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Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer

James Fenimore Cooper: Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Pfadfinder
publisherHoffmann'sche Verlags Buchhandlung.
printrunNeue unveränderte Auflage
year1869
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141112
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Neuntes Kapitel

Nun, Brüder und Genossen meines Banns,
Sagt, ist dieß Leben Euch nicht angenehmer,
Als aller Luxus? Sagt, ist dieser Wald
Nicht freier von Gefahren, als der Hof?
Hier fühlen wir die Strafe Adams nur. –

Wie es Euch gefällt.

 

Es lag keine leere Prahlerei in dem Versprechen des Sergeanten Dunham, mit welchem wir das vorige Kapitel beschlossen haben. Ungeachtet der abgeschiedenen Lage des Gränzpostens erfreute sich doch seine Besatzung einer Tafel, um die sie in manchen Beziehungen von Königen und Fürsten hätten beneidet werden mögen. Zur Zeit unserer Erzählung, und auch noch ein halbes Jahrhundert später, war die ganze weite Gegend, welche man damals den Westen nannte, und die seit dem Revolutionskrieg den Namen der neuen Länder führt, vergleichungsweise unbevölkert und verlassen, obschon sie alle lebenden Naturprodukte, welche diesem Klima angehören, mit Ausnahme des Menschen und der Hausthiere, in üppiger Fülle hervorbrachte. Die wenigen Indianer, welche in den Wäldern umherstreiften, vermochten den Ueberfluß an Wild nicht sichtlich zu vermindern, und die zerstreuten Garnisonen wie auch die einzelnen Jäger, aus welche man hin und wieder traf, übten keinen größern Einfluß als den einer Biene auf das Buchweizenfeld, oder den des Kolibri auf ein Blumenbeet.

Die Erzählungen von der wunderbaren Menge der wilden Thiere, Vögel und Fische, welche insbesondere an den Ufern der großen Seen gefunden wurden, werden durch die Erfahrung mancher noch lebenden Menschen bestätigt; sonst hätten wir Anstand nehmen mögen, ihrer zu erwähnen. Da wir aber selbst Augenzeugen von solch' verschwenderischer Fülle gewesen sind, so entledigen wir uns dieser Aufgabe mit der ganzen Zuversicht, welche eigene Ueberzeugung zu geben vermag. Besonders war der Oswego geeignet, die Speisekammer eines Epicuräers immer reichlich zu versorgen. Fische von verschiedener Art wimmelten in seinem Strome, und der Fischer durfte nur seine Leine auswerfen, um einen Barsch oder ein anderes Glied der mit Flossen versehenen Zunft herauszuholen, die in eben so großer Menge das Wasser bevölkerte, in welcher die Luft über den Sümpfen dieser fruchtbaren Breite von Insekten erfüllt war. Unter andern stand der Salm der Seen, eine Varietät der wohlbekannten Art, an Leckerhaftigkeit dem des nördlichen Europa's kaum nach. Die Wälder und Wasser wimmelten von verschiedenen Zugvögeln, und man sah oft Hunderte von Morgen Landes an den großen Bayen, welche in die Ufer des See's einschneiden, von Gänsen und Enten bedeckt. Hirsche, Bären, Kaninchen, Eichhörnchen und verschiedene andere Vierfüßler, unter denen sich auch bisweilen das Elennthier befand, halfen die Summe der natürlichen Hilfsmittel vervollständigen, durch welche die entfernten Gränzbesatzungen sich für ihre übrigen Entbehrungen mehr oder minder schadlos hielten.

An einem Orte, wo Fleischsorten, welche anderswo unter die Luxusartikel gerechnet werden, in solchem Uebermaße vorhanden waren, blieb Niemand von ihrem Genüsse ausgeschlossen. Der Geringste an dem Oswego speiste Wildbret, das den Glanz einer Pariser Tafel ausgemacht haben würde, und es war nur ein heilsamer Commentar über die Launen des Geschmacks und die Verkehrtheit der menschlichen Begierden, daß die kräftige Diät, welche unter andern Umständen ein Gegenstand des Neides und Aergers gewesen wäre, den Appetit hier bis zum Ekel übersättigte. Die gewöhnliche rauhe Nahrung der Armee, welche man wegen der Schwierigkeit des Transportes zu Rathe halten mußte, stieg in der Achtung des gemeinen Soldaten, und er würde Wildbret, Enten, Tauben und Salme mit Freuden gelassen haben, um bei den Annehmlichkeiten des geräucherten Schweinefleisches, pelziger Rüben und des halbgaren Kohles zu schwelgen.

Um auf die Tafel des Sergeanten Dunham zurückzukommen, so trug sie das Gepräge des Überflusses und des Luxus der Gränze, wie ihrer Entbehrungen. Ein köstlich gebratener Salm dampfte auf einer unzierlichen Platte, heiße Wildpretstückchen sandten ihre einladenden Düfte aus, und verschiedene Schüsseln kalter Speisen, welche alle aus Wildbret bestanden, wurden den Gästen vorgesetzt, um den neuangekommenen Besuch zu ehren und des alten Soldaten Gastfreundlichkeit zu beweisen.

»Du scheinst in diesem Erdwinkel nicht karg gehalten zu sein, Sergeant,« sprach Cap, nachdem er sich in die Geheimnisse der verschiedenen Schüsseln eingeweiht hatte. »Ein solcher Salm kann deine Schottländer wohl zufrieden stellen.«

»Und doch thut er's nicht, Bruder Cap; denn unter den zwei oder dreihundert Burschen, welche wir in dieser Garnison haben, gibt es kaum ein halbes Dutzend, welche nicht darauf schwören würden, daß dieser Fisch ungenießbar sei. Selbst Solche, die nie Wildbret kosteten, wenn sie es nicht in ihrer Heimath aus irgend einem Gehege stahlen, rümpfen ihre Nasen über die fettesten Hirschschlegel, welche wir hier bekommen können.«

»Ja, das ist Christennatur,« warf Pfadfinder ein, »und ich muß sagen, sie gereicht ihnen nicht zur Ehre. Eine Rothhaut ist nie unzufrieden, sondern immer dankbar für die Nahrung, welche sie findet, mag sie nun fett oder mager, Hochwild oder Bär, die Brust eines wilden Puters oder der Flügel einer Wildgans sein. Zur Schande der Weißen muß man es sagen, daß wir so unzufrieden mit den Segnungen sind, und unbedeutende Uebel als Dinge von großer Wichtigkeit betrachten.«

»Es ist so, wenigstens beim Fünfundfünfzigsten, obschon ich von einem Christenthum nicht viel sagen kann,« erwiederte der Sergeant. »Selbst der Major, der alte Duncan of Lundie, pflegt bisweilen zu sagen, ein Haferkuchen sei eine bessere Speise, als der Oswegobarsch, und seufzt dabei nach einem Schluck Hochlandwasser, obschon er den ganzen Ontario hat, um seinen Durst zu löschen, wenn es ihn darnach gelüstet.«

»Hat Major Duncan Frau und Kinder?« fragte Mabel, deren Gedanken in ihrer neuen Lage sich natürlicherweise zuerst auf ihr eigenes Geschlecht richteten.

»Nein, Mädchen, aber man sagt, er habe eine Verlobte in der Heimath. Die Dame scheint jedoch lieber warten, als sich den Beschwerlichkeiten, welche mit einem Dienst in dieser wilden Gegend verbunden sind, unterziehen zu wollen. Es entspricht das freilich nicht den Begriffen, welche ich von den Pflichten eines Weibes habe, Bruder Cap. Deine Schwester dachte anders, und wenn es Gott gefallen hätte, sie mir zu erhalten, so würde sie wohl in diesem Augenblicke auf demselben Lagerstuhl sitzen, der nun ihrer Tochter so gut ansteht.«

»Ich hoffe nicht, Sergeant, daß du dir Mabel je als ein Soldatenweib denken wirst,« erwiederte Cap ernsthaft. »Unsere Familie hat in dieser Beziehung das Ihrige schon gethan, und es ist hohe Zeit, daß man sich auch das Meer wieder in's Gedächtniß ruft.«

»Ich kann dir versichern, Bruder, daß ich nicht daran denke, ihr einen Mann aus dem Fünfundfünfzigsten oder irgend einem andern Regiment auszusuchen, obschon ich glaube, daß es für das Mädchen wohl Zeit wäre, eine anständige Partie zu treffen.«

»Vater!«

»'s ist keine von ihren Gaben, Sergeant, so offen über derartige Gegenstände zu sprechen,« sagte der Wegweiser; »denn ich habe mich aus Erfahrung überzeugt, daß man, wenn man der Fährte von der Herzensneigung einer Jungfrau folgen will, nicht vor ihr seinen Gedanken Laut geben darf. Wir wollen daher, wenn's beliebt, von etwas Anderem reden.«

»Gut, also, Bruder Cap; ich hoffe, daß dieses Stückchen von einem kalten, gerösteten Ferkel nach deinem Sinn sein wird. Ich glaube, du liebst diese Speise.«

»Ja, ja, gib mir eine civilisirte Kost, wenn ich essen soll,« erwiederte der hartnäckige Seemann. »Wildbret ist gut genug für eure Landschiffer, aber wir von dem Ocean lieben ein wenig das, was wir kennen.«

Hier legte der Pfadfinder Messer und Gabel nieder, brach in ein herzliches aber stilles Lachen aus, wie er es gewohnt war, und fragte dann etwas neugierig:

»Vermißt ihr nicht die Schwarte, Meister Cap, vermißt Ihr nicht die Schwarte?«

»Ich glaube selber auch, daß es in seiner Jacke besser gewesen wäre, Pfadfinder; aber ich hielt es für eine Mode in den Wäldern, die Ferkel so aufzutragen.«

»Nun, nun – man kann um die ganze Erde herumkommen, und doch nicht alles wissen. Wenn Ihr die Haut dieses Ferkels hättet abziehen müssen, so möchtet Ihr wohl wunde Hände davongetragen haben. Das Geschöpf ist ein Stachelschwein.«

»Die Pest auf mich, wenn ich es je für ein ganz natürliches Schwein gehalten habe,« erwiederte Cap. »Aber ich dachte eben, daß sogar ein Spanferkel hier oben in den Wäldern einige von seinen guten Eigenschaften verloren haben könnte. Es schien mir nicht mehr als vernünftig, daß ein Frischwasserschwein nicht ganz so gut sei, als ein Salzwasserschwein. Ich denke aber, Sergeant, daß dir das nichts ausmacht.«

»Wenn nur das Hautabstreifen nicht an mich kommt, Schwager. – Pfadfinder, ich hoffe, Ihr fandet Mabel nicht ungehorsam auf dem Marsche?«

»Gewiß nicht. Wenn Mabel nur halb so zufrieden mit Jasper und Pfadfinder ist, als der Pfadfinder und Jasper mit ihr, Sergeant, so werden wir wohl für den Rest unserer Tage Freunde bleiben.«

Während der Wegweiser sprach, richtete er seine Augen mit dem unschuldigen Wunsche, ihre Meinung zu erfahren, auf das erröthende Mädchen; dann aber blickte er mit einem angebornen Zartgefühle, welches bewies, wie sehr er über das niedrige Verlangen, in das Heiligthum weiblicher Gefühle einzudringen, erhaben sei, auf seinen Teller und schien seine Kühnheit zu bereuen.

»Nun, nun – wir müssen uns erinnern, mein Freund, daß Weiber keine Männer sind,« sprach der Sergeant, »und ihrer Natur und Erziehung Manches zu gut halten. Ein Rekrut ist kein Veteran. Man weiß, daß es länger braucht, einen guten Soldaten, als etwas Anderes zu bilden, und so muß es auch mehr als gewöhnliche Zeit brauchen, eine gute Soldatentochter zu werden.«

»Das ist eine neue Lehre, Sergeant,« sagte Cap etwas hochmüthig. »Wir alten Seeleute halten eher dafür, daß man sechs Soldaten, und dazu Kapitalsoldaten, bilden könne, bis nur ein Matrose seine Schule durchgemacht hat.«

»Ah, Bruder Cap, ich kenne die hohe Meinung ein wenig, welche die seefahrenden Leute von sich selbst haben,« erwiederte der Schwager mit einem so milden Lächeln, als sich mit seinen ernsten Zügen vertrug, »denn ich habe manche Jahre in einer Hafengarnison zugebracht. Wir haben früher schon über diesen Gegenstand gesprochen, und ich fürchte, wir werden nie darüber eins werden. Wenn du aber den Unterschied zwischen einem wirklichen Soldaten und einem Menschen, der sich so zu sagen noch in seinem Naturzustande befindet, kennen lernen willst, so darfst du nur heute Nachmittag bei der Parade einen Blick auf ein Bataillon des Fünfundfünfzigsten werfen, und dann, wenn du nach York zurückkommst, eines von den Milizregimentern, wenn es seine größten Anstrengungen macht, betrachten.«

»Nun, Sergeant, da ist in meinen Augen kein besonderer Unterschied, vielleicht kein größerer, als der, den du zwischen einer Brigg und einer Schnaue finden würdest. Mir kommen sie ganz gleich vor; Scharlach und Federn, Pulver und Pfeifenerde.«

»So weit reicht allenfalls eines Seemanns Verstand,« erwiederte der Sergeant mit Würde; »aber vielleicht hast du noch nicht bemerkt, daß es ein Jahr braucht, um einen rechten Soldaten nur essen zu lehren?«

»Um so schlimmer für ihn. Die Miliz weiß sich im Augenblick darein zu finden, wie sie essen soll, denn ich habe oft gehört, daß sie auf ihren Märschen gemeiniglich Alles, was ihnen in den Wurf kommt, verspeisen, wenn sie auch sonst nichts weiter thun.«

»Ich denke, sie haben ihre Gaben wie andere Leute,« bemerkte der Pfadfinder, in der Absicht, den Frieden zu erhalten, welcher augenscheinlich durch die hartnäckige Vorliebe der beiden Sprecher für ihren Beruf gefährdet war, »und da der Mensch seine Gaben von der Vorsehung hat, so ist es gewöhnlich fruchtlos, ihnen zu widerstreben. Das Fünfundfünfzigste, Sergeant, ist ein sehr verständiges Regiment, was das Essen anbelangt, wie ich wohl weiß, da ich so lange schon mit ihm umgehe; aber vielleicht findet sich's, daß es doch von dem Milizencorps in derartigen Kunststücken übertroffen wird.«

»Onkel,« sagte Mabel, »wenn Ihr gefrühstückt habt, so werde ich es Euch Dank wissen, wenn Ihr mich wieder auf das Bollwerk hinaus begleitet. Wir haben Beide den See noch nicht halb gesehen, und es würde sich doch schlecht ausnehmen, wenn ein junges Frauenzimmer am ersten Tage ihrer Ankunft so ganz allein um das Fort spazieren müßte.«

Cap verstand Mabels Absicht wohl. Da er aber im Grunde gegen seinen Schwager eine herzliche Freundschaft hegte, so war er bereit, den Gegenstand beruhen zu lassen, bis sie länger beisammen gewesen wären; denn der Gedanke, ihn ganz aufzugeben, konnte einem so überklugen und hartnäckigen Manne nicht in den Sinn kommen. Er begleitete daher seine Nichte, während Sergeant Dunham und sein Freund Pfadfinder allein mit einander zurückblieben. Der Sergeant, welcher das Manöver seiner Tochter nicht ganz so gut verstanden hatte, wandte sich nach dem Abzug seines Gegners an seinen Gefährten, und bemerkte mit einem Lächeln, welches nicht ohne Triumph war:

»Die Armee, Pfadfinder, hat sich noch nie in Behauptung ihrer Rechte Gerechtigkeit widerfahren lassen, und obgleich Jedem, mag er nun in einem rothen oder in einem schwarzen Rocke, oder gar nur in seinen Hemdärmeln stecken, Bescheidenheit ziemt, so lasse ich doch nicht gerne eine gute Gelegenheit entschlüpfen, um zu ihren Gunsten ein Wort zu sprechen. – Nun, mein Freund,« er legte dabei seine Hand auf die des Pfadfinders und drückte sie herzlich, »wie gefällt Euch das Mädchen?«

»Ihr habt Ursache, stolz auf sie zu sein, Sergeant; Ihr habt Ursache, stolz zu sein, daß Ihr der Vater eines so schönen und wohlgesitteten jungen Frauenzimmers seid. Ich habe Manche ihres Geschlechts gesehen, und darunter Einige, die ansehnlich und schön waren; aber nie zuvor traf ich mit Einer zusammen, bei welcher wie ich glaube, die Vorsehung die verschiedenen Gaben in ein solches Gleichgewicht gebracht hatte.«

»Und die gute Meinung – kann ich Euch versichern, Pfadfinder – ist wechselseitig. Sie erzählte mir in der letzten Nacht Alles – von Eurer Besonnenheit, Eurem Muthe, Eurer Güte – besonders von dieser letztern, denn Güte zählt bei Weibern mehr als die Hälfte, mein Freund – und die erste Beschauung scheint auf beiden Seiten befriedigend ausgefallen zu sein. Bürstet nur die Uniform aus und verwendet mehr Aufmerksamkeit auf das Aeußere, Pfadfinder, und Ihr werdet das Mädchen haben, Herz und Hand.«

»Nein, nein, Sergeant, ich habe nichts von dem vergessen, was Ihr mir gesagt habt, und will mich keine vernünftige Mühe reuen lassen, in Mabels Augen so angenehm zu erscheinen, als sie den meinigen geworden ist. Diesen Morgen, mit Sonnenaufgang, habe ich den Hirschtödter geputzt und aufpolirt, und, nach meinem Urtheil, hat das Gewehr nie besser als in diesem Augenblicke ausgesehen.«

»Das ist so Euren jägerbegriffen gemäß, Pfadfinder; aber Feuerwaffen müssen schimmern und funkeln in der Sonne, und ich habe nie etwas Schönes an einem damascirten Lauf erblicken können.«

»Lord Howe dachte anders, Sergeant, und der galt doch für einen guten Soldaten.«

»Sehr wahr; Seine Herrlichkeit hat alle Läufe seines Regiments anlaufen lassen; aber was kam dabei Gutes heraus? Ihr könnt seinen Wappenschild in der englischen Kirche zu Albany hängen sehen. Nein, nein, mein würdiger Freund, ein Soldat muß ein Soldat sein, und nie sich schämen oder scheuen, die Zeichen und Symbole seines ehrenwerthen Gewerbes an sich zu tragen. Habt Ihr Euch viel mit Mabel unterhalten, als Ihr in dem Kahne miteinander fuhret?«

»Es gab nicht viel Gelegenheit dazu, Sergeant, und dann fand ich meine Gedanken so weit unter den ihrigen, daß ich mich scheute, viel mehr, als was in das Bereich meiner Gaben fällt, zu sprechen.«

»Da habt Ihr theilweise Recht und theilweise Unrecht, mein Freund. Die Frauenzimmer lieben unbedeutende Discurse, denn sie wollen den größten Theil davon selber führen. Ihr wißt ja, daß ich nicht der Mann bin, der wegen jedes schwindlichen Gedankens seine Zunge schießen läßt, und doch gab es eine Zeit, wo Mabels Mutter nicht geringer von mir dachte, weil ich ein bischen von meinem männlichen Ernste abfiel. Es ist wahr, ich war damals um zweiundzwanzig Jahre jünger, als jetzt, und obendrein statt der älteste Sergeant im Regimente zu sein, war ich der jüngste. Würde ist allerdings empfehlend und nützlich, und ohne sie macht man keine Fortschritte bei den Männern: wenn Ihr aber auch von den Weibern geschätzt werden wollt, so ist es durchaus nöthig, gelegentlich ein bischen zu ihnen hinunter zu steigen.«

»Ah, Sergeant! ich fürchte bisweilen, daß es nicht gehen wird.«

»Warum denkt Ihr von einer Sache so entmuthigend, bei der ich der Meinung war, daß Beider Gemüther schon im Reinen seien?«

»Wir sind übereingekommen, daß ich, wenn Mabel sich als Solche bewähre, wie Ihr sie mir geschildert habt, und sie einen waren Jäger und Wegweiser gerne haben könne, von meinen Wanderzügen etwas ablassen und den Versuch machen solle, meinen Geist für Weib und Kind herab zu humanisiren. Aber seit ich das Mädchen gesehen habe, sind mir, ich muß es gestehen, manche Besorgnisse aufgestiegen.«

»Was soll das?« fiel der Sergeant ernst ein. »Habe ich Euch etwa unrecht verstanden, als Ihr sagtet, sie gefiele Euch? – und ist Mabel ein Frauenzimmer, um die Erwartung zu täuschen?«

»Ach, Sergeant, nicht Mabel ist's, der ich mißtraue, sondern meine eigene Wenigkeit. Ich bin weiter nichts als ein armer unwissender Waldmann, und vielleicht doch in Wirklichkeit nicht so gut, als eben Ihr und ich von mir denken mögen?«

»Wenn Ihr auch an der Richtigkeit Eures Urtheils über Euch zweifeln möget, Pfadfinder, so muß ich bitten – zweifelt wenigstens nicht an dem meinigen. Sollte ich etwa nicht der Mann sein, eines Mannes Charakter zu beurtheilen? Gehört dieses nicht zu meinen besondern Dienstverrichtungen? Habe ich mich je getäuscht? Fragt den Major Duncan, wenn Ihr hiefür noch besonderer Versicherungen bedürft.«

»Aber, Sergeant, wir sind lange Freunde gewesen, haben Dutzendmale Seite an Seite gefochten, und Jeder hat dem Andern manchen Dienst erwiesen. Unter solchen Umständen kann ein Mann wohl allzu freundlich von einem andern denken, und ich fürchte, daß die Tochter einen einfachen unwissenden Jäger vielleicht nicht mit den wohlwollenden Blicken ihres Vaters betrachtet.«

»Still, still, Pfadfinder, Ihr kennt Euch selbst nicht, und mögt Euch deßhalb getrost auf mein Urtheil verlassen. Einmal habt Ihr Erfahrung, und da diese allen Mädchen abgeht, so wird kein kluges junges Frauenzimmer diese Eigenschaft übersehen. Dann seid Ihr keiner von den Gecken, welche sich breit machen, sobald sie in ein Regiment geschmeckt haben, wohl aber ein Mann, der den Dienst gesehen hat, und die Merkmale desselben an seiner Person und in seinem Gesichte mit herumträgt. Ich darf sagen, daß Ihr etliche dreißig oder vierzig Male im Feuer gestanden seid, wenn ich alle die Scharmützel und Hinterhalte, die Ihr gesehen habt, in Rechnung bringe.«

»Wohl wahr, Sergeant, wohl wahr; aber was wird das helfen bei der Gewinnung des Wohlwollens eines zartherzigen jungen Frauenzimmers?«

»Es wird den Ausschlag geben. Erfahrung im Felde ist so gut für die Liebe, als für den Krieg. Ihr seid ein so ehrenhafter und loyaler Unterthan, wie der König – Gott segne ihn! – nur immer einen haben kann.«

»Das mag Alles sein, das mag Alles sein; aber ich bin – ich fürchte – ich sei zu roh, und zu alt, und zu wildartig, um für die Phantasie eines so jungen und feinen Mädchens, wie Mabel, zu passen, die der Weise unserer Wälder zu ungewohnt ist, und wohl denken wird, daß die Ansiedlungen ihren Gaben und Neigungen besser zusagen.«

»Das sind wieder neue Zweifel von Euch, Freund, und ich wundre mich, daß sie nie vorher paradirten.«

»Weil ich vielleicht nie meine eigene Werthlosigkeit so erkannte, bis ich Mabel sah. Ich bin wohl mit einigen Schönen gewandert, und habe sie durch die Wälder geführt – habe sie in ihren Gefahren und in ihrer Heiterkeit gesehen: aber sie standen immer zu hoch über mir, um sie anders zu betrachten, als für Wehrlose, welche zu beschützen und zu vertheidigen ich mich verpflichtet erachtete. Der Fall ist nun verschieden. Mabel und ich, wir stehen uns so nahe, daß es mich fast erdrückt, uns so ungleich finden zu müssen. Ich wünschte, Sergeant, daß ich um zehn Jahre jünger, schöner und geeigneter wäre, einem jungen, hübschen Frauenzimmer zu gefallen.«

»Fasset Muth, mein braver Freund, und verlaßt Euch auf einen Vater, der die Weiberart kennt. Mabel liebt Euch bereits halb, und so eine Bekanntschaft von vierzehn Tagen da unten an den Inseln wird die andere Hälfte vollends ganz machen. Das Mädchen hat mir das in der letzten Nacht selbst gesagt.«

»Ist's möglich, Sergeant?« sagte der Wegweiser, dessen demüthige und bescheidene Natur zurückbebte, als er sich selbst in so günstigen Farben erblickte. »Ist's wirklich möglich? Ich bin nur ein armer Jäger, und Mabel ist dazu gemacht, eine Offiziersfrau zu werden. Glaubt Ihr, das Mädchen werde einwilligen, alle die beliebten Gebräuche der Ansiedelungen zu verlassen, ihre Visiten, ihre Kirchgänge, um mit einem einfachen Wegweiser und Jäger hier oben in den Wäldern zu wohnen? Wird sie nicht am Ende ihre alten Weisen und einen bessern Mann begehren?«

»Ein besserer Mann, Pfadfinder, dürfte schwer zu finden sein,« erwiederte der Vater. »Was die Stadtgebräuche anbelangt, so werden diese bald in der Freiheit der Wälder vergessen sein, und Mabel hat Muth genug, um an der Gränze zu wohnen. Ich habe den Plan zu der Heirath nicht entworfen, ohne vorher darüber, wie ein General bei einem Feldzug, reiflich nachzudenken. Für's Erste dachte ich daran, Euch in das Regiment zu bringen, daß Ihr mein Nachfolger werden könnt, wenn ich mich zurückziehe, was früher oder später geschehen muß; aber das braucht noch Ueberlegung, Pfadfinder, denn ich glaube kaum, daß Ihr dem Dienst gewachsen seid. Nun, wenn Ihr aber auch nicht gerade ein Soldat im vollen Sinne des Wortes seid, so seid Ihr doch ein Soldat im besten Sinne desselben, und ich weiß, daß Ihr Euch des Wohlwollens aller Offiziere im Corps erfreut. So lange ich lebe, kann Mabel bei mir wohnen, und Ihr werdet immer eine Heimath haben, wenn Ihr von Euren Kundschaftsreisen und Märschen zurückkommt.«

»Ein schöner Gedanke, Sergeant, wenn nur das Mädchen unsern Wünschen mit gutem Willen entgegen kommen kann. Aber ach! es scheint mir nicht, daß ein Mensch, wie ich, ihren schönen Augen besonders angenehm sein werde. Wenn ich jünger und schöner wäre, wie zum Beispiel der Jasper Western, so möchte die Sache wohl ein anderes Gesicht bekommen; ja, dann – in der That, möchte es ein bischen anders aussehen.«

»Das für den Jasper Eau-douce und für jeden guten Bursch innerhalb oder außerhalb des Forts!« erwiederte der Sergeant, indem er mit den Fingern schnippte. »Wenn Ihr auch nicht in Wirklichkeit zu den Jungen gehört, so seht Ihr doch wie ein Junger aus, und jedenfalls besser als der Scudsmeister –«

»Wie?« sagte Pfadfinder, indem er aus seinen Gefährten mit dem Ausdruck des Zweifels blickte, als ob er seine Meinung nicht verstanden hätte.

»Ich sage nicht gerade jünger an Tagen und Jahren, aber Ihr seht kräftiger und sehnigter aus, als Jasper, oder einer von Diesen; und es wird noch in dreißig Jahren mehr an Euch sein, als an allen diesen Burschen zusammengenommen. Ein gutes Gewissen macht einen Mann, wie Ihr, sein ganzes Leben über zu einem Jüngling.«

»Jasper hat so ein reines Gewissen, als irgend ein Jüngling von meiner Bekanntschaft, Sergeant; und wird sich deßhalb wahrscheinlich so lang jung erhalten, als nur irgend Einer in den Colonien.«

»Zudem seid Ihr mein Freund,« er drückte dabei die Hand des Andern – »mein erprobter, geschworener und langjähriger Freund.«

»Ja, wir sind nun Freunde, fast an zwanzig Jahre, Sergeant, – ehe noch Mabel geboren war.«

»Ganz recht – ehe noch Mabel das Licht erblickte, waren wir schon geprüfte Freunde, und das Weibsbild wird sich doch nicht einfallen lassen, einen Mann auszuschlagen, der schon ihres Vaters Freund war, ehe sie zur Welt kam?«

»Wer weiß, Sergeant, wer weiß. Gleich und Gleich gesellt sich. Junge ziehen die Gesellschaft der Jungen, und Alte die Gesellschaft der Alten vor.«

»Das ist nicht so bei den Weibern, Pfadfinder. Ich habe noch keinen alten Mann gesehen, der etwas gegen ein junges Weib einzuwenden gehabt hätte. Zudem seid Ihr geachtet und geschätzt von jedem Offizier im Fort, wie ich bereits gesagt habe, und es wird ihr schmeicheln, einen Mann zu lieben, den alle Andern lieben.«

»Ich hoffe, daß ich keine andern Feinde habe, als die Mingo's,« erwiederte der Wegweiser, indem er sich die Haare niederstrich und gedankenvoll weiter sprach. »Ich hab's versucht, recht zu handeln, und das muß Freunde machen, obschon es bisweilen auch fehl schlägt.«

»Auch muß man sagen, daß Ihr Euch stets zu der besten Gesellschaft haltet. Der alte Duncan of Lundie freut sich, so oft er Euch sieht, und Ihr bringt oft ganze Stunden bei ihm zu. Von allen Wegweisern setzt er in Euch das größte Vertrauen.«

»Ja, es sind wohl noch Größere, als er ist, tagelang an meiner Seite marschirt, und haben sich mit mir unterhalten, als ob ich ihr Bruder wäre; aber, Sergeant, ich habe mir nie Etwas auf ihre Gesellschaft eingebildet, denn ich weiß wohl, daß die Wälder oft eine Gleichheit hervorbringen, die man in den Ansiedelungen vergeblich suchen würde.«

»Zudem kennt man Euch als den besten Büchsenschützen, der je in dieser Gegend den Drücker berührt hat.«

»Wenn Mabel um dieser Eigenschaft willen einen Mann lieben könnte, so hätte ich keine besondere Ursache, zu verzweifeln; und doch, Sergeant, denke ich bisweilen, daß ich das eher dem Hirschetödter, als meiner eigenen Geschicklichkeit zuschreiben müsse. Er ist gewiß ein wunderbares Gewehr, und würde in den Händen eines Andern wohl dieselben Dienste thun.«

»Das ist wieder die demüthige Meinung, die Ihr von Euch selbst hegt, Pfadfinder; aber wir haben mit der nämlichen Waffe zu Viele fehlen sehen, und Ihr habt zu oft mit den Büchsen Anderer gut getroffen, als daß ich da Eurer Meinung sein könnte. Wir wollen in einem oder zwei Tagen ein Wettschießen halten, wo Ihr Eure Geschicklichkeit zeigen könnt, und dann mag sich Mabel ein Urtheil über Euren wahren Charakter bilden.«

»Wird das aber auch gut sein, Sergeant? Jedermann weiß, daß der Hirschetödter selten fehlt. Müssen wir daher einen derartigen Versuch machen, wenn Alle bereits vorher wissen, was das Resultat sein wird?«

»Still, still da. Ich sehe voraus, daß ich die Werbung für Euch zur Hälfte selbst machen muß. Für einen Mann, der bei einem Gefecht immer innerhalb des Pulverdampfes stand, seid Ihr der feigherzigste Freier, mit dem ich je zusammengekommen bin. Erinnert Euch, daß Mabel von einem kühnen Stamme kommt, und Mabel wird eben so gern einen Mann bewundern, wie ehedem ihre Mutter.«

Hier erhob sich der Sergeant und entfernte sich, ohne sich zu entschuldigen, um seinem Dienste, an dem er es nie fehlen ließ, nachzukommen. Der Fuß, auf welchem der Wegweiser mit Allen in der Garnison stand, ließ diese Freiheit als ganz natürlich erscheinen.

Der Leser wird aus der eben mitgeteilten Unterredung eine der Absichten entnommen haben, welche den Sergeanten veranlaßt hatten, seine Tochter nach der Grenzveste kommen zu lassen. Obgleich er nothwendig der Liebkosungen und Schmeicheleien entwöhnt war, welche ihm sein Kind während der ersten paar Jahre seines Wittwerstandes so theuer gemacht, so liebte er sie doch im Stillen auf's Zärtlichste. An das Commando und den Gehorsam gewöhnt, ohne selbst gefragt zu werden oder Andere über den Grund der Befehle zu fragen, war er vielleicht zu sehr zu der Annahme geneigt, seine Tochter werde den Mann, den er ihr auswählte, heirathen, obschon er durchaus nicht beabsichtigte, ihren Wünschen Gewalt anzuthun. In der That kannten auch nur Wenige den Pfadfinder genauer, ohne ihn im Geheim für einen Mann von außerordentlichen Eigenschaften zu halten. Immer derselbe, einfach, redlich, furchtlos und doch klug, zumal bei Unternehmungen, welche in der Meinung des Tages als gerechtfertigt galten, und nie in eine Sache verstrickt, die ihn hätte erröthen lassen, oder ihm hätte zum Vorwurf gereichen können, war es unmöglich, viel mit einem Wesen umgehen, das in seiner eigenthümlichen Weise als eine Art Adam vor dem Falle – jedoch sicher nicht ohne Sünde – erschien, ohne eine Achtung und Bewunderung gegen dasselbe zu fühlen, welche sich nicht allein auf seine Stellung im Leben bezog. Kein Offizier begegnete ihm, ohne ihn wie Seinesgleichen zu grüßen; kein Gemeiner wandte sich an ihn anders, als mit dem Vertrauen und der Freimüthigkeit eines Kameraden. Die überraschendste Eigenthümlichkeit des Mannes war jedoch die gänzliche Gleichgültigkeit, mit welcher er alle Auszeichnungen, die nicht von dem persönlichen Dienst abhingen, betrachtete. Er zollte seinen Oberen Respekt aus Gewohnheit; man wußte aber, daß er oft ihre Mißgriffe verbesserte und ihre Fehler tadelte – mit einer Furchtlosigkeit, welche bewies, wie sehr es ihm um die Wahrheit zu thun war, und mit einem gesunden, natürlichen Urtheil, wie man es nie von seiner Erziehung erwartet haben würde. Kurz, ein Zweifler an der Fähigkeit des Menschen, ohne Unterricht zwischen gut oder böse unterscheiden zu können, würde durch den Charakter dieses außerordentlichen Bewohners der Gränze irre gemacht worden sein. Seine Gefühle schienen die Frische und die Natur des Waldes, in dem er einen so großen Theil seines Lebens zugebracht hatte, zu besitzen, und kein Kasuist hätte wohl die Unterscheidungen zwischen Recht und Unrecht bündiger zu entwickeln vermögen. Und doch war er nicht ganz ohne Vorurtheile, welche, wenn ihrer auch nur wenige sein mochten, die Farbe seines Charakters und seiner Gewohnheiten trugen, tief wurzelten, und fast einen Theil seines Wesens ausmachten. Der hervorstechendste Zug in der moralischen Organisation des Pfadfinders war jedoch sein schöner und nie fehlgreifender Sinn für Gerechtigkeit. Dieser edle Zug, ohne den kein Mensch wahrhaft groß genannt werden kann, übte wahrscheinlich seinen unsichtbaren Einfluß auf Alle, die mit ihm in Verbindung standen, denn man wußte, daß der gemeine und grundsatzlose Prahler von einer Expedition, welche er in Pfadfinders Gesellschaft gemacht hatte, nicht zurückkehrte, ohne die ergreifende Kraft solcher Gesinnungen zu fühlen, und sich durch seine Sprache besänftigen, wie durch sein Beispiel bessern zu lassen. Wie sich von einem Manne von so ausgezeichneten Eigenschaften erwarten läßt, war auch seine Treue unwandelbar wie ein Felsen. Verrath war in seiner Seele eine Unmöglichkeit, und wie er sich selten vor einem Feinde zurückzog, so konnte man auf ihn bauen, daß er unter keinen Umständen einen Freund verließ. Die freundschaftlichen Verbindungen, welche ein solcher Charakter unterhielt, trugen das Gepräge der Gleichheil. Seine Kameraden und Vertrauten, obgleich er hier mehr oder weniger durch den Zufall bestimmt wurde, standen im Allgemeinen auf einer hohen Stufe der Sittlichkeit, denn er schien eine instinktartige Unterscheidungsgabe zu besitzen, welche ihn, vielleicht, ohne daß er es selbst wußte, veranlaßte, sich fest an diejenigen anzuschließen, welche am besten seine Freundschaft zu erwiedern vermochten. Kurz, ein Forscher in der sittlichen Natur des Menschen würde von Pfadfinder gesagt haben, daß er das Musterbild eines gerechten und reinen Mannes sei, der, unangefochten von unregelmäßigen und ehrgeizigen Begierden, mitten in der Größe der Einsamkeit und unter den veredelnden Einflüssen einer erhabenen Natur, nur dem Drange seiner Gefühle zu folgen sich erlaubte, und sich weder durch die Reize der Civilisation irre leiten ließ, die so oft zu schlimmer Handlungsweise Anlaß geben, noch je des allmächtigen Wesens vergaß, dessen Geist über der Wildniß wie über den Städten wohnt.

Dieß war der Mann, welchen Sergeant Dunham seiner Tochter zum Gatten bestimmt hatte. Als er eine derartige Wahl traf, hatte er sich vielleicht weniger durch die klare und richtige Würdigung der individuellen Verdienste desselben, als durch seine eigene Zuneigung bestimmen lassen, obschon Niemand den Pfadfinder so genau, als er selbst, kannte, ohne dem ehrlichen Wegweiser den hohen Platz in seiner Achtung einzuräumen, welchen er durch wirkliche Vorzüge verdiente. Daß seine Tochter ernste Einwendungen gegen seinen Plan haben könnte, kam dem alten Soldaten gar nicht zu Sinne. Diese Heirath öffnete ihm auf der andern Seite die Aussicht auf manche Vortheile, die er mit der Neige seiner Tage in Verbindung brachte, und die ihn hoffen ließen, den Abend seines Lebens unter Nachkommen zuzubringen, welche ihm durch beide Eltern gleich theuer waren. Er selbst hatte seinem Freunde den ersten Antrag gemacht. Letzterer hatte zwar freundlich darauf geachtet, verrieth aber bald, wie der Sergeant zu finden glaubte, eine Geneigtheit, sich seine eigenen Ansichten zu bilden, welche mit den Zweifeln und den Besorgnissen, die aus einem bescheidenen Mißtrauen gegen sich selbst flossen, gleichen Schritt hielten.

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