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Der neue Pitaval - Band 22

Willibald Alexis: Der neue Pitaval - Band 22 - Kapitel 5
Quellenangabe
typereport
authorAlexis / Hitzig
titleDer neue Pitaval - Band 22
publisherF. A. Brockhaus
year1861
firstpub1856
printrun2
volume22
editorAlexis / Hitzig
seriesDer neue Pitaval
senderwww.gaga.net
created20050826
projectid93a4ead7
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Die unsichtbare Mistress Blythe

1806 – 1809

Verglichen mit den großartigen Schwindlern und Betrügern deutschen Blutes, die mit dem Aberglauben und der Leichtgläubigkeit des Publicums in unserer nächsten Nähe ein so erstaunliches Spiel getrieben haben, wovon die nächstfolgenden Fälle erzählen, erscheint die englische Verbrecherin, die wir hier vorführen wollen, nur unbedeutend, vielleicht noch mehr um deswillen, weil die englischen Berichterstatter nur den Kern und nicht Fleisch und Hülse, oft nur einen ausgetrockneten Kern, und niemals das magische Lustre solcher Fälle und Personen geben, welches denselben häufig erst ihre Bedeutung verleiht. Der Betrug und die Vergiftungsprocedur sind aber doch einzig in ihrer Art; außerdem schien es uns interessant, eine Erscheinung, die in letzten Jahren in Deutschland so oft vorgekommen, so merkwürdig sich hervorgethan hat, auch in andern Völkern und Ländern zu verfolgen, denn wie im Verbrechen drücken sich der Nationalcharakter und die Stimmungen und bewegenden Gedanken der Zeit auch im Aberglauben ab. Wie ist es möglich, daß das Wundermädchen in der Schiffergasse, der Schäfer Frosch so grob das Publicum betrügen können? ist die Frage, die sich uns von selbst aufdrängt. Wenn wir sehen, wie praktisch gebildete Engländer sich von einer an Geist weit unter jenen Deutschen stehenden Gauklerin täuschen und so lange täuschen lassen, fühlen wir wenigstens eine Genugthuung in der Seele unserer betrogenen Landsleute. Die deutschen Schwindler appelliren doch an den Wunderglauben ihrer Nation, an sympathetische Neigungen, sie beschäftigen die Phantasie und lassen die Betrogenen glauben, daß sie mit ihnen in höhere Sphären steigen, während die englische Gauklerin ihre Angel oder ihre groben Widerhaken an nichts wirft als an die absolute Einfältigkeit, und wir könnten fragen, auch wenn wir der eigenen Sünden gedenken, wie war es möglich, daß Bürger in England noch vor 40 Jahren durch solche Betrügereien und gerade in so grober Art sich fangen ließen.

Mary Bateman war unter dem Volke in Yorkshire und den benachbarten Grafschaften als etwas berühmt, was man in frühern Zeiten eine Hexe genannt hätte. Sie lebte zu Anfang dieses Jahrhunderts und das Volk in England hatte dafür mildere Ausdrücke. Sie übte zwar Hexenkraft, aber man nannte sie eine Seherin; sie erkannte geheime Übel und wußte Mittel, wie man ihnen begegne. Darum ward sie von allen Seiten gesucht, bis man ihr nicht mehr traute oder ihre Hülfe gefährlich schien. Als dies eintrat, verschwand sie mit ihrem Namen und trat nur als Vermittlerin anderer unbekannter Größen auf.

Die Gerichte, als sie vor ihnen stand, hatten an der einen letzten Thatsache vollauf genug, um sie zu verurtheilen, man nahm sich daher nicht die Mühe, ihre frühern Thaten und ihr ganzes Leben zu durchforschen, und es ist bei der Gelegenheit nur das Folgende zur actenmäßigen Kenntniß gekommen.

Ihre erste bekannt gewordene Thätigkeit ward bei einer Mistreß Greenwood in Anwendung gebracht. Die Dame litt, sie wußte nicht woran. Die Bateman, zu Rathe gezogen, erkannte, daß sie, in Folge häuslichen Unglücks, in Gefahr sei, einen Selbstmord zu begehen. Durch ihre Geschicklichkeit, welche Mittel sie anwandte, wird uns nicht gesagt, entging die Greenwood diesem Schicksal.

Mary agirte und curirte als Mistreß Bateman, so genannt nach ihrem Manne, den sie, nachdem sie mit Damenschneiderarbeiten sich bis da zu ernähren gewußt, im Jahre 1792 geheirathet. Ihr früheres Leben – sie war zur Zeit ihrer Verheirathung schon 34 Jahre alt – soll auch nicht vorwurfsfrei gewesen sein, und sie hatte ihren Aufenthaltsort oft und unter verdächtigenden Umständen gewechselt. Bateman war seines Weibes und ihrer Praktiken bald überdrüssig geworden, und ging aus Verzweiflung unter die Soldaten. Sein Weib ward er aber darum noch nicht los, sie folgte ihm bis 1799, was, unter Umständen, bei den englischen Armeen, wie man weiß, zulässig war und noch ist.

Beide ließen sich darauf in Leeds nieder, wo der Mann verschwindet, d. h. es ist von ihm bis zuletzt nicht mehr die Rede. Mary's Ruf war aber so begründet, daß er fast schon ruinirt war. Sie war Wahrsagerin, besprach und ward besonders von liebeskranken Mädchen und hysterischen Frauen aufgesucht. Plötzlich aber erklärte sie in anscheinender Demuth, daß es mit ihrer Kraft und Begabung aus sei, dagegen kenne sie eine Mistreß Moore, auf die alle die Kraft in ungleich höherm Maße übergegangen sei. Durch ihre Vermittelung ließ sich diese Frau Moore herab, den armen Hülfeflehenden beizustehen, jedoch immer nur durch Mary's Mund und Beihülfe, und Mistreß Moore ist nie von einem sterblichen Auge gesehen worden.

Ein unglücklicher Handelsmann, Barzillai Stead, suchte bei der Unbekannten Hülfe. Mistreß Moore sah alle die geheimen Fäden, die gegen ihn gesponnen wurden, und unterrichtete ihn täglich durch die Bateman, wo und wie ihn die Gerichtsmänner aufsuchten, dergestalt, daß der arme Mann zwar nicht arretirt ward, aber, was schlimmer, in steter Angst und Flucht blieb. Dafür mußte er die Hälfte von Dem, was er gerettet, den beiden weisen Frauen übermachen, und ging endlich unter die Soldaten. Die Bateman erfuhr jetzt durch die weise Moore, daß Barzillai Stead nicht allein unglücklich, sondern auch seinem Weibe treulos sei, er wolle ein anderes Frauenzimmer, da und da wohnhaft, die von ihm schwanger, zum Regimente mitnehmen. Die Frau des neugeworbenen Soldaten liebte ihren Mann, sie beschwor die Bateman Alles zu thun, um das zu hindern. Das konnte nach Mistreß Moore's Rathschlägen nur geschehen, indem man das Frauenzimmer behexe. Dazu waren zuvörderst drei halbe Kronen und drei Kohlen nöthig. Die Kohlen wurden zuerst auf die Schwelle der Rivalin gelegt, demnächst ins Feuer, dann ward die Letztere in einen tiefen Schlaf eingelullt, und während dessen wurden die Hemden und Röcke, welche sie eben, um mit dem Geliebten durchzugehen, gewaschen, mittels jener Kohle angezündet und verbrannt. Natürlich konnte sie nun dem Geliebten nicht folgen. Wie die drei halben Kronen sich verflüchtigt, wird nicht gesagt. Aber es blieb nicht bei denselben, denn die Gefahr, daß die Nebenbuhlerin wieder Kleider finde, oder gar nackt dem Manne nachlaufe, erneuerte sich immer wieder, selbstredend erneuerten sich die Anfoderungen der weisen Frau. Barzillai Stead's Gattin mußte nachgerade ihre Mäntel, Schürzen, Röcke, Alles, Alles versetzen, bis sie, nahe dem Selbstmord, zum Gegenstände des öffentlichen Mitleids ward; aber selbst von den Almosen mildthätiger Vereine gab sie noch ihr Scherflein ab, um die Treue des Ehemannes zu erkaufen, die, möglicherweise, nie gewankt hatte.

Die Eifersucht scheint der Prophetin überhaupt ein ergiebiger Quell gewesen zu sein, um darin zu fischen. Einer Frau Cooper impfte sie die Besorgniß ein, daß ihr Mann damit umgehe, sie zu verlassen und zu verschwinden. Aber weil der Geist der Mistreß Moore vertraut, daß der Mann nicht nur selbst, sondern mit allen Habseligkeiten der Wirthschaft, die sich forttragen lassen, zu verschwinden gedenke, so veranlaßt sie die Frau, ihm zuvorzukommen und selbst alle werthvollen Gegenstände fortzutragen, die dann, da sie nicht besser verwahrt werden konnten, in ihrer, der Bateman eigenen Wohnung Aufnahme fanden, wo sie aber auch verschwunden sind.

Die Frau eines James Snowden war von der ungeheuersten Angst gequält, daß ihr Kind ertrinken möchte. Mary Bateman wußte keine Hülfe, auch die Mistreß Moore war ohne Rath; vermuthlich war auch ihre Kraft ausgegangen. Da entsann sich die Bateman glücklicherweise noch einer Mistreß Blythe, die jetzt sehr viel, ja Erstaunliches, vermöge. An sie ward geschrieben und die Blythe hatte die Güte, durch die Bateman zu antworten; es kostete aber viele Briefe, bis sie sich zu Rath und That entschloß, Briefe, die selbst schon viel Porto foderten. Endlich vertraute der Geist der Blythe ein Mittel: man solle James Snowden's silberne Uhr in das Betttuch der Bateman einnähen, wenn die Uhr sich allmälig verflüchtige, werde damit auch die Gefahr verschwinden. Es geschah, aber das Silber fühlte sich noch immer fest und hart an. Da sagte der Geist der Blythe, man möge es auch noch auf dieselbe Weise mit 12 Guineen versuchen. Der verflüchtigte Werth solle so und so vielen verkommenen Menschen zugute kommen und dafür der Zauber des Kindes gelöst werden. So scheint es denn auch geschehen zu sein, die Guineen wurden immer kleiner, dito die silberne Uhr, und als man endlich das Betttuch wieder aufnähte, waren Geld und Silber spurlos verschwunden – der Knabe des James Snowden war aber auch nicht ertrunken. Was wollte man mehr!

Die wunderbare, aber von Niemand gesehene Mistreß Blythe verrichtete durch ihr demüthiges Werkzeug, die Bateman, noch manches Erstaunliche, was aber Andere auch vermögen, sie zog den Armen ihr letztes Hemd aus und brachte Familien an den Bettelstab, bis ihr Wirken durch einen plötzlichen Todesfall im Jahre 1806 zur Kenntniß der Gerichte kam, welche darin eine Vergiftung erblickten, und darauf, zwar nicht sie selbst, aber die Bateman arretirten und 1809 vor das Geschworenengericht von Yorkshire stellten.

Am 17. März 1809 stand Mary Bateman vor den Assisen der Grafschaft, angeklagt wegen absichtlicher Ermordung der Rebecca Perigo, Ehefrau des William Perigo, wohnhaft zu Bramlay, in der Nähe von Leeds.

Die Anklageacte hat man nicht für nöthig gehalten, zu veröffentlichen, sie ist aber in der Hauptzeugenaussage des William Perigo, des Ehemannes der Ermordeten, gewiß vollständig erhalten. Der Inhalt derselben ist folgender:

William Perigo, ein Tuchmacher, 48 Jahr alt, war 20 Jahre mit seiner Ehefrau Rebecca, desselben Alters, verheirathet gewesen, ohne daß sie je krank war. Sie hatte sich vielmehr immer der besten Gesundheit erfreut. Da bekam sie, sobald sie sich niederlegte, ein heftiges Stechen in der Brust. Ihre Nichte, Sarah Stead, sagte dem besorgten Ehemann, er möge sich nur an die Bateman wenden, die könne das am besten besprechen. Er nahm nun einen Unterrock der Frau und ging damit in die Wohnung der Bateman. Er fand eine Frau auf der Hausschwelle sitzen. Auf seine Frage nach der Bateman erklärte das Weib: das wäre sie. Darauf lud sie ihn, ins Haus einzutreten, und fragte ihn da: ob er Sarah Stead's Onkel wäre und ob er den Flanellunterrock auch mitgebracht? Ja, das habe ich, sagte er. Nun sagte sie, sie wollte nach Scarborough schicken, zu einer Mistreß Blythe, und er möge nur am Freitag oder Mittwoch wiederkommen. »Das erste mal war also am Sonnabend, im Juli 1806. Als ich nun wiederkam an dem Tage, da sagte sie mir, daß sie von der Mistreß Blythe in Scarborough einen Brief bekommen: was meine Frau nun zu thun hätte. Und sie las den Brief mir vor, daß sie, die Mary Bateman, in mein Haus gehen sollte, in Bramlay, und die vier Guineennoten mitnehmen, die Mistreß Blythe ihr geschickt hätte, und sie sollte sie ins Bette einstecken, wo ich und meine Frau, Mistreß Perigo, schlafen, in jede der vier Ecken eine, und da sollten sie 18 Monate bleiben, sonst wirkten sie nicht; und daß ich, William Perigo, ihr dafür vier andere Guineennoten zurückgeben solle, die an Mistreß Blythe geschickt würden. Im Briefe stand auch, meine Frau hätte eine frühere Besprechung gebrochen, weil sie nicht reinen Mund gehalten, und sie, Mistreß Blythe, würde nicht mehr die Hand rühren, wenn sie nicht feierlich verspreche, daß sie nie ein Wort von Dem aussagen wolle, was hier vorgeht. Und darunter stand geschrieben Mistreß Blythe.«

Eine Zusammenkunft zwischen beiden Frauen ward auf den 4. August verabredet. Rebecca Perigo scheint durch ein Misverständniß ausgegangen zu sein, als die Bateman in ihre Wohnung trat. Während der Mann ausging, um seine Frau zu suchen, blieb Mary zurück und nahm wahrscheinlich während dessen ein Inventar aller Gerätschaften auf. Als beide Eheleute zurückkehrten, ward die Sache nochmals besprochen, die Bateman übergab dem Manne vier Guineennoten, die er als ganz richtige prüfte, und Perigo gab ihr andere vier ebenso richtige Noten zurück. In Gegenwart der Eheleute nähte hierauf die Bateman die vier angeblich von der Blythe kommenden Noten in vier kleine seidene Beutel. Perigo war fest davon überzeugt, daß die Noten wirklich in die seidenen Beutel eingenäht worden und keine Escamotirung stattgefunden hätte. Sein Weib aber trennte selbst die Bettzieche auf, und Mann und Frau steckten nun die vier Beutel in die vier Ecken derselben. – Nach etwa 14 Tagen erhielt Perigo noch einen Brief der Mistreß Blythe, den der Sohn der Bateman ihm überbrachte. Er war unversiegelt und kündigte an, daß Mary Bateman nächstens wieder zu ihnen kommen würde; er aber solle sich zwei kleine Stücke Eisen verschaffen, in der Form von Hufeisen, die jedoch nicht in der Stadt Bramlay geschmiedet sein dürften. Diese Hufeisen müßten an der Thürschwelle der Mary Bateman festgenagelt werden, doch nicht mit einem Hammer, sondern mit der Rückseite einer Zange. Diese Zange müsse dann an Mistreß Blythe nach Scarborough gesandt werden. Nach wenigen Tagen erschien auch die Bateman, und es geschah Alles nach der Weisung des Briefes, nur mußte sie etwas warten, weil Perigo die Hufeisen erst im nächsten Dorfe schmieden ließ. Die Zange brachte er demnächst nach Leeds, von wo die Bateman sie nach Scarborough besorgen wollte, daselbst müsse auch das Instrument 18 Monate hindurch verbleiben.

In unbestimmten Zwischenräumen folgten Briefe auf Briefe der Mistreß Blythe, bald durch besondere Boten, bald durch die Post, mit dem Poststempel Scarborough oder Leeds. Der Inhalt war verschieden, aber in jedem ward etwas gefordert. Vom December 1806 bis zum April 1807 zahlte ihr Perigo in einzelnen Posten zusammen den Betrag von 70 Pfd. St. Außerdem mußte er ihr aber auch noch die allerverschiedensten Dinge in Natura liefern: bald eine Gans, bald ein Paar Mannsschuhe, Hemden, seidene Schnupftücher, 60 Pfund Butter, schwarzseidene Strümpfe, ein Rostbeef, Massen von Thee und Zucker, Leinenwaren, viele Flaschen Branntwein, ein Register, was hier aufzunehmen zu lang ist.

Für jede Lieferung aber, an Geld und an Waaren, erhielt er einen kleinen zugenähten Beutel, von dem er annahm, daß darin eine Summe enthalten sei von gleicher Valuta als das von ihme Gegebene. Sobald die Beutel ankamen, wurden sie, wie die vorigen, ins Bette gestopft, mit der strengen Anweisung, daß man sie bis zu der bestimmten Frist nicht öffnen und besichtigen dürfe, oder es könne ihnen das Leben kosten.

Im März 1807 kam ein Brief von Mistreß Blythe folgenden Inhalts an:

»Meine theuern Freunde!«

»Ich würde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie mir ein halbes Dutzend Ihrer Porzellantassen überließen, dazu drei silberne Löffel, ein halbes Pfund Thee, zwei Pfund Zucker und eine Theebüchse, um den Thee hineinzuthun – sonst hilft es gar nicht, denn ich darf nicht aus meinem eigenen Porzellan trinken. Dies müssen Sie an einem Lichte verbrennen.«

Anfang April kam mit dem Scarborough-Postzeichen ein anderer Brief:

»Meine theuern Freunde!«

»Ich würde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie mir eine Feldbettstelle kaufen wollten, dazu Matratze, Unterbett, Laken, ein Paar Betttücher und ein langes Kopfkissen; es muß aber aus Ihrem Hause kommen. Sie brauchen gar nicht die beste Sorte Federn zu kaufen, gewöhnliche thun es auch. Ich habe nun schon drei Nächte auf der Diele gelegen und kann nicht auf meinem eigenen Bette liegen, weil die Planeten in Bezug auf Ihre Frau so schlecht stehen; nun muß ich ein Bett haben, was Sie gekauft, oder es wird nichts daraus. Sie müssen mir das Porzellan, den Zucker, die Theebüchse, die drei silbernen Löffel und den Thee zugleich schicken, wenn Sie das Bett kaufen, und Alles zusammenpacken. Meines Bruders Boot wird in ein oder zwei Tagen bei Ihnen sein, und meines Bruders Bootsmann soll alle die Sachen bei Mary Bateman abholen, und Sie müssen der Mary einen Schilling für den Bootsmann geben, den ich Ihnen dann gut schreiben werde. Ihre Frau muß diesen Zettel verbrennen, sobald sie ihn gelesen hat, oder Alles hilft nichts.«

Wirklich kaufte und schickte Perigo alle diese Sachen durch Mary's Vermittlung an die Unbekannte, Alles zum Betrage von gegen 16 Pfd. St., acht Pfund allein hatte das Bett gekostet.

Mitte April brachte ihm der Sohn der Bateman folgendes Schreiben:

»Meine theuern Freunde!«

»Es thut mir leid Ihnen ankündigen zu müssen, daß nächsten Monat Mai eine Krankheit einen von Ihnen oder Sie Beide befallen wird, aber was Gott fügt, muß seinen Gang haben! – Sie werden noch der dunkeln Grabeskammer entrinnen, und obgleich Sie todt scheinen, werden Sie doch leben. – Ihre Frau muß ein halbes Pfund Honig von Bramlay nach Leeds zu Mary Bateman mitnehmen, und da muß der Honig bleiben, bis Sie hinkommen, und Mary wird ihn in den Stoff einthun, den ich ihr von Scarborough geschickt, und erst dann, wenn Sie hinkommen und sie besuchen, sonst hilft es nichts. Sie müssen sechs Tage Pudding essen, und das dahinein thun, was ich an Mary Bateman geschickt habe, und sie wird das Ihrer Frau auch geben, Sie dürfen aber nicht eher von dem Pudding essen, als bis ich es Sie wissen lasse. Wenn Sie sich krank fühlen, wann es auch sei, so müssen Sie, jeder von Ihnen, einen Theelöffel voll von dem Honig einnehmen. Ich werde Ihnen am 20. Mai 20 Pfd. schicken, ein Theil von Dem, was Ihnen zukommt. Diesen Zettel bringen Sie zu Mary Bateman und verbrennen ihn in ihrem Hause, wenn Sie das nächste mal zu ihr gehen.«

Gehorsam der Weisung nahm Perigo's Frau den Honig und trug ihn zu Mary Bateman; als sie zurückkam, brachte sie sechs Pulver mit. Der Ehemann ging dann auch zur Bateman und plauderte mit ihr über den Brief, den er empfangen: es sei doch ein curios Ding, daß Mistreß Blythe voraussehen sollte, daß er und seine Frau krank werden würden. Mary Bateman aber erwiderte ihm: Ach, die Miß Blythe wisse jedes Ding, was ihn betreffe; wenn sie aber ihren Anweisungen folgten, würde Alles gut gehen. Dann erfuhr er auch von ihr, was er mit dem Pulver machen müsse, nämlich an jedem Tage, wie es darauf verzeichnet, müsse er eines einnehmen, oder es würde ihn und sein Weib ermorden. Dann mischte die Bateman ein Pulver in seiner Gegenwart in den Honig, und er nahm den Honig mit nach Hause.

Am 5. Mai wieder ein Brief der Blythe. Nachdem er ihn zwei mal überlesen, copirte er wenige Zeilen daraus und verbrannte ihn dann. Aus Furcht, daß er dabei unrecht gehandelt, verbrannte er auch die Abschrift nachher. Er wußte aber den Inhalt noch auswendig und citirte ihn, wie es auch mit den übrigen Briefen geschehen war, aus dem Gedächtniß:

»Meine theuern Freunde!«

»Sie müssen am 11. Mai anfangen den Pudding zu essen, und Sie müssen an jedem Tage eines von den Pulvern hineinthun, wie sie notirt sind, für die sechs Tage – und Sie müssen selbst da zusehen, wie sie es an jedem Tage hineinthun, sonst hilft es nichts. Wenn Sie sich einmal krank fühlen, so müssen Sie keinen Doctor rufen lassen, denn es hilft Ihnen nichts. Und Sie müssen den Burschen, der an Ihrem Tische gewöhnlich ißt, von dem Pudding nicht mitessen lassen, sechs Tage lang. Und Sie müssen immer selbst nur soviel bereiten, als Sie selbst essen dürften. Wenn was übrig bleibt, so hilft es nichts. Sie müssen Ihre Thür verschlossen halten, so fest Sie können, oder irgend ein Feind wird Sie überrumpeln. Geben Sie also wohl acht auf alle meine Anweisungen, oder es geht uns Allen ans Genick. Etwa am 25. Mai komme ich nach Leeds und lasse Ihre Frau dann zu Mary Bateman rufen. Ihre Frau soll mich dann bei der Hand ergreifen und weiter nichts sprechen als:»Dank sei Gott, daß ich Sie gefunden habe!« Es hat nun Gott gefallen, mich in die Welt zu schicken, damit ich die Werke der Finsterniß zerstöre. Ich nenne sie Werke der Finsterniß, weil sie für Euch finster sind. Nur nehmen Sie sich vor, Alles zu thun, was ich Ihnen sage. Dieser Brief muß, in Stroh gewickelt, auf dem Herde von Ihrer Frau verbrannt werden.«

Die Perigos waren und blieben gehorsame Gläubige unter der geheimnißvollen Macht, welche sie umstrickt hatte. Montag, den 11. Mai, fingen sie an den Pudding zu essen, indem an jedem Tage von dem voraus bereiteten Teig soviel abgekocht ward, als sie verzehren zu können glaubten; dazu ward das für den Tag bestimmte Pulver hineingeschüttet. In den fünf ersten Tagen fanden sie im Pudding keinen besondern Geschmack. Am Sonnabend hatte die Frau den Pudding früher bereitet und der Mann, der nach Leeds gegangen war, scheint von der Angst schnell zurückgetrieben zu sein, daß die Frau das Pulver hineinschütten könnte, ohne daß er zugesehen, und dann war ja die ganze Wirkung vorüber. Er kam also noch zu rechter Zeit zurück, um zu sehen, wie das Pulver hineingerührt ward. Es war an Quantität vier oder fünf mal stärker als die frühern. Nachdem der Pudding aufgesetzt, hatte die Frau noch von dem Überreste des Teigs einen kleinen Kuchen geknetet. Etwa 20 Minuten nach 12 zerbrach sie ihn in zwei Stücke und der Mann aß eines davon. Er hatte einen herben Geschmack und Perigo sagte zu seiner Frau, wenn der Pudding auch so schlecht schmecke, wolle er nicht davon essen. Als der Pudding gar geworden, nahm er einen Bissen in den Mund, aber er schmeckte so ekelhaft (»krisselig« sagte Emma Schröder im Hartung'schen Proceß), daß er nicht mehr essen konnte. Seine Frau war gläubiger als er, was viel ist, sie schluckte drei bis vier Bissen herunter. Mehr vermochte aber auch sie nicht. Als sie den Rest des Puddings in den Keller trug, ward sie von den heftigsten Erbrechungen befallen.

Aber sie fiel darum nicht aus ihrem Glauben, im Gegentheil, das war ja nur die Erfüllung der Prophezeiungen der Blythe: sie würde krank werden und dann müsse sie von dem Honig essen. Perigo nahm zwei Löffel davon, seine Frau sechs bis sieben. Beiden wurde danach nur schlimmer. Das Erbrechen dauerte 24 Stunden fort. Rebecca wollte nichts davon hören, daß zu einem Doctor geschickt würde, dies sei ja ausdrücklich gegen Mistreß Blythe's Gebot. Sie hatte ihnen ja versichert: die Krankheit werde nicht mit dem Tode enden, und wenn sie auch todt schiene, würde sie leben, denn sie, die Prophetin, sei bestimmt, die Werke der Finsterniß zu brechen.

Aber es ward immer schlimmer; auch des Mannes Zustand. Eine furchtbare Hitze kam aus seinem Munde, er ward wund, die Lippen schwarz und ein wüthender Kopfschmerz quälte ihn, 20 mal stärker als ein gewöhnlicher. Alles um ihn her war grün. Desgleichen brante es ihm in den Eingeweiden; mehre Tage konnte er nichts zu sich nehmen, und genas nur mit knapper Noth.

Die Symptome, welche sich bei seiner Frau zeigten, waren derselben Art, nur weit heftiger. Ihre Zunge schwoll so, daß sie den Mund nicht schließen konnte. Ein entsetzlicher Durst quälte sie und sie war matt wie eine Fliege. Da schickte endlich Perigo nach einem Wundarzt, am Sonntag den 24. Mai. Aber ehe er kommen konnte, war die Unglückliche schon gestorben, und, um die Kosten zu sparen, ward ein anderer Bote abgeschickt, um dem Arzte abzusagen.

Noch auf dem Sterbebette bat das gläubige Weib ihren Mann, ja nicht zu rasch zu handeln; er möge die von Mary Bateman bestimmte Zeit abwarten! Dennoch ging der Witwer folgenden Tages selbst zu dem umsonst gerufenen Wundarzt Chorley. Der Arzt erklärte, nach dem, was ihm Perigo erzählte, daß er Gift genossen. Auf seine Anweisung ward von dem Mehl (? flour), aus welchem der Pudding gebacken war, eine Pastete geknetet und einer Ente zu fressen gegeben, aber es that ihr nichts. Ja die Ente lebte noch bis zum Gerichtstage. Aber eine Katze, die nur von einem Theile des Puddings aß, crepirte darauf.

Perigo war noch nicht curirt – von seinem Glauben. Im Monat Juni, kurze Zeit nach dem Trauerfall, ging er zur Bateman, benachrichtigte sie vom Tode seiner Frau und sagte, es thäte ihm doch leid, daß er keinen Doctor gerufen, und er hätte es nur unterlassen, weil Mistreß Blythe es so streng verboten. Die Bateman schüttelte den Kopf: »Vielleicht ist es das, daß Sie nicht allen den Honig, wie sie verordnet, verschluckt haben, wie sie im Briefe verordnete.« – »Nein«, sagte er, »ich glaube gerade, der Honig hat uns den Jucks angethan.« Auf die Frage, was er damit meine, erwiderte er rundheraus: wenn sie den verordneten Honig nicht gegessen, so würden sie den Doctor geholt haben, und dann wäre vielleicht Alles gut. Die Bateman erklärte, er mache sie sehr unglücklich durch solche Zweifel, wenn er ihr den Honig bringe, wolle sie ihn, wie er da ist, sammt und sonders herunterschlucken. Im selben Monat Juni erhielt Perigo einen neuen Brief von der unsichtbaren Prophetin:

»Mein theurer Freund!«

»Es betrübt mich sehr, Ihnen sagen zu müssen, daß Ihre Frau Dinge genossen hat, die ich ihr nicht befohlen habe, und das hat ihren Tod herbeigeführt. Ja, es hätte mich selbst in Scarborough tödten können, und auch Mary Bateman in Leeds, und Sie und Alle, und darum wird sie aus dem Grabe auferstehen und wird Ihnen mit der rechten Hand ins Gesicht schlagen, und Sie werden auf einer Seite gelähmt werden, aber ich will für Sie beten. – Sie dürfen zu keinem Doctor gehen, denn es hilft Ihnen nichts. Ich rathe Ihnen lieber, Alles zu essen und zu trinken, was Sie Lust haben; das wird Ihnen besser thun. Nein, theuerster Freund, folgen Sie meinen Anweisungen – thun Sie es, und es wird Ihnen gut sein. – Gott segne Sie. Amen, Amen! Augenblicklich, nachdem Sie ihn gelesen, müssen Sie diesen Brief verbrennen.«

Im October empfing er noch einen:

»Mein theurer Freund!«

»Mich verdrießt es sehr, daß Sie mir einen so schäbigen Rock, wie den, schicken konnten, da ich weiß, daß Sie bessere haben, denn ich brauche einen, um zuweilen in Gesellschaft zu erscheinen. Dank den Planeten in Betreff des Todes Ihrer Frau, so will ich Ihnen verbunden sein, wenn Sie mir eines ihrer besten Kleider senden, auch einen Unterrock oder ein Hemde, wie es Ihnen gefällt, und Ihre Familienbibel, denn ich brauche sie, wenn ich in der Kutsche sitze, wenn ich von Buxton nach Manchester fahre, um Sie da zu treffen, und ich werde es Ihnen schon wissen lassen, sobald Sie kommen sollen. Schicken Sie nur das Packet nach Leeds, von da will ich schon sorgen, daß es sicher zu mir kommt.«

Ein zweiter Brief vom selben Monat:

»Mein theurer Freund!«

»Ich werde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie der alten Frau eine und eine halbe Guinee geben wollen, um mir einen Karren Kohlen kaufen zu können, um mein Haus warm zu machen. Sie müssen zu Master Fenton bei Leeds gebracht werden. Sonst wird nichts daraus.«

Ein dritter, wahrscheinlich der letzte, auch vom October:

»Mein theurer Freund!«

»Sie würden mich verbinden, wenn Sie dem alten Weibe einen und einen halben Stein Mehl, vier Unzen Thee, ein oder zwei Pfund Zucker und eine Anzahl Eier geben wollten. Sie müssen aber eines der Eier ausblasen und eine Pfundnote innerhalb der Schale thun. Es ist zu einem ganz besondern Zwecke. Ich habe diesen Brief in einer Kleiderschachtel Ihnen zugeschickt, an die alte Frau in meinem Hause.«

Endlich scheint dem würdigen Master Perigo der Glaube oder die Geduld ausgegangen. Aber erst am 19. October 1808 trennte er das Bett auf, in welches alle die zahlreichen Beutelchen eingenäht worden. Nachdem er Alles durchsucht, fand er, daß nichts da war, was wie Geld aussah. In allen den später eingelieferten Beutelchen, wo er Guineennoten erwartet, waren nur Papierschnitzel, wo er Gold erwartet, Pfennige und Heller. Die vier ersten seidenen Beutelchen, in welche er selbst die richtigen Pfundnoten einnähen gesehen, waren ganz verschwunden, und er vermochte keine Rechenschaft zu geben, wie sie fortgekommen waren.

Statt Anzeige davon zu machen, ging er nach Leeds und machte Mary Bateman Vorwürfe: »Es thut mir leid, daß Sie in solcher Art mit mir verfahren sind.« – »Wie das, Master Perigo?« – Als er ihr treuherzig seine Enttäuschung erzählte, schien sie nicht im Geringsten erstaunt: »Sie haben sie nur zu früh aufgemacht, das ist's!« – »Ich fürchte zu spät«, entgegnete er und – vertröstete sie, er werde morgen früh wiederkommen und zwei oder drei Freunde mitbringen, die dann die Sache in Richtigkeit bringen sollten.

Die Bateman legte sich aufs Bitten, er möge das nicht thun, sie würden sich schon untereinander verständigen. Er solle nur einen Ort und Stunde bestimmen, da wollte sie ihm reinen Wein einschenken und Alles würde in Richtigkeit kommen. Perigo ging darauf ein, und eine Brücke über den Liverpoolkanal ward auf Morgen zum Ort des Rendezvous bestimmt – warum dort, wird uns ebenso wenig gesagt, als warum die Bateman wirklich daselbst erschien und nicht früher ihr Heil in der Flucht gesucht.

Dem armen Betrogenen folgten in der Entfernung zwei unbekannte Freunde. Er hatte die Güte, die Frau, als er sie an der Brücke traf, davon in Kenntniß zu setzen. Mary setzte sich auf einen Stein und schien sich erbrechen zu wollen. »Herr Gott«, schrie sie, »die Flasche, die Sie mir gestern Abend gaben, hat mich und meinen Mann beinahe vergiftet. Der liegt nun im Bett, weil er auch davon getrunken hat.« – Zu einer Frau, die vorüberging, schrie sie wie in entsetzlichem Schmerz auf: »Nicht wahr, Sie sahen's auch, wie er sie mir gab!« – Die Frau ging schweigend vorüber. Perigo sagte zur Bateman: solche Flasche, wie sie meine, würde er auch nicht einem Hunde geben.

In dem Augenblicke trat der eine unbekannte Freund, ein Oberconstabler, vor und nahm die Frau im Namen des Gesetzes gefangen. Sofort ward eine Haussuchung bei der Bateman abgehalten. Perigo fand und erkannte einen großen Theil der Sachen, welche er der Mistreß Blythe schicken müssen.

Befragt vom Richter, ob er alle seine Angaben mit vollem, gutem Gewissen gethan, erwiderte er mit fester Stimme: »Ich will dabei bleiben, solange ich lebe; ich will dabei bleiben in der andern Welt und für alle Zeit.«

William Perigo's Angabe ward durch andere Zeugen, soweit sich dies nach den Verhältnissen thun ließ, bestätigt. Sarah Stead, die Nichte der Ermordeten, hatte ihr selbst gerathen, bei der ihr damals noch persönlich unbekannten, aber durch den Ruf empfohlenen Frau Hülfe zu suchen; denn die gewöhnlichen Doctoren wußten keine und einer hatte geradezu erklärt, Rebecca leide unter einer Verwünschung. Die Bateman hatte sich einen Unterrock der Kranken erbeten und dann erklärt, daß sie selbst nicht helfen könne, wol aber eine Lady, die sie kenne.

Rosa Howgate, eine nahe Bekannte der Verstorbenen, berichtete über die schrecklichen Zustände vor und bei ihrem Tode. Nach derselben war ihr Körper überall mit schwarzen und weißen Flecken bedeckt und verbreitete einen so pestilenzialischen Geruch, daß man, um es auszuhalten rauchen mußte. Ihre Lippen waren ganz schwarz. Sie und ein anderer Zeuge machten einen Versuch mit dem Rest des Puddings, von dem Perigo und seine Frau gegessen. Eine Katze, der davon gereicht ward, verendete alsbald, nachdem sie eine grüne und gelbe Masse ausgebrochen. Als drei Enten davon gefressen hatten, crepirten sie am folgenden Tage.

Es ist, nach unsern Verhältnissen, wenn dies constirte, schwer zu begreifen, wie man so lange mit der Anzeige und Untersuchung zögern konnte.

Von Ärzten ward nur jener Wundarzt, Thomas Chorley, vernommen, welchen Perigo am Todestage rufen ließ und wieder abbestellte, und der auch nicht mehr als ein Dorfarzt scheint gewesen zu sein. Seine Aussage oder medicinisches Gutachten, wie man will, das einzige, was vom Gericht erfodert ward, lautete wörtlich, d. h. wie man es niederzuschreiben für werth gefunden, folgendermaßen:

Er habe von seinem Assistenten Hammerton ein Gefäß erhalten (von wem hat er es erhalten, wo hat er den Inhalt aufgenommen?), welches er seitdem immer in Besitz (Verschluß?) gehabt und über dessen Inhalt (war es das Gefäß, worin der Honig aufbewahrt gewesen, was nach dem Folgenden das Wahrscheinlichere, oder der Puddingrest?) er folgende Auskunft gebe. Zuerst kostete er es. (Den Pudding oder den Honig?) Es war sehr beißend, scharf, zusammenziehend und der Geschmack blieb lange auf der Zunge. Er nahm dann eine kleine Quantität davon auf ein reines Messer und rieb es mit den Fingern. Da veränderte es augenblicklich die Farbe. Als er es starker rieb, kamen eine Menge Kügelchen Quecksilber zum Vorschein und das Eisen ward schwarz davon. Die Veränderung der Farbe brachte ihn darauf, daß es eine mercurialische Composition sein könne, und nachdem er es aufgelöst und einer Reihe verschiedener Experimente und chemischer Proben unterworfen, war seine Meinung, daß die Mischung im Topfe Honig und ätzendes Sublimat von Mercur enthalte. Um sich vollständig zu überzeugen, machte er selbst eine Mischung von Honig mit ätzendem Sublimat von Mercur, was dann dasselbe Resultat lieferte. Ein kleiner Theil der Mixtur im Topfe ward zu Pillen gedreht und einem Hunde eingegeben. Durch einen Aufguß desselben Stoffes wurden sie ihm in den Schlund gespült. Der Hund fing augenblicklich an zu vomiren, fraß nicht mehr und starb am vierten Tage. Als man ihn öffnete, war er in einem Zustande außerordentlicher Entzündung. Der ätzende Sublimat von Mercur sah wie ein weißes Pulver aus und war ein furchtbares Gift.

Wir erfahren erst bei Gelegenheit der Aussage dieses Zeugen, daß, als die Bateman gefangen ward, man ihr eine Flasche und verschiedene Schächtelchen mit unbekannten Ingredienzen fortgenommen hatte. Der Arzt erklärte, Das, was in der Flasche enthalten, sei ein flüssiger Gegenstand, nämlich ein spirituoser, und wahrscheinlich Rum. In zwei Schächtelchen waren zwei Pulver, das eine schien Waizenmehl zu sein, das andere hatte alle specifischen Eigenschaften des Arseniks. Es war in der That Arsenik. Übrigens gab der Arzt seine Meinung dahin ab: nach Allem, was er von den verschiedenen Zeugen über die letzten Krankheitszustände der Rebecca Perigo gehört, so sei es ihm ganz unzweifelhaft, daß dieselben von einer Vergiftung hergerührt, und daß sie an Gift gestorben sei.

Der öffentliche Ankläger hatte den Fall für einen der merkwürdigsten erklärt, sowol wegen der Scheußlichkeit des begangenen Verbrechens von der einen Seite als wegen der ungewöhnlichen Einfältigkeit auf der andern. Die Anklage, die sich auf nichts weiter einließ als auf Das, was der Hauptzeuge bekundet, berührte noch den Verdacht, daß die Bateman am Morgen ihres letzten Zusammentreffens mit Perigo der Absicht gewesen, ihn durch einen Trunk aus der (vergifteten oder zu vergiftenden?) Flasche aus dem Wege zu räumen. Die außerordentliche, frechschlaue Vergiftungsprocedur sei aber überhaupt nur unternommen, um die Perigos, welche nun endlich hinter den Betrug kommen müssen, vorher aus der Welt zu schaffen.

Von einer Verteidigung scheint nicht die Rede gewesen zu sein.

Die Jury brachte nach der Berathung kaum einer Minute ihr Schuldig zurück. Das Todesurtheil ward ausgesprochen. Der Clerc erhob sich: »Mary Bateman, was hast Du anzuführen, daß die Todesstrafe nicht augenblicklich an Dir vollstreckt werde?« Sie erwiderte: sie sei seit 22 Wochen schwanger. Sofort hieß der Richter den Sheriff eine Jury von Matronen zu bestellen. Kaum war das Wort vernommen, als ein entsetzliches Gedränge entstand, alle verheiratheten Frauen eilten voller Bestürzung nach der Thür, um nicht zu dieser unangenehmen Jury erwählt zu werden. Der Richter mußte die Thüren schließen lassen, um ihr Fortgehen zu verhindern. Man ist in England rasch zur Hand. In einer halben Stunde waren 12 der anwesenden Damen und verheiratheten Frauen aufgegriffen, eingeschworen zur Jury und die Frage ihnen vorgelegt: »ob die Gefangene ein Kind unterm Herzen trage?« Nach einer Untersuchung, die auch nicht lange dauerte, brachten sie ein Verdict zurück: »daß Mary Bateman kein Kind unterm Herzen trage.«

Bei der Hinrichtung trat der Geistliche an die Verbrecherin und fragte sie, als der Strick schon um ihren Hals hing, insbesondere, ob sie noch Eröffnungen zu machen habe? Sie erwiderte: »Nein, ich bin unschuldig.« Im nächsten Augenblick schwebte ihr Körper am Seil. Er ward zur Section dem großen Spital in Leeds überwiesen.

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