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Der Rosenkavalier

Ossip Schubin: Der Rosenkavalier - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorOssip Schubin
titleDer Rosenkavalier
publisherVerlag von Georg Westermann Braunschweig und Hamburg
correctorreuters@abc.de
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Es war in Wien, nach einem Bankett, bei dem der siebzigste Geburtstag eines weithin bekannten Schriftstellers gefeiert worden war.

Der ehrwürdige Jubilar befand sich in gehobener Stimmung. Mit siebzig Jahren ist man nicht mehr allzu wählerisch. Man nimmt dankbar an, was einem gereicht wird, und hofft, daß die »Jungen«, die, die jetzt gerade auf der Spitze des Berges stehen, von dem man bereits ein beträchtliches Stück hat abwärts wandern müssen, es nicht merken, wie minderwertig und geringfügig die veranstalteten Huldigungen sind.

Zu den ganz Großen hatte der Jubilar nie gehört; nie zu jenen, die einen Vorsprung vor der Zeit haben, weshalb die Menschen oft Jahrzehnte brauchen, um sie verstehen zu lernen oder sich zum mindesten an sie zu gewöhnen. Denen geht's im Alter gut. Sie erleben bei lebendigem Leibe die Apotheose und kommen nicht mehr dazu, ihre ihnen literarisch zugesicherte Unsterblichkeit zu überleben.

Der Gefeierte aber hatte mitten in seiner Zeit gestanden, hatte mit seiner Zeit gedacht und gefühlt, weshalb sein Ruhm mit dieser Zeit gestorben war. Er war vernünftig. Nachdem er, um die Aufmerksamkeit der Jungen zu erzwingen, einen vergeblichen und sehr bedenklichen Versuch gemacht hatte, modern zu werden, hatte er sich ruhig auf sein Altenteil zurückgezogen.

Darüber war er siebzig Jahre alt geworden. Man fühlte sich verpflichtet, ihn als »literarische Antiquität« zu respektieren. Ein unternehmender Verleger veranstaltete eine Gesamtausgabe seiner Werke, und seine Freunde gaben das Bankett. Es hatte sehr lange gedauert. Nach jedem Gang hatte man Reden gehalten. Die Speisen waren dabei kalt, der Champagner warm geworden.

Jetzt war das Festmahl vorüber. Die Stimmung war flau. Man hatte sich in einen Nebensaal zurückgezogen, wo geraucht werden durfte.

Mit Ausnahme des liebenswürdigen Jubilars beklagte sich ein jeder über irgend etwas. Ein junger Dichter darüber, daß er sich kein Mineralwasser hatte verschaffen können, und das sei doch das einzig Wichtige bei einem Diner; ein alter darüber, daß er zuwenig Champagner bekommen habe. Ein Literarhistoriker, der zwischen beiden saß, rief: »Da haben wir die Antipoden der deutschen Dichterei. Vor fünfzig Jahren inspirierte sich die Literatur mit Champagner, jetzt mit Mineralwasser.«

»Und da wählt sie zumeist ein Bitterwasser!« murmelte der Jubilar, aber sehr leise, denn er wollte sich nicht unbeliebt machen. Er saß etwas abseits in einem Kreise mit Autographenalbums bewaffneter Damen und reckte sich den Hals aus, um sie alle mit unparteiischer Abwechslung anlächeln zu können. Man konnte nicht leugnen, daß er ein angenehmer Gast war, nämlich einer, der leicht zufriedenzustellen ist, und das ist bei einem Gast die Hauptsache.

»Der alte Schwede nimmt sich wirklich noch ernst,« murmelte mit einem überlegenen Lächeln der junge Dichter.

»Ich werde nicht klug aus ihm,« entgegnete der Literarhistoriker. »Ich frage mich, ist er wirklich nur ein altes Kind oder ist er ... ein alter Philosoph?«

»Wie meinen Sie das?« fragte der Dichter.

»Ich frage mich, ob er's nicht merkt, daß er seinen Zenit längst überschritten hat, oder ob er es einfach als selbstverständlich betrachtet, daß man in einem gewissen Alter seinen Ruhm verliert – geradeso wie die Haare und die Zähne.«

»Glauben Sie wirklich, daß man in einem gewissen Alter seinen Ruhm verlieren muß?« fragte etwas beunruhigt der junge Poet.

»›Manche gibt es!‹ Um Hofmannsthal zu zitieren,« bemerkte der Literarhistoriker.

»Ach, lassen Sie mich aus mit Hofmannsthal!« rief der Dichter. »Hofmannsthal ist fertig, fer–tig! Phosphoreszierender Redeschaum, weiter nichts!« Mit diesem Ausspruch dachte er seine literarische Überlegenheit zu beweisen, bewies aber nur seine kollegiale Mißgunst.

»Hofmannsthal und Strauß«, murmelte der Literarhistoriker, »sind ...«

»Edle Genossenschaft!« unterbrach ihn ein alter Herr, dessen Verständnis in der Literatur bei Keller und in der Musik bei Brahms stehengeblieben war. »Ich weiß nicht, wer mich mehr in Harnisch bringt,« fuhr der Rückständige mit großer Erbitterung fort, »Strauß oder Hofmannsthal.«

Der junge Dichter zuckte langsam die Achseln. »Ich hab's Ihnen ja schon gesagt – Hofmannsthal ...« Noch einmal zuckte er die Achseln und machte eine vernichtende Handbewegung. »Aber Strauß, das ist eine andre Nummer ... ein genialer Musiker ...« Der junge Dichter wünschte sich dringend, von Strauß vertont zu werden.

»Ein genialer musikalischer Großindustrieller!« rief der altmodische Herr, wobei er vor Zorn blaurot im Gesicht wurde. »Versorgt das Publikum mit allem, wonach es gerade verlangt, von musikalischen Dynamitbomben angefangen bis zu Kotillongarnituren.«

»Gar so summarisch abzufertigen ist Strauß nicht,« mischte sich an diesem Punkt eine behäbige alte Dame in das Gespräch, dem sie bis dahin nur mit einem belustigten Lächeln gelauscht hatte. »Nehmen Sie mir's nicht übel, Herr Müller, Strauß ist ein Genie. Sein Werk strotzt nicht nur von interessanten musikalischen Experimenten, sondern erhebt sich oft zu wirklicher Inspiration. Das einzige, was ich ihm übelnehme, ist, daß er seine wärmste und poetischste Musik dazu mißbraucht hat, eine so schwerfällige Zote zu verklären wie den Rosenkavalier.«

»Den Rosenkavalier! Wie können Sie sich nur erlauben, den Rosenkavalier eine Zote zu nennen!« ereiferte sich eine schön gewesene, griechisch geschürzte Dame.

Die Zurechtgewiesene konnte sich eben sehr viel erlauben. Sie war sehr populär, und das hatte seine guten Gründe. Erstens gab sie vorzügliche Diners, zweitens machte sie zwar Witze, aber nie Klatschereien, und drittens verlangte sie nie etwas von irgend jemandem, war hingegen immer bereit, zu geben, soweit ihre Mittel reichten. Abgesehen von ihrer Popularität hatte sie auch wirklich wertvolle Freunde, und die verdankte sie einer sehr seltenen und köstlichen Eigenschaft, nämlich der großen Beruhigung, die von ihr ausging. Ohne im geringsten teilnahmlos zu sein, hatte sie doch ein gottbegnadetes Phlegma. Eigentlich hieß sie Frau Lindenstamm, aber ihre Freunde nannten sie den Lindenbaum, weil man immer Ruhe bei ihr fand. Es gab nur zwei Anlässe, die sie gründlich aus dem Häuschen brachten: wenn sie dazukam, daß man ein Kind oder ein Tier mißhandelte, oder wenn man sich an ihren ethischen Idealen vergriff.

So reagierte sie auch jetzt gegen den Ausfall der gezierten griechisch geschürzten Dame nur durch ein humoristisches Lächeln und die Worte: »Ich kann mir nun einmal nicht helfen. Eine Zote ist und bleibt der Rosenkavalier. Aber wenn Ihnen darum zu tun ist, ändere ich das Beiwort, anstatt einer schwerfälligen Zote sage ich eine sentimentale Zote.«

»Der Rosenkavalier ist das Zarteste, was es gibt!« flötete die griechisch geschürzte Dame.

»Was die Damen alles zart finden!« brummte der rückständige alte Herr mit etwas aufdringlicher Ironie.

Die phlegmatische alte Frau wiederholte nur: »Zart ... das ist mir entgangen. Aber es ist leicht möglich, daß mir für das Werk das richtige Verständnis fehlt. Mir ist das Leitmotiv der Dichtung so widerwärtig, daß ich nicht darüber hinauskann. Eine Liebschaft zwischen einem grünen Buben und einer alternden Frau finde ich nun einmal ekelhaft!«

Ein Herr, der sich bis dahin abseits gehalten, hob jetzt seinen Kopf und bemerkte: »Eine so grausame Bemerkung hätte ich von Ihnen nicht erwartet, gnädige Frau.«

Etwas überrascht wendete sich Frau Lindenstamm nach ihm um. Seine Erscheinung hatte etwas ungewöhnlich Fesselndes. Bei großer Schlichtheit im Auftreten merkte man doch sofort, daß er abseits von der landläufigen Menschheit stand und daß ihn ein tragisches Schicksal gezeichnet hatte. Sein schönes, regelmäßig gebildetes Gesicht war blaß und mager, von einem leichten Vollbart und nachlässig gestutztem Haar eingerahmt: das ideale Christusgesicht, wie es nur von zwei Malerdichtern erraten worden ist, von Tizian bei seinem Zinsgroschen, von Rembrandt bei seinem Jesus in Emmaus.

Von geradgezogenen dichten Brauen beschirmt, blickten aus diesem blassen Antlitz die Augen eines Träumers oder Sehers, das heißt die Augen des geistig Weitsichtigen, dem die vorübergehenden ärgerlichen und ekelhaften Einzelheiten des Weltbestandes entgehen, und der darüber hinweg das Große, das Heilige, das Bleibende erfaßt; der im Menschen nicht den gewesenen Affen verachtet, sondern im Affen den vielleicht noch werdenkönnenden Menschen respektiert.

Noch schöner als seine Augen war sein Mund, ein Mund voll unerschöpflicher Güte, ein Mund, der gewiß schon viele Jahre nicht mehr gelacht, hingegen so oft vielen traurigen Menschen Mut zugelächelt hatte, daß nach und nach eine Art Lächeln darauf stehengeblieben war, das heißt ein milder, nachdenklicher, gegen alle Schärfen und Härten, gegen alle Unduldsamkeiten protestierender Ausdruck.

»Sie sind der erste Mensch, der mich grausam findet,« entgegnete ihm etwas zögernd Frau Lindenstamm. »Sie können doch nicht ernstlich von mir verlangen, daß ich für die alte Marschallin und ihren Lausbuben von Liebhaber Sympathie empfinde?«

»Den Lausbuben, wenn Sie den armen Rosenkavalier durchaus so nennen wollen, geb' ich Ihnen preis,« erwiderte der Mann mit dem Christusgesicht, »aber die Marschallin ist eine ergreifende Figur.«

»Die alte Person, die sich mit einem halb ausgewachsenen Jungen herumbalgt!« rief Frau Lindenstamm.

»Erstens ist sie gar nicht alt,« mischte sich die griechisch geschürzte Dame ins Gespräch. »Und wenn sie's wär' – geben wir zu, daß sie alt ist –«

Bei diesen Worten wendete sich der Mann mit dem Christusgesicht an Frau Lindenstamm, die ihn trotz ihrer abweichenden Meinung mehr zu interessieren schien als die gezierte Dame, die ihm beistimmte.

»Ich find's nun einmal häßlich, wenn ein Baum im November noch einmal anfängt zu blühen,« verteidigte sich Frau Lindenstamm. »Ich hab' einmal einen Kastanienbaum gesehen, der hatte keine Blätter mehr am Leib, aber er trieb Blüten, armselige gespenstige Blüten. Es war widerlich!«

Ein großer Zorn trat in die Augen des Mannes mit dem Christusgesicht. »Widerlich ... so! Haben Sie denn gar kein Verständnis für die Tragik der Situation, gnädige Frau? Ist es Ihnen nie eingefallen, sich zu fragen, was der arme Baum gelitten haben muß, als er anfing, im Herbst zu blühen?«

Frau Lindenstamm fuhr ein wenig zusammen. Sie sah, daß es sich hier nicht mehr um eine amüsante Entgegnung handelte, sondern um eine ernste und würdige. Ehe es ihr aber gelungen war, eine solche zu formulieren, stand der Mann mit dem Christusgesicht auf, verneigte sich zerstreut und entfernte sich.

Er ließ eine unbehagliche Stimmung zurück. Der junge Dichter äußerte sich, ihm sei zumute, als ob er an einem kalten Tage aus einem heißen Bad gestiegen sei und nun sein Badetuch nicht finden könne.

Der Jubilar rettete die Situation. Aus dem Kreis anbetender Damen tretend, in dem er die peinliche Auseinandersetzung überhört hatte, erklärte er, dies sei der glücklichste Abend seines Lebens gewesen, und vereinbarte mit allen Anwesenden eine Zusammenkunft für seinen achtzigsten Geburtstag. Dann bat er, man möge ihm ein Automobil beschaffen, es könne auch eine Droschke sein, worauf er, eine Melodie aus »Robert dem Teufel« trällernd, röter als das Ordensband um seinen Hals hinaustorkelte.

Viele verließen nun ebenfalls den Saal. Frau Lindenstamm zögerte noch. »Wer war denn der verrückte Mensch mit dem sympathischen Gesicht?« fragte sie den Literarhistoriker.

»Professor Schmieden. Ich dachte ihn Ihnen vorgestellt zu haben.«

»Schmieden!« Frau Lindenstamm zuckte erschrocken zusammen. »Schmieden – doch nicht der berühmte Schmieden, der geniale Frauenarzt mit der großen Armenpraxis?«

»Derselbe. Er hat die größte Armenpraxis von Wien und ist jetzt in drei Weltteilen berühmt. Außerdem war er einmal der arme Student, wegen dessen sich die Selvaggini das Leben genommen hat!« – –

Frau Lindenstamm verbrachte eine schlaflose Nacht. Das Bewußtsein, jemandem weh getan zu haben, äußerte sich bei ihr immer in schlaflosen Nächten. Es war das einzige, was diese qualvolle Wirkung auf sie ausübte, außer einer Kündigung ihrer Köchin, der Köchin, der sie einen so großen Teil ihrer Beliebtheit verdankte.

Sie hatte den Ruhm der Selvaggini miterlebt, hatte sich oft hinreißen lassen von ihrer wundervollen Stimme, ihrer leidenschaftlichen, wahrhaft dramatischen Darstellung.

Die Selvaggini war ebenso berühmt gewesen wie die Patti, und viele sagten, daß sie größer gewesen sei. Die anmutige Zierlichkeit und die Eleganz der Patti hatten ihr wohl gefehlt, manchmal war ihre Kunst von einem Paroxysmus der Leidenschaft entstellt, der den zimperlichen Geschmack einiger Zuhörer verletzte, hingegen freilich auf einen großen Teil des ernsteren Publikums eine berauschende Wirkung übte, und was das Privatleben der Selvaggini anlangte, so hatte man davon Fabelhaftes erzählt. Auch von dem letzten tragischen Kapitel ihrer Existenz hatte Frau Lindenstamm gehört. Es war behauptet worden, daß die Fünfzigerin sich in einen ganz jungen Mann verliebt und sich, da er ihre Liebe natürlich nicht erwidert, das Leben genommen habe. Die Tragödie hatte einen grotesken Beigeschmack. Natürlich hatte es Frau Lindenstamm einen peinlichen Eindruck gemacht, als sie in der Zeitung davon gelesen; aber um die Selvaggini war's ihr nicht besonders leid gewesen, sondern um den jungen Studenten. Ihre Phantasie hatte sich eine Weile mit ihm beschäftigt, dann hatte sie ihn vergessen. Das ist so der Lauf der Welt. Und nun hatte sie ihn kennengelernt – und hatte ihm weh getan.

Als ihre innere Unruhe auch nach der schlaflosen Nacht bis in die Beschäftigung des Tages hinein quälend anhielt, entschloß sie sich, etwas sehr Kühnes zu tun. Sie schrieb Dr. Schmieden einen Brief, in dem sie ihn bat, sie zu besuchen. Er möge sich telephonisch anmelden, fügte sie hinzu, denn es würde ihr sehr leid tun, ihn zu verfehlen. Wenn ihn fremde Menschen störten, würde sie's einrichten, ihn allein zu empfangen.

Als P. S. schrieb sie: »Wissen Sie, wie mich meine Freunde, meine allerbesten Freunde nennen? – Den Lindenbaum!«

Kaum hatte sie den Brief zugeklebt, so fiel es ihr ein, daß sie das P. S. eigentlich nicht hätte hinzufügen sollen. Man behelligte einen Fremden nicht mit solchen läppischen Vertraulichkeiten. Was konnte es Professor Schmieden interessieren, ob ihre Freunde sie den Lindenbaum nannten oder den Weichselbaum. Gleich darauf fiel es ihr ein, daß sie den Brief überhaupt nicht hätte schreiben sollen. Sie wollte ihn vernichten, aber es war zu spät, er befand sich schon auf dem Wege zur Post. Die Köchin hatte ihn mitgenommen. Nun – alles andre war Schicksal. –

Seltsamerweise war es gerade das P. S., das bestimmend auf den Professor gewirkt hatte. Er war schon im Begriff gewesen, wegen Überbürdung und Übermüdung brieflich auf den großen Vorzug usw. zu verzichten, als sein Blick noch einmal daraufgefallen war ... Lindenbaum? Was sollte denn das bedeuten?

Da plötzlich, weich, wehmütig, beschwichtigend durchschwebte es seine Seele. »Du fändest Nutze dort!« Wenn er wirklich noch irgendwo Nutze finden könnte. Er hatte solche Sehnsucht nach Ruhe. Seit zwanzig Jahren verfolgte sie ihn.

Und so geschah es, daß zwei Tage nach Absendung ihres Briefes, als Frau Lindenstamm gerade angefangen hatte, sich ihrer vorlauten Liebenswürdigkeit zu schämen, gegen elf Uhr das Telephon sein aufdringliches Geklingel erhob.

Der Diener des Herrn Professors Schmieden fragte an, ob es dem Herrn Professor vergönnt sein dürfte, Frau Lindenstamm heute um sechs Uhr nachmittag seine Aufwartung zu machen

Punkt sechs erschien der Professor. Frau Lindenstamm empfing ihn in einem Zimmer mit einer Palisade von weißen Chrysanthemen vor einem großen weißverschleierten Fenster und einem prasselnden Holzfeuer in einem offenen Kamin. Auch die Wände waren weiß, hier und da mit sehr schönen Radierungen und ein paar Aquarellen in einfachen Rahmen geschmückt. Aber der den ganzen Boden bedeckende Teppich war grünlichblau, und man versank darin wie in weiches Moos. Es war unmöglich, auf diesem Teppich zu straucheln oder gar auszugleiten. Aber es waren weder die weißen Chrysanthemen noch der grünblaue Teppich, die jedem feinfühlenden Menschen auffielen und wohltaten, wenn er das Zimmer betrat, ja nicht einmal das warme Kaminfeuer oder die zum Ausruhen für müde Wanderer vorbereiteten bequemen Lehnstühle davor – nein, was am angenehmsten berührte, war die Luft, die nach Schnee schmeckte, aber nach Schnee, der, von der Sonne durchwärmt, im Waldmoos versickert, ohne sich vorher in Schlamm verwandelt zu haben. Das kam daher, daß das Haus der Frau Lindenstamm außerhalb der Stadt zwischen Wald und Gärten gelegen war, und daß sie bei jeder möglichen Gelegenheit die Fenster öffnete.

Nachdem der Doktor ihre ihm entgegengestreckte Hand ritterlich geküßt und, ihrer Aufforderung folgend, in einem bequemen Sessel Platz genommen hatte, schöpfte er tief Atem. »Was für eine himmlische Luft Sie hier haben!« sagte er.

»Ja, es ist der einzige Luxus, auf den ich halte,« gab sie zurück.

»Es ist der schönste Luxus in der Welt – mit Ausnahme eines reinen Gewissens,« erwiderte der Arzt.

»Halten Sie das reine Gewissen für einen Luxus?« fragte halb lachend Frau Lindenstamm.

»In vielen Lebenslagen für den unerschwinglichsten,« erwiderte der Arzt kurz, und da Frau Lindenstamm nicht umhinkonnte, über sein Paradoxon belustigt zu lächeln, fügte er hinzu: »Wenn man sich, wie ich, beständig in den Ställen – Wohnungen kann man's wohl nicht nennen – herumtreibt, in denen die Armen leben, lieben, sich vermehren und sterben, wobei sie sich so eng zusammengepfercht mit Krankheit und Laster befinden, daß sie der Ansteckung nicht entgehen können und ihre Seelen mit ihren Körpern hinsiechen müssen, da weih man erst, was für ein unerschwinglicher Luxus ein reines Gewissen und die damit verbundene tadellose Lebensführung sind.«

»Und sollte gar kein Verdienst dabei sein?« fragte Frau Lindenstamm.

Die Augen des vielerfahrenen Arztes blickten düster und zornig. »Verdienst ist unsre tadellose Lebensführung fast nie,« erklärte er. »Und als einen Vorzug sollen wir sie nicht betrachten. Nur als eine sehr große Bevorzugung, für die wir nie aufhören dürfen, dem Schicksal dankbar zu sein.«

»Als eine Bevorzugung des Schicksals?« wiederholte Frau Lindenstamm. E s wollte ihr nicht recht eingehen.

Der Doktor aber bestand darauf. »Ja, eine ungeheure Bevorzugung,« wiederholte er, »als einen großen, schönen Reichtum. Etwas, das wir verstecken sollten, um diejenigen, die schlechter weggekommen sind als wir, nicht zu demütigen.«

Ein wenig verrückt war er doch! Frau Lindenstamm hätte Lust gehabt, den Kopf zu schütteln, unterdrückte aber die Geste, um seine sich langsam entfaltende Zutraulichkeit nicht zu verscheuchen. Statt den Kopf zu schütteln, sagte sie, das Gespräch auf konventionellere Bahnen lenkend, leise: »Haben Sie's nicht unerhört frech von mir gefunden, einen so hervorragenden, vielbeschäftigten Mann wie Sie so mir nichts dir nichts zu mir zu bitten?«

»Nein, gnädige Frau,« erwiderte er mit dem sympathischen Lächeln, mit dem er gewohnt war, aufgeregte Nerven zu beruhigen. »Ich glaube erraten zu haben, warum Sie mich riefen ...« Und da sie schwieg, weil sie die rechten Worte nicht finden konnte, half er ihr. »Sie hatten, aus Unkenntnis der Sachlage, eine wunde Stelle in meiner Seele unsanft berührt, und als Sie sich dessen bewußt wurden, tat's Ihnen leid, und Sie wollten mir das sagen. Nicht wahr?«

Sie nickte. »Ja ... und noch etwas andres wollt' ich Ihnen sagen, daß ich nämlich schon seit zwanzig Jahren Mitleid mit Ihnen habe. Sie können sich nicht vorstellen, mit welcher Aufmerksamkeit ich damals die Zeitungen las.«

Er runzelte die Brauen und machte eine abwehrende Handbewegung.

»Bitte, bitte! Seien Sie mir nicht böse!« rief die alte Dame. »Nachdem ich schon so viel gewagt habe, würde es mir gar nichts mehr nützen, einen Rückzug anzutreten. Darum möchte ich mich in dieser Angelegenheit deutlich aussprechen!«

»Nun?«

»Ich ... habe so das Gefühl, daß Sie sich grundlos quälen.«

Der Professor, der indessen, die Ellenbogen auf den Knien, in vorgebeugter Haltung dagesessen hatte, richtete sich auf. Der große Zorn, den sie bereits anfing zu kennen und aufgehört hatte zu fürchten, fuhr in seine Augen. »Grundlos herumquälen!« wiederholte er bitter. »Wenn man sich täglich, stündlich daran erinnert, daß man eine geniale Frau, der man außer dem blanken Leben noch unsagbar viel andres verdankt, in den Tod gejagt hat, dann quält man sich nicht grundlos herum.«

Sie rückte etwas näher an ihn heran. »Ich glaube nicht, daß Sie sich etwas andres vorzuwerfen haben,« sagte sie leise, »als einmal in Ihrem Leben ein zu anständiger Mensch gewesen zu sein.«

»Und ist das nicht genug?« fragte der Professor, indem er ihr mit seinen traurigen Christusaugen ins Gesicht starrte.

Sie zuckte die Achseln. Dann konstatierte sie mit dem Humor, der neben ihrer Gutmütigkeit eine ihrer charakteristischsten Eigenschaften war: »Man kann sich manchmal nicht helfen.«

Er aber runzelte die Brauen und sah finster vor sich hin.

Sie lächelte verlegen und gutmütig. »Sehen Sie so finster drein, wie Sie wollen. Was mich anbelangt, bin ich überzeugt, daß es mir nach genauer Prüfung der Umstände gelingen würde ... wie soll ich mich ausdrücken? Ihre Erinnerungen in ein Licht zu rücken, indem sie Ihnen weniger weh tun werden.« Und sich etwas vorneigend: »Wollen Sie mir ein großes Vertrauen schenken ... und mir Ihre Geschichte erzählen?«

»Meine Geschichte soll ich Ihnen erzählen! Ihnen ... die Geschichte?« Mit unendlicher Bitterkeit stieß er die Worte heraus. »Nein! es ist unmöglich – in dieser reinen Luft kann man die Geschichte nicht erzählen.«

»Ereifern Sie sich doch nicht so!« beschwichtigte ihn Frau Lindenstamm. Dann halb wehmütig, mit betonter Deutlichkeit: »Die Luft ist nicht nur rein – sie ist auch warm.«

Den Kopf hebend, betrachtete er sie gerührt. »Da haben Sie recht. Wir wollen sehen ... vielleicht ... ich habe noch mit niemandem über mein großes Unglück gesprochen als mit meinem alten Freund Professor Fachberg. Heute kann ich nicht, es fehlt mir die Sammlung und die Zeit.« Er zog seine Uhr. »Um acht habe ich einen schweren Fall. Aber wenn ich einmal über einen ganzen langen Abend verfüge und Sie mir ihn gönnen – dann ... aber Sie dürfen nicht erschrecken, wenn ich Ihnen alle meine Wunden zeige.«

»Barmherzige Schwestern erschrecken nie,« erwiderte sie.

Ehe eine Woche vergangen war, hatte der Doktor neuerdings telephoniert. Diesmal blieb er nur kurz, und Frau Lindenstamm vermied es, den bedenklichen Punkt zu berühren. Aber er kam wieder.

Dann trafen sie sich in einem Konzert. Ehe eine zweite Woche vergangen war, nannten sich die beiden bereits »lieber Freund« und »verehrte Freundin«, und kurz darauf machte es sich eines Abends wie von selbst, daß der Professor der behäbigen Dame seine Geschichte erzählte – seine Geschichte und die Tragödie der Selvaggini.

Ich war ein armer Schlucker, fing er an, ein armer Schlucker aus gutem Hause – das heißt ärmer, als ich's unter simpleren Lebensbedingungen gewesen wäre. Mein Großvater mütterlicherseits war bei Königgrätz gefallen, meine Mutter ist in Hernals erzogen, zwei von meinen Tanten sind Nonnen, die dritte ist Stiftsdame. Mein Vater war ein hoher Beamter im Kultusministerium. Das sag' ich alles nicht, um mich wichtig zu machen, sondern nur, um den Boden zu schildern, aus dem ich herausgewachsen bin, aus dem heraus ich nicht anders werden konnte, als ich war, als mich mein Schicksal erreichte und zermalmte.

Ich zählte achtzehn Jahre, als mein Vater starb. Wir hatten, wie man das so nennt, eine Stellung gehabt. Von einem Tag zum andern war's damit vorbei. In Armut sind wir nicht geraten, mit der Pension meiner Mutter, den Gnadengehältern für uns Kinder und den Zinsen unsers kleinen Vermögens hatten wir so um die 6000 Kronen jährlich, ein Einkommen, das einen vor dem Kriege verpflichtete, einen Dienstboten zu halten und seine sozialen Beziehungen weiterzuschleppen, das einem aber in Wien nicht einen Augenblick der Sorglosigkeit gegönnt hätte. Meine Mutter war klug genug, das einzusehen. Sie verließ Wien und zog nach St. Pölten, wo sie ihre Jugend verbracht hatte und wo nun zwei meiner Tanten, wie schon erwähnt, Nonnen waren. Dort im Kloster wurden auch meine Schwestern erzogen. Ich blieb in Wien, um meine Studien fortzusetzen. Man hatte mich in ein gutes, anständiges Kosthaus gesteckt, das von einer ältlichen und kränklichen Majorswitwe gehalten wurde. Es fehlte mir an nichts, nur Vergnügen konnte ich mir keins gönnen, gar keins, weder eine Zigarette noch ein Konzert oder Theaterbillett. Und meine Krawatten konnte ich nur selten erneuern.

Aus der Schäbigkeit meiner Krawatten machte ich mir nichts, und die gewohnten Zigaretten konnte ich allenfalls auch noch ohne Herzschmerz entbehren, aber Konzerte und Theater, besonders Konzerte – so von einem Moment zum andern davon abgeschnitten zu sein, das war unerträglich. Ich war rasend musikalisch, und da es zu Lebzeiten meines Vaters Ehrenbillette für die Hofoper und Freibillette für die schönsten Konzerte nur so regnete, hatte ich immer Gelegenheit gehabt, meiner Leidenschaft zu frönen. Jetzt war das mit einemmal alles zu Ende. Stellen Sie sich den armen Studenten vor mit seinem großen Musikdurst, wie er oft eine Viertelstunde vor einem Anschlagzettel stand, die brennenden Augen auf einen berühmten Namen geheftet, der ihn mit aufdringlich großen Buchstaben lockte und höhnte.

Ich hatte schon mit sechs Jahren angefangen Klavier zu klimpern, und nach einem Konzert von Rubinstein, zu dem mich damals meine Mutter mitgenommen, träumte ich von einer Virtuosenlaufbahn mit Lorbeerkränzen, vor Begeisterung auf die Sessel springenden Damen und einem imposanten Reisepelz. Davon hatte mein Vater natürlich nichts wissen wollen. Doch hatte er mir guten Unterricht erteilen lassen, da er mein Klavierspiel für ein günstiges Vorschubmittel ansah bei einer ... natürlich ganz offiziellen Karriere. Aber nicht einmal mit meinem Klavierspiel konnte ich mir ein wenig musikalischen Trost vorschwindeln. Dazu, ein Pianino zu mieten, langten meine knappen Mittel nicht, und aus dem öffentlichen Klavier zu üben, das im Speisezimmer stand, verbot mir mein musikalisches Schamgefühl. Den andern Kostgängern schien diese Empfindung fremd zu sein. Den ganzen Tag klimperten zwei junge Mädchen Fingerübungen, und am Abend drosch der Sohn der Majorin, ein fescher Artillerieleutnant, alle gangbaren Operettenmotive in die gelben Tasten des vielgeprüften Instruments hinein, dazwischen probierte er das Andante aus der Neunten Symphonie »nach dem Gehör«. – Wer sich unter diesen Umständen die Liebe zur Musik nicht abgewöhnt, der muß unverbesserlich musikalisch sein, und das war ich.

Ich wurde krank vor Hunger nach Musik. Die einzige Befriedigung, die ich mir leisten konnte, war in der Woche der Leierkasten, am Sonntag die Kirche. Ich nahm's, wie's kam. Es war alles besser als das geniale Nach-dem-Gehör-spielen der Neunten Symphonie. Verachten Sie mich nicht, aber manchmal beim Nachhausegehen aus dem Gymnasium, später aus der Universität, bin ich stehengeblieben, um einem italienischen Drehorgelspieler zuzuhören, der aus dem Hof eines alten Palastes heraus tremolierte. Seine Spezialität waren die Arien der Azucena ... ich hör' ihn noch. Das wahnsinnig verschleppte Tempo und die verschleiert pfeifenden Töne, die an eine überangestrengte Klarinette erinnerten, vertrieben mich freilich jedesmal bald. In der Kirche war es besser, da hab' ich oft einen echten Genuß gehabt, und einmal in einer kleineren Kirche in der Vorstadt, einer der Kirchen, wo die vornehmen Leute nie hinkommen, habe ich etwas ganz unvergleichliches gehört.

Das Orgelspiel, das ich bis auf die Straße hörte, hatte mich gelockt. Ich trat ein. In den ersten besten Kirchenstuhl zusammengekauert, lauschte ich. Der Organist war nicht besser als hundert andre. Zerstreut ließ ich die Töne an meinen Ohren vorüberstreichen, aber mit einem Male fuhr ich auf. Das Offertorium wurde von einem Mezzosopran gesungen. Nie hatte ich eine Stimme von so durchdringender Schönheit vernommen; ein Sopran mit der Tonfülle eines Contraltos, aber mit einem wunderbaren, der Altstimme nicht eignen Metall. Und doch war's nicht die materielle Schönheit der Stimme, die einen geradezu atemhemmenden Zauber auf mich ausübte – nein, es war die erschütternde, einen tiefen inneren Konflikt verratende Gefühlstiefe, die aus jedem Tone sprach. Nie hatte ich so deutlich die Qual einer Seele empfunden, die ihren Schöpfer anflehte um Erlösung. Eigentlich hatte ich vor dem Ende des Gottesdienstes die Kirche verlassen wollen. Die Hoffnung, die Stimme noch einmal zu hören, hielt mich fest.

Und richtig – sie erklang noch einmal, beim Agnus Dei. Noch herrlicher, noch mächtiger, noch schmerzlicher. Zum Schluß erstarb der Gesang in einem heiseren murmelnden Parlando. Ich verließ die Kirche wie betäubt. Hinter mir drein kam zu meinem großen Erstaunen der Artillerieleutnant, den ich bis dahin noch nie in einem Gotteshause getroffen hatte.

»Sind Sie durch Zufall hineingeraten?« fragte er mich.

»Ja!«

»Hm! Wissen Sie, wer das war? Der Sopran, meine ich.«

Ich hatte keine Ahnung. »Die Selvaggini!«

»Die Selvaggini –« Mir stockte der Atem und der Herzschlag. »Die Selvaggini, die nicht unter sechstausend Kronen den Abend singt?« rief ich aus. »Die berühmte, die große Selvaggini!«

»Ja! Seit ihrer letzten Krankheit kann sie ihre Stimme nicht wiederfinden, wenigstens nicht ganz. Da singt sie manchmal anonym in entlegenen Kirchen, um sich einzusingen. Na, sie singt ja noch ganz passabel – aber bei ihrem Reichtum und ihrem Alter könnte sie sich wirklich Ruhe gönnen. Sie ist ja über die fünfzig, sollte Platz machen für die Jungen.«

Ich aber ging in mein bescheidenes Kosthaus zurück mit dem Gefühl, als ob ich eine Erbschaft gemacht hätte.

Ich hatte die Selvaggini gehört!

Von da an ließ sich meine Musiksehnsucht nicht mehr bändigen. Ich ergriff das einzige mir zu Gebote stehende Mittel, ihr zu frönen, ich gab Stunden. Nun konnte ich mir sogar ein Pianino mieten – welche Seligkeit!

Freilich mußte ich diese Seligkeit mit der ersten Verstimmung bezahlen, die bis dahin zwischen mir und meiner Mutter aufgekommen war. Einem Sohn, der Schulden machte, konnte sie allenfalls verzeihen, aber ein Sohn, der Stunden gab, stand außerhalb ihrer Vorstellungen. Schließlich hat sie sich damit abfinden müssen.

Das Pianino in meinem kahlen Studentenzimmer wurde mein bester Freund. Ihm hab' ich alle meine heimlichen Wünsche und Begeisterungen, meine Entrüstungen und Verzweiflungen gebeichtet und all die aus Ekel und Sehnsucht gemischten, gespenstisch undeutlichen und aufreizenden Empfindungen, die kaum zu hemmenden Unheimlichkeiten, die unser Blut peinigen, wenn es anfängt zu gären, weil der junge Menschenfrühling erblühen will.

Ich hatte gut studiert. Einundzwanzig Jahre alt, machte ich meinen Doktor mit Auszeichnung. Da erkältete ich mich, und geschwächt, wie ich durch das überangestrengte Studium, vielleicht auch durch ungenügende Ernährung war, konnte ich mich von einer Lungenentzündung nicht erholen. Die Lunge war nicht nur angegriffen, sondern der ganze Organismus war herabgekommen, die Nerven überreizt, das Empfindungsleben nicht mehr reaktionsfähig. Die Verzweiflung sank zur Mutlosigkeit nieder, und diese stumpfte sich zur Gleichgültigkeit ab. Ich war in einer Art moralischen Scheintodes erstarrt. Mich selbst umzubringen, fehlte mir die Energie, aber wenn jemand mit dem geladenen Revolver auf mich gezielt hätte, hätte ich mich nicht gewehrt.

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