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Der Persische Dekameron

Franz Blei: Der Persische Dekameron - Kapitel 7
Quellenangabe
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typenarrative
authorFranz Blei
titleDer Persische Dekameron
publisherVerlag für Kulturforschung Vienna
year1927
isbn
correctorreuters@abc.de
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Die Frau des Krämers

Eines Tages, da die Frau eines Krämers auf dem Dache ihres Hauses saß, erblickte sie ein junger Mann und verliebte sich in sie. Da die Frau dies alsbald bemerkte, rief sie ihn an und sagte: »Komm nach Mitternacht zu mir und setze dich unter einen Baum, der in meinem Hofe steht.« Nach Mitternacht begab sich der junge Mann nach ihrem Hause; die Frau erhob sich vom Bette, ging zu dem Jüngling und legte sich neben ihn unter den Baum.

Es begab sich, daß der Vater des Krämers um die nämliche Zeit, eines Geschäftes wegen, aufstand und auf den Hof ging. Da sah er die Frau seines Sohnes sich mit einem fremden Manne erfreuen. Unbemerkt nahm er der Frau die Ringe von den Füßen, steckte sie zu sich und dachte: am Morgen will ich das Weib bestrafen.

Nach einer Weile schickte die Frau den Jüngling wieder fort, ging zu ihrem Manne, weckte ihn und sagte: »Im Hause ist es sehr schwül, komm, laß uns unter dem Baume im Hofe schlafen.« Also lagerte sich die Frau mit ihrem Manne auf demselben Platze, wo vordem sie und der junge Mann in inniger Umschlingung gelegen waren. Als der Mann fest schlief, weckte ihn die Frau plötzlich und sprach: »Dein Vater kam soeben vorbei, nahm mir die Ringe von den Fußgelenken und trug sie weg. Dieser alte Mann, den ich als meinen Vater ansehe, wie konnte er sich doch mir nähern, als ich neben meinem Manne schlief, die Ringe von meinen Knöcheln nehmen und sie wegtragen?«

Am Morgen war der Gatte auf seinen Vater böse, der ihm nun den Umstand entdeckte, wie er seine Schwiegertochter in der Nacht mit einem fremden Manne getroffen hätte. Der Sohn sprach barsch zu seinem Vater: »In der Nacht, als meine Frau und ich, der Hitze wegen, unter dem Baume schliefen, kamst du her, nahmst meiner Frau die Ringe fort und trugst sie weg. Um dieselbe Zeit weckte mich meine Frau und zeigte mir den Umstand an.« Darauf war der Vater sehr beschämt und die Frau kam durch ihre Schlauheit ungestraft davon.

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