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Der Roland von Berlin - Zweiter Band

Willibald Alexis: Der Roland von Berlin - Zweiter Band - Kapitel 8
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typefiction
authorWillibald Alexis
titleDer Roland von Berlin ? Zweiter Band
publisherVerlag von A. Weichert
seriesWillibald Alexis' historische Romane.
volumeFünfter Band.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Achtes Kapitel.

Es war am Abende des Sonntags Estomihi, und der Sturm heulte und stieß und trieb Wirbel von Schnee durch die Jüdengasse. Man hätte keinen Hund vors Thor geschickt und saß hinterm warmen Ofen, wer ihn heizen konnte. Gott sei's gelobt, für die armen Leute! Es hatte dazumalen noch viel Wald rund um Berlin und den Herren, die sonst streng waren, kam's auch auf einen Stamm mehr nicht an, den die Elenden sich nachts ins Haus schleiften, damit sie morgens warm säßen. Auch in der Jüdengasse knackten die Öfen und rauchten die Schornsteine, und die Schicksels rösteten und brieten, daß es durch die Häuser lieblich duftete, und die Frauen zupften und verlasen, wie es sich für Hausfrauen schickt, und riefen und schalten mitunter; aber die Dirnen kicherten und thaten doch, was sie Lust hatten.

In keinem Haus aber waren die Läden so fest geschlossen, als dort am Eck, wo Joel Baruch wohnte; sie hatten mit Moos die Ritzen verstopft und Strohdecken drüber gehängt, sei's gegen den Wind oder gegen die neugierigen Leute. Am Balken der niedrigen Decke hing die Ampel, die ein schönes Licht ins Gemach warf; aber noch heller brannte und prasselte das Feuer aus dem großen Ofen, darum die Familie sah, die Matrone und noch ein oder zwei ältere Frauen, und an drei oder vier Dirnen von weißer Haut und roten Backen und rabenschwarzem Haar und Augen wie die Kohlen. Und ein vier oder fünf Vettern mit auch solchem Haar und auch solchen Augen sahen und standen darum, und scherzten mit den Mädchen und sagten ihnen so viel süße und lustige Dinge, daß die Schicksels in einem Lachen blieben. Wer die Burschen am Tage gesehen, wie sie barfuß und zerlumpt, ein paar Hasenfelle oder was es war auf dem Rücken, durch die Gassen schlichen, blaß und wie verhungert, und sie wichen jedem, der ihnen entgegenkam, um drei Schritt aus, und blieben stehen und zogen die Mützen, wer sie da sah und itzt wiedergesehen, der hätte sie doch kaum für dieselben gehalten. So ganz anders leuchteten ihre Augen und trugen sie sich, und man sah auch nichts von Blässe und Elend auf ihren Backen. War's nun der Feuerschein, der sie rötete, oder die schmucken Dirnen, die bei ihnen saßen, oder was es sonst war.

Das ging wie ein Raketenfeuer, und verschluckte ein Wort das andere, und alles, was wir schon wissen und auch nicht wissen, erzählten die Vettern ihren hübschen Muhmen. Und was ganz besonders war, denn wer hätte es den Jungen zugetraut, itzt sprach einer und hatte sich, als wäre er der Bürgermeister, und nun einer, als wie der Herr von Blankenfelde, und ein dritter polterte wie der Pawel Strobant auf des Bartschers Bude und fiel dann mit einem gar entsetzlichen Gesichte um, als hätte ihn ein Stein ins Maul getroffen. Auch den Henning Mollner ahmte einer nach, und schien's, als ob die kecke Miene des Jungen und wie er sich trug und pfiff, ihm selber so wohl gefiel, daß er gar nicht von los konnte. Und die schmucken Muhmen schauten voll Seelenfreude zu und baten ihn immer wieder, daß der Vetter es noch einmal mache. Auch ergötzte sie's über die Maßen, zu hören, was witzige und spitzige Reden der Narr zu den Weibsen beim großen Bankett Thomas Wynsens gesprochen, und der Narr war kein anderer als der Henning, der sich eingeschlichen. Und dann die Geschichte, wie Else und die Eva sich in den Haaren gelegen, und wie Henning auf der Leiter ins Rathaus gestiegen, um der Elsbeth das verlorene Halsband wieder zu bringen, und fast gegriffen wäre als ein Dieb, und nur davongekommen, weil er den dicken Propst unterm Tisch gefunden.

So lustig erzählten die Vettern, und so hübsch machten sie nach in Miene und Sprache die vornehmen Herren, daß die Schicksels die ganze Nacht gern zugehört hätten; und doch mußten sie's ganz in der Stille und fast heimlich treiben, denn Joel Baruch saß in seinem Kaftan vor seinem Schreibeschrank und schrieb und rechnete und zählte, mit der Brille auf der Nase, und bisweilen, so sie zu laut wurden, hielt die Mutter den Finger an den Mund und wies auf ihn; bisweilen wandte er auch selbst den Kopf ernst um und strafte sie um ihre Thorheit.

»Was ist denn los heute,« sprach er, sein groß Buch zuschlagend, »daß Ihr geht geputzt, als es sich nicht schickt für die Kinder ihrer Väter? Ist der Sabbath der Christen und nicht unser.«

»Sieht's doch keiner,« sagte die Mutter, und die Dirnen drückten sich am Ofen zusammen und lächelten schlau. Wußten sie, daß sie an der Mutter eine Fürsprecherin hatten.

»Ist es nicht gut,« fuhr der Alte fort, »so die Kinder ihrer Väter anthun die Kleider der Gojim und halten ihre Feste. Keine Mauer ist so dick, sie hat ihre Löcher und Spalten, und so keines Christen Auge durchsieht, schaut es doch der Herr über Israel, der gesprochen hat zu unseren Vätern: Du sollst keine Götter haben neben mir.«

Da fuhr ein fürchterlicher Windstoß durch den Schlot, daß die Funken in die Stube flogen, und das Feuer herausschlug, und es heulte gräßlich über die Dächer und auf der Gasse, und eine Lade schlug auf, und ein Fenster und der Schnee stürzte nur so herein. Das Heulen und Pfeifen dauerte noch eine gute Weile, als wenn die Erde untergehen sollte. Die Judenmädchen erschraken, und die Buben wurden auch blaß. Die Mutter hatte die Hände gefaltet, und das that Joel Baruch auch und fiel auf die Kniee; vorher aber hatte er das Fenster und die Lade geschlossen und eine eiserne Stange davorgeschoben.

Und wie es nun ganz still geworden, und alle beteten ihr Sturmgebet, hörte man es leis an die Thür pochen. Die Bürgerglocke hatte längst geschlagen, auch in ihrer Straße durften dann die Juden nicht mehr ausgehen, und wer mochte auch draußen sein bei einem so schrecklichen Wetter. Alle horchten auf, und es pochte noch einmal, schwach, aber deutlich.

»Thu' nicht auf, Joel,« sprach zitternd die Hausfrau, als Baruch aufsprang. Aber er schloß nur die Lade seines Schrankes, und seine Ohren spitzten sich, und seine Augen folgten den Schatten, so die Ampel warf. »Nicht auf, Vater!« sprachen die Dirnen. »Es sind Verfolger.« – »So pochen die Femrichter, daß der Gott Israels uns schütze!« rief ein anderer; und die Base wimmerte: »So klopft der Schlemihl an ein Haus.« Baruch schüttelte den Kopf: »Die Femrichter klopfen nicht an des Juden Haus, und die Verfolger schleichen nicht wie der Iltis an den Taubenschlag, und der Schlemihl klopft nicht an und bittet um Einlaß; er ist da wie der Wurm in der Birne, und man sieht ihn erst, wenn er hinausgeht. Thu' auf, Rahel, und führe den Fremden ein.«

Da schraken alle zusammen und standen um den Hausherrn, und baten ihn und beschworen ihn, daß er nicht aufthun lasse, zu seinem und zu ihrem Unglück. Er aber wies sie mit der Hand fort: »Hört Ihr nicht, zum dritten Male. Thu' auf, Rahel, schnell.«

Nun baten sie ihn, daß er selbst hinausgehe mit ihnen allen, und sie Lichter in die Hand nähmen und Stöcke und Stangen. Er aber hieß sie schnell hinaufgehen in ihre Kammern, und sie sollten sie wohl verschließen und stille bleiben und nicht das Ohr an die Thüre legen.

»Wer kommt in des Juden Haus geschlichen? Nicht der ihm will anhaben ein Leid, noch der will gesehen werden und gehört von den Leuten, sondern der von dem Juden etwas will und will's heimlich haben, daß er's verberge vor seinem eigenen Schatten.« So sprach er zur Frau, als die Mägde und Bursche und die älteren Frauen hinaufgeschickt waren die steile enge Stiege. Und dann brummte er vor sich: »Wer die Gäste, die so kommen uns, scheucht mit Lärmen und Licht, der treibt den Verdienst von der Thür, denn bei Sonnenlichte führt keine Straße in des Jüden Haus.«

Rahel, sein Weib, hatte die Thür geöffnet und faßte den Mann am Arm, der draußen stand, ganz naß und beschneit als ein steinern Bild, und führte ihn durch den dunklen Gang, ohne ein Wort zu sprechen, bis wo Baruch stand unter der hellen Stubenthür. Darauf huschte sie ebenso stille fort, und Baruch verneigte sich tief vor dem Fremden, den er doch nicht sehen konnte, wer es war, denn ganz eingehüllt war er in seinen Mantel, und ging die Kappe bis übers Gesicht. Und so führte er ihn schweigend in die Stube und schloß dann die Thüre.

Der Fremde war ans Feuer getreten, daß er den Schnee von sich schüttelte und sich wärme, aber das Gesicht zeigte er nicht dem Juden. Auch als der tief gebückt ihn fragte, ob »er nicht den Mantel wolle von sich thun, wehrte er es ab. Da schlich Baruch näher und flüsterte: »Herr, dessen Fuß meine Schwelle ehrt, und den ich wieder in Demut ehre, als ihm gebührt, die Thüre ist verschlossen, die Laden sind fest, hier sieht Dich kein Aug' und hört Dich kein Ohr, als des alten Baruch.«

Der Herr verbarg noch das Gesicht im Mantel: »Kennst Du mich?«

»Ich kenne Euch,« antwortete Baruch, »aber ich will Euch nicht mehr kennen, so Ihr seid aus meiner Thür. Fortblasen will ich den Staub von der Diele, daß niemand Euren Fußtritt schaut, und kehren den Schnee, wo Ihr hintretet, und schlachten will ich den Hahn, der Euch anschreit. Des Baruch Haus ist ein Grab für was er hört, und sein Gedächtnis ein Sieb, wenn er die Christenherren wiedersieht, die sind gekommen zu ihm.«

Der Fremde warf nun den Mantel fort, und Baruch beugte sich nicht tiefer als vorhin, da itzt vor ihm stand der Bürgermeister von Berlin, Herr Johannes Rathenow.

»Weißt Du, warum ich Dich aufsuche?«

»Weil es sich nicht schicken würde für einen Gewaltigen in beiden Städten, so der Jude käme über seine Schwelle. Würden doch fragen die Leute: warum er hat rufen lassen den Juden?«

»Baruch, Du weißt es.«

»Wird's doch nicht sein darum, daß der Rat den Juden verbieten läßt das Vieh aufzukaufen. Dürfen wir doch schon nichts kaufen, als was die Knochenhauer nicht mögen. Wird's auch nicht sein wegen der Steuer, denn da schickt der Rat den Büttel und nicht den Bürgermeister; noch wird es sein –«

»Genug, Baruch, Du bist reich –«

»Herr meiner Väter, ich und reich! Ja wären nicht gewesen die Stricke und Verfolgungen, die Hunde und die Scheiterhaufen unter dem Bayer Ludwig, der der Römer hieß! Meinen Großvater verbrannten sie und meine Großmutter erdrosselten sie mit einem Schuhdraht. Gott meiner Väter, sie hatten ja selber all ihre Kinder an der Pest verloren, und sollten doch die Brunnen haben vergiftet und die Pest gebracht ins Land. Nur einen Sohn brachten die Verwandten nachts durch die Wälder. Das war mein Vater. Und seit der wiederkam –« »Sind viel fette Jahre ins Land gegangen, und Eure mageren Kühe haben sich wieder stark gefressen. Schweig, Jude! Das Volk murmelt –« »Die weisen Herren vom Rate werden nicht horchen auf das Brummen der Hornisse.« – »So Ihr vernünftig seid und gebt, was man mit Rechten von Euch fordert, und Euch nicht überhebt, als Eure Väter gethan. Darum kamen die Stricke und Verfolgungen, und die bösen Zeiten können wiederkommen. – Baruch, Du bist reich –« »Gestrengster, gnädigster Herr! Wenn ich hungere, und darbe und zusammenhalte, was ich mit Schweiß und Sorgen erworben, dann mag es sein, daß andere ärmer sind als der alte Baruch.« – »Als der Rat die vielen Renten kaufte, botest Du ihm vierhundert Mark. Still, wozu des vielen Geschwätzes, darum ich nicht hier bin. Ich bedarf einer Summe. Du sollst Sicherheit haben und Zinsen nehmen, als ein Jude. Wenn Du zu schweigen weißt,« setzte er mit leiserer Stimme hinzu, »und bis der Hahn schreit, das Geld schaffest.«

Baruch murmelte vor sich, indem er mit den Fingern zählte: »Bis der Hahn kräht, das ist viel, gnädigster Herr.« – »Was ist viel?« – »Siebenundvierzig Schock Groschen!« – »Jud!« entfuhr es des Bürgermeisters Lippen, und er richtete sich verwundert auf. »Was hast Du mit siebenundvierzig Schock Groschen!« – »Darum Ihr kommt in mein schlechtes Haus.« Baruch richtete sich nicht auf, er stand so demütig als vorhin im Winkel, aber seine kleinen Augen schielten auf den Herrn, der den Kopf im Arm sinken ließ, daß der andere nicht sehe, wie er betroffen war.

»So ungefähr, ein vierzig, fünfzig!«

»Fünfzig! Das ist viel!« Und er sah ihn immer schlauer an. »Auch siebenundvierzig sind viel! zu viel für einen, der sie schuldig ist und nicht hat; aber viel zu viel für einen, der sie zahlen will und sie nicht schuldig ist. Anderswo zahlte der Rat die Schulden, die seines Meisters sind, aber nicht der Bürgermeister die Schulden, die des Rates sind.«

Da sah der Bürgermeister, daß Baruch mehr wußte, als er wissen sollte. Ein zorniger Blick fuhr ihn an, und er sprach: »Schweig! An Dir ist's nicht, des Rates Beschlüsse mäkeln.«

»Wer möchte sich unterfangen des, gestrenger Herr! Leben wir nur in seiner Gnade Atem, und wo der Atem stockt, leben wir nicht. Aber siebenundvierzig Schock Groschen in den schweren Zeiten! Und morgen schon will der Mollner das Geld! Ei, der könnte auch noch warten, der junge Herr, wenn der gestrenge Bürgermeister bürgt dafür.«

»Kurz, Baruch: Deine Forderungen!«

»Ich! fordern von einem stolzen Herrn, und von dem Meister, der ist über die stolzen Herren! – Sonst ein so feiner Herr, so aufs Wort, und großmütig, der Herr Schumm aus der Brüderstraße. Sitzt auf Geldsäcken. Und um siebenundvierzig Schock Groschen einen alten Freund im Stich lassen!«

War's dem Bürgermeister der sauerste Weg gewesen, in seinem ganzen Leben der schwerste, in des Jüden Haus, den um Geld zu bitten, des Hand er nicht anrühren mochte, itzo, da er drinnen war, kam ihm der Stuhl vor, in dem er saß, wie der Schemel, darauf der arme Sünder den Richter vor sich hört.

»Baruch! ich brauche das Geld.«

»Geld! wenn ich gedenke des großmütigen Herrn Albertus! Der ein Herr war der Herrlichkeit, und hatte Pferde in seinem Stall siebenundvierzig; und um siebenundvierzig Schock Groschen der Enkel ins Haus des Jüden! O Du Herr der Gerechtigkeit! Und haben denn keine Freunde mehr die Rathenows? Das drängte ja vordem – Freilich – freilich! Der Rat ehegestern, wer hätte gedacht das?«

»Was! Jude!« Herr Johannes rüttelte auf seinem Stuhl.

»Aber die Herren Wyns, die reichen Herren Wyns,« fuhr Baruch fort. »Leihen wohl auch nur aus auf gute Pfänder; aber so reich, solche schöne Meierhöfe um Frankfurt und im fetten Oderbruch, und ihre Speicher und Kähne voll kostbarer Sachen, und sind den Rathenows Freunde blieben. Nicht einmal siebenundvierzig Schock Groschen einem Freunde!«

»Elender! Woher das?« rief der Bürgermeister, und sprang entsetzt auf; die Röte war fort von seinem Gesicht, und sein Auge starrte auf den Alten, wie einer ein Gespenst anstiert. Wie konnte der Jude wissen, was heut morgen in einer verschlossenen Kammer unter vier Augen verhandelt war! – Herr Johannes hatte, seit wir ihn krank sahen, und dann wieder gesunden, viel Herzeleid erfahren. Stützen, auf die er baute, waren geknickt, Freunde abgefallen. Wie hatte er zornglühend dem Boten des Rates geantwortet, der ihm das Schreiben überbrachte, darin geschrieben stand, daß er dem Henning nicht zahlen solle bei des Rates Achtung: »Ich will und werde ihm zahlen und so der Rat beider Städte sich auf den Kopf stellt.« – Und darauf war sein Bote zurückgekommen, den er nach der Brüderstraße gesandt, und jedes Kind wußte, was Bartholomeus Schumm aus dem Fenster geschrieen, den Rathenows zum ewigen Schimpf. Ach es war noch vieles geschehen, wer aber kann alles erzählen. Es gab ein Hin- und Hermelden und Schreiben, und böses Blut, und geschäftige Leute liefen hin und her, die alles wieder erzählten, was einer vom anderen gesagt, aber es kam nie so zum dritten und vierten, wie es vom ersten zum zweiten ging. Herr Johannes war wohl nicht der Mann, der auf die hörte, so immer, böse Nachrede haben und ihre Nächsten verunglimpfen; aber wenn einer so erhitzt ist und böses Blut denkt, der leiht wohl auch den bösen Zungen einmal das Ohr. Da mochte er manchem, der's gut mit ihm meinte, vor den Kopf gestoßen haben, und das vergiebt keiner, der meint, daß er im Recht ist. Und er lächelte auch wohl nicht unzufrieden, wenn sie ihm Nachricht brachten, wie in der Stadt, in den Kellern und Stuben der Rat gescholten wurde, um seiner Störrigkeit halber, und daß sie ihn, den Johannes, lobten und ihn leben ließen. Aber was ihm gefiel, das mißfiel wieder denen im Rate und manche, die ihm sonst gut waren, waren itzt darum gegen ihn, und kamen nicht in sein Haus.

Waren die Gebrüder Wyns, die's mit niemand gern verdarben, noch die einzigen, die Gutes hin und her trugen und zum Frieden redeten. Aber was konnten sie thun, und was mochten sie thun! Der Herr Dietrich dachte nur an schmucke Frauen, und wie er sich die Halskrause zustecke, daß alle Welt ihn bewundere. Wenn er lang im Rate saß, schlief er ein. Der Herr Thomas war ein feiner Mann, aber er ließ sich immer mehr sagen, als er sagte, und drang nicht durch. Wenn ihm die im Rat vom Widerpart der Rathenows sagten, daß er's auf sich nehmen müsse als argen Schimpf, daß Herr Johannes nicht zu seinem Bankett gekommen, so glaubt' er's. Ging er aber wieder zum Bürgermeister, so kriegte der ihn bald herum und stachelte ihn und redete ihm so heiß ein, daß er so und so zum Rate sprechen müsse. Aber wenn er hinkam auf die lange Brücke, dann sprach er nicht so. Entweder hatte er's vergessen, oder es kam anders 'raus, denn er ließ sich einschüchtern. Dieweil aber nun der Tag heranrückte, wo er dem Henning auszahlen wollte und sein Wort eingesetzt hatte, so suchte Herr Johannes den Thomas Wyns auf und lag ihm an, so schwer's ihm ward, um ein Anlehn dazu. Da wußte Herr Wyns nicht vor schönen Worten, was er alles sagen sollte, Liebes und Gutes, und wie gern er's thäte, wenn er nur könne, aber, wie Herr Johannes selber wisse, schwimme jetzund seine ganze Barschaft auf der Oder. Und stand ihm der helle Angstschweiß auf der Stirn. Denn er fürchtete sich vor dem Rate, da er wußte, wozu Herr Johannes es brauchen wolle, und hatte der auch, als ein offener Mann, kein Hehl gehabt. Hätte auch wohl Herr Johannes dem Thomas die Hölle heiß machen können, denn er war ein Mann, der sprechen konnte, wo es galt, und vor seinem Blick fürchteten sich viele, und er hätte 'rausgerückt. Aber ihn jammerte des Mannes wie er so blaß vor ihm stund, und der Ärger schwoll ihm so zu Halse, daß er auch kein Silblein darum mehr verlieren mochte. Darum ging er auf der Stelle fort, ob doch Herr Thomas vor Freundlichkeit und süßen Redensarten vergehen wollte, und sich wand und ihn die Treppen hinunter bis ans Hausthor begleitete, und noch drei Schritte darüber. Aber der Bürgermeister sah sich nicht mehr um. Da hatte Herr Wyns die Achseln gezuckt und bei sich gesprochen: »Ein Mann, die Gerechtigkeit selber, aber wie will er auf die Art sich Freunde machen?« – Trug er ihm aber keinen Groll mehr im Herzen, denn Herr Thomas war sanften und guten Gemütes.

Wie itzo der Bürgermeister aufgesprungen war, und den Juden durchbohrend anblickte, und es war doch Furcht und Scheu im Blick, wie etwa der Löwe die Schlange anblickt, die mit ihren kleinen Augen ihn anzüngelt. Mit einem Tritt zermalmt er das Tier, aber wo er hintritt, ist sie schon fort, und das Auge blickt von wo anders her. Der Jude krümmte zusammen, aber sein Auge blitzte noch heller denn vorher: »Der Wurm, gnädigster Herr, den des Menschen Fuß tritt, duckt sich, daß er eine Höhle finde, und die kleine Maus hat Löcher in den Mauern der Königsschlösser. Was thut es den Fürsten, die drin wohnen, so die kleine Maus horcht, was die Herren sprechen; das Volk hört es ja nicht.«

»Jude! Du weißt mehr als Du wissen dürftest. Es sei! Der Dir Ehre anthut, in Dein Haus zu treten, der Meister über diese reiche und große Stadt, ist in Not, verlassen von seinen Freunden, gebunden durch sein Ehrenwort, das er lösen muß bis morgen. Nun hörst Du, Du hast einen vor Dir, in dessen Gegenwart Du zitterst, einen, dem es einen Wink kostet, und Du wirst gestäupt, durch des Büttels Fuß aus dem Thor gestoßen, er kann niederreißen lassen Dein Haus und Weh über Dich bringen auf Kind und Kindeskind. Und der eine, hörst Du, bittet Dich, er muß Dich bitten, seine Freunde haben ihn zu dem Juden geschickt.«

»Soll ich aus Furcht zahlen, Herr, daß Ihr winket, daß ich gestäupt werde und der Büttel mich mit dem Fuß stößt vors Thor, daß Ihr niederreißet mein Haus und Weh über mich bringt auf Kind und Kindeskind?«

»Nein!« rief Johannes Rathenow. »Beim gerechten Gott, nein, ich drohe Dir nicht.«

»Soll ich zahlen, weil ich fühle Eure Not? Was hat ein Jüd zu fühlen, und so ich fühlte, Ihr spucktet drauf.«

»Du sollst nicht fürchten und nicht fühlen, Du sollst rechnen. Zinsen nimm, so viel Dir erlaubt ist, und ist's Dir nicht genug, nimm doppelt, dreifach. Meine Ehre ist verpfändet, es ist nichts zu teuer, um Johannes Rathenows Ehre zu lösen.«

Hier zog Herr Johannes ein untersiegelt Pergamentblatt aus dem Wams und warf es auf den Tisch: »Lies das, und wenn Dir die Sicherheit, die ich Dir biete, genügt, schreibe ein Deine Bedingungen, dafür ist Platz gelassen.«

Baruch lehnte sich über den Tisch und setzte die Brille fester auf. Lange überlas er die Schrift, und wenn der Bürgermeister glaubte, er sei fertig, fing er wieder von vorn an. Nun sah er zwar sehr freundlich aus, aber sein Husten klang häßlich: »Ich dächte, gestrenger Herr, Ihr versuchtet's, den Henning noch zu bitten um Aufschub. Er wird sich lassen erbitten, gewiß, so Ihr bittet. Habe das Geld nicht im Haus.«

»Auch auf die Sicherheit!«

Baruch küßte den Schein: »Pures Gold, gestrenger Herr, mehr als siebenundzwanzigfacher Wert. Das halbe Bukow, ganz Osdorf, Gott meiner Väter, und das Freigut in Mere, mit der hohen und niedern Gerichtsbarkeit. Und was noch mehr als mehr ist, das Wort des Herrn von Rathenow. Aber bar Geld ist rar worden. Der hochgradigste Kurfürst fordert Schoß und Beeden, und nimmt Summen auf, wo er kann.«

Der Herr wollte nach dem Mantel greifen; aber besann sich wieder. »Gnädigster Herr! So der Rat eines Juden wert ist vor den Ohren der Weisheit, vergönnt dem Baruch ein Wort.« – »Sprich!« – »Der Henning Mollner ist reich. Nicht ist's ihm zu thun ums Geld, er will doch nur sein Recht. Wie mancher Mann giebt sein Recht hin und nimmt dafür Geld. Käm's doch nur auf einen Handel an. Ich unterstünde mich ihn zu machen, und bei Gott, ich thät es um wenig. Was giebt mir der Herr, und ich bring' ihm ein Scheinchen, unterschrieben von des Mollners Hand, daß er das Geld hat empfangen vom Herrn Johannes, und überläßt dem Herrn Johannes seine Rechte an den Rat. – Und wer den Henning und seine Freunde hinter sich hat, und ist dazu Bürgermeister, ei der setzt wohl mehr durch gegen die stolzen Herren, als siebenundvierzig Schock. Sie müssen, sie müssen –«

»Ist Dein Handel, Zwietracht anschüren? Hüte Dich. Verrat und Aufruhr führen zur Richtstätte.«

»Freilich, den gemeinen Mann. Auch wohl einen stolzen Herrn, so er steht allein. Aber wenn ein ganzer Rat aufsteht gegen seinen gekürten Herrn und Meister, dann nennen sie's keinen Verrat. – Lieber gestrenger Herr,« sprach der Jude und rückte ihm näher, »Eurer Freunde auf der langen Brücke sind wenig. Eurer Feinde viel. Euer Recht ist ein starker und großer Baum vor dem Himmel, die Gemeinen möchten auch gern darunter Schatten suchen. Aber wenn Eure Feinde über Nacht die Wurzeln durchsägen, fällt der Baum, wann die Sonne aufgeht. Haltet Euch fest an den Henning, er hält Euch–« »Wurm!« fuhr ihn der Bürgermeister an. »Die Würmer haben Augen unter der Erde; sie sehen und hören die Schaufeln der Minierer, und mancher Turm, wo die Leute heute noch lachen und ruhig sich schlafen legen, die Würmer wissen, er stürzt morgen über ihre Köpfe ein. Die Würmer haben ihr Haus darunter, und das stürzt mit ein. Sie möchten gern in Ruhe sitzen. – Die Herren von Blankenfelde, von Bergholz, die Hoppenrade und Garnekofer sind itzo Herren im Rate. Kennt der gestrenge Herr die Klageakte, so sie heut abend aufgesetzt in geheimer Sitzung? Die Thüren waren verschlossen, und nur eine Lampe brannte; es sah aus als ein Femgericht, und alle waren einig, alle –«

Herr Johannes hielt sich an der Stuhllehne, und wär's nicht festes Eichenholz gewesen, er hätte seine Hand eingedrückt. Sein Gesicht wurde blaß und wieder rot.

» Was klagen sie mich an! – Vor wem klagen sie?« – Das entfuhr seinen gepreßten Lippen, aber gleich darauf schämte er sich, daß er vor dem Juden so etwas sprach. »Ich bin hier, Joel Baruch, um ein Darlehn. Deine Bedingungen will ich hören. Dünkt mein Pfand Dir sicher?«

Baruch lächelte demütig, indem er das Papier mit der Hand überstreifte: »Seid Ihr sicher, wenn Euch einer den Mond zum Pfand setzt? Und wär er eitel Gold, Ihr könnt ja nicht hinauf. Was soll der Jüd mit Meierhöfen und Dörfern? Darf er Herr sein, wo er zu schlecht ist zum Bauer? Was soll er mit dem Lehn und der Gerichtsbarkeit? Ist er doch nur gut, um gerichtet zu werden. Gebt das den Rittern und Fürsten, lieber Herr, die können's brauchen. Für den Jüden ist's der Mond.« – Er gab ihm unterwürfig das Papier zurück.

»Herr Gott und mein Heiland, der's mir verzeihe, daß ich ihn anrufe unter eines Ungläubigen Dach! Mein Haus, mein Hof, meine Ehre, sind Dir die nicht genug?«

»Genug, Herr! so lange Ihr sie habt. Aber wenn morgen der Rat seine Hand dran legt, seine Siegel drauf drückt und Euch verstrickt im Bande – wird mir der Rat wiedergeben die siebenundvierzig Schock?« – »Ich will dem Rate –« »Die Stirne weisen, Herr! Gewiß, das hofft das Volk. Aber auch dem gnädigen Kurfürsten? So der hereinbricht mit Roß und Mann und die Städte mit seiner starken Hand faßt und schüttelt, und so er ihnen nimmt das Regiment und vertreibt die Gewaltigen, und die Herren jetzt sind, Knechte werden, und so er nimmt den Geschlechtern ihre Lehen – wird der hohe Kurfürst bezahlen dem armen Jüden, der darauf lieh?« – »Der Kurfürst, was soll der Kurfürst hier?« – »War in der Stadt, am Tage, wo sie des Ferbitz Bude stürmten, war in der Stadt und saß auch auf der Bude und sah alles.« – »In der Stadt!« rief Herr Johannes. »Der Kurfürst! Was wollte er!« – »Glaubt Ihr, daß er hier war, um den Mummenschanz zu sehen, oder hat er dazu genickt, daß sein Fähnlein auf'm Rathaus unter'm Schornstein hängt? – Was hält er so lange Hof in Spandow, und die Fürsten kommen zu ihm aus Mecklenburg, aus Anhalt und Pommern, und strotzt sein Hofhalt von Rittern, die er gestraft hat und nicht gern sieht! – Die Glocken summen gar wunderbar. Was geht's mich an! Dem armen Jüden wird er nicht nehmen seine Lumpen.«

»Johannes Rathenow nicht sicher einem Juden!« murmelte der Bürgermeister, der das nur halb gehört. Es war auch zu viel in einer Stunde. Er griff rasch in die Brusttasche und legte ein Futteral auf den Tisch. »Sieh das Dir an!« Und bei sich sprach er: »Ich wußte es ja; der Traum log nicht.«

Als Baruch mit großer Emsigkeit das saffiane Futteral, mit Golde gestickt, geöffnet, überglänzte es sein blaß Gesicht, und die Hand zitterte, wie er die schweren Goldringe und die funkelnden Rubinen durch die Hand gleiten ließ. »Wieviel wollt Ihr, gnädiger Herr, darauf?« – »Siebenundvierzig Schock!« – »Siebenundvierzig nur. Echt venezianisch Gold. Gäbe auch fünfzehn mehr drauf.« – »Genügt Dir das Pfand?« – »Es genügt. Das ist Euer, das kann der Markgraf nicht nehmen.« – »So zahle.«

Da ging Baruch an seinen Kasten und schloß auf und zog heraus und schob wieder ein. Er rechnete an den Fingern und schüttelte den Kopf: »Wären der gestrenge Herr nur um sieben Stunden gekommen früher. Schade, ich krieg's nicht mehr zusammen.« – »Vor sieben Stunden –« »Mußt ich, so wahr Gott lebt, dem Markus Henoch geben, was ich hatte bar. Die kölnischen Herren brauchten's grade eilig. Aber nur Geduld bis morgen früh, gnädigster Herr, der Hahn soll nicht gekräht haben dreimal.« – »Was brauchten die kölnischen Herren so eilig Geld?« – »Für ihre Leute, Herr, die sie von ihren Dörfern holen lassen, in aller Eil; sind schon etliche Hundert drüben, untergebracht, als es geht, in den Schenken und Speichern. Die müssen doch auch bewaffnet werden und wollen bezahlt sein.« – »Wofür?« – »Wenn's schlimm ginge morgen. Sie sollen die Kirchtürme besetzen, damit die Bürger nicht Sturm läuten.« – »Sturm läuten! Wozu?« – »Wenn sie den Bürgermeister absetzen und die Klageakte ihm ans Haus nageln.« – »Die Klageakte!« – »Aber die siebenundvierzig Schock sollt Ihr haben, gestrenger Herr, so wahr der Gott meiner Väter ist über mir, haben, ehe die Frühstücksglocke schlägt. Da ist eine Verschreibung an Baltzer Boytin, der Mann ist itzt sicher. Sind's auch grad siebenundvierzig Schock. Morgen mit der Frühmette fällig. Nehmt sie, gestrenger Herr, ist wie gemünztes Gold. Der Boytin wollte schon heute zahlen. Morgen löst er Euch das Gold, 's ist gut Geld ohne Angst, Wohlweisheit, Ihr werdet das Geld brauchen; es wird ein schlimmer Tag werden.«

Da schwirrte es dem Johannes um den Kopf, als sei er in eines Zauberers Klause, und der, läßt allerhand verwirrende Bilder um ihn gaukeln. Als wäre er nicht mehr er selbst, der freie und mächtige Johannes, dessen Wort galt als Siegel und Schrift, und vor dessen Blick die Gewaltigen zitterten; als wäre er ein Gefangener und ein Leibeigener, verstrickt in tausend Bande, die er nicht sah, und nun sah er sie, da der Zauberer eines nach dem anderen vorrief. Er wollte die Verschreibung, die ihm der Jude gegeben statt Geldes, fortwerfen, aber er konnte es nicht, er hielt sie so fest, und seine Hand zitterte, und der Kopf that ihm wehe zum Zerspringen. Da eilte er, daß er hinauskam, denn ihm war schwindlig, ob es doch draußen gräßlich heulte und der Schnee schuhhoch fiel.

»Ihr thut wohl dran, daß Ihr eilt nach Haus. Denn wer weiß, was dort vorfiel. Sprechen sie doch auch davon, Euch bei der Feme zu verklagen wegen des alten Tydeke.« – »Des Tydeke von Aken! Was soll der!« – »Starb diesen Abend.« – »Mein letzter Freund im Rate!« – »Ja, ja, die Unbilden, so den Ratsherren widerfuhren neulich beim Nachhausegehen, schieben sie Euch auch in die Schuhe. – Ist ein feines Netzchen, wie die Herren es aneinanderreihen und beweisen. Werdet Euch verwundern. Habt Ihr auch die Kette wieder eingesteckt? Ihr gebt sie morgen dem Baltzer, wenn er das Geld bringt.«

Herr Johannes hatte sie nicht eingesteckt. Sie lag noch auf dem Tische, aber er forderte sie nicht wieder; er hüllte sich fest in den Mantel, und ohne ein Wort zu sprechen, verschwand er im Schneegestöber.

»Eine hübsche Nacht für uns!« murmelte Baruch, nachdem er ihm eine Weile nachgeschaut. Dann schob er mit dem Fuße den dicken Schnee fort, so eingedrungen war derweilen, und schloß leise die Thür und festigte sie mit Riegel und Schloß. Ein Lächeln von anderer Art als vorhin schwebte über sein Gesicht, und er trug sich höher, den Kopf aufrecht, als er nun in das Gemach trat und sein Auge schaute sich um nach dem Platze, wo sein Gast gestanden und gegangen war. Und so stolz ging Baruch umher, als der Bürgermeister traurig und gebückt. Mit dem Fuße stieß er den Polsterstuhl, darauf jener gesessen, in den Winkel, und griff mit der Hand nach dem Schmuck, nicht wie vorhin gierig und lechzend nach dem Gefunkel des Goldes und der Rubinen, sondern mit einem übermütigen, satten Lächeln, wie ein Kornhändler, der beim Sacke steht, die Weizenkörner durch seine Hand gleiten läßt. Er spielt nur damit.

»Weiß ich recht gut, was ihm wert ist das Halsband,« sprach er. »Und er gab es doch. Ei, ei, und ließ es mir auch sonder Verschreibung. Dahin gekommen, Herr Johannes, dahin gesunken Deines Hauses Stolz! Hier, da, beinahe auf den Knieen, bei Sohn des Mattheus, bei Enkel des Albertus! Gott meiner Väter, hätte das mein Vater gesehen, den der Mattheus werfen ließ sechs Wochen ins finstere Loch, hätte mein Großvater Isaak den Enkel des Albertus so gesehen! Gott Israels!« Da warf Baruch sich auf die Diele und halb betete er, halb sprach er für sich: »Der Albertus mit den blutrauchenden Händen, Gott Israels, wie er die Folter spannen ließ Dir, Vater meines Vaters. Die andern Richter riefen: Nun ist's genug, er hält's nicht aus. Und der Albertus lachte: Ei noch immer ein bißchen mehr! Ein Jude hat ein zähes Leben. – Hast Du gesehen Geist meines Großvaters Isaak, wie der Enkel des Albertus auf der Folter lag. Und Dein Enkel hat sie gespannt lang und scharf; er hat auch gerufen: Noch immer ein bißchen mehr!«

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