Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > John Galsworthy >

Der reiche Mann

John Galsworthy: Der reiche Mann - Kapitel 31
Quellenangabe
typefiction
authorJohn Galsworthy
titleDer reiche Mann
publisherVerlag Bruno Cassirer
year1910
translatorLuise Wolf
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorw.klum@t-online.de
thirdcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.7et
created20140803
modified20140930
lastmodified20150210
projectid5083479b
Schließen

Navigation:

Siebentes Kapitel

Junes Sieg

Mit einer Emsigkeit, die den alten Jolyon anfangs verblüffte, hatte June die langweiligen Spalten der Zeitungen von früh bis spät durchforscht, um eine Gelegenheit für sich abzuwarten; und als diese Gelegenheit kam, benutzte sie diese mit der Pünktlichkeit und resoluten Hartnäckigkeit ihres Charakters.

Sie wird zeitlebens an diesen Morgen denken, wo sie endlich in der zuverlässigen Prozeßliste der Times unter dem Titel Landgericht XIII. Richter Bentham, den Fall Forsyte contra Bosinney entdeckte.

Wie ein Spieler, der sein letztes Geldstück wagt, war sie bereit alles auf diese eine Karte zu setzen; es lag nicht in ihrer Natur an eine Niederlage zu denken. Woher sie wußte, es sei denn mit dem Instinkt des liebenden Weibes, daß Bosinneys Niederlage in diesem Prozeß sicher war, ist nicht nachzuweisen – jedoch baute sie ihren Plan auf diese Voraussetzung wie auf eine Gewißheit.

Um halb elf war sie auf der Galerie des Landgerichts XIII und blieb dort, bis der Fall Forsyte contra Bosinney vorüber war. Bosinneys Abwesenheit beunruhigte sie nicht; sie hatte instinktiv gefühlt, daß er sich nicht verteidigen werde. Nach Verkündigung des Urteils eilte sie hinunter und nahm eine Droschke, um in seine Wohnung zu fahren.

Sie ging durch die offene Haustür und an den Bureaus der unteren Stockwerke vorüber, ohne bemerkt zu werden; erst als sie oben anlangte, begannen die Schwierigkeiten für sie.

Ihr Klingeln blieb ohne Antwort; sie mußte sich nun entschließen hinunter zu gehen und den Hausmeister im Erdgeschoß zu bitten, sie Mr. Bosinneys Rückkehr abwarten zu lassen, oder in der Hoffnung, daß niemand heraufkommen werde, geduldig vor der Tür stehen zu bleiben. Sie entschied sich für das letztere.

Eine Viertelstunde war in starrer Wachsamkeit auf dem Treppenabsatz verstrichen, ehe es ihr einfiel, daß Bosinney seinen Zimmerschlüssel unter die Türmatte zu legen pflegte. Sie sah nach und fand ihn dort. Einige Minuten konnte sie sich nicht entschließen Gebrauch davon zu machen; endlich aber schloß sie auf, ging hinein und ließ die Tür offen, damit jeder der kam sehen konnte, daß sie in Geschäften hier war.

Das war nicht die selbe June, die vor fünf Monaten hier zitternd den Besuch gemacht hatte. Die Monate des Leidens und der Zurückhaltung hatten sie weniger sensitiv gemacht, und sie hatte sich diesen Besuch so lange schon mit solcher Umständlichkeit ausgemalt, daß seine Schrecken im voraus ausgekostet waren. Diesmal mußte es ihr glücken, denn wenn es nicht glückte, vermochte niemand ihr zu helfen.

Wie ein Tierweibchen, das über seine Jungen wacht, stand ihre behende kleine Gestalt nicht still im Zimmer, sondern wanderte von Wand zu Wand, vom Fenster zur Tür, und betastete hier etwas und dort etwas. Überall lag Staub, das Zimmer mußte seit Wochen nicht gereinigt worden sein, und June, die schnell nach allem griff, das sie in ihrer Hoffnung bestärken konnte, sah es als ein Zeichen dafür an, daß er aus Sparsamkeit gezwungen war seine Bedienung abzuschaffen.

Sie sah ins Schlafzimmer hinein; das Bett war ungeschickt, wie von der Hand eines Mannes gemacht. Angestrengt lauschend stürmte sie hinein und guckte in seine Schränke. Einige Hemden und Kragen, ein Paar schmutzige Stiefel – selbst an Kleidungsstücken fehlte es hier.

Sie stahl sich ins Nebenzimmer zurück und merkte jetzt, daß alles fort war, an dem er hing. Die Uhr, die von seiner Mutter stammte, die beiden Feldgläser, die über dem Sofa zu hängen pflegten; zwei wirklich wertvolle alte Stiche von Harrow, wo sein Vater die Schule besucht hatte, und endlich sogar die japanische Vase, ein Geschenk von ihr selbst. Alles war fort; und trotz der Entrüstung, die bei dem Gedanken, daß die Welt also mit ihm verfuhr, in ihrem kampfbereiten Herzen aufstieg, sah sie in dem Verschwinden der Sachen eine gute Vorbedeutung für den Erfolg ihres Planes.

Während sie auf die Stelle blickte, wo die japanische Vase gestanden hatte, empfand sie plötzlich mit seltsamer Gewißheit, daß sie beobachtet wurde, und als sie sich umwandte, sah sie Irene in der offenen Tür stehen.

Schweigend starrten beide einander eine Minute lang an; dann trat June auf sie zu und streckte ihr die Hand entgegen. Irene ergriff sie nicht.

June barg die zurückgewiesene Hand hinter sich. Ihre Augen waren voller Zorn. Sie wartete, daß Irene sprechen sollte; und während dieses Wartens verschlang sie in, der Himmel weiß wie rasender Eifersucht, argwöhnisch und neugierig jede Einzelheit von ihrer Freundin Antlitz, Kleidung und Gestalt.

Irene trug ihren langen grauen Pelz; die Reisemütze auf dem Kopf ließ eine Welle goldenen Haares über der Stirn sehen. Die weiche Fülle ihres Mantels machte ihr Gesicht so klein wie das eines Kindes.

Im Gegensatz zu Junes Wangen hatten die ihren keine Farbe, sie waren elfenbeinweiß und wie von Kälte erstarrt. Dunkle Ringe lagen um die Augen. In einer Hand hielt sie einen Veilchenstrauß.

Ohne Lächeln auf den Lippen schaute sie June an; und unter diesem Blick der großen grauen Augen empfand diese trotz des aufsteigenden Zornes etwas von dem alten Zauber.

Schließlich brach sie doch zuerst das Schweigen.

»Weshalb bist du gekommen?« Aber das Gefühl, daß an sie selbst die gleiche Frage gestellt war, ließ sie hinzufügen: »Dieser scheußliche Prozeß. Ich kam um ihm zu sagen – daß er ihn verloren hat.«

Irene schwieg, sie wandte ihren Blick nicht von Junes Gesicht, und diese rief:

»Steh nicht da, als wärest du von Stein!«

Irene lachte: »Ich wünschte zu Gott, daß ich es wäre!«

Aber June wandte sich ab: »Still!« rief sie. »Sage mir nichts! Ich will nichts hören! Ich will nicht wissen, warum du kamst! Will es nicht hören!«

Und wie ein unruhiger Geist begann sie hurtig auf und ab zu gehen. Plötzlich rief sie aus:

»Ich war zuerst hier. Wir können hier nicht zusammen bleiben!«

In Irenes Antlitz tauchte ein Lächeln auf und erlosch wie das Aufflackern eines Feuerscheins. Sie rührte sich nicht. Und nun bemerkte June unter aller Weichheit und Unbeweglichst dieser Gestalt eine verzweifelte Entschlossenheit; etwas Unabwendbares, Gefährliches. Sie riß ihren Hut herunter und schob mit beiden Händen die Bronzemasse ihres Haares zurück.

»Du hast kein Recht hier zu sein!« rief sie trotzig.

»Ich habe nirgends Rechte –« erwiderte Irene.

»Was meinst du damit?«

»Ich habe Soames verlassen. Du wolltest immer, daß ich es tun soll!«

June hielt sich die Ohren zu.

»Still! Ich will nichts hören – will nichts wissen. Es ist umsonst mit dir zu kämpfen! Warum stehst du noch da? Warum gehst du nicht?«

Irenens Lippen bewegten sich, sie schienen zu sagen: »Wohin sollte ich gehen?«

June trat ans Fenster. Sie konnte unten auf der Straße das Zifferblatt einer Uhr erkennen. Es war fast vier. Jeden Augenblick konnte er kommen! Sie sah sich über die Schulter hinweg um, und ihr Gesicht verzerrte sich vor Zorn.

Aber Irene hatte sich nicht gerührt; sie drehte und zupfte unaufhörlich an dem kleinen Veilchenstrauß in ihren Händen.

Tränen der Wut und der Enttäuschung rollten June die Wangen hinab.

»Wie konntest du kommen?« sagte sie. »Du bist mir eine falsche Freundin gewesen!«

Wieder lachte Irene. June sah, daß sie eine falsche Karte ausgespielt hatte und brach zusammen.

»Warum bist du gekommen?« schluchzte sie. »Du hast mein Leben zerstört und nun willst du das seine zerstören!«

Irenens Mund zuckte; ihre Augen begegneten Junes mit einem so gramvollen Blick, daß diese mitten in ihrem Schluchzen rief: »Nein, nein!«

Aber Irenens Haupt senkte sich bis auf die Brust herab. Sie wandte sich um und ging, den Mund hinter dem kleinen Veilchenstrauß verbergend, schnell hinaus.

June lief zur Tür. Sie hörte die Schritte immer weiter und weiter hinunter gehen. »Komm zurück, Irene! Komm zurück!« rief sie.

Die Schritte verhallten ...

Verwirrt und zerrissen stand June oben an der Treppe. Warum war Irene gegangen und hatte sie als Siegerin auf dem Felde zurückgelassen? Was bedeutete das? Hatte sie ihn wirklich um ihretwillen aufgegeben? Oder hatte sie –? Sie war die Beute einer nagenden Ungewißheit ... Bosinney kam nicht ...

Gegen sechs Uhr an jenem Nachmittag kehrte der alte Jolyon aus der Wistaria Avenue zurück, wo er jetzt fast täglich einige Stunden zubrachte, und fragte ob seine Enkelin oben sei. Als er hörte, daß sie eben nach Haus gekommen war, schickte er zu ihr hinauf und ließ sie bitten herunter zu kommen, da er mit ihr zu sprechen habe.

Er war entschlossen ihr zu sagen, daß er sich mit ihrem Vater wieder ausgesöhnt hatte. In Zukunft sollte alles Vergangene vergangen sein. Er wollte nicht länger allein oder so gut wie allein in diesem großen Hause leben; er wolle es aufgeben und auf dem Lande ein anderes mieten, wo sie alle zusammen wohnen konnten. Wenn June das nicht wollte, sollte sie die Mittel erhalten für sich allein zu leben. Für sie würde es ja keinen großen Unterschied bedeuten, denn es war lange her, daß sie ihm ihre Liebe bezeigt.

Aber als June herunterkam, sah sie schmal und elend aus; in ihren Augen war ein gespannter rührender Blick. Sie kauerte in ihrer gewohnten Stellung auf der Armlehne seines Stuhles, und was er sagte, stimmte wenig mit der klaren, gebieterischen, gekränkten Auseinandersetzung überein, die er sich mit so vieler Mühe ausgedacht hatte. Sein Herz war wund wie das Herz eines Vogelweibchens, wenn sein Junges ausfliegt und sich die Schwingen verletzt. Seine Worte kamen zögernd, als bäte er um Verzeihung dafür, schließlich doch vom Pfad der Tugend abgewichen und gesunderen Prinzipien zum Trotz, seinen natürlicheren Instinkten gefolgt zu sein.

Er schien besorgt, seiner Enkelin durch eine solche Ankündigung seiner Absichten ein schlechtes Beispiel zu geben; und als er ihr nun sagen sollte, daß sie, falls es ihr nicht recht sei, für sich leben könnte, machte er diesen Vorschlag in der allerzartesten Weise.

»Und wenn du, mein Liebling,« sagte er, »dich aus irgend einem Grunde nicht mit ihnen verstehen solltest, könnte ich alles in Ordnung bringen. Du kannst haben was du magst. Wir könnten in London eine kleine Wohnung mieten, wo du dich einrichtest, und ich käme hin so oft es geht. Aber die Kinder,« fügte er hinzu, »sind liebe kleine Dinger!«

Allein mitten in dieser veränderten Fassung seiner ernsten, ziemlich durchsichtigen Erklärung zwinkerte er mit den Augen. »Das wird Timothys schwache Nerven in Aufruhr bringen. Der edle Jüngling wird schon etwas darüber zu sagen haben, oder ich heiße Hans!«

June hatte noch nichts gesagt. Sie hockte auf der Armlehne seines Stuhles und er konnte ihr Gesicht nicht sehen, das über ihm war. Aber plötzlich fühlte er ihre warme Wange an der seinen und erkannte daran, daß in ihrem Verhalten den Neuigkeiten gegenüber jedenfalls nichts Beunruhigendes war. Er begann Mut zu fassen.

»Du wirst deinen Vater lieben lernen,« sagte er – »er ist ein liebenswürdiger Mensch. Machte nie viel Aufhebens von den Dingen, aber man kommt gut mit ihm aus. Du wirst den Künstler in ihm finden und all derlei!«

Und dem alten Jolyon kam das Dutzend Aquarelle in den Sinn, die in seinem Schlafzimmer sorgfältig verschlossen lagen; denn jetzt, wo sein Sohn ein reicher Mann werden sollte, hielt er sie nicht mehr für ganz so elende Machwerke wie bisher.

»Und deine – deine Stiefmutter,« sagte, das Wort mit einiger Schwierigkeit aussprechend, »ist eine feine Frau, hat vielleicht ein klein wenig von einer Mrs. Gummidge Aus David Copperfield-Dickens. – aber sie liebt Jo sehr. Und die Kinder,« wiederholte er – »sind süße kleine Dinger!« Dieser Satz floß wie Musik durch all seine feierliche Selbstrechtfertigung.

Wenn June nur gewußt hätte, daß diese Worte aufs neue jene zärtliche Liebe für kleine Kinder, für das Junge und Schwache verkörperten, die ihn einst getrieben den Sohn um ihres eigenen winzigen Selbst willen zu verlassen und ihn nun, wo das Rad weiter rollte, von ihr nahm.

Aber ihr Schweigen begann ihn zu ängstigen, und er fragte ungeduldig: »Nun, was sagst du dazu?«

June glitt auf seine Knie hinunter und fing nun selbst an zu sprechen. Sie glaube, es würde sich prächtig machen lassen; sie sehe keine Schwierigkeiten und mache sich nicht das geringste daraus, was die Leute sagten.

Der alte Jolyon rückte hin und her. Hm! also würden die Leute darüber reden! Er hatte gedacht, daß sie es nach all diesen Jahren vielleicht nicht täten! Na, er konnte es nicht ändern! Nichtsdestoweniger konnte er aber die Art, wie seine Enkelin die Sache aufnahm, nicht billigen – es durfte ihr nicht einerlei sein, was die Leute dachten!

Allein er sagte nichts. Seine Gefühle waren zu gemischt, zu widersprechend, um ausgedrückt werden zu können.

Nein – fuhr June fort – ihr sei es einerlei; was ging es die Leute an? Nur eines – und als sie ihre Wange an seine Knie preßte, wußte der alte Jolyon sogleich, daß dies eine keine Kleinigkeit war –: Da er doch ein Haus auf dem Lande kaufen wolle, könnte er nicht – ihr zuliebe – das prächtige Haus von Soames in Robin Hill kaufen? Es war fertig, war wunderschön, und keiner bewohnte es. Sie würden dort alle so glücklich sein!

Der alte Jolyon ging sofort lebhaft darauf ein. Wollte ›der reiche Mann‹ das Haus denn nicht bewohnen? Er sprach von Soames jetzt nie anders als unter diesem Titel.

»Nein« – sagte June – »er wolle es nicht; sie wisse, daß er es nicht wolle!«

Woher wußte sie das?

Sie könne es ihm nicht sagen, aber sie wisse es. Es sei höchst unwahrscheinlich; die Umstände hatten sich verändert! Irenens Worte: »Ich habe Soames verlassen! Wohin sollte ich gehen!« klangen ihr noch im Ohr.

Aber sie erwähnte nichts davon.

Wenn der Großvater es nur kaufen wollte und die unglückselige Schuldforderung übernehmen, die an Phil nie hätte gestellt werden dürfen! Es wäre das beste für alle, und alles – alles käme wieder in Ordnung!

June drückte die Lippen fest auf seine Stirn.

Aber der alte Jolyon machte sich von ihrer Liebkosung frei, und sein Gesicht nahm den richterlichen Ausdruck an, der hineinkam, wenn er mit Geschäften zu tun hatte. »Was meinst du damit?« fragte er. »Es steckt etwas dahinter – hast du Bosinney gesehen?«

»Nein!« antwortete June, »aber ich war in seiner Wohnung.«

»Warst in seiner Wohnung? Mit wem gingst du dahin?«

June blickte ihn fest an. »Ich ging allein. Er hat den Prozeß verloren. Es ist mir einerlei, ob es recht war oder nicht. Ich will ihm helfen, und ich werde es!«

»Hast du ihn gesehen?« fragte der alte Jolyon noch einmal. Sein Blick schien durch des Mädchens Augen bis in ihr Herz zu dringen.

»Nein, er war nicht da,« war Junes Antwort. »Ich wartete, aber er kam nicht.«

Der alte Jolyon machte eine Gebärde der Erleichterung. Sie war aufgestanden und blickte auf ihn hinunter; so zart, so zierlich, so jung, und doch so fest und so bestimmt. Und obwohl verstört und ärgerlich, vermochte er den festen Blick nicht unwillig abzuwehren. Er fühlte sich besiegt, fühlte, daß die Zügel sich gelockert, daß er alt und müde ward.

»Ah!« sagte er schließlich, »du wirst dir schon etwas einbrocken. Du mußt in allem deinen eigenen Weg haben!«

Und in einer seiner eigentümlich philosophischen Anwandlungen fügte er hinzu: »So wurdest du geboren, und so wirst du bleiben bis an deinen Tod!«

Und er, der in all seinem Verkehr mit Geschäftsleuten, bei Sitzungen, mit Forsytes jeder Art, und solchen, die keine Forsytes waren, stets seinen eigenen Weg gegangen war, schaute sein störrisches Enkelkind traurig an – denn er fühlte hier die Eigenschaft heraus, die er über allen andern unbewußt bewunderte.

»Weißt du, was da vorgehen soll?« sagte er langsam.

June ward flammend rot.

»Ja – nein. Ich weiß – und ich weiß nicht – mir einerlei!« und sie stampfte mit dem Fuß auf.

»Ich glaube,« sagte der alte Jolyon und senkte die Augen, »noch wenn er tot wäre, würdest du ihn haben wollen!«

Eine lange Pause entstand ehe er wieder sprach.

»Und was den Kauf dieses Hauses anbelangt – so weißt du nicht, was du sprichst!«

June widersprach. Sie wisse, daß er es haben könne wenn er wolle. Er brauchte nur zu zahlen was es kostet.

»Was es kostet! Davon verstehst du nichts. Ich werde nicht zu Soames gehen – mit dem jungen Mann will ich nichts mehr zu tun haben.«

»Aber das brauchst du ja nicht; du kannst zu Onkel James gehen. Wenn du das Haus nicht kaufen kannst, willst du dann die Prozeßkosten zahlen? Ich weiß, daß es ihm furchtbar schlecht geht – ich hab es gesehen. Du kannst es von meinem Gelde abziehen!«

Ein Zwinkern kam in des alten Jolyon Augen.

»Von deinem Gelde abziehen! Ein guter Ausweg! Und was willst du ohne dein Geld anfangen, bitte?«

Doch im Geheimen hatte die Idee James und seinem Sohn das Haus wegzuschnappen, angefangen ihn zu beschäftigen. Auf der Forsyte Börse hatte er manche Bemerkung, manch ziemlich zweifelhaftes Lob über das Haus gehört. Es sei zu ›künstlerisch‹, aber eine schöne Besitzung. Dem ›reichen Mann‹ zu nehmen, woran sein Herz hing, wäre die Krone des Triumphs über James, ein tatsächlicher Beweis, daß er Jo zum reichen Manne machen, ihm seine frühere Stellung wieder verschaffen und ihn darin sicher stellen wollte. Eine verdiente Strafe für alle diejenigen, die seinen Sohn einst als elenden, bettelarmen Ausgestoßenen betrachten zu dürfen meinten!

Er wolle sehen, wolle sehen! Es könnte sein, daß es gar nicht in Frage käme; einen Märchen-Preis würde er nicht dafür zahlen, aber wenn es zu machen war, warum nicht, vielleicht würde er es tun!

Doch ganz im Geheimen wußte er, daß er es ihr nicht abschlagen konnte.

Aber er ergab sich nicht. Er wolle sich's überlegen – sagte er zu June.

 << Kapitel 30  Kapitel 32 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.