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Der Pfadfinder

James Fenimore Cooper: Der Pfadfinder - Kapitel 12
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typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Pfadfinder
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
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Zehntes Kapitel

Eine Woche verging in der gewöhnlichen Weise eines Garnisonlebens. Mabel gewöhnte sich an ihre Lage, die sie im Anfang nicht nur neu, sondern auch ein wenig lästig gefunden hatte. Die Offiziere und Soldaten machten sich der Reihe nach allmählich mit der Anwesenheit eines jungen und blühenden Mädchens vertraut, dessen Anmut und Betragen das Gepräge einer bescheidenen höheren Bildung an sich trug, die sie dem Aufenthalt in der Familie ihrer Beschützerin verdankte. Dabei ließ sie sich wenig beunruhigen durch die schlecht verhehlte Bewunderung dieser Leute, indem sie deren Achtungsbeweise gern auf Rechnung ihres Vaters schrieb, obschon sie ihr lediglich ihres eigenen bescheidenen, aber würdevollen Benehmens willen gezollt wurden.

Bekanntschaften, die in einem Urwald oder unter Umständen von ungewöhnlicher Aufregung gemacht werden, erreichen bald ihre Grenzen. Mabel fand den Aufenthalt einer Woche an dem Oswego hinreichend, ihr alle die zu bezeichnen, mit denen sie einen vertraulichem Umgang wünschen konnte, und auch alle, die sie meiden mußte. Die gewissermaßen neutrale Stellung, die ihr Vater einnahm, da er kein Offizier war und doch so weit über dem gemeinen Soldaten stand, um diese beiden militärischen Klassen von ihr fern zu halten, verminderte die Zahl derer, mit denen sie sich bekannt machen mußte, und machte ihr die Entscheidung verhältnismäßig leicht. Doch bemerkte sie bald, daß es selbst unter denen, die auf einen Sitz an der Tafel des Kommandanten Anspruch machen konnten, einige gab, die nicht abgeneigt waren, um der Neuheit einer gewandten Figur und eines artigen, gewinnenden Gesichtes willen die Hellebarde des Unteroffiziers zu übersehen, und nach den ersten zwei oder drei Tagen hatte sie ihre Bewunderer auch unter den Vornehmeren der Garnison. Besonders war der Quartiermeister, ein Soldat von mittlerem Alter, der schon mehr als einmal die Segnungen des Ehestandes versucht hatte, zur Zeit aber als Witwer lebte, augenscheinlich bemüht, mit dem Sergeanten in ein noch vertrauteres Verhältnis zu treten, als es schon durch die Pflicht des Dienstes bestand. Die Jüngeren seiner Kameraden ermangelten daher nicht, ihre Bemerkungen zu machen, als dieser methodische Mann, der ein Schotte war und of Muir hieß, die Quartiere seines Untergeordneten öfter als bisher besuchte. Ein Gelächter oder ein Scherz zu Ehren der »Sergeantentochter« machte dann gewöhnlich den Schluß ihrer Witzeleien, obgleich »Mabel Dunham« bald ein Toast wurde, den kein Fähnerich oder Leutnant auszubringen Anstand nahm.

Am Ende der Woche ließ Duncan of Lundie nach dem Abendverlesen den Sergeanten Dunham eines Geschäftes wegen rufen, das, wie es hieß, einer persönlichen Besprechung bedurfte. Der alte Veteran wohnte in einer beweglichen Baracke, die er nach Belieben umherschieben lassen konnte, da sie auf Rädern stand, so daß er das eine Mal in diesem, das andere Mal in jenem Teile des innern Raumes der Feste sein Quartier hielt. Bei der gegenwärtigen Gelegenheit hatte er so ziemlich im Mittelpunkt haltgemacht, und hier fand ihn sein Untergebener, der, ohne lange im Vorzimmer warten zu müssen, eintreten durfte. In der Tat war auch nur ein sehr geringer Unterschied in der Beschaffenheit der Offizierswohnungen und denen der Mannschaft.

Erstere hatten nur den größeren Raum voraus, und Mabel mit ihrem Vater wohnte fast – wo nicht ganz – ebensogut wie der Kommandant des Platzes selbst.

»Herein, Sergeant, herein, mein guter Freund«, sagte der alte Lundie herzlich, als sein Untergebener in respektvoller Haltung an der Tür von einer Art Bibliothek- und Schlafzimmer stehenblieb. »Herein, und nehmt auf diesem Stuhl da Platz. Ich habe nach Euch geschickt, Mann, aber nicht, um diesen Abend von den Zahlungslisten mit Euch zu sprechen. Wir sind nun schon so manches Jahr Kameraden gewesen, und so eine lange Bekanntschaft alter Burschen mag doch für etwas gelten, zumal zwischen einem Major und seiner Ordonnanz, einem Schotten und einem Yankee. Sitzt nieder, Mann, und macht's Euch bequem. – Es ist ein schöner Tag gewesen, Sergeant.«

»Freilich, Major Duncan«, erwiderte der andere, der sich zwar anschickte, Platz zu nehmen, doch viel zu erfahren war, um nicht zu wissen, welchen Grad von Achtung er zu beobachten habe; »ein sehr schöner Tag ist heute gewesen, Sir, und wir möchten wohl gerne noch mehrere solche in dieser Jahreszeit sehen.«

»Ich hoffe das von Herzen. Die Früchte sehen, gut aus, Mann, und Ihr werdet finden, daß das Fünfundfünfzigste fast ebenso gute Bauern wie Soldaten bildet. Ich sah nie bessere Kartoffeln in Schottland, als die sind, die wir wahrscheinlich von unserem Neubruch kriegen werden.«

»Sie versprechen einen guten Ertrag, Major Duncan, und in dieser Hinsicht einen behaglicheren Winter, als der letzte war.«

»Das Leben ist fortschreitend, Sergeant, in seinen Bequemlichkeiten sowohl als in den Bedürfnissen. Wir werden alt und fangen an, auf den Rückzug und an ein Ruheplätzchen zu denken. Ich fühle, daß meine Arbeitstage bald vorüber sind.«

»Der König, Gott segne ihn, hat noch einen guten Diener in Euer Gnaden.«

»Kann sein, Sergeant Dunham, besonders wenn sich's zutragen sollte, daß eine Oberstleutnantsstelle für mich übrig bleibt.«

»Das Fünfundfünfzigste wird sich geehrt fühlen an dem Tage, wo das Patent Duncan of Lundie übertragen wird, Sir.«

»Und Duncan of Lundie wird sich geehrt fühlen an dem Tage, wo er's erhält. Aber wenn Ihr auch nie eine Oberstleutnantsstelle hattet, so habt Ihr doch ein gutes Weib gehabt, und das ist das Nächste nach dem Rang, um einen Mann glücklich zu machen.«

»Ich bin verheiratet gewesen, Major Duncan; aber es ist schon so lange her, daß ich keinen Vorbehalt mehr habe vor der Liebe, die ich für Seine Majestät und meine Pflicht hege.«

»Was, Mann, nicht einmal die Liebe, die Ihr gegen die kleine, fixe und rundliche Tochter hegt, die ich in den letzten paar Tagen im Fort gesehen habe? Pfui, Sergeant! So ein alter Bursch' ich bin, so könnt' ich doch fast das Mädel selbst lieb haben und die Oberstleutnantsstelle zum Teufel schicken.«

»Wir wissen alle, wo Major Duncans Herz ist; das weilt in Schottland, wo eine schöne Dame bereit ist, ihn glücklich zu machen, sobald es sein eigenes Pflichtgefühl zuläßt.«

»Ach, die Hoffnung liegt immer fern«, erwiderte der Oberst, indes ein Schatten von Melancholie über seine harten schottischen Züge glitt, »und das hübsche Schottland ist ein fernes Land. Nun, wenn wir auch keine Heiden und kein Hafermehl in dieser Gegend haben, so haben wir doch Hochwild zu schießen und Lachse in einer Fülle, wie zu Berwick überm Tweed. Ist's wahr, Sergeant, daß sich die Mannschaft beklagt, weil sie in der letzten Zeit überwildbretet und übertäubt worden sei?«

»Seit einigen Wochen nicht, Major Duncan, denn weder Hirsche noch Vögel sind in dieser Jahreszeit so häufig wie sonst. Sie fängt zwar an, ihre Bemerkungen über den Lachs zu machen, aber ich denke, wir werden ohne irgend ernsthafte Störung wegen der Kost durch den Sommer kommen. Nur die Schotten in dem Bataillon sprechen mehr als klug ist über den Mangel an Hafermehl und murren gelegentlich über unser Weizenbrot.«

»Ah! das ist die menschliche Natur, Sergeant – reine, unverfälschte schottische Menschennatur. Ein Haferkuchen, Mann, ist wirklich ein angenehmer Bissen, und ich schmachte oft selbst nach einem Mund voll davon.«

»Wenn dies Gefühl so beunruhigend wird, Major Duncan – ich meine bei der Mannschaft, Sir, denn ich möchte nicht so respektwidrig von Euer Gnaden sprechen –, wenn die Soldaten so ernstlich nach ihrer natürlichen Nahrung schmachten, so möcht' ich untertänig empfehlen, daß etwas Hafermehl für sie eingeführt oder in dieser Gegend bereitet würde. Man würde dann, meines Erachtens, keine Klagen mehr hören. Ein klein wenig möchte wohl für die Kur zureichen.«

»Ihr seid ein Schalk, Sergeant, aber ich will gehangen sein, wenn ich weiß, ob Ihr nicht recht habt. Es mag noch manche angenehmeren Dinge in der Welt geben als Hafermehl. Einmal habt Ihr eine angenehme Tochter, Dunham –«

»Das Mädchen gleicht ihrer Mutter, Major Duncan, und kann sich wohl sehen lassen«, sagte der Sergeant stolz. »Nirgends gedeiht was besser, als auf echt amerikanischem Boden. Das Mädchen kann sich sehen lassen, Sir.«

»Das kann sie, dafür stehe ich. Nun, ich kann ebensogut auf einmal zur Sache kommen und meine Reserve ins Treffen führen. Da ist David Muir, der Quartiermeister, der geneigt ist, Eure Tochter zu seinem Weib zu machen. Er hat mich eben angegangen, Euch die Sache zu eröffnen, weil er befürchtete, seine Würde zu kompromittieren, und ich möchte dem noch beifügen, daß die Hälfte der jungen Leute im Fort Toaste auf sie ausbringen und von ihr reden vom Morgen bis in die Nacht.«

»Es ist eine große Ehre für uns, Sir«, erwiderte der Vater steif; »aber ich glaube, daß die Herren bald einen würdigeren Gegenstand finden werden, um darüber lange zu sprechen. Ich hoffe, sie als das Weib eines rechtschaffenen Mannes zu sehen, ehe noch einige Wochen um sind, Sir.«

»Ja, Davis ist ein rechtschaffener Mann, und das ist, denk' ich, mehr, als man von allen in des Quartiermeisters Departement sagen kann«, entgegnete Lundie mit einem leichten Lächeln. »Nun denn, darf ich dem in Liebe verstrickten jungen Mann sagen, daß die Sache abgemacht ist?«

»Ich danke Euer Gnaden; aber Mabel ist einem anderen verlobt.«

»Zum Teufel, ist's wahr? Das wird eine Störung im Fort hervorbringen. Doch um frei mit Euch zu reden, Sergeant, es tut mir nicht leid, so was zu hören; denn ich bin kein großer Bewunderer von ungleichen Verbindungen.«

»Ich denke wie Euer Gnaden und trage kein Verlangen danach, meine Tochter als eine Offiziersfrau zu sehen. Wenn sie erreichen kann, was ihre Mutter war, so muß sie als eine vernünftige Person zufrieden sein.«

»Und darf ich fragen, Sergeant, wer der glückliche Mann ist, den Ihr Euch zum Schwiegersohn ausersehen habt?«

»Der Pfadfinder, Euer Gnaden.«

»Der Pfadfinder?«

»Ja, Major Duncan, und indem ich Ihnen seinen Namen nenne, geb' ich Ihnen seine ganze Geschichte. Niemand ist an dieser Grenze bekannter als mein ehrlicher, braver, treuherziger Freund.«

»Das ist alles sehr wahr. Ist er aber auch so eine Art Person, die ein Mädchen von zwanzig glücklich machen kann?«

»Warum nicht, Euer Gnaden? Der Mann ist der erste seines Berufs. Es gibt keinen anderen Waldläufer oder Kundschafter bei der Armee, der nur halb soviel Achtung besäße wie der Pfadfinder oder sie nur halb so gut verdiente.«

»Ganz richtig, Sergeant; aber ist die Achtung, die ein Kundschafter genießt, so eine Art Ruf, um die Phantasie eines Mädchens anzusprechen?«

»Von den Phantasien eines Mädchens zu reden, Sir, ist nach meiner untertänigen Meinung ebensoviel, als wenn man von dem Urteil eines Rekruten sprechen wollte. Wenn wir uns von den Bewegungen einer tölpischen Rekrutenabteilung wollten leiten lassen, so würden wir das Bataillon nie in eine anständige Linie bringen, Major Duncan.«

»Aber Eure Tochter hat nichts Tölpisches an sich, denn ein anständigeres Mädchen in ihrem Stande findet man selbst in Altengland nicht. Teilt sie über diesen Punkt Eure Ansichten? – doch ich denke, sie muß wohl, da Ihr mir sagt, sie sei verlobt.«

»Wir haben noch nicht über diesen Gegenstand miteinander gesprochen, Euer Gnaden; aber ich betrachte sie in ihrem Sinn für so gut als einverstanden, nach mehreren kleinen Umständen, die wohl von Bedeutung sein möchten.«

»Und was sind das für Umstände, Sergeant?« fragte der Major, der an der Sache mehr teilzunehmen begann, als er im Anfang gefühlt hatte. »Ich bekenne, ich bin ein bißchen neugierig, etwas von dem Sinn der Weiber kennenzulernen, da ich, wie Ihr wißt, selbst ein Junggeselle bin.«

»Euer Gnaden, wenn ich von dem Pfadfinder zu dem Mädchen spreche, so blickt sie mir immer voll ins Gesicht, stimmt mit allem überein, was ich zu seinen Gunsten sage, und benimmt sich dabei auf eine freie und offene Weise, die so viel sagt, als ob sie ihn schon halb als ihren Ehemann betrachte.«

»Hm – und diese Zeichen, Sergeant, glaubt Ihr, seien die treuen Merkmale ihrer Gefühle?«

»Ja, Euer Gnaden, denn sie sind auffallend genug. Wenn ich einen Mann finde, Sir, der mir frei ins Gesicht sieht, während er einen Offizier lobt – denn, ich bitte Euer Gnaden um Verzeihung, die Soldaten machen bisweilen ihre Bemerkungen über die Vorgesetzten – wenn ich einen Mann finde, der mir in die Augen sieht, wenn er seinen Kapitän lobt, so nehm' ich immer an, daß der Bursch' ehrlich ist und es auch so meint, wie er sagt.«

»Ist aber nicht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Alter des Bräutigams und dem seiner artigen Braut, Sergeant?«

»Ganz recht, Sir; Pfadfinder steht um die Vierzig, und Mabel hat jede Aussicht auf ein Glück, das ein junges Weib mit Sicherheit durch den Besitz eines erfahrenen Ehemannes erwarten darf. Ich war selbst volle vierzig Jahre alt, als ich ihre Mutter heiratete.«

»Aber wird Eure Tochter geneigt sein, ein grünes Jagdhemd, wie es Euer würdiger Kundschafter trägt, mit einer Fuchsmütze, ebenso zu bewundern wie die blanke Uniform des Fünfundfünfzigsten?«

»Vielleicht nicht, Sir; dafür wird sie aber das Verdienst der Selbstverleugnung haben, die immer ein junges Weib weiser und besser macht.«

»Und Ihr befürchtet nicht, daß sie noch als junges Weib Witwe werden möchte? Immer unter wilden Tieren und noch wilderen Menschen – man kann von Pfadfinder sagen, daß er sein Leben in seiner Hand trage.«

»Jede Kugel hat ihr bestimmtes Ziel, Lundie«, denn so ließ sich der Major in Augenblicken der Herablassung, und wenn es sich nicht um militärische Angelegenheiten handelte, gerne nennen; »und kein Mann im Fünfundfünfzigsten kann sich vor einem plötzlichen Tod sicher halten. In dieser Hinsicht würde also Mabel bei dem Tausch nichts gewinnen. Außerdem, Sir, um über einen solchen Gegenstand von der Leber 'runter zu sprechen, zweifle ich sehr, ob der Pfadfinder je in einer Schlacht oder unter den plötzlichen Wechselfällen der Wildnis stirbt.«

»Und warum das, Sergeant?« fragte der Major, indem er auf seinen Untergebenen mit jener Art von Ehrfurcht blickte, die ein Schotte jener Zeit, mehr als dies gegenwärtig der Fall ist, vor mysteriösen Einwirkungen hegte. »Er ist ein Soldat und, was die Gefahr anlangt, einer von denen, die ihr mehr als gewöhnlich ausgesetzt sind; und wenn er auch keine Kapitulation hat, warum soll er da zu entrinnen hoffen dürfen, wo es andere nicht können?«

»Ich glaube nicht, daß der Pfadfinder sein eigenes Geschick für besser hält als das irgendeines anderen; aber der Mann wird nie durch eine Kugel sterben. Ich hab' ihn so oft sein Gewehr mit einer Fassung handhaben sehen, als ob's nur ein Schäferstecken wäre, mitten im dichtesten Kugelregen und unter so manchen außerordentlichen Umständen, daß ich mir nicht denken kann, es sei die Absicht der Vorsehung, ihn je auf diese Weise fallen zu lassen. Und doch, wenn irgendein Mann in Seiner Majestät Besitzungen einen solchen Tod verdient, so ist's der Pfadfinder.«

»Wir können das nie wissen, Sergeant«, erwiderte Lundie, mit gedankenvollem Ernst in seinen Zügen; »und je weniger wir davon sprechen, desto besser ist's vielleicht. Aber wird Eure Tochter – Mabel, glaube ich, nennt Ihr sie – wird Mabel geneigt sein, einen Mann zu nehmen, der im Grunde doch nur ein Anhängsel zu der Armee ist, und nicht lieber einen aus dem Dienst selbst wählen? Es ist keine Hoffnung zum Avancieren für den Pfadfinder vorhanden, Sergeant.«

»Er ist bereits an der Spitze seines Korps, Euer Gnaden. Kurz, Mabel ist darauf vorbereitet, und da sich Euer Gnaden so weit herabgelassen haben, mit mir von Herrn Muir zu sprechen, so hoff' ich, daß Sie die Güte haben, ihm zu sagen, daß das Mädchen so gut als einquartiert für ihr Leben ist.«

»Wohl, wohl, das ist Eure eigene Sache, und nun – Sergeant Dunham!«

»Euer Gnaden«, sagte der andere, indem er sich erhob und die übliche Begrüßung machte.

»Man hat Euch gesagt, daß es meine Absicht sei, Euch für den nächsten Monat nach den Tausendinseln zu schicken. All die alten Subalternoffiziere haben ihre Diensttour in diesem Quartier gehabt, wenigstens alle, denen ich vertrauen durfte, und es kommt nun endlich die Reihe an Euch. Es ist zwar wahr, Leutnant Muir macht auf sein Recht Anspruch, aber da er Quartiermeister ist, so lieb' ich's nicht, altherkömmliche Anordnungen aufzuheben. Sind die Leute gezogen?«

»Alles ist bereit, Euer Gnaden. Der Zug ist vorüber, und ich hörte von dem Kahn, der in der letzten Nacht Botschaft brachte, die Meldung, daß die dortige Mannschaft bereits nach der Ablösung aussähe.«

»Es ist so, und Ihr müßt übermorgen, wenn nicht schon morgen nacht abgehen. Es wird vielleicht klug sein, in der Dunkelheit zu segeln.«

»So denkt Jasper, Major Duncan, und ich kenne niemand, auf den man sich in einer solchen Angelegenheit besser verlassen könnte als auf den jungen Jasper Western.«

»Der junge Jasper Eau-douce?« sagte Lundie, indem sich ein leichtes Lächeln um seinen gewöhnlich ernsten Mund zog. »Wird dieser junge Mensch auch von Eurer Partie sein, Sergeant?«

»Euer Gnaden wird sich erinnern, daß der Scud nie ohne ihn ausläuft.«

»Wahr, aber alle Regeln haben Ausnahmen. Hab' ich nicht einen Seemann in den letzten paar Tagen um das Fort gesehen?«

»Ohne Zweifel, Euer Gnaden. Es ist Meister Cap, mein Schwager, der mir meine Tochter heraufbrachte.«

»Warum nicht ihn für diesen Kreuzzug in den Scud setzen, Sergeant, und den Jasper zurücklassen? Euer Schwager würde wohl gern zur Abwechslung mal auf dem Frischwasser kreuzen, und Ihr habt doch mehr von seiner Gesellschaft.«

»Ich habe beabsichtigt, Euer Gnaden um die Erlaubnis zu bitten, ihn mitnehmen zu dürfen; aber er muß als Volontär mitgehen. Jasper ist ein zu braver Junge, als daß man ihn ohne Grund des Kommandos entheben sollte, Major Duncan; und ich fürchte, mein Schwager Cap verachtet das Frischwasser zu sehr, um darauf Dienste zu tun.«

»Gut, Sergeant, ich überlasse das alles Eurem eigenen Urteil. Wenn man die Sache weiter überlegt, so muß Jasper sein Kommando behalten. Ihr beabsichtigt wohl, den Pfadfinder auch mitzunehmen?«

»Wenn es Euer Gnaden billigt. Es wird Dienste geben für beide Kundschafter, den Indianer sowohl als den Weißen.«

»Ich glaube, Ihr habt recht. Nun, Sergeant, ich wünsche Euch gut Glück zu der Unternehmung, und denkt daran, daß der Posten zerstört und verlassen wird, wenn Euer Kommando abläuft. Er wird dann seine Dienste geleistet haben oder wir begehen einen großen Mißgriff, denn wir sind dort in einer zu kitzligen Stellung, um die unnötigerweise zu unterhalten. Ihr könnt abtreten.«

Sergeant Dunham salutierte auf die übliche Weise, drehte sich auf seinen Fersen wie auf Spindelzapfen und hatte fast die Tür hinter sich geschlossen, als er plötzlich wieder zurückgerufen wurde.

»Ich hab' vergessen, Sergeant, daß die jüngeren Offiziere um ein Wettschießen angesucht haben, und der morgende Tag ist dazu bestimmt. Alle Bewerber werden zugelassen, und die Preise bestehen in einem mit Silber ausgelegten Pulverhorn, einer ledernen Flasche dito« – er las dieses von einem Stückchen Papier ab – »wie ich aus dem gewerbsmäßigen Jargon dieser Liste ersehe, und einem seidenen Damenkopfputz. Bei dem letzteren kann der Sieger seine Galanterie zeigen, indem er ihn seiner Liebsten zum Geschenk macht.«

»Alles sehr angenehm, Euer Gnaden, wenigstens für den, dem's glückt. Darf der Pfadfinder auch teilnehmen?«

»Ich sehe nicht ein, wie man ihn ausschließen könnte, wenn er kommen will. Ich hab' aber in letzter Zeit bemerkt, daß er keinen Teil an solchen Belustigungen nimmt, wahrscheinlich, weil er von seiner eigenen unübertroffenen Geschicklichkeit überzeugt ist.«

»Es ist so, Major Duncan. Der ehrliche Bursche weiß, daß es keinen an der Grenze gibt, der sich mit ihm messen kann, und wünscht nicht, andere ihres Vergnügens zu berauben. Ich denke, wir können uns jedenfalls auf sein Zartgefühl verlassen, Sir. Es möchte vielleicht gut sein, ihn seinen eigenen Weg gehen zu lassen?«

»In diesem Fall müssen wir's, Sergeant. Ob er in allem anderen so guten Erfolg erlebt, werden wir sehen. Ich wünsche Euch guten Abend, Dunham.«

Der Sergeant zog sich zurück und überließ Duncan of Lundie seinen eigenen Gedanken. Daß diese nicht ganz unangenehm waren, konnte man an dem Lächeln bemerken, das gelegentlich auf seinem Gesicht spielte, das gewöhnlich einen harten soldatischen Ausdruck zeigte, obgleich es auf Augenblicke wieder dem besonnenen Ernst wich. So mochte ungefähr eine halbe Stunde vergangen sein, als ein Pochen an der Tür durch die Aufforderung einzutreten beantwortet wurde. Ein Mann von mittlerem Alter in Offiziersuniform, die aber des in diesem Stande gewöhnlichen geputzten Ansehens entbehrte, trat ein und wurde als Herr Muir begrüßt.

»Ich komme auf Ihren Befehl, Sir, um mein Schicksal zu erfahren«, sagte der Quartiermeister mit hartem schottischen Akzent, sobald er den Sitz eingenommen hatte, der ihm angeboten worden war. »Wahrhaftig, Major Duncan, dieses Mädel richtet in der Garnison so viel Zerstörung an wie die Franzosen vor Ty. Ich habe nie in so kurzer Zeit eine so allgemeine Verwirrung gesehen.«

»Sie wollen mich doch sicherlich nicht überreden, David, daß Ihr junges und unverdorbenes Herz in einer solchen Flamme ist, da es erst die Glut einer Woche trägt? Da wär' noch ein üblerer Umstand als der in Schottland, wo die innere Hitze, wie man sagt, so übermächtig war, daß sie sogar ein Loch durch Ihren kostbaren Körper brannte, durch das alle Mädchen reingucken konnten, um zu sehen, was das entzündliche Material wert sei.«

»Ich sehe nichts so Besonderes dran, wenn junge Leute dem Zug ihrer Neigung folgen.«

»Sie sind aber den Ihrigen so oft gefolgt, David, daß man denken sollte, sie hätten nachgerade den Reiz der Neuheit verloren. Einschließlich jener, der nötigen Formalitäten entbehrenden Affäre in Schottland, wo Sie noch ein junger Bursch waren, haben Sie sich schon viermal verheiratet.«

»Nur dreimal, Major, so wahr ich hoffe, noch ein Weib zu bekommen. Ich habe noch nicht meine Zahl; nein, nein, bloß dreimal.«

»Ich glaube, Sie rechnen die erwähnte erste Geschichte nicht mit – ich meine die, wo kein Pfarrer dabei war?«

»Und warum sollt' ich, Major? Das Gericht hat entschieden, daß es keine Heirat war, und was braucht ein Mensch weiter? Das Weib zog Vorteile von einer leichten verliebten Neigung, die vielleicht eine Schwäche in meiner Sinnesart sein mochte, und verführte mich zu einem Kontrakt, der als ungesetzlich befunden wurde.«

»Wenn ich mich recht erinnere, Muir, so glaubte man zu jener Zeit, daß diese Angelegenheit zwei Seiten hätte?«

»Es müßte ein sehr gleichgültiger Gegenstand sein, mein lieber Major, der nicht seine zwei Seiten hätte, und ich weiß von manchen, die ihrer drei hatten. Aber das arme Weib ist tot, auch war kein Nachkomme da, und so hatte die Sache keine weiteren Folgen. Dann war ich besonders unglücklich mit meinem zweiten Weib; ich sage zweites, Major, aus Achtung gegen Sie und unter der Voraussetzung, daß hier doch nur von meiner wirklichen ersten Verheiratung die Rede ist; aber erste oder zweite, ich war besonders unglücklich mit Jeannie Graham, da sie in dem ersten Lustrum starb, ohne mir ein Hähnchen oder Hühnchen zurückzulassen. Ich glaube nicht, daß ich, wenn Jeannie am Leben geblieben wäre, je einen Gedanken auf ein anderes Weib gerichtet hätte.«

»Nun sie aber dies nicht tat, so hatten Sie zweimal nach ihrem Tod wieder geheiratet und gehen damit um, es zum drittenmal zu tun.«

»Der Wahrheit kann natürlich nie widersprochen werden, Major, und ich bin immer bereit, sie anzuerkennen. Ich glaube, Lundie, Sie sind melancholisch an diesem schönen Abend?«

»Nein, Muir, nicht gerade melancholisch, aber, ich gesteh's, ein bißchen in Gedanken. Ich blickte ein wenig zurück auf meine Jugendjahre, wo ich, der Lairdssohn, und Sie, der des Pfarrers, auf unseren heimatlichen Hügeln als glückliche, sorglose Knaben herumstreiften, die sich wenig um die Zukunft kümmerten. Dann kamen mir einige Gedanken, die ein wenig schmerzlicher sind wegen der Folgezeit, wie sie nun geworden ist.«

»Sicherlich, Lundie, beklagen Sie sich nicht über den Ihnen beschiedenen Teil? Sie haben es bis zum Major gebracht und werden bald Oberstleutnant werden, wenn man sich auf Briefe verlassen kann, während ich bloß um eine einzige Stufe höher stehe als zur Zeit, wo mir Ihr geehrter Vater meine erste Stelle verschaffte, und ein armer Teufel von einem Quartiermeister bin.«

»Und die vier Weiber?«

»Drei, Lundie; nur drei waren gesetzlich, sogar nach unseren eigenen liberalen und geheiligten Gesetzen.«

»Wohl denn, lassen wir's drei sein, David«, sagte Major Duncan, indem er unwillkürlich in die Aussprache und den Dialekt seiner Jugend zurückfiel, was auch bei gebildeten Schottländern leicht geschieht, wenn sie über einen Gegenstand warm werden, der ihr Herz näher berührt. – »Sie wissen's, David, daß meine eigene Wahl schon lange getroffen ist, und wie ich ängstlich und in banger Hoffnung auf die glückliche Stunde gewartet habe, wo ich einmal das Weib, das ich so lange liebte, mein nennen könnte, und Sie haben hier, ohne Vermögen, Namen, Geburt oder Verdienst – ich meine besonderes Verdienst –«

»Na, na, können Sie so was sagen, Lundie? Die Muirs sind von gutem Blut.«

»Na schön also, ohne was anderes als Blut haben Sie vier Weiber gehabt.«

»Ich sag' Ihnen, nur drei, Lundie. Sie werden die alte Freundschaft schwächen, wenn Sie vier sagen.«

»Lassen wir's bei Ihrer eigenen Zahl, David; auch die ist schon mehr, als Ihnen gebührt. Unser Leben ist sehr verschieden gewesen, im Punkt des Heiratens wenigstens – Sie müssen das zugeben, mein alter Freund.«

»Und wer, meinen Sie wohl, ist dabei der Gewinnende, Major, wenn wir so frei miteinander sprechen wollen, wie wir's taten, als wir noch Jungens waren?«

»Ich hab' nichts zu verhehlen. Meine Tage gingen hin in verzögerter Hoffnung, während die Ihrigen in –«

»Nicht realisierter Hoffnung, ich geb' Ihnen mein Ehrenwort, Major Duncan«, unterbrach ihn der Quartiermeister. »Von jedem neuen Versuch hoffte ich einen Vorteil; aber Täuschung scheint das Los des Menschen zu sein. Ach, es ist eine eitle Welt, Lundie, man muß es zugeben, und in nichts eitler als im Ehestand.«

»Und doch haben Sie keine Furcht, Ihren Nacken zum fünftenmal in die Schlinge zu stecken?«

»Ich behaupte, daß es das viertemal ist, Major Duncan«, sagte der Quartiermeister mit Bestimmtheit; dann änderte sich der Ausdruck seines Gesichtes plötzlich in den eines knabenhaften Entzückens, und er fuhr fort: »Aber diese Mabel Dunham ist eine rara avis. Unsere schottischen Mädchen sind schön und angenehm, aber man muß zugestehen, diese Kolonialmädchen übertreffen sie an Liebenswürdigkeit.«

»Sie werden wohltun, Ihre Stellung und Ihr Blut nicht aus dem Auge zu verlieren, David. Ich glaube alle Ihre vier Weiber –«

»Ich wünschte, mein lieber Lundie, daß Sie in Ihrer Arithmetik etwas genauer wären. Drei mal eins macht drei.«

»Alle drei also waren, was man Frauen von Stand zu nennen pflegt?«

»Gerade so ist's, Major. Drei waren Frauen von Stand, wie ich Ihnen sage, und die Verbindungen waren angemessen.«

»Und die vierte war die Tochter von meines Vaters Gärtner; diese Verbindung war nicht angemessen. Aber fürchten Sie nicht, daß die Verehelichung mit dem Kind eines Unteroffiziers, der noch dazu mit Ihnen bei demselben Korps steht, die Folge haben wird, Ihr Ansehen bei dem Regiment zu schmälern?«

»Das ist gerade mein Leben lang meine schwache Seite gewesen, Major Duncan, denn ich habe immer geheiratet, ohne auf die Folgen Rücksicht zu nehmen. Jedermann hat seinen Fehler, und ich fürchte, der meinige ist das Heiraten. Doch, da wir nun verhandelt haben, was man die Prinzipien der Verbindung nennen könnte, so möchte ich fragen, ob Sie mir die Gunst erwiesen haben, mit dem Sergeanten über diese Kleinigkeit zu sprechen?«

»Ich tat es, David, befürchte aber, daß ich Ihnen wenig Hoffnung zu einem günstigen Erfolg machen kann!«

»Zu keinem günstigen Erfolg? Ein Offizier und Quartiermeister obendrein und kein günstiger Erfolg bei eines Sergeanten Tochter?«

»Das ist's gerade, David.«

»Und warum nicht, Lundie? Werden Sie wohl die Güte haben, mir das zu beantworten?«

»Das Mädchen ist verlobt. Hand und Wort gegeben, die Liebe verbürgt – nein, ich will gehangen sein, wenn ich das je glaube: Aber sie ist verlobt.«

»Wohl, das ist ein Hindernis, ich geb's zu, Major, obgleich ich es nur gering anschlage, wenn das Herz frei ist.«

»Ganz wahr; und mir ist es wahrscheinlich, daß das Herz in diesem Falle frei ist. Der beabsichtigte Ehemann scheint eher die Wahl des Vaters als die der Tochter zu sein.«

»Und wer mag das sein, Major?« fragte der Quartiermeister, der die ganze Sache mit der Philosophie und Ruhe eines erfahrenen Mannes überblickte. »Ich kann mir doch keinen passenden Freier denken, der mir im Wege stehen könnte.«

»Nein, Sie sind der einzige passende Freier an der Grenze, David. Der glückliche Mann ist Pfadfinder.«

»Pfadfinder, Major Duncan?«

»Nicht mehr und nicht weniger, David Muir. Pfadfinder ist der Mann. Aber es mag Ihre Eifersucht ein wenig erleichtern, wenn ich Ihnen sage, daß mir der Handel mehr vom Vater als von der Tochter auszugehen scheint.«

»Ich dachte mir's«, rief der Quartiermeister aus und schöpfte tiefen Atem wie einer, dem eine Last von seiner Brust genommen wird. »Es ist ganz unmöglich, daß mit meiner Erfahrung in der menschlichen Natur –«

»Besonders in der Weibernatur, David –«

»Sie wollen Ihren Scherz haben, Lundie, und mag sich auf den einlassen, wer will. Ich kann's aber nicht für möglich halten, daß ich mich täuschen sollte über die Neigung eines jungen Frauenzimmers, die – ich kann mich wohl kühn darüber aussprechen, da wir unter uns sind – die über den Stand des Pfadfinders hinausgeht. Was den Mann selbst anbelangt – nun, die Zeit wird's lehren.«

»Sagen Sie mir doch offen, David Muir«, sprach Lundie, indem er eine kurze Weile seinen Spaziergang unterbrach und den anderen ernst und mit einem komischen Ausdruck der Überraschung ins Gesicht faßte, der die Züge des Veteranen in einem spöttischen Ernst erscheinen ließ – »glauben Sie wirklich, daß ein Mädel, wie die Tochter des Sergeanten Dunham, eine ernsthafte Neigung zu einem Mann von Ihren Jahren, Ihrem Aussehen, und – Ihrer Erfahrung, möcht' ich hinzusetzen, fassen kann?«

»Bst, ruhig, Lundie; Sie kennen das Geschlecht nicht, und das ist der Grund, warum Sie in Ihrem fünfundvierzigsten Jahre noch unverheiratet sind. Es ist doch 'ne schreckliche Zeit, die Sie als Junggeselle zugebracht haben, Major!«

»Und was mag Ihr Alter sein, Leutnant Muir, wenn man eine so delikate Frage wagen darf?«

»Siebenundvierzig; ich will's nicht verleugnen, Lundie, und wenn ich Mabel kriege, so kommt gerade auf jedes Jahrzehnt eine Frau. Aber nein, ich kann nicht denken, daß Sergeant Dunham so niedrig gesinnt sein sollte, um sich's träumen zu lassen, dieses süße Mädel einem Menschen wie dem Pfadfinder zu geben.«

»Er träumt sich nichts dabei, David; der Mann ist so ernsthaft wie ein Soldat, der gepeitscht werden soll.«

»Wohl, wohl, Major, wir sind alte Freunde« – beide kamen in ihr Schottisch oder vergaßen es, je nachdem sie im Gespräch ihre jüngeren Tage berührten oder davon abkamen – »und sollten wissen, wie man außer dem Dienst einen Scherz zu nehmen oder zu geben hat. Es ist möglich, daß der gute Mann meine Winke nicht verstand oder die Sache sich nie so gedacht hat. Der Unterschied zwischen einer Offiziersfrau und dem Weib eines Kundschafters ist so ungeheuer, als der zwischen dem Alter Schottlands und dem Alter Amerikas. Auch bin ich von altem Blut, Lundie.«

»Nehmen Sie mein Wort dafür, David – Ihr Alter wird Ihnen in dieser Angelegenheit nichts nützen, und was Ihr Blut anbelangt, so ist's nicht älter als Ihre Knochen. Nun gut; Sie kennen des Sergeanten Antwort und werden bemerken, daß mein Einfluß, auf den Sie so viel gezählt haben, nichts für Sie tun kann. Lassen Sie uns ein Glas miteinander leeren, alter Bekanntschaft wegen, und dann werden Sie guttun, sich der Partie zu erinnern, die morgen abgehen soll, und Mabel Dunham, so gut Sie immer können, zu vergessen.«

»Ach, Major! ich hab's immer leichter gefunden, ein Weib als ein Schätzchen zu vergessen. Wenn ein Paar so recht ordentlich verheiratet ist, so ist alles im reinen, bis der Tod uns am Ende alle trennt; und es scheint mir höchst unehrerbietig, die Hingeschiedenen zu beunruhigen. Dagegen hat man den Mädels gegenüber so viel Angst, Hoffnung und Glückseligkeit in der liebenden Erwartung, daß die Gedanken immer rege erhalten werden.«

»Das ist grade auch meine Ansicht von Ihrer Lage, David; denn ich habe nie vermutet, daß Sie noch eine weitere Glückseligkeit von Ihren Weibern erwarten. Nun, ich hab' wohl schon von Burschen gehört, die so einfältig waren, das Glück mit ihren Weibern auch jenseits des Grabes zu suchen. Ich trinke Ihnen zu auf glückliche Fortschritte oder auf baldige Wiedergenesung von diesem Anfall, Leutnant, und ermahne Sie, für die Zukunft vorsichtiger zu sein, da einige solcher heftiger Zufälle Ihnen am Ende den Garaus machen könnten.«

»Schönen Dank, lieber Major, und baldiges Ende einer bekannten alten Freierei. Das ist ein wahrer Bergtau, Lundie, und wärmt das Herz wie ein Strahl aus dem guten Schottland. Was die erwähnten Leute anlangt, so konnten sie nur ein Weib gehabt haben; denn wenn einer einmal einige gehabt hat, so bringen ihn die Weiber selbst durch ihr Benehmen auf andere Gedanken. Ich denke, ein vernünftiger Ehemann muß zufrieden sein, wenn er seine freie Zeit mit einem wunderlichen Weib zubringen kann, das dieser Welt angehört, und soll nicht wegen unerreichbarer Dinge den Kopf hängen lassen. Ich bin Ihnen unendlich verbunden, Major Duncan, für diesen und alle anderen Freundschaftsbeweise, und wenn Sie noch einen weiteren dazufügen wollten, so würde ich glauben, daß Sie den Spielkameraden Ihrer Jugend nicht ganz vergessen hätten.«

»Schön, David, wenn das Gesuch ein vernünftiges ist und so, daß es ein Vorgesetzter zugestehen kann, heraus damit.«

»Wenn Sie nur einen kleinen Dienst für mich da unten an den Tausendinseln ersinnen könnten, so für vierzehn Tage vielleicht. Ich denke, solcher Umstand würde zur Zufriedenheit aller Parteien ausfallen. Es fällt mir eben auch ein, Lundie, daß das Mädel die einzig heiratbare Weiße an dieser Grenze ist.«

»Es gibt immer einen Dienst für einen Mann in Ihrer Stellung auf einem Posten, wenn er auch nur unbedeutend ist; aber dort unten kann er vom Sergeanten ebensogut wie von einem Generalquartiermeister besorgt werden – und wohl noch besser.«

»Aber nicht besser als von einem Regimentsoffizier. Es findet im allgemeinen eine große Verschwendung bei den Ordonnanzen statt.«

»Ich will mir's überlegen, Muir«, sagte der Major lachend. »Sie sollen morgen meine Antwort haben. Auch wird es morgen für Sie eine schöne Gelegenheit geben, sich vor der Dame zu zeigen. Sie wissen mit der Büchse gut umzugehen, und es gibt Preise zu gewinnen. Machen Sie sich gefaßt, Ihre Geschicklichkeit zu entwickeln, und wer weiß, was geschieht, ehe noch der Scud absegelt.«

»Ich denke, die meisten jungen Leute werden die Sicherheit ihrer Hand bei diesem Spiel versuchen wollen, Major?«

»Das werden sie, und einige von den Alten auch, wenn Sie dabei erscheinen. Um Sie in der Fassung zu erhalten, will ich selbst einen Schuß oder zwei tun, David; und Sie wissen, daß ich in dieser Beziehung einigen Ruf habe.«

»Das weibliche Herz, Major Duncan, ist verschiedenartig empfänglich. Einige verlangen von ihrem Anbeter, daß er gegen sie eine regelmäßige Belagerung eröffne, und kapitulieren bloß, wenn sich der Platz nicht länger halten kann; andere lieben es, wenn sie im Sturm genommen werden, indes wieder andere solche Drachen sind, daß man sie nur fangen kann, wenn man sie in einen Hinterhalt leitet. Das erste ist das anständigste und vielleicht das am meisten für einen Offizier passende Verfahren, obschon ich sagen muß, daß das letztere am meisten Vergnügen macht.«

»Eine Ansicht, die Sie ohne Zweifel Ihrer Erfahrung verdanken. Und wie ist's mit der Sturmpartie?«

»Die mag für jüngere Leute passen«, erwiderte der Quartiermeister, indem er aufstand und mit den Augen zwinkerte, eine Freiheit, die er sich oft auf Rechnung seiner langjährigen Vertrautheit gegen seinen kommandierenden Offizier herausnahm; »jede Periode des Lebens hat ihre Erfordernisse, und im Siebenundvierzigsten ist's gerade angemessen, sich ein wenig auf den Kopf zu verlassen. Ich wünsche recht guten Abend, Major Duncan, und gute Besserung mit der Gicht.«

»Danke, Herr Muir. Vergessen Sie morgen das Wettschießen nicht!«

Der Quartiermeister zog sich zurück und überließ es Lundie, in seiner Bibliothek seinen Gedanken nachzuhängen. Langjähriger Umgang hatte den Major Duncan so an den Leutnant Muir und an dessen Weise und Laune gewöhnt, daß ihm sein Betragen nicht mehr auffiel.

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