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Der Persische Dekameron

Franz Blei: Der Persische Dekameron - Kapitel 21
Quellenangabe
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typenarrative
authorFranz Blei
titleDer Persische Dekameron
publisherVerlag für Kulturforschung Vienna
year1927
isbn
correctorreuters@abc.de
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Die Schelmin

Es lebte einmal ein vornehmer Mann, der hielt sein Weib streng eingeschlossen und ließ sie keinen Mann sehen. Doch die Frau hatte einem Diener den Auftrag gegeben, in ihrem Gemach einen unterirdischen Gang zu graben, und so kam sie zu ihrem Liebhaber, der ein Silberschmied war. In der Folge hatte nun der Gatte Verdacht geschöpft und machte seiner Frau Vorwürfe. Doch seine Frau sagte: »Bei meinem Leben! Nie habe ich solches getan. Sprecht nicht so unüberlegte Dinge!«

Aber heimlich sprach sie bei ihrer nächsten Zusammenkunft zu dem Silberschmied: »Stell' dich wie ein Wahnsinniger. Zerrauf' dir das Haar und rede Unsinniges! Und die Leute, die du im Bazar triffst, nimm in die Arme und tu so, als ob du sie forttragen wolltest!«

Sagte andern Tages die Frau zu ihrem Gatten: »Mein Leben lang hab ich noch nicht den Marktplatz gesehen. Komm, laß uns dahingehen!«

Und so gingen sie auf den Markt. Hier aber rannte der Silberschmied wie toll auf die Frau zu, nahm sie in seine Arme und legte sie dann auf die Erde. Das Weib schrie nach ihrem Manne: »Wie, duldest du, daß mich ein Mann in seine Arme nimmt?«

Der Gatte erwiderte: »Es ist ein Narr.«

Als des Abends vor dem Gebet der Gatte wieder seinen Verdacht äußerte, kniete die Frau hin, berührte mit dem Kopfe den Boden und sagte: »Bei meinein Leben, ich habe nichts Böses getan! Bloß dieser Narr hat mich in den Armen gehalten.«

So rettete die Schlaue ihr Leben. Der verwirrte Mann schwieg, als er den Schwur gehört hatte.

Solche Schelminnen sind die Frauen.

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