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Der reiche Mann

John Galsworthy: Der reiche Mann - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorJohn Galsworthy
titleDer reiche Mann
publisherVerlag Bruno Cassirer
year1910
translatorLuise Wolf
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorw.klum@t-online.de
thirdcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.7et
created20140803
modified20140930
lastmodified20150210
projectid5083479b
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Dreizehntes Kapitel

Vollendung des Hauses

Einmal Mockturtle, klar; einmal Ochsenschwanz; zwei Glas Portwein.

In dem oberen Raum bei French, wo ein Forsyte noch deftiges englisches Essen bekommen konnte, setzen James und sein Sohn sich zum Frühstück.

Von allen Speisehäusern besuchte James am liebsten dieses; es war da alles so anspruchslos, schmackhaft und sättigend, und wenngleich er durch die Notwendigkeit modern zu sein und mit einem Einkommen Schritt zu halten, das sich zusehends vermehrte, in seinen Gewohnheiten auch bis zu einem gewissen Grade verdorben war, sehnte er sich in stillen Augenblicken in der City doch nach den leckeren Fleischtöpfen früherer Tage zurück. Hier wurde man von borstigen Kellnern in Schürzen bedient; der Fußboden war mit Sägemehl bestreut, und drei runde vergoldete Spiegel hingen gerade in Augenhöhe. Erst seit kurzem hatten sie die kleinen Kojen abgeschafft, in denen man wie ein Gentleman seine Muttonchops oder sein vortreffliches Stück Fleisch mit einer mehligen Kartoffel bekommen konnte, ohne seine Nachbarn zu sehen.

Er steckte den Zipfel seiner Serviette hinter den dritten Knopf seiner Weste, eine Gewohnheit, die er vor Jahren im West End hatte ablegen müssen, und fühlte, daß er seine Suppe genießen werde. Den ganzen Morgen hatte er dem Ordnen des Besitztums eines alten Freundes gewidmet.

Nachdem er einen Bissen altbackenen Brotes in den Mund gesteckt, sagte er: »Willst du nach Robin Hill hinaus? Nimmst du Irene mit? Du solltest es wirklich tun. Ich glaube, da gibt's noch eine Menge zu beaufsichtigen.«

Ohne aufzublicken, erwiderte Soames: »Sie will nicht mitkommen.«

»Will nicht? Was soll das heißen? Sie wird doch in dem Hause wohnen, oder nicht?«

Soames antwortete nicht.

»Ich begreife nicht, was den Frauen heutzutage einfällt,« brummte James. »Ich hatte niemals Schwierigkeiten mit ihnen. Sie hatte zuviel Freiheit. Sie ist verwöhnt –«

Soames blickte auf. »Ich möchte nichts gegen sie hören,« sagte er unerwartet.

Die Stille wurde jetzt nur durch James' Löffeln seiner Suppe unterbrochen.

Der Kellner brachte zwei Gläser Portwein, aber Soames hielt ihn an.

»So serviert man Portwein nicht,« sagte er, »nehmen Sie sie zurück und bringen Sie die Flasche.«

James riß sich von seiner Versunkenheit über der Suppe los und wandte sich mit seinem raschen Blick dem Nächstliegenden zu.

»Mutter liegt zu Bett,« sagte er, »du kannst den Wagen bekommen, um hinzufahren. Ich denke Irene würde die Fahrt gewiß gern machen. Der junge Bosinney wird wohl draußen sein, um euch herumzuführen?«

Soames nickte.

»Ich ginge gern selbst hin, um zu sehen auf welche Art er die Geschichte zu Ende gebracht hat,« fuhr James fort. »Ich fahre eben nur nach Haus und hole euch beide dann ab.«

»Ich fahre mit der Bahn,« erwiderte Soames. »Wenn du's aber versuchen willst bei uns vorzufahren, kommt Irene vielleicht mit, ich kann es nicht sagen.«

Er winkte dem Kellner die Rechnung zu bringen, und James bezahlte sie.

Sie trennten sich an der St. Paulskirche, von wo aus Soames zur Station ging, und James einen Omnibus nach dem Westen nahm.

Er hatte sich den Ecksitz neben dem Kondukteur gesichert, wo seine langen Beine jedem das Einsteigen erschwerten und er alle, die an ihm vorüber mußten verdrießlich anblickte, als hätten sie kein Recht, hier seine Luft aufzubrauchen.

Er hatte sich vorgenommen heute nachmittag die Gelegenheit zu benutzen, um mit Irene zu reden. Ein Wort zu rechter Zeit tat oft Wunder; und jetzt, wo sie im Begriff war aufs Land zu ziehen, konnte sie versuchen ein neues Leben zu beginnen. Er sah wohl, daß Soames ihrem Treiben nicht mehr lange würde zusehen können!

Es fiel ihm nicht ein näher zu definieren, was er unter ›ihrem Treiben‹ verstand; der Ausdruck war vage, unbestimmt und paßte recht für einen Forsyte. Und James hatte mehr Mut als sonst nach diesem Frühstück.

Sobald er zu Haus anlangte, bestellte er den Wagen mit dem besondern Bemerken, daß der Groom auch mit sollte. Er wollte freundlich gegen sie sein und es ihr in jeder Beziehung leicht machen.

Als die Tür in Nummer 62 geöffnet wurde, konnte er sie deutlich singen hören und sagte es gleich, um jede Möglichkeit zu verhindern ihm den Eintritt zu wehren.

Ja, Mrs. Soames war zu Haus, aber das Mädchen wußte nicht, ob sie Besuch annehmen wollte.

James ging mit einer Geschwindigkeit, die alle Beobachter seiner langen Gestalt und seines vertieften Ausdrucks jedesmal in Erstaunen setzte, direkt in das Wohnzimmer, ohne erst eine Antwort abzuwarten. Er fand Irene am Klavier, die Hände ruhten auf den Tasten; sie schien auf die Stimmen im Flur zu lauschen. Sie begrüßte ihn ohne ein Lächeln.

»Die Schwiegermutter liegt zu Bett,« begann er in der Hoffnung ihre Teilnahme zu erregen. »Ich bin mit dem Wagen hier. Nun, sei lieb, setze deinen Hut auf und mache eine Spazierfahrt mit mir. Es wird dir guttun!«

Irene sah ihn an, als wolle sie ablehnen, schien sich dann aber eines andern zu besinnen, ging nach oben und kam im Hut wieder herunter.

»Wohin willst du mit mir fahren?« fragte sie.

»Wir wollen doch eben einmal nach Robin Hill hinaus,« sagte James, die Worte schnell herauspolternd, »die Pferde brauchen Bewegung, und ich möchte gern sehen, was sie da draußen gemacht haben.«

Irene sträubte sich anfangs, überlegte sich's jedoch wieder und ging zum Wagen hinaus; James folgte dicht hinter ihr, um ganz sicher zu sein.

Erst als sie fast auf halbem Wege waren, begann er: »Soames hat dich sehr lieb – er läßt nichts auf dich kommen; warum zeigst du ihm nicht mehr Zuneigung?«

Irene errötete und sagte mit leiser Stimme: »Ich kann nicht zeigen, was ich nicht fühle.«

James sah sie scharf an; jetzt, wo er sie in seinem eigenen Wagen mit seinen eigenen Pferden und Dienstboten hatte, fühlte er sich völlig als Herr der Situation. Sie konnte ihn nicht abweisen, noch würde sie öffentlich eine Szene machen.

»Ich begreife nicht, was du hast,« sagte er, »Soames ist ein sehr guter Ehemann!«

Irene antwortete so leise, daß es im Lärm des Verkehrs fast unhörbar war. Und nur die Worte: »Du bist nicht mit ihm verheiratet!« fing er auf.

»Was hat das damit zu tun? Er hat dir alles gewährt, was du wünschtest. Er ist immer bereit, dich überall hin mitzunehmen, und jetzt hat er dir dieses Haus auf dem Lande gebaut. Was anderes wär's, wenn du selbst etwas besäßest.«

»Ja.«

James blickte wieder zu ihr hin; er konnte den Ausdruck ihres Gesichts nicht deuten. Sie sah fast aus, als wolle sie anfangen zu weinen, und doch –

»Wir haben doch alle versucht freundlich gegen dich zu sein,« murmelte er hastig.

Irenens Lippen zuckten; zu seinem Schrecken sah James eine Träne verstohlen über ihre Wange rollen. Er fühlte selbst ein Würgen im Halse.

»Wir alle haben dich lieb,« sagte er, »wenn du dich nur –« er wollte sagen, »besser benehmen wolltest,« änderte es aber in »wenn du nur eine bessere Frau für ihn sein wolltest.«

Irene antwortete nicht, und auch James verstummte. In ihrem nicht eigensinnigen, sondern eher ergebenen Schweigen zu allem was er sagte, war etwas, das ihn aus der Fassung brachte. Und doch hatte er das Gefühl, nicht das letzte Wort gehabt zu haben. Er begriff es nicht.

Jedoch war er nicht imstande, das Schweigen lange aufrecht zu erhalten.

»Der junge Bosinney,« sagte er, »wird June jetzt wohl heiraten?«

Irenes Gesichtsausdruck änderte sich. »Ich weiß es nicht,« sagte sie; »du müßtest sie fragen.«

»Schreibt sie dir?«

»Nein.«

»Wie kommt das?« fragte James. »Ich dachte, ihr zwei wärt so gute Freunde.«

Irene drehte sich zu ihm. »Auch danach müßtest du sie fragen,« sagte sie.

»Merkwürdig,« sagte James durch den Blick verwirrt, »daß ich auf eine einfache Frage keine einfache Antwort erhalten kann.«

Nachdenklich über diese Abweisung saß er da und rief schließlich aus:

»Na, ich habe dich gewarnt. Du willst nicht sehen, was kommen muß. Soames sagt zwar nicht viel, aber ich merke ihm an, daß er diese Sachen nicht lange mehr dulden wird. Du wirst später niemand als dich selbst zu tadeln haben, und was schlimmer ist, niemand wird dir mehr Teilnahme schenken.«

Mit einem leichten Neigen senkte Irene lächelnd den Kopf. »Ich danke dir vielmals.«

James wußte nicht, was in aller Welt er antworten sollte.

Der helle heiße Morgen hatte sich in einen grauen drückenden Nachmittag verwandelt. Eine schwere Wolkenbank mit der gelben Färbung des kommenden Gewitters war im Süden aufgestiegen und kroch nun immer näher heran. Die Zweige der Bäume hingen regungslos, ohne daß ein Blatt sich rührte, über den Weg hernieder. Ein leiser leimiger Geruch von den erhitzten Pferden haftete in der dicken Luft; steif und unbeweglich auf dem Bock, wechselten der Kutscher und der Groom, ohne je den Kopf zu wenden, verstohlen murmelnd hie und da ein Wort.

Zu James' großer Erleichterung erreichten sie endlich das Haus. Das Schweigen und die Unnahbarkeit dieser Frau neben ihm, die er immer für so sanft und mild gehalten hatte, erschreckte ihn.

Der Wagen setzte sie vor der Tür ab und sie gingen hinein.

Die Halle war kühl und so still, als stiege man in ein Grab; ein Schauder überlief James. Schnell hob er die schweren Ledervorhänge zwischen den Säulen zum innern Hof und konnte einen Ausruf des Beifalls nicht unterdrücken.

Die Ausschmückung war wirklich von erlesenem Geschmack. Die stumpfroten Fliesen vom untern Ende der Wände bis zum Rande einer kreisrunden Gruppe hoher Irispflanzen, die ein eingelassenes, mit Wasser gefülltes Bassin aus weißem Marmor umgaben, waren offenbar von bester Qualität. Er bewunderte besonders die purpurnen Ledervorhänge, die sich an einer ganzen Seite hinzogen und einen ungeheuren weißen Kachelofen einrahmten. Die mittleren Abteilungen des Oberlichts waren geöffnet, und die warme Luft von draußen drang bis ins Innerste des Hauses.

Die Hände auf dem Rücken und den Kopf hintenüber auf seine hohen engen Schultern gebogen, stand er da und betrachtete genau die Zierate der Säulen und das Muster des Frieses, der unter der Galerie um die elfenbeinfarbenen Wände lief. Es war augenscheinlich keine Mühe gespart. Ganz das Haus eines Gentleman. Er ging an die Vorhänge heran, und nachdem er entdeckt hatte, wie sie angebracht waren, zog er sie auseinander und blickte in die Bildergalerie, die mit einem großen, die ganze Wand am Ende des Raumes einnehmenden Fenster endigte. Der Fußboden war aus schwarzem Eichenholz, und die Wände wieder elfenbeinweiß. Er ging weiter, öffnete Türen und guckte überall hinein. Alles war in schönster Ordnung, zur unmittelbaren Benutzung bereit.

Schließlich wandte er sich, um mit Irene zu sprechen, und sah sie am Eingang zum Garten mit ihrem Manne und Bosinney stehen.

Obwohl James nicht sonderlich feinfühlig war, merkte er doch gleich, daß etwas nicht stimmte. Er ging zu ihnen und versuchte etwas verwirrt, da er die Natur der Störung nicht kannte, die Sache wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

»Wie geht's Mr. Bosinney?« sagte er und reichte ihm die Hand. »Sie haben hier wohl ziemlich frei mit dem Gelde geschaltet!«

Soames wandte sich ab und ging fort. James blickte von Bosinneys finsterem Gesicht zu Irene und sprach in der Erregung seine Gedanken laut aus: »Ja, ich weiß nicht, was hier vorgeht,« sagte er. »Keiner sagt mir was!« Und als er sich anschickte seinem Sohne nachzugehen, vernahm er Bosinneys kurzes Lachen und sein »Na, Gott sei Dank! Sie sehen so –« Unglücklicherweise entging ihm der Rest.

Was war geschehen? Er schaute zurück. Irene stand ganz dicht neben dem Architekten, und ihr Gesicht glich gar nicht dem, das er kannte. Er eilte seinem Sohne nach.

Soames ging eben durch die Bildergalerie.

»Was ist geschehen?« fragte James. »Was soll das alles?«

Soames sah ihn gelassen mit seiner überlegenen Ruhe an, doch James merkte wohl, daß er wütend war.

»Unser Freund,« sagte er, »hat seine Befugnisse wieder überschritten, das ist alles. Um so schlimmer für ihn diesmal.«

Er drehte sich um und ging zurück zur Tür. James folgte eilig und schob sich vor. Er sah Irene den Finger von ihren Lippen nehmen, hörte sie mit ihrer gewöhnlichen Stimme etwas sagen, und begann zu sprechen, ehe er sie erreicht hatte:

»Es kommt ein Sturm, wir sollten lieber nach Haus. Sie können wohl nicht mit uns kommen, Mr. Bosinney? Nicht, das dachte ich mir. Dann leben Sie wohl!« Er reichte ihm die Hand, doch Bosinney nahm sie nicht, drehte sich aber mit einem Lachen um und sagte:

»Leben Sie wohl, Mr. Forsyte. Lassen Sie sich vom Sturm nicht erwischen!« und ging davon.

»Na,« begann James, »ich weiß nicht –«

Aber beim Anblick von Irenens Gesicht stockte er. Er faßte seine Schwiegertochter am Arm und führte sie an den Wagen. Wieder fühlte er mit Gewißheit, daß sie irgend eine Verabredung getroffen hatten oder dergleichen ...

Nichts in dieser Welt empört einen Forsyte mehr als die Entdeckung, daß etwas, wofür er eine bestimmte Summe festgesetzt, mehr gekostet hat. Und das ist ganz vernunftgemäß, denn auf der Genauigkeit seiner Berechnungen beruht seine ganze Lebensklugheit. Kann er nicht auf bestimmte Werte seines Besitzes bauen, so zeigt sein Kompaß falsch; und steuerlos treibt er auf wilden Fluten dahin.

Nachdem Soames in der bereits mitgeteilten Weise an Bosinney geschrieben, hatte er nicht mehr an die Kosten des Hauses gedacht. Er glaubte die Angelegenheit über die endgültig festgesetzte Summe so klar gestellt zu haben, daß die Möglichkeit eines Überschreitens derselben ihm niemals auch nur in den Sinn gekommen war. Als er von Bosinney erfahren hatte, daß sein vorgeschriebener Preis von zwölftausend Pfund um etwa vierhundert überschritten sei, war er bleich vor Ärger geworden. Ursprünglich hatte er die Kosten des fertigen Hauses auf zehntausend Pfund berechnet und sich oft ernstlich Vorwürfe darüber gemacht, daß er sich wiederholt zu weiteren Zuschüssen hatte verleiten lassen. Allein mit dieser letzten Ausgabe war Bosinney durchaus im Unrecht. Wie in aller Welt man eine solche Eselei begehen konnte, war Soames unbegreiflich. Doch nun hatte er es eben getan, und aller Groll, alle schon so lange in ihm brennende Eifersucht hatte sich jetzt bei diesem Übergriff, der allem die Krone aufsetzte, bis zur Wut gesteigert. Mit der Rolle des vertrauenden, freundlichen Ehemanns war es vorbei. Um sein Eigentum – seine Frau – zu hüten, hatte er sie angenommen, um eine andere Art von Eigentum zu hüten, gab er sie wieder auf.

»So!« hatte er zu Bosinney gesagt, als er wieder zu sprechen vermochte, »und Sie sind vermutlich vollkommen zufrieden mit sich. Aber ich will Ihnen nur lieber gleich sagen, daß Sie sich ganz und gar in mir getäuscht haben.«

Was er mit den Worten meinte, wußte er damals noch nicht ganz, aber nach Tisch sah er seine Korrespondenz mit Bosinney durch, um ganz sicher zu sein. Es konnte nur eine Ansicht darüber herrschen – der Mensch war verantwortlich für diese vierhundert Pfund oder jedenfalls für dreihundertfünfzig davon, und er sollte dafür aufkommen.

Er blickte seine Frau an, als er zu diesem Schluß gekommen war. Sie saß auf ihrem gewohnten Platz im Sofa und änderte die Spitzen an einem Kragen. Sie hatte den ganzen Abend noch nicht ein einziges Mal mit ihm gesprochen.

Er ging an den Kamin, betrachtete sein Gesicht im Spiegel und sagte: »Dein Freund, der Bukanier, hat eine Dummheit gemacht und wird dafür büßen müssen!«

Sie sah ihn verächtlich an und erwiderte: »Ich weiß nicht, um was es sich handelt!«

»Das wirst du gleich erfahren, um eine Kleinigkeit, für dich etwas ganz Wertloses, um vierhundert Pfund.«

»Willst du damit sagen, daß du ihn das für dies verhaßte Haus zahlen lassen willst?«

»Jawohl.«

»Und du weißt, daß er nichts besitzt?«

»Ja.«

»Dann bist du niedriger als ich gedacht habe.«

Soames wandte sich vom Spiegel ab, nahm unbewußt eine chinesische Tasse vom Kaminsims und faltete die Hände um sie, als ob er betete. Er sah wie ihr Busen sich hob und senkte, sah ihre Augen sich vor Zorn verfinstern, beachtete aber ihre Schmähung nicht weiter und fragte ruhig:

»Hast du mit Bosinney eine Liebelei angefangen?«

»Nein, das habe ich nicht!«

Ihre Augen begegneten den seinen, und er blickte fort. Weder glaubte noch mißtraute er ihr, aber er wußte, daß er mit dieser Frage einen Fehler gemacht hatte; niemals hatte er gewußt, was sie dachte, und nie würde er dahinterkommen. Der Anblick ihres unergründlichen Antlitzes, der Gedanke an all die Hunderte von Abenden, wo er sie dort so sanft und duldsam, aber unerforschlich, ungekannt hatte sitzen sehen, versetzte ihn in maßlose Wut.

»Ich glaube, du bist aus Stein,« sagte er und preßte die Finger so fest, daß er die zerbrechliche Tasse zerdrückte. Die Stücke fielen auf den Rost. Und Irene lächelte.

»Du scheinst zu vergessen,« sagte sie, »daß diese Tasse es nicht ist!«

Soames ergriff ihren Arm. »Eine ordentliche Züchtigung wäre das einzige Mittel dich zur Besinnung zu bringen,« sagte er, drehte sich darauf kurz um und verließ das Zimmer.

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