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Der Meineidbauer

Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer - Kapitel 20
Quellenangabe
typefolkplay
booktitleDer Meineidbauer
authorLudwig Anzengruber
year1994
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000133-1
titleDer Meineidbauer
pages3-9
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1871
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Neunte Szene

Vorige. Ferner erscheint am Fenster.

Ferner.
Laß nur auf!

Vroni (tritt erschrocken zurück, für sich).
Da is er doch noch!

Ferner (setzt sich aufs Fensterbrett, das Gewehr zwischen den Knien).
Je, wie's dich z'sammenreißt! Verlegt's dir die Red'? – Is a gescheiter, du redst nix und nimmst Vernunft an! Bist ja a willige Dirn'! Hast wohl a dem nit »nein« g'sagt, den ich vorher hab da naussteig'n sehn? – Ich weiß, es is dir nit um mich z' tun und hätt'st dir's wohl nit denkt, wie d' mich heut so klein g'macht hast, daß ich so bald wieder aufstund' und gar noch herkimm zu dir! Aber ich hab grad die schneidigen Dirndln gern, es is a b'sondrer G'spaß, die mürb z' machen! Deßtweg'n taugst mir und, wann's a schon a Weil' her is, daß ich nach kein' Dirndl mehr frag, zu dir komm ich doch fensterln! Hahaha! (Steht auf, tritt auf sie zu, die Zähne übereinander.) Mach keine Umständ', sonst brenn ich dich beim ersten Schrei nieder! Gib 'n Brief heraus!!

Vroni (wieder vollkommen gefaßt, für sich).
Wart, Falschspieler, wie ich dich jetzt trumpf!

Ferner.
B'sinn dich nit lang!

Vroni (wie zornig).
Weißt ja doch selber recht gut, daß ich 'n nimmer hab! Hast wohl drauß auf der Lauer schon dein' Freud' dran g'habt, wie ich wehrlos dasteh, neam'nd errufen kann und tun muß, wie euch g'leg'n is!

Ferner.
Spinn keine Faxen, zwirn hurtig aber, gib 'n raus!

Vroni.
Mach mich nit wild mit deiner unnötig'n Frotzlerei! Hast du nit dein' Bub'n selber auf mich g'hetzt, daß er mir 'n Brief abtrutzt? – Ös habt's ja doch hitzt, was wöllt's, laßt's mir wenigstens ein' Fried'!

Ferner.
Mein' Bub'n? Was redst, bist überhirnt – oder –? –

Vroni.
Du kennst 'n wohl gar nit, den, der früher zum Fenster da nausg'stieg'n is?

Ferner (jäh erschreckend).
Der Franz war's? Jesus und Josef! – Ja! – ich hab mein' Aug'n nit trau'n woll'n, wie er in der Finstern an mir vorbeig'strichen is... und doch – dös G'wand – er is mir z'vorkämma – er hat 'n Brief – der Schuft will sein' Vatern ganz in Händen hab'n!

Vroni (ironisch).
Dös ärgert dich wohl grimmig?

Ferner.
Wir zwei sein fertig miteinander! – Ös habt's zum letztmal vom Kreuzweghof träumt, für enk wird hitzt auf St. Nimmerstag in Nindaschtdorf Recht gesprochen, und ich rat enk auch, laßt's kein Wörtel mehr vom »Meineidbauer« fall'n! Adjes! Der Bub kann noch nit weit sein, mit dem red ich hitzt 's letzte Wörtl! (Steigt zum Fenster hinaus.)

Vroni.
Der Herrgott verzeih mir die Sünd'; aber hätt's nit glaubt, wie leicht man ein' Spitzbub'n geg'nüber selber einer wird! Gibt wohl drum so viel, denn einer macht – wie man von die Narr'n sagt – ihrer zehne! – Jetzt hab ich aber auch 'n Alten auf 'n Franz g'hetzt – 's wird dem doch nix g'schehn – Ah! der wird ehnder nit z' finden sein – gang mir recht nah, wann ihm was g'schähet, hab 'n fast so gern wie ein' Bruder! Mein rechter, der arm' Jakob, liegt hitzt unt' in Ottenschlag! – Himmlischer Vater, ich befiehl s' all' zwei in deine Händ'! Laß dem Toten die Erd' leicht sein und b'hüt mir 'n andern vor Not und G'fahr!

(Unter heftigem Donnerschlage und Aufleuchten des Wetterschlages fällt der Zwischenvorhang.)

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