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Der Münchner im Himmel

Ludwig Thoma: Der Münchner im Himmel - Kapitel 33
Quellenangabe
typesatire
booktitleDer Münchner im Himmel
authorLudwig Thoma
year1992
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-11493-2
titleDer Münchner im Himmel
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Missionspredigt

des P. Josephus gegen den Sport

Liebe Christengemeinde!

im vorigen Jahr habe ich euch den Unzuchtsteufel geschildert, der wo bei schlampeten Frauenzimmern unter dem Busentüchel wohnt oder gleich gar auf der nacketen Haut sitzt, wenn sie ihre seidenen Fetzen so weit ausschneiden.

Er freut sich über die höllische Wärme, die wo beim Tanzen aufakimmt, und rapiti capiti hat er den christlichen Jüngling bei der Fotzen oder beim Heft, mit dem er vielleicht liebevoll die giftigen Dünst' aufschmeckt.

Apage Satanas! sag i, apage du Höllenfürst! Aber natürlich die Menscher müssen flankeln, und wenn die Röck fliegen, merken sie nicht, daß ihnen der Spirigankerl den Takt pfeift.

Liebe Christengemeinde! Jetzt haben wir aber noch einen anderen Unzuchtsteufel, und der ist gleich gar ein Engländer und heißt Sport.

Jesses Marand Joseph! Wenn man mit leiblichen Augen zuschauen muß, wie da eine unsterbliche Seele nach der andern in die Hölle abrutscht und mit einem solchen Schwung, daß sie im Fegfeuer gleich gar nimmer bremsen kann! Rodelt's nur! Rodelt's nur, ihr Malefizpamsen, daß euch die letzten Unterröck kopfaus in die Höh steigen und der Teufel gleich weiß, wo er anpacken muß. Zeigt's as nur her, eure Waderln und die schwarzen Strümpf und noch was dazu, daß euer Schutzengel abschieben muß über dem grauslichen Anblick!

Ja, was siech i denn da?

Ein Trumm Mensch, das schon zehn Jahr aus der Feiertagsschul is, schnallt sich Schlittschuh an, wie ein lausigs Schuldeandl, und rutscht am Eis umanand.

Und natürlich, er is aa dabei, der feine Herr mit sein Zwickerbandl hinter die Ohrwaschl!

Habt's as net g'hört, daß die Glocken zum heiligen Rosenkranz läut? Hörts net glei auf mit dem Speanzeln, und mit'm G'sichterschneiden und mit dene Redensarten, die von der Peppen ins Herz hinein tropfen!

O du Amüsierlarven, du ausg'schamte, was hängst denn du deine Augen so weit außer, daß ma's glei an der Knopfgabel putzen könnt?

Hat er was g'sagt, dein abg'schleckter Herzensaff? Hat er was g'sagt, daß deine Kuttelfleck vor lauter Freud in die Höh hupfen?

Und in Rosenkranz gehst net nei, du arme, verlorene Seel, und ausg'rutscht bist aa scho, und der Teufel hat di bei deine langen Haar?

Gelt, da schaugst, wenn di der Teufel mit der glühenden Zang in dein Hintern zwickt, weil's d'n jetzt gar a so drahst? Ja, ja, ja, ja! – Ja, was kimmt denn da daher?

D' Frau Muatta mit die zwoa Töchter auf die Ski?

San S' da, Madam, und hat's Ihnen neig'schmissen in den Schneehaufen, daß de dicken Elefantenfüaß zum Firmament aufistengan? Da kann ja unser Herrgott a halbe Stund lang nimmer aba schaug'n, sunst muaß er dös abscheuliche Schasti-Quasti sehg'n. Pfui Teufi! sag i, pfui Teufi!

Und de Fräulein Töchter, habe die Ehre!

Plumpstika, liegt auch schon da!

Freili, was ma siecht, is ja netter, als wie bei da Frau Mama. Aba g'langt denn dös net, daß Ihnen da Herr Verehrer vom Hofball her bis zum Nabel kennt? Muaß er no mehra sehg'n? Muß Eahna denn der Teufel aa bei der untern Partie derwischen?

Ja, strampeln S' nur mit die Füaßerln! Er schaugt scho hin; er siecht's scho! Servus, Herr Luzifer! Da kriag'n S' amal a feins Bröckerl in den höllischen Surkübel. Amen!

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