicksal gehabt. Die Großmutter erzählte uns Dinge von ihr, die uns jungen Mädchen tagelang nicht aus dem Kopfe wollten.« Die Alte schwieg.

»Weiter, Machletten«, sagte Valentin und zupfte die Alte am Rocke.

»Als ob das eine Geschichte für so einen Jungen wäre«, erwiderte sie.

Da blickte sie Valentin mit seinen schönen Augen bittend an.

»Wie eins aus dem anderen kam, kann ich dir nicht sagen«, fuhr die Machlett fort, »weil ich es nicht weiß. Ich glaube auch, die Großmutter hat uns nie von der Apollonia erzählt, wie man eigentlich erzählen muß. Wenn sie sich an sie erinnerte, fing sie an, wie sie es gerade im Sinne hatte, bald dies, bald das. – Der Oheim der Apollonia, der hat hier vor der Stadt einen Garten gehabt, und in dem haben sie alle Jahre ein großes Beet voll wunderschöner Tulpen gezogen, und die Apollonia mußte gegen Abend immer hinausgehen, um die Blumen zu begießen. Meine Großmutter hat sie da oft begleitet, auch noch, als sie schon große Mädchen waren; denn die beiden sind auch nach der Einsegnung ein Herz und eine Seele geblieben. Und als die Großmutter Braut wurde, da wußte die Freundin haarklein, wie das gekommen war. Apollonia aber schien anders geartet, die hatte von jeher wenig von Dingen gesprochen, die sie selbst etwas angingen, aber trotzdem zu jeder Zeit gehörig geplaudert, so daß niemand bemerkte, wie sie sogar schweigsam war über das, worüber andere nicht müde werden zu reden. Auch die Großmutter hat sich nicht viel Gedanken darüber gemacht, daß die Freundin ihr das Vertrauen nicht wieder zurückgab, denn sie war mit ihrer eigenen Herzensangelegenheit über alle Maßen beschäftigt. – Apollonia war seltsam hübsch geworden, wie man es im Städtchen nicht zu sehen gewohnt war, und sie kleidete sich so zierlich wie ein Fräulein. Sie wußte auch von manchem, der ein Auge auf sie hatte, behandelte aber solch eine Angelegenheit gleichsam, als ginge es sie nichts an. – Sie machte sich nicht viel daraus, wenn ein dummer Junge sich in sie vergafft hatte, aber für die Großmutter mit ihrem Schatz hatte sie ein warmes Herz. Und mit niemand soll es sich so vertraulich haben schwatzen lassen wie mit Apollonia; eben darum, weil sie hübsch zuhörte. ›Was du für ein närrisches Mädel bist!‹; so etwas hat die Großmutter wahrscheinlich zu ihr gesagt, als Apollonia wieder einmal über einen annehmbaren Anbeter kein Wesen machte. Darauf hat ihre arme Freundin erwidert: ›Wenn der kommt, der für mich ist, den werde ich schon lieben.‹ Das wäre das einzige Mal gewesen, daß sie von ihrem Zukünftigen gesprochen hat; und die anderen Mädel reden davon, so oft sie nur können. – So war es gekommen, daß die Großmutter gar nicht mehr daran dachte, daß ihre hübsche Apollonia auch ein Herz für sich habe.

Einmal gingen sie wieder miteinander zur Stadt hinaus. Es war der schönste Frühlingsabend, und in den Gärten duftete die frische Erde, das junge Grün und die Aurikeln blühten. Als die Mädchen in des Oheims Garten traten, der weit vor dem Johannistor lag, da hatten sie ihre Freude an dem Tulpenbeete. Die Großmutter war seit Wochen, nach langen Sorgen, endlich Braut geworden, und ihr erschien die Welt ganz wunderschön. Sie stand vor dem Tulpenbeet und sah, wie die bunten Tulpen mit den Köpfen nickten, weil der Wind ein wenig über sie hinging; du weißt doch, wie sie es dann an sich haben?« fragte die Machlett und fuhr fort: »Die Apollonia hatte sie ganz vergessen. Die kniete am Weg und hielt ein zartes rosa Tulpenköpfchen wie einen Vogel zwischen den Händen und sagte mit einem ganz eigentümlich zärtlichen Tone so vor sich hin: ›Wollte Gott, die Liebe wäre sanfter!‹ So wunderlich soll sie das gesagt haben, daß die Großmutter erschrak und kaum wußte, wer gesprochen hatte. ›Was meinst du denn?‹ fragte die Großmutter. Da blickte Apollonia sie wie mit Glut übergossen an. Dann ließ sie ihre Tulpe aus den Händen fahren, daß der Stengel mit der Blüte auf- und niederschwankte, stand auf und stürzte auf die Großmutter zu, preßte sie an sich – so ist es uns immer erzählt worden – und bedeckte sie mit Küssen. Das soll sie zuvor noch nie getan haben. Sie hatte der Großmutter bis dahin noch keinen Kuß gegeben und sagte jetzt: ›So küßt dich dein Schatz, Bärbchen!‹ und sie lachte und küßte wie toll, daß der Großmutter ganz verwirrt zumute geworden ist. Aber die wagte Apollonia nichts darüber zu sagen, weil sie nicht wußte, was sie davon halten sollte, und vergaß auch das wunderliche Benehmen von Apollonia gar bald. – Nun aber waren sie einmal miteinander zum Tanze gegangen; die Großmutter mit ihrem Bräutigam, und Apollonia hatten sie mitgenommen. Wie sie in den Tanzsaal getreten sind, da soll die Apollonia sich sehr umgeschaut und kein Sterbenswörtchen gesagt haben, so daß die Großmutter und der Bräutigam sie darüber zur Rede setzten. Noch ehe sie aber geendet, sei es wie ein Lichtstrahl über das Gesicht des Mädchens gegangen. Zur Türe herein sei ein Fremder gekommen, der schon seit einiger Zeit auf einem Gute in der Nähe der Stadt sich aufgehalten habe, und über den sie im Städtchen schon lange ihre Bemerkungen gemacht hatten. Der ist stracks auf Apollonia zugegangen und hat sie begrüßt, als hätten sie sich nicht zum ersten Male gesehen. ›Kennst du den?‹ hat die Großmutter ihr zugeflüstert. Da hat die Apollonia sie mit einem einzigen flehenden Blicke angesehen und ganz glückselig das Köpfchen geschüttelt. Sie haben an dem Abend auch nur ein einziges Mal miteinander getanzt. Natürlich aber hatten sich die Leute doch sehr darüber gewundert; denn alle kannten den fremden Herrn von Ansehen, wußten aber wenig Bestimmtes über ihn zu sagen und wollten nun von Apollonia alles Mögliche wissen. Er war nur kurze Zeit im Tanzsaale geblieben, so daß es den Anschein hatte, als wäre es ihm wirklich nur um den einen Tanz mit der Apollonia zu tun gewesen. Das setzte die Leute in nicht geringe Aufregung, und das arme Mädchen konnte sich kaum vor Fragen retten. Gegen einige alte Basen, die nicht müde werden wollten, herumzuschnüffeln und zu horchen, soll sie an dem Abend ganz ausbündig ungehörig geworden sein. Da hat es böses Blut gesetzt. Manche mochten schon längst einen Ärger auf das schöne Mädchen gehabt haben und gönnten ihm das gleichmütige Leben nicht, das es führte. Sie war eine arme Waise und wurde von ihrem Oheim gut gehalten, hatte ein besseres Aussehen als die anderen Bürgerstöchter und nahm sich auch gegen alle Welt in ihrer Munterkeit ziemlich viel heraus; weil sie es aber für gewöhnlich recht anmutig tat, ließ man es ihr so hingehen. Seit dem Tanzabend aber, an dem sie sich wichtig mit dem fremden Herrn getan hatte, saßen sie ihr mit einem Male aus lauter Ärger auf dem Nacken, so daß sie um ihren guten Namen hätte bald recht besorgt sein können, wenn ihr alles zu Ohren gekommen wäre, was um sie her geschwatzt wurde. Nun erinnere ich mich einer ganz rührenden Geschichte. Ich meine, die rührend ist, wenn man bedenkt, wie alles endete. – Die Großmutter kam eines Abends zu ihr in das Stübchen, um mit ihr über tausenderlei zu sprechen; denn die Großmutter war zu der Zeit gerade dabei, sich die Aussteuer zu schaffen. Apollonia hörte ihr still zu und lächelte manchmal ganz gedankenlos, statt zu antworten. ›Was hast du denn?‹ fragte die Großmutter. Da soll Apollonia sie mit einem unbeschreiblichen Blick angesehen haben. ›Du bekommst recht viel schöne Sachen‹, hat sie dann wie im Traume gesagt. Die Großmutter aber plauderte von ihren Angelegenheiten, von denen ihr Herz voll zu sein schien, weiter fort, so daß sie auf nichts anderes achtete. – So machen es die Bräute«, setzte die Machlett wieder erklärend hinzu.

»Apollonia war, während die Großmutter sprach, aufgestanden und neben ein kleines, niedriges Kommodchen getreten, in dem sie von Kindheit an ihr hübsches Allerlei aufbewahrt hatte. Und als die Großmutter fertig mit Erzählen war, da sagte Apollonia ganz zaghaft: ›Ich liebe das Kommodchen so sehr!‹ ›Warum?‹ fragte die Großmutter lachend und sah sich die Freundin ganz verwundert an. Da erwidert diese in ihrer alten, lustigen Weise: ›Weil etwas darinnen ist, was ich dir nicht und niemandem geben würde. Für alle deine feinen Sachen gäbe ich dir es nicht.‹ Indem sie das sagte, hat sie sich hingekniet und soll das Kommodchen ganz sachte geküßt haben. Dann hat sie sich mit der Stirn darauf gestützt und an der blanken Seitenwand ist sie mit der Hand daran auf- und niedergefahren, als streichele sie es, so wie man einen Hund streichelt. Wahrscheinlich hat das arme Ding irgendein Ringlein oder sonst etwas von ihrem Liebsten darin gehabt. Die Großmutter erfuhr nie, was es gewesen, und hat die Apollonia noch am selben Abend sehr darum gequält, es ihr zu sagen. Die aber ließ sich kein Wörtchen weiter darüber entschlüpfen. – Als sie den Kopf, den sie auf das Kommodchen gestützt hatte, wieder in die Höhe hob, da sind ihr die Tränen über die Wangen gelaufen, und sie hat mit zitternder Stimme gesagt, als die Großmutter ganz bestürzt auf sie zugekommen: ›Das macht nichts. Zum Leben gehört ebensoviel Weinen wie Lachen.‹ Dabei habe sie, noch immer kniend, die Hände wie zwei Waagschalen nebeneinander gehalten. Aber so gut war das Lachen und Weinen der armen Apollonia nicht zugemessen.«

Jetzt standen die Machlett und Valentin nahe vor dem Tore. Da blieb die alte Frau stehen, legte ihre Hand auf Valentins Schulter und sagte: »Du bist ein lieber Bursche, Valentin, und weißt nicht, wie böse es auf der Welt zugehen kann. So eine alte Schwatzliese, wie ich bin; was hast du mit der Apollonia zu tun? Der ging es so übel, wie es einem Weibe nur gehen konnte. Mitten in ihren jungen Jahren und in ihrer Schönheit tat sie, was vor der Welt ein großes Unrecht war, und mußte es schwer büßen. Alles, was sie von Glück gehabt hatte, ging ihr deshalb verloren. Weil sie so allerliebst und lustig gewesen, war sie von jedermann verwöhnt worden. Dabei blieb es nicht; alles nahm ein böses Ende. Die Großmutter erzählte, wie an einem stürmischen Oktobertag die Leute vor das Johannistor gegangen wären. Sie sagte, daß es Ende Oktober gewesen sei, und auf dem steinernen Ding, das wir da oben auf dem Turme sahen, da mußte an dem Tage die Apollonia für die Sünde, die sie getan hatte, stehen. Da, wo alles Gesindel seine Strafe abbüßte. Meine Großmutter hat sie dort gesehen. Die war damals gerade ganz jung verheiratet und sehr glücklich, und nie vergess' ich, wie sie uns erzählte, daß sie auch vor das Tor hinausgeschlichen sei, an den Häusern hin, und nicht um sich gesehen habe, weil sie vor Traurigkeit keiner Menschenseele hätte in die Augen schauen können, und wie sie draußen auf dem Platze alles still gefunden habe. Die Leute hatten sich um die Stunde schon verlaufen, der Regen wäre auch in Strömen herabgekommen, und der Herbstwind hätte gehörig geblasen, so daß sich niemand recht herausgewagt. Wie sie durch das Tor auf dem Johannisplatz angelangt ist, da haben nur aus den Fenstern der paar alten Häuser, die dem Tore gegenüber lagen und jetzt nicht mehr stehen, einige Leute geschaut. Und wie die Großmutter so weit vorgegangen ist, daß sie beim Umwenden die Apollonia hätte sehen können, so erzählte sie – und Gott verzeihe ihr die Sünde – jedesmal mit denselben Worten: ›War es mir doch, als sähe ich den lieben Heiland am Kreuze hängen. Trauriger hätte es mir nicht zumute sein können, als wie ich die Apollonia gesehen, die ich als ein gutes sittsames Mädchen gekannt und die nun ein großes Unrecht getan hatte, daß sie so sehr dafür leiden mußte. Sie lehnte ganz gerade an der Turmmauer, und die Arme hingen ihr herab. Der Sturmwind wehte eine Strähne von ihrem blonden, schönen Haar, so lang es war, an der Steinwand hin.‹ – Die Apollonia soll sich nicht umgeblickt haben, als die Großmutter sie in ihrem großen Schmerze beim Namen rief. Sie hat nur in die dunklen Regenwolken gesehen, die der Sturmwind über die Stadt hintrieb.«

Die Frau Machlett schwieg und schob sich an ihrem Korbe, den sie beladen auf dem Rücken trug, etwas zurecht.

»Nun?« fragte Valentin in Erwartung.

»Wart«, sagte die Alte, »ich könnte mir für meine Suppe heute abend noch etwas mitnehmen. Da gehen wir gleich zu Ellmerichs hinüber. Siehst du, wie gut, daß ich daran denke.«

»Und Apollonia?« fragte Valentin erregt.

»Von der«, fuhr sie beiläufig fort, »hat die Großmutter seitdem nichts mehr gehört. Sie ist aus der Stadt gezogen, und was aus ihr geworden ist, weiß niemand.« Nun kauften Valentin und seine Freundin miteinander das Häppchen ein, das die Alte zu ihrer Abendsuppe verwenden wollte. Die Kaufmannsfrau, die ihnen das Verlangte abmaß, erkundigte sich, wie es schien aus aller Gewohnheit, wie es mit dem Kopfreißen ihrer Kundin stehe, und ob die Mütze noch ihre Schuldigkeit tue. Sie fragte recht gutmütig, aber um die Mundwinkel zuckte es ihr verdächtig, und sie blickte eine muntere Dirne, die ihr zur Hand ging, verständnisvoll an.

»Ja, ja«, sagte die Machletten und drohte dem jungen Weibe mit dem Finger. »Lachen Sie nur. Wenn es in Jahr und Tag einmal über Sie kommt, will ich wünschen, daß sich für Sie so eine Mütze findet, die für den Schaden gut ist.«

Da lachten beide Frauenzimmer, als gäbe es für sie keine Leiden auf der Welt. –

»Ja, ja«, brummte die Alte noch einmal, nahm ihr Päckchen vom Ladentische und ging mit Valentin ihres Weges.

So wurde durch die Erzählungen seiner alten Gönnerin in Valentin vor allem andern der Sinn für alle Begebenheiten geweckt. Das war ganz das Rechte für den Träumer, und das Schicksal schien es darauf abgesehen zu haben, die Natur unseres Helden so zu entwickeln, als wüchse er im goldenen Zeitalter auf, in dem die Fähigkeiten nicht nötig hatten, das Zeichen der Dienstbarkeit an sich zu tragen und sich zum göttlichen Spielwerk der Geschöpfe, über welche sie gekommen waren, entwickeln konnten. Was sollte in unserer Zeit, in der alles zur Ausbeutung gebracht werden muß, Valentin mit dem Trieb, sich in Vergangenes zu versenken, anfangen, da ihm das Geld fehlte, auf den Professor der Geschichte und der Archäologie hin zu studieren? Außerdem ist es für den nutzbringenden Menschen durchaus nicht vorteilhaft, sich gerade der einen der drei Zeiten hinzugeben, in der schon alles abgetan ist, in deren Gebiet es wenig zu verdienen gibt; es sei denn, wie gesagt, daß ein Forscher von Profession sich darin umhertriebe.

Valentin aber kümmerte sich nicht viel darum, wie er die Tage verbrachte, und hatte seine Freude daran und ein wohltätiges, unnennbares Gefühl, wenn er vielleicht über einen alten, in einer Mauer verrosteten Haken die Phantasie sich ergehen lassen konnte. Er wurde dann nicht müde sich vorzustellen, unter was für Umständen der Haken eingeschlagen sei, was einst wohl daran gehängt haben mochte, und beschwerte ihn im Geiste mit den wunderlichsten Dingen. Mit geheimnisvollen Säcken, die von unbestimmbaren Gestalten hart in Gebrauch gesetzt waren; Schinken aus längstvergangenen Jahrhunderten sah er fremdartig und ehrwürdig daran baumeln. Dann wieder ließ er eine Lanze mit dicker, verblichener, roter Quaste an das eingerammte Eisenwerk lehnen und sah närrisch abenteuerliche Röcke und Wamse hängen. Was für Menschen mit dem alten Haken in Verbindung gestanden, wie deren Aussehen war, was sie geredet hatten, beunruhigte und erregte auch seine Neugierde. Ein wehmütiges, unheimliches Gefühl beschlich ihn, wenn er sich von der Natur des Hakens vollkommen überzeugt und ihn als außerordentlich alt befunden hatte.

Das Johannistor, das mit der Valentin so dumpf unverständlichen Geschichte der Apollonia in einem düsteren Zusammenhange stand, wurde für den Knaben von nun an der bevorzugte Schauplatz seiner Träumereien. Dem Hange zu solchem unnützen, geistigen Getue gab er so nach, daß er sich ein paar Male des Abends aufmachte und vor das Tor hinausschlenderte, sich draußen ganz behaglich auf eine hervorspringende Wurzel der schönen, vollaubigen Pappel setzte, die in der Nähe des Tores gerade und steif in die Höhe gewachsen war. Er lehnte sich hübsch bequem an den Stamm und vergnügte sich damit, seinen phantastischen Kopf mit aller Gewalt anzustrengen, bis er die Apollonia auf dem Altan zu sehen vermeinte, so deutlich, daß ihm fast davor graute, wie ihr der Strähn Haare im Winde an der Mauer hinwehte. Leibhaftig stand sie ihm vor der Seele, und der närrische Kerl fühlte sein Herz bei diesem geistigen Anblick erwachen. Alles, was er von Schönheit und Liebreiz ahnte, das strömte ihm die Gestalt der Apollonia aus.

So wenig ihm die Machlett vom Schicksal und Wesen des vergessenen Mädchens auch mitgeteilt hatte, so stand die längst Entronnene doch klarer vor der Seele des Knaben als irgendein lebendes Wesen. Er konnte sich von ihren Eigentümlichkeiten Rechenschaft geben, und an jedes Wort, an alle Andeutungen der Alten, die Apollonia betrafen, hielt er sich, als gälten sie einer geliebten Toten, die man mit Gewalt in seinem Innern am Leben halten möchte. Was ihn so unwiderstehlich zu dem Mädchen hinzog, war ihr schönes Lachen, das grell ihrem düstern Schicksale gegenüber stand. Ihre Schalkhaftigkeit, deren die Machlett kaum Erwähnung getan, und die er fast erraten und durchgefühlt hatte, entzückte ihn und flößte ihm zu gleicher Zeit Grauen ein. Wie man nur das Bild seiner Allerschönsten im Herzen tragen kann, so beschäftigte er sich mit seinem wunderbaren Verhältnis zu dem vor ein paar Menschenaltern verkommenen und verstorbenen Mädchen. Ein paarmal gegen Abend trieb er es in seiner Träumerei so weit, daß er vor dem alten Hause in der Brüdergasse auf- und abwandelte und zu den Fenstern ganz verstohlen hinaufschielte, als wäre er in Sorge, die Leute könnten ihm auf der Stirn sein sonderbares Beginnen ablesen. Kam einer an ihm vorüber und blickte ihn, weil er von der großen Schönheit des Knaben betroffen war, scharf an, wurde Valentin rot bis unter die Stirnhaare. –

Wahrlich ein sehr verspäteter Liebhaber, der Liebhaber der hübschen Apollonia!

Allmählich war Valentin bei all seiner Träumerei zu einem jungen Burschen geworden, hatte die Schule mit ihren Mühen und Beschwerlichkeiten hinter sich und ging bei seinem Vater in die Lehre, ohne besondere Neigung zu dem Handwerke des Instrumentenmachers zu hegen. – Wie sich so etwas macht, der Alte hatte es gewollt, denn ihm schien es rätlich, daß der Sohn das Geschäft einst übernehme, und Valentin hatte sich ohne Widerstreben in des Vaters Willen gefügt. Das was er sein Lebtag mit den gleichgültigsten Empfindungen unter seinen Augen hatte entstehen sehen, war nun seine Lebensbeschäftigung geworden. In demselben Raume. in dem Valentin, solange er denken konnte, den Vater hatte Geigen fertigen lassen, ohne sich darum zu kümmern, mußte er nun an demselben Arbeitstische sitzen, an dem sein Vater sein Lebtag gesessen halte, und er kam so unbewandert mit den erforderlichen Kunstgriffen des Handwerks daran, als hätte er noch nie in die Instrumentenmachers-Werkstatt einen Blick getan.

Von früh bis abends mußte er tüchtig daran und tat es ohne Murren und ohne Freude. Der Vater hatte, um den Wohlklang seiner Instrumente zu prüfen, ein einziges Stücklein im Kopfe, das spielte und blies er jahraus, jahrein nun schon auf einer guten Anzahl Geigen und Waldhörner. Die eine Weise genügte dem Alten vollkommen, und nie hatte er das Bedürfnis gehabt, vielleicht der lieben Abwechslung halber auf eine neue zu geraten. Jetzt nahm er sich vor, besagtes wohlbewährtes Stücklein, sobald es sich tun ließe, dem Lehrling auch einzuüben.

Valentin war eifrig bei der Arbeit, denn nichts lenkte ihn so recht davon ab. Seine Träumereien und Phantastereien vergnügten ihn auch jetzt nicht, denn von der arbeitsvollen Gegenwart war er mühselig benommen, so daß seine schöne Jugend sich ihrer selbst kaum bewußt wurde. Ein Tag nach dem andern verging, ohne daß etwas Auffälliges für ihn auf dem Kannerückchen oder in der Werkstatt geschah. Vater und Sohn saßen sich gegenüber und arbeiteten ernsthaft und langweilig.

An einem schönen Sommertage da zog der Lehrling seinen Feiertagsrock an und ging hinaus vor die Stadt durch das Johannistor, ohne an vergangene geheimnisvolle Schwärmereien zu denken. Zu einem Kameraden hatte er es noch immer nicht gebracht, und seine Altersgenossen vom Kannerückchen waren nun allenthalben bei verschiedenen Meistern und Brotherren verstreut, so daß er die freien Stunden fast ausnahmslos in seiner eigenen Gesellschaft zubringen mußte.

Als er vor die Stadt in das Freie hinausgekommen war, schlug er einen einsamen, schmalen Weg ein, der durch hohe Kornfelder führte. Hier ward er von niemandem gestört, denn alle übrigen gingen die große Straße. Jeder schien seine Freude daran zu haben, gesehen zu werden und die andern zu sehen. Valentin ließ den munteren Zug sonntäglich geputzter Leute abseits von sich bunt und geschwätzig nach Dörfern, Lustgärten und behaglichen Wirtshäusern strömen und ging still, von nichts Erfreulichem bewegt, durch die wogenden Kornfelder. Kein beseligendes Freiheitsgefühl überkam ihn; des Armen Blick war schon erweitert, und er fühlte die drückenden Fesseln, die ihm sein Lebtag nicht wieder abgenommen werden sollten, schwer auf sich lasten. Wenn er halb unbewußt auf seinem einsamen Gange an Zukünftiges dachte, so empfand, sah und hörte er nichts als Arbeit – Arbeit – Arbeit. Ihm war, als erfüllte dieser unselige Begriff die ganze Welt, und so rasch es sich tun ließ, dachte er nicht weiter, sondern schob mit seiner Schuhspitze einen rundlichen Stein trübselig vor sich hin; tat das aber mit einer gewissen Ausdauer und einem ganz gesunden Eifer, der darauf hindeutete, daß er vielleicht im Leben noch einmal gute Freundschaft mit jener auf der Menschheit liegenden, ihn jetzt bedrückenden Macht halten würde. – Die Sonne durchschien die weite Landschaft und erfreute alles, was auch nur einen Funken Leben in sich trug, und was eine Stimme, was nur ein Tönchen hatte, machte seinem Behagen Luft. Unendliches zirpte, sang, schwirrte in weitem Umkreis. Die Luft war von sanften Geräuschen belebt, alles ein lauter Ausdruck von Behagen, der die Welt von großer Anschuldigung zu entlasten sucht. – Unverständlich für Valentin verklang so tausendstimmiges Lob des Augenblickes, das Qual und Tod verbirgt: aber unermüdlich singt und lobt es fort an jedem sonnigen Sommertage.

Der Weg führte nicht mehr durch Felder, sondern schlängelte sich in schmalen, lustigen Windungen in einen dämmerigen Buchenwald hinein. Die Sonne blitzte durch das dichte Blätterdach in das grüne Dunkel: feuchtwarm, von keinem Windzug bewegt, ruhte die Luft zwischen den hohen Stämmen. Unserem Helden wurde es in dem stillen Walde zum ersten Male wieder seit langer Zeit heimlich zumute. Er bog im Verlangen nach neuem Ungewohnten vom Pfade ab und ging leicht und wohlgemut querwaldein. Das braune, vorjährige Laub zu seinen Füßen rauschte bei jedem Schritte. Das leichte Unterholz streifte ihm Schulter und Haare, hier und da raschelte es, huschte am Boden hin; eine Eidechse, ein Schlänglein. Er lauschte, bog die Zweige auseinander und blickte wie beglückt in das grüne Gewirre hinein. Und weiter, immer weiter drang er in der schönen Einsamkeit vorwärts. Alles, was seine junge Seele bedrückte, war vergessen, von ihm abgespült, und er wurde wieder, unberührt von jeder alltäglichen Sorge, ein glückseliger, dummer Junge. Jetzt ging er einen Bach entlang, der in durchsichtigster Klarheit ganz sachte seines Weges floß. Valentin sah etwas wie einen Schatten über den Grund des Bächleins hinschießen. »Das mochte ein Forellchen sein«, dachte er und freute sich darüber. Der Bach, wenn er unter dichtem, verdecktem Blätterwerk vorschimmerte, glänzte in tiefem Dunkel, und traf die Sonne seine bewegten Wellen, leuchtete es golden auf. Die feuchte Heiterkeit, die überfließende Frische, die alles in seiner Nähe ausströmte, als wäre hier die Wohltat Gottes ausgegossen, machte den jungen Valentin lebensfroh und jugendsicher. Er wurde nicht müde, an dem Bache hinzugehen, als wenn der schimmernde, grünfeuchte Rand kein Ende nehmen würde.

Wie ein Wunder lag mit einem Male ein kleiner, sanft leuchtender See vor ihm, den der freundliche Bach aus seinem Überflusse gebildet hatte: und wie ein Wunder lag er tief verborgen in weihevollster Einsamkeit. Valentin blickte träumend auf die kleine, unbewegliche Fläche. Dann lief er dem lockenden Elemente zu, bog sich zu ihm herab, um von seiner Klarheit zu schöpfen, und da, als er sich beugte, sah er seine Züge in dem dunkel-hellen Spiegel, kein Lüftchen und keine Welle regte sich, so daß sein Bild ihm in ruhigster Unbeweglichkeit entgegenstrahlte. Er tauchte seine Hand nicht in das Wasser, um sich den Anblick, in den er ganz versunken war, nicht zu zerstören. Der Hut lag neben ihm im Grase, und das Haar war ihm durch das Bücken tief in die Stirne herabgefallen. Jetzt bewegte ihn ein lockendes Sehnen, sich näher mit dem schönen Elemente zu befreunden. Er streckte sich, legte sich der Länge nach am Ufer hin, bog den Kopf sachte tiefer, immer tiefer zu seinem eigenen Antlitz, das von dem Wasser aus zu ihm herausschaute, nieder, bis seine Lippen die kühle Flut berührten. Das schöne Bild zerrann, löste sich in krausen Wellenzügen, und er trank zur innersten Erquickung unmittelbar aus dem großen, ausgegossenen Reichtum. – Nun erhob er sich, strich sich das Haar zurück und stand einen Augenblick ruhig von einem Gedanken beseligt. – Dann in glückseliger Laune, voller Lust und Übereile zog er seinen Rock aus, seine Kleider, blickte sich scheu um und setzte den Fuß entzückt und behutsam in die sanfte Flut, die nahe am Ufer klar und flach ihren Spiegel dehnte. Den anderen Fuß noch auf trockenem Boden, den Oberkörper vorgebogen, die Arme ausgestreckt, stand er da, als strebe er über dem Wasser schon der dunklen Tiefe zu. Wie eine Erscheinung sah er seine ganze Gestalt schimmernd aus dem Wasserglanze tauchen. Er staunte und erschien sich selbst fremd, rätselhaft leuchteten ihm die Glieder entgegen, rätselhaft schien ihm mit einem Male alles um ihn her zu werden. Die Bäume, die sich mit ihm im Wasser spiegelten, der blaue Himmel, über welchem weißes Gewölk hinzog und dessen Abbild aus dem Wasserspiegel wieder aufwärts strahlte. Unbewußt fühlte Valentin, je länger er blickte, sich mit der ihn umgebenden Natur harmonisch vereint. Er fühlte sich so wert zu leben, wußte nichts Böses, Elendes von sich, hatte seine arbeitsvolle Armut vergessen und sah nur die schöne Gestalt aus dem Wasser leuchten, mit Himmelsgewölk und sich spiegelnden, frisch grünen Laubmassen wunderbar verbunden. Das war innerste Freude, die ihn durchzuckte und die ihn nicht mehr in seiner ruhigen Stellung verharren ließ, die ihn zwang, das Bild, das ihn beglückte, selbst zu zerstören. – Er bog sich zurück und im Augenblick darauf bewegte er sich voller Lebhaftigkeit in der Flut.

So wenig Pflanzen und freie Tiere Geschöpfe ihrer Zeit sind, der Zeit, in der sie zum Entstehen, zum Wachsen und Welken kommen, sondern scheinbar unbehelligt von den Jahrhunderten sich in ihren Eigentümlichkeiten fortpflanzen und sich selbst von Generation zu Generation treu bleiben, so wenig war Valentin in dieser Stunde ein Mensch seiner Zeit. Als der Knabe die Kleider abgelegt hatte, die seiner Erscheinung den Stempel des Jahrzehntes, das ihm dazu verhalf, von der Kindheit zur Jugend zu wachsen, aufdrückten, war er in seinem Empfinden, seiner Gestalt rein von allen Einflüssen der Zeit, – rein und unbehelligt wie die schöne Buche, die am Ufer des Wasserbeckens emporstrebte, und er genoß seine augenblickliche Zeitlosigkeit, wie es wohl selten einem Menschen, einem Gotte ewig vergönnt sein mag.

Als Valentin wieder aus dem reinen Elemente gestiegen und kühl und frisch in die Kleider geschlüpft war, schlenderte er seines Weges weiter in angenehmster Ruhe und Gedankenlosigkeit. Ungefähr ahnte er das Ziel, dem er entgegenstrebte, wußte aber nicht genau, an welcher Stelle er aus dem Walde wieder herauskommen würde; und das war ihm recht so. Wie er nun weiter ging und aus dem Waldesdickicht wieder auf einen betretenen Pfad kam, erkannte er ihn als den, der zu einem beliebten Vergnügungsorte führte. Das war ihm wieder recht, denn ihn hungerte nach dem schönen Bade, und er hoffte am Ende des Weges eine Stärkung zu erlangen. So ging er wohlgemut vorwärts. – Als er nach dem im Walde liegenden Wirtshause kam, sah er, daß es viele aus dem Städtchen heute dahin gezogen hatte. Auf Bänken, die unter Bäumen verstreut eingerammt waren, saßen die Leute im schönen Sonntagsputz. Die Abendsonne leuchtete in hellen Lichtern durch die Zweige, schimmerte den Gästen zu Füßen, blitzte auf ihren Gläsern und berührte ihren schwerfälligen Staat, daß es wie goldene Funken darauf tanzte. An einem Tische unter den Fenstern des Wirtshauses saßen Musikanten, ungarische Leute, die hatten hübsche, braune Gesichter und trugen Schnürenröcke. Es waren lauter Geiger und schienen vor nicht langem ihr Stück beendet zu haben. Valentin setzte sich an ein Tischchen unter einer Buche in der Nähe der Musikanten. Er ließ sich Brot und Bier geben und fühlte sich behaglich, und als noch die Geiger die ersten Striche taten, meinte er, daß er es sich nicht besser hätte wünschen können. Zuerst betrachtete er sich bei den Klängen der Musik die Leute, die um ihn her saßen, und brockte mit großem Appetite das Brot und trank nach jedem Bisse bedächtig. Als er wieder einmal die Reihe um mit seinen Betrachtungen gekommen war, blieben seine Blicke an den Musikanten haften, die mit Feuer und Sicherheit ihre Instrumente handhabten. Ein Kerl unter ihnen spielte temperamentvoll. Er stand an den Tisch gelehnt mit übereinander geschlagenen Beinen und geigte, wie man es nur haben wollte, so leicht, als würden ihm die Hände ohne sein Zutun vom Winde bewegt.

Daß es dergleichen auf Erden gibt, dachte Valentin, sperrte Ohren und Augen auf und verwunderte sich, was aus so einer Violine sich machen ließ.

Wie er so da saß und sich von dem prächtigen Menschen vorgeigen ließ, da regte sich zum ersten Male in ihm ein heftiges Verlangen, ein stürmisches Streben und zugleich eine große Unzufriedenheit mit sich selbst; der Drang, seine eigene Persönlichkeit vor anderen hervortreten zu lassen und ihr größeren Wert zu verleihen. Mitten in der Bewunderung für den Geiger stieg in ihm ganz naiv der Neid auf. Er gönnte es dem Kerle nicht, daß dieser so ruhig und siegesgewiß an dem Tisch lehnte und seinen Bogen führte: daß aller Augen auf ihn gerichtet waren und er selbst unbeachtet und einsam im Winkel saß. Vor einer kurzen Meile noch hatte er seine Freude an sich selbst gehabt und war innerlichst wie ein Kind beglückt gewesen, und nun kam er sich mit einem Male erbärmlich arm gegen den flotten Musikanten vor. Wie viel begehrenswerter erschien ihm dessen Los als das seinige, gebannt blickte er auf ihn, hielt sein Bierglas vor sich in der Hand, ohne gleich wieder einen Schluck daraus zu tun, und beobachtete ganz versunken das Hin und Her des Fiedelbogens.

Warum sollte sich das nicht lernen lassen, dachte er, und mit diesem Gedanken fuhr es wie neues Leben in ihn. Es erschien ihm seiner würdig, wenn er sich solcher verlockenden Beschäftigung hingäbe, und es stand in ihm fest, Geiger zu werden. Die Instrumente hatte er ja zur Auswahl im Hause. Schon sah er sich im Geiste am Platze des beneideten Mannes, aller Augen waren auf ihn gerichtet, und seine Finger verrichteten Wunderdinge, daß ihm selbst Hören und Sehen verging. So sah er in dem Musikanten ein Weilchen sich selbst und konnte ihn daher mit scheinbar ganz objektiver Freude beobachten und beurteilen.

Als er sich wieder auf den Heimweg machte, war schon ein hübscher Tatendrang über ihn gekommen. Leicht und unternehmend ging er dem Städtchen wieder zu, und in seinem Hirne spukte Mögliches und Unmögliches in wunderlicher Vereinigung. Ganz befriedigt und ruhig war er, als er bemerkte, daß er im Herzen, ehe er noch das Tor erreicht, das langweilige Handwerk guter Dinge aufgegeben hatte, um etwas für ihn Würdigeres, etwas Schöneres zu ergreifen.

Ehe er schlafen ging, leuchtete er noch einmal in die Werkstatt und schaute sich die Geigen, die am wohlverwahrten Fenster hingen, spöttisch lächelnd an. Auf eine bestimmte schien er es abgesehen zu haben: die nahm er vom Haken, klimperte ein wenig auf den Saiten und entlockte ihr mit dem Daumennagel brummende, summende Töne, hielt die Geige dabei prüfend an das Ohr und klopfte dann mit wichtiger Miene auf den schön polierten Holzrücken, daß es leise dröhnte. –

»Was rumorst du noch? Was treibst du?« rief der Vater aus der Nebenkammer. Als Valentin zu ihm hereinkam und sich auskleidete, sagte er trocken: »Vater, morgen dächte ich, könntest du mich dein Mantellied lehren.« – Das war des alten Instrumentenmachers einziges Stücklein.

»Wollen sehen«, sagte der Alte und drehte sich in seinem Bette um, daß es krachte. – Valentin lag auch bald und schlief nach seinem langen Gange wie ein Murmeltier.

Am andern Tage gegen Abend, als er verdrossen hinter seine Arbeit gegangen war, nahm ihn der Alte vor, um ihn in die Geheimnisse seiner Geigenspielkunst einzuweihen. Er langte nach dem ersten besten Instrumente, stimmte es mit gelassener Miene, setzte sich auf die Ofenbank und begann zu spielen.

»Das war es«, sagte er, als er geendet hatte und nickte Valentin mit einem Ausdruck zu, als hätte er zum ersten Male ein Wunder geleistet.

»Ja«, sagte Valentin, »das ist es«, und schaute einigermaßen bedenklich dazu.

»Nun wollen wir einmal versuchen«, begann der Vater. »Siehst du, so!« – Langsam berührte er die erste Saite, dann die nächste, nannte ihm die Bezeichnungen der Saiten, gab Valentin die Geige in die Hand und diktierte ihm die Noten, und der angehende Musikante faßte sich zusammen, biß die Zähne aufeinander und behielt am Ende der Unterrichtsstunde wirklich zwei Takte des Liedes im Kopf fand sich auch mit ihnen auf der Geige zurecht, worüber der Alte vergnügt schmunzelte. »Sieh, sieh, du wirst es schon lernen. Es ist ja keine Hexerei. Nun, morgen wollen wir weiter sehen.« Damit stand der Instrumentenmacher auf, nahm seinen Ausgehrock vom Nagel, zündete sich die Pfeife an und ging bedächtig, und zufrieden nach einer alten, gemütlichen Kneipe, in der er schon lange als Stammgast angesehen und behandelt wurde. Valentin blieb mit seiner Geige zurück und kratzte die zwei Takte unermüdlich herunter, trat bei jedem Strich derb mit dem Fuße auf und vollführte einen gehörigen Lärm. Jetzt kam er auf die kühne Idee, einen weiteren Takt des Liedes selbst zu suchen. Er summte die Melodie, so gut sie ihm im Gedächtnisse hängengeblieben war, vor sich hin und wiederholte mit tiefstem Gefühle die nächsten Töne, welche auf die ihm nun wohlbekannten Takte folgen mußten, und war in seiner Bestrebung unermüdlich. Wie er aber auch auf den Saiten mit seinem Bogen herumfingerte, wollte es ihm doch nicht recht glücken. »So, das geht nicht von selbst«, sagte er ganz außer Atem. Nun wollte er sich wieder an den Anfang machen, den er bei seinem Weiterbringen zu üben versäumt hatte. Wie er aber den Schaden bei Lichte besah, hatte er das erste wieder vergessen. »Wie war das?« murmelte er, ließ die Arme mitsamt Violine und Bogen an den Seiten herabhängen und summte unaufhörlich die gute Melodie vor sich hin, hielt den Bogen bereit, um bei der ersten Eingebung mit seinen Takten wieder anzufangen. Hin und wieder war es auch, als wollte er sie erwischen, aber unversehens zerstoben sie ihm jedesmal wesenlos unter den Händen. – Das hielt ihn aber nicht ab, zum ersten Male in seinem Leben trotz Mühe und Not bei der Sache zu bleiben. »Was mag der Instrumentenmacher heute haben?« sagte Rosina Degele, die wie schon erwähnt, über dem Laden wohnte, zu ihrer Schwester. »Heute scheint ihm das Mantellied nicht zu gelingen. Wie lange er schon daran herumgeigt? Sonst ging es doch immer.« Rosina schloß ihr Fenster, um das Gekratze nicht mit anhören zu müssen, zündete die Lampe an und setzte sich mit ihrer Arbeit der Schwester gegenüber.

Als Valentin im Laden noch eine gute Weile in den Saiten herumgewirtschaftet hatte, ging er ziemlich mißmutig die kleine Treppe vom Kannerückchen hinab, schlenderte über den Platz und in die Stadt hinein.

Es war ihm klar geworden, wie wenig ihn das Instrumentenhandwerk lockte: und daß es mit dem Geigenspiel auch seinen Haken haben mochte, das schien ihm auch sicher zu sein. Bei dem Anblick des Musikanten hatte er das richtige Gefühl gehabt, als wäre diesem seine Kunstfertigkeit nur so zugeflogen; und daß bei ihm die Sache nicht recht im Gange sein mochte, ahnte er.

Am andern Morgen paßte er wie ein Heftelmacher auf, als der Vater ihm auf sein Verlangen wieder das Mantellied vorgeigte. Das Glück war ihm hold, die entwischten Takte kamen ihm unversehens wieder in die Finger, und in seiner Lehrstunde konnte er sie mit größter Ruhe seinem Meister vorspielen. Dieser schien damit zufrieden zu sein, es aber auch nicht anders erwartet zu haben: er lehrte ihn ein paar weitere Takte, und Valentin übte, daß ihm die Schweißtropfen auf der Stirn standen. »Was fällt dir denn ein?« sagte der Vater. »Damit hat es ja keine Eile, du wetzest ja wie ein Messerschmied. Laß es nur sein; es ist nicht mehr zum Anhören.« Valentin legte seine Geige trübselig beiseite und hockte sich auf der Ofenbank zurecht, als wollte er es sich in seiner Langenweile wenigstens bequem machen. – Aber Tag für Tag, jede freie Stunde und sowie der Vater zum Hause hinaus war, ging er wieder an die Geige. Das Lied konnte er nach langen Beschwerlichkeiten endlich und hatte sich über ein altes Notenheft, das in des Instrumentenmachers Besitz war, hergemacht.

Die beiden Jungfern Rosina und Jette Degele gerieten über die Kunstbestrebung des jungen Lehrlings in Verzweiflung. Da sie Valentin so nicht recht grün waren, kamen sie über sein bißchen Geigenspiel in großen Ärger. Wenn sie ihm im Hause und auf dem Kannerückchen begegneten, dankten sie ihm kaum, wenn er grüßte, und sagten zueinander: »Weshalb lernt er, wenn es doch nicht gehen will, mehr als er braucht. Ist der Vater mit dem einen Dinge ausgekommen, weshalb muß der Grünschnabel sich über mehr machen wollen!« Valentin war es bei seinem Geigenspiel nicht gerade leicht ums Herz. Mit Angst und Anstrengung starrte er, wenn er beim Üben war, auf die Noten, biß sich, um ein paar Takte ununterbrochen spielen zu können, auf die Lippen und wurde ganz erregt von der Qual.

Der Vater erließ ihm kein Viertelstündchen von der alltäglichen Arbeitszeit, und diese verging ihm unendlich langsam und schwerfällig. Er haßte die gewohnten Wände, den Blick durch das Fenster auf den Platz mit den verkrüppelten Eichen, die heisere Stimme des Vaters und alles, was ihn, solange er denken konnte, umgab. Er sehnte sich hinauszukommen in die Welt und hoffte, es sollte ihm vielleicht das Geigenspiel dazu verhelfen.

Eines Abends, es mochte schon gegen zehn Uhr sein, der Instrumentenmacher war ausgegangen, und Valentin stand bei seinem flackernden Öllämpchen und hatte seine liebe Not mit der Geige, da konnten es Jette und Rosina Degele nicht mehr ertragen. Rosina hatte es diesen Abend gelüstet, das Klavier aufzuklappen und etwas Erbauliches darauf vorzutragen. Der Sohn des Hauses aber ließ seine Violine so erbärmlich hinauf winseln, daß sie sich nicht mit den Noten hatte zurecht finden können und von ihrer Herzensergießung absehen mußte. – Wie sich die beiden nun ärgerlich mit der Arbeit wieder gegenüber saßen und die durchdringenden Töne trotz der späten Abendstunde sich nicht beruhigen wollten, nahm Jette aufgeregt und unternehmend das Licht und sagte zu ihrer Schwester: »Du, jetzt gehe ich hinunter. Das halte einer länger aus. Der schöne Laffe da unten bringt uns noch um die Nachtruhe.« Indem sie das sagte, war sie schon zur Tür hinaus.

Rosina, die sanftere von beiden, schlich der Schwester zaghaft nach. Jette aber ging hastig die winkelige Stiege hinab, daß sie die Hand vor das Licht halten mußte, sonst wäre es ihr verlöscht. Sie klopfte an die Türe, die zu des Instrumentenmachers Lädchen führte, öffnete, ohne Antwort abzuwarten, und trat ein. – Da stand Valentin schön und rührend, das Ideal eines Geigenspielers. Seine Noten lagen vor ihm auf dem Tische, und er beugte sich etwas darüber, so daß sein Gesicht von der Flamme des Öllämpchens bestrahlt war, die seinen Eifer, das innige Bestreben, welches in seinen Zügen ausgeprägt war, in das rechte Licht setzte. Er hatte nicht darauf geachtet, daß sich die Tür öffnete, fuhr zusammen und hielt mitten in einem langgezogenen Ton inne, als Jette über die Schwelle trat und ihn unumwunden anredete: »Sagen Sie, Valentin, was soll das heißen? Was fällt Ihnen ein, und nicht etwa einmal, nein, alle Tage, jeden Tag, und gar bis tief in die Nacht hinein, daß das ganze Kannerückchen rebellisch wird. Wie kann der Vater Ihnen das nur zulassen? Ich wollte sagen, wenn dieser Übelstand nicht abgestellt wird, so ziehen wir aus; das erzählen Sie Ihrem Vater!« – Rosina zupfte die Schwester sachte am Rocke. Sie kannte Jette und wußte, daß diese leicht zornig wurde.

Valentin erwiderte kein Wort, sondern starrte auf die kleine, zanksüchtige Jungfer, die ihn aus seinen Hoffnungen und Luftschlössern zu reißen bemüht war.

»Klingt es so sehr schlecht?« fragte er endlich kleinlaut.

Da lachten die beiden Degeles: »Ja! Du lieber Gott, hat der denn keine Ohren?«

»Sie verstehen von Musik wirklich nichts«, warf Rosina schüchtern dazwischen.

»Was? Nichts soll er verstehen?« fuhr Jette zu Rosina gewendet wieder auf und redete sich von neuem in Ärger hinein. »Gar nichts versteht er. Was bilden Sie sich denn ein? Glauben Sie, man ließe sich das von Ihnen gefallen, etwa weil Sie für einen Burschen so albern schön sind? Daß Sie sich nicht etwa darauf etwas einbilden!« Rosina nahm die Schwester, von der sie wußte, daß sie von jeher eine starke Abneigung gegen Valentin gehabt hatte, bei der Hand, um sie aus dem Zimmer zu ziehen.

»Ja, ja! ich gehe schon«, polterte Jette; aber als die Schwestern aus dem Zimmer wollten, um den ganz zerknirschten Valentin wieder loszulassen, da bemerkten sie, daß sie ihren Zank bei offener Haustüre gehalten und Zuhörer hatten. Der Besitzer des Gärtchens auf dem Kannerückchen war beim Heimgehen an des Instrumentenmachers Haus vorübergekommen und, weil er darin lautes Reden hörte, war er stehengeblieben, um zu lauschen. Da hatten sich auch noch ein paar Nachbarsleute zu ihm gefunden, und so war die Szene zwischen den beiden Jungfern und Valentin nicht ohne Zeugen geblieben. Die vor der Tür hatten bald begriffen, um was es sich handelte, und ohne Ausnahme Jettens Partei ergriffen. Als die Schwestern aus dem Laden traten und Rosina noch die Türklinke in der Hand hielt, wurden sie von dem alten Gartenbesitzer um ihrer Angelegenheit willen begrüßt: »Was hat denn der Mosje für ein Gesicht dazu gemacht; es war ihm wohl nicht ganz genehm?«

»Was wird er für ein Gesicht gemacht haben?« wiederholte Jette erregt: »Mit seiner Vornehmtuerei hat er es gehalten. Kein Wort war aus ihm herauszubringen, wie ein Graf stand er da.«

Wie wenig ahnte die gute Jette, was in dem gedemütigten Herzen des armen, schönen Tropfes vorging, der in diesem Augenblicke in seiner Wertlosigkeit versank!

Sie wollte gerade noch weiter ihrem Herzen Luft machen, da kam auch schon der Instrumentenmacher nach Hause zurück und schien ganz bestürzt, noch so viele Leute in seinem Hausflur zu treffen.

»Du guter Gott!« rief er. »Da ist ein Unglück geschehen!«

»Was gar, ein Unglück!« rief Jette resolut, »das fehlte noch. Ausziehen wollen wir, wenn es hier unten mit der Geigenspielerei nicht bald ein Ende nimmt.«

»Wo ist Valentin?« fragte der Instrumentenmacher noch immer geängstigt.

»Mit Valentin hat es nichts auf sich, der ist drinnen«, beschwichtigte ihn Rosina.

Der Alte trat hinein in das Lädchen und sah seinen Sohn am Ofen stehen. Er blickte nicht auf und rührte sich nicht. Wie tief gebeugt starrte er vor sich hin.

»Nun, Valentin?« fragte der Vater, erhielt aber keine Antwort.

Jette, Rosina, der Nachbar waren dem Instrumentenmacher wieder mit in das Stübchen gefolgt, und noch ein paar Gestalten drängten sich in die enge Türe so halbwegs auch mit hinein.

»Hat er denn so viel gespielt? Ich dächte gar nicht?« sagte der arme Alte.

»Ihr müßt doch keine Ohren haben!« fuhr Jette wieder neu aufgeregt fort.

»Du lieber Gott!« warf der Instrumentenmacher bescheidentlich ein, »ich meine, daß das bißchen Geigenspiel, auch wenn es nicht sehr schön ist, dem armen Burschen doch zu gönnen wäre. Er hat doch außerdem keinen Spaß und niemand kümmert sich um meinen guten Kerl.«

Valentin blickte erstaunt und eigen bewegt auf, als er den Vater in der Erregung so liebevoll reden hörte. – Der Instrumentenmacher hatte es nie sehr mit dem Aussprechen seiner Gefühle gehalten. – Jetzt traten in Valentins Augen durch diese neue Bewegung seines Gemütes Tränen, und unverwandt blickte er auf seinen Vater.

Da trat einer von denen, die durch die Türe schauten, hervor und sagte: »Nun, Meister Bärlein, was braucht Euer Valentin Besonderes zu haben, laßt ihn tüchtig arbeiten, dann hat er seinen Spaß, wenn Ruhezeit ist. Was denkt Ihr denn, was wir unseren Söhnen für Herrlichkeiten auftischen? Ja, da hat sich was! Oder meint Ihr, wegen der schönen Larve müßte er etwas ganz Apartes vorgesetzt bekommen?«

In diesem Tone ging es noch ein gutes Weilchen fort. Jeder bestrebte sich, seiner Bitterkeit gegen Valentins unnötige Schönheit, wie sie sie titulierten und hinter der sie allerlei Böswilligkeit, Überhebung und Hang zum Wohlleben vermuteten, Luft zu machen. Jeder legte bei dieser Gelegenheit seine Abneigung gegen ihn klar an den Tag, als sollte Examen darüber gehalten werden. Sie trieben es in ihrem Eifer so weit, daß sie Valentins Aussehen dem guten Instrumentenmacher als Strafe Gottes darstellten. Ihre wunderliche Ansicht begründeten sie dadurch, daß sie meinten, es sei nicht gut, wenn das Äußere zum Stande nicht passe. So einem feinen Junker, wie der Valentin einen vorstellen wolle, könnte man im voraus nicht rechtes Zutrauen schenken; und was sie dergleichen darüber zu sagen hatten. Kurz, es wurde Valentin an diesem Abende klar, daß er wenig Liebe auf dem Kannerückchen erfahren hatte, und daß seine unschuldige Person allen ein Anstoß sei. Jeder, als hätten sie sich verabredet, hatte dieselbe Meinung gegen ihn gefaßt, und alles, was sie über ihn vorbrachten, artete zu guter Letzt in dieselbe Spitze aus.

Als die beiden Instrumentenmacher wieder Herren ihres Lädchens geworden waren und die Haustüre geschlossen hatten, da schauten sie sich verworren an, und der Alte sagte: »Du, mit dem Geigenspielen ist es nun nichts mehr. Bleib du beim Handwerk, Valentin, wir sitzen hier hübsch fest und haben unsere sichern Kunden.«

»Hier bleib' ich nicht!« sagte Valentin trocken, ohne aufzublicken.

»Nur ruhig«, erwiderte der Alte; »natürlich bleibst du; warum solllest du nicht bleiben wollen?«

»Hier bleib' ich nicht!« wiederholte Valentin.

»Torheit!« sagte der Instrumentenmacher, klopfte ihm auf die Schulter und ging in seine Kammer.

Diese Nacht fand unser armer Bursche wenig Ruhe. Sie waren dabei gewesen, ihm sein gutes, zartes Herz zu verwunden, und bis jetzt hatte er noch nicht erfahren, wie wehe das tut. – Mit seinem Geigenspiel mochte es nun wohl aus sein, was aber beginnen. Um alles in der Welt wollte er nicht mehr auf dem Kannerückchen bleiben, wo sie ihm so böswillig mitgespielt hatten. Sein Sinn stand darauf, hinaus in die Welt zu gehen; aber wohin? Er stellte sich vor, daß unendlich viel Raum auf Erden sei, so viel, daß ihm davor schwindelte. –

Es waren seit jenem Abend drei Jahre vergangen, und Valentin verbrachte noch immer seine Tage auf dem Kannerückchen in des Vaters Werkstatt. Der Alte hatte ihn nicht fortgelassen, sondern darauf gedrungen, daß der Lehrling bei ihm zum Gesellen werde. Eine besonders große Arbeitskraft schien er nicht zu sein, er ging eben nur so knapp am Mittelmäßigen hin; aber der Vater dachte: Er wird sich schon durchhelfen. – Die Leute vom Kannerückchen behandelten ihn noch immer etwas von oben herab: die alte Machlett aber war ihm nach wie vor gut geblieben.

Valentin stand jetzt in seiner ganzen Schönheit, denn noch war sie von jugendlicher Zartheit überhaucht. Er versprach nicht das zu werden, was man einen schönen Mann, eine volle männliche Schönheit nennt. Die Natur seiner Schönheit schien dem Jünglingsalter anzugehören. Man konnte sich nicht recht vorstellen, wie seine reinen schlanken Formen sich einst vergröbern und verstärken würden. Es gibt Menschen, die für das Alter nicht bestimmt zu sein scheinen, deren Abweichung von der Jugend uns undenkbar ist; zu diesen gehörte Valentin, und eigen war es, daß ein so schöner Bursche ein so zurückgezogenes Leben führte. Ihm hatte nie ein Mädel aus seiner Heimatstadt besonders gefallen.

Und dann, wer weiß, trug Valentin ein Ideal weiblichen Liebreizes in sich. Jedenfalls hatte er sich Gedanken darüber gemacht, das verrät die Hingabe seiner ersten Jugend an das Bild der schönen Apollonia, das er fast leidenschaftlich in feste Züge umzuwandeln bestrebt gewesen war und das seinem Gemüt einen tiefen Eindruck gemacht hatte. Vielleicht war es die Vorstellung einer von dem Wachsen, Welken und Vergehen der Geschlechter längst überwucherten Gestalt, die noch in seinem Herzen lebte.

So war die Wanderzeit herangekommen, und weil es sein mußte, schnürte er ganz ehrbar sein Bündel. Lieber wäre es ihm gewesen, er hätte sich bei Nacht und Nebel allen zum Possen davonschleichen können, so mußte er fein manierlich bei den Nachbarn herumziehen, um Abschied zu nehmen, und hatte zum letzten Male die Freude, überall spitzige, spöttische Bemerkungen über seine Person, sein Handwerk, sein Reiseziel, seine Kleidung, den Schnitt seines Haares und so weiter einzustecken. Man fühlte sich veranlaßt, ihm ganz unumwunden gute Lehren zu geben über alles und jedes. Sie stellten ihm mit ihren Ermahnungen ein Armutszeugnis über seine Eigenschaften aus, und mit Verdruß und ohne Bedauern wandte er dem Städtchen den Rücken; nur der Abschied von seinem alten Vater machte ihm ein Weilchen das Herz schwer. Sonst zog er freudiger erregt als gewöhnlich seines Weges.

Valentins Reiseziel war eine kleine, bayrische Stadt, in welcher ein vorzüglicher Instrumentenmachermeister lebte; der alte Bärlein wünschte, daß sein Sohn eine Zeitlang in dessen Werkstatt in Arbeit stehen sollte. Auf seiner Wanderung konnte er sich hübsch umsehen und sich da aufhalten, wo es ihm gut und vorteilhaft zu sein bedünkte. Der Vater hatte ihn mit Geld versehen, denn der Alte war auf seinem Kannerückchen, für die Begriffe der Nachbarsleute wenigstens, ein wohlhabender Mann, und er hatte es sich nicht nehmen lassen, seinen Sohn gut auszurüsten.

Dem war es ganz wunderlich zumute, die Welt offen vor sich liegen zu sehen und, wie es ihm schien, erfüllt von wünschenswerten Kräften, die das Leben angenehm und erfreulich machen: von Freundschaft, Liebe, Wohlwollen, von dem, wonach unser Held im Herzen Verlangen trug. Er zog aus, um sich sein Teil, das auf ihn kommen mußte, selbst zu holen, da es lange ausgeblieben war. – Und als er sich überlegte, was er von aller Schönheit und Wunderbarlichkeit der Erde am liebsten sehen wollte, so war es das Meer und die neue Eisenbahn von Fürth nach Nürnberg, die sie gerade eröffnet hatten, und welche die Welt in Staunen und Erregung versetzte. Den Wunsch, dies neue Ding zu sehen, wurde ihm leicht zu befriedigen, da er auf seiner Reise die alte Stadt Nürnberg, ohne beträchtlich vom Ziele abzuweichen, berühren konnte. So zog er des Weges und sah das Wunder seiner Tage. Noch in größter Erregung ging er durch die ehrwürdigen Straßen Nürnbergs träumend und grübelnd. Nürnberg war ganz dazu angetan, daß er sich seiner Begabung, sich in Vergangenes zu versetzen, behäbig hingeben konnte. Wäre diese Begabung in glückliche Verbindung mit anderen Eigenschaften getreten, unser Freund würde hier zum schaffenden Menschen geworden sein. So aber ging er und starrte, und ließ sich von dem Geiste der grauen Gemäuer in den Jahrhunderten, die an diesen mit allen ihren Eigentümlichkeiten, ihren Bedeutungen, Narrheiten, ihren wechselnden Sitten, ihrem lachenden, längst verflossenen Sonnenschein, ihrem Grauen und den unbestimmbaren, lockenden Ereignissen vorübergezogen waren, umherhetzen und fühlte sich von solcher unlohnenden Jagd fast gepeinigt. Jeder Erker, jedes wunderliche Mäuerchen erregte ihn. Unaufhörlich ahnte er unbestimmte Dinge, die sich ihm nicht recht gestalten konnten. Um ihn schwirrten bedeutungsvolle, unverständliche Geräusche längst vergangener Zeiten. Alles, was er sah, strömte den kaum schimmernden Abglanz eines früheren wahren, gewaltigen Lebens aus. Valentin begriff kaum, daß es sich zeitgemäß geschäftig in den Straßen regte, daß die gegenwärtigen Menschen durch angeerbtes Tun und Treiben ihm am sichersten ein Bild von den entschwundenen geben konnten. Die alten Giebelhäuser schienen ihm vereinsamt; ein anderes Geschlecht, ehrbares und doch wesenloses Gesindel, in Schauben, pelzverbrämten Röcken und allerlei Anhängseln, belebte ihm geisterhaft die Kirchen und Plätze, die Brücken und Erker. Das war eine Gesellschaft, zu der sich Valentin unwiderstehlich hingezogen fühlte, mit der sich aber für ihn wenig machen ließ. Sie bewegte sich sinnlos verzerrt vor seinen Augen, und wollte er ja einmal fester auf sie schauen, zerrann, worauf sein Blick gefallen war.

So trug Valentin ein feindliches Element, das seine Ruhe und seine einfachen nützlichen Tugenden gefährdete, mit sich umher. Es hatte in seinem Kopfe arg gespukt. Die Kräfte, die in ihm erweckt werden konnten, waren in heftigster Bewegung, und es mochte nun die Zeit kommen, in der auch er erfuhr, was für ein närrisches Geschöpf das Ding sei, was wir Mensch nennen.

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