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Der Roland von Berlin - Dritter Band

Willibald Alexis: Der Roland von Berlin - Dritter Band - Kapitel 13
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typefiction
authorWillibald Alexis
titleDer Roland von Berlin ? Dritter Band
publisherVerlag von A. Weichert
seriesWillibald Alexis' historische Romane.
volumeSechster Band.
correctorreuters@abc.de
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Dreizehntes Kapitel.

Am Abende des Tages redete man wenig zu Berlin, und zu Köln auch nicht, von der unterbrochenen Hochzeit, und am folgenden Tage desgleichen nicht. Da hatten sie von andern Dingen zu sprechen und sich zu unterhalten. Da wurden die Verwundeten gepflegt und die Toten begraben. Da brannten die Feuer auf allen Herden, und große Kessel brodelten darüber. Auch auf den Plätzen loderten hie und da Feuerbrände, und man schaute wilde Gesichter mit großen Schmarren und fürchterlichen Bärten. Man hatte sie nie vordem in Berlin gesehen, und ihnen war's auch fremd, das schaute man an ihren neugierigen Blicken, damit sie alles anstaunten. Man konnte sich wohl vor ihnen entsetzen, begegnete man ihnen allein; aber die Bürger verkehrten mit ihnen als mit lieben Freunden, und brachten ihnen in Körben Brot und Fleisch und Bier und tranken ihnen zu. Und die Speicherhäuser und manche Bude wurden aufgeschlossen, daß die Bundesgenossen drinnen übernachteten. Und ihr Hauptmann ward in das hohe Haus gelegt in der Klostergasse, wozu freilich mancher, und Johannes Rathenow voran, den Kopf schüttelte und dagegen sprach, denn sie hatten ja auch ihre Gefangenen dahinein gelegt; aber wo sollte man ihn unterbringen! »Wollt Ihr ihn in Euer Haus nehmen?« fragte ihn der Blankenfelder. Und so wollte keiner dran, auch die nicht, die größere Häuser hatten.

Als sie ihre Gefangenen zählten und ihre Namen, nämlich was gute Leute waren, im Rathaus verschrieben, da wunderten sich die Herren doch selbst. So viele und so ansehnliche Ritter waren darunter. Ein Barfuß, Rohr, zween Sydow, Hannecke Arnim, Balthasar Röder, der junge Schulenburg, Lüdecke Stechow, der Wilkin Quast, auch sein Sohn Ruprecht und sein Neffe, der junge Tydeke, item Busso Voß und noch mancher Mann. Viele waren arg zugerichtet und zerklopft, und sie nahmen ihnen nur ihre Schwerter ab und gaben ihnen ritterliche Haft dort im hohen Hause. Zuvor aber bekamen sie einen Ehrentrunk, als es sich schickt. Als Busso Voß seinen Becher geleert und dem Hoppenrade, der ihn gefangen, die Hand schüttelte, sprach er: »Heute mir, morgen Dir.«

Die paar Herren im Rat, die den Abend da noch zusammen blieben, waren sehr müd'. Sie hatten alle mitgeschlagen und trugen Beulen und Quetschungen. Die Verwundeten wurden zu Haus gepflegt. Sie ratschlagten, was Thomas Wyns vorgeschlagen, daß sie morgen in Sankt Petri und Sankt Nikolai für den Sieg, den Gott der Stadt geschenkt, ein Tedeum singen ließen. »Ist's denn ein Sieg?« sprach Konrad Ryke. »So wir unsere Gefangenen zählen, ja. Wenn aber der Kurfürst im Tempelhof seine zählt, meint Ihr nicht, daß er auch läuten und singen läßt? Sankt Nikolaus bewahre uns vor einem zweiten Siege, der so ist wie der!« Und als sie überrechneten, wer von ihnen gefangen war, da verzogen sich ihre Mienen, und sie sahen sehr traurig aus. Dem Pawel Strobant, der drein gestoßen und geschlagen wie ein Auerochs, hatte der Tile Kracht das Ohr abgehauen und war gefangen worden. Item Herr Garnekoser, Herr Bergholz, Herrn Matthis Blankenfeldes Neffe, der ausgelassene Wilfried, auch ihr guter Stadthauptmann, der Ritter Ruthnik, desgleichen, der fremde Ritter, den keiner kannte, und noch mancher mehr. Und wie mancher war verwundet! Herrn Peter Brakow war eine Lanzenspitz durch die linke Hand gefahren. Umgekommen waren nicht viele, und das waren nur schlechte Leute, die man niederhaut und man fragt nicht viel, wie sie heißen.

»Item,« fuhr Herr Konrad Ryke fort, »der Sieg war ein Sieg für die Stadt, aber für die guten Häuser ein trauriger Sieg. Und was würden unsere Weiber sagen, wenn sie die Glocken läuten hören und bei ihnen zu Haus ist's still; und wir singen und preisen den Herrn, und ihr Herr wimmert aus dem Bett. Der Sieg hat uns gerettet aus einer Gefahr, dafür wir Gott danken mögen im Herzen; aber's nicht laut machen, daß wir die zweite Gefahr nicht vorrufen. Der Sieg hat uns schwach gemacht, uns von der Stadt, ich sage nicht mehr, und zumal uns von den Geschlechtern. Ob von den Gewerken ein sechzig verwundet liegen und ein Dutzend gefangen sind, merken sie's? Wir merken's. Wir haben nicht mehr, um auf den Mauern und an den Thoren zu kommandieren. Die Zunftmeister sind da Herren, und sie brüsten sich ihrer Macht.«

Der Meinung war auch Johannes Rathenow, und er sprach's grad heraus: »Wir haben Helfer in der Stadt, denen wir Dank schulden, aber was sie mehr fordern, das wissen wir nicht. Wir haben sie nicht gezählt, wie viel ihrer sind; aber sie liegen in allen Straßen und gehorchen einem aufs Wort, derweil bei uns keiner regiert, sondern wenn wir die Zünfte aufrufen wollen, da müssen wir mit den Zunftmeistern beraten und sie bitten, und es kommt heraus und sie wissen's vor uns. Wir waren frei, und nun haben wir eine Besatzung, und das hohe Haus, das wir dem Markgrafen abgenommen, haben wir dem Zarnekow gegeben. Liebe Herren, wir dürfen noch nicht triumphieren und Loblieder singen; wir müssen unsere Augen aufhaben und unsere Ohren spitzen, denn der Köpkin kann uns ein Herr werden, schlimmer als der Markgraf.«

Da beschlossen sie denn, kein Tedeum zu singen. Und es traf alles nur zu bald ein, wie es die Herren gefürchtet. Schon andern Tages forderte der Zarnekow ein Schmerzensgeld für seine Leute, die ihm an der Landwehr gefallen, für jeden Kopf ein Schock Groschen und dito Schmerzensgelder für die Verwundeten, und täglich sollten sie einen Ochsen braten für seine Leute und fünf Schweine, außer was sie an Fischen, Brot und Zukost forderten. Es gab da viel Unterhandlung hin und her, aber am Ende mußten sie's doch geben. Und wie ein Sultan lag der Zarnekow im hohen Hause auf der Bärenhaut und kam nicht 'raus und ließ kaum einen vor sich, er mußte denn lange warten. Was that er, um sie zu kränken, und man merkte es, er hatte den Groll nicht vergessen, den er gegen die Berliner trug, ob 'er's im Vertrag auch abgeschworen. Doch davon nachher.

Den Gemeinen war der Sieg zu Kopf gestiegen. Da hallten die Küchen und die Schenkstuben wider von Erzählungen, und von den Zünften wollte jeder das Beste gethan haben. Wer alle angehört, der hatte gar nichts gewußt. Und es hielt auch schwer, klar zu werden, wie es eigentlich zugegangen. Jeder hub da an, wie er mit den Seinen hinausgekommen vors Thor, und das vorher war nichts. Da sie nun aber unterschiedlich, eine Schar früher, die andere später ins Gefecht kamen, so wußte jeder was anderes; und wie es dazu gekommen, ob der Köpkin aus freien Stücken den Markgrafen im Tempelhof angegriffen, oder ob der ihn angegriffen, als er gen Köln zog, das wußte in den ersten Tagen keiner, und nachmalen auch nicht. Denn der Köpkin rühmte sich fast, als hätte er alles allein gethan. Dem war aber nicht so. Denn nachdem sie auf der Höhe scharmutziert, war er mit seinen Gesellen den Berg hinuntergedrängt worden, auf die Wiesen zu, die die Myrica ehedem hieß, und itzt steht darauf die Friedrichstadt, und hier wär's ihm schlimm gangen, wären die Bürger nicht zu rechter Zeit 'rausgebrochen durchs Teltower Thor. Zuerst kamen die Lohgerber und Wollenweber, und dann die Schuhmacher unter Herrn Garnekofer, und etliche von den Geschlechtern zu Pferd. Die hätten's allein auch nicht ausgemacht, denn der Tile Kracht mit seiner Schar drang bis an den Werder vor. Aber er war zu hitzig und sah nicht, daß immer mehr 'raus kamen. Da wurden viele abgeschnitten, und die Barfuß, die Sydow, Arnim und ein Wedel wurden gefangen. Nachher zog sich's gen Morgen nach der Spree zu; aber nun strömten sie nur so, die Gewerke und die Herren, zu Fuß und zu Roß, Berliner und Kölner, über die Brücken, die itzt von der Raschergasse (die heißt nun Roßstraße), nach Neu-Köln führt. Da gab's ein Hetzen, und die Schilder und Harnische klirrten, und Wunden gab's auch; Beulen aber noch mehr. Da merkt man auf die erst nicht; nachmalen schmerzen sie desto mehr. An dem Graben nach Treptow zu, der die Landwehr hieß, nachmalen hieß er der Schafgraben (und heißt itzt wieder Landwehrgraben), aber er floß weiter von der Stadt, da ging's am hitzigsten zu. Ja, hätten die Städter einen Feldhauptmann gehabt, es wäre den Rittern schlimm gangen, als sie in die Brüche um Treptow drängten. Der Berliner und Kölner, auch ohne des Zarnekows Bande, waren mehr als der Markgräflichen, aber sie waren aus den Thoren gebrochen, wie man aus dem Haus läuft, wenn's heißt: »'S ist Feuer!« Kaum daß alle die Haube aufhatten und den Küraß um die Brust, und die Zünfte rückten an unter ihren Meistern, wie sich's schickte, das heißt, es war ungeschickt alles und stießen sich untereinander mit ihren langen Spießen. An Mut fehlte es ihnen nicht. Aber der Ritter Ruthnik, der kommandieren mußte, kam zu spät. Er war auch in der Kirche gewesen und hatte nicht 'rausgekonnt im Gedränge. Und als er sich nun schnell wappnen ließ, da riß ein Riemen nach dem andern. Und als er über die Brücke sprengte, schlugen ihm schon wieder die Schienen um die Beine. Er wollt' es nun nachholen, was er versäumt, und setzte beide Sporen dem Roß in die Weichen, was ihm auch die Schumms und die Brakows, die hinter ihm waren, zuriefen. Sie konnten nicht mit. Da war er mitten in den Feinden, das Roß stürzte auf die Vorderfüße und ihm flog der Helm ab. Da mußte er sich geben. Es that ihm in der Seele weh; denn er war ein guter Ritter und meinte es ehrlich mit der Stadt. Die Schumms wollten ihn raushauen, aber Herr Bartholomeus kriegte von einem Itzenplitz einen Stoß mit der Lanze, daß er selbst aus dem Sattel flog. Nahm keinen sonderlichen Schaden: aber 's that ihm so weh, konnte den Tag nicht mehr aufm Pferd sitzen.

Den Markgräflichen ging's am Graben und dort in den Elsenbrüchen auch nicht besser. Da wurden die meisten gefangen. Viele machten sich aber auch wieder los. Fritz Rohr, der tolle, der wollte sich durchaus nicht geben. Die Knochenhauer waren hinter ihm, und sein Roß durchstochen; da sprang er ins Schilf und stak drinnen bis an den Bauch. Die Knochenhauer lachten und schrieen ihm zu, er sollte sich doch geben, er sollt's gut haben, aber er schimpfte auf sie, was das Zeug hält. Davon heißt's im Lied:

Was vor ein Sperling steckt im Rohr
Und schimpft als wie begossen?
Das ist der tolle Fritze Rohr,
Der wäre gern in Zossen.

Nämlich hatte ihm dazumal der Kurfürst das Burglehn in Zossen gegeben, aber nur für seine Person. Nachher, als sie die Knochenhauer wieder gejagt, halfen ihm der eine Schlippenbach, der Kurt Saldern und ein Mann, der hieß Wiedewald. Die legten ein Brett 'rüber, aber der Schlippenbach glitt aus, und nachher mußten sie ihn mit Stricken herausziehen, wie es heißt:

Kurt Saldern sprach: »Ach Fritze Rohr,
Hat Dich ein Pfeil getroffen?«
»Die Pest,« sprach er. »Ich steck' im Rohr,
Und bin beinah versoffen.«

»Ach lieber, lieber Wiedewald!«
So sprach der Schlippenbacher,
»Der muß sein wieder hergestallt;
Was sollen wir da machen!«

Sie haben ein Brettlein untergebreit't.
Da fiel der Schlippenbacher,
Den beiden that es herzlich leid,
Fritz Rohr, der mußte lachen.

»Da hilft allein ein guter Strick,«
Sprach Wiedewald, der treue,
»Den werfen wir ihm ums Genick,
Und ziehn ihn dann ins Freie.«

Hat man gesehn das auf der Welt,
Daß Ritterhände henken!
Geschleift mit einem Strick ein Held,
Und's thät ihn doch nicht kränken!

Hätte sich der Fritz Rohr den Knochenhauern gegeben, es war ihm auch nicht schlimm gangen. Denn sie waren ihm gut, weil er so toll war. Hatten früher schon viel Kurzweil mit ihm gehabt, denn er hatte ihnen manchen Ochsen verkauft; und auf einen, der geschlagen war und losbrach, hatte er sich rasch geworfen und weil er seine Hörner faßte, war er auf ihm geritten durch die Stadt, bis er ihn wieder ins Fleischhaus zurücktrieb. Das hatte ihm die Metzger zu Freunden gemacht, und wenn er in Berlin war, bewirteten sie ihn in ihrer Herberg und freuten sich, daß er ihnen die Ehre that. Das wäre ihnen nun gar große Ehre gewesen, wenn sie ihn gefangen hätten, und würden ihn gehalten haben fürstlich, und in einem Scharlachpelz in ihrer Herberg ausgestellt, alle Mittag, daß die Leute ihn sähen. Den Pelz hätten sie ihm nachher geschenkt auf das Lösegeld. Aber ist recht gut, daß es so kam, die Knochenhauer sind ohnedem übermütig genug.

Ja, hätten die Schneider den Baltzer Boytin gefangen, das wäre eine andere Sache gewesen. Und nahe war es dran. Mit dem Spieß und Schwert wissen die Schneider nicht viel zu thun; aber sind gute Armbrustschützen. Der Hans Zademack hätte fünf Schock Groschen drum gegeben, wenn er ihn lebendig gekriegt, so erbost war er auf ihn. Aber die Schneider waren zu Fuß, und als er sah, wie es ging, machte der Baltzer kehrt. Aber der Zademack schoß ihm einen Bolzen nach, der fuhr ihm ins dicke Fleisch, da wo kein Harnisch ist. Drei Wochen konnte der Roßkamm auf keinem Pferd sitzen, ob er sonst schon gesund war. Die Wunde war nicht arg.

Aber darauf kamen die Schneider ins Gedränge. Mit ihren Spießen wußten sie da im Elsenbruch nicht zu hantieren und versanken selber bis ans Knie. Da ließ der alte Bardeleben seine Reiter absitzen, und die kurfürstlichen Jäger mußten vor. Das Herz schlug den Schneidern. Die Armbrüste krachten, und die Bogen zischten. Das meiste flog freilich in die Büsche, aber mancher Gesell mußte auch dran glauben. Von da an ging's den Städtern schlecht. Der Zarnekow hatte vollauf zu thun, daß er sich mit seinen Leuten hielt gegen den Tile Kracht und seine Ritter; und der Marschall Heine Voß, Ewald Schenk und Dietrich Waldow mit vielen markgräflichen Herren, die hatten die Städtischen schon fast abgeschnitten von der Brücke und heizten ihnen ein im Rücken. Da ward dem Pawel Strobant von dem langen Treskow das Ohr abgehauen, und ward mit vielen von den stolzen Herren gefangen. Itzt aber war es, wo die schwer Geharnischten durch die Fischerstraße trabten nach der Brücke, und sie kamen grad noch zum Rechten an. Es waren die besten von den Knochenhauern, auch zween Brauer und die Kupferschmiede und drei Blechschmiede, die Pferde hatten. Alle von Kopf bis Fuß in Harnisch, oder sie hatten Lederwämse an und Kettenhemden drüber. Die meisten mit Helmen und einem Sturz vor, und führten Streitkolben mit Stacheln. Wo die trafen, wuchs kein Gras. Manches Mal ist es gut, wenn einer sich hastet; manches Mal aber auch nicht. Wir sahen's am Ritter Ruthnik. Daß die Knochenhauer sich Zeit nahmen, ordentlich zu wappnen, und sie konnten es mit den geharnischten Rittern aufnehmen, das entschied an dem Tage, und ohnedem wäre Berlin schon da eingenommen worden, und wenn sie mit Sturm einbrachen, wer weiß, wo itzt Berlin stände.

Vor denen ritten zweie, der eine war Bartz Kuhlemey, itzt der Knochenhauer Altmeister, und neben ihm ein Ritter, den keiner kannte, in einem silbernen Harnisch und mit geschlossenem Visier. Auf dem Rücken flog ihm eine Pantherhaut, und aus dem Helm hatte er einen goldenen Hahn. Sein Roß war arabische Zucht, als man unter dem reichen Waffenschmuck sehen konnte. Aber bald sah man nichts mehr von ihnen, denn sie sprengten quer unter die Feinde, wie das Pardeltier, das sich in eine Herde wirft. Es ist mitten drinnen, und man sieht nur das Drängen und den Staub und hört das Geschrei. Zuerst trug der Ritter das Banner der Knochenhauer hoch über den Häuptern, daß es alle sahen. Als sie nun aber an die Feinde kamen, schleuderte er es einem andern zu, und mit eingelegter Lanze fuhr er unter sie, und kaum einen Schritt hinter ihm flog der Bartz Kuhlemey. Und sie trafen auf keine schlechten Leute. Aber ob's auch die besten waren, sie mußten ihnen doch Platz machen. Und das half. Die waren frisch, und die um den Tile Kracht und den Heine Voß waren schon matt.

Es waren die besten Ritter, Otto und Gerhard Schliefen, Bernhard Lossow, der rote Hans Kröcher und Fritz Kerkowe. Der Heinrich Osten, Hans Wedel und Heinrich Borke, die drei, die immer Kumpanei halten und im Krieg in einem Zelt schlafen, Heine von Schlabrendorf, Götze von Redern, Fritz Blankenburg, der Kleine; auch ein Biberstein und ein Rochow. Da war Walther Ziethen, Dietrich Carpzow, Heinrich von Barby und Balthasar von Schenkendorf. Die mußten alle Kehrt machen; so prallten die Knochenhauer an, und die hinter ihnen drein. Es war eine Jagd, und der Staub wirbelte hoch wie der Berg. Das gab den Ausschlag für die Städter. Die andern Zünfte ließen sich nun nicht mehr treiben, sie trieben selber, und der Zarnekow schlug wie toll um sich. Seine Leute aber machten sich bald an die Gefangenen und Toten, und da wurden drei große Haufen von Kleidern, Schuhen, Sattelzeug und Waffen aufgethan. Das verstanden sie und kümmerten sich wenig mehr, daß es drüben am Berg noch heiß herging.

Als sie am Berg waren, hatten die Ritter Kehrt gemacht, und da die Knochenhauer nun sahen, wie viel ihrer waren und wie wenig sie, da die andern zurückgeblieben, da machten sie auch Kehrt. Und im Staub hatten sie nicht gesehen, daß ihre Anführer nicht bei ihnen waren. Die Kupferschmiede waren zuerst links um und mußten nachgehends viel darum leiden, ob sie doch nicht anders thaten als die andern, und hatten sich bis da wacker 'ran gehalten. Da wurden die beiden Anführer gefangen. Der rote Kröcher hieb den Altmeister vom Pferde, und da mußte er sich wohl geben. Der Ritter im silbernen Harnisch wehrte sich wie besessen, aber was konnte einer gegen die vielen aufkommen. Alle sahen's mit Verwunderung. Elf von ihnen hatte er verwundet, dem Heinrich Barnekow den kleinen Finger abgehauen; endlich da er matt wurde, man sah's, wie der Arm ihm nur hinkte, und wenn er 'runter war, könnt' er ihn nur mit Mühe heben, da rief ihm Heine Schlabrendorf zu: »Gieb Dich, auf Ritterwort. Hast als ein Ritter gehauen, sollst als ein Ritter gehalten werden.« Da gab er sich denn. Das Schwert saß ihm aber so fest in der Faust; konnte man's ihm kaum rauswinden. Und als sie ihn vom Roß heben wollten, konnte er keinen Schenkel rühren und fiel wie tot hin vor Erschöpfung. Dietrich Carpzow schlug ihm das Visier auf: »Den Mann kenne ich nicht,« sagte er, und es kannte ihn keiner. Da der Kuhlemey schwer verwundet war, konnte er's ihnen auch nicht sagen, und daher wußten sie's an dem Tage weder bei den Markgräflichen, noch in den Städten, wer der Mann war.

Andern Tages sangen sie in den Gassen das Liedlein, darin es heißt:

Was Wunders sah man in Berlin
Und auf der Bruck von Köln!
Die Gewerke gegen den Markgraf ziehn
Die Schmiede auch mit wöll'n.

Was rasselt solch ein Kupferschmied,
So er im Harnisch steckt?
Er denkt, davor der Feind entflieht.
Denn blinder Lärm erschreckt.

Da niest ein Ritter auf dem Pferd,
O je, was mußt' er das!
Die Kupferschmiede machten Kehrt,
Und alle leichenblaß.

Das Kupfer wird doch sonsten rot.
Wenn man es schlagen thut,
Ja, gäb's ein Pulver für den Tod,
Sie kriegten auch noch Mut.

Drum rassle, prassle, was Du kannst.
Ach, lieber Kupferschmied,
Und wem das Liedlein Du verdankst.
Das ist ein Nagelschmied.

Stehn sich so nahe, die Nagelschmiede und die Kupferschmiede, und beide machen Lärm, daß man nicht schlafen kann, und können sich doch nicht ausstehn. Und war wohl damals Zeit, solche Spottlied« zu machen in den Städten? Es ging zum letzten. Aber bessere Du die Thoren.

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