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Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer

James Fenimore Cooper: Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Pfadfinder
publisherHoffmann'sche Verlags Buchhandlung.
printrunNeue unveränderte Auflage
year1869
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141112
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Siebenundzwanzigstes Kapitel

Die einz'ge unwelkbare Blüth' auf Erden
Ist Tugend; und ein Schatz, der nie versiegt,
Die Treue. –

Cowper.

 

Der Leser möge sich einige der Begebenheiten, welche dem plötzlichen Tode des Quartiermeisters folgten, selbst ausmalen. Während sein Körper in den Händen der Soldaten war, welche ihn anständig bei Seite brachten und mit einem Mantel bedeckten, nahm Chingachgook schweigend wieder seinen Platz am Feuer ein, und Sanglier und Pfadfinder bemerkten, daß ein frischer, noch blutender Skalp an seinem Gürtel hing. Niemand machte eine Frage, und der Erstere, obwohl er vollkommen überzeugt war, daß Arrowhead gefallen sei, zeigte keine Spur von Neugierde oder Theilnahme. Er aß ruhig seine Suppe fort, als ob sich nichts Ungewöhnliches während der Mahlzeit ereignet hätte. In all' Diesem lag etwas von dem Stolze und der angenommenen Gleichgültigkeit, in welchen er die Indianer nachahmte; doch mochte es noch mehr das Ergebniß eines sturmvollen Lebens, gewohnter Selbstbeherrschung und der Härte seines Gemüthes sein. Pfadfinder fühlte etwas anders bei der Sache, obgleich er sich im Aeußern fast ebenso benahm. Er liebte Muir nicht, da dessen glatte Höflichkeit wenig mit seinem eigenen freimüthigen und edlen Wesen im Einklang stand; aber der unerwartete und gewaltsame Tod desselben hatte ihn, obgleich er an ähnliche Scenen gewöhnt war, ergriffen, und das Offenbarwerden seines Verrathes mußte ihn überraschen. Um sich über die Ausdehnung des Letzteren Gewißheit zu verschaffen, begann er, sobald die Leiche entfernt war, den Kapitän über die Sache auszuforschen, und da dieser nach dem Tode seines Agenten keinen besondern Grund hatte, sie geheim zu halten, so enthüllte er während des Frühstücks folgende Umstände, welche dazu dienen mögen, einige untergeordnete Zwischenvorfälle unserer Erzählung aufzuklären.

Bald nach dem Auszug des Fünfundfünfzigsten an der Gränze hatte Muir freiwillig dem Feinde seine Dienste angeboten. In seinen Anträgen rühmte er sich der Freundschaft mit Lundie, welche ihm Mittel böte, ungewöhnlich genaue und wichtige Mittheilungen zu machen. Seine Bedingungen wurden angenommen; Monsieur Sanglier hielt in der Nähe des Forts Oswego mehrere Zusammenkünfte mit ihm, und brachte einmal eine ganze Nacht verborgen in der Garnison zu. Arrowhead war der gewöhnliche Kommunikationskanal; der anonyme Brief an Major Duncan wurde von Muir aufgesetzt, nach Frontenac geschickt, abgeschrieben, und durch den Tuscarora zurückgebracht, der eben von dieser Sendung zurückkehrte, als ihn der Scud abfing. Es ist kaum nöthig, beizufügen, daß Jasper geopfert werden sollte, um den Verrath des Quartiermeisters zu verhüllen, und allen Verdacht zu beseitigen, daß durch Letzteren die Mittheilung der Lage der Insel an den Feind geschehen sei. Eine außerordentliche Belohnung, welche in seiner Börse gefunden wurde, hatte ihn veranlaßt, Sergeant Dunhams Zug zu begleiten, um die Signale zum Angriff geben zu können. Die Vorliebe Muirs für das andere Geschlecht war eine natürliche Schwäche, und er würde Mabel eben so gut als irgend eine Andere, welche sich geneigt gezeigt hätte, seine Hand anzunehmen, geheirathet haben; aber seine Bewunderung gegen sie war großentheils geheuchelt, um einen Vorwand zur Theilnahme an dem Zuge zu haben, ohne sich bei dem Mißlingen desselben einer Verantwortlichkeit auszusetzen oder Gefahr zu laufen, daß ihm die Begleitung wegen fehlender gewichtiger und hinreichender Gründe abgeschlagen würde. Hievon war Vieles, namentlich der mit Mabel in Verbindung stehende Theil, dem Kapitän Sanglier bekannt, und er ermangelte nicht, seine Zuhörer in das ganze Geheimniß einzuweihen, wo er oft in seiner sarkastischen Weise lachte, als er die verschiedenen Kunstgriffe des unglücklichen Quartiermeisters enthüllte.

» Touchez-là,« sagte der kaltblütige Parteigänger, und hielt, als er mit seinen Erläuterungen zu Ende war, dem Pfadfinder seine sehnige Hand entgegen. »Sie sein honnête, und das is b eaucoup. Wir nehmen den Spion, wie wir nehmen la médicine, für gut, mais je le dédeste! Touchez-Ià!«

»Ich nehme Ihre Hand, Kapitän, ja; denn Sie sind ein gesetzmäßiger, natürlicher Feind,« erwiederte Pfadfinder, – »und ein mannhafter obendrein; aber der Körper des Quartiermeisters soll nie den englischen Boden entehren. Ich hatte im Sinn, ihn zu Lundie zurückzuführen, damit dieser seine Dudelsäcke über ihn pfeifen lasse; aber er soll nun hier liegen, an dem Ort, wo er seine Schurkerei geübt, und sein Verrath sei sein Grabstein. Kapitän Kieselherz, ich will glauben, daß die Gemeinschaft mit Verräthern zu den regelmäßigen Dienstpflichten eines Soldaten gehört; aber ich sage Ihnen ehrlich, daß sie mir nicht gefällt, und daß es mir lieber ist, Sie haben diese Sache auf Ihrem Gewissen, als ich. Welch' ein arger Sünder, Verrath zu spinnen, rechts und links, gegen Vaterland, Freunde und Gott! Jasper, Junge, ein Wort beiseits, nur eine Minute –«

Pfadfinder führte nun den Jüngling aus die Seite, und indem er ihm, mit Thränen in den Augen, die Hand drückte, fuhr er fort:

Ihr kennt mich, Eau-douce, und ich kenne Euch; diese Neuigkeiten haben meine Meinung von Euch nicht im Mindesten geändert. Ich habe ihrem Gerede nie Glauben geschenkt, obgleich es, ich gebe es zu, eine Minute bedenklich genug aussah; ja es sah bedenklich aus und machte auch mich bedenklich. Aber ich halte keinen Augenblick Argwohn gegen Euch, denn ich weiß, daß Eure Gaben nicht auf diesem Wege liegen, obschon ich zugestehen muß, daß ich etwas der Art nicht hinter dem Quartiermeister gesucht hätte.«

»Und er war sogar ein Offizier Seiner Majestät, Pfadfinder!«

»Es ist nicht sowohl deßwegen, Jasper Western, es ist nicht gerade das. Bestallung hin, Bestallung her; er war von Gott bestellt, recht zu handeln und mit seinen Mitgeschöpfen ehrlich zu Werke zu gehen, und hat sich schrecklich gegen diese Pflicht verfehlt.«

»Und dann noch seine vorgebliche Liebe zu Mabel, für die er auch nicht das Mindeste fühlte!«

»Gewiß, das war schlecht; der Kerl muß Mingoblut in seinen Adern gehabt haben. Ein Mensch, der gegen ein Weib unredlich ist, kann nur ein Mischling sein, Junge; denn der Herr hat sie hilflos geschaffen, damit wir ihre Liebe durch Güte und Dienstleistungen gewinnen mögen. Da liegt der arme Mann, der Sergeant, auf seinem Sterbebette; und er hat mich mit seiner Tochter verlobt, und Mabel, das liebe Kind, hat ihre Zustimmung gegeben. Dieses läßt mich nun fühlen, daß ich auf die Wohlfahrt Zweier zu denken, für zwei Naturen zu sorgen und zwei Herzen zu erfreuen habe. Ach, Jasper, es kommt mir bisweilen vor, ich sei nicht gut genug für dieses süße Geschöpf!«

Eau-douce schnappte nach Luft, als er zum ersten Mal diese Nachricht vernahm, und obgleich es ihm gelang, einige äußere Zeichen seines Seelenkampfes zu verbergen, so überflog doch seine Wangen die Blässe des Todes. Er faßte sich jedoch und antwortete nicht nur mit Festigkeit, sondern sogar mit Kraft: –

»Sagt nicht so, Pfadfinder: Ihr seid gut genug für eine Königin.«

»Ja, ja, Junge – nach Euern Begriffen von meinen Vorzügen; das heißt, ich kann einen Hirsch tödten, oder im Nothfall auch einen Mingo, so gut, als irgend Einer an der Gränze; oder ich kann einen Waldpfad mit sicherem Auge verfolgen, und in den Sternen lesen, wenn Andere das nicht vermögen. Kein Zweifel, kein Zweifel, Mabel wird Wildpret und Fische genug haben; aber wird sie nicht Kenntnisse, Ideen und eine angenehme Unterhaltung vermissen, wenn das Leben sich ein wenig langweilig hinschleppt, und Jedes von uns sich in seinem wahren Werthe zu zeigen beginnt?«

»Wenn Ihr Euern Werth zeigt, Pfadfinder, so muß die größte Dame im Land mit Euch glücklich werden. In dieser Beziehung habt Ihr keinen Grund, besorgt zu sein.«

»Nun, Jasper, ich glaube, daß es Euch Ernst ist – nein, ich weiß es; denn es ist natürlich und der Freundschaft gemäß, daß man die, welche man liebt, in einem allzugünstigen Lichte betrachtet. Ja, ja, wenn ich Euch heirathen sollte, Junge, so würde ich mir keine Sorge machen, günstig beurtheilt zu werden, denn Ihr habt Euch immer geneigt gezeigt, mich und meine Handlungen mit wohlwollenden Blicken zu betrachten. Aber ein junges Mädchen muß im Grunde doch wünschen, einen Mann zu kriegen, der ihrem eigenen Alter und ihrer Denkweise näher steht, als Einer, der seinen Jahren nach ihr Vater sein könnte, und roh genug ist, um ihr Furcht einzujagen. Es nimmt mich Wunder, Jasper, daß Mabel nicht lieber ein Auge auf Euch geworfen hat, statt mir ihre Neigung zuzuwenden.«

»Ein Auge auf mich werfen, Pfadfinder?« erwiederte der junge Mann, indem er die Bewegung in seiner Stimme zu verbergen suchte. »Was könnte an mir wohl einem Mädchen, wie Mabel Dunham, gefallen? Ich habe alle die Mängel, welche Ihr an Euch selbst findet, und nichts von den Vorzügen, welche Euch sogar die Achtung von Generalen gewonnen haben.«

»Nun, nun, es ist alles Zufall, sage man, was man wolle. Ich habe ein Frauenzimmer nach dem andern durch die Wälder geführt, und mit ihnen in der Garnison verkehrt, ohne gegen irgend Eine Zuneigung zu empfinden, bis ich Mabel Dunham sah. Es ist wahr, der arme Sergeant hat zuerst meine Gedanken auf seine Tochter gelenkt, aber als wir ein wenig bekannt wurden, bedurfte es nicht vieler Worte, um mich Tag und Nacht an sie denken zu machen. Ich bin zähe, Jasper, ich bin sehr zähe und entschlossen genug, wie ihr Alle wißt, und doch glaube ich, es würde mich erdrücken, wenn ich jetzt Mabel Dunham verlieren müßte.«

»Wir wollen nicht mehr davon reden, Pfadfinder,« sagte Jasper, indem er den Händedruck seines Freundes erwiederte und sich wieder dem Feuer zukehrte, obgleich das Letztere nur langsam und in der Weise eines Menschen geschah, dem es gleichgültig ist, wohin er geht; – »wir wollen nicht mehr davon reden. Ihr seid Mabels und Mabel ist Eurer würdig – Ihr liebt Mabel und Mabel liebt Euch – Ihr Vater hat Euch zu ihrem Gatten bestimmt, und Niemand hat das Recht, sich darein zu legen. Was aber den Quartiermeister anbelangt, so war seine geheuchelte Liebe gegen Mabel ein noch weit schlechterer Streich, als sein Verrath gegen den König.«

Mittlerweile waren sie dem Feuer so nahe gekommen, daß es nöthig wurde, den Gegenstand der Unterhaltung zu wechseln. Zum Glück erschien in diesem Augenblicke Cap, der in dem Blockhaus dem sterbenden Schwager Gesellschaft geleistet und von den Vorgängen seit der Kapitulation nichts erfahren hatte, mit ernstem und traurigem Blicke unter der Gesellschaft. Ein großer Theil jenes absprechenden Wesens, welches selbst seinem gewöhnlichen Benehmen den Anschein gab, als ob er Alles um sich her verachte, war verschwunden, und sein Aeußeres erschien gedankenvoll, wenn nicht gedrückt.

»Der Tod, meine Herren,« begann er, als er nahe genug gekommen war, »ist, von der besten Seite betrachtet, ein trauriges Ding. Da ist nun Sergeant Dunham – ohne Zweifel ein sehr guter Soldat – im Begriff, seinen Kabel laufen zu lassen, und doch hält er sich an dem besseren Ende desselben, als ob er entschlossen sei, es für immer in der Klüse zurückzuhalten – und das nur aus Liebe zu seiner Tochter, wie mir scheint. Was mich anbelangt, so wünsche ich stets, wenn ein Freund in die Nothwendigkeit versetzt wird, eine lange Reise anzutreten, daß er gut und glücklich fortkommt.«

»Ihr werdet doch den Sergeanten nicht vor seiner Zeit unter der Erde haben wollen?« antwortete Pfadfinder vorwurfsvoll. »Das Leben ist süß, auch für den Betagten, und ich habe in dieser Hinsicht Leute gekannt, welchen es am theuersten zu sein schien, wo es gerade am wenigsten Werth mehr hatte.«

Nichts war Caps Gedanken ferner gewesen, als der Wunsch, seines Schwagers Ende beschleunigt zu sehen. Er fühlte sich durch die Pflicht, die letzten Stunden des Sterbenden zu erleichtern, in Verlegenheit gesetzt, und wollte einfach blos seine Sehnsucht ausdrücken, daß der Sergeant glücklich aller Zweifel und Leiden enthoben sein möchte. Die falsche Deutung seiner Worte berührte ihn daher etwas unangenehm, und er erwiederte mit einem Anflug seiner eigenthümlichen Rauhheit, obgleich ihm sein Gewissen den Vormund machte, daß er seinen eigenen Wünschen kein Genüge geleistet habe: –

»Ihr seid zu alt und zu verständig, Pfadfinder,« sagte er, »Jemanden mit einer Welle einzuholen, wenn er, so zu sagen, seine Gedanken auf eine trübselige Weise auskramt. Sergeant Dunham ist mein Schwager und mein Freund – das heißt, ein so inniger Freund, als ein Soldat gegen einen Seemann sein kann – und ich achte und ehre ihn demgemäß. Ich zweifle übrigens nicht, daß er gelebt hat, wie es einem Manne ziemt, und es kann daher nichts Unrechtes in dem Wunsche liegen, daß einem im Himmel gut gebettet sein möge. Nun, selbst die Besten unter uns müssen sterben, Ihr werdet's mir nicht in Abrede ziehen; und das mag uns zur Lehre dienen, damit wir uns unserer Fülle und Kraft nicht überheben. Wo ist der Quartiermeister, Pfadfinder? Es wäre in der Ordnung, wenn er dem armen Sergeanten noch ein Lebewohl sagte, der uns nur um ein Kleines vorangeht.«

»Ihr habt wahrer gesprochen, Meister Cap, als Ihr derzeit selbst wißt; das darf uns jedoch nicht Wunder nehmen, denn der Mensch sagt zu Zeiten oft beißende Wahrheiten, wo er es am wenigsten beabsichtigt. Demungeachtet könnt Ihr aber noch weiter gehen und sagen, daß auch die Schlechtesten von uns sterben müssen, was ebenfalls ganz richtig ist, und eine noch heilsamere Wahrheit enthält, als wenn man sagt, daß auch die Besten sterblich seien. Was des Quartiermeisters Abschied von dem Sergeanten betrifft, so kann davon keine Rede sein, denn Ihr werdet sehen, daß er vorangegangen ist, und zwar ohne daß ihm selbst oder irgend einem Andern seine Abreise angekündigt worden wäre.«

»Ihr sprecht Euch nicht so ganz deutlich aus, wie Ihr sonst zu thun pflegt, Pfadfinder. Ich weiß, daß wir Alle bei solchen Gelegenheiten ernstere Gedanken fassen sollten; aber ich sehe nicht ein, was es für einen Nutzen hat, in Parabeln zu reden.«

»Wenn meine Worte nicht klar sind, so ist's doch der Gedanke. Kurz, Meister Cap – während sich Sergeant Dunham zu einer langen Reise vorbereitet, langsam und bedächtlich, wie es einem gewissenhaften, ehrlichen Manne ziemt, so ist der Quartiermeister vor ihm in aller Hast abgefahren, und obgleich es eine Sache ist, über die mir ein bestimmter Ausspruch nicht zusteht, so muß ich doch die Vermuthung äußern, daß die Beiden zu verschiedene Wege gehen, um sich je wieder zu treffen.

»Erklärt Euch deutlicher, mein Freund,« sagte der verwirrte Seemann und sah sich nach Muir um, dessen Abwesenheit anfing, ihm verdächtig zu werden. »Ich sehe nichts von dem Quartiermeister, aber ich halte ihn doch nicht für feige genug, um jetzt, da der Sieg errungen ist, davon zu laufen. Wenn der Kampf erst anfinge, statt daß wir jetzt in seinem Kielwasser sind, so möchte das freilich die Sache ändern.«

»Alles, was von ihm übrig ist, liegt unter jenem Mantel dort,« erwiederte der Wegweiser, und erzählte dann in kurzen Worten die Geschichte von dem Tode des Lieutenants.

»Der Stich des Tuscarora war so giftig, wie der der Klapperschlange, obgleich ihm das Warnungszeichen fehlte,« fuhr Pfadfinder fort. »Ich habe manchen verzweifelten Kampf und viele solche plötzlichen Ausbrüche wilden Temperaments gesehen, aber nie kam es mir vor, daß eine Seele so unerwartet oder in einem für die Hoffnungen eines Sterbenden so ungünstigen Augenblicke ihren Körper verließ. Sein Athem stockte mit einer Lüge auf den Lippen und sein Geist entschwand, so zu sagen, in der Gluthitze der Verworfenheit.«

Cap horchte mit offenem Munde auf und ließ zwei oder drei gewaltige Hems vernehmen, als ob er seinem eigenen Athem nicht traute.

»Ihr führt ein unsicheres und unbequemes Leben hier zwischen dem Frischwasser und den Wilden, Meister Pfadfinder,« sagte er: »und je früher ich es in meinen Rücken kriege, eins desto bessere Meinung werde ich von mir selber hegen. Nun, Ihr habt der Sache erwähnt, und so muß ich denn auch sagen, daß der Mann, als der Feind zuerst auf uns abhielt, mit einer Art Instinkt nach dem Felsenneste eilte, der mich an einem Offizier überraschte; aber ich folgte ihm in zu großer Hast, um mir die ganze Sache zurecht zu legen. – Gott sei mit uns! Gott sei mit uns! Ein Verräther, sagt Ihr, und bereit, sein Vaterland zu verkaufen und noch obendrein an einen schuftigen Franzosen?«

»Alles zu verkaufen, Vaterland, Seele, Leib, Mabel und alle unsere Skalpe: und ich wette, er nahm es nicht genau damit, wer der Käufer sei. Dießmal waren die Landsleute des Kapitän Kieselherz die Zahlmeister.«

»Das sieht ihnen ganz gleich; immer bereit, zu kaufen, wenn sie nicht zuschlagen können, und wenn Keines von Beiden angeht, davon zu laufen.«

Monsieur Sanglier lüpfte seine Mütze mit spöttischem Ernst und erkannte das Kompliment mit einem Ausdruck höflicher Verachtung an, der jedoch bei einem so stumpfsinnigen Gegner verloren ging. Aber Pfadfinder hatte zu viel angeborne Artigkeit und zu viel Gerechtigkeitssinn, um den Angriff unbeachtet vorübergehen zu lassen.

»Nun, nun,« warf er ein, »ich finde da im Grunde keinen großen Unterschied zwischen einem Engländer und einem Franzosen. Ich gebe zwar zu, sie sprechen eine verschiedene Sprache und leben unter verschiedenen Königen: aber Beide sind Menschen und fühlen wie Menschen, wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet. Wenn der Franzose bisweilen scheu ist, so ist es der Engländer auch, und was das Davonlaufen anbelangt – ei, das wird ein Mensch hin und wieder ebenso gut thun, als ein Pferd, mag er von was immer für einem Volke sein.«

Kapitän Kieselherz, wie ihn Pfadfinder nannte, verbeugte sich wieder; aber dießmal war sein Lächeln freundlich und nicht spöttisch, denn er fühlte, daß die Absicht gut war, mochte auch die Art, wie sie ausgedrückt wurde, sein, welche sie wollte. Da er aber zu sehr Philosoph war, um, was ein Mann wie Cap dachte oder sagte, zu beachten, so vollendete er sein Frühstück, ohne seine Aufmerksamkeit wieder von diesem wichtigen Geschäfte ablenken zu lassen.

»Ich bin hauptsächlich wegen des Quartiermeisters hergekommen,« fuhr Cap fort, nachdem er das Benehmen des Gefangenen eine Weile betrachtet hatte. »Der Sergeant muß seinem Ende nahe sein, und ich vermuthe, er könnte wünschen, seinem Amtsnachfolger noch etwas vor seinem Hingang mitzutheilen. Es ist aber zu spät, wie es scheint; und wie Ihr sagt, Pfadfinder, ist der Lieutenant in Wirklichkeit ihm vorausgegangen.«

»Das ist er, ja – obgleich auf einem ganz anderen Pfade. Was das Land anbelangt, so hat jetzt, glaube ich, der Korporal ein Recht auf das Kommando der noch übrigen, kleinen, geplackten – um nicht zu sagen geschreckten – Mannschaft des Fünfundfünfzigsten. Doch wenn etwas gethan werden muß, so ist große Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß ich dazu berufen bin. Ich denke aber, wir haben nur unsere Todten zu begraben und das Blockhaus mit den Hütten in Brand zu stecken, da sie sich wenigstens ihrer Lage, wenn auch nicht dem Rechte nach, auf dem feindlichen Gebiete befinden, und nicht zum Dienste des Feindes stehen bleiben dürfen. Wir werden sie ohne Zweifel nicht wieder benützen, denn da die Franzosen die Insel aufzufinden wissen, so hieße das mit offenen Augen in eine Wolfsfalle greifen. Für diesen Theil unsrer Verrichtung will ich mit Serpent sorgen, denn wir sind sowohl im Rückzug, als im Angriff geübt.«

»Alles das ist ganz recht, mein guter Freund; aber was meinen armen Schwager anbelangt – obgleich er ein Soldat ist – so können wir ihn, nach meiner Ansicht, doch nicht ohne ein Wort des Trostes und ohne Lebewohl hinüber gehen lassen. Es ist in jeder Hinsicht ein unglücklicher Handel gewesen, obgleich sich ein solches Ende voraussehen ließ, wenn man die Zeitverhältnisse und die Beschaffenheit dieser Schifffahrt in's Auge faßt. Doch, wir müssen's uns gefallen lassen und wollen nun den Versuch machen, dem würdigen Mann vom Ankergrunde wegzuhelfen, ohne seine Gienen allzusehr anzuspannen. Der Tod ist im Grunde eben ein Umstand, Meister Pfadfinder, und zwar ein Umstand von sehr allgemeinem Charakter, da wir Alle früher oder später ihm folgen müssen.«

»Ihr habt Recht, Ihr habt Recht; ich halte es daher für weise, immer bereit zu sein. Ich habe oft gedacht, Salzwasser, daß Derjenige der Glücklichste sei, welcher am wenigsten zurückzulassen hat, wenn die Mahnung an ihn ergeht. So bin ich zum Beispiel ein Jäger, Kundschafter und Wegweiser, und obgleich ich keinen Fuß breit Erde mein eigen nennen kann, so bin ich doch froher und reicher, als der große Albany-Patron. Der Himmel über meinem Haupte, um mich an die letzte große Jagd zu erinnern, und die dürren Blätter unter meinem Fuße, schreite ich über die Erde hin, als ob ich ihr Herr und Besitzer sei; und was bedarf das Herz weiter? Ich will damit nicht sagen, daß ich nichts liebe, was der Erde angehört; denn wie wenig es auch sein mag, Mabel Dunham ausgenommen, so ist mir doch Manches theuer, was ich nicht mit mir nehmen kann. Ich habe einige Hunde auf dem obern Fort, die ich sehr werth halte, obgleich sie für die Kriegszüge zu laut und deshalb vor der Hand von mir getrennt sind; dann würde es mich, glaube ich, schwer ankommen, von dem Hirschetödter zu scheiden; aber ich sehe nicht ein, warum man ihn nicht mit mir sollte begraben können, da wir Beide auf eine Haarbreite die gleiche Länge – nämlich sechs Fuß – haben; doch außer diesem und einer Pfeife, welche mir der Serpent gab, und einigen Andenken, welche ich von Reisenden erhielt, was man Alles in eine Tasche stecken und unter meinen Kopf legen kann – wenn die Reihe an mich kommt, bin ich zu jeder Minute bereit: – und laßt Euch sagen, Meister Cap, das ist so Etwas, was ich auch einen Umstand nenne.«

»Gerade so geht es mir,« entgegnete der Seemann, während Beide dem Blockhause zugingen, dabei aber zu sehr mit ihren eigenen moralischen Betrachtungen beschäftigt waren, um in diesem Augenblicke des traurigen Auftritts zu gedenken, der ihnen bevorstand; – »das ist ganz meine Gefühls- und Denkweise. Wie oft ist mir, wenn ich nahe am Scheitern war, der Gedanke zum Trost geworden, daß das Fahrzeug nicht mein Eigenthum sei. Ich sagte dann oft zu mir selbst, wenn es untergeht, je nun – so geht mein Leben mit verloren, aber nicht mein Eigenthum, und darin liegt eine große Beruhigung. Ich habe auf meinen Reisen durch alle Weltgegenden, vom Kap Horn bis zum Nordkap, von der Fahrt auf diesem Frischwasserstreifen gar nicht zu reden, die Entdeckung gemacht: ein Mann, der einige Dollars besitzt, und sie im Kasten unter Schloß und Riegel verwahrt, darf sicher sein, daß er sein Herz in derselben Truhe mit eingeschlossen hat; und so trage ich fast Alles, was ich mein eigen nennen darf, in einem Gürtel um meinen Leib herum, damit ich sagen kann, Alles zum Leben Dienliche sei an der rechten Stelle. Gott v– mich, Pfadfinder, wenn ich einen Menschen, der kein Herz hat, für besser halte, als einen Fisch mit einem Loch in seiner Schwimmblase.«

»Ich weiß nicht, wie sich das verhält, Meister Cap; aber verlaßt Euch drauf, ein Mensch ohne Gewissen ist nur ein armes Geschöpf, wie Jeder zugeben wird, der mit den Mingo's zu thun gehabt hat. Ich kümmere mich wenig um Dollars oder anderes Geld, wie man es in dieser Weltgegend münzt; aber ich kann demnach, was ich bei Andern gesehen habe, leicht glauben, daß man von einem Menschen, welcher seinen Kasten damit angefüllt hat, sagen muß, er verschließe sein Herz mit in dieselbe Kiste. Ich war einmal während des letzten Friedens zwei Sommer auf der Jagd, wo ich so viel Pelzwerk sammelte, daß ich endlich fand, die Begierde nach Besitz ersticke meine besten Gefühle; und ich fürchte, wenn ich Mabel heirathe, möchte mich die Gier nach solchen Dingen wieder übermannen, damit ich ihr das Leben behaglicher machen könne.«

»Ihr seid ein Philosoph, Pfadfinder, das ist klar, und ich glaube, daß Ihr auch ein Christ seid.«

»Ich dürfte nicht gut auf den Mann zu sprechen sein, der mir das Letztere in Abrede zöge, Meister Cap. Ich bin allerdings nicht von den Herrenhutern bekehrt worden, wie so Viele von den Delawaren, aber ich halte es mit dem Christenthum und den weißen Gaben. Ich habe ebenso wenig Vertrauen zu einem weißen Mann, der kein Christ ist, als zu einer Rothhaut, welche nicht an ihre glücklichen Jagdgründe glaubt. In der That, wenn man einige Verschiedenheiten in den Ueberlieferungen und einige Abänderungen über die Art, wie sich der menschliche Geist nach dem Tode beschäftigt, abrechnet, so halte ich einen guten Delawaren für einen guten Christen, wenn er auch nie einen Herrenhuter sah, und einen guten Christen, was die Natur anbelangt, für einen guten Delawaren. Der Serpent und ich, wir sprechen oft über diese Gegenstände, denn er hat ein großes Verlangen nach dem Christenthume –«

»Den Teufel hat er!« unterbrach ihn Cap. »Was will er denn in der Kirche mit all' den Skalpen anfangen, die er nimmt?«

»Rennt nicht mit einer falschen Idee durch, Freund Cap; rennt nicht mit einer falschen Idee durch. Diese Dinge gehen nicht tiefer, als die Haut ist, und hängen von der Erziehung und den natürlichen Gaben ab. Betrachtet die Menschen um Euch her, und sagt mir, warum Ihr hier einen rothen Krieger, dort einen schwarzen, an andern Orten Heere von weißen seht? Alles dieses und noch viel mehr derartiges, was ich namhaft machen könnte, ist zu besondern Zwecken so eingerichtet, und es ziemt uns nicht, Thatsachen zu widersprechen und die Wahrheit in Abrede zu ziehen. Nein, nein – jede Farbe hat ihre Gaben, ihre Gesetze und ihre Ueberlieferungen, und keine darf die andere verdammen, weil sie sie nicht ganz begreifen kann.«

»Ihr müßt viel gelesen haben, Pfadfinder, daß Ihr in diesen Dingen so deutlich seht;« erwiederte Cap, den das einfache Glaubensbekenntniß seines Gefährten nicht wenig geheimnißvoll ansprach. »Es ist mir jetzt Alles so klar wie der Tag, obgleich ich sagen muß, daß mir solche Ansichten noch nie zu Ohren gekommen sind. Wie heißen die, zu denen Ihr gehört, mein Freund?«

»Wie?«

»Zu welcher Sekte haltet Ihr Euch? Welcher besondern Kirche gehört Ihr an?«

»Seht um Euch und urtheilt selbst. Ich bin gegenwärtig in meiner Kirche, ich esse in der Kirche, ich trinke in der Kirche und schlafe in der Kirche. Die Erde ist der Tempel des Herrn, und ich hoffe demüthig, daß ich ihm stündlich, täglich und ohne Unterlaß diene. Nein, nein – ich will weder mein Blut, noch meine Farbe verläugnen; ich bin als Christ geboren und will in diesem Glauben sterben. Die Herrenhuter haben mir stark zugesetzt, und einer von des Königs Geistlichen hat mir auch sein Sprüchlein gesagt obgleich das nicht gerade die Leute sind, welche sich mit derartigen Dingen besondere Mühe geben; außerdem sprach noch ein Missionar aus Rom viel mit mir, als ich ihn während des letzten Friedens durch die Wälder geleitete. Aber ich hatte für Alle nur eine Antwort: ich bin bereits ein Christ und brauche weder ein Herrenhuter, noch ein Hochkirchlicher, noch ein Papist zu sein. Nein, nein, ich will meine Geburt und mein Blut nicht verläugnen.«

»Ich denke, ein Wort von Euch könnte den Sergeanten leichter über die Untiefen des Todes wegbringen, Meister Pfadfinder. Er hat Niemand um sich als die arme Mabel, und die ist, obgleich seine Tochter, doch nur ein Mädchen und im Grunde noch ein Kind, wie Ihr selber wißt.«

»Mabel ist schwach an Körper, Freund Cap, aber ich glaube, daß sie in derartigen Dingen stärker ist als die meisten Männer, Doch Sergeant Dunham ist mein Freund; er ist Euer Schwager – und so wird es, da der Drang des Kampfes und die Wahrung unserer Rechte vorüber ist, geeignet sein, daß wir Beide zu ihm gehen und Zeugen seines Hinganges sind. – Ich bin bei manchem Sterbenden gewesen, Meister Cap,« fuhr Pfadfinder fort, der sehr geneigt war, sich über Gegenstände aus seiner Erfahrung weitläufig auszusprechen, wobei er anhielt und seinen Gefährten am Rockknopf faßte, »ich stand schon manchem Sterbenden zur Seite und hörte seinen letzten Athemzug; denn wenn das Getümmel der Schlacht vorüber ist, so muß man der Unglücklichen gedenken, und es ist merkwürdig, zu sehen, wie verschieden sich die Gefühle der menschlichen Natur in einem solchen feierlichen Augenblicke aussprechen. Einige gehen diesen Weg so stumpf und dumm, als ob sie von Gott keine Vernunft und kein Gewissen erhalten hätten, indeß Andere uns freudig verlassen, als ob sie einer schweren Bürde los würden. Ich glaube, daß der Geist in solchen Augenblicken helle sieht, mein Freund, und daß die Thaten der Vergangenheit lebhaft in der Erinnerung aufstauchen.«

»Ich wette, es ist so, Pfadfinder. Ich habe selbst etwas der Art bemerkt und hoffe, dadurch nicht schlimmer geworden zu sein. Ich erinnere mich, daß ich einmal glaubte, mein Stündlein sei gekommen, und da überholte ich das Log mit einem Fleiße, dessen ich mich bis zu jenem Augenblicke nie für fähig gehalten hätte. Ich bin kein besonders großer Sünder gewesen, Freund Pfadfinder, das heißt – nie in einem großen Maßstabe, obgleich ich der Wahrheit zu Ehren sagen muß, daß eine beträchtliche Rechnung kleiner Dinge gegen mich so gut als gegen einen Andern aufgebracht werden könnte; aber nie habe ich Seeräuberei, Hochverrath, Mordbrennerei oder etwas der Art begangen. Was das Schmuggeln und Aehnliches anbelangt – ei, ich bin ein Seemann, und ich denke, jeder Stand hat seine schwachen Seiten. Ich wette, Euer Gewerbe ist auch nicht so ganz tadelfrei, so ehrbar und nützlich es auch aussehen mag?«

»Viele von den Kundschaftern und Wegweisern sind ausgemachte Schurken, und Einige lassen sich, wie der Quartiermeister hier, von beiden Seiten bezahlen. Ich hoffe, in bin Keiner von diesen, obgleich alle Beschäftigungen ihre Versuchungen haben. Ich bin dreimal in meinem Leben ernstlich geprüft worden, und einmal gab ich ein wenig nach, wenn es sich schon nicht um einen Gegenstand handelte, der meiner Ansicht nach das Gewissen eines Mannes in seiner letzten Stunde beunruhigen könnte. Das erste Mal war es, als ich in den Wäldern einen Pack Felle fand, von denen ich wußte, daß sie einem Franzosen gehörten, der auf unserer Seite, wo er eigentlich nichts zu thun hatte, auf der Jagd war – sechsundzwanzig so schöne Biberhäute, als nur je eine das menschliche Auge erfreute. Nun, das war eine schwere Anfechtung, denn ich glaubte, ich hätte fast ein Recht daran, obgleich es damals Friede war. Dann erinnerte ich mich aber, daß solche Gesetze nicht für uns Jäger gemacht seien, und es kam mir der Gedanke, daß der Mann vielleicht große Erwartungen für den nächsten Winter auf das aus den Fellen gelöste Geld baute; und ich ließ sie, wo sie lagen. Die meisten von unsern Leuten sagten zwar, ich hätte Unrecht gethan; aber die Art, wie ich die Nacht daraus schlief, überzeugte mich von dem Gegentheil. Die andere Anfechtung betraf eine Büchse, welche ich gefunden hatte, die einzige in diesem Welttheil, die sich an Sicherheit mit dem Hirschetödter vergleichen läßt. Wenn ich sie nahm und versteckte, so wußte ich gewiß, daß mir kein Schütze an der ganzen Gränze mehr die Spitze zu bieten vermochte. Ich war damals jung und keineswegs so geübt, als ich es seitdem geworden bin – und die Jugend ist ehrgeizig und hochstrebend: aber, Gott sei Dank, ich habe dieses Gefühl bemeistert, und, Freund Cap, was fast ebenso gut ist – ich bemeisterte später meinen Nebenbuhler in einem so schönen Wettschießen, als nur je eines in der Garnison abgehalten wurde, er mit seiner Büchse, ich mit dem Hirschetödter, – und noch dazu in der Gegenwart des Generals!«

Hier hielt der Pfadfinder an und lachte; in seinem Auge strahlte die Lust der Erinnerung und eine Siegesfreude umzog seine sonnverbrannten, braunen Wangen. »Nun, der dritte Kampf mit dem Teufel war der schwerste von allen; ich stieß plötzlich auf ein Lager von sechs Mingo's, welche in den Wäldern schliefen und ihre Gewehre und Pulverhörner auf eine Stelle gehäuft hatten, so daß ich mich derselben, ohne einen von den Schuften zu wecken, bemächtigen konnte. Was wäre das für eine Gelegenheit für den Serpent gewesen, Einen nach dem Andern mit seinem Messer abzuthun und die Skalpe fast in kürzerer Zeit an seinem Gürtel zu haben, als ich zur Erzählung der Geschichte brauche. O, er ist ein wackerer Krieger, dieser Chingachgook, so ehrlich als tapfer und so gut als ehrlich.«

»Und was habt Ihr in dieser Sache gethan, Meister Pfadfinder?« fragte Cap, der auf den Ausgang begierig wurde; »es scheint mir, Ihr habt entweder ein sehr gutes oder ein sehr schlimmes Land angethan?«

»Es war gut und schlimm, wie Ihr es nehmen wollt; – schlimm, wo die Versuchung eine verzweifelte war, und, wenn man alle Umstände betrachtet, am Ende doch gut. Ich berührte kein Haar ihres Hauptes, denn es gehört nicht zu den Gaben eines weißen Mannes, Skalpe zu nehmen, und bemächtigte mich nicht einer einzigen ihrer Büchsen. Ich traute mir selbst nicht, da ich wohl wußte, daß die Mingo's nicht meine Lieblinge sind.«

»Was die Skalpe anbelangt, so habt Ihr wohl recht gethan, mein würdiger Freund; aber Waffen und Munition würde Euch jedes Priesengericht in der Christenheit zugesprochen haben.«

»Das ist wohl richtig; aber dann würden die Mingo's frei ausgegangen sein, denn ein weißer Mann kann einen unbewaffneten Feind eben so wenig als einen Schlafenden angreifen. Nein, nein, ich ließ mir, meiner Farbe und auch meiner Religion mehr Gerechtigkeit widerfahren. Ich wartete bis sie ausgeschlafen hatten und wieder auf ihrem Kriegspfad waren, und pfefferte dann die Hallunken tüchtig von hinten und von der Seite, so daß nur Einer davon in sein Dorf zurückkam, und auch dieser erreichte sein Wigwam hinkend. Glücklicherweise war der große Delaware, wie sich später zeigte, nur zurückgeblieben, um einem Stück Wild nachzugehen, und folgte meiner Fährte; als er wieder zu mir traf, hingen die Skalpe der fünf Schurken an der Stelle, wo sie hin gehörten, und so – seht Ihr – war bei dieser Handlungsweise nichts verloren, weder was die Ehre, noch was den Vortheil anbelangt.«

Cap grunzte Beifall, obgleich man gestehen muß, daß ihm die Unterscheidungen in der Moral seines Gefährten nicht so ganz klar vorkamen. Beide waren während ihrer Unterhaltung auf das Blockhaus zugegangen und gelegentlich wider stehen geblieben, je nachdem ihnen ein Gegenstand von mehr als gewöhnlichem Interesse Halt gebot. Jetzt befanden sie sich aber so nahe an dem Gebäude, daß Keiner daran dachte, das Gespräch weiter zu verfolgen, und Jeder bereitete sich zu dem letzten Abschiede von dem Sergeanten vor.

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