Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > James Fenimore Cooper >

Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer

James Fenimore Cooper: Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Pfadfinder
publisherHoffmann'sche Verlags Buchhandlung.
printrunNeue unveränderte Auflage
year1869
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141112
Schließen

Navigation:

Zwanzigstes Kapitel

Neben dem Stundenstein, alt und grün,
Zwischen dem Schutt eine Ros' ich fand.
Eine Rose der Wildniß, frisch und schön,
Die zeigte, daß hier ein Garten stand.

Campbell.

 

Es war bereits heller Tag, als Mabel erwachte. Sie hatte ruhig geschlafen, da sie sich mit dem Beifall ihres Gewissens zu Bette gelegt und die Ermüdung ihren Schlummer versüßt hatte; auch nicht ein Laut von Seite Derjenigen, welche so früh sich in Bewegung setzten, war im Stande gewesen, ihren Schlaf zu unterbrechen. Sie sprang auf, kleidete sich rasch an, und bald athmete das Mädchen den Duft des Morgens in der freien Luft. Das erste Mal traten ihr die eigenthümlichen Reize und die tiefe Abgeschiedenheit ihrer gegenwärtigen Lage recht lebhaft vor Augen. Es war einer der herrlichen Herbsttage, welche in diesem, mehr geschmähten, als gehörig gewürdigten Klima so gewöhnlich sind, und der Einfluß derselben war in jeder Beziehung aufregend und begeisternd. Dieser Umstand wirkte wohlthätig auf Mabel ein, denn ihr Herz war, wie sie sich einbildete, schwer wegen der Gefahren, denen ihr Vater, welchen sie mit der Liebe eines vertrauensvollen Weibes zu lieben begann, ausgesetzt sein mochte.

Aber die Insel schien gänzlich verlassen. In der vorhergehenden Nacht hatte ihr der Lärm der Ankunft einen Anstrich von Leben gegeben, der nun wieder völlig gewichen war; und unsere Heldin ließ ihren Blick fast über jeden sichtbaren Gegenstand umherstreifen, ehe sie ein menschliches Wesen zu Gesicht bekam, um das Gefühl gänzlicher Einsamkeit zu verscheuchen. Endlich erblickte sie alle Zurückgebliebenen um ein Feuer gruppirt, was das Bild eines Lagers vervollständigte. Die Gestalt ihres Onkels, an den sie am meisten gewöhnt war, benahm ihr jedoch alle Furcht, und mit einer ihrer Lage natürlichen Neugierde betrachtete sie sich die Uebrigen näher. Außer Cap und dem Quartiermeister waren noch der Korporal und die drei Soldaten dort, mit dem Weibe, welche das Frühstück bereitete. Die Hütten waren ruhig und leer, und der niedrige, thurmartig gebaute Giebel des Blockhauses hob sich mit malerischer Schönheit zum Theil versteckt über dem Gebüsch. Die Sonne überstrahlte gerade die freieren Plätze zwischen den Bäumen, und das Gewölbe über ihrem Haupte prangte in dem sanftesten Blau. Kein Wölkchen war sichtbar, und Alles schien ihr auf Frieden und Sicherheit hinzudeuten.

Da Mabel bemerkte, daß alle Uebrigen mit jener wichtigen Angelegenheit der menschlichen Natur – dem Frühstück – beschäftigt waren, so ging sie unbeachtet gegen ein Ende der Insel, wo Bäume und Gebüsche sie vor Aller Augen verbargen. Hier gewann sie, indem sie die niedrigen Zweige auf die Seite drängte, einen Standort an dem Rande des Wassers und lauschte dem kaum bemerklichen Zu- und Abfluß der Wellchen, welche das Ufer wuschen, – einer Art natürlichen Wiederhalls zu der Bewegung, welche fünfzig Meilen weiter oben auf dem See herrschte. Der Anblick dieser natürlichen Scenerie war außerordentlich sanft und gefällig und unsere Heldin, welche ein schnelles und treues Auge für alle Reize der Natur hatte, war nicht lässig, sich an den erhebendsten Bildern dieser Landschaft zu weiden. Sie betrachtete die verschiedenen Aussichten, welche ihr die Oeffnungen zwischen den Inseln boten, und gab sich dem Gedanken hin, daß sie nie etwas Lieblicheres gesehen habe.

Während Mabel so beschäftigt war, wurde sie plötzlich durch die Vermuthung aufgeschreckt, sie hätte Etwas wie eine menschliche Gestalt unter den Gebüschen erblickt, welche das Ufer der vor ihr liegenden Insel säumten. Die Entfernung über das Wasser betrug kaum hundert Ellen, und obgleich sie vielleicht im Irrthum war, und ihre Phantasie in dem Augenblick, wo ihr die Erscheinung auftauchte, überall umherschweifte, so hielt sie es doch kaum für möglich, daß sie sich getäuscht haben könnte. Sie wußte wohl, daß sie ihr Geschlecht nicht gegen eine Büchsenkugel schützen würde, wenn sie ein Irokese zu Gesicht bekommen sollte, und zog sich daher instinktartig zurück, wobei sie Sorge trug, sich so gut als möglich unter den Blättern zu verbergen, während sie fortwährend ihre Blicke auf das gegenüber liegende Ufer heftete, in der geraume Zeit fruchtlosen Erwartung, dem fremden Gegenstand wieder zu begegnen. Sie war eben im Begriff, das Gebüsch zu verlassen und zu ihrem Onkel zu eilen, um ihm ihren Verdacht mitzutheilen, als sie auf der andern Insel einen Erlenzweig hinter dem Saume des Gebüsches sich erheben sah, welcher bedeutungsvoll und, wie es ihr vorkam, als Zeichen der Freundschaft gegen sie herüber geschwungen wurde. Dieß war ein athemloser, drückender Augenblick für Jemand, der so wenig in den Gränzkriegen erfahren war, als unsere Heldin; und doch fühlte sie die Nothwendigkeit, ihre Fassung zu bewahren, und mit Festigkeit und Umsicht zu handeln.

Es gehörte zu den Eigentümlichkeiten der gefahrvollen Lage, welcher die amerikanischen Gränzbewohner bloßgestellt waren, daß sich die moralischen Eigenschaften der Weiber in einem Grade steigerten, dessen diese sich unter andern Umständen selbst nicht für fähig gehalten hätten, und Mabel wußte wohl, daß die Gränzleute in ihren Erzählungen gerne bei der Geistesgegenwart, dem Muth und der Tapferkeit verweilen, welche ihre Weiber und Schwestern unter den gefährlichsten Umständen entfaltet hatten. Solche Erzählungen feuerten sie zur Nachahmung an, und es kam ihr plötzlich zu Sinne, nun sei der Augenblick gekommen, wo sie sich als Sergeant Dunhams wahres Kind beweisen könne. Die Bewegung des Zweiges schien ihr aufeine freundliche Absicht hinzudeuten, und nach der Zögerung eines Augenblicks brach sie gleichfalls einen Zweig ab, befestigte ihn an einen Stock, erhob ihn über eine Lücke in dem Gebüsch und erwiederte die Begrüßung, wobei sie genau die Bewegungen des Andern nachahmte.

Diese stumme Zwiesprache dauerte auf beiden Seiten zwei oder drei Minuten, als Mabel bemerkte, daß das entgegengesetzte Gebüsch vorsichtig bei Seite gedrückt wurde und in der Oeffnung ein menschliches Antlitz zum Vorschein kam. Ein zweiter, genauerer Blick überzeugte sie, daß es das Gesicht von Dew of June, dem Weibe Arrowheads, war. So lange Mabel in der Gesellschaft dieses Geschöpfes gewandert war, hatte sie dasselbe wegen seines sanften Benehmens, der demüthigen Einfalt und der mit Furcht vermischten Liebe gegen seinen Gatten liebgewonnen. Ein oder zwei mal war es ihr während des Laufes ihrer Reise vorgekommen, als ob der Tuscarora gegen sie selbst einen unerfreulichen Grad von Aufmerksamkeit an den Tag lege; und bei solchen Gelegenheiten war es ihr aufgefallen, daß sein Weib Schmerz und Bekümmerniß zu erkennen gebe. Da jedoch Mabel ihre Gefährtin für die Kränkung, welche sie ihr in dieser Hinsicht unabsichtlich verursachte, durch Güte und Aufmerksamkeit mehr als entschädigte, so bewies ihr die Indianerin so viel Zuneigung, daß unsere Heldin bei ihrer Trennung der festen Ueberzeugung lebte, sie hätte in Dew of June eine Freundin verloren.

Man würde vergeblich den Versuch machen, alle Wege zu erforschen, auf welchen das Vertrauen in das menschliche Herz einzieht. Das junge Tuscaroraweib hatte jedoch ein solches Gefühl in Mabels Seele erweckt, und die Letztere fühlte sich zu einem genaueren Verkehr geneigt, da sie überzeugt war, daß diese ungewöhnliche Erscheinung ihr Bestes beabsichtige. Sie zögerte nicht länger, aus dem Gebüsch herauszutreten, und freute sich, zu sehen, daß ihr Vertrauen Nachahmung fand, indem Dew of June furchtlos aus ihrem Verstecke herauskam. Die zwei Mädchen – denn obgleich verheirathet, war die Tuscarora doch jünger als Mabel – tauschten nun offen die Zeichen der Freundschaft aus, und Letztere bat ihre Freundin, näher zu kommen, obgleich es ihr selbst nicht deutlich war, wie dieses ausgeführt werden könne. Aber Dew of June säumte nicht, zu zeigen, daß es in ihrer Macht stehe; denn nachdem sie auf einen Augenblick verschwunden war, erschien sie wieder an dem Ende eines Rindenkahns, dessen Buge sie in den Saum des Gebüsches gezogen hatte, und dessen Rumpf in einer Art versteckten Schlupfhafens lag. Mabel wollte sie eben einladen, herüber zu kommen, als ihr Name von der Stentorstimme ihres Onkels gerufen wurde. Sie gab dem Tuscaroramädchen einen raschen Wink, sich zu verbergen, eilte von dem Gebüsch weg dem freien Platze zu, woher die Stimme gekommen war, und bemerkte, wie die ganze Gesellschaft sich eben zum Frühstück niedergelassen hatte, wobei Cap seinen Appetit kaum so weit zügelte, um sie aufzufordern, am Mahle Theil zu nehmen. Mabel begriff schnell, daß dieß der günstigste Augenblick zu einer Besprechung sein müsse, entschuldigte sich, daß sie noch nicht zum Essen vorbereitet sei, eilte nach dem Dickicht zurück und erneuerte bald wieder ihren Verkehr mit dem Indianerweibe.

Dew of June begriff schnell, und nach einem halben Dutzend lautloser Ruderschläge lag ihr Kahn in dem Verstecke des Gebüsches der Station-Insel. Eine Minute später hielt Mabel ihre Hand und führte sie durch den Schattengang nach ihrer eigenen Hütte. Zum Glück war diese so gelegen, daß sie von dem Feuer aus nicht gesehen werden konnte, und so langten beide Freundinnen unbemerkt in derselben an. Mabel erklärte ihrem Gast in der Geschwindigkeit so gut sie konnte, daß sie ihn auf eine kurze Zeit verlassen müsse, führte Dew of June in ihr eigenes Zimmer mit der festen Ueberzeugung, daß sie es nicht verlassen würde, bis man sie dazu aufforderte, begab sich dann zu dem Feuer und nahm ihren Platz mit aller Fassung, über die sie zu gebieten vermochte, unter den Uebrigen ein.

»Wer spät kommt, wird spät bedient, Mabel,« sagte ihr Onkel zwischen zwei Mundladungen voll gebratenen Salms; denn obgleich die Kochkunst an dieser entfernten Grenze sehr ungekünstelt sein mochte, so waren doch die Speisen im Allgemeinen köstlich. »Wer spät kommt, wird spät bedient; das ist eine gute Regel und treibt die Schlafhauben an ihr Werk.«

»Ich bin keine Schlafhaube, Onkel; denn ich bin schon eine ganze Stunde auf, und habe mich aus unsrer Insel umgesehen.«

»Sie werden wenig daraus machen können, Mistreß Mabel,« versetzte Muir, »denn es ist von Natur nicht viel an ihr. Lundie, oder, wie man ihn in solcher Gesellschaft besser nennen könnte, Major Duncan,« – es wurde dieß wegen des Korporals und der gemeinen Soldaten gesagt, obgleich diese ihr Mahl etwas abgesondert einnahmen – »wie man ihn in solcher Gesellschaft besser nennen könnte, Major Duncan hat die Staaten Seiner Majestät mit keinem Reiche vermehrt, als er von dieser Insel Besitz nahm, denn sie gleicht ganz der des berühmten Sancho an Einkünften und Ertrag. Ihr kennt doch ohne Zweifel diesen Sancho, Meister Cap, und werdet oft in Euren Mußestunden, zumal bei einer Windstille, oder in Augenblicken der Unthätigkeit von ihm gelesen haben?«

»Ich kenne den Ort, den Sie meinen, Quartiermeister; Sancho's Insel – Koralleninsel von neuer Formation und so schlechter Aufdünung bei Nacht und stürmischem Wetter, daß sich jeder Sünder davon klar zu halten wünscht, 's ist ein berufener Platz wegen der Kokosnüsse und des bittern Wassers, diese Sancho's-Insel.«

»Es soll dort nicht gut Mittag halten sein,« erwiederte Muir, und unterdrückte aus Achtung vor Mabel das Lächeln, das auf seinen Lippen zuckte; »auch glaube ich nicht, daß Einem zwischen ihren Einkünften und denen unseres gegenwärtigen Aufenthalts die Wahl besonders schwer werden dürfte. Nach meinem Urtheil, Meister Cap, ist unsere Stellung sehr unmilitärisch, und ich sehe voraus, daß uns früher oder später eine Kalamität zustoßen wird.«

»Es wäre zu wünschen, daß es nicht eher geschieht, als bis unser Dienst hier zu Ende ist,« bemerkte Mabel. »Ich trage kein Verlangen darnach, Französisch zu lernen.«

»Wir dürften uns glücklich schätzen, wenn es nur das und nicht etwa das Irokesische wäre. Ich habe dem Major Duncan Vorstellungen wegen der Besetzung dieses Postens gemacht, aber einen eigensinnigen Mann muß man seinen Weg gehen lassen. Mein Hauptgrund, warum ich mich dem Zuge anschloß, war die Absicht, mich Eurer schönen Nichte nützlich und angenehm zu machen, Meister Cap; dann wollte ich auch einen Ueberschlag über die Vorräthe machen, die ja eigentlich in meinen Geschäftskreis gehören, damit keine Einreden über die Art ihrer Verwendung stattfinden können, wenn der Feind Mittel finden sollte, sie wegzunehmen.«

»Betrachten Sie die Sache so ernst?« fragte Cap, indem er vor lauter Antheil an der Antwort mit dem Kauen eines Wildpretbissens inne hielt; denn er ging wechselweise wie ein moderner Elegant von Fisch zu Fleisch und vom Fleisch wieder zum Fische über. »Ist die Gefahr so dringend?«

»Ich will das nicht gerade sagen, möchte aber auch nicht das Gegentheil behaupten. Im Krieg ist immer Gefahr vorhanden, und auf vorgeschobenen Posten mehr, als im Hauptquartier. Es darf daher keinen Augenblick überraschen, wenn wir einen Besuch von den Franzosen bekommen.«

»Und was, zum Teufel, wäre in einem solchen Fall zu thun? Sechs Mann und zwei Weiber würden sich bei der Vertheidigung eines Platzes, wie dieser, erbärmlich genug ausnehmen, wenn die Franzosen einen Ueberfall machen sollten; denn ohne Zweifel würden sie – so ächt französisch – in tüchtigen Massen anrücken.«

»Darauf kann man sich verlassen – auf's Mindeste mit einer furchtbaren Macht. Ohne Zweifel wäre es zweckmäßig, nach den Regeln der Kriegskunst Anstalten zur Vertheidigung der Insel zu treffen, obgleich es uns wahrscheinlich an der nöthigen Mannschaft fehlen wird, diesen Plan auf eine Erfolg versprechende Weise auszuführen. Einmal sollte eine Abtheilung an dem Ufer aufgestellt werden, um den Feind beim Landen zu beunruhigen; eine starke Besatzung sollte augenblicklich in das Blockhaus gelegt werden, da es die Citadelle ist, nach welcher sich natürlich die verschiedenen Abtheilungen zurückziehen würden, wenn sie bei dem Vorrücken der Franzosen Unterstützung brauchten; um den festen Platz sollte ein mit Gräben versehenes Lager gelegt werden, da es in der That sehr unmilitärisch wäre, den Feind nahe genug zu dem Fuße der Mauern kommen zu lassen, um sie zu unterminiren. Spanische Reiter sollten die Kavallerie im Schach halten, und was die Artillerie anbelangt, so sollten unter dem Versteck jener Wälder Redouten ausgeworfen werden. Starke Plänklerabtheilungen würden außerdem zu Verzögerung des feindlichen Marsches außerordentlich gute Dienste leisten, und die zerstreuten Hütten könnten, gehörig mit Piqueten versehen und von Gräben umzogen, treffliche Positionen zu diesem Zweck abgeben.«

»Hu – hu – hu – uh! Quartiermeister. Und wer zum Teufel soll alle die Mannschaft aufbringen, um einen solchen Plan auszuführen?«

»Der König, ohne allen Zweifel, Meister Cap. Es ist seine Sache, und daher billig, daß er auch die Bürde trage.«

»Und wir sind nur unserer Sechs! Das ist mir ein sauberes Geschwätz, zum Henker! Da könnte man Sie an's Ufer hinunter schicken, um den Feind vom Landen abzuhalten; Mabel müßte plänkeln, wenigstens mit der Zunge; das Soldatenweib könnte die spanischen Reiter spielen, um die Kavallerie in Verwirrung zu bringen; der Korporal hätte das verschanzte Lager zu kommandiren; seine drei Mann müßten die Hütten besetzen, und mir bliebe dann das Blockhaus. U – u – ff! Sie zeichnen gut, Lieutenant, und hätten sollen ein Maler statt eines Soldaten werden.«

»Nun, ich habe meine Dispositionen in dieser Sache wissenschaftlich und ehrlich gemacht. Daß keine größere Macht da ist, den Plan auszuführen, ist die Schuld von Seiner Majestät Ministern und nicht die meine.«

»Aber wenn der Feind wirklich erschiene,« fragte Mabel mit mehr Antheil, als sie gezeigt haben würde, wenn sie sich nicht ihres Gastes in der Hütte erinnert hätte, »welchen Weg müßten wir dann einschlagen?«

»Mein Rath, schöne Mabel, wäre ein Versuch zu Ausführung dessen, was Xenophon mit Recht so berühmt machte.«

»Ich glaube, Sie meinen einen Rückzug, obgleich ich ihre Anspielung halb errathen muß.«

»Ihrem hellen, natürlichen Verstand ist meine Meinung nicht entgangen, mein Fräulein. Ich habe bemerkt, daß Ihr würdiger Vater dem Korporal gewisse Methoden angegeben hat, mit denen er diese Insel zu halten hofft, im Falle die Franzosen ihre Lage ausfinden sollten. Aber obgleich der ausgezeichnete Sergeant Ihr Vater und im Dienste so gut, als irgend ein Unteroffizier ist, so ist er doch nicht der große Lord Stair, oder gar der Herzog von Marlborough. Ich will die Verdienste des Sergeanten in seiner Sphäre nicht in Abrede ziehen; aber ich kann seine Eigenschaften, mögen sie auch noch so ausgezeichnet sein, nicht höher schätzen, als die von Leuten, welche, wenn auch nur in geringem Grade, seine Vorgesetzten sind. Der Sergeant hat sich mit seinem Herzen und nicht mit seinem Kopf berathen, als er solche Befehle erließ; aber wenn das Fort fällt, so wird der Vorwurf auf dem liegen, welcher es zu besetzen befahl, und nicht auf dem, welchem die Vertheidigung obliegt. Was aber auch immer der Ausgang der Letztern sein mag, wenn die Franzosen mit ihren Verbündeten landen sollten, so wird doch ein guter General nie die nöthigen Vorbereitungen für den Fall eines Rückzugs vernachlässigen, und ich möchte Meister Cap, als dem Admiral unserer Flotte, rathen, ein Boot in Bereitschaft zu halten, um die Insel räumen zu können, wenn die Noth an den Mann geht. Das größte Boot, welches wir noch haben, führt ein weites Segel, und wenn man es hier herumholt und unter diesen Büschen vor Anker legt, so werden wir da einen ganz geeigneten Platz zu schleuniger Einschiffung erhalten. Und dann werden Sie auch bemerken, schöne Mabel, daß wir kaum fünfzig Ellen zu einem Kanal haben, der zwischen zwei andern Inseln und so versteckt liegt, daß wir recht wohl gegen eine Entdeckung von Seiten Derer, welche sich auf diesem Eiland befinden mögen, geschützt sind.«

»Was Sie da sagen, ist Alles ganz richtig, Herr Muir; aber könnten die Franzosen nicht gerade von dieser Gegend herkommen? Wenn sie so gut für einen Rückzug ist, so ist sie wohl eben so gut für den Angriff.«

»Sie werden nicht Einsicht genug für einen so klugen Gedanken haben,« erwiederte Muir, wobei er verstohlen und ein wenig unbehaglich umhersah; »es wird Ihnen an der gehörigen Klugheit mangeln. Diese Franzosen sind ein übereiltes Volk und rücken gewöhnlich auf's Gerathewohl an; wir können also darauf zählen, daß sie, wenn sie überhaupt kommen, auf der andern Seite der Insel landen werden.«

Die Unterhaltung schweifte nun verschiedentlich ab, wobei jedoch immer die Wahrscheinlichkeit eines Ueberfalls und die geeignetsten Mittel, ihm zu begegnen, die Hauptpunkte blieben.

Mabel zollte dem Meisten davon nur geringe Aufmerksamkeit, obgleich sie sich einigermaßen überrascht fühlte, daß Lieutenant Muir, ein Offizier, der wegen seines Muthes in gutem Ruf stand, so offen das Ausgeben einer Sache empfahl, deren Vertheidigung ihr eine doppelte Pflicht schien, weil die Ehre ihres Vaters dabei im Spiele war. Ihr Geist war jedoch so sehr mit ihrem Gaste beschäftigt, daß sie bei der ersten günstigen Gelegenheit die Gesellschaft verließ und wieder in ihre Hütte eilte. Sie schloß die Thüre sorgfältig, und als sie sah, daß der einfache Vorhang an dem einzigen kleinen Fenster vorgeschoben war, führte sie Dew of June, oder June, wie sie vertraulich von denen, welche englisch mit ihr sprachen, genannt wurde, unter Zeichen der Liebe und des Vertrauens in das äußere Zimmer.

»Es freut mich, dich zu sehen, June,« sagte Mabel mit ihrer gewinnenden Stimme und ihrem süßesten Lächeln. »Recht sehr freut es mich, dich zu sehen. Was hat dich hieher gebracht, und wie entdecktest du diese Insel?«

»Sprich langsam,« sagte June, indem sie das Lächeln mit einem gleichen erwiederte, und die kleine Hand ihrer Freundin mit der ihrigen, die kaum größer, aber durch die Arbeit abgehärtet war, drückte:

»Mehr langsam – zu schnell.«

Mabel wiederholte ihre Fragen, wobei sie sich bemühte, den Sturm ihrer Gefühle zu unterdrücken, und es gelang ihr, sich so deutlich auszusprechen, daß sie verstanden wurde.

»June, Freund,« erwiederte das Indianerweib.

»Ich glaube dir, June – von ganzem Herzen glaube ich dir. Aber was hat das mit deinem Besuch zu schaffen?«

»Freund kommen, zu sehen Freund,« antwortete June mit einem offenen Lächeln gegen Mabel.

»Es muß noch ein anderer Grund da sein, June, sonst würdest du dich nicht in diese Gefahr begeben haben, und noch dazu allein. Du bist doch allein, June?«

»June bei dir, Niemand anders. June kommen allein, Kahn rudern.«

»Ich hoffe es, ich glaube es – nein, ich weiß es. Du würdest mich nicht verrathen, June?« »Was verrathen?«

»Du könntest mich nicht betrügen, mich nicht den Franzosen, den Irokesen oder Arrowhead überliefern?« – June schüttelte ernst ihr Haupt – »du könntest nicht meinen Skalp verkaufen?«

Hier legte June ihren Arm zärtlich um Mabels schlanken Leib, und drückte sie mit einer Innigkeit und Liebe an ihre Brust, daß unserer Heldin die Thränen in's Auge traten. Dieß war mit der liebevollen, zarten Weise eines Weibes geschehen, so daß es kaum mehr möglich war, die Aufrichtigkeit eines jungen, offenen Geschöpfs in Zweifel zu ziehen. Mabel erwiederte ihre Umarmung, drückte sie dann mit der Hand etwas zurück, blickte ihr fest in's Gesicht und fuhr mit ihren Fragen fort.

»Wenn June ihrer Freundin Etwas zu sagen hat, so mag sie freimüthig sprechen. Meine Ohren sind offen.«

»June fürchten, Arrowhead sie tödten.«

»Aber Arrowhead wird es nie erfahren.« Mabels Blut stieg ihr gegen die Schläfe, als sie das sagte, denn sie fühlte, daß sie das Weib zu einem Verrath gegen ihren Gatten veranlaßte. »Das heißt, Mabel wird's ihm nicht sagen.«

»Er begraben Tomahawk in June's Kopf.«

»Das darf nie geschehen, liebe June; sage lieber nichts mehr, als daß du dich dieser Gefahr aussetztest.«

»Blockhaus guter Platz zum Schlafen, guter Platz zum Bleiben.«

»Meinst du, daß ich mein Leben retten könnte, wenn ich mich im Blockhaus aufhielte, June? Sicherlich, sicherlich – Arrowhead wird dir kein Leid zufügen, wenn du mir das sagst. Er kann nicht wünschen, daß mir ein Unglück zustoße, denn ich habe ihn nie beleidigt.«

»Arrowhead wünscht nicht kränken das schöne Blaßgesicht,« erwiederte June mit abgewandtem Antlitz; und ihr Ton, obgleich sie immer in der sanften Stimme eines Indianermädchens sprach, wurde tiefer, so daß er den Ausdruck der Melancholie und der Furcht trug; »Arrowhead lieben Blaßgesichtsmädchen.«

Mabel erröthete unwillkürlich und unterdrückte aus natürlichem Zartgefühl einen Augenblick ihre Fragen; aber es war nöthig, mehr zu erfahren, und da ihre Besorgnisse sich immer mehr steigerten, nahm sie ihre Nachforschungen wieder auf.

»Arrowhead kann keinen Grund haben, mich zu lieben oder zu hassen,« sagte sie. »Ist er in der Nähe?«

»Mann immer nahe bei Weib, – hier,« sagte June, indem sie ihre Hand auf ihr Herz legte.«

»Herrliches Geschöpf! Aber sag' mir, June, soll ich heute – diesen Morgen – jetzt – im Blockhaus sein?«

»Blockhaus sehr gut; gut für Weiber. Blockhaus kriegen nicht Skalp.«

»Ich fürchte, ich verstehe dich nur zu gut, June. Wünschest du meinen Vater zu sehen?«

»Nicht hier –; fortgegangen.«

»Du kannst das nicht wissen, June; du siehst, die Insel ist voll von seinen Soldaten.«

»Nicht voll, fortgegangen.« – Hier hielt June vier Finger in die Höhe. – »So viel Rothröcke.«

»Und Pfadfinder? Möchtest du nicht gerne den Pfadfinder sehen? Er kann mit dir reden in der Zunge der Irokesen.«

»Zunge mit ihm gegangen,« sagte June lachend; »behalten Zunge in sein Mund.«

Es lag etwas so Süßes und Ansteckendes in dem kindlichen Lachen des Indianermädchens, daß sich Mabel nicht entbrechen konnte, darin einzustimmen, so sehr auch ihre Furcht durch Alles, was vorgegangen, erregt war.

»Du scheinst zu wissen, oder glaubst Alles zu wissen, was sich bei uns zuträgt, June. Aber wenn Pfadfinder gegangen ist, Eau-douce kann auch französisch sprechen.«

»Eau-douce auch gegangen; nur nicht Herz; das hier.« Als June dieß sagte, lachte sie wieder, blickte nach verschiedenen Richtungen, als ob sie Mabel nicht in Verwirrung bringen wollte, und legte ihre Hand auf den Busen ihrer Freundin.

Unsere Heldin hatte zwar oft von dem wunderbaren Scharfsinn der Indianer und von der überraschenden Weise gehört, mit welcher sie Alles auffassen, während sie doch auf Nichts zu achten scheinen; aber auf diese eigentümliche Wendung ihres Gesprächs war sie nicht vorbereitet. Sie wünschte auf einen andern Gegenstand zu kommen, und da sie zugleich ängstlich bekümmert war, zu erfahren, wie groß die Gefahr wirklich sein möchte, welche ihr bevorstand, erhob sie sich von dem Feldstuhl, auf dem sie gesessen, und nahm eine Haltung an, die weniger zärtliches Vertrauen ausdrückte, wodurch sie mehr von dem zu erfahren hoffte, was sie zu wissen wünschte, und Anspielungen, welche sie in Verlegenheit setzen könnten, zu vermeiden beabsichtigte.

»Du weißt, wie viel oder wie wenig du mir mittheilen darfst, June,« sagte sie; »und ich hoffe, du liebst mich genug, um mich von dem zu unterrichten, was mir zu hören nöthig ist. Auch mein lieber Onkel ist auf der Insel, und du bist seine Freundin, oder solltest es sein, so gut als die meinige; und wir Beide werden dein Benehmen nicht vergessen, wenn wir wieder nach Oswego zurückgekehrt sind.«

»Mag sein, nie kehren zurück; wer wissen?« sie sprach das im Tone des Zweifels, wie Jemand, der eine Vermuthung ausspricht, keineswegs aber mit Hohn, oder in der Absicht, Mabel zu beunruhigen.

»Nur Gott weiß, was geschehen wird. Unser Leben ist in Seiner Hand. Doch ich glaube, du bist Sein Werkzeug zu unserer Rettung.«

Das ging über June's Begriffsvermögen, und ihr Blick drückte ihre Unwissenheit aus; doch war es augenscheinlich, daß sie nützlich zu werden wünschte.

»Blockhaus sehr gut!« wiederholte sie, als sich der Zug der Unsicherheit auf ihrem Gesichte verloren hatte, und legte einen starken Nachdruck auf die zwei letzten Worte.

»Gut, ich verstehe das, June, und will heute Nacht in demselben schlafen. Natürlich darf ich aber meinem Onkel mittheilen, was du mir gesagt hast?«

Dew of June war bestürzt und ließ eine große Unbehaglichkeit bei dieser Frage blicken.

»Nein, nein, nein!« antwortete sie mit einer Hast und Heftigkeit, welche den Franzosen Canada's nachgeahmt waren, »nicht gut, zu sagen Salzwasser. Er viel reden und lange Zunge. Denkt Wälder lauter Wasser und nichts wissen. Sagen Arrowhead und June sterben.«

»Du thust meinem lieben Onkel Unrecht, denn es wäre ihm so wenig möglich, dich, als Jemand anders zu verrathen.«

»Nichts verstehen. Salzwasser hat Zunge, aber nicht Augen, nicht Ohren, nicht Nase – nichts als Zunge, Zunge, Zunge!«

Obgleich Mabel dieser Ansicht nicht ganz beistimmen konnte, so sah sie doch, daß Cap nicht das Vertrauen der Indianerin besaß, und daß es vergeblich sei, zu hoffen, man könne ihn zu der gegenwärtigen Besprechung beiziehen.

»Du scheinst zu glauben, daß du unsere Lage ziemlich genau kennest, June,« fuhr Mabel fort; »du bist schon früher auf dieser Insel gewesen?«

»Eben gekommen.«

»Wie kannst du denn wissen, daß das, was du sagst, wahr ist? Mein Vater, der Pfadfinder und Eau-douce, Alle können hier in dem Bereich meiner Stimme sein, wenn ich sie rufen will.«

»Alle gegangen,« sagte Inne mit Bestimmtheit, zugleich aber mit gutmüthigem Lächeln.

»Nein, das ist mehr, als du mit Gewißheit sagen kannst, da du die Insel nicht durchsucht hast.«

»Haben gute Augen; sehen Boot mit Männern weggehen sehen Schiff mit Eau-douce.«

»Dann hast du schon einige Zeit auf uns Acht gegeben. Ich denke jedoch, du hast die nicht gezählt, welche zurückblieben?«

June lachte, hielt ihre vier Finger wieder in die Höhe und zeigte dann auf ihre zwei Daumen; indem sie mit einem Finger über die ersteren fuhr, wiederholte sie das Wort ›Rothröcke‹; und während sie die letzteren berührte, setzte sie hinzu ›Salzwasser‹, ›Quartiermeister‹. Alles dieses traf genau zu und in Mabel stiegen nun ernstliche Zweifel auf, ob es geeignet sei, ihren Besuch ziehen zu lassen, ehe sie weitere Aufklärung erhalten hatte. Es stand aber so sehr im Widerspruch mit ihren Gefühlen, das Vertrauen dieses sanften und liebevollen Geschöpfes zu mißbrauchen, daß Mabel den Gedanken, ihren Onkel herbeizurufen, als ihrer selbst unwürdig und gegen ihre Freundin ungerecht, wieder aufgab. Dieser Entschluß wurde noch dadurch unterstützt, daß man mit Sicherheit darauf zählen konnte, June werde nichts Weiteres enthüllen, sondern ihre Zuflucht zu einem hartnäckigen Schweigen nehmen, wenn man es versuchen würde, sie zu zwingen.

»Du glaubst also, June,« fuhr Mabel fort, sobald sie mit ihren Betrachtungen zu Ende war, »daß es besser wäre, im Blockhaus zu bleiben?«

»Guter Platz für Weib. Blockhaus nicht kriegen Skalp. Balken dick.«

»Du sprichst so zuversichtlich, als ob du darin gewesen seiest und seine Wände gemessen habest.«

June lachte und gab sich das Ansehen einer Wissenden, ohne jedoch etwas Weiteres zu sagen.

»Weiß Jemand außer dir diese Insel aufzufinden? Hat sie einer der Irokesen gesehen?«

June's Miene wurde düster; sie warf ihre Augen vorsichtig um sich, als ob sie irgend einen Horcher befürchte.

»Tuscarora überall – Oswego, hier, Frontenac, Mohawk – überall. Wenn er sieht June, sie tödten.«

»Aber wir glaubten, daß Niemand etwas von dieser Insel wisse und daß wir keinen Grund hätten, unsere Feinde zu fürchten, so lange wir uns auf derselben befinden.«

»Viel Auge, Irokesen.«

»Augen können nicht Alles ausrichten, June. – Diese Insel fällt dem Blicke nicht leicht auf und selbst von unsern Leuten wissen nur Wenige sie aufzufinden.«

»Ein Mann kann reden; einige Yengeese sprechen Französisch.«

Mabel überlief es kalt. Der ganze Verdacht gegen Jasper, den sie bisher zu nähren verschmäht hatte, trat auf einmal mit aller Macht vor ihre Seele, und die dadurch erregten Gefühle lasteten so schwer auf ihr, daß sie einer Ohnmacht nahe war. Sie faßte sich jedoch wieder, und eingedenk des ihrem Vater gegebenen Versprechen? erhob sie sich, ging einige Male in der Hütte auf und nieder, und suchte sich zu bereden, daß Jaspers Vergehen sie nichts angingen, obgleich sie im innersten Herzen wünschte, ihn unschuldig zu wissen.

»Ich verstehe, was du sagen willst, June,« begann sie wieder; »du willst mir kund thun, daß irgend Jemand verrätherischer Weise deinen Leuten gesagt hat, wo und wie die Insel zu finden sei?«

June lachte, denn in ihren Augen war Kriegslist mehr ein Verdienst, als ein Verbrechen. Sie war jedoch ihrem Stamme zu treu, um mehr zu sagen, als die Umstände gerade forderten. Ihre Absicht war, Mabel zu retten, aber auch nur Mabel; und sie sah keinen hinreichenden Grund, warum sie mehr thun sollte.

»Blaßgesicht wissen nun,« setzte sie bei, »Blockhaus gut für Mädchen. Nichts mir machen aus Männer und Krieger.«

»Aber ich mache mir viel daraus, June; denn einer von diesen Männern ist mein Onkel, den ich liebe, und die andern sind meine Landsleute und Freunde. Ich muß ihnen sagen, was vorgegangen ist.«

»Dann June getödtet werden,« erwiederte die junge Indianerin ruhig, obgleich augenscheinlich etwas bekümmert.

»Nein, sie sollen nicht erfahren, daß du hier gewesen bist. Aber sie müssen auf ihrer Hut sein, und wir können Alle in das Blockhaus gehen.«

»Arrowhead wissen, sehen jedes Ding, und June werden tödten, June kommen, zu sagen jungem Blaßgesicht Freund, und nicht zu sagen Männer. Jeder Krieger bewachen sein eigen Skalp. June Weib, und sagen Weib; nicht sagen Männer.«

Mabel wurde durch diese Erklärung ihrer indianischen Freundin in die äußerste Noth versetzt, denn es war nun augenscheinlich, daß die junge Wilde einsah, ihre Mittheilungen dürften nicht weiter gehen. Es war ihr unbekannt, wie sehr es dieses Volk für einen Ehrenpunkt hält, ein Geheimniß zu bewahren, und noch weniger war sie im Stande, zu beurtheilen, wie weit eine Unklugheit von ihrer Seite June bloßstellen und das Leben derselben gefährden könne. Alle diese Betrachtungen blitzten durch ihr Seele, und wurden durch reiflichere Erwägung nur noch schmerzlicher. Auch June betrachtete die Sache augenscheinlich ernst, denn sie fing an, die verschiedenen Kleinigkeiten, welche ihr entfallen waren, aufzulesen und sich zum Aufbruch anzuschicken. Der Versuch, sie aufzuhalten, kam Mabel nicht zu Sinne, und von ihr zu scheiden, nachdem sie so viel gewagt hatte, um ihr zu dienen, widerstrebte dem Billigkeitsgefühle und dem liebevollen Charakter unsrer Heldin.

»June!« sagte sie lebhaft, indem sie ihren Arm um das zwar ungebildete, aber edle Wesen schlang, »wir sind Freundinnen. Von mir hast du Nichts zu befürchten, denn Niemand soll Etwas von diesem Besuche erfahren. Könntest du mir aber nicht ein Zeichen geben, wenn die Gefahr heranrückt, ein Zeichen, aus dem ich erkennen kann, wann ich in das Blockhaus gehen soll, und wie ich für mich Sorge tragen kann?«

June hielt an, denn sie hatte sich bereits ernstlich zum Fortgehen angeschickt; dann sagte sie ruhig: –

»Bring June Taube.«

»Eine Taube? Wo werde ich eine Taube finden, die ich dir bringen könnte?«

»Nächste Hütte: bring eine alte, June gehen zu Kahn.«

»Ich glaube, ich verstehe dich, June; wäre es aber nicht besser, ich ginge mit dir nach dem Gebüsche zurück, damit du nicht mit irgend einem von den Männern zusammentreffest?«

»Gehen aus zuerst; zählen Männer eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs« – hier hielt June ihre Finger in die Höhe und lachte – »Alle aus dem Weg – gut. Wenn nur Einer, rufen ihn auf Seite. Dann singen und holen Taube.«

Mabel lächelte über die Besonnenheit und den Scharfsinn des Mädchens, und schickte sich an, ihren Wünschen zu entsprechen. An der Thüre hielt sie jedoch und blickte bittend auf das indianische Weib zurück.

»Darf ich nicht hoffen, daß du mir mehr sagest, June?« fragte sie.

»Alles jetzt wissen; Blockhaus gut, Taube sagen, Arrowhead tödten.«

Die letzten Worte genügten, denn Mabel konnte nicht auf weitere Mittheilungen dringen, da ihre Gefährtin selbst sagte, daß die Strafe ihrer Enthüllungen wahrscheinlich den Tod von der Hand ihres Gatten sein werde. Sie öffnete die Thüre, winkte June ein Lebewohl, und verließ die Hütte. Mabel griff zu dem einfachen, von der Indianerin angegebenen Mittel, um sich über die Orte, wo sich die verschiedenen Personen befanden, Gewißheit zu verschaffen, und begnügte sich mit dem Zählen derselben, statt sie genauer in's Auge zu fassen, um sie aus dem Gesicht und dem Anzug zu erkennen. Sie fand, daß Drei noch bei dem Feuer saßen, während zwei Andere, unter ihnen Herr Muir, gegen das Boot hin gegangen waren. Der Sechste war ihr Onkel, der sich in der Nähe des Feuers mit Zurichtung von Fischergeräthschaften beschäftigte. Die Soldatenfrau ging eben in ihre Hütte, und somit war man mit der ganzen Gesellschaft im Reinen. Mabel gab sich das Ansehen, als ob sie Etwas vergessen habe, kehrte in die Nähe der Hütte zurück, trillerte ein Liedchen, bückte sich, als ob sie Etwas von dem Boden ausläse, und eilte nun der von June angegebenen Hütte zu. Diese war ein verfallenes Gebäude, und von den Soldaten der abgelösten Abtheilung zu einem Aufbewahrungsort für ihr zahmes Vieh umgewandelt worden. Unter Anderem enthielt es einige Dutzend Tauben, welche sich auf einem Haufen Weizen gütlich thaten, der von einer der geplünderten Ansiedelungen auf dem Canada-Ufer mitgebracht worden war. Es wurde Mabel nicht schwer, eine von den Tauben zu haschen, obgleich diese mit einem trommelähnlichen Geräusch um die Hütte flatterten, und als sie dieselbe unter ihren Kleidern verborgen hatte, stahl sie sich mit ihrem Fange wieder nach ihrer Hütte zurück. Ein Blick durch die Thüre überzeugte sie, daß ihr Gast nicht mehr da sei, und nun eilte das Mädchen hastig dem Ufer zu, ohne daß es ihr dabei schwer wurde, der Beobachtung zu entgehen, da die Bäume und Büsche sie vollkommen verbargen. Bei dem Kahne fand sie June, welche die Taube nahm, sie in ein von ihr selbst verfertigtes Körbchen setzte, und mit den Worten: »Blockhaus gut,« so geräuschlos, als sie gekommen war, aus dem Gebüsche und über die schmale Wasserstraße glitt. Mabel wartete noch eine Weile auf ein Zeichen des Abschieds oder der Zuneigung von ihrer landenden Freundin, aber vergebens. Die benachbarten Inseln, ohne Ausnahme, waren so still, als ob hier nie die erhabene Ruhe der Natur gestört worden sei, und nirgends ließ sich ein Zeichen oder eine Spur entdecken, welche Mabeln hätte Aufschluß über die Nähe der Gefahr ertheilen können, von welcher June Nachricht gegeben.

Als Mabel vom Ufer zurückkehrte, fiel ihr ein kleiner Umstand auf, der unter gewöhnlichen Verhältnissen kaum ihre Aufmerksamkeit angezogen hätte, jetzt aber, da ihr Argwohn geweckt war, von ihrem unruhigen Blicke nicht unbeachtet blieb. Ein kleines Stück rothen Beuteltuchs, wie man sich dessen zur Verfertigung von Schiffsflaggen bedient, flatterte von dem untern Aste eines kleinen Baumes, an welchem es auf eine Weise befestigt war, daß es wie ein Schiffswimpel sich senken oder vom Winde hinausgeblasen werden konnte.

Da Mabels Furcht einmal rege war, so hätte, selbst June sich nicht mit größerer Schnelligkeit Thatsachen klar zu machen vermocht, die, wie zu vermuthen stand, auf die Sicherheit der Gesellschaft Bezug hatten. Ein Blick genügte ihr für die Ueberzeugung, daß dieser Tuchstreifen von der anliegenden Insel aus bemerkt werden konnte, daß er der Linie zwischen ihrer Hütte und dem Kahne so nahe lag, um es außer Zweifel zu setzen, daß June nahe daran, wenn nicht unter demselben habe vorbeikommen müssen, und daß es vielleicht ein Signal sei, um denen, welche wahrscheinlich in der Nachbarschaft im Hinterhalt lagen, irgend eine wichtige Thatsache, die mit der Art des Angriffs in Verbindung stand, mitzutheilen. Mabel nahm den Tuchstreifen von dem Baume und eilte fort, kaum wissend, was ihr nun zunächst obliege. June konnte falsch gegen sie gewesen sein; aber ihr Benehmen, ihre Blicke, ihre Liebe und Anhänglichkeit, die Mabel schon während ihrer Reise kennen gelernt hatte, ließen diesen Gedanken nicht aufkommen. Dann gedachte sie der Anspielung auf Arrowheads Bewunderung der Blaßgesichts-Schönheit, erinnerte sich, wenn auch dunkel, der Blicke des Tuscarora, und es wurde ihr schmerzlich klar, daß wenige Weiber mit Zuneigung auf Diejenigen blicken können, welche ihnen die Liebe ihrer Männer entfremdet haben. Zwar waren diese Bilder weder bestimmt noch deutlich, sondern durchflogen eher die Seele unserer Heldin in einem gewissen Helldunkel, als daß sie festen Halt in derselben gewonnen hätten; demungeachtet aber beschleunigten sie die Pulse und die Schritte des Mädchens, ohne in ihr die raschen und klaren Entschlüsse hervorzubringen, welche gewöhnlich ihren Erwägungen folgten. Sie eilte geraden Wegs nach der von der Soldatenfrau bewohnten Hütte, in der Absicht, sich schnell mit ihr nach dem Blockhaus zu begeben, da sie Niemand Anders veranlassen konnte, ihr zu folgen, als ihr ungeduldiger Schritt plötzlich durch Muirs Stimme unterbrochen wurde.

»Wohin so schnell, schöne Mabel,« rief er, »und warum so einsam? Der würdige Sergeant wird sich über meine gute Lebensart lustig machen, wenn er hört, daß seine Tochter die Morgenstunden allein und ohne Begleitung zubringen muß, während er doch weiß, wie glühend mein Wunsch ist, Ihr Gesellschafter und Sklave zu sein, vom Anfange des Jahres an bis zu dessen Ende.«

»Sicherlich, Herr Muir, müssen Sie hier einiges Ansehen haben?« sagte Mabel, indem sie plötzlich ihre Schritte anhielt. »Auf einen Mann von ihrem Rang muß wenigstens ein Korporal hören?«

»Ich weiß das nicht, ich weiß das nicht,« unterbrach sie Muir, mit einer Ungeduld und einem Ausdruck von Beunruhigung, die in einem andern Augenblick Mabels Aufmerksamkeit erregt haben würden. »Kommando ist Kommando, Disciplin ist Disciplin, und Ansehen ist Ansehen. Ihr guter Vater würde es höchst empfindlich aufnehmen, wenn ich ihm in's Gehäge ginge, und die Lorbeeren, die er zu gewinnen im Begriff ist, besudeln oder für mich davon tragen wollte. Ich kann dem Korporal nicht befehlen, ohne zugleich auch dem Sergeanten zu befehlen. Es wird daher für mich das Klügste sein, bei dieser Unternehmung in der Dunkelheit des Privatmannes zu bleiben, und so verstehen auch Alle von Lundie abwärts die Verhaltungsbefehle.«

»Ich weiß das, und es mag wohl gut sein; denn ich möchte meinem lieben Vater keinen Anlaß zur Unzufriedenheit geben. Aber Ihr Ansehen könnte zu des Korporals eigenem Besten dienen.«

»Ich will das nicht sagen,« erwiederte Muir in seiner schlauen schottischen Weise; »es würde viel eher angehen, einen Einfluß zu seinem Schaden auf ihn geltend zu machen. Der Mensch hat seine Besonderheiten, schöne Mabel, und auf ein Mitgeschöpf zu seinem Besten einwirken zu wollen, ist eine der schwierigsten Aufgaben der menschlichen Natur, während das Gegentheil gerade die allerleichteste ist. Sie werden daß nicht vergessen, meine Theure, sondern es sich zu Ihrer Erbauung und Belehrung ein wenig zu Gemüth führen: aber was ist das, was Sie da um Ihren schlanken Finger wickeln, als ob es einer Ihrer brünstigen Verehrer wäre?«

»Es ist nichts, als ein Stückchen Tuch – eine Art Flagge – eine Kleinigkeit, die kaum Ihrer Aufmerksamkeit würdig ist in einem so ernsten Augenblick. – Wenn –«

»Eine Kleinigkeit? Es ist nicht so geringfügig, als Sie sich vorstellen mögen, Mistreß Mabel!« Er nahm ihr das Stückchen Tuch ab und dehnte es mit beiden Armen der Länge nach aus, während sein Gesicht ernst und sein Auge wachsam wurde. »Sie werden doch das nicht in dem Frühstück gefunden haben, Mabel Dunham?«

Mabel theilte ihm einfach mit, wo und wie sie diesen Streifen gefunden habe. Während sie sprach, war das Auge des Quartiermeisters keinen Augenblick ruhig, und flog von dem Flaggentuch zu Mabels Gesicht und von da wieder zu dem Flaggentuch zurück. Es war leicht zu bemerken, daß sein Verdacht erregt war, und er ließ Mabel nicht lange im Ungewissen über die Richtung desselben.

»Wir sind nicht in einem Theile der Welt, wo unsere Flaggen draußen in dem Winde flattern dürfen, Mabel Dunham!« sagte er mit einem bedeutungsvollen Kopfschütteln.

»Das dachte ich auch, Herr Muir, und nahm deßhalb das kleine Wimpel weg, damit es nicht ein Mittel werde, dem Feinde unsere Anwesenheit zu verrathen, selbst wenn durch das Entfalten desselben gar nichts beabsichtigt wurde. Sollte man nicht meinen Onkel von diesem Umstand in Kenntniß setzen?«

»Ich sehe hiefür keine Nothwendigkeit, schöne Mabel; denn Sie bezeichnen es ganz richtig als einen Umstand, und Umstände sitzen bisweilen dem würdigen Seemann schwer auf. Aber diese Flagge, wenn man es eine solche nennen kann, gehört zu dem Fahrzeug eines Schiffers. Sie werden bemerken, daß sie aus sogenanntem Beuteltuch gemacht ist, welches blos zu derartigen Zwecken benutzt wird; denn Sie wissen selbst, daß unsere Fahnen aus Seide oder farbiger Leinwand verfertigt sind. Sie hat auf eine überraschende Weise die Länge des Scud-Wimpels; – und ich erinnere mich nun, daß ein Stück von eben jener Flagge abgeschnitten war.«

Mabel fühlte ihr Herz erstarren, aber sie hatte genug Selbstbeherrschung, um keine Erwiederung zu versuchen.

»Man darf die Sache nicht so hingehen lassen,« fuhr Muir fort: »und es wird im Grunde doch gut sein, eine kurze Rücksprache mit Meister Cap zu halten; denn ein loyalerer Unterthan lebt nicht im brittischen Reiche.«

»Ich habe mir diesen Wink so ernst betrachtet,« versetzte Mabel, »daß ich im Begriffe bin, mich in das Blockhaus zu begeben und die Soldaten mit mir zu nehmen.«

»Ich sehe nicht ein, zu was das gut sein wird, Mabel. Das Blockhaus wird zuerst angegriffen werden, wenn wirklich ein Ueberfall im Werke ist. Wenn ich Ihnen in einer so zarten Angelegenheit rathen dürfte, so möchte ich Ihnen empfehlen, ihre Zuflucht zu dem Boote zu nehmen, welches, wie Sie bemerken können, am günstigsten liegt, um sich in jenen entgegengesetzten Kanal zu flüchten, wo Alles, was darin ist, in einer oder zwei Minuten zwischen den Inseln verborgen wäre. Wasser hinterläßt keine Fährte, wie Pfadfinder sagt, und es scheint, es seien so viele verschiedene Durchgänge in dieser Gegend, daß ein Entkommen mehr als wahrscheinlich wäre. Ich bin immer der Ansicht gewesen, Lundie habe zu viel gewagt, als er einen so weit vorgeschobenen und so sehr gefährdeten Posten, wie dieser ist, besetzen ließ.«

»Es ist nun zu spät, es zu bereuen, Herr Muir, und wir haben jetzt nur für unsere Sicherheit zu sorgen.«

»Und für die Ehre des Königs, schöne Mabel. Ja, Seine Majestät Waffen und sein ruhmvoller Name dürfen bei keiner Gelegenheit außer Acht gelassen werden.«

»Dann, meine ich, dürfte es doch am geeignetsten sein, wenn wir unsere Augen nach dem Ort, der zu ihrer Aufrechthaltung gebaut worden ist, richteten, als nach dem Boot,« sagte Mabel lächelnd; »und so bin ich, Herr Muir, für das Blockhaus, wo ich die Rückkehr meines Vaters und seiner Leute abwarten möchte. Es müßte ihn wohl sehr betrüben, wenn er siegreich und voll Zuversicht, daß wir unsern Pflichten so treu nachgekommen seien, als er der seinigen, zurückkäme, und fände, daß wir geflohen sind.«

»Nein, nein, um's Himmels willen, mißverstehen Sie mich nicht, Mabel,« unterbrach sie Muir etwas beunruhigt! »ich bin weit entfernt, Jemand Anders als den Frauen den Rath zu geben, zum Boote die Zuflucht zu nehmen. Die Obliegenheit der Männer ist, ohne allen Zweifel, klar genug, und mein Entschluß war von Anfang an, mit dem Blockhaus zu stehen oder zu fallen.«

»Und glaubten Sie, Herr Muir, daß zwei Weiber dieses schwere Boot auf eine Weise zu führen wüßten, um dem Rindenkahn eines Indianers zu entkommen?«

»Ach, meine schöne Mabel, die Liebe versteht sich selten auf die Logik, und die Besorgnisse derselben sind wohl geeignet, den Verstand ein wenig in Verwirrung zu bringen. Ich sah nur Ihre süße Gestalt in dem Besitz des Rettungsmittels, und dachte nicht, daß es Ihnen an der Fähigkeit gebricht, sich desselben zu bedienen. Aber Sie werden nicht so grausam sein, holdes Wesen, mir die lebhafte Besorgniß um Sie als Fehler anzurechnen?«

Mabel hatte genug gehört. Ihr Geist war zu sehr mit den Ereignissen dieses Morgens und mit ihren Befürchtungen beschäftigt, als daß sie länger bei einem Liebesgespräch zu verweilen gewünscht hätte, welches ihr auch in den sorgenfreiesten und heitersten Augenblicken zuwider gewesen wäre. Sie nahm daher hastig Abschied von ihrem Gefährten und beabsichtigte, sich in die Hütte der Soldatenfrau zu begeben, als sie Muir anhielt, indem er mit seiner Hand ihren Arm faßte.

»Ein Wort noch, Mabel«, sagte er, »ehe Sie mich verlassen. Diese kleine Flagge hat entweder eine besondere Bedeutung, oder nicht. Hat sie eine, so dürfte es, da wir sehen, daß sie bereits ausgesteckt worden ist, wohl besser sein, sie wieder an ihren Ort zu hängen, während wir sorgsam daraus achten, ob nicht eine Antwort erfolgt, die uns der Verschwörung auf den Sprung kommen hälfe; und hat sie nichts zu bedeuten – ei, so wird auch Nichts daraus folgen.«

»Sie mögen wohl Recht haben, Herr Muir, obgleich, wenn das Ganze blos zufällig ist, die Flagge Anlaß zu Entdeckung des Postens geben könnte.«

Mabel stand ihm nicht weiter Rede, und war ihm bald aus den Augen, indem sie der Hütte zueilte, nach welcher sie vorhin schon getrachtet hatte.

Der Quartiermeister blieb ungefähr eine Minute auf demselben Platze und in derselben Stellung, in welcher ihn das Mädchen verlassen hatte, und blickte zuerst auf die forthüpfende Gestalt, dann aber auf das Stücklein Tuch, welches er in der Hand hielt, indeß sich Unschlüssigkeit in seinen Zügen ausdrückte. Sein Schwanken dauerte jedoch nicht länger, als diese Minute! denn er befand sich bald unter dem Baume, wo er die Flagge wieder an einen Ast befestigte, obgleich er sie, da er die Stelle, von welcher Mabel sie genommen, nicht kannte, von einem Eichenzweige herabflattern ließ, welcher mehr den Blicken Solcher, die auf dem Strome sich befanden, ausgesetzt war, während sie von der Insel aus weniger gesehen werden konnte.

 << Kapitel 21  Kapitel 23 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.