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Der Roman in Briefen

Ludwig Tieck: Der Roman in Briefen - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchriften, Funfzehnter Band
authorLudwig Tieck
year1829
firstpub1797
publisherGeorg Reimer
addressBerlin
titleDer Roman in Briefen
pages38
created20131029
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ludwig Tieck.

Der Roman in Briefen.

Erzählung.

1797.

 


 

Es ist um die Schilderung der Menschen eine mißliche Sache! rief Günther aus, als seine Freunde wieder darüber sprachen, wie schon oft geschehen war.

Und ich, sagte Madam Lindner, wünschte, daß sich jeder Mensch selber beschriebe, wie es Rousseau gethan hat.

Ganz recht, fiel ihr Verehrer Müller bei, der alles gut finden mußte, was sie sagte. Wenn das viele Menschen thäten, so würden wir bald erfahren, wie es mit der sogenannten Seele beschaffen sei.

Es ist um diese Selbstschilderungen auch eine mißliche Sache, fiel Günther von neuem ein. –

Sie thun aber heute auch nichts, als diesen einzigen Satz wiederholen, sagte Madam Lindner.

Weil er mir heut gerade einleuchtender ist, als sonst.

Was ist dann aber nicht schwierig? fragte Mademoiselle Büttner bescheiden, die bis jetzt noch nicht mitgesprochen hatte.

Ach! allerdings! fuhr Günther fort; und so oft mir das von neuem einfällt, bewundre ich die Keckheit der schlechten und die Größe der guten Schriftsteller, – und doch muß ich gestehn, kenne ich keinen, von dem ich mich möchte schildern lassen.

Warum nicht? sagte Madam Lindner; denn sie fand sich oft zu ihrem Erstaunen in den edlen Menschen wieder.

256 Weil ich, antwortete Günther, mich schwerlich wieder kennen möchte, wenn ich getroffen wäre, und vielleicht am besten getroffen zu sein glaubte, wenn das Bild gerade recht unähnlich wäre.

Sie lieben die Spitzfindigkeiten ungemein, fuhr Müller dazwischen.

Daß ich nicht wüßte, redete Günther weiter, – nur, – wem ist es denn gegeben, sich selber zu kennen?

Das ist der alte Satz, sagte Madam Lindner, den schon die Griechen auf ihrem Tempel abgenutzt haben; aber warum sollten wir denn nicht dahin kommen, wenn wir nur recht ernsthaft wollen?

Günther. Wenn wir recht ernsthaft wollen, gelingt es uns vielleicht am wenigsten.

Mad. Lindner. O, Sie sind mit Ihren Paradoxen unausstehlich.

Günther. Ich glaube, daß wir uns dann am leichtesten mißverstehn, wenn wir am meisten darauf aus sind, uns zu beobachten.

Müller. Wie wollen Sie das beweisen?

Günther. Ich mag nichts in der Welt beweisen.

Müller. Warum sprechen Sie denn aber so?

Günther. Weil – mein Gott! auf dergleichen Fragen giebt's gar keine Antworten.

Alle lachten, und Müller war fest überzeugt, daß man die Kunst bewundre, mit der er Günthern aufs Eis geführt habe. Mamsell Büttner lachte, weil ihr Günthers Antwort gefiel, und Madam Lindner, – weil sie grade um eine Antwort verlegen war.

Ein alter Mann, der im Winkel saß, lachte nicht, weil er niemals lachte. Er hatte den Grundsatz, daß es nur der Jugend zukomme; er nahm es daher auch 257 der Madam Lindner etwas übel, weil sie schon über dreißig war.

Es giebt keine angenehmere und leichtere Konversation, als wenn viel hintereinander gelacht wird, besonders wenn ein Unbefangner keinen hinreichenden Grund dazu sieht. Manche Leute lachen nie anders, und man nennt sie im Leben die fröhlichen Gemüther. Der alte Birnheim brummte und nahm zwei Prisen schnell hinter einander, um nur aus einer gewissen Verlegenheit zu kommen; denn wenn er nicht mitlachte, hatte er jetzt gar nichts zu thun. Er wünschte aber innerlich das Gespräch wieder hergestellt, damit er alsdann thun könne, als wenn er zuhöre.

Der Ort, wo sich alles dies zutrug, war im Hause der verwittweten Madam Lindner. Die dort versammelten Menschen hatten sich nach und nach zusammengefunden und sahn sich nun fast täglich. Louise Büttner war mit der Wirthin verwandt.

Wenn man viel gelacht hat, findet man selten die oft nachfolgenden Sentenzen, als: »Ja, so geht's in der Welt! oder: ob der Frost nicht bald aufhören wird,« interessant; und doch waren es grade diese allgemeinen Bemerkungen, mit denen der alte Mann das Gelächter beschloß. Er klopfte mit seiner Dose auf den Tisch und machte ein sehr nachdenkliches Gesicht, gleichsam als wenn ihm diese Aeußerungen eine große Anstrengung gekostet hätten.

Die meisten Menschen machen ein einfältig Gesicht, wenn sie heftig gelacht haben; denn sie sind verlegen, und die Ernsthaftigkeit kömmt ihnen nicht so recht ernsthaft vor, – und der Alte betheuerte nun in seinen Gedanken: die Narren schämten sich selber des Lachens.

258 Sie würden also auch behaupten, fing Müller an, daß wenn sich mehrere Personen zusammenthäten, um sich selber in Briefen, oder sonst abzuschildern, daß sie sich vielleicht falsch zeichnen würden?

Ganz gewiß, sagte Günther.

Da bin ich nun gar nicht Ihrer Meinung, antwortete Madam Lindner.

Man sollt' es versuchen, um Sie vom Gegentheil zu überführen, fuhr Müller fort.

Madam Lindner erhob sich; eigentlich hatte Müller den Auftrag von ihr, das Gespräch so zu lenken; denn sie hatte schon seit lange einen Spaß im Kopfe, der ihr so lieb geworden war, daß er am Ende kein Spaß mehr blieb, – nämlich nichts anders, als bei Gelegenheit ein ordentliches Buch zu schreiben. Sie war aber darauf gekommen, Mitarbeiter zu erwählen, damit es um so schneller fertig würde, und sie auch nicht alle Verantwortung allein zu tragen hätte.

Madam Lindner fuhr daher fort: Ja, man sollte Sie vom Gegentheil überzeugen.

Günther. Wie wäre das möglich?

Mad. Lindner. Wir sollten zusammen ein Buch schreiben, in dem jeder seinen Charakter durchführte.

Günther. Ja, wenn –

Müller. Ja, ja, Herr Günther, wir müssen's versuchen, Sie müssen uns Ihre Hülfe nicht abschlagen.

Mad. Lindner. Ich bitte Sie recht sehr, Herr Günther.

Günther. Ich will nicht das Vergnügen der Gesellschaft stören. –

Mad. Lindner. Wir haben es uns schon seit lange vorgesetzt, und ich habe Sie schon seit acht Tagen 259 bitten wollen, uns einen Generalplan zu machen, in dem unsre Charaktere eingeschoben würden. Sie erfinden eine Geschichte, und wir alle zusammen schreiben dann die Briefe; es muß ja in der Welt nichts leichter sein.

Günther. Wie man es nimmt. – Eine Geschichte, in die Sie passen, – und Ihre Gesinnungen, die in eine Geschichte passen, – doch, ich will es versuchen.

Mad. Lindner. Sie müssen sich aber auch eine Rolle zutheilen.

Günther. Was für eine?

Mad. Lindner. Natürlich einen Paradoxen, einen, der den Leuten widerspricht, der seltsame Sachen sagt.

Günther. Und Mademoiselle müssen die Geliebte sein. –

Mad. Lindner. Doch nicht von Ihnen? Das wäre vortrefflich, damit die Briefe nachher auf keinen Fall umsonst geschrieben wären.

Louise. Ich muß überhaupt die Rolle einer Verliebten verbitten; denn ich fühle dazu gar kein Talent in mir.

Günther. Ein Roman ohne Liebe! – Herr Müller müßte also einen Auffahrenden, Eifersüchtigen, Jachzornigen schildern.

Müller. Ich? – Dazu getraue ich mir keine Fertigkeit zu.

Günther. Was wollen Sie denn aber sein?

Müller. Ein treuer Freund, – so ein heimlicher, blöder Liebhaber, – einer, der so mit Anspielungen – und Unglück –

Günther. Ich verstehe Sie schon. – Und Sie, Madame? 260

Mad. Lindner. Nun, eine ordinäre gute Frau, die über manches in der Welt schon gedacht hat,– die, – nun, Sie können's ja so einrichten, daß sich um mich eigentlich die ganze Geschichte dreht.

Günther. Aber wo bleiben denn nun die Nebenbuhler? die unvollkommnen Charaktere? die gut angebrachten Kontraste?

Müller. Darauf muß man in diesem Buche gar nicht ausgehn.

Günther. Sie, Herr Birnheim, müssen denn auch eine Rolle mitspielen; ein Philosoph, der sich aus der Welt zurückgezogen hat, ein Spekulant –

Birnheim. Verschonen Sie mir, mein Herr, ich mag in keinem Buche figuriren, darzu bin ich, Gott sei Dank! zu alt geworden.

Mad. Lindner. Aber unsern ehemaligen Freund, den Rechthaber Wille, können Sie noch anbringen, der wird sehr gut dazu dienen, manchmal in der Empfindung eine Diversion zu machen.

Günther. Wie gesagt, ich will es versuchen, einen Plan dazu zu entwerfen.

Müller. Ich schreibe am Ende noch den Wille, denn ich habe die Ehre, ihn besonders genau zu kennen.

Man setzte sich nun zu Tische, und der Gedanke beschäftigte noch lange die Gesellschaft. Man trennte sich, man ging schlafen, man stand wieder auf, und Louise Büttner erhielt am folgenden Tage folgenden Brief von Günther. 261

 

Werthgeschätzte Freundin!

Ein unangenehmer Zufall hindert mich auszugehn und Sie heute Abend zu sehn. Ich habe mir den Fuß verwundet, als ich Sie gestern verließ, und es ist zwar nicht im mindesten gefährlich, könnte es aber, nach der Aussage des Wundarztes, werden. Die ganze Nacht hindurch habe ich an den Plan unsers Romans gedacht, und ich muß Ihnen gestehn, daß ich noch eine Menge von Schwierigkeiten angetroffen habe, auf die ich noch nicht gefallen war. Wird nämlich dieser Roman am Ende auch wirklich eine ordentliche Einheit bilden? Werd' ich einen Plan ersinnen können, der allen mitschreibenden Personen recht ist, so daß nicht einer und der andre glaubt, er kömmt in den Hintergrund zu stehn? Wird sich endlich nicht jeder bemühn, aus seiner Rolle die Hauptrolle zu machen? Jeder überlegt nur seinen Theil, ich muß das Ganze im Namen Aller überdenken, und ich bin Allen für das gütige Zutrauen verbunden; nur fürcht' ich, daß es Alle so einrichten werden, daß man nachher von meinem Ueberdenken nicht mehr viel gewahr wird. – Und dann mein alter Einwurf: ob sich nicht mancher in der Rolle, die er sich zugetheilt hat, geirrt haben kann. – Doch, ich will mich wie ein ächter Romanschreiber über alle diese Bedenklichkeiten hinwegsetzen und nur Ihre Befehle auszuführen suchen, wenn ich auch im Versuche erliege, habe ich doch wenigstens mein Mögliches gethan. Nur mit Schrecken denk' ich immer wieder von neuem daran, daß Sie mir, theure Freundin, so strenge verboten haben, Ihrem Charakter etwas von Liebe beizumischen; denn sonst sollten alle Ihre Briefe nur aus Liebe bestehn, wenn 262 ich irgend etwas zu befehlen hätte. Wo soll das Interesse für das Buch herkommen? Für mich wird es wenigstens nicht das geringste haben; doch ich hoffe, Sie lassen sich noch erbitten. Ich bin u. s. w.


Antwort.

Ihr Unfall dauert mich und uns alle. Unser Buch muß gewiß gut werden, da Sie es so von allen Seiten überlegen. Ich bin nur auf die paradoxe Rolle begierig, die Sie sich geben werden. Mich lassen Sie ja nur Nebenperson bleiben, und Sie dürfen sich nur als einen Mann vorstellen, der alle Liebe verachtet, und ein andres sehr schätzbares Frauenzimmer von seinen Grundsätzen überzeugen will: so erreichen wir dadurch bequem einen doppelten Endzweck; erstlich, daß Sie paradox sind, und daß in dem ganzen Buche nicht viel von Liebe die Rede zu sein braucht, den blödsinnigen, oder vielmehr wie ich sagen wollte, blöden Liebhaber abgerechnet. Doch, ich überlege eben, daß ich Ihnen ins Amt greife, welches sich für mich durchaus nicht schickt, und in der vorgeschlagnen Rolle würden Sie am Ende in unserm Zeitalter auch nicht sehr paradox erscheinen. –

Ich muß gestehn, ich wünsche es nur erst alles geschrieben; denn ich schäme mich, meinen Beitrag dazu zu liefern. – Bessern Sie sich bald, und noch eins, lassen Sie doch ja die Mißverständnisse der Eifersucht und dergleichen aus. Auch möchte ich noch manches gegen die zu große Zartheit erinnern; doch das kömmt am Ende auf die Uebrigen an. Wie gesagt, geben Sie mir nur einen ganz einfältigen Charakter, und ich bin u. s. w. 263


Günther an Herrn Wille.

Sie werden vielleicht gehört haben, lieber Freund, daß ich unpaß bin und das Zimmer hüten muß. Ich hoffe, Sie bedauren mich, aber ich wollte Sie zugleich bitten, mich auch bei Gelegenheit zu besuchen. Wir haben uns überdies seit lange nicht gesehn; an wem die Schuld liegt, kann ich nicht entscheiden. Ich möchte Sie in einigen Punkten um Rath befragen, den Niemand mir besser, als Sie, ertheilen kann.– Leben Sie wohl!


Antwort.

Ich würde sogleich Ihrer angenehmen Einladung nachkommen, wenn ich nicht durch einen Zufall heut bei Herrn Müller engagirt wäre, dem ich schon zugesagt habe. Aber nächstens habe ich ohnfehlbar das Vergnügen, Sie zu sehn; denn Sie werden nicht von mir verlangen, daß ich mein Wort brechen soll; es wäre eine Beleidigung für Herrn Müller und eine Verletzung der Freundschaft, die ich mir nie kann zu Schulden kommen lassen. Denn man muß den einen Freund behalten und den andern nicht verlieren; das ist ein Grundsatz, den ich immer vor Augen zu haben pflege, und bei dessen Beobachtung ich mich auch immer wohl befunden habe. Gute Besserung wünscht Ihnen Ihr Freund u. s. w. 264


Günther an Louise Büttner.

Man kann nicht mehr thun, als ich schon unserm Roman zu Gefallen habe thun wollen. Ich hatte nämlich Wille zu mir eingeladen, um ihn ordentlich zu beobachten, aber unser Freund Müller war mir schon zuvorgekommen. Dies Exemplar von Menschen wird also jetzt sehr gelesen und studirt. Ich glaube, mein Vorsatz war seltsam genug, um in unserm Romane paradiren zu können, und es ist wirklich Schade, daß ich ihn nicht dazu aufgespart habe. Ich muß Ihnen aber gestehn, daß mir die Rolle, die mir zugetheilt ist, sehr zur Last fällt, daß ich weit lieber den Charakter eines Liebhabers ausführte, keinen von jenen ungestümen, die die ganze Schöpfung immer mit einer Faust zusammendrücken wollen, die Gegenliebe ordentlich wie eine Abgabe fordern, und in keiner andern Sprache, als nur in fürchterlichen Eidschwüren reden. Wie gesagt, ich würde ein solches Wesen leiser darzustellen suchen, mich mehr zu errathen geben, als geradezu hinsagen: so bin ich! denn mir ist in Büchern nichts mehr zuwider, als wenn sich die Menschen so genau zu kennen glauben. Ich weiß nicht, ob Sie meiner Meinung sind: aber Sie lassen mich fürchten, daß Sie sich für einen armen Verliebten nicht im allergeringsten interessiren; auch hat Herr Müller schon den Charakter an sich gerissen, den ich darstellen möchte, und ich muß also mit dem meinigen zufrieden sein. Es ist überdies wohl möglich, daß er ihn besser durchführt als ich und – Sie sehn, daß selbst in unsrer kleinen Gesellschaft Rollenneid herrscht. Sie 265 haben zwar alle Eifersucht in unserm Buche strenge verboten: allein ich muß gestehn, daß ich als Schriftsteller auf unsern Freund Müller etwas eifersüchtig bin; doch vergeben Sie mir, wenn ich Ihnen mit meinem Briefe zur Last falle.


Antwort.

Wie kann mir ein Brief von Ihnen zur Last fallen, da er mir wenigstens einigermaßen Ihre Gegenwart ersetzt? Ich muß gestehn, daß Wille ein glücklicher Mensch ist, daß er jetzt so gesucht wird. Er muß sich gewiß selber darüber wundern. Er wird noch bei unsrer ganzen Gesellschaft wie eine merkwürdige Mineralie herumgehn, und jeder wird an ihm studiren wollen. Am Ende führen wir alle stückweise seinen Charakter aus, und mit mehr Empressement, als unsern eignen; es wäre ein recht eigentlicher Schriftstellerfehler.

Es ist wirklich Schade, daß in jedem Buche ein Liebhaber sein muß, mit allen seinen weitläuftigen Empfindungen, die sich meistentheils von selbst verstehn; und noch mehr zu bedauern ist es, daß unter uns diese Rolle Herrn Müller zugefallen ist. Er ist mir immer nicht interessant gewesen, aber als Liebhaber muß er der uninteressanteste Mensch von der Welt sein. Es ist mir sehr lieb, daß ich seine empfindungsvollen Briefe nicht zu beantworten werde nöthig haben. Meine Tante Lindner wird diese Mühe gewiß über sich nehmen. Doch, wem sag' ich das? Sie sind ja der Schöpfer und Gebieter, und es steht daher bloß in Ihrer Willkühr. Ich bin überaus neugierig, wie 266 sich alle diese Helden selber zeichnen werden. An Empfindung und Vernunft werden sie es gewiß nicht wollen mangeln lassen. – Leben Sie wohl!


Müller an Günther.

Ich war vorgestern mit Wille zusammen, und er hat mich so amusirt, daß ich sogleich in Versuchung gerathen bin, unsern Roman mit einem Briefe von ihm zu eröffnen. Ich habe ihn Wilibald genannt, und den Brief an Lindor gerichtet, der Niemand anders, als ich, sein soll. Ich habe sein ganzes Wesen darin zu treffen gesucht. Ich sollte meinen, daß dieser Brief kein unglücklicher Prolog zum ganzen Buche sei. Sie werden es schon so einzurichten wissen, daß er in die Geschichte paßt.

Wilibald an Lindor.

Man kann nicht immer so denken, wie man gern denken möchte. Die Gelegenheit formt uns bald so, bald anders. Nur derjenige ist das ächte Bild des Mannes, der die Gelegenheit entweder gar nicht anerkennt, oder ihr immer zur rechten Zeit aus dem Wege zu gehn versteht. Ich habe mir jetzt, theurer Freund, einen Lebensplan entworfen, den ich immer zu befolgen denke: es ist nichts leichter, als zu leben, wenn man nur erst weiß, was man vom Leben zu fordern hat. Ihre Freundschaft wird mich warnen und unterstützen, wenn ich irgend einmal im Begriff sein sollte, zu fehlen. Jeder Freund müßte eigentlich immer nur ein 267 Aufseher des andern sein, so würden wir uns alle besser befinden; aber man geht nur miteinander um, kaum, daß sich einer die Mühe giebt, den andern zu kennen, viel weniger ihn zu bessern. Ich mag aber gern von meinen Freunden wissen, woran ich mit ihnen bin; und darum bitte ich Sie, diesen Brief so weitläuftig zu beantworten, als es Ihre Zeit nur immer erlaubt. – – –


Nun soll Lindor antworten, und den Versuch machen, ihn zu widerlegen. Im Gange des Romans kann es nachher vorkommen, daß Lindor wirklich Gelegenheit findet, seinen Freund zu warnen, aber dieser will nun nichts hören, und wundert sich sogar, wie Lindor sich so viel herausnehmen könne; so entsteht dadurch ein sehr schöner Kontrast, und es läßt sich überhaupt viel Lebensweisheit und viel über die Menschen und dergleichen anbringen. Lindor, der nachgebend und weiser ist, hilft nachher seinem Freunde, doch wider dessen Willen; und auf die Art muß die Rührung leicht zu bewerkstelligen sein.

Aber jetzt muß ich noch von andern Dingen zu Ihnen sprechen. Es thut mir leid, daß ich Sie nicht besuchen kann, in mündlichem Gespräche wird man viel vertrauter. Sie haben es vielleicht schon bemerkt, daß Madam Lindner einen besondern Eindruck auf mein Herz gemacht hat; ich weiß nicht, ob sie mich wieder liebt. Schon lange habe ich einen Vertrauten nöthig gehabt, und ich halte Sie so sehr für meinen Freund, daß ich Ihnen meine Leidenschaft unverhohlen gestehen will. Bringen Sie doch diese Situation in unserm 268 Buche an, damit sie etwas aufmerksam auf mich wird, und ich recht aus dem Herzen schreiben kann. Ich fürchte überdies, der alte Birnheim hat den Plan gemacht, sie zu heirathen; denn er ist alle Tage dort. Der Alte hat Vermögen. Ich weiß nicht, in manchen Augenblicken könnte ich ihn auf den Tod hassen; und obgleich Madam Lindner selbst ein ansehnliches Vermögen besitzt, so könnte sie doch vielleicht darauf kommen, ihm ihre Hand zu geben. – Wie, wenn wir beide den Versuch machten, es auf jeden Fall zu hintertreiben? Sie könnten, zum Beispiel, eine Episode einflechten, die das Unschickliche einer solchen Heirath recht klar ins Licht setzte. Ich muß mich immer hüten, mir meine innere Erhitzung nicht merken zu lassen, denn sie ist eine scharfsichtige Frau. – Leben Sie wohl, bis wir uns wieder sehn.


Birnheim an Günther.

Ich würde mich, werthgeschätzter Herr, nicht die Freiheit nehmen, an Ihnen zu schreiben, wenn es nicht die dringendste Noth erforderte und so gleichsam nothwendig machte. Sie werden eingesehn haben, daß ich schon etwas alt und bei Jahren sein thue, und derohalben an manchem keinen Geschmack zu finden durchaus nicht im Stande bin. Die Jugend hat ihre Zeit, das Alter hat ihre Zeit. Wenn ich so mit Sie aus vollem Herzen spreche, so können Sie es mich unmöglich übelnehmen, ein Vertrauen ist das andre werth. Ich wollte nur von wegen das Buch mit Ihnen sprechen, das Sie da alle miteinander raussergeben, oder 269 heraus verlegen wollen. Ich habe mich das Ding in meinem Kopfe überlegt, wie es denn sein muß und auch nicht anders geht, daß das konfuse Wirthschaft, oder, Sie verstehn mir und nehmen mich so was nicht übel, dummes Zeug werden wird. Denn was kann dabei herauskommen? Antwort, Nichts. Nicht, daß ich nicht ein Buch oder so einen Gelehrten gerne leiden möchte, oder ihn verachten thäte, wie Sie vielleicht auf sochen Gedanken kommen könnten, nein – e con trari, allen Respekt davor, aber, mein' ich nur immer, wo er sich hingehört, denn daß ein Frauenzimmer will Bücher schreiben, ist ein ganz verkehrter Casus und dient durchaus zu nichts in der Hauswirthschaft; eine Suppe ist kein Buch und ein Buch ist kein Braten. Das ist so meine einfältige Meinung darüber. Wenn ich meine Tobaksdose zum Strickbeutel machen wollte, so wäre das dumm, wie die Leute ganz gewiß sagen würden, und sie hätten wahrhaftig in ihrer Art Recht, wenn ich ganz meine aufrichtige Meinung sagen soll. Und wenn ich nun vollends Madam Lindner noch heirathen sollte, wie es der Himmel vielleicht giebt, so kann ich es durchaus nicht zugeben, daß sie Bücher schreiben thut, denn sie wäre ja kapable, mich einmal in ein Buch anzubringen. Das sind so Romanstreiche, und es ist überhaupt pover oder miserable, solche Bücher zu schreiben, wenigstens, nach meiner Meinung, das müssen nur Leute thun, die sonst kein Geld haben, so denk' ich davon. Halten Sie daher ja die Madam davon ab; ich würde sie zeitlebens nicht heirathen, wenn es so weit kommen sollte, und dann hat sie's nachher Niemand anders als sich selber zuzuschreiben. So denk' ich über das 270 Bücherschreiben, und wer anders denkt, denkt nicht so wie ich, und das ist Unrecht. In meiner Jugend schrieb ich auch Bücher, aber das waren Sprüche, die ich auswendig lernte, und merkwürdige Exempel; ich ließ sie mich auch ordentlich einbinden; aber Madam Lindner ist auch schon über die Jugend hinüber, und darum soll sie's lassen. Bessern Sie sich mit Ihrem Beine und bleiben Sie gesund.


Günther an Birnheim.

Ich habe Dero freundschaftliche Zeilen mit vielem Vergnügen erhalten. Ich sehe daraus, daß Sie ohngefähr so denken, wie ich, und daß man mir also sehr mit Unrecht den Namen eines paradoxen Menschen beilegt. Sie werden es auch gehört haben, daß man mir neulich diesen Ekelnamen gab, bloß weil ich das Gewöhnliche auf keine ungewöhnliche Art liebe, und das ist eben die Ursache, warum mir so manche andre Menschen paradox erscheinen. Ich denke aber, Madam Lindner wird ganz von selbst dieses Gedankens überdrüßig werden, der überdies auf jeden Fall schwer auszuführen ist. Ihre Urtheile über den Werth des Bücherschreibens haben mich entzückt; man kann daraus sehn, wie die Leser von den Schriftstellern denken, und ob es nun wohl der Mühe werth ist, die Federn zu zerbeißen, sich schlaflose Nächte zu machen und das Papier unnöthigerweise zu vertheuern. Denn was kömmt am Ende dabei heraus? Antwort, Nichts. Und was ist Nichts? Ich glaube, das bedarf nicht einmal einer Antwort, ob man mir gleich sagt, daß es 271 einige philosophische Abhandlungen darüber geben soll. Es wäre mir ungemein lieb, wenn ich die Ehre haben könnte, Sie näher kennen zu lernen. Wir treffen so selten auf Menschen, Herrn und Freunde, die mit uns sympathisiren, so daß wir deswegen diejenigen, die es thun, desto mehr in Ehren halten müssen. Ich habe die Ehre, mich zu nennen u. s. w.


Günther an Louise Büttner.

Sie sagen in Ihrem Briefe, daß sich die Empfindungen der Liebe von selbst verstehn, und daß sie deswegen nicht brauchen geschildert zu werden; doch muß derjenige, der das sagen kann, schon mit ihnen bekannt sein, und wenn Sie mir das zugestehn, will ich Ihnen auch unbedingt Recht geben. Sie wollen nichts von Liebe und Eifersucht hören, und in jedem Briefe möcht' ich Ihnen ein Kapitel darüber niederschreiben. Sie werden vielleicht sagen, daß es mir wie den Schauspielern geht, die sich in ihrer Rolle zuweilen vergessen, und diese auf ihr wirkliches, gewöhnliches Leben übertragen, und hierin werde ich Ihnen nicht Recht geben, sondern Ihnen antworten, daß ich mich gar nicht für einen Schauspieler halte, sondern daß ich alles, was ich hier sage, für meinen Ernst ausgebe, wie es denn in der That auch ist. Wenn Sie mir nur glauben wollten! Könnt' ich es dahin bringen, so wollt' ich unser ganzes Buch aufgeben, und alle übrigen Bücher, und nur für die wirkliche Welt leben, wenn es anders eine wirkliche Welt giebt; denn das, was wir nach 272 aller Ueberlegung so nennen, ist endlich doch nur wieder unsre Phantasie.

Aber wenn ich es nur mit meiner Phantasie dahin bringen könnte, mich glauben zu machen, daß Sie meinem Geschwätze eben so gern zuhören, als ich Ihnen etwas vorschwatze. Ich habe zu unserm Buche einen Brief aufgesetzt, in dem ein Liebender seine Liebe bekennt. Fast komme ich in die Versuchung, ihn Ihnen zur Beurtheilung vorzulegen.

Palämon an Daphne.

Glauben Sie doch ums Himmels willen nicht, daß mir ein albernes Buch so wichtig sein könnte, um Ihnen mit meinem Briefe zur Last zu fallen. Nein, ich bin es selbst, meine Theure, von dem die Rede ist. Soll ich noch hinzusetzen, daß ich Sie liebe? Ich glaube, es wird unnöthig sein. Wenn Sie mich nur sonst verstehn wollen, so müssen Sie mich schon längst verstanden haben. Ich kann nichts weiter hinzufügen. Beharren Sie darauf, die Liebe zu hassen, – doch, wie kann man die Liebe hassen? Wenn Sie es auch behaupten, so würde ich nur daraus folgern, daß Sie hassen

Ihren unglücklichen Günther.

Nun, was sagen Sie zu diesem Briefe? Werden Sie mir heute eben so gütig antworten, als auf meine vorigen Sendschreiben?

Müller hat unsern Roman schon angefangen, – ich sehe den Herrn Wille kommen – er will mich besuchen, – ich breche ab. 273


Louise an Günther.

Sie verlangen also im Ernst, im eigentlichen ernsthaften Ernst, daß wir beide einen Roman im Romane spielen sollen? Wenn ich argwöhnisch wäre, oder mir einige Menschenkenntniß zutraute, so könnte ich darauf kommen, daß Sie alles dieses blos einleiten, um Briefe von mir zu erhalten, die Sie im Romane brauchen könnten. Sie schließen so: wenn ich die Empfindungen der Liebe als bekannt annehme, so muß ich Sie kennen, – wenn ich sie kenne, so muß ich lieben, – wenn ich liebe, so kann es Niemand anders sein, als Sie, der von mir geliebt wird. Ob diese Form ganz logisch ist, lasse ich dahin gestellt sein, aber wie die Welt sich selten um die Gesetze der Logik bekümmert, so ist Ihr wunderlicher Schluß auch hier eingetroffen. Ich ziehe daraus einen andern Schluß, daß es tausend Sachen giebt, die ohne alle Logik richtiger sind, als die Logik selber. – Doch ich will Ihnen auf Ihre eigentliche Frage antworten.

Daphne an Palämon.

Liebe und Ehe, Herr Palämon, sind zwar so ernsthafte Dinge, daß ich hier Gelegenheit hätte, Ihnen recht viel darüber zu sagen und häufige Thränen zu vergießen; aber ich will es einmal leicht nehmen und Ihnen nur gestehn, daß ich Ihnen und Ihrem Briefe glaube. Wenn es daher nur von mir abhängt, so brauchen Sie sich nicht als unglücklich zu 274 unterschreiben, überlassen wir das denen, die nichts von Liebe wissen. Ich bin und bleibe

Ihre Louise Büttner.

Wer uns beide nicht kennte, dürfte fast auf den Gedanken kommen, daß wir uns verspotteten. Aber lassen Sie uns auch einmal ernsthaft sprechen. – Doch, so eben werde ich von meinem Vater abgerufen. – Besuchen Sie uns bald. – Schade, daß ich Ihnen nicht noch meine ernsthaften Gedanken mittheilen kann.


Günther an Louise.

Warum soll die Liebe nicht auch fröhlich machen, so wie sie traurig macht? Man sagt ihr so viel Uebles nach, daß einige heitre Gesichter ordentlich nothwendig geworden sind, um ihre Ehre zu retten. O ich fühle mich so glücklich, daß ich allenthalben in der ganzen Welt nur Stoff zur Fröhlichkeit wahrnehme. Warum soll diese Empfindung gerade Leichtsinn genannt werden? Leichtsinn kann nur Mangel an Empfindung sein. Es giebt überhaupt eine Art des Frohsinns, die nur eine schönere Melankolie ist, und in diesem Zustande befinde ich mich jetzt. Ich denke, Sie und Ihren Herrn Vater heut Abend zu besuchen; machen Sie ihm meine Empfehlung.

Ich habe Wille einen Brief von Müller gezeigt, und ich hoffe, der ganze Roman soll dadurch zerstört werden. 275


Birnheim an Günther.

Nein, werthgeschätzter Herr und Freund, es ist alles vergebens, und so zu sagen umsonst, was Sie da in Ihrem vortrefflichen Briefe zu mich gesagt haben. Sie läßt nicht davon und läßt nicht davon. Das Bücherschreiben ist ihr so in den Kopf gefahren und in alle zehn Finger, daß sie es nicht lassen und beiben lassen kann, und wenn alle sieben Todsünden darauf gesetzt wären, und ich bin darüber noch dazu ganz desperat geworden. Denn ich habe Ihnen meine ausführliche Meinung in meinen vorigen wenigen Zeilen gesagt, und dabei bleibt's, und ich kann mir keinen Gedanken davon rauben lassen und es soll auch in Ewigkeit nicht geschehn. Was Sie von simdbathisiren sagen, ist erstaunlich wahr. Wer Ueberzeugungen hat, muß dabei bleiben, und das ist nun einmal meine Ueberzeugung. Es giebt Leute, die finden alles egal in der Welt, und leben derohalben wie die Narren, mit denen kann ich nicht sinbadsiren, wie gesagt. Narren sind keine Menschen, eben deswegen, weil sie Narren sind, und daß meine Frau dazu gehören sollte, kann ich nun und in Ewigkeit nicht zugeben, denn der Mann ist des Weibes Haupt, und da wär' ich denn der Hauptnarr, das geht nicht und geht nicht. Ich weiß nicht, ob Sie mir und meine Meinung verstanden haben, aber ich sollte meinen, daß ich's klar und deutlich genug einzurichten wüßte; denn ich bin gewöhnlich, wie die Leute sagen, kurz angebunden. Eben darum beschwör' ich Sie hoch und theuer, wenn es doch ja nun so sein muß, daß das Buch geschrieben 276 werden soll, die ganze Erfindung so einzurichten, daß Madam Lindner einen ordentlichen Ekel davor bekömmt und zeitlebens nichts hinzuschreibt. Es ist schwer, das seh' ich selber recht gut ein, aber es muß doch sein. Sie müssen die Frauenzimmer alle dumme Frauenzimmer sein lassen. Sie müssen darauf bestehn, daß es Ihr Plan so mit sich bringt, – denn, ich frage, was will sie nachher machen? Antwort, Nichts; denn Sie haben ja alsdenn den Plan gemacht, und Sie dürfen nur sagen, sie verstände den Henker davon, was so ein Plan zu besagen hätte, oder mit sich brächte; solche Reden müssen Sie führen. Sobald Ihr Bein besser ist, können Sie mir ja auch näher kennen lernen; ich lasse mir gern näher kennen lernen; denn was kömmt dabei heraus, wenn man sich einander nicht kennen thut? Sie wissen meine Gesinnungen. Nehmen Sie bei dem Wetter Ihr Bein in Acht und ich verbleibe u. s. w.


Antwort.

Wer könnte Ihr edles Gemüth in Ihren Briefen verkennen? Ich eile, um Ihnen meine schuldige Antwort zu überschicken. Sie geruhen, unsern ganzen Roman mit einem verächtlichen Blicke zu übersehn, und ich gestehe, daß Sie ganz recht daran thun. Mit Ihrem gütigen Vorschlage, die Frauenzimmercharaktere schlecht einzurichten, dem Plan zu gefallen, sieht es ein wenig mißlich aus; denn wenn ich auch die Charaktere so anlege, so werden sie mir unter den Händen umgearbeitet, und eh' wir es uns versehn, stehn statt 277 der lächerlichen Weiber die allerverehrungswürdigsten da. Und was ist denn zu machen? Bringen Sie lieber irgend einen Rezensenten für Geld und gute Worte dahin, das Buch, wenn es erschienen ist, ganz erbärmlich herunter zu machen; vielleicht bekömmt Ihre Geliebte dann eine Wasserscheu. Man muß nach meiner Meinung die Sucht zu schreiben ganz wie eine Krankheit behandeln und betrachten; da hilft keine Vernunft, sondern Medizin, und darum rathe ich Ihnen zu einer Rezension. Nächstens werde ich mir die Ehre ausbitten, mehr mit Ihnen sympathisiren zu können; sobald ich gesund bin, besuche ich Sie. Ich bin &c.


Müller an Günther.

Treuloser Freund!

Hab' ich Sie darum zu meinem Vertrauten gemacht? Hab' ich mich darum vor der ganzen Welt verschlossen und Sie allein in mein bekümmertes Herz sehn lassen, damit Sie mich so verrathen sollten? Ich kann noch immer nicht begreifen, wie ein Mensch, den ich für meinen Freund hielt, sich zu einem solchen Verbrechen konnte verleiten lassen. Entdecken Sie doch dem elenden Wille lieber auch noch, daß ich die Lindner liebe, daß ich es Ihnen gestanden habe. Sie sind außerordentlich leichtsinnig, wenn Sie dergleichen Beleidigungen nur für Scherz oder spaßhafte Einfälle halten können; ich sehe sie weit wichtiger an. Sie haben dem Menschen die ganze Idee von dem Buche gesagt. Sie haben ihm gesagt, daß ich ihn studire und schon 278 in einem Briefe kopirt habe. Ihre Freundschaft steht auf einem elenden Grunde, wenn Sie ihr nicht einmal Ihre Schwatzhaftigkeit aufopfern können. – Ich lege Ihnen den Brief von Wille bei, damit Sie selber sehn können, in welchem Grade Sie mich beleidigt haben.


Wille an Müller.

(Einlage des Vorigen.)

Also mußte ich nur darum neulich bei Ihnen Kaffee trinken, damit Sie mich auf Ihre Art beobachten möchten? Sie nehmen sich sehr viel heraus, und Sie irren sich auf eine lächerliche Weise, wenn Sie glauben, daß Sie mich in dem sogenannten Wilibald getroffen haben. Dergleichen Unsinn denk' ich nicht einmal, viel weniger daß ich ihn niederschreibe. Ich glaube, es giebt über diesen elenden Brief keinen so kompetenten Rezensenten, als mich selber. Ich finde überhaupt nichts lächerlicher, als die Altklugheit, mit der Sie sich und die übrigen Menschen betrachten. Man sollte doch ja erst einsehn lernen, wie weit unser eigner Verstand reicht, ehe wir den der übrigen Menschen ausmessen wollen. Ich glaube, daß ich gar nicht nöthig habe, meine übrige Vernunft zusammen zu nehmen, um jenen Wilibald zu widerlegen; er ist zu elend, als daß ich noch ein Wort darüber verlieren sollte. 279


Günther an Müller.

Warum, werthgeschätzter Freund, sollte ich unserm gemeinschaftlichen Freunde, Wille, nichts von unserm Roman sagen? Ich glaube, daß Sie und er die Sache viel zu ernsthaft betrachten; denn ich muß Ihnen gestehn, daß ich ihn an demselben Tage zu mir gebeten hatte, als er Sie besuchte, bloß um ihn zu beobachten; aber ich hätte es ihm dann frei herausgesagt und ihn freundschaftlich erinnert, er möchte nun doch so gut sein, seinen eigentlichen Charakter recht zu entwickeln. Sie aber haben ihn dadurch hintergangen, daß sie ihn heimlicherweise studirt haben, etwas, das ein Freund mit Recht übel nehmen kann. Sie werden sagen, ich sei paradox, aber desto besser, so bleibe ich in der Uebung, und führe im Roman meinen Charakter um so glücklicher durch.


Birnheim an Günther.

Ich bin Ihrem Rath befolgt und habe mich schon einen Rezens-Enten aufgetrieben, der seine Sachen gewiß sehr gut machen wird; denn er kann schon von Natur keinen Roman vor Augen sehn. Er hat mich zugeschworen, daß er die besten sogar aus dem Grunde seines Herzens verachte, und daß er Ihr Buch so pfeffern wolle, daß es kein honetter Mensch sollte lesen wollen: das hat er mich versprochen. Sie haben Recht mit umarbeiten. Kein Mensch will gern ein Narr sein und ich auch nicht, das kann ich Sie wohl gestehn, 280 denn es ist wider meine Natur, und was wider unsre Natur ist, davor können wir nicht, wenn wir's bei Lichte besehn. Ich habe nie glauben können, daß solche Rezins-Enten, wie sie sich titulieren, in der Welt zu etwas Nutz sein könnten, aber jetzt seh' ich es doch recht gut ein. Man lernt alle Tage mehr, selbst noch im späten Alter, und so ist es mich jetzt mit den sogenannten Ritzins-Enten gegangen. Sie sagen, es sei Krankheit von wegen mit dem Schreiben, das kann wohl möglich sein, es ist vielleicht manches Krankheit, dem wir es nicht ansehn thun; diese Krankheit ist aber eine povre Krankheit und sollte gar nicht unter honette Leute gelitten werden. Wer Geld hat nun vollends! und sie hat Geld genug und auch die Jahre, um gescheut zu sein. Das ärgert mir eben und verdrießt mich ordentlich etwas. Leben Sie wohl.


Günther an Birnheim.

Ich kann Ihnen nichts anders antworten, als daß ich Ihnen vollkommen Recht gebe; es ist immer nur eine halbe Antwort, das werden Sie selber einsehn, allein ich kann mir nicht helfen. Daß Sie einen Rezensenten erwischt haben, ist mir ungemein lieb, bitten Sie ihn doch, das Buch gleich jetzt zu beurtheilen, damit die Rezension nachher ja nicht zu spät komme. Ich will ihm selbst einige Data an die Hand geben, auf die er besonders losziehen muß. Daß Sie übrigens die Nutzbarkeit der Rezensenten bezweifelt haben, hat mich gewundert, sie sind wenigstens nützlicher, als die 281 Schriftsteller, denn sie verbessern diese, und die Schriftsteller verbessern die Menschheit, und die Menschheit – doch, ich gerathe in zu erhabne Gedanken, ich breche daher lieber ab.


Müller an Wille.

Die Hitze, mit der Ihr Brief an mich abgefaßt ist, thut mir um Ihretwillen leid, denn sie macht Ihrem Verstande nicht viel Ehre. Doch, an Ihren Verstand haben Sie schwerlich gedacht, als Sie ihn niederschrieben. Aber Günther ist ein sehr schlechter Mensch, daß er so schwatzhaft ist, und doch hatte er Sie aus keiner andern Ursach gebeten, als ebenfalls um Sie zu beobachten. Er gesteht es mir ganz naiv in seinem Briefe; Sie können daraus sehn, was für einen Freund Sie an ihm besitzen. Es thut mir nur die Zeit leid, die ich Ihrentwegen mit diesem Billette verschwende.


Wille an Günther.

Ich muß jetzt leider die Erfahrung machen, daß ich mich in allen meinen Freunden geirrt habe, und das rührt bloß daher, weil ich ihnen zu leichtsinnig traute. Ich will mich aber künftig besser hüten. Ich lege Ihnen Müllers Billet bei, der mir schreibt, daß Sie mich auch zu nichts anderm haben brauchen wollen, als zu einem Exemplar in einem jämmerlichen Roman. Wenn Ihnen ein Roman lieber ist, als meine Freundschaft und Achtung, so haben Sie recht gehandelt, 282 im entgegengesetzten Falle mögen Sie sich selber Ihr Urtheil sprechen. Ich mag nichts mehr hinzusetzen, als daß ich mich wundre, wie Sie so von der Madam Lindner abhängen können, die Ihnen bloß den Auftrag gegeben hat, mich zu kopiren, um mich dafür zu strafen, daß ich sie nicht geheirathet habe. Denn nur seit ich meine Frau habe, ist sie meine Feindin; vorher waren wir sehr gute Freunde, und sie hielt mich für einen überaus verständigen Menschen, wir beide moquirten uns wenigstens über alle übrigen. Wie gesagt, es wäre nur auf mich angekommen, sie zu heirathen. Müller ist der unverschämteste Mensch, und es wird sich wohl eine Gelegenheit finden, ihn zu strafen.


Günther an Wille.

Es thut mir leid, daß Sie die Sache so ansehn, ich glaube, es giebt eine angenehmere Ansicht. Ist es nicht ein Kompliment, das ich Ihnen mache, wenn ich darauf ausgehe, Sie wie ein gutes Buch zu studiren und in einem guten Buche wieder Ihr Profil aufzustellen? Ist es der Madam Lindner zu verdenken, daß sie dies Profil in ihrem Romane gern besitzen möchte, da sie Ihrer eigentlichen Person nicht hat können habhaft werden? Ich hoffe, es ist an Ihnen etwas zu studiren, denn sonst wären Sie nicht interessant, und wenn Sie nicht interessant wären, möchte der Henker Ihr Freund sein; folglich, wenn ich Ihr Freund bin, muß ich Sie studiren. Sie sehen selbst ein, daß da keine Rettung möglich ist. – Und warum wollen Sie auch von diesem allgemeinen Schicksale 283 aller Menschen ausgenommen sein? Ich hoffe, ich habe mich hinlänglich entschuldigt, ich unterschreibe mich also wie sonst

Ihr Freund Günther.


Louise an Günther.

Man kommt Ihnen beinahe auf die Spur; gestern Abend war Müller hier und behauptete keck, Sie hätten uns nur alle zum Narren; und es wäre Ihnen gar kein Ernst, das versprochene Buch zu schreiben. Ich begreife nicht, wie der blödsinnige Liebhaber grade darauf gekommen ist.


Madam Lindner an Günther.

Sind Sie noch nicht bald hergestellt? Wir alle sind eben so ungeduldig, als wir Sie bedauren, da wir Ihren Umgang so lange entbehren müssen. Sie scheinen unsern Roman ganz zu vergessen. Sie sollten doch gegen meinen Lieblingswunsch etwas nachsichtiger sein, es kann ja gegen unsre Vermuthung kommen, daß das Werk weit interessanter wird, als wir Anfangs erwartet hatten, wenn jeder sich selber nur eben so richtig als zart darstellt, es wäre dann gleichsam ein Register von uns selber, aus dem neue Freunde schnell ersehen könnten, was sie von uns zu erwarten haben. 284


Antwort.

Allerdings! – allein mein Bein, – ich mag keine andere Entschuldigung für mein Verzögern anführen. So wie ich über den Plan nachdenken will, kömmt mir das Bein dazwischen, so wie ich einen Gedanken erhascht habe, thut mir das Bein weh. Ich wünschte, ich wäre so paradox, von einem schlimmen Beine keine Schmerzen zu empfinden, so könnt' ich ein desto größerer Poet sein. Aber es ist nicht anders, es ist ein ganz gewöhnliches Bein, meine Schmerzen sind ganz gewöhnlich, obgleich ziemlich stark, und darum lassen Sie auch diese höchst gewöhnliche Entschuldigung nur gültig sein.


Louise an Günther.

Bei meiner Tante ist große Verwirrung, Wille, mein ehemaliger Liebhaber, hat ein Billet geschickt, wodurch sie auf Müller aufgebracht wurde, Müller hat alle Schuld auf Sie geschoben, ich lege Ihnen beide Billets bei.


Wille an Madam Lindner.

(Einlage des Vorigen.)

Sie irren sich sehr, Madam, wenn Sie glauben, daß Ihnen alle Menschen so unbedingt zu Gebote stehn. Ich schicke Ihnen hier einen Brief von Herrn Müller, der acht Tage alt ist, damit Sie sehn, was Sie eigentlich von ihm zu halten haben. 285


Müller an Wille.

(Einlage des Vorigen.)

Gegen Sie, lieber Freund, ist mein Herz immer ganz offen, und ich kenne keinen Gedanken, den ich Ihnen verheimlichen möchte. Ich glaube, daß Sie eben so gegen mich gesinnt sind. Ich habe jetzt seit einiger Zeit eine interessante Bekanntschaft gemacht, eine Wittwe, Madam Lindner, sie ist, wie die meisten Frauenzimmer über dreißig, sehr koquet, sie hört sich gern loben und ich lasse es daran nicht fehlen. Was soll man sonst in unsern gewöhnlichen, langweiligen Gesellschaften thun? Ich habe meine Caroline fast ganz vergessen, denn das Vermögen der Wittwe ist weit ansehnlicher. Sie wissen, wie ich über den Punkt des Geldes denke. Ich glaube, ich darf mich nur erklären, um die Heirath richtig zu machen, denn sie ist unbeschreiblich freundlich gegen mich, wenn wir allein sind. Ein alter Mann bewirbt sich auch um ihre Hand, und den auszustechen, ist nicht einmal ein Verdienst. – Leben Sie wohl.


Madam Lindner an Günther.

Ich sollte einen solchen Unverschämten wie Sie sind keiner Zeile würdigen, ich setze mich auch nur nieder, um Ihnen zu sagen, wie sehr ich Sie verachte. Ich schäme mich jetzt, daß ich Sie und Müllern je zu meinen Gesellschaftern zählte. Sie, ein Mensch, der nicht einmal so viel Verstand hat, seine eigne Einfalt einzusehn, einen der seine Plumpheit für Witz ausgiebt, 286 der Menschen entzweit und mir dadurch am Ende den größten Verdruß zuzieht. – Ich hoffe, nie mehr so unglücklich zu sein, Sie in meinem Hause zu sehn.


Birnheim An Günther.

Gottlob! kann ich nunmehr wohl mit wahrem Rechte und aus vollem Herzensgrunde sagen. Es ist alles vorbei, und alles ist in Richtigkeit. Man kann oft nicht wissen, wie etwas kömmt, und wozu manches in der Welt dient, was mir schon neulich bei Gelegenheit der Rehcensenten einfiel. Da ist nun das ganze Buch in die Brüche gefallen und die Heirath ist nun auch zu Stande gekommen. Sie will nämlich gar keine Bücher mehr schreiben, sie hat ein Haar darin gefunden, wie man zu sagen pflegt, aber zugleich hat sie auch zu ihren Trost, wieder einen Mann darin gefunden, und das ist eben Niemand anders, als ich. Sollten Sie's gedacht haben, daß das so geschwind und gleichsam über Hals und Kopf gehn würde? Wer's am wenigsten dachte war Niemand als ich. Meine Frau, in Zukunft, in Hoffnung nämlich, hat den schönsten Ekel vor den Buchschreibern, den ich mich nur wünschen konnte, aber auch zugleich, mit Erlaubniß zu sagen, vor Ihrer werthen Person. Wie das alles mit einander zusammenhängt, kann ich nicht recht klug daraus werden. Ich danke Ihnen für Ihre vorhergehende gütige Mühe meinetwegen, Sie haben's gut gemeint, aber der Himmel hat's noch besser gelenkt. Ich weiß, daß meine Frau schon einen Liebhaber gleichsam gehabt hat, das versteht sich, sie kennt mir noch nicht gar lange und jetzt hat 287 sie sich mich doch ganz von selbst und von freien Stücken angetragen, das beweißt ihre jetzige Liebe genug, und so kommt auch ein hübsch Vermögen zusammen, und wir werden glücklich einer bei den andern sein. Ich werde meine Verlobung in ein paar Tagen bekannt machen, Sie können mich also immer gratuliren, wie's aber um unsre nähere Simpatie aussehn wird, weiß ich nicht, wenn meine Frau Ihnen nicht leiden kann.


Antwort.

Ich gratulire also von Herzen und freue mich, und wünsche alles nur mögliche Glück. Ich kann Sie versichern, daß Niemand als ich diese Heirath gemacht hat, doch ich will mich nicht selber loben; mit Ihrer zukünftigen Frau denke ich mich noch wieder zu versöhnen. Bis dahin leben Sie wohl.

Nachschrift. Mein Bein ist wieder gut.


Günther an Madam Lindner.

Es ist gerecht, einen Sünder zu verstoßen. aber schöner als gerecht ist es und ganz einer zarten Seele würdig, ihn wieder anzunehmen, wenn er seinen Fehler einsieht und bereuet. Das ist mit mir jetzt der Fall, das zweite ist nun Ihre Pflicht. Hab' ich gefehlt, so geschah es blos, weil Sie mir selber aufgelegt haben, paradox zu sein. Sie sehn, ich habe mich dadurch ins Unglück gestürzt; nehmen Sie mich nun auch wieder zu Gnaden an, da Sie selber Schuld daran sind. 288 Ich werde mich künftig sehr vor dem Paradoxen hüten. Wenn es meine Verzeihung leichter machen kann, so melde ich Ihnen, daß ich nicht nur den Plan zu unserm Romane fertig habe, sondern sogar den Anfang schon ausgearbeitet, aber mit Ihrer Erlaubniß, meine Rolle nicht nur, sondern auch die übrigen. Sie sehn, ich bin in meiner Krankheit nicht ganz träge gewesen. Mein Bein ist wieder hergestellt; wenn ich es also wagen darf, besuche ich Sie heute Abend.


Madam Lindner an Günther.

Ich will ein Auge zudrücken und Sie mit dem zweiten freundlich ansehn. Sie haben sich so seltsam entschuldigt, und sind Ihrer Rolle so treu geblieben, daß ich Ihnen deswegen verzeihe. Bringen Sie aber ja Ihr Manuscript mit, ich bin außerordentlich neugierig darauf. Uebrigens verlobe ich mich heute Abend mit Herrn Birnheim, und Sie können zugleich als Zeuge dienen.


Günther ging am Abend hin; Müller war auch da; er hatte sich mit Carolinen und Madam Lindner zu gleicher Zeit ausgesöhnt. Bald darauf erschien Louise mit ihrem Vater, der sonst nicht diese Gesellschaft besuchte. Günther drang nun darauf, die Verlobung vorzunehmen, und ganz gegen alle Erwartung der übrigen, verlobte er sich zugleich mit Louisen, und die andern waren Zeugen.

Ehe ich nun mein Manuscript vorlese, rief er dann, muß ich noch ein paar Worte sagen.

289 Nun? riefen alle.

Mein böser Fuß war nun fingirt.

Fingirt? hallte es zurück.

Ja, um die sogenannte poetische Muse zu bekommen, um meine Klätscherei desto besser in den Gang zu bringen, durch die sie doch nun alle erfahren haben, wie Sie mit einander stehn.

Mad. Lindner. Sie sind ein Bösewicht. – Aber Sie haben sich doch im Buche den paradoxen Charakter gegeben?

Günther. Ja.

Louise. Und keine Liebe hineingebracht?

Günther. Nein.

Müller. Und der edle Freund – der blöde –

Günther. Steckt drinne.

Mad. Lindner. Und um mich dreht sich alles –

Günther. Allerdings.

Birnheim. Und die Frauenzimmer, wie ich im Briefe –

Günther. Natürlich.

Mad. Lindner. Aber haben Sie ihn nicht als Spekulanten hineingebracht?

Günther. Wie hätt' ich den Herrn auslassen können?

Er zog das Manuscript hervor und fing an zu lesen. Es bestand aus nichts als den Briefen, die er während seiner Krankheit geschrieben und bekommen hatte. Er hatte diese Briefe einbinden lassen. Alle erstaunten; jeder spielte den Unwissenden, und so las er zu Ende.

Madam Lindner brach zuerst los; sie suchte ihre Billets zu erhaschen; ihr folgte Müller, dann Birnheim und endlich Louise; jedes zog seine Briefe aus, 290 und so erging es dem Manuscript, wie dem Raben in der Aesopischen Fabel, dem die übrigen Vögel die bunten Federn auszogen. Am Ende behielt Günther nichts, als seine eignen Briefe in der Hand. Da er sah, daß die übrigen die ihrigen zerrissen, folgte er ihrem Beispiel, und so war die Stube in einer Minute mit unzähligen Papierstückchen besäet. Da Louisens Vater voller Erstaunen dastand, und nicht wußte, was er aus alle dem machen sollte, reichte ihm Günther die Briefe von Wille, daß er sie auch zerreißen möchte. So ward dieser wider Willen ein Mitarbeiter an diesem Werke.

Günther aber hatte die Briefe vorher schon copiren lassen. Diese Gesellschaft blieb nachher immer bei einander, aber Günther hatte den Ruf eines satyrischen Menschen.

 


 








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