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Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer

James Fenimore Cooper: Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Pfadfinder
publisherHoffmann'sche Verlags Buchhandlung.
printrunNeue unveränderte Auflage
year1869
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141112
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Dreißigstes Kapitel

O laß mich athmen bloß die Lüfte,
Die deinen holden Mund umschweben –
So süß mir, wie der Rose Düfte.
Ob Tod sie bringen oder Leben.

Moore.

 

Pfadfinder war an die Einsamkeit gewöhnt; aber als der Scud völlig verschwunden war, umdüsterte das Gefühl des Alleinseins seine Seele. Nie vorher war er sich seiner vereinzelten Stellung in der Welt bewußt geworden; denn erst jetzt hatten sich seine Gefühle allmälig in die Annehmlichkeiten und Bedürfnisse des geselligen Lebens, besonders wenn diese mit häuslichen Freuden in Verbindung standen, gefügt. Nun aber war Alles, so zu sagen in einem Nu, verschwunden, und er blieb ohne Gefährten und ohne Hoffnung zurück. Selbst Chingachgook hatte ihn, freilich nur für eine Weile, verlassen, und so fehlte des Freundes Nähe gerade in einem Augenblick, welchen wir den entscheidendsten in dem Leben unseres Helden nennen könnten.

Pfadfinder stand noch in der zu Ende des vorigen Kapitels beschriebenen Stellung, als der Scud schon längst verschwunden war. Seine Glieder schienen erstarrt, und nur ein Mann, der gewöhnt war, seine Muskeln den härtesten Hebungen zu unterwerfen, vermochte so lange in einem derartigen, marmorgleichen Zustande zu verharren. Endlich verließ er den Ort; doch ehe er seinen Körper bewegte, stieß er einen Seufzer aus, welcher sich aus den tiefsten Tiefen seiner Brust zu heben schien.

Es war eine Eigenthümlichkeit dieses außerordentlichen Mannes, daß ihm seine Sinne und seine Glieder nie ihre Dienste versagten, mochte der Geist auch noch so sehr von anderweitigen Interessen befangen sein. Auch bei der gegenwärtigen Gelegenheit blieben ihm diese wichtigen Hilfsmittel treu, und obgleich sich seine Gedanken ausschließlich mit Mabel, ihrer Schönheit, dem Vorzuge, welchen sie Jasper gegeben, ihren Thränen und ihrem Abschiede beschäftigten, bewegte er sich doch in gerader Linie der Stelle zu, wo June noch an dem Grabe ihres Gatten weilte. Die nun folgende Unterhaltung wurde in der Sprache der Tuscarora's geführt, welche Pfadfinder geläufig war; da aber diese Zunge nur von außerordentlich gelehrten Leuten verstanden wird, so geben wir eine freie Uebersetzung derselben, wobei wir, so weit es möglich ist, den Gedankenausdruck sowohl, als die eigenthümlichen Wendungen der sprechenden Personen beibehalten wollen.

June saß, ohne die Gegenwart des Andern zu bemerken, mit aufgelösten Haaren auf einem Stein, der bei dem Ausschaufeln des Grabes in der Erde gefunden worden war, und nun an der Stelle lag, wo Arrowheads Körper ruhte. Sie glaubte in der That, Alle, außer ihr, hätten die Insel verlassen, und der Tritt von des Pfadfinders Moccasin war zu leise, um sie auf eine rauhe Weise zu enttäuschen.

Pfadfinder betrachtete das Weib einige Minuten mit stummer Aufmerksamkeit. Der Anblick ihres Schmerzes, die Erinnerung an ihren unersetzlichen Verlust und der sichtliche Ausdruck ihrer Trostlosigkeit übten einen heilsamen Einfluß auf seine eigenen Gefühle. Sein Verstand sagte ihm, um wie viel tiefer, als bei ihm selbst, die Quellen des Kummers bei einem jungen Weibe lägen, welche ihres Gatten so plötzlich und gewaltsam beraubt worden war.

»Dew of June,« sagte er feierlich und mit einem Ernste, welcher die Innigkeit seiner Theilnahme bezeichnete; – »du bist nicht allein in deinem Schmerze. Wende dich, und laß dein Auge auf einen Freund blicken.«

»June hat keinen Freund mehr!« antwortete die Indianerin. »Arrowhead ist zu den glücklichen Jagdgründen gegangen, und Niemand ist übrig, der für June Sorge trägt. Die Tuscarora's werden sie aus ihren Wigwams jagen; die Irokesen sind ihren Augen verhaßt und sie mag sie nicht ansehen. Nein! laß June sterben über dem Grabe ihres Gatten.«

»Das geht nicht – das darf nicht sein. Es ist gegen Vernunft und Recht. Du glaubst an den Manito, June?«

»Er hat sein Gesicht vor June verborgen, weil er zornig ist. Er hat sie allein gelassen, um zu sterben.«

»Höre auf einen Mann, der seit lange die Natur der Rothhäute kennt, obgleich er von Geburt ein Weißer ist und weiße Gaben besitzt. Wenn der Manito eines Blaßgesichts etwas Gutes in dem Herzen eines Blaßgesichts hervorbringen will, so schickt er ihm Leiden; denn in unsrem Kummer, June, blicken wir mit scharfen Augen in unser Inneres – mit den schärfsten, wenn es sich um Unterscheidung von Recht oder Unrecht handelt. Der große Geist will dir wohl und hat den Häuptling hinweggenommen, damit dich seine listige Zunge nicht irre leite und dein Charakter nicht der einer Mingo werde, wie du bereits schon in ihrer Gesellschaft warft.«

»Arrowhead war ein großer Häuptling,« erwiederte die Indianerin mit Stolz.

»Er hatte seine Verdienste – gewiß; doch hatte er auch seine Fehler. Aber June, du bist nicht verlassen und wirst es auch nicht so bald sein. Laß deinen Schmerz austoben, laß ihn der Natur gemäß austoben, und wenn die geeignete Zeit kommt, will ich dir mehr sagen.«

Pfadfinder ging nun zu seinem Kahne und verließ die Insel. Im Verlauf des Tages vernahm June ein- oder zweimal den Knall seiner Büchse, und beim Untergang der Sonne erschien er wieder mit Vögeln, die bereits mit einem Wohlgeschmack zubereitet waren, welcher den Appetit eines Epicuräers hätte in Versuchung führen können. Diese Art von Verkehr dauerte einen Monat, während welcher Zeit June es hartnäckig verweigerte, das Grab ihres Gatten zu verlassen, obgleich sie die freundlichen Gaben ihres Beschützers schweigend hinnahm. Hin und wieder sprachen sie mit einander, bei welchen Gelegenheiten Pfadfinder ihren Gemüthszustand untersuchte; die Unterredungen waren aber stets kurz und selten. June schlief in einer der Hütten, wo sie ihr Haupt sicher nieder legen konnte, denn sie war sich des Schutzes eines Freundes bewußt, obgleich Pfadfinder sich jede Nacht auf eine anliegende Insel, auf der er sich selbst eine Wohnung gebaut hatte, zurückzog.

Mit dem Ablaufe des Monats war jedoch die Jahreszeit zu weit vorgerückt, um June's Lage angenehm zu machen. Die Bäume hatten ihre Blatter verloren und die Nächte wurden kalt und winterlich. Es war Zeit zur Abreise.

Da erschien auf einmal Chingachgook wieder. Er hielt mit seinem Freunde eine lange und vertrauliche Unterredung auf der Insel. June war Zeuge ihrer Bewegungen und sah, daß ihr Beschützer sehr betrübt war. Sie schmiegte sich an seine Seite und suchte mit weiblicher Zartheit und weiblichem Instinkt seinen Kummer zu lindern.

»Ich danke dir, June, ich danke dir!« sagte er; »du meinst es gut, aber es ist umsonst. Doch es ist Zeit, daß wir diesen Ort verlassen. Morgen wollen wir abreisen. Du gehst mit uns, denn du bist jetzt wieder zur Vernunft gekommen.«

June gab in der demüthigen Weise einer Indianerin ihre Zustimmung und zog sich zurück, um die ihr noch übrige Zeit bei Arrowheads Grabe zuzubringen. Ohne Rücksicht auf Stunde und Jahreszeit brachte sie die ganze Herbstnacht ihr Haupt auf keinen Pfühl. Sie saß in der Nähe der Stelle, welche die irdischen Reste ihres Gatten barg, und betete in der Weise ihres Volkes für sein Glück auf dem endlosen Pfade, den er erst jüngst angetreten hatte, und für andere Wiedervereinigung in dem Lande der Gerechten. So demüthig und nieder gedrückt sie auch in den Augen des Gedankenlosen erscheinen mochte – das Bild Gottes war in ihrer Seele, und sie verkündete ihren göttlichen Ursprung durch die sehnsuchtsvollen Gefühle, welche die Stumpfsinnigen, die nur den äußern Anstrich des Gemüthes tragen, überrascht haben würden.

Sie reisten am Morgen mit einander ab – Pfadfinder ernst und umsichtig in Allem, was er that – Big Serpent dem Beispiele des Gefährten in tiefem Schweigen folgend, und June demüthig, entsagend, aber von Kummer gebeugt. Sie fuhren in zwei Kähnen; der des Weibes blieb zurück. Chingachgook ruderte stromaufwärts voraus und Pfadfinder folgte. Sie steuerten zwei Tage westwärts und schlugen eben so oft ihr Nachtlager auf den Inseln auf. Zum Glück wurde das Wetter milder, und als sie in den See gelangten, fanden sie ihn so glatt und ruhig wie einen Teich. Es war der Sommer der Indianer, die Zeit der Windstillen; die dunstige Atmosphäre hatte fast die Milde des Juni.

Am Morgen des dritten Tages kamen sie an der Mündung des Oswego vorbei, wo das Fort und die ruhige Flagge sie vergeblich zum Landen einlud. Ohne einen Blick seitwärts zu werfen, ruderte Chingachgook über die dunkeln Wasser des Stromes und Pfadfinder folgte in schweigender Emsigkeit. Die Wälle waren mit Zuschauern angefüllt, aber Lundie, welcher seine alten Freunde erkannte, gestattete nicht, sie anzurufen.

Gegen Mittag fuhr Chingachgook in eine kleine Bai ein, wo der Scud in einer Art Rhede vor Anker war. An dem Ufer befand sich eine kleine, vor Alters entstandene Lichtung, und am Rande des See's lag ein etwas roh behauenes, neu und vollständig ausgebautes Blockhaus. Der ganze Platz trug das Gepräge der Wohnlichkeit und des Ueberflusses der Gränze, obgleich er etwas wild und einsam war. Jasper stand am Ufer, und als Pfadfinder landete, bot er ihm zuerst die Hand. Die Begrüßung war einfach, aber sehr herzlich. Es wurden keine Fragen gestellt, denn augenscheinlich hatte Chingachgook die nöthigen Erklärungen gegeben. Pfadfinder hatte die Hand seines Freundes nie mit mehr Wärme gedrückt als bei dieser Zusammenkunst, und lachte sogar von ganzem Herzen als er ihm sagte, wie er so recht im Glücke zu sitzen scheine.

»Wo ist sie, Jasper, wo ist sie?« flüsterte endlich der Wegweiser, denn Anfangs schien er selbst vor der Frage zu bangen.

»Sie erwartet uns im Hause, mein lieber Freund, wohin, wie Ihr seht, June bereits vorausgeeilt ist.«

»Mag auch ein leichter Fuß June Mabeln entgegen führen, ihr Herz wird nicht leichter dadurch. Ihr habt also den Geistlichen in der Garnison gefunden und die Sache ist nun ganz im Reinen?«

»Wir ließen uns eine Woche, nachdem wir Euch verlassen hatten, trauen, und Meister Cap reiste des andern Tages ab. Ihr habt vergessen, nach Eurem Freund Salzwasser zu fragen.«

»Nicht doch, nicht doch; der Serpent hat mir Alles erzählt; und dann höre ich lieber von Mabel und ihrem Glücke sprechen. Lachte das Kind oder weinte sie, als die Feierlichkeit vorüber war?«

»Sie that Beides, mein Freund; aber – –«

»Ja, das ist so ihre Art – Thränen und Heiterkeit. Ach – sie erscheinen uns Leuten aus den Wäldern gar so liebenswürdig, und ich glaube, ich würde Alles für Recht halten, was Mabel thäte. Und glaubt Ihr, Jasper, daß sie meiner überhaupt bei diesem freudevollen Anlaß gedachte?«

»Gewiß, Pfadfinder! – Sie denkt an Euch und spricht von Euch täglich, fast stündlich. Niemand liebt Euch so, wie wir.«

»Ich weiß, daß mich Wenige mehr lieben, als Ihr, Jasper. Chingachgook ist vielleicht jetzt noch das einzige Geschöpf, von welchem ich das sagen kann. Nun – es führt zu nichts, länger zu zögern; es muß geschehen, und so kann es denn eben so gut gleich geschehen. So zeigt mir den Weg Jasper, ich will's versuchen, noch einmal in ihr süßes Auge zu blicken.«

Jasper ging voran und bald trafen sie mit Mabel zusammen. Letztere empfing ihren ehemaligen Verlobten mit hohem Erröthen, und ihre Glieder zitterten, so daß sie sich kaum aufrecht zu halten vermochte. Doch war die Art, wie sie ihm entgegenkam, liebevoll und offen. Bei diesem Besuche Pfadfinders, der, obgleich Letzterer in der Wohnung seiner Freunde speiste, nicht länger als eine Stunde dauerte, hätte ein geübter Seelenkenner ein treues Bild von Mabels Geschichte, wie auch von ihrem Benehmen gegen Pfadfinder und ihren Gatten erhalten können. Gegen den Letzteren zeigte sie, wie es bei Neuvermählten gewöhnlich ist, noch etwas Zurückhaltung, aber der Ton ihrer Stimme war sogar noch sanfter als gewöhnlich: ihre Blicke waren zärtlich und sie sah ihn selten an, ohne daß die Glut ihrer Wangen Gefühle verrieth, welchen Zeit und Gewohnheit noch nicht den Stempel der vollkommenen Ruhe aufgedrückt hatten. Gegen Pfadfinder war sie ernst, aufrichtig, sogar ängstlich; aber ihre Stimme bebte nie; das Auge senkte sich nicht, und wenn die Wangen errötheten, so geschah dieß in Folge von Regungen, welche sich mit der Besorgniß verbinden.

Endlich kam der Augenblick, wo Pfadfinder aufbrechen mußte. Chingachgook hatte bereits die Kähne verlassen und sich am Saume des Waldes aufgestellt, wo ein Pfad in's Innere führte. Hier erwartete er ruhig die Ankunft seines Freundes. Sobald Letzterer dieses bemerkte, erhob er sich feierlich und nahm Abschied.

»Ich habe bisweilen gedacht, daß das Schicksal ein wenig zu hart mit mir umgegangen sei,« sagte er; »aber dieses Weib, Mabel, hat mich beschämt und zur Vernunft gebracht.«

»June wird bei mir bleiben,« unterbrach ihn rasch unsere Heldin.

»Ich habe mir das auch so vorgestellt. Wenn irgend Jemand ihren Schmerz heilen und ihr das Leben wieder werth machen kann, so sind Sie es, Mabel, obgleich ich zweifle, daß es Ihnen gelingen wird. Das arme Geschöpf ist eben so sehr ohne Stamm, als ohne Gatten, und es ist nicht leicht, sich mit dem Gefühle auszusöhnen, Beide verloren zu haben. – Ach! warum kümmere ich mich aber um anderer Leute Elend und Heirathen, als ob ich nicht selber genug Leides auf dem Herzen trüge! Sagen Sie mir nichts, Mabel, – sagt mir nichts, Jasper! – Laßt mich im Frieden und wie ein Mann meinen Weg ziehen. Ich habe Euer Glück gesehen, und das ist schon etwas Namhaftes; ich werde um so eher im Stande sein, meinen Kummer zu tragen. Nein – ich will Sie nicht wieder küssen, Mabel; ich will Sie nie wieder küssen. – Hier ist meine Hand, Jasper; drückt sie, Junge, drückt sie – ohne Umstände; 's ist die Hand eines Mannes, – und nun, Mabel – da haben Sie sie auch; – nein, nicht so« – Mabel wollte sie küssen und in Thränen baden – »Sie müssen das nicht thun –«

»Pfadfinder,« fragte die junge Frau, »wann werden wir Euch wieder sehen?«

»Ich habe auch schon daran gedacht – ja, ich habe daran gedacht. Wenn einmal die Zeit kommt, wo ich Sie ganz als eine Schwester betrachten kann, Mabel, oder als mein Kind – es ist besser, wenn ich sage, als mein Kind – denn Sie sind jung genug, um meine Tochter sein zu können; dann, verlaßt Euch daraus, – dann will ich wieder kommen, denn es würde mir das Herz erleichtern, Zeuge Eures Glücks zu sein. Aber wenn ich nicht kann, – lebt wohl – lebt wohl, – der Sergeant hatte Unrecht, – ja, der Sergeant hatte Unrecht!«

Dieß waren die letzten Worte, welche Jasper Western und Mabel Dunham je von Pfadfinder hörten. Er entfernte sich, da die Macht der Gefühle ihn überwältigte, und befand sich schnell an der Seite seines Freundes. Als Letzterer ihn kommen sah, lud er sich seinen Pack auf und schlüpfte unter die Bäume, ohne zu warten, bis er angesprochen wurde. Mabel, ihr Gatte und June sahen noch lange der Gestalt des Pfadfinders nach, in der Hoffnung, daß er ihnen noch einen Wink oder einen Scheideblick zuwerfen werde; aber er schaute nicht zurück. Ein oder zweimal kam es ihnen vor, als ob er den Kopf schüttelte, wie Einer, der im Schmerze seiner Seele erzitterte; dann fuhr er mit der Hand in die Höhe, als ob er wisse, daß man ihm nachsehe: aber ein Schritt, dessen Kraft kein Kummer beugen konnte, entführte ihn bald ihren Blicken, und er verlor sich in die Tiefen des Urwaldes.

Weder Jasper, noch seine Gattin, sahen Pfadfinder je wieder. Sie blieben noch ein Jahr an den Ufern des Ontario; dann ließen sie sich durch Caps dringende Bitten veranlassen, zu ihm nach New-York zu ziehen, wo Jasper ein bemittelter und geachteter Kaufmann wurde. Im Verlaufe der Zeit erhielt Mabel dreimal werthvolle Geschenke von Pelzwerk, und ihre Gefühle sagten ihr, woher sie kämen, obgleich kein Name die Gaben begleitete. In späterer Zeit jedoch, als sie bereits Mutter mehrerer Kinder war, gab sich ihr eine Veranlassung, das Innere des Landes zu besuchen, und sie befand sich unter den Ufern des Mohawks, von ihren Söhnen begleitet, deren ältester bereits fähig war, ihr Beschützer zu sein. Bei dieser Gelegenheit bemerkte sie einen Mann in sonderbarer Tracht, welcher sie aus der Entfernung mit einer Aufmerksamkeit betrachtete, daß sie dadurch veranlaßt wurde, über sein Gewerbe und seinen Charakter Erkundigung einzuziehen. Sie erfuhr, daß er der berühmteste Jäger in diesem Theil des Staates – es war nach der Revolution – und ein Mann von großer Sittenreinheit und bezeichnenden Eigenthümlichkeiten sei, und daß man ihn in diesem Landstrich unter dem Namen Lederstrumpf kenne. Etwas Weiteres konnte Frau Western nicht erfahren: aber jener Blick aus der Ferne und das eigenthümliche Benehmen des unbekannten Jägers machten ihr eine schlaflose Nacht und warfen einen wehmüthigen Schatten über ihre noch immer lieblichen Züge, welcher mehrere Tage lang nicht verschwand.

Auf June hatte der doppelte Verlust ihres Gatten und ihres Stammes den von Pfadfinder vorausgesehenen Einfluß geübt. Sie starb in Mabels Hütte an den Ufern des See's, und Jasper führte ihre Leiche nach der Insel, wo er sie an Arrowheads Seite beerdigte.

Lundie erlebte es, seine alte Liebe heimzuführen und nahm als ein gebeugter, schlachtenmüder Veteran seinen Abschied; aber sein Name wurde in unsern Tagen durch die Thaten eines jüngern Bruders berühmt, der dem ältern in seinem Lairdstitel nachfolgte, diese Würde aber bald mit der eines großen Seehelden vertauschte.

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