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Der Meineidbauer

Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer - Kapitel 22
Quellenangabe
typefolkplay
booktitleDer Meineidbauer
authorLudwig Anzengruber
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000133-1
titleDer Meineidbauer
pages3-9
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1871
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Dritter Akt

Ärmliche Hütte.

Im Hintergrunde eine Mitteltüre, rechts eine Holztreppe, die auf den Boden führt, links ein Kachelofen. Im Vordergrunde ein Tisch, zwei Holzsessel, ein Großvater-Stuhl, neben an den Kulissen eine Bank, davor zwei Spinnräder; zwischen diesen und dem Großvaterstuhl steht ein Kienspanhälter, ein solcher Span beleuchtet die Szene.

Erste Szene

Die Baumahm im Großvaterstuhl liest in einer großen Hauspostille, Rosl und Kathrein sitzen auf der Bank und spinnen abgespannt und schläfrig; wenn der Vorhang aufgeht, steigt der Bader die Holztreppe herunter.

Bader (kommt unter folgendem vor und setzt sich an der Seite der Mahm).
's is recht g'scheit g'wes'n, Leutl, daß mich gleich habt's rufen lassen, nur immer rechtzeit dazuschau'n; aber da sein a paar im Ort, die sag'n: »Ja, der Bader kann auch nix geg'n die Natur, wo die nit hilft!«

Mahm.
Was macht er denn, der Bruder?

Bader.
Er schlaft wie 's ruhig Gewissen und morgen steht er g'sund wieder auf; geht auch schlafen, Dirndln, der Vater is außer aller G'fahr.

Mahm.
Meiner Treu', bin ich froh, ich hab schon glaubt, 's müßt a Leich' ins Haus, die Totenuhr hat die ganz' Nacht in ein'm fort tickt in die Wänd'.

Bader.
Dumm' Zeug, Baumahm, die Totenuhr, das sag ich Euch, is nix weiter als ein Wurm, der sein' Schädel im Holz anrennt, und bedeut' morsche Bretter und Balken, sonst nix! – Bleibt Ihr noch a Weil' auf, Baumahm?

Mahm.
Solang so a Wetter is, fürcht mer sich doch.

Bader.
Wißt, ich passet's auch gern ab, die Nässen kann ich nit leiden. Her hab ich müssen, von wegen dem Kranken, aber z' Haus, das is ein ander Sach; da is mein Weib, die kann euch die Nässen nit leiden und zählt mir jeden Tropfen vor, wann ich heimkomm! Da sein die Dirndln da ein paar andere, brave, die sein zu mir g'laufen kommen weg'n Vater in dem Höllenwetter. Na, dafür kriegt jede amal ein' brav' Mann.

Rosl.
Ja, Bader, aber ein', der sich z' Haus traut zu sein' Weib.

Kathrein.
Und wo man nit, wie heut bei Euch, schon vorm Wetter die Tropfen kann zähl'n von der Näss', was Euer Weib nit kann leiden.

Bader.
Oho! Oho! Ihr meint, weil ich trink. Teixeldirn! Trinken muß unsereins, das g'hört dazu, daß 'n die Elendigkeit der Leut' nit so angreift. Ich wollt, dös Wetter wär erst vorüber.

Kathrein.
Meint's das dahoam – oder –

Bader.
All' zwei!

Rosl.
Geht, Mahm, macht Euer Buch zu, Ihr derbetet's doch nit, daß dös Wetter in der Bälden aus wird. Heunt wär so a Nacht für a recht a grusliche G'schicht, verzählt's eine.

Kathrein (kneipt sich in den Arm).
Es is so eigen gut, wenn man a Ganshaut kriegt.

Mahm.
Ös wißt's, der Bader kann die gruslichen G'schichten nit leiden.

Bader.
Erzähl s' nur, Baumahm! Meinetweg'n kriegt ihr eure Gänshäute, schlechte Träum' und schiefe Ansichten, mir is's gleich.

Rosl (setzt sich zurecht).
So fang d' Mahm nur an.

Kathrein.
Ich paß schon drauf.

Mahm (klappt die Postille zu). No, so lost's halt zu! – Es war amal a Bauer – – –

Rosl (lachend).
Ui je! Dös is die alt' G'schicht' vom faulen Bauern, der g'meint hat, wann er arbeit't, müßt er a wissen, für was.

Kathrein.
Geh zu, du weißt's doch nit, die Mahm meint g'wiß dö vom Bauern, der die Kuh hat am Markt g'führt, und sein zwei Spitzbub'n kämma –

Mahm (schlägt auf den Tisch).
Schnattert's und schnattert's, dumme Menscher, wißt's net, daß alle G'schichten so anfangen? Alsdann: Es war amal a Bauer –

Bader.
Pst! Horcht's auf – es kommt einer auf die Hütt zutappt!

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