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Der Roland von Berlin - Erster Band

Willibald Alexis: Der Roland von Berlin - Erster Band - Kapitel 12
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typefiction
authorWillibald Alexis
titleDer Roland von Berlin ? Erster Band
publisherVerlag von A. Weichert
seriesWillibald Alexis' historische Romane.
volumeVierter Band.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zwölftes Kapitel.

Das Fest, das Herr Thomas Wyns gab, war gar lustig, wenn's auf die Pfeifer ankam und Paukenschläger und Trompetenbläser, so auf den Treppen stunden. Es wirbelte bis zum Oderberger Thor, wenn sie aufschlugen, und das geschah allemal, wenn ein Ratmann die Treppe aufstieg. Und die Pfeifen und großen Geigen flöteten und strichen so süß, wenn die jungen Herren auftanzten mit den schönen Frauen, daß es durch die krummen Gassen wie Elfenmusika in die Nacht tönte, und die Judenmädchen lauschten hinter ihren verschlossenen Fenstern, und das Herz schlug ihnen laut unterm Mieder, Das Fest war gar lustig, wenn man die schönen Weiber und rosigen Mägdlein ansah; so vieles bunten Schmuckes entsannen sich nicht die ältesten Leute. Das strotzte von Sammet und Seide in allen Farben, und goldenen Spangen und silbernen Schaumünzen um den Hals; und auch Perlen und Edelgesteine, kunstreich gefaßt, schimmerten am Busen und auf den Kappen, daß es eine Pracht war, es anzusehen. Und das Fest war lustig, wenn man die vielen Köpfe zählte, die sich in den Sälen drängten. Da fehlten sie von keiner Familie, die in den Rat kam. Aber das Fest war nicht lustig, wenn man die Gesichter der alten Herren betrachtete. Denn sie waren ernst und einige schauten verdrießlich; und sie traten in den Winkeln zusammen und wiegten die Köpfe, und wenn sich zwei begegneten, so schüttelten sie sich nicht die Hände, als vordem es geschah, herzlich und mit Lachen, sondern es las jeder, was in dem Gesichte des andern stände.

Doch hatten ihre grämlichen Falten gar keinen Einfluß auf das junge Volk, zumal die Frauen und Mägdlein, auf deren Wangen die Rosen prangten. Der Gelegenheiten zu Tanz und Spiel waren dazumal wenig in Berlin, und ein Kindtaufen oder eine Hochzeit hätte keine versäumt, und so schwer die Kleider waren, es schlug doch selten darunter ein so frohes Herz und ein so lustiger Sinn.

Die Jungfrau Elsbeth Rathenow schritt unter ihnen wie eine Lilie, die das Morgenrot anhaucht; und schwebte sie auch nicht wie ein Abendwind, der über ein Blumenbeet streift, so tanzte sie doch so leicht über die Dielen des Rathauses, als das mit rindsledernen Schuhen möglich war, und in Steppröcken, wie solche damals Mode gewesen. Die jungen Herren lächelten wohlgefällig, wenn der Zipfel ihres Kleides sie berührte, und die Luft, die sie wehte, dünkte ihnen wie voll Moschus und süßen Gewürzes. Von den stolzen Jungfrauen dagegen zupfte wohl eine die Nachbarin und sprach: »Du, der sieht man's doch an, daß ihr Vater Bürgermeister ist.«

Die älteren Frauen saßen in großer Würdigkeit um den schwarzen Ofen, angethan mit schweren weiten Kleidern, mit Puffen und Krausen und Pelzhauben, und sprachen sehr viel miteinander; und noch mehr verfolgten sie mit ihren Augen ihre Töchter, wie sie tanzten, und machten frohe und ernsthafte Gesichter, je wie die Töchter mit einem tanzten, der ihnen gefiel oder nicht gefiel.

Allen aber gefiel es wenig, daß die Eheherren heut' von nichts zu sprechen und denken wußten, als dem Vorfall am Morgen, und meinten, es schicke sich wenig für Herren vom Rate, um das Geschrei der Leute auf der Gasse sich zu kümmern. Sie bedauerten sehr den wackern Herrn Pawel Strobant, der verwundet zu Haus liegen mußte; und desgleichen, daß der gute Herr Johannes Rathenow so viel Schimpf auf seinem Wege ausstehen müssen.

»Ja, ja, das kommt davon!« sagte die eine.

»Und wäre der Klaus Eisenberg nicht gewesen, der Bierschröter,« sprach die andere, »es wäre ihm noch schlimmer gegangen.«

»'S ist eine arge Welt itzund!« sagte Frau Elsbeth Bergholzin, und seufzte tief auf, und drei oder vier seufzten mit ihr.

»Das war doch sonst ganz anders!« sagte Frau Anna Rykin, Konrad Rykes, des Ratmannen Ehegattin; und zählten die Ryke zu den allerreichsten Geschlechter der Stadt Berlin, wie man es an den Goldknöpfen ihres Mieders und den Schaumünzen um ihren Hals sehen konnte.

»Und es wird immer schlimmer,« sprach Frau Eusebia Hoppenrade.

Darin stimmten ein fünf und sechs bei. Die eine erzählte, was vor fünfzig Jahren das Pfund Honig gegolten, und wie das Jahr um Jahr aufgeschlagen hatte. Eine andere wußte, daß noch vor zwanzig Jahren kein Meisterweib sich unterstehen dürfen, silberne Flügelhauben zu tragen. Eine dritte meinte, die Martinigänse kämen immer magerer vom Lande, weil bei den Pächtern und kleinen Leuten keine Gottesfurcht sei. Jeder denke nur an sich und nicht an seiner Herrschaft Vorteil.

»Das wird ihnen wohl gelehrt!« meinte die Bergholzin, »daß das Volk aufsässig wird und Gott und Obrigkeit nicht gehorsamt!« wozu Frau Anna Rykin wohlbedächtig mit dem Kopfe nickte und sprach:

»Welcherlei Saat wir aussäen, solcherlei Frucht ernten wir auch. Welcherlei Mann sich überhebe, der wundere sich nicht, wenn er strauchelt. Wer sich mit dem Volk einmal gemein macht, der kann nicht das andere Mal sagen: rühr mich nicht an.«

Da nickte die Bergholzin aus Köln mit einem sehr schlauen Blick: »Als bei den Rykes das Regiment war in Berlin, stand es anders.«

»Wüßte mindestens nicht,« fuhr Frau Rykin fort, »daß die in Gott ruhenden Väter meines Eheherrn jemalen mit der Gemeinheit unter einer Decke gespielt, daß sie drum in Schmach und Schanden abdanken mußten, und aus dem Thor ziehen und Gott danken, als auf ihr Fürbitten der Rat wieder Frieden mit ihnen schloß und sie heimkehren durften, wie verlorene Söhne.«

Worauf das zielte, wußten alle, und sie sahen sich vorsichtig um, ob keiner von den Rathenows und ihren Freunden in der Nähe stund.

»Schau mir einer,« sagte eine Matrone, »wie das junge Volk auf die Jungfer Elsbeth gafft. 'S ist doch hübsch von Seiner Weisheit, daß er uns wenigstens die Tochter schickte, wenn er sich selbst zu gut für uns hält; die ist gut genug für uns.«

»Ei was,« sprach Frau Hoppenrade, »das gnädige Fräulein wird sich auch schicken lassen! Der Vater muß ja nach ihrer Pfeife tanzen. Ist ein liebes Kind, ein schmuckes Kind; aber was zu arg ist, ist zu arg. Würde mir, wenn ich Herr Johannes wäre, das doch nicht gefallen lassen. Es bringt ihn ja um Ehr' und Ansehen in Haus und Stadt.«

»Wer nicht im Haus das Regiment hat, wie mag er's in der Stadt führen,« sagte eine andere.

»Die Mutter war eine liebwerte Frau,« sagte Frau Rykin, »meine liebe Freundin. Gott habe sie selig.«

»Man kann wohl sagen, die nahm der Herr in seiner Gnade zu sich, daß sie das nicht mehr mit Augen sehen sollte,« setzte eine andere hinzu.

»Ja, ja,« sprach, den Blick zu Boden, die Hoppenrade. »Der Herr schlägt manchen mit Blindheit. Aber der alte Herr Schumm sieht doch sonst recht scharf.«

Die Bergholzin fügte dem hinzu: »Er hätte drüben in Köln auch Töchter finden können. Die lange Brücke wird auch nicht brechen, wenn sie die Mitgift der Jungfer nach Köln fahren.«

»Nun, nun,« sprach Frau Anna Rykin und hob ihren Kopf um einige Zoll in die Höhe. »Was nicht an Geld, das kommt sonst mit. Wüßte doch in Köln kein Haus, das sich's nicht zur Ehre rechnen sollte, wenn's in eine Ratsfamilie zum alten Berlin heiratet.«

Die Frauen aus Köln verzogen ihre frommen Gesichter zu etwas bösen Mienen; aber den Rykes hatte noch niemand das Alter ihrer Familie streitig gemacht. Sie schwiegen und versparten sich für eine andere Gelegenheit die Antwort, denn eben lieh Herr Dietrich Wyns Früchte, Eingemachtes und allerhand Süßigkeiten herumreichen und begleitete jede Schale mit ebenso süßen Worten, worauf die Matronen genötigt waren, auch Süßes zu antworten.

Und war die Einigkeit bald wieder hergestellt, denn alle Frauen, so aus Köln als Berlin, darin waren sie einig, daß Herr Bartholomeus Schumm für seinen Sohn Melchior sich besser umsehen können, als er gethan, und eine jede wußte etwas und dachte noch mehr. Aber als die holdselige Elsbeth, da der Tanz innehielt, wie es sittigen Jungfrauen ziemt, nicht dablieb, wo die Herren waren, vielmehr sich unter die Matronen setzte, hätte man denken mögen, es sei einer jeden liebes Kind. So viel Artiges sagten sie ihr, und fragten sie nach allem, wie es im Hause gehe, nach dem lieben Vater, der Muhme Gertraud; und gar schelmisch lächelte Frau Bergholzin, als sie fragte: ob es der Jungfrau nicht zu eng werde in dem kleinen Hause?

»Ja, ja, Du Schelmenaug, in der Brüderstraße möchtest lieber wohnen als bei Sankt Nikolai im Winkel: mir hat's 'ne kluge Frau gesagt. Und ihr Vater sagt, er will sie drum gar nicht mehr lieb haben und aus Berlin weisen. Aber komme nur nach Köln zu uns. Wir wollen Dich lieb haben, so wie Du die heiligen drei Könige! besonders den Melchior. Hu, seht mir, wie das fromme Kind feuerrot wird.«

Auch als jetzt die Geiger und Pfeifer wieder zum Tanz aufspielten und, der Jungfer Elsbeth sehr willkommen, ihr Tänzer sie abholte, ehe sie antworten konnte, sie wußte nicht was – waren die Frauen noch eine Weile ihres Lobes voll.

»Und daß solch ein blutjunges Ding ins Gerede kommen sollte!« sprach Frau Hopftenrade mit einem ehrbaren Gesichte und schüttelte unwillig den Kopf, »Wir sind nicht Freund mit den Rathenows, und haben wahrhaftig Grund dazu, aber das ist schlecht von den Leuten, sage ich; denn was hat eine Jungfrau Köstlicheres als ihre Ehre? Ist zwar ein bißchen hochmütig – Du lieber Gott, das muß sie wohl lernen; aber so unschuldig wie ein neugeborenes Kind, darauf will ich das Abendmahl nehmen.« Da steckten die Matronen die Köpfe zusammen und man hörte Henning Mollners Namen zischeln, und sie zuckten die Achseln und sahen ehrbarlich zu Boden und dann sich wieder an.

»Es wäre doch abscheulich,« fuhr die Hoppenradin fort, »so das arme Kind des Vaters Schuld büßen müßte. Aber das kommt daher. Was mußte ein Patrizier ein zünftig Kind in sein Haus nehmen, nicht wie ein Gesinde, sondern als wär's sein eigenes. Gleich und gleich das schickt sich. Daher ist die Suppe eingerührt, und wer weiß, wer sie ausessen muß,«

Da aber erhob sich Frau Anna Rykin und schüttelte den Kopf: »Gleich und gleich schickt sich, es schickt sich aber auch, alldieweil wir Christen sind, daß wir mildthätig sind, und will nicht glauben, daß jemand meine in Gott ruhende Freundin Brigitte Rathenow darum schilt, daß sie aus Christenpflicht und Mildthätigkeit eine Waise ins Haus nahm und sie aufzog, als wär's ihr eigen Kind. So wir die Frucht ernten, die wir säen, so wird das Haus darum Ehre haben und nicht Schande. Und Herr Johannes Rathenow soll darum nicht gescholten werden.« Da schwiegen die andern, und Frau Rykin nickte sehr holdselig und freundlich der Elsbeth Rathenow zu, wie sie bei ihr vorübertanzte.

In dem gewölbten Nebenzimmer aber, wo die Herren sich zurückgezogen, strahlten die Kerzen nicht so hell als im Bankettsaal. Waren ihre Gesichter doch auch nicht heller. Wer sie neulich schreien gehört im Haus auf der langen Brücke, hatte sich verwundert, wie sie hier still nebeneinander saßen, und ihre Stimme war nicht wie ein Gewitter, das über den Dächern brüllt, und die Fenster zittern, es war nur wie ein Donner, der fern abzieht in den Bergen. Er grollt, aber er schadet nicht mehr.

»Was will er von uns?« sprach einer.

»Sollten wir ihn begleiten, wie die Henne ihre Küchlein,« sagte ein anderer. »Ihm, wenn er durch die Gassen geht, 'nen Schirm über den Kopf halten, daß kein Dachstein ihn trifft!«

»Und will er, daß der Rat ihm abbitte,« sprach jener, »was den Rat nichts angeht?«

»Nichts angeht!« fuhr ein dritter auf. »Seit Menschengedenken ist das nicht gehört.«

»Man wird noch mehr hören,« sagte ein Vierter.

»Nichts angeht!« fuhr jener eifrig fort, »Wenn das Volk einen Ratmann losschlagen will, geht das den Rat nichts an?«

» Will!« fiel Herr Matthis Blankenfelde ein. »Wohl unterschieden! Es kam ja nicht dazu, überdem bin ich der Meinung, daß in solchen Zeiten Vorsicht not thut. Ein kluger Mann läßt geschehen sein, was geschehen ist. Wer scharf sieht, thut doch gut, wenn er zuweilen ein Auge zudrückt.«

Einer von Berlin murmelte zwischen den Zähnen: »Freilich ist's für Herrn Blankenfelde gut, daß der Rat das Auge zudrückt. Thäte er's auf, müßte er den Kölner Ratsherrn verstricken, der auf offenem Markt das Schwert zog und der Stadt Frieden brach.«

Da fuhren einige Kölnische auf und wollten, was nur einen von ihnen anging, als Kränkung für sie alle aufnehmen. Aber Herr Konrad Ryke schüttelte seinen Kopf:

»Ich meine, es ist ein Schimpf, so gleich gilt für Kölner als Berliner, wenn der Bürgermeister beider Städte nicht kommen will, wo die Ratleute beider Städte sitzen!«

Herr Thomas Wyns schüttelte die Achseln: »Er hat melden lassen, er sei krank.«

»Und morgen im Rat schreit er Euch, daß die Mauern schallen,« sprach Herr Trebuß.

»Aber,« sprach Tydeke von Aken, der älteste unter den Anwesenden, »es ist unerhört, was heut geschah. Der Stadt Friede ist gebrochen, der Stadt Ehre ist gekränkt.«

»Laßt ihn Klage anbringen!« rief einer.

»Er klagt ja nicht wider sie, er murrt mit uns,« sprach ein zweiter.

»In alten Zeiten,« fuhr der alte Tydeke fort, »hatte kein Ratmann ein Aug' zugethan, noch seinen Kopf auf das Pfühl gelegt, bis denn daß solcher Schimpf gerächt war und zugerichtet. In einem Ratmann wird der Rat, in einem Ältermann die Stadt und das gemeine Wesen gekränkt.«

»Das gemeine Wesen!« lachte Hans Heidecke. »Laß ihn sich Recht schaffen, laß ihn die Gilden verklagen; wir haben nichts dagegen.«

»Klagt uns etwa der Pawel Strobant an?« fiel ein anderer ein. »Dem ging es an Kopf und Kragen.«

»Überdem, werte Herren und lieben Freunde,« erhob sich Herr Matthis Blankenfelde so leicht und mit so behaglicher Gebärde, als wie etwa, wenn heutzutage, wo sie so vertraulich konferieren, ein Staatsmann aufsteht und, die Hände in den Seitentaschen, seine Freunde anredet, als hätte er sie selbst in der Tasche; »überdem wir sind hier unter uns, und ich frage, was hat die Sache auf sich? Die Leute waren lustig, Fasching rückt an. Von der einen Seite kam der Mummenschanz, von der andern Seite Wohlweisheit. Der Mummenschanz sagte – was weiß ich, was er sagte; vermutlich, daß er nichts von Seiner Wohlweisheit wissen wolle. Seine Wohlweisheit hätten nun weise gehandelt, wenn sie dasselbe gedacht, denn was braucht ein Bürgermeister von Narren zu wissen? Da machten sie aber vor der Zeit Fasching: sie tauschten die Rollen: die Narren waren klug und merkten den Bürgermeister nicht, der Bürgermeister aber war nicht klug und merkte die Narren. Da kam, was nicht ausbleiben konnte.«

Herr Konrad Ryke sagte mit Nachdruck: »Ist Eure Ansicht, Herr von Blankenfelde.«

Der alte Tydeke stampfte mit dem Stocke auf den Boden: »Was dulden die Städte Narren in ihren Mauern!«

Und da sprach der alte Mann vieles, was recht erbaulich klang, gegen die fremde Sitte, so die Väter nicht gekannt, und sei sie herüberkommen mit den Fremden aus Bayern und Franken, und sei das nicht das einzige Übel, was man ihnen verdanke.

Herr Blankenfelde aber lachte: »Die alten Heiden haben eine Göttin gehabt, ward ich gelehrt, so in einer Büchse den Menschen alle Übel gebracht, und als sie einer aufmachte, flogen sie wie die Heuschrecken ins Land. Nun will ich Herrn Tydeke nicht abstreiten, daß ein gut Teil davon noch in der Büchse war, als die Hochdeutschen ins Land kamen. Aber die Narrheit, Ihr Herren, war vor alters bei uns als wie in jeder Stadt zu Haus, und wer sie auskehren will, der sehe für, ob er sich nicht selber im Kehricht findet.«

Und da sie eine Weile nachdenklich schwiegen, hub Herr Blankenfelde lächelnd an: »Rede niemand gern Böses nach, aber das steckt so im Blute. Habe mir erzählen lassen, sie saßen mal beinander, der Tile und Albertus, im kleinen Stübchen dort am Ratssaal, und hielten Rat so nach ihrer Weise bei süßem Wein. Und an der Spree war viel Lärm; es ward ein schlimmes Weib ersäuft, und das Volk lief zusammen! Da hub der Tile Wardenberg das Glas und sprach: »Schwager Albertus, auf den Sack! Angestoßen!« – »Welchen Sack?« fragte Albertus. – »Einen,« antwortete der Tile, »darin wir unsere Feinde stecken!« – »Der müßte sehr groß sein.« sprach wieder Herr Albertus. – »Nicht größer,« antwortete Herr Tile, »als daß der Rat drin Platz hat.« Da wollten sich beide ausschütten vor Lachen, und der Rathenow sprach: »Dem Leineweber, der solchen Sack uns webte, gäb' ich meine einzige Tochter zum Weib.« – Dazumal riß der Sack, aber Leineweber giebt's noch, und –« setzte er leiser hinzu – »Töchter auch, womit man sie bezahlt.«

Da lachten die alten Herren recht heimlich und innig, keiner aber sprach ein Wörtlein.

»Ihr, Herr Tydeke von Aken,« fuhr Herr Blankenfelde fort, »müßt es ja noch von Eurem Vater seliger wissen. Sie fließen auch nicht in die große Lärmtrompete und schrieen's von unserer lieben Frauen Turm herunter: Wir wollen der Stadt Regiment umdrehen, das Unterste soll zu oberst kommen. Aber was sie thaten, das wissen wir alle.«

»Ja,« fiel Tydeke von Aken ein, »sechs Tage hatten beide die Schlüssel zum Kasten allein, und mein Vater, der Kämmerer war und noch jung, kam drum in arge Schuld, daß er sie ihnen gelassen. Und prahlten doch bei der Gemeinheit, sie wollten's nicht gestatten, daß man der Stadt Geld mit Mänteln aus dem Hause trage.« – »So ist's,« fielen mehrere Stimmen ein.

»Doch ist's nicht recht, Ihr Herren, was gerichtet ist, wieder vorbringen,« sprach Herr Ryke. »Die Wardenberg haben mit ihrem Blute gebüßt –«

»Und mit den Rathenows hat die Stadt sich vertragen,« fiel Herr Blankenfelde ein. »Das sag' ich ja auch. Nur denk' ich d'ran, wie Kaiser Karl unsern Vätern gebot, daß sie die aus dem Rat stießen und nicht wieder wählten. Und unsere Väter gehorsamten; dachten, nun sei's gerichtet und abgemacht. Aber sie steckten sich hinter die Gemeinheit. Versprachen ihnen, sie sollten ewiglich schoßfrei werden, wenn sie wieder zum Regiment kämen. Das gab ein Lärmen und Toben.«

»Weiß ich's doch auch von meiner Mutter,« sprach Herr Hoppenrade, »wie die Gewerke durch die Straßen zogen mit Fahnen und Trommeln.«

»Unsere Väter waren gewiß Männer, die nicht zuckten, wenn der Feind vor ihnen stand,« fuhr Herr Blankenfelde fort. »An dem Tage wurden sie blaß. Wie das so drei Tage durch die Stadt getobt, und die Bäcker schlossen ihre Laden und die Schlächter die Scharnen, und die Knochenhauer zogen mit ihren Messern durch die Gassen, und das Volk stand um's Rathaus und schrie nach Brot und Fleisch, da gaben sie nach, und kürten den Tile und Albertus aufs neue in den Rat.«

»Und sie wirtschafteten ärger denn je,« fiel Hans Heidecke ein.

»Herr Konrad Ryke hat ganz recht, das sind vergessene Dinge,« fuhr Matthis Blankenfelde fort, »und mir kommt es nicht bei, was heut geschieht, mit damals zu vergleichen. Denn warum? Unser Bürgermeister ist ein strenger, ein rechtschaffener Mann, das muß die ganze Gemeinheit zugeben. Die Bürger sagen, er sei hoffärtig, er behält den Nacken zu steif, wenn er grüßt, und zu uns, spricht er nicht immer von des Rats uralten Rechten? – Nun, wer sich entsinnt, so machten's ja der Tile und Albertus zu Anfang auch,«

»Wenn man's gewußt, was nachher kam, man hätte sie nimmer gewählt,« sprach Herr Bergholz,

»Ja, so man immer wüßte, was nachher kommt!« fuhr jener fort. »Zuerst, wenn er über die Gasse ging, ich meine der Tile, war's nur mit vieren, dann mit zehn, zuletzt folgten ihm fünfzig, und alles mußte ausweichen. Endlich, wenn's hieß: Der Tile und der Albertus kommen, dann zogen die Buben und die Gesellen hinterdrein, und tobten und schlenkerten die Mützen, und wer des Weges kam und nicht stehen blieb, und am Fenster lag und den Hut nicht zog, den schimpften sie und warfen mit Steinen.«

»Und nachmalen trank er im Ratskeller mit Hinz und Kunz!« fiel einer unwillig ein. Herr Blankenfelde schüttelte sehr ehrbar den Kopf: »Bei der unbefleckten Jungfrau, wozu sich gute Leute verstehen, um der Herrschaft willen! Das weiß ich, Ihr Herren und lieben Freunde, was wir auch haben, und mit Grunde haben, gegen unsern Johannes Rathenow, das thäte er nicht, so weg würfe er sich nimmer,« – »Er will ja mit uns auch nicht trinken,« lachte einer auf. »Dünkt sich besser als wir,« ein anderer.

Herr Konrad Ryke war aufgesprungen: »Summa, Ihr Herren, wir finden's nicht fein und gut, daß er grollt.«

»Und itzo grollt,« fiel ein anderer ein, »wo Rat und Bürgermeister zusammenhalten sollten.«

»Und jetzt grad dem Mollner auszahlen will,« sprach Herr Blankenfelde, wie nur zu einem Nachbar, aber es hörten es alle. »Denn böse Leute könnten meinen, er thue es nicht um den Mollner, sondern um sich.«

Man horchte auf.

»Mir und wem von uns käme solch ein Gedanke bei? Doch wenn sie hören, daß die Schuld des Mollner, die dreißig Jahre anstand, um die die Städte dreißig Jahre sich stritten, ich sage nicht, auf welcher Seite das Unrecht ist, aber dreißig Jahre zanken wir drum, und warum soll der Mollner morgen die siebenundvierzig Schock ausgezahlt haben, grade morgen?«

»Morgen?« fragten zehn Stimmen.

»Morgen in der Früh ist er beschieden. Will ihm rein auszahlen.« – »Aus dem Stadtkasten?« fuhren zehne auf.

»Ei, wer dächte das vom Johannes! Aus seinem eignen will er's bezahlen. Nun, hat er so viel übrig, warum nicht! Er ist's dem Henning schuldig, sagen sie. Immerhin, nur mein ich, es sei nicht die rechte Zeit, nicht rechter Schick grad jetzt, nach solchem Tage. – Wenn wir ihm morgen zahlten, meint Ihr nicht, sie lachten sich ins Fäustchen, die Gewerke, Herr Gott, was würden sie lästern. Doch was kümmert das Herrn Johannes. Er hat den Henning und seine Sippe hinter sich.« Es hatte eingeschlagen. »Wer möchte das von Herrn Johannes Rathenow denken!«

»Das sag' ich ja auch. Ich denk' es nicht; ich mein' es nur. Versteht mich, Ihr Herren von Berlin, ich, als ein Kölnischer, möcht' es auch nicht meinen; denn was geht es mich an, Ihr drüben müßt es besser wissen. Ich mein' es auch nicht als Matthis Blankenfelde. Nur als gekürter Ratmann mein' ich, der gute Leumund eines Bürgermeisters sei uns allen wert. Ja, ließe er ihn aufs Rathaus fordern bei hellem Tage, und selbst ihm aufs Brett zahlen vor aller Augen, es wäre besser, mein' ich, als heimlich.«

»Wollt Ihr's morgen im Rat vorbringen?« fragte Konrad Ryke. –

»Ich! Behüte Gott, daß ich noch einen Stein in den Weg würfe. Das geht Euch Herren von Berlin an. Nicht so, Herr Bartholomeus, wir mögen nicht neues Öl ins Feuer gießen; aber Wir von Köln verhandeln auch nicht mit unsern Gewerken.«

Was sehr dicke Leute zu jener Zeit, wo man noch nicht rauchte, in Männergesellschaft anfingen, nämlich mit ihren Gliedmaßen und dem Munde, wenn sie stundenlang im Armstuhl saßen und sonst nichts thaten, berichten uns die Chroniken nicht. Aber wenn man 1442 schon geraucht hätte, würde Herr Bartholomeus Schumm jetzt den Rauch aus dem Munde geblasen und seitwärts gespuckt haben, als er ein gleichgültiges »Pah!« durch seine vollen aufgeworfenen Lippen stieß. »Will der Johannes den Tuchkratzerjungen abzahlen, was schiert's Euch?«

»Er will ihn los sein, meint unser Herr Bartholomeus,« sprach der Blankenfelde; »das sag' ich ja auch. Gewiß nichts mehr; wenn nur die Leute nichts anderes munkelten.«

»Na, was munkeln sie denn?« fragte Schumm, die ausgebreiteten Hände auf den mächtigen Knieen, und er hielt es nicht der Mühe wert, die eine zu erheben, daß er sein Gähnen verberge.

»Gevatter und Nachbar,« sprach Herr Bergholz, »hoffentlich munkeln sie nicht, daß es Euch lieb ist, wenn die Rathenows mit Schustern und Schneidern Kumpanei stiften,«

»Pah!« stieß der reiche Mann abermals von sich, Luft schöpfend. »Meinethalben mit dem Bettelvogt, wenn sie Lust haben.«

»Soll der Euch zur Hochzeit Eures Melchior aufspielen?«

»Je mehr Musika, so besser.«

»Und der Junker mit der Kratzbürst mit der Jungfer Else tanzen?«

»Will er's drauf wagen, die Treppe 'nunterzufliegen, mag er kommen.« Herr Schumm stand hier auf, und es war, als standen alle seine Geldsäcke mit ihm auf, einer über den andern getürmt, und schüttelten sich klirrend, und in seinen Augen, sonst von wenig Ausdruck, leuchtete etwas, das dem Glanz des Silbers, oder sei es auch nur des Bleies, wenn es im Schmelztiegel glüht, ähnlich sah. »Bei den elftausend Jungfrauen, Ihr Herren, wenn Bartholomeus Schumm für seinen Sohn auf die Freite geht und ihm ein Weibsen gewählt hat, so meint er, ihre Sippe hat genug an seiner Freundschaft, und braucht nicht unter den Tuchkratzern nach Anhang zu suchen, daß sie in Berlin feststeht. Im übrigen schiert's mich nicht. Das mein' ich.«

Die Dielen unter ihren Füßen zitterten noch etwas, als der Ratmann von Köln hinausgegangen, und die Herren sahen sich mit unterschiedlichen Blicken an; und es war eine Weile sehr still.

Am schwarzen Ofen gelehnt, stand ein Mann, mehr lang als dick; man sah's den gedrungenen Gliedern an, daß öfter der Harnisch drum geschnallt war, als sie im geschlitzten Wams steckten; sein Gesicht war von der Sonne gebräunt, und sein Bart kürzer zugestutzt als der der andern. Auch trug er einen Knebelbart, der bis an die Backenknochen aufsprang. Es war ritterlich so die Gestalt als sein Blick, der nicht sehr vergnügt über die Versammelten hinschaute; denn die aufgeworfenen Lippen verzogen sich wohl bisweilen zu einem spöttischen Lächeln, derweilen die andern sprachen und er schwieg. Zu dem trat jetzt Hans Heidecke und sagte lächelnd: »'S ist was in seiner Art, das nach dem Bottich schmeckt. Nicht so, Ritter Britzke?«

»Bin mit der Art nicht bekannt,« antwortete der Ritter trocken.

Als jetzt die willkommene Botschaft durch Trompeten im Saale gegeben ward, daß die Speisen aus der Küche sich dorthin in Bewegung setzten, machte sich alles auf die Beine, um noch den letzten Abtanz vorm Tischgehen mit anzuschauen. Der Ritter Britzke aber blieb am Ofen und außer ihm ein anderer zurück, der auch etwas Soldatisches hatte, nach dem zugestutzten Bart zu schließen, ob er wohl sonst von Körper stattlicher gebaut war, und in feineres Gewand gekleidet.

»Die Pestilenz über die Käsekrämer!« rief der Ritter Britzke, indem er an den Tisch trat und eine volle Kanne durch die trockene Kehle stürzte, als sollte das Bier das, was er anhören müssen, fortschwemmen. »Ist's keine Schande, Ritter Ruthnik, für 'nen guten christlichen Ritter, im Dienste dieser Wollschaber zu stehen, sprecht!« Er strich mit der Hand den Knebelbart und mit der anderen geleitete er wohlgefällig von außen das Bier in den Magen hinunter.

»Lüstet's Euch denn, Gevatter, so über die Maßen zurück nach Britzhöfel? Nach den kahlen Lehmwänden, wo die Wanzen drin Versteck spielten, daß ein Christenmensch keine Nacht schlafen konnte, und wenn Ihr einen Gast aufnahmt, war er am Morgen wie ein gesottener Krebs. Eigentlich solltet Ihr dem Burggrafen Dank wissen, daß er Euch von Euren eingefleischten Feinden losmachte, als er das Nest niederriß.«

»Hol' sie alle!« rief der Hauptmann.

»Oder lüstet Euch, wenn Ihr bei der Küche der Käsekrämer vorbeisteigt, und die Ochsenrücken und Puter duften am Bratspieß, daß die Krähen oben auf dem Dache nach schnuppern, lüstet Euch da nach der alten Buchweizengrütze, die Euch die alte Base mit dem Pickelgesichte tagaus tagein kochte, so Ihr nicht Festtags einmal ein Schwein von der Straße mitbrachtet, das sich verirrt hatte? Oder lüstet Euch beim Bernower Bier und dem perlenden Malvasier nach dem dünnen Trank, den Ihr einmal der Base ins Gesicht goßt, weil er so sauer als ihres? Ich sehe noch, wie Muhme Ursel aufkreischte – ein Blick war das, um alle Ketzer in die Hölle zu jagen.«

»'S ist keine rechte Kumpanei mehr beim Adel,« sagte der Ritter, auf den Tisch schlagend. »Jeder hält für sich, seit die Nürnberger im Lande sind.«

»Sagt das nicht, Eitelwolf. Denn Eure Base war doch von so gutem Adel als eine hier zu Lande. Und sie hielt drauf so zu Euch mit ihren Fingern und Nägeln, daß Ihr sie nicht wieder los werden konntet, und Ihr krabbeltet und wälztet Euch auf der Erde, daß der Tisch umschlug.«

»Dienen im Krieg ist nicht Schande. Aber ihnen Reverenz machen –«

»Ihrem Gelde, bedenkt das! So Euch der Dienst nicht behagt, kündigt. Lauft zum Nürnberger, sprecht: habe mich anders besonnen, danke unterthänigst für die Lektion, so hochdero Vater seliger mir gegeben. Bin ganz zu Kreuz gekrochen, wünsche nicht anders, als kurfürstlichen Gnaden zu dienen, auch sonder Lohn, zu hungern, dursten, frieren, mir Beulen schlagen lassen und krepieren, bloß und allein, um kurfürstlichen Gnaden gefällig zu sein, und hatte ich noch zehn Burgen, würde ich sie allesamt mit Vergnügen von meinem gnädigsten Herrn niederreißen, schießen und brennen lassen.«

Eitelwolf Britzke lachte auf: »Sie sagen, es könne mal losgehn zwischen den Städten und dem Markgrafen.«

»Wenn's nicht besser geht, als bei den Rittern, thäten die Städte gescheiter, zu Haus zu bleiben,« sagte Ritter Ruthnik aufstehend. »Und noch was, sag' ich Euch im Vertrauen, Gevatter. Laßt keine Schüssel vorübergehn, die sie Euch vorsetzen, und wenn sie Euch den Becher füllen, so trinkt ihn aus, denn Ihr wißt nicht, wie lange ihr Faß hält. Es giebt gar viele, die hungern, und die heute den Braten vorschneiden, könnten morgen vor der Thür auf die Knochen warten.«

»Ich gönn's ihnen,« sprach Ritter Britzke, und zeigte mit dem weit aufgerissenen Munde eine Reihe Zähne, die einem Wolfe Ehre gebracht.

»Wie! Wollt Ihr Euch denn mit den Schustern und Knochenhauern zu Tisch setzen?«

»Sie fürchten sich vor dem Henning Mollner. Der Junge gefällt mir,« sprach der von Britzke.

»Wenn die Gewerke aufs Kalbsfell schlagen und dem alten Regiment den Garaus spielen, meint Ihr, Gevatter, daß Euch das gefallen wird? Möchte der Ritter Eitelwolf Britzke lieber Hauptmann sein von den Gilden als von den Geschlechtern?«

»Wo's was zu thun giebt, da bin ich.«

Der Ritter Ruthnik machte ein ernsthaftes Gesicht: »Mir klingt's im Ohr. Gevatter, daß Euer Wunsch bald erfüllt wird. Hört doch, wie es draußen mäuschenstill ist, wenn die Musika hier schweigt; just wie der Rat heute morgen still war, als das Volk lärmte. 'S ist aus mit der Harmonie zwischen ihnen, es stimmt nicht mehr –«

»Drauf und los!« rief der andere.

»Los, freilich, es wird vieles losgehn, was zusammenhielt. Wer aber soll's wieder zusammenbinden?«

»Gevatter Ruthnik, mir fällt was bei!«

»Ei der Tausend!«

»Nämlich was ich wünschte. Sie müßten sich einander auffressen, die Geschlechter und die Gewerke, Köln und Berlin, und die Städte und die Markgrafen. Holla! das wäre ein Ausessen! Ein guter Mann könnte sich scheckig lachen.«

»Und was weiter?«

»Dann hätten wir Ruhe.«

»Ihr wollt ja keine Ruhe.«

»Blitz, wollten uns selbst schon was zu schaffen machen, wenn die Wege frei wären von den gnädigsten kurfürstlichen Reitern, die keinen ehrlichen Gesellen aufkommen lassen, und die markgräflich kaiserlichen hochnotpeinlichen Halsgerichte zum Teufel führen, und die fetten Stadtratzen keine Mauern mehr fänden, in die sie die dicken Leiber quetschen, wenn ein guter Mann hinter ihnen drein ist!«

»Lieber Vetter und Gevatter Britzke!« sprach der andere, indem er ihn freundlich am Wams faßte, »ich will Euch dreierlei zu bedenken geben. Erstlich, wenn's keine Städte gäbe, gäb's auch keine Kaufleute, und wenn keine Kaufleute, auch keine Warenzüge. Würdet dann viele lange Weile ausstehen am freien Wege. Zweitens bedenkt, und das sage ich Euch als guter Freund, daß Ihr geschworner Hauptmann seid, vor Rat und Stadt geschworen, darum denkt, was Ihr denkt, so wenig es auch ist, für Euch allein: und drittens, wenn wir noch lange hier plaudern, so lauft Ihr Gefahr, daß die Ratsherren die besten Stücke für sich schneiden und Ihr von den Braten den Hundeteil bekommt. Ihr werdet aber doch lieber mit den Herren essen, als mit den Hunden.«

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