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Der Meineidbauer

Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer - Kapitel 7
Quellenangabe
typefolkplay
booktitleDer Meineidbauer
authorLudwig Anzengruber
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000133-1
titleDer Meineidbauer
pages3-9
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1871
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Sechste Szene

Die Mägde, Muckerl, dann Vroni.

Die Mägde (kommen, Muckerl in ihrer Mitte führend, vor).
Kimm, Muckerl, verzähl!

Mirzl.
Wie geht's denn auf der Alm?

Muckerl (hält eine Flasche sorgfältig unter der Joppe).
Ich dank! ich dank! Hehehe! Recht gut! Hehehe! Der Jodl laßt enk schön grüßen!

Burgei.
Was hast denn da in der Flaschen?

Annerl.
Laß amal kosten!

Muckerl (zieht die Flasche zurück).
Jo, hehehe! Daß 's mir's aussauft's und ich hätt nachher nix! (Gewichtig.) 's is Weihwasser!

Waberl.
Weihwasser! Habt 's doch ehnder g'nug drob'n auf der Alm!

Muckerl.
Freilich wohl! Aber dös ist für mich allanig! (Wie oben.) Zum Trinka!

Alle.
Jegerl, der trinkt's!

Muckerl.
Glaubt's ös leicht, i bin a Heid' und hob kein' Religion? A Predigt versteh ich net – beta dermerk i net, a Betbüchl konn i nit lesen – so nimm i halt 's Christentum einwendig!

Gretl.
Du bist a Hauptchrist!

(Alle lachen.)

Vroni (tritt mit einem Bündel auf).

Muckerl.
Hehehe! – Da kommt d' Vroni!

Mirzl.
Und a Binkerl tragt s' a!

Waberl.
Gehst 'leicht von da? Z'weg'n was denn?

Annerl.
Is eppa richtig mit 'n Toni und der Crescenz vom Kreuzweghof?

Burgei.
Heirat' er s' und laßt er dich sitzen, der grausliche Ding?

(Alle lachen.)

Gretl.
Schau, nimm 'n Muckerl, is a a feiner Bub'!

Muckerl.
Jo, hehehe! Ich nehm dich schon – hehehe! Du taugerst mir schon lang – dös war eine – juhuhu!

(Alle lachen.)

Vroni (verbissen).
Was ös aber lustig seid's, wann's ein'm traurig geht!

Burgei.
Uije! Stamm dich doch auf! 's kimmt dir sonst 's Flenna, bist ja sunst so stark!

Vroni.
Flennet' ich, g'schahet's nit, weil mir weh is, sondern aus Zorn!

Mirzl.
Jegerl, du Zornbinkl! – Beleidig dich nur nit! Wir sind allz'samm allweil gute Kameradinnen zu dir g'wes'n, wir müssen dir schon zum Abschied a paar Almer singen, daß dir 's Herzerl aufgeht.

        Mei' Schatz is viel sauber,
no säub'rer bin i,
und er heirat' auch z'nachst,
doch a andre als mi!

Chor (Lach-Jodler, den Muckerl mit typischem Gelächter übertönt).
Höhöhöhö!

Burgei.

        Mir is jetzt mein Binkerl
so schwer wie mein Herz,
und ich steh enk jetzt da
grad wie's Mandl beim Sterz!
(Wie oben.)

Annerl.

        's sein andere Dirndl
akrat wie du b'schlag'n,
und du wirst jetzt die Nas'n
so hoch nimmer trag'n!
(Wie oben.)

Waberl.

        Vom Gamskogel wahr a
der nämliche Wind,
mein' Mutter war ledig,
und i bin doch ihr Kind!
(Wie oben.)

Vroni (fahrt dazwischen, dabei bekommt Muckerl einen Rippenstoß).

Muckerl (reibt sich).
Ah! – Sie hat mich schon gern!

Vroni (in die Mitte tretend, singt).

        's Kreuzerl am Mieder
und 's Bücherl voll Lieder,
so stazt's ihr im Sonntagg'wand
in d'Kirchen miteinand'!
Da tut's ös so g'schamig,
so christlich und frumb,
doch wie unta der Wochen
seid's allz'samm' a G'lump!

Muckerl.
Höhöhöhö!

Vroni.

        Do richt's ös oft weitaus
viel brävere Leut' aus,
und ganget gleich drunta
ihr Glück und Ehr z' Grund a!
Dös tät enk nit kränken,
aus grad macht's ös krump,
denn ös seid's halt, ös bleibt's halt
doch allz'samm' a G'lump!

(Lehnt sich zornig weinend an den Brunnen.)

Muckerl.

        Ös seid's holt, ös bleibt's holt
doch allz'samm' a G'lump!

Höhöhöhö! (Rennt ab, da die Dirnen unter Geschrei: »Wart nur!« – »Du Fex!« – »Du kriegst's!« über ihn herfallen. Alle durch die Scheuer ab.)

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