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Der Pfadfinder

James Fenimore Cooper: Der Pfadfinder - Kapitel 19
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typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Pfadfinder
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRichard Zoozmann
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Siebzehntes Kapitel

Da die Soldatenfrau auf ihrem Lager krank lag, befand sich, als Jasper zurückkehrte, nur Mabel Dunham in der äußeren Kajüte, denn der Sergeant hatte ihm die Gunst widerfahren lassen, seinen ihm gebührenden Platz in diesem Teil des Schiffes einnehmen zu dürfen. Als er seinen Sitz neben ihr einnahm und sein ganzes Gesicht die deutlichen Züge seiner Bekümmernis über die Lage des Kutters trug, schwand jede Spur von Verdacht aus ihrer Seele, und sie erblickte in ihm nur den gekränkten Mann.

»Ihr nehmt Euch diese Sache zu sehr zu Herzen, Jasper!« sagte sie hastig mit jener Selbstvergessenheit, mit der die Jüngeren ihres Geschlechts ihre Gefühle zu verraten pflegen, wenn eine lebhafte Teilnahme die Oberhand gewinnt. »Niemand, der Euch kennt, kann oder wird an Eure Schuld glauben. Pfadfinder sagt, er stehe mit seinem Leben für Euch.«

»So betrachten Sie mich also nicht als einen Verräter, Mabel, wie dies Ihr Vater zu tun scheint?« erwiderte der Jüngling mit glänzenden Blicken.

»Vater ist Soldat und muß als ein solcher handeln. Bei meines Vaters Tochter ist das nicht so, und ich will von Euch nicht anders denken, als ich von einem Manne denken muß, der mir bereits soviel Dienste erwiesen hat.«

»Mabel, ich bin nicht gewöhnt, mit Ihresgleichen zu reden oder alles, was ich denke und fühle, auszusprechen. Ich habe nie eine Schwester gehabt, und meine Mutter starb, als ich noch ein Kind war, so daß ich wenig davon weiß, was Ihr Geschlecht am liebsten hört –«

Mabel hätte die ganze Welt darum geben mögen, wenn sie gewußt hätte, was dem Wort, bei dem Jasper steckenblieb, folgen sollte; aber das wachsame Gefühl weiblicher Schüchternheit, das sich nicht beschreiben läßt, hieß sie ihre Neugier unterdrücken. Sie erwartete daher schweigend die weitere Erklärung.

»Ich wollte sagen, Mabel«, fuhr der junge Mann nach einer Weile der peinlichsten Verlegenheit fort, »daß ich nicht an die Weise und die Ansichten von Ihresgleichen gewohnt bin, und daß sie sich alles, was ich hinzufügen möchte, denken müssen.«

Es fehlte nun allerdings Mabel nicht an Einbildungskraft: Aber es gibt Gedanken und Gefühle, die das weibliche Geschlecht gern ausgedrückt wissen möchte, ehe es seine eigenen Sympathien dagegen gibt, und sie hatte ein dunkles Vorgefühl, daß Jaspers Gedanken gerade in diese Reihe gehören dürften. Sie zog es deshalb vor, mit der ihrem Geschlechte eigentümlichen Gewandtheit dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, als in dieser unbefriedigenden Weise fortzufahren.

»Sagt mir nur eines, Jasper, und ich werde zufrieden sein«, sagte sie mit einer Hastigkeit, die nicht nur ihre Zuversicht zu sich selbst, sondern auch zu ihrem Gefährten bekundete: »Habt Ihr keinen Anlaß gegeben zu dem grausamen Verdacht, der auf Euch lastet?«

»Gewiß nicht, Mabel«, antwortete Jasper und blickte ihr dabei mit einer Offenheit und Einfalt in die Augen, daß dadurch auch ein tiefer haftender Argwohn hätte erschüttert werden mögen, »so wahr ich dereinst auf Gnade hoffe.«

»Ich wußte es – ich hätte darauf schwören wollen«, erwiderte das Mädchen mit Wärme. »Und doch ist mein Vater ein wohlmeinender Mann. – Aber laßt Euch diese Sache nicht beunruhigen, Jasper.«

»Ach, es gibt gegenwärtig so ganz andere Dinge, die mich beunruhigen, daß ich an diese kaum denke.«

»Jasper!«

»Ich möchte Sie nicht in Sorge bringen, Mabel; aber wenn nur Ihr Onkel dahin zu bringen wäre, daß er seine Ansichten über die Handhabung des Scud änderte. Freilich ist er viel älter und erfahrener als ich, so daß er vielleicht mit Recht mehr Vertrauen auf sein eigenes Urteil als auf das meinige setzt.«

»Glaubt Ihr, der Kutter sei in Gefahr?« fragte Mabel mit Gedankenschnelle.

»Ich fürchte so, wenigstens würden ihn alle von diesem See für höchst gefährdet halten. Vielleicht stehen aber einem alten Seemann von dem Ozean besondere Mittel zu Gebote, um ihn zu retten.«

»Jasper, alle stimmen darin überein, daß Ihr volles Vertrauen verdient, was Eure Geschicklichkeit in der Führung des Scud anbelangt. Ihr kennt den See und den Kutter und müßt daher am besten über unsere gegenwärtige Lage urteilen können.«

»Vielleicht, Mabel, macht mich meine Besorgnis um Sie furchtsamer als gewöhnlich. Aber, um mich frei auszusprechen, ich kenne nur einen Weg, zu verhindern, daß der Scud nicht im Laufe der nächsten zwei oder drei Stunden scheitert, und Ihr Onkel weigert sich, ihn einzuschlagen. Doch vielleicht versteh' ich's nicht besser, denn er sagt, der Ontario sei nur Frischwasser.«

»Ihr glaubt doch nicht, daß dies einen Unterschied macht? Denkt an meinen lieben Vater, Jasper! denkt an Euch selbst – an alle, deren Leben von einem Wort abhängt, das Ihr zur rechten Zeit aussprecht.«

»Ich denke an Sie, Mabel, und das ist mehr, viel mehr als alles andere zusammengenommen!« erwiderte der junge Mann mit einer Kraft des Ausdrucks und einem Ernst des Blicks, die unendlich mehr sagten als seine Worte.

Mabels Herz schlug heftig, und ein Strahl zufriedenen Dankes leuchtete aus ihrem errötenden Antlitz. Aber die Beunruhigung war zu lebhaft und ernst, als daß sie glücklicheren Gedanken hätte Raum geben können. Sie versuchte es nicht, einen dankbaren Blick zu unterdrücken, dann kehrte sie aber schnell wieder zu dem Gefühl zurück, das nunmehr die Oberhand gewann.

»Man darf's nicht zugeben, daß meines Onkels Starrsinn Anlaß zu diesem Unglück gibt. Geht noch einmal auf das Verdeck und ersucht meinen Vater, in die Kajüte zu kommen.«

Während der junge Mann dieser Bitte entsprach, horchte Mabel mit einer Furcht, die ihr bisher fremd geblieben war, auf das Heulen des Sturmes und das Schlagen der Wellen gegen den Kutter. Von Konstitution ein wahrer Matrose, wie die Passagiere die zu nennen pflegen, denen das Wasser nichts anhaben kann, hatte sie bisher nicht im mindesten an eine Gefahr gedacht und die ganze Zeit seit dem Beginn des Sturmes mit weiblichen Beschäftigungen zugebracht, wie sie ihre Lage erlaubte: Seitdem aber ihre Besorgnisse ernstlich geweckt waren, erinnerte sie sich nicht, daß sie früher jemals bei einem solchen Unwetter auf dem Wasser gewesen sei. Die paar Minuten, die vergingen, bis der Sergeant kam, erschienen ihr wie eine Stunde, und als er mit Jasper die Leiter herunterstieg, wagte sie kaum, Atem zu holen. Sie teilte ihrem Vater so schnell wie die Sprache ihren Gedanken folgen konnte, Jaspers Ansicht über ihre gemeinschaftliche Lage mit und beschwor ihn, wenn er sie liebe oder wenn ihm sein eigenes Leben und das seiner Leute teuer sei, gegen ihren Onkel Einrede zu tun und ihn zu veranlassen, daß er die Führung des Kutters wieder in die Hände seines eigentlichen Befehlshabers abgebe.

»Jasper ist treu, Vater«, fügte sie mit Ernst hinzu, »und wenn er auch falsch wäre, so könnte er doch keinen Grund haben, uns, unter Gefährdung des Lebens aller wie auch seines eigenen, in diesem entfernten Teil des Sees scheitern zu lassen. Ich setze mein Leben an seine Redlichkeit.«

»Ja, das ist wohl genug für ein in Furcht gesetztes Weib«, antwortete der phlegmatische Vater; »aber bei einem Mann, der das Kommando für einen Feldzug übernommen hat, möchte es weder klug noch entschuldbar sein. Jasper denkt vielleicht, daß die Möglichkeit, bei einem Näherkommen an das Ufer zu ertrinken, durch die Möglichkeit, beim Landen zu entspringen, voll aufgewogen werde.«

»Sergeant Dunham!«

»Vater!«

Diese Ausrufe erklangen gleichzeitig, äußerten jedoch in ihrem Ton den Ausdruck verschiedener Gefühle. Bei Jasper trug er vorzugsweise das Gepräge der Überraschung, bei Mabel das des Tadels. Der alte Soldat war übrigens zu sehr gewohnt, seine Untergebenen ohne Umstände zu behandeln, als daß er hierauf geachtet hätte, und fuhr nach einer kleinen Weile des Nachdenkens, als ob nichts gesprochen worden wäre, fort:

»Auch ist Bruder Cap wahrscheinlich nicht der Mann, der sich am Bord eines Schiffes Belehrungen gefallen läßt.«

»Aber, Vater, wenn unser aller Leben in der größten Gefahr ist?«

»Um so schlimmer. Ein Schiff bei gutem Wetter zu kommandieren, hat nicht viel auf sich, aber wenn es drunter und drüber geht, zeigt sich der gute Offizier in seinem wahren Licht. Charles Cap wird wahrscheinlich schon deshalb das Steuer nicht abgeben, weil das Schiff in Gefahr ist. Außerdem, Eau-douce, sagte er, daß Euer Vorschlag gar verdächtig aussehe und mehr nach Verrat als nach Vernunft rieche.«

»Er mag so denken, aber laßt ihn nach dem Lotsen schicken und seine Meinung hören. Man weiß wohl, daß ich diesen Mann seit gestern abend nicht mehr gesehen habe.«

»Das klingt vernünftig, und der Versuch soll gemacht werden. Folgt mir auf das Verdeck, daß alles ehrlich und über Bord hergehe.«

Jasper gehorchte, und Mabel nahm an der Sache so lebhaften Anteil, daß sie sich bis an die Kajütentreppe wagte, wo ihre Kleidung hinlänglich gegen die Macht des Windes und sie selbst gegen den Schaum der Wogen geschützt war. Ihre Bescheidenheit erlaubte ihr nicht, weiter zu gehen, und so blieb sie hier, ein verborgener Zeuge dessen, was vorgehen sollte.

Der Lotse erschien bald, und der Blick der Beängstigung, den er auf die Umgebung warf, als er sich in der freien Luft befand, war nicht zu mißverstehen. Allerdings hatten auch schon einige Gerüchte über die Lage des Scud ihren Weg in den unteren Raum gefunden; aber in dem gegenwärtigen Fall hatten sie, statt die Gefahr zu vergrößern, diese eher vermindert. Es wurde ihm gewährt, sich einige Minuten umzusehen, und dann legte man ihm die Frage vor, was er unter diesen Verhältnissen für das klügste halte.

»Ich sehe kein Mittel, den Kutter zu retten, als ihn vor Anker zu bringen«, antwortete er einfach und ohne Zögern.

»Was? hier draußen auf dem See?« fragte Cap, wie er es früher bei Jasper getan hatte.

»Nein, weiter innen; gerade an der äußeren Linie der Brandungen.«

Das Ergebnis dieser Besprechung ließ Cap keinen Zweifel, daß es zwischen Jasper und dem Lotsen im geheimen abgekartet worden sei, den Scud zugrunde zu richten, wobei sie wahrscheinlich zu entspringen hofften. Infolgedessen behandelte er die Ansicht des Lotsen mit derselben Gleichgültigkeit, die er gegen die Jaspers an den Tag gelegt hatte.

»Ich sage dir, Bruder Dunham«, erwiderte er auf die Einwendungen des Sergeanten, der ihn bat, gegen diese von zweien ausgesprochene übereinstimmende Ansicht nicht taub zu bleiben, »daß kein ehrlicher Seemann eine solche Meinung aussprechen kann. An einem Legerwall in einer solchen Kühlte zu ankern, wäre eine Tollheit, die ich gegen keinen Assekuranten zu verantworten wüßte, solang mir nur noch ein Fetzen Segel auszusetzen bleibt. Der allertollste Unsinn wär's aber, wenn ich dicht an den Brandungen vor Anker gehen wollte.«

»Ihre Majestät ist der Assekurant des Scud, Bruder, und ich bin für das Leben der meinem Kommando anvertrauten Leute verantwortlich. Diese Männer kennen den Ontariosee besser als wir, und ich glaube, daß man ihrer übereinstimmenden Aussage einigen Glauben schenken sollte.«

»Onkel!« rief Mabel mit Ernst; aber eine Bewegung von Jasper veranlaßte das Mädchen, ihre Gefühle zurückzuhalten.

»Wir triften so schnell gegen die Brandungen ab«, sagte der junge Mann, »daß über diesen Gegenstand wenig mehr gesagt zu werden braucht. Eine halbe Stunde wird die Sache auf eine oder die andere Weise ins reine bringen. Aber ich gebe Meister Cap zu bedenken, daß sich selbst der festeste Fuß keinen Augenblick auf dem Verdeck dieses niedrigen Fahrzeugs wird aufrecht erhalten können, wenn wir erst einmal in die Brandung eingetreten sind! Ich zweifle in der Tat keinen Augenblick, daß das Schiff sich füllen und sinken wird, ehe wir noch über die zweite Linie der Rollwogen wegkommen.«

»Und wie könnte uns da ein Ankern helfen?« fragte Cap wütend, als ob ihm Jasper ebenso verantwortlich für die Wirkungen des Sturmes wie für die gerade ausgesprochene Ansicht sei.

»Es würde wenigstens nicht schaden«, erwiderte Eau-douce mit Sanftmut. »Wenn wir den Schnabel des Kutters seewärts bringen, so werden wir die Abtrift vermindern; und sollten wir auch durch die Brandungen geschleppt werden, so wird es doch mit der möglichst geringen Gefahr geschehen. Ich hoffe, Meister Cap, Ihr werdet mir und dem Lotsen erlauben, wenigstens die Vorbereitungen zum Ankerwerfen zu treffen, da eine solche Vorsorge uns zugute kommen und in keinem Fall schaden kann.«

»Überholt Eure Taue, wenn Ihr wollt, und macht die Anker klar – von ganzem Herzen. Wir sind nun mal in einer Lage, daß an solchen Dingen nicht mehr viel liegt. Sergeant, auf ein Wort dahinten, wenn's gefällig ist.«

Cap führte seinen Schwager außer Hörweite und öffnete ihm nun sein Herz über die wahre Lage mit mehr menschlichem Gefühl in seiner Stimme und seinen Gebärden, als sich von ihm erwarten ließ.

»Das ist eine traurige Geschichte für die arme Mabel«, sagte er mit leichtem Beben und erweiterten Nüstern. »Du und ich, wir sind ein paar alte Gesellen und an die Nähe des Todes gewöhnt, wenn auch nicht an den Tod selbst. Unser Gewerbe hat uns für solche Szenen abgehärtet; aber die arme Mabel! – Sie ist ein liebes und gutherziges Mädel, und ich habe gehofft, sie anständig versorgt und als Mutter lieber Kinder zu sehen, ehe mein Stündlein kommt. Doch, es muß so auch recht sein! Wir müssen das Schlimme wie das Gute auf unsern Reisen hinnehmen, und der einzige ernstliche Kummer, den sich ein alter Seefahrer mit Recht über ein solches Ereignis machen kann, ist der, daß es auf diesem verdammten Fetzen Frischwasser stattfinden soll.«

Sergeant Dunham war ein wackerer Mann und hatte seinen Mut unter Umständen erprobt, die noch weit hoffnungsloser schienen als die gegenwärtigen. Aber bei solchen Gelegenheiten hatte er doch die Macht gehabt, seinen Feinden Widerstand zu leisten, während er hier von einem Gegner gedrängt wurde, zu dessen Bekämpfung ihm die Mittel fehlten. Er war weniger für sich als für seine Tochter bekümmert; denn er fühlte etwas von dem Selbstvertrauen, das einen Mann selten verläßt, der in der Blüte der Kraft und Gesundheit steht und an persönliche Anstrengungen in Augenblicken der Gefahr gewöhnt ist. Für Mabel sah er aber kein Mittel des Entkommens, und mit der Zärtlichkeit eines Vaters entschloß er sich, wenn ihr Untergang unvermeidlich sein sollte, zugleich mit ihr zu sterben.

»Glaubst du, daß es so kommen müsse?« fragte er Cap mit Festigkeit, aber mit tiefem Gefühl.

»Zwanzig Minuten werden uns in die Brandungen führen; und betrachte selbst, Sergeant, welche Wahrscheinlichkeit auch der kräftigste Mann unter uns haben kann, aus dem Kessel dort im Lee zu entrinnen.«

Der Anblick war allerdings wenig geeignet, die Hoffnung zu ermutigen. Mittlerweile war der Scud auf eine Meile in die Nähe des Ufers gekommen, auf das der Sturm unter einem rechten Winkel mit einer Heftigkeit blies, daß das Prangen eines weiteren Segels, um vom Legerwall abzuarbeiten, nicht zu denken war. Der beigesetzte kleine Streifen des großen Segels, das jedoch nur dazu diente, das Vorderteil des Scud dem Winde so nah' zu halten, daß die Wellen nicht über ihm zusammenbrechen, zitterte unter den Stößen des Sturmes, unter denen die starken Taue, die die komplizierte Maschine zusammenhielten, jeden Augenblick zu zerreißen drohten. Der Regen hatte nachgelassen, aber die Luft war hundert Fuß über der Oberfläche des Sees mit blendendem Gischt erfüllt, der einem funkelnden Wasserstaub nicht unähnlich war, indes über dem Ganzen die Sonne glorreich an dem wolkenlosen Himmel strahlte. Jasper bemerkte diese Vorzeichen und erklärte, daß es ein schleuniges Ende des Sturmes bedeute, obgleich die nächsten paar Stunden über ihr Schicksal entscheiden müßten. Zwischen dem Kutter und dem Ufer war der Anblick noch wilder und niederschlagender.

Die Brandungen erstreckten sich fast auf eine halbe Meile in den See hinein, indes das Wasser innerhalb ihrer Linie wie weißer Schaum erschien und die Luft darüber so hoch mit Dunst und Gischt erfüllt war, daß man das jenseitige Land nur unbestimmt und wie durch einen Nebel erblicken konnte. Stets blieb aber seine steile Ansteigung – eine ungewöhnliche Erscheinung an den Ufern des Ontario – und der grüne Mantel des endlosen Waldes, womit es bedeckt war, zu erkennen.

Während der Sergeant und Cap stillschweigend auf dieses Schauspiel blickten, war Jasper mit seinen Leuten am Backbord beschäftigt. Der junge Mann hatte kaum die Erlaubnis erhalten, sein früheres Geschäft wieder aufzunehmen, so ließ er, da er einige Soldaten zur Handreichung aufgerufen hatte, seine fünf oder sechs Gehilfen antreten, und begann mit allem Ernst eine Vorrichtung auszuführen, die nur zu lange schon verzögert worden war. Auf diesem schmalen Wasserbecken werden weder die Anker in Bord gestaut, noch die für den Dienst bestimmten Kabeln von den Ankerringen losgemacht, was Jasper einen großen Teil der Mühe, die auf dem Meer nötig gewesen wäre, ersparte. Der tägliche Anker und der Teuanker waren bald in dem Zustand, losgelassen zu werden, und der auf dem Deck befindliche Teil der Ankertaue überholt, worauf dann innegehalten und nach weiterer Weisung ausgesehen wurde. Bis jetzt hatte sich noch nichts zum Besseren gekehrt; aber der Kutter trieb langsam weiter, und man gewann mit jedem Augenblick mehr Gewißheit, daß man ihn nicht um einen Zoll weiter windwärts bringen könne.

Nach einem langen und ernsten Blick über den See gab Jasper neue Befehle, in einer Weise, die deutlich bewies, wie drängend ihm der Augenblick vorkommen mochte. Zwei Wurfanker wurden auf das Verdeck gebracht und die dicken Trosse dran befestigt; dann wurden die inneren Enden der Trosse wieder um die Kronen der Anker geschlungen und alles bereitgehalten, um sie in dem geeigneten Augenblick über Bord zu werfen. Als Jasper mit diesen Vorbereitungen zu Ende war, beruhigte sich seine geschäftige Aufregung, obgleich in seinem Blick noch die Sorge lag. Er verließ das Vorderkastell, wo die Wellen bei jeder Schwankung des Schiffes an Bord schlugen und wo das eben erwähnte Geschäft unter häufigen Wassergüssen, die die Arbeiter ganz überschütteten, vollführt worden war, und ging an einen trockenen Platz weiter hinten auf dem Verdeck. Hier traf er den Pfadfinder, der bei Mabel und dem Quartiermeister stand. Die meisten der an Bord befindlichen Personen, mit Ausnahme der bereits genannten, waren in dem unteren Raum und suchten teilweise Linderung ihrer körperlichen Leiden auf ihren Betten, während andere allmählich mit ihrem Gewissen ins reine zu kommen suchten. Es war wahrscheinlich das erstemal, seit dieser Kiel in das klare Wasser des Ontario getaucht hatte, daß der Ton eines Gebetes am Bord des Scud gehört wurde.

»Jasper«, begann der freundlich gesinnte Kundschafter; »ich bin diesen Morgen zu nichts nütze gewesen, denn ich verstehe nun mal von Schiffsdingen nichts. Wenn es aber Gott gefallen sollte, des Sergeanten Tochter lebend das Ufer erreichen zu lassen, so dürfte meine Bekanntschaft mit den Wäldern sie wohl glücklich wieder in die Garnison zurückbringen.«

»Es ist eine schreckliche Entfernung bis dahin, Pfadfinder!« entgegnete Mabel, denn die Gesellschaft stand so nahe beieinander, daß alles, was irgendeiner sprach, auch von den andern gehört werden konnte. »Ich fürchte, daß niemand von uns das Fort lebend erreichen wird.«

»Es würde einen gefährlichen Marsch mit vielen Umwegen abgeben, Mabel, obgleich einige Ihres Geschlechts noch viel mehr in dieser Wildnis durchgemacht haben. Aber, Jasper, Ihr oder ich oder wir beide müssen diesen Rindenkahn bemannen. Mabels Rettung ist nur dadurch möglich, daß wir sie auf diese Weise durch die Brandungen bringen.«

»Ich wollte gern alles tun, um Mabel zu retten«, erwiderte Jasper mit einem trüben Lächeln; »aber keine menschliche Hand, Pfadfinder, vermag den Kahn in einer solchen Kühlte durch jene Brandungen zu führen. Ich verspreche mir übrigens doch noch was vom Ankerwerfen, denn wir haben früher einmal den Scud in einer fast ebenso großen Gefahr auf diese Weise gerettet.«

»Wenn wir ankern müssen«, fragte der Sergeant, »warum geschieht dies nicht gleich jetzt? Jeder Fußbreit, den wir an der Abtrift verlieren, würde wahrscheinlich unserem Fahrzeug vor dem Ankern einen Spielraum geben, wenn er jetzt ausgeworfen würde.«

Jasper näherte sich dem Sergeanten, ergriff mit Ernst seine Hand und drückte sie auf eine Weise, die ein tiefes, fast unwiderstehliches Gefühl verriet.

»Sergeant Dunham«, sagte er feierlich – »Ihr seid ein guter Mann, obgleich Ihr mich in dieser Angelegenheit sehr hart behandelt habt. Ihr liebt Eure Tochter?«

»Ihr könnt das nicht bezweifeln, Eau-douce«, antwortete der Sergeant mit tonloser Stimme.

»Wollt Ihr ihr – wollt Ihr uns allen das einzig wahrscheinliche Mittel, das zur Rettung des Lebens noch übrig ist, zugestehen?«

»Was wollt Ihr von mir, Junge? Was soll ich tun? Ich hab' bisher immer nach meiner Einsicht gehandelt – was verlangt Ihr aber jetzt von mir?«

»Unterstützt mich fünf Minuten gegen Meister Cap, und es wird alles geschehen sein, was ein Mensch tun kann, um den Scud zu retten.«

Der Sergeant zögerte, denn er war zu sehr an die Disziplin gewöhnt, um regelmäßigen Befehlen entgegen zu handeln. Auch mißfiel ihm jeder Schein von Wankelmut, und zudem hatte er eine große Achtung vor der Seemannskunst seines Verwandten. Während er so überlegte, kam Cap von seinem Platz, den er seit einiger Zeit an der Seite des Steuermanns eingenommen hatte, und näherte sich der Gesellschaft.

»Meister Eau-douce«, sagte er, als er nahe genug war, um verstanden zu werden; »ich komme, Euch zu fragen, ob Euch nicht in der Nähe ein Ort bekannt ist, wo man den Kutter ans Ufer bringen könnte. Der Zeitpunkt ist gekommen, der zu diesem schweren Entschluß drängt.«

Dieser Augenblick der Unentschlossenheit bei Cap sicherte Jaspers Sieg. Er sah den Sergeanten an, und ein Kopfnicken versicherte den jungen Mann, daß ihm in allem freie Hand gelassen würde. Er zögerte daher nicht, die Minuten, die so kostbar zu werden anfingen, zu benützen.

»Soll ich das Steuer nehmen«, fragte er Cap, »und sehen, ob wir einen Schlupfhafen, der dort im Lee liegt, erreichen können?«

»Macht es so, macht es so«, sagte der andere mit einigem Räuspern, denn er fühlte das Gewicht der Verantwortlichkeit um so schwerer auf seiner Schulter lasten, da er sich seine Unwissenheit eingestehen mußte. »Macht es so, Eau-douce, denn, um frisch von der Leber weg zu reden, ich seh' nicht ein, was man Besseres tun könnte. Wir müssen entweder ans Land kommen oder versinken.«

Jasper verlangte nichts weiter. Er eilte nach hinten und hatte bald die Speichen des Steuerrads in seinen Händen. Der Lotse war auf das Folgende vorbereitet, und auf einen Wink seines jungen Gebieters wurde der Fetzen Segel, der noch ausgesetzt war, gestrichen. In diesem Augenblick hob Jasper, der seine Zeit ausnutzte, das Steuer. Der obere Teil eines Stagsegels wurde nach vorn gelöst, und der leichte Kutter fiel ab, als ob er es fühlte, daß er wieder unter der Leitung vertrauter Hände war, und lag bald in dem hohlen Raum zweier Wellen. Dieser gefährliche Augenblick ging glücklich vorüber, und im nächsten Moment flog das kleine Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit gegen die Brandungen nieder, daß man seine plötzliche Vernichtung befürchten mußte. Die Entfernungen waren nun so kurz geworden, daß fünf oder sechs Minuten für alle Wünsche Jaspers genügten, und als die Buge des Scud gegen den Wind aufkamen, was ungeachtet des tobenden Wassers mit der Anmut einer Ente geschah, die ihre Richtung auf einem spiegelglatten Teich verändert – ließ Jasper das Steuer wieder nieder. Ein Zeichen von ihm setzte alles auf dem Backbord in Bewegung, und an jedem Bug wurde ein Wurfanker ausgeworfen. Die furchtbare Natur der Abtrift war nun sogar Mabels Augen anschaulich, denn die zwei dicken Trosse liefen aus wie Bugsiertaue. Sobald man an ihnen eine leichte Spannung gewahr wurde, ließ man beide Anker gehen und gab jedem ein Kabel fast bis zu den Betingschlagenden. Es war kein schwieriges Geschäft, den Gang eines so leichten Fahrzeugs mit einem ungewöhnlich guten Ankertauwerk zu hemmen; und in weniger als zehn Minuten von dem Augenblick an, wo Jasper das Steuer ergriffen hatte, lag der Scud, mit dem Schnabel seewärts, an zwei vorwärts gestreckten Kabeln wie zwischen zwei Eisenbalken vor Anker.

»Das ist nicht wohlgetan, Meister Jasper«, rief Cap mit Ärger, sobald er den Streich, den man ihm gespielt hatte, bemerkte. »Das ist nicht wohlgetan, Herr! Ich befehle Euch, zu kappen und den Kutter ohne den geringsten Verzug ans Ufer zu führen.«

Es schien jedoch niemand geneigt, diesem Befehl Folge zu leisten; denn die Rudermannschaft wollte, solange Jasper das Kommando nicht abzugeben geneigt war, nur ihm gehorchen. Da nun Cap, der das Fahrzeug in der allergrößten Gefahr glaubte, sah, daß die Mannschaft untätig blieb, so wendete er sich stolz gegen Jasper und erneuerte seine Gegenrede.

»Ihr seid nicht auf den angeblichen Schlupfhafen zugesteuert«, fuhr er fort, nachdem er einige Schmähworte ausgestoßen hatte, »sondern auf diesen Vorsprung, wo jede Seele an Bord hätte ersaufen müssen, wenn wir da das Land erreicht hätten.«

»Und Ihr wollt, daß man kappen solle, damit jede Seele an derselben Stelle ans Ufer geworfen werde?« erwiderte Jasper etwas sarkastisch.

»Werft am Schnabel ein Lot über Bord und vergewissert die Abtrift«, brüllte Cap den vornstehenden Matrosen zu.

Ein Zeichen Jaspers unterstützte diesen Befehl, worauf augenblicklich Folge geleistet wurde. Alle auf dem Verdeck versammelten sich um die Stelle und achteten mit fast atemloser Teilnahme auf das Ergebnis dieses Versuchs. Das Blei war kaum auf dem Grund, als sich die Leine nach vorn dehnte, und in ungefähr zwei Minuten sah man, daß der Kutter um seine Länge tot gegen den Vorsprung hin abgetriftet hatte. Jasper sah ernst aus, denn er wußte wohl, daß nichts das Schiff anhalten konnte, wenn es in den Strudel der Brandungen gelangt war, deren erste Linie ungefähr eine Kabellänge gerade unter seinem Stern erschien und verschwand.

»Verräter!« schrie Cap und schüttelte die Faust gegen den jungen Befehlshaber, wobei der ganze übrige Körper vor Wut zitterte. »Ihr sollt mir mit Eurem Leben dafür einstehen!« fügte er nach einer kurzen Pause hinzu. »Wenn ich an der Spitze dieses Zuges stände, Sergeant, so ließ' ich ihn an das Ende des großen Mastes hängen, damit der Milchbart nicht entwischt.«

»Mäßige deine Hitze, Bruder; ich bitte dich, sei ein wenig gelassener. Jasper scheint in der besten Absicht gehandelt zu haben, und die Sache steht vielleicht nicht so schlimm wie du glaubst.«

»Warum steuert er nicht auf die Bucht zu, von der er gesprochen hat? Warum hat er uns hierher gebracht, tot windwärts von diesem Vorsprung, und auf einen Fleck, wo die Brandungen nur die Hälfte der gewöhnlichen Weite haben, als ob er sich nicht genug beeilen könne, um alles an Bord zu ersäufen?«

»Ich lief, gerade weil an dieser Stelle die Brandungen so schmal sind, gegen das Vorgebirge«, antwortete Jasper sanft, obgleich ihm bei diesen Worten seines Gegners die Kehle schwoll.

»Wollt Ihr einem alten Seemann wie ich bin weismachen, daß der Kutter sich in diesen Brandungen halten könne?«

»Nicht doch, Herr. Ich glaube, er würde sich füllen und sinken, wenn er in ihre erste Linie gelangte. Sicherlich würde er das Ufer nicht auf seinem Ziel erreichen, wenn er einmal drinnen wäre. Ich hoffe übrigens, ihn gegen alles das klar zu halten.«

»Mit der Abtrift einer Schiffslänge in der Minute?«

»Die Anker haben noch nicht in den Grund gebissen. Auch hoffe ich nicht einmal, daß sie das Fahrzeug ganz anhalten können.«

»Auf was verlaßt Ihr Euch denn? Soll vielleicht Glaube, Hoffnung und Liebe das Fahrzeug vorn und hinten ankerfest machen?«

»Nein, Herr, ich verlasse mich auf den Unterschlepper. Ich hielt deshalb auf das Vorgebirge ab, weil ich weiß, daß er an dieser Stelle stärker ist als an anderen Orten und weil wir dadurch näher an Land kommen, ohne in die Brandungen einzutreten.«

Jasper sprach diese Worte mit Kraft, ohne jedoch irgendeine Empfindlichkeit blicken zu lassen. Auch machten sie einen augenscheinlichen Eindruck auf Cap, bei dem das Gefühl der Überraschung sichtlich die Oberhand gewann. »Unterschlepper?« wiederholte er, »wer Teufel hat je gehört, daß ein Fahrzeug durch einen Unterschlepper vom Stranden abgehalten wurde?«

»Vielleicht kommt so was auf dem Meer nie vor, Herr«, antwortete Jasper bescheiden; »aber wir wissen, daß es hier schon hin und wieder der Fall war.«

»Der Junge hat recht, Bruder«, warf der Sergeant ein; »denn obgleich ich's nicht besonders verstehe, so hab ich doch die Schiffer auf diesem See oft von einem solchen Ding reden hören. Wir werden wohltun, Jasper in dieser Klemme zu vertrauen.«

Cap brummte und fluchte, mußte sich aber doch zuletzt wohl oder übel zufriedengeben. Jasper gab nun auf die Frage, was er unter dem Unterschlepper verstehe, die gewünschte Erklärung. Das Wasser, das durch den Sturm an das Ufer getrieben wurde, mußte notwendig zur Herstellung seines Gleichgewichts auf geheimen Wegen wieder in den See zurückfließen. Dieses konnte auf der Oberfläche wegen des Sturms und der Wellen, die es beständig landwärts drängten, nicht stattfinden, woraus denn eine Art Ebbe in der Tiefe gebildet wurde, mittels der das Wasser wieder in sein früheres Bett abfloß. Diese Tiefenströmung hatte den Namen Unterschlepper erhalten; und da sie auf den Kiel eines Fahrzeugs, das so tief wie der Scud im Wasser ging, wirken mußte, so konnte Jasper wohl hoffen, daß diese Beihilfe das Zerreißen der Ankertaue verhindern werde. Mit einem Wort, die obere und die untere Strömung sollten wechselweise einander entgegenarbeiten.

So einfach und sinnreich übrigens diese Theorie war, so blieb doch noch wenig Anschein vorhanden, aus ihr praktischen Nutzen ziehen zu können. Die Abtrift machte fort, obgleich sie sich sichtlich verminderte, da sich die Ketschen und Trosse, mit denen die Anker verkattet waren, ausspannten. Endlich gab der Mann am Blei den erfreulichen Bericht, daß die Anker nicht mehr weitertrieben und das Fahrzeug festliege. In diesem Augenblick war die erste Linie der Brandungen noch ungefähr hundert Fuß von dem Stern des Scud entfernt und schien sogar noch näher zu kommen, wenn der Schaum verschwand und auf den tobenden Wogen zurückkehrte. Jasper eilte vorwärts, warf einen Blick über die Buge und lächelte triumphierend, als er auf die Kabeln zeigte. Statt wie früher die Starrheit von Eisenstangen zu zeigen, beugten sie sich nun abwärts, und ein Seemann konnte deutlich bemerken, daß sich der Kutter mit einer Leichtigkeit auf den Wellen hob und senkte, wie dies auf einem Kanal zur Zeit der Ebbe und Flut der Fall ist, wenn die Macht des Windes durch den Gegendruck des Wassers gemildert wird.

»'s ist der Unterschlepper!« rief Jasper voll Wonne, wobei er das Verdeck entlang gegen das Steuer flog, um es zu stellen und den Kutter noch leichter vor Anker zu legen. »Die Vorsehung hat uns gerade in seine Strömung gebracht, und wir haben keine weitere Gefahr zu befürchten.«

»Ja, ja, die Vorsehung ist ein guter Seemann«, grollte Cap, »und hilft oft dem Unwissenden aus der Not. Unterschlepper oder Oberschlepper – der Wind hat nachgelassen, und zu gutem Glück für uns alle hat das Schiff zugleich einen ordentlichen Haltegrund gefunden. Ah, dieses verdammte Frischwasser hat eine ganz unnatürliche Art an sich.«

Der Mensch ist selten geneigt, mit dem Glück zu hadern, während er gewöhnlich durch das Unglück vorlaut und zänkisch wird. Die meisten am Bord glaubten, daß Jaspers Kenntnisse und Geschicklichkeit den Schiffbruch verhindert hätten, ohne Caps Gegenreden zu berücksichtigen, dessen Bemerkungen jetzt nur noch wenig beachtet wurden. Allerdings verging noch eine halbe Stunde der Ungewißheit und des Zweifels, während das Blei die ängstliche Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Dann aber bemächtigte sich ein Gefühl der Sicherheit aller Gemüter, und die Ermatteten gaben sich der Ruhe hin, ohne von dem drohenden Tode zu träumen.

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