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Der Münchner im Himmel

Ludwig Thoma: Der Münchner im Himmel - Kapitel 39
Quellenangabe
typesatire
booktitleDer Münchner im Himmel
authorLudwig Thoma
year1992
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-11493-2
titleDer Münchner im Himmel
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Bildung und Fortschritt

Erlebnisse und Gedanken der Babette Fröschl, ehemals Dienstmädchen, später Pulverfabriksbeamtin, zurzeit arbeitslos. Mitgeteilt aus ihrem Briefwechsel.

Liebe Marih!

Das du noch in eirem geschehrten Orte siezen magst wundert mich schon, aber fieleicht wirst du auch noch gescheit und machst deinem Bauern nicht mer fir einen Pfifaling den Drampel.

Ich hätte schon anderne stehlen bekommen, das kan ich dir sagen, sogahr bei einen Viehendler und Einkaufbeahmten, wo jetzt die hechsten Beamthen sind und im Monath mer haben, wie ein Bresident im Jar. Aber schneggen, wahn ich thum bin. Eine stehle kann man jetzt iemer haben, das kahn ich dir sagen, wen mahn mahg. Mir ferlaubt es aber mein Karieh nichd, der, wo ich dir schon geschrieben habe, das mir in der Bulferfabrieg in Tachau wahren und er wahr aufsäher und hernach ist er Hadudant gewest fom Schtattkomatant und hernach ist er zweiter Bolizeibresident wohren und jez ist er arbeizloser.

Neben seiner Bension fier arbeizlosigkeit bedreibt er auserdem einen schlaichhandel dadurch das ich vom lande wahr und bei Erding zu hauße war. Fon den geschärten hohlen wir allerhand, leuder das dieße rahmeln jez auch schon höll auf der blathen sind und der Karie ergert sich oft driber.

Ich hawe dier aber schreim wohlen damit das du in die Schtadt komst, den mit dem schlaichhandel kanzt du dier fiel verdinen und wan du nichd gleich einen schaz finzt kan ich dier schon einen besorgen. Du klaubst nichd wie es 'ez lustig is und fil lustiger als wi zu for, wo mahn als Dienzbothe gegnächtet wahr.

Der Karie sagt ofd es reid ien jede stund wo er was garbeid hat und es wahr gewies nichd fil aber es reid ien doch.

Mich reid es ebenfahles.

Ich gehe jeden Dag um fir uhr in ein Kieno.

Libe marih, frieher in der Zeid wo wir ahle unterdrikt wahren und Gschlagen fon dem kabidalismus, und wie ich zuerscht ein Dienzbothe wahr, da häde mahn gar nichz dafon gehabd bald mahn sich einen freien nachmiedag herausgeschwiendelt hat, auser das mahn ins wierzhaus gegangen ist und da had mahn seinen schaz fil bier und essen zallen missen.

Da had mahn schon gar keine Freide dazu gehabt zum blau machen und ich hawe sogahr liber garbeid aus ferdrus.

Aber jez ist es ganz anderst.

Libe marih dadurch das mahn das Kieno had ist erst die arbeizlosigkeit schener gewohrden und angenehmer und bald man lang im bet liegen bleibt und im nachmidag ins Kieno geth ist es ein härliches leben, wie mahn es frieher nichd gekennt had.

Du hast neulich geschriem mid der arbeid ferget dier die zeid.

Libe marih mit dem Kieno ferget sie auch und fil angenähmer.

Dadurch ist dieße Kunzt eine solchene wollthat fier das werktetige Volk, das es iehm die arbeizlosigkeit fersießt.

Ich kauffe mier was zum schläggen und seze mich hinein und suzle ganz gemiedlich meine Zelteln, derweil schaue ich dieße grosartige Kunzt an.

Du klaubst nichd was man da ahles siechd, lauter schene romahne und du brauchst nichd einmahl zu läsen sontern blos schaugen und kanzt dabei schnuhlen.

Forgestern wahr ich in einem da wahr ein mohrd in einem Kehler und es hat sich zwegen einer erbschafd gehandelt, di wo einer megen häd, der gar nichd der bedrefende wahr sontern er hat den andern in amerikha um bracht gehabt und ißt mit seine babier als Erbe kohmen und wahr schon mithen in reichdum und gelt und had mit die schensten mentscher schambanniger trunken. Da had man sich gergert und es haz aber ein amerikhanischer Dedektif aufbracht. Ich weis es nichd mer genau wie ers aufbracht had weil ein matroße neben mir gsässen ißt, wo ser fräch wahr, aber ein sehr nether mentsch.

Gestern wahr ein läbensbild fon einem ahrmen mätchen in das wo sich ein barohn ferlibt der schon ein alther Dadetl ist und er häth noch Kubiezen auf das junge Mätchen, wo fileicht noch unschuldig wahr aber der son fon dissem barohn ist auch fon der libe ergriffen wohrden und hat seinen elenthen fatter, wo im alther auf das junge bluth gedirschtet had, einen stos gegehm das er umgfahlen ist und fom schlahge betropfen toth wahr.

Man hat ien fors geriecht gestehlt und ferurteilt und das schafoth wahr schon hergericht und halb hawe ich beth, das er gerethet wird und halb were ich doch neigierig gwesen, wie das köbfen ist, aber da hat sich wer gemelt, der wo ales gesähen had. Wer glaubs du, das es wahr? Ein andernes mentsch fon dissem barohn, die wo aber schon elter wahr und zu iem had schlaichen wohlen und hat hinder einem forhang ales gsähen, das es blos ein stos wahr und der toth is zufelig dazu kohmen. Da wahr er gerethet und hat si geheirat, aber nichd die elterne, wo ien gerethet had sondern das junge Mätchen, wo als dienzbothe angfangen had und is dan barohnin wohrden mit einem gschloß. So was kehnte mahn schon auch braugen. Dem matroßen wo ich zufelig wider tropfen habe had es auch ser guth gefallen.

Libe marih kohme bald und lase Dich nichd fon dissen bauern ausniezen. Wegen dem das die zeid ferget brauchs du nichd mer zun arbeiden, den iez haben wier disse einrichtung, das man in Kienoh gehen kahn.

Es ist iemer gans fol und oft get mahn in zwei und in drei und was man da ahles derlebt ißt schohn was andernes als frieher wo mahn den boden butzt hat und teler gewaschen. Mahn schleggt die sießigkeithen und es stet auch in der zeidung, das mahn dadurch das Folk bieldet und aufklehrt. Die alden Hudschen lasen wier in die Kirchen gehn und die jugenth get ins Kieno.

Es ißt auch iemer musikh dabei und oft ein ohrgel, balz traurig wird. Mahn lärnt auch was, wie es auf der welth zuget und siecht wie ofd eine ier glükh machen kahn zum beischpil disses Dinsmätchen mit ierem barohn.

Mahn siechd nichd daß eine arbeiden mus, sontern durch eine erbschaft oder das grose los oder durch eine libschaft get es fil schener.

Libe mahri sei gescheid und kohme bald.

Es grist dich deine
Dreie freindin

Babeth Fröschl.

B. S. So ein matroßen kanzt du auch leicht krigen. Er ißt aber nicht auf dem mehr gewesen sontern in Heidhaußen und had auf der Festwise geschaugelt, wie noch der Kabidalismus wahr.

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